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Buchhandlung Weltbühne
Stand: 3.5.2012

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Bücher, die in den letzten Wochen eingetroffen sind: eine Auswahl



Jutta Ditfurth: Worum es geht. Flugschrift. Rotbuch Verlag 2012. 48 S. (NB1216). 3,99 Euro
Es gärt. Kaum wird das Ende der Krise eingeläutet, nimmt die nur ihren nächsten Anlauf. Millionen Menschen fürchten sich vor der Zukunft. Eine winzige Minderheit besitzt Milliarden. Die Mittelschicht wird zerrissen. Angst und Armut lassen bürgerliche Konsense bröckeln. Rassismus und Naturzerstörung wachsen. Vertrauensverluste, panische Reformen, eine mediale Revolution. Wir erleben den Beginn einer Totalveränderung. Ein „Weiter so!“ ist unmöglich. Klug und mit Bedacht bringt Jutta Ditfurth Ordnung ins Gestrüpp der Diskussion und legt die Interessen der Beteiligten offen. Ohne jeden Alarmismus stellt sie klar, worum es in Wirklichkeit geht. Sie sagt, was uns droht und was wir tun können. Unter dem Getöse der „News“, dem Geschrei der „Reformer“, dem Lärm der „Experten“ verbergen sich Wege für einen radikalen Humanismus. Eine unverzichtbare Orientierungshilfe für alle, die zum Kern der Debatte vordringen wollen.



Ulrich Sander (Hg.): Von Arisierung bis Zwangsarbeit. Verbrechen der Wirtschaft an Rhein und Ruhr 1933 bis 1945. PapyRossa Verlag 2012. 348 S. mit zahlr. s/w-Abb. (NB1217) 16,90 Euro
Zum Beispiel Krupp. Der Konzern habe sich stets um einen humanen Kapitalismus bemüht, berichtete das Fernsehen zum 200jährigen Firmenjubiläum. Ob da auch an die zwölf Jahre nach 1933 gedacht war? Das letzte Tabu sei gebrochen, hatte es mit Blick auf die verdienstvolle Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ geheißen. Aber „blinde Flecken“ blieben trotzdem. So in einem Bereich, der weniger lautstark diskutiert wird, jedoch mindestens ebenso wichtig war für die Funktionsweise der faschistischen Herrschaft in Deutschland wie die Wehrmacht: Die Rolle von Wirtschaftsführern und Unternehmen bei faschistischen Planungen für Krieg und Massenmord, als Akteure und insbesondere als Profiteure. Das Buch stützt sich auf selbstrecherchiertes Material von Geschichtswerkstätten und VVN-BdA, um an Verbrechen der wirtschaftlichen Eliten an Rhein und Ruhr zu erinnern: Von Abs bis Zangen, von Flick bis Quandt, von IG Farben bis Oetker-Pudding, von Arisierung bis Zwangsarbeit. Und auch Krupp wird nicht vergessen.



David Salomon: Demokratie. PapyRossa Verlag 2012, Reihe Basiswissen. 132 S. (NB1218) 9,90 Euro
„Basiswissen“ bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie. Parlamentarismus, allgemeine Wahlen, ein liberales politisches System – ist das schon Demokratie? Daß es ein Trugschluß sei, Demokratie mit Liberalismus gleichzusetzen, heben Autoren wie Luciano Canfora, Domenico Losurdo oder Ellen Meiksins Wood hervor. Sie betonen, daß der Liberalismus seit je die Tendenz hatte, „Demokratie“ auf ein Elitenprojekt zu reduzieren. Geht man mit Arthur Rosenberg davon aus, daß sich der Demokratiegehalt einer Klassengesellschaft daran mißt, wie es um die reale Macht der Unterdrückten steht, kommt man zu ganz anderen Ergebnissen als liberale Theoretiker. Der Band führt in Begriff und Geschichte der Demokratie ein, indem er sich an diesem Gegensatz orientiert. Die grundlegende These ist: „politische Demokratie“ läuft leer oder ist gar bedroht, wenn sie sich nicht zur „sozialen Demokratie“ (Wolfgang Abendroth) erweitert. Der Band fragt nach Möglichkeiten zur Demokratisierung der gesamten Gesellschaft und bilanziert bisherige Versuche, dies zu erkämpfen.



Peter Rau: Der Spanienkrieg 1936 – 39. PapyRossa Verlag 2012, Reihe Basiswissen. 132 S. (NB1219) 9,90 Euro
„Basiswissen“ bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie. Als im Juli 1936 in Spanien die Reaktion gegen die demokratisch gewählte Volksfrontregierung putschte und bereits nach wenigen Tagen die Schützenhilfe aus Deutschland und Italien zugunsten der Militärs um Francisco Franco unumstößlich bewiesen war, eilten Tausende Antifaschisten aus aller Welt der Republik zu Hilfe und kämpften in den legendären Internationalen Brigaden. Die Vorgeschichte dieser Ereignisse wird hier ebenso beschrieben wie die umfangreiche materielle Unterstützung Francos durch den internationalen Faschismus. Thematisiert wird zudem die verhängnisvolle Nichteinmischungspolitik der „Demokratien“ des Westens, die – neben der massiven Intervention seitens Hitlers und Mussolinis – letztlich für die Niederlage der Republik verantwortlich war. Beleuchtet werden aber auch deren Versäumnisse und Fehler sowie die Rolle der Kommunistischen Internationale als Spiritus Rector der Interbrigaden und die nicht immer uneigennützige Hilfe der Sowjetunion.



Kurt Pätzold: Wahn und Kalkül. Der Antisemitismus mit dem Hakenkreuz. PapyRossa Verlag 2012. 246 S. (NB1215) 15,90 Euro
Kurt Pätzold, lehrte bis 1992 als Professor für Deutsche Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin. International renommierter Historiker und Faschismusforscher. Gegenstand des Buches ist die Geschichte der Judenverfolgung und des Judenmordes, geplant und befohlen von den Machthabern des faschistischen Deutschen Reiches. Zudem befaßt es sich mit der Erforschung des Verbrechens, mit der Juristen, nicht Historiker den Anfang machten. Der Band schildert indessen nicht nur Ereignisse und Abläufe. Er fragt nicht allein nach dem Was und dem Wer, dem Wann und dem Wie, sondern auch nach dem Warum. Es geht also auch um die Motive, Antriebe und Ziele derer, die zuerst die Vertreibung der Juden aus dem Reichsgebiet, dann die Ermordung aller, derer sie in ihrem Machtbereich habhaft werden konnten, in Gang setzten und lenkten. Die Antworten werden aus dem Blick eines Historikers gegeben, der sich mit dem bloßen Verweis auf die Ideologie der Rassisten mit dem Hakenkreuz nicht begnügt. Durchmustert werden Resultate der Forschung, dargestellt die Kontroversen, gestrige und heutige, und markiert auch die blinden Flecken, die noch zu tilgen sind.



Klaus Huhn: Die Gauck-Behörde. Der Inquisitor zieht ins Schloss. Spotless Verlag 2012. 128 S. (NB1214) 9,95 Euro
„Er ist das Volk“, titelte der stern. War das feine Ironie? Vermutlich nicht: Die Medien meinen es ernst. Gauck sei „einer für uns: unbequem, eigensinnig – und gerade deshalb der Richtige“. Nein, meinen jene, die ihn besser kennen. „Gauck ist die falsche Person“, sagt Hans-Jochen Tschiche, einst Pfarrer und Mitbegründer des Neuen Forum. Dieser sei nunmehr „dort angekommen, wo er schon immer hin wollte – im konservativen Teil der westlichen Gesellschaft“. Ihm mögen „noch so viele prunkende Gewänder umgehängt werden, der Mann ist weder Intellektueller noch Staatsmann, noch hat er die Verdienste um die deutsche Einheit, die ihm nachgesagt werden“, schrieb Marian Krüger im neuen deutschland. Klaus Huhn hat den Kandidaten noch einmal genau unter die Lupe genommen.



Alexander Kluge: Personen und Reden. Lessing – Böll – Huch – Schiller – Adorno – Habermas – Müller – Augstein – Gaus – Schlingensief – Ad me ipsum. Verlag Klaus Wagenbach 2012 (SALTO).144 S. Fadengeheftet. Rotes Leinen. (NB1208). 15,90 Euro
Eine stete Unterbrechung unglücksbringender Selbstverständlichkeit in elf Portraits. Zum 80. Geburtstag hat sich Alexander Kluge diesen Band gewünscht, um seine Reden über andere große deutsche Öffentlichkeitsarbeiter zu sammeln: Er spricht über G. E. Lessing, Heinrich Böll, Ricarda Huch, Friedrich Schiller, T. W. Adorno, Jürgen Habermas, Heiner Müller, Rudolf Augstein, Günter Gaus und Christoph Schlingensief. Dabei gelingen ihm nicht nur verblüffend zugespitzte Portraits dieser Personen. Kluges Gedanken „durchstreifen sein Hirn“ und schöpfen – blitzgescheit und haarsträubend assoziativ – aus einem tiefen Fundus von Kenntnissen: Er führt literarische Beispiele (Ovid, Shakespeare oder David Hume) ebenbürtig mit historischen Ereignissen als Zeugen an, wobei sein Interesse immer den großen Wendepunkten gilt (1945, Tschernobyl oder dem 11. September). Am Ende steht ein für dieses Buch neu geschriebener Text: Ad me ipsum, in dem er uns von den ihm wichtigen Produktionsmitteln des Gefühls erzählt: den Büchern, den Bildern und der Oper.



Werner Ruf: Der Islam – Schrecken des Abendlands. Wie sich der Westen sein Feindbild konstruiert. PapyRossa Verlag 2012. 132 S. Pb. (NB1212) 9,90 Euro
Als „dem Westen“ mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion sein liebstes Feindbild abhanden kam und der NATO eine Legitimationskrise drohte, fand sich bald Ersatz. Ihn lieferte Samuel P. Huntington. Die Konflikte des 21. Jahrhunderts, so Huntington, seien solche zwischen Kulturen, von denen eine besonders gefährlich sei: Der Islam. Der einst biologisch begründete Rassismus kommt seither mit Vorliebe im kulturellen Gewande daher. Die aus den aktuellen Krisen des Kapitalismus erwachsenden Ängste werden so instrumentalisiert gegen Minderheiten. Die Debatte um Thilo Sarrazin und Henryk M. Broder markiert nur die Spitze des Eisbergs einer sich europaweit formierenden Rechten. Der behauptete „Kampf der Kulturen“ entpuppt sich dabei als faschistoides Instrument, das auch die Grundlagen bürgerlicher Demokratie bedroht.



Marc Thörner: Die arabische Revolution und ihre Feinde. Edition Nautilus 2012. 160 S. Pb. (NB1211) 12,90 Euro
„Sarkozy! Sarkozy!“ rufen Demonstranten in Bengasi, als französische Jets Gaddafis Truppen bombardieren, und schwenken Trikoloren. Am Mittelmeer scheint die NATO den Demokraten Feuerschutz zu geben, doch als Marc Thörner durch Afghanistan reist, erlebt er eine andere Seite des Bündnisses: Dort alimentiert die NATO ein System, das aus einer erzfundamentalistischen Zentralregierung und zahlreichen diktatorischen Warlord-Fürstentümern besteht. Mal Vorkämpfer, mal Feind der Demokratie – gibt es hinter diesen Widersprüchen westlicher Politik eine Logik? Die Frage führt den Autor auf seiner Spurensuche durch mehrere Länder: Libyen, Tunesien, Saudi-Arabien, Irak, Syrien und schließlich wieder Afghanistan. Immer deutlicher kristallisiert sich dabei heraus: Der islamische Extremismus ist nicht allein im Orient entstanden, sondern Teil einer gemeinsamen west-östlichen Anti-Aufklärung. Ihre prägenden Vordenker sind nicht muslimische, sondern europäische Intellektuelle und Militärs. Sie sind eine Gefahr – nicht nur für die arabische Freiheit.



Luciano Canfora: Zeitenwende 1956. Entstalinisierung, Suez-Krise, Ungarn-Aufstand. PapyRossa Verlag 2012. 128 S. Pb. (NB1213) 9,90 Euro
Luciano Canfora, Prof. Dr. phil., Altphilologe und Historiker. Sein Buch „Eine kurze Geschichte der Demokratie“ hat in der Bundesrepublik für Furore gesorgt.
Gekennzeichnet von dramatischen Ereignissen markiert das Jahr 1956 eine historische Zäsur: Der XX. Parteitag der KPdSU und Chruschtschows Geheimrede samt ihren fragwürdigen Umständen läuten die Entstalinisierung ein; die Suez-Krise drängt die traditionellen Kolonialmächte Frankreich und England in die zweite Reihe hinter die USA; die Niederschlagung des Ungarn-Aufstands betont die Hegemonie der Sowjetunion gegenüber ihren „Bruderländern“; im Kalten Krieg zwischen West und Ost kommt es zu ersten Anzeichen einer Entspannung. Mit teilweise wenig bekannten Dokumenten stellt Luciano Canfora überraschende Bezüge her. Sie zeigen, wie die Sowjetunion und die Westmächte bei ihrer Unterstützung bzw. Unterdrückung widerstrebender Nationalismen scheinbar spiegelbildlich agierten. Damit wird auch deutlich, wie eng all diese Ereignisse miteinander verflochten waren. Ihre Interpretation ist bis heute nicht abgeschlossen. Sie bleibt grundlegend für das Verständnis des 20. Jahrhunderts.



Guido Speckmann, Gerd Wiegel: Faschismus. PapyRossa Verlag 2012 (Basiswissen). 128 S. (NB1205) 9,90 Euro
Wie klärungsbedürftig das Thema „Faschismus“ ist, zeigt sich schon am Begriff. Ist er international unbestritten, so wird er bei uns gerne ersetzt durch „Nationalsozialismus“, die demagogische Selbstbezeichnung der deutschen Faschisten. Dieser Band entfaltet Begriff und Geschichte des Faschismus in drei Schritten: Im ersten werden die wichtigsten Analysen vorgestellt, um zu belegen, wie eine moderne, aktuelle Erkenntnisse berücksichtigende Faschismustheorie aussehen müßte. Sodann werden sie anhand der faschistischen Regime in Italien und Deutschland überprüft. Die faschistischen Bewegungen auf dem Weg zur Macht, die Herrschaftspraxis des Faschismus nach innen und außen und sein rassistisches und antisemitisches Potenzial bilden hier die Schwerpunkte. Schließlich wird im dritten Teil die Frage nach dem heutigen Potenzial des Faschismus und nach seinen modernen Formen aufgeworfen. Lassen sich in heutigen Bewegungen, Regimen und Fundamentalismen Formen von Faschismus finden? Guido Speckmann ist Redakteur von Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung und Sozialismus, Gerd Wiegel ist Referent der Bundestagsfraktion DIE LINKE für die Themen Rechtsextremismus/Antifaschismus.



Hans Beimler: Im Mörderlager Dachau. Herausgegeben, kommentiert und um eine biographische Skizze ergänzt von Friedbert Mühldorfer. PapyRossa Verlag 2011. 194 S. Pb. mit 30 s/w-Abbildungen. (NB1210). 12,90 Euro
Kurz nach seiner abenteuerlichen Flucht aus dem Konzentrationslager Dachau im Mai 1933 schrieb der schwer gefolterte bayerische Kommunist und Reichstagsabgeordnete Hans Beimler nieder, was er dort hatte erleben müssen. Die Veröffentlichung war eine Sensation und wurde in mehrere Sprachen übersetzt, in internationalen Zeitungen zitiert – und in Deutschland illegal verbreitet. Hans Beimler wollte mit seinem Bericht zum Widerstand gegen die Nazidiktatur in Deutschland und im Ausland aufrufen. Er selbst leistete zunächst illegale Arbeit von Frankreich, der Tschechoslowakei und der Schweiz aus, bevor er mit den ersten Freiwilligen nach Spanien ging, um dort mit den Internationalen Brigaden gegen Franco zu kämpfen. Am 1. Dezember 1936 fiel Hans Beimler vor Madrid. Erstmals in der Bundesrepublik erscheint sein Erlebnisbericht in der Originalfassung, ergänzt um Fotos und Dokumente sowie um Anmerkungen zu Entstehungsgeschichte und zeitgeschichtlichen Hintergründen. Außerdem wird von Friedbert Mühldorfer in einer umfangreichen biographischen Skizze der Lebensweg des Antifaschisten Beimler nachgezeichnet.
Friedbert Mühldorfer, *1951. Lehrer an einem Münchner Gymnasium und Historiker, seit 1975 Mitarbeit in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Landesverband Bayern. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus, Geschichte der Arbeiterbewegung, Nachkriegsgeschichte.



Uwe Jakomeit, Christoph Jünke, Andreas Zolper (Hg.): Begegnungen mit Leo Kofler. Ein Lesebuch. PapyRossa Verlag 2011. 210 S. Pb. (NB1209). 14,90 Euro
Leo Kofler (1907-1995) war eine der markantesten Gestalten des deutschen Nachkriegsmarxismus und ein wichtiger Vermittler zwischen alter Arbeiterbewegung und Neuer Linker. Jenseits auch des linken Mainstreams widmete er sich der Erneuerung der marxistischen Theorie auf so unterschiedlichen Gebieten wie der Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft, der Soziologie und Kritik des sozialstaatlichen Kapitalismus, der Anthropologie und der Ästhetik. Jede Geschichte der deutschen Linken und ihrer Theoriedebatten bleibt unvollständig, wenn sie nicht auch auf Koflers Arbeiten und seine oft eher verborgenen Einflüsse eingeht. Das Lesebuch bietet ein beeindruckendes Panorama biografischer wie intellektueller Begegnungen mit Kofler. Texte u. a. von Wolfgang Abendroth, Johannes Agnoli, Ernst Bloch, Iring Fetscher, Wolfgang Harich, Alfred Kosing, Bruno Kreisky, Georg Lukács, Ernest Mandel, Jakob Moneta, Oskar Negt, Theo Pirker, Werner Seppmann, Robert Steigerwald, Klaus Vack und Bernard Willms.



Regina Wamper / Ekaterina Jadtschenko / Marc Jacobsen (Hg.): „Das hat doch nichts mit uns zu tun!“ Die Anschläge in Norwegen in deutschsprachigen Medien. Edition DISS im Unrast Verlag 2011. 184 S. Pb. (NB1198) 18 Euro
Am 22. Juli 2011 explodierte in Oslo eine Autobombe, die acht Menschen tötete. Wenig später tötete der selbe Täter auf der Insel Utøya 69 junge Sozialdemokratinnen. Nach seiner Festnahme äußerte er antimuslimische und antimarxistische Ansichten. Die Autorinnen analysieren deutsche Medien unter dem Gesichtspunkt, wie dort dieses Ereignis eingeordnet wurde, ob und welche Diskursverschiebungen stattgefunden haben. Verschränkungen mit antimuslimischen Diskursen und deren der Extremismusbekämpfung werden besonders beachtet. Analysen zu der Reaktion extrem rechter Medien beleuchten Distanzierungen und Solidarisierungen.
Beiträge von Jonas Bals, Martin Dietzsch, Sebastian Friedrich, Astrid Hanisch, Margarete Jäger, Helmut Kellershohn, Sebastian Reinfeldt, Bernhard Schmid, Hannah Schultes.



Pier Paolo Pasolini: Freibeuterschriften. Die Zerstörung der Kultur des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft. Herausgegeben von Peter Kammerer. Aus dem Italienischen von Thomas Eisenhardt. Verlag Klaus Wagenbach 2011 (WAT 317). 176 S: Pb. (NB1207) 10,90 Euro
Pasolinis berühmte Polemiken gegen die Konsumgesellschaft – radikal und inkonsequent, rhetorisch brillant und bedrückend aktuell. Pasolinis Streitschriften lösten bei ihrem Erscheinen erregte Debatten aus und markieren einen Wendepunkt in der Diskussion über den „Fortschritt“: Warum verschwinden die Glühwürmchen? Ist der Untergang der bäuerlichen Welt Mord? Wie herzlos ist die Aufklärung? Der gefeierte Ungehorsam – ist er so destruktiv wie unsere Welt? Als radikaler Freibeuter, dessen Leben und Werk untrennbar zusammengehörten, stellte sich Pasolini dem common sense einer Massenkultur entgegen, die das Besondere einebnet, das Alte zerstört und die Unterschiede nivelliert.



Klaus Wagenbach: Die Freiheit des Verlegers. Erinnerungen, Festreden, Seitenhiebe. Herausgegeben von Susanne Schüssler. Verlag Klaus Wagenbach 2010. 352 S. Gebunden mit Schildchen. (NB1204) 19,90 Euro.
Die wichtigsten Texte aus fünf Jahrzehnten, größtenteils erstmals publiziert: Über Bücher und Autoren, über Politik und die deutschen Verhältnisse, über Italien, die Kunst und die Mutter. Klaus Wagenbach ist einer der letzten aus einer Generation von unabhängigen, eigenwilligen und leidenschaftlichen Verlegern; ein linker, aber undogmatischer Kopf, der nicht vor den Konsequenzen politischen Handelns zurückschreckt; und ein früher und bis heute unerschütterlicher Liebhaber Italiens. Außerdem: ein heiterer Geschichtenerzähler, ein eifriger Vorwortschreiber, ein freudig erwarteter Festredner, aber auch einer, der gern widerspricht, wenn die öffentliche Meinung jemanden moralisch und politisch gar zu korrekt schlachten will. Der Band sammelt Texte Klaus Wagenbachs über Italien (einschließlich Kunstgeschichte), Politik, das Leben und die Zukunft der Bücher und über einzelne Autoren. Ein Großteil der Texte ist bisher nicht veröffentlicht, wichtige Zeitdokumente wie die Grabrede für Ulrike Meinhof wurden jedoch ebenfalls aufgenommen. Und schließlich erst jüngst entstandene biographische Geschichten: Vom gegen die Nazis rebellierenden Großvater, der reformbewegten Mutter, dem Vater, der nur Latein, Griechisch und Hebräisch konnte; darüber, wer und wie nach dem Krieg die Demokratie aufbaute, warum Kollektive träumen und Frauen besser kommunizieren können.



Bibliothek des Widerstands. Band 14: Mumia Abu Jamal. Laika Verlag 2010. 104 Seiten und DVD. (NB1201) 24,90 Euro
Mumia Abu Jamal sitzt seit 29 Jahren im Todestrakt in einem Hochsicherheitsgefängnis in Pennsylvania. „Unschuldig“ – wie nicht nur er selber oder seine Freunde immer wieder beteuern, sondern wie es zahlreiche Personen oder Institutionen als offenkundig erklären, nachdem sie sich mit dem „Fall Mumia Abu Jamal“ beschäftigt haben. Unschuldig am Tod des Polizisten Daniel Faulkner, der am 9. Dezember 1981 bei einem Schußwechsel nach einer Verkehrskontrolle starb. Das Verfahren gegen Mumia Abu Jamal war geprägt von Verurteilungsinteresse um jeden Preis, von Beweisunterschlagung und Beweismanipulierung, von Behinderung der Verteidigung wie auch von der rassistischen Planung bei der Geschworenenauswahl. Vorsitz in diesem Verfahren hatte ein Richter, der zu Beginn des Prozesses vor Zeugen erklärte: „Ich werde ihnen helfen, den Nigger zu grillen.“ Die kalifornische Lehrergewerkschaft verurteilte das Verfahren wegen seiner „illegalen und unfairen Methoden“. Zahlreiche Personen wie Angela Davis oder der Filmproduzent Colin Firth verurteilen dieses Verfahren und fordern die Freiheit von Mumia Abu Jamal.
Die Kampagne zu Mumia Abu Jamal richtet sich gegen dieses offenkundig pseudorechtliche und rassistische Verfahren gegen einen schwarzen Bürgerrechtler – und sie richtet sich gegen die Todesstrafe, mit der der Mord durch den Staat als Nicht-Mord behauptet wird.
In diesem Band der BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS wird ausführlich über die Geschichte des schwarzen Bürgerrechtlers Mumia Abu Jamal berichtet, wird präzise ein Verfahren analysiert, das letztlich Ausdruck einer Verschwörung von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht gegen den Angeklagten war und ein Überblick über eine Solidaritätsbewegung gegeben, die seit Jahrzehnten immer wieder neu um das Leben von Mumia Abu Jamal kämpft.
Mit Texten und Stellungnahmen von: Mumia Abu Jamal, Todd Steven Burroughs, Angela Davis, Amy Goodman, Leonard Peltier, Suzanne Ross, Annette und Michael Schiffmann, Alice Walker, Lin Washington und zahlreichen Einzelpersonen aus der Solidaritätsbewegung gegen die Todesstrafe und zu Mumia Abu Jamal.
Dem Buch beigelegt auf DVD: „Hinter diesen Mauern“ von Jule Burjes und Heike Kieffner, BRD 1996, 70 Minuten. In Prison My Whole Life von Marc Evans, USA 2007, 90 Minuten OmU. Justice on Trial von Kouross Esmaeli, USA 2010, 25 Minuten OmU.
Neue Entscheidung: Am 26. April 2011, zum Redaktionsschluß dieses Buches, bestätigte das Richtergremium des 3. Bundesberufungsgerichts seine Entscheidung vom 27. März 2008, die die Aufhebung des Todesurteils aus einer Vorinstanz zu Mumia Abu Jamal bekräftigt hatte. Dies ist ein großer Erfolg für Mumia Abu Jamal. Dies ist aber nicht das Ende des Verfahrens. Mumia Abu Jamal bleibt weiter im Todestrakt. Noch immer kann der US Supreme Court diese Entscheidung aufheben. Diese Gefahr besteht real fort. Diese jetzt getroffene Entscheidung des 3. Berufungsgerichtes sollte für die Solidaritätsbewegung der Anlass sein, den Fall Mumia Abu Jamal mit großer Energie, mit großer Solidarität untereinander und mit breiter Unterstützung erneut in die Öffentlichkeit zu bringen.



Jürgen Leibiger: Bankrotteure bitten zur Kasse. Mythen und Realitäten der Staatsverschuldung. Papyrossa Verlag 2011. 276 S. (NB1191) 16,90 Euro
Die öffentlichen Schulden gelten als Beweis dafür, daß „wir über unsere Verhältnisse leben“. Es ist das vorletzte Wort einer bankrotten Wirtschaftspolitik zugunsten von Bankrotteuren; das letzte Wort heißt: „Wir müssen sparen.“ Aber wer ist eigentlich „wir“? Und wie sind denn „unsere Verhältnisse“? Gibt es da nicht Gläubiger, die an den Staatsschulden jährlich Milliarden verdienen? Wer ist das, und warum sind diese Ausgaben sakrosankt, nicht aber die für Erziehung, Gesundheit, Kultur, Verkehr und andere öffentliche Güter? Und kann ein Staat überhaupt pleite gehen? Oder ist der Staatsbankrott vielleicht nur eine Chimäre? Muß es hingenommen werden, daß die Bankrotteure zur Kasse bitten und – wie der ausführliche historische Rückblick zeigt – am Ende immer den einfachen Leuten in die Tasche gegriffen wird? Das vorliegende Buch befaßt sich mit den Mythen und Realitäten der Staatsverschuldung in Deutschland und damit, daß die Suche nach Alternativen zur gegenwärtigen Bankrottpolitik alternativlos ist. Jürgen Leibiger, Dr. oec. habil., Jg.1952. Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Sächsischen Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Dresden. Veröffentlichte 2010 bei PapyRossa das Standardwerk für eine alternative Finanzpolitik „Reclaim the Budget“.



Andreas Wehr: Griechenland, die Krise und der Euro. Zweite, aktualisierte und erweiterte Auflage. PapyRossa Verlag 2011. 214 S. Pb. (NB1194) 13,90 Euro
Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Schwächen der Europäischen Union und ihrer gemeinsamen Währung Euro schonungslos offenbart. Grundlegende Mängel der Konstruktion der Eurozone wurden erkennbar. Heute rächt sich, daß es in der Europäischen Union wohl eine Währungs-, aber keine Finanz- und Wirtschaftsunion und schon gar keine Politische Union gibt. In der Krise um Griechenland stellt sich die Frage, ob eine Währung ohne Staat auf Dauer überhaupt existieren kann. Der Autor beschreibt, wie durch das Agieren von nationalen Regierungen, insbesondere der deutschen, von Europäischer Kommission und Europäischer Zentralbank die Spannungen in der Eurozone permanent angewachsen sind. Zwei Auswege sind seiner Ansicht nach möglich: Der Zerfall bzw. die Teilung der Eurozone oder aber der Aufstieg eines Hegemons, der den anderen Euro-Ländern seinen Willen aufzwingt. Dies kann aber nur Deutschland sein. Damit wäre der alte Konflikt wieder da. In dieser Krise steht daher viel auf dem Spiel.



Thomas Wagner, Michael Zander: Sarrazin, die SPD und die Neue Rechte. Untersuchung eines Syndroms. Spotless Verlag 2011. 160 S. (NB1203) 9,95 Euro
Was hat die SPD mit Rassismus zu tun? Warum macht die NPD mit Sarrazin Wahlkampf? Welches sind die politischen Schnittmengen zwischen der bürgerlichen „Mitte“ und der „Neuen Rechten“? Eine aggressive Rechtfertigung von Herrschaft und sozialer Ungleichheit wird salonfähig und populär gemacht. SPD-Politiker, konservative Journalisten, die Neurechten, der norwegische Terrorist Breivik und die Neonazis – sie alle fordern für sich vor allem eines: „Meinungsfreiheit“. ###



Sascha Stanicic: Anti-Sarrazin. Argumente gegen Rassismus, Islamfeindlichkeit und Sozialdarwinismus. PapyRossa Verlag 2011. 168 S. Pb. (NB1196) 11,90 Euro
Wenn es heißt, Thilo Sarrazin spreche unbequeme Wahrheiten aus, werden viele seiner Auffassungen nicht berücksichtigt. Das gilt vor allem für seine sozialpolitischen Vorstellungen. Denn Sarrazins Buch ist auch eine Kampfschrift für eine Sozialpolitik gegen die Mehrheit der Bevölkerung. Sascha Stanicic liefert fundierte Argumente gegen die Behauptungen Sarrazins. Er erklärt den Hintergrund der so genannten Integrationsdebatte, stellt Rassismus und Sozialabbau in einen gesellschaftlichen Zusammenhang und zeigt, dass sie zwei Seiten derselben Medaille sind. Ausführlich werden die Islamfeindlichkeit als neue Form des Rassismus analysiert und konkrete Vorschläge für linke Positionierungen etwa zu Kopftuchdebatte, Moscheebau etc. gemacht. Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Frage des Zusammenhangs von Genen und Intelligenz werden zusammengefaßt und das Phänomen des Rechtspopulismus beleuchtet. Nicht zuletzt macht der Autor Vorschläge für linke Alternativen zu Sarrazin.



Manfred Weißbecker: Das Firmenschild: Nationaler Sozialismus. Der deutsche Faschismus und seine Partei 1919 bis 1945. PapyRossa Verlag 2011. 218 S. Pb. (NB1193) 14,90 Euro
Als Bewegung, Ideologie und Herrschaftsform prägte der Faschismus die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Um den im Zuge der Weltwirtschaftskrise sich verbreitenden unklaren Antikapitalismus nach rechts hin umzulenken, figurierte er in Deutschland als „nationaler Sozialismus“. Dieser verbreitete nationalistische, terroristisch-antidemokratische, expansions- und kriegsorientierte Denkweisen völkisch-rassistischen, insbesondere auch antisemitischen Zuschnitts. Den „Nationalsozialismus“ repräsentierte eine Partei, die zur größten in der deutschen Parteiengeschichte geriet. Ihre Geschichte belegt zugleich den förderlichen Umgang, den Staatsbürokratie, rechte Parteien und Justiz in der Weimarer Republik mit ihr pflegten. Manfred Weißbeckers „Wortmeldungen“ erhellen symptomatische Einzelereignisse und bieten eine Schau vom Teil zum Ganzen. Da lassen sich vielfältige Hintergründe erkennen sowie die Tatsache, daß eine pflegliche Behandlung der extremen Rechten begleitet ist von immer schärferem Vorgehen gegen Linke.



Bernhard Schmid: Distanzieren, leugnen, drohen. Die europäische extreme Rechte nach Oslo. edition assemblage 2011. 128 S. Pb. (NB1188) 12,80 Euro
Aus den Wahnvorstellungen wurde Wirklichkeit: Ein Attentäter, der gleichzeitig von fanatischem Moslem- und Einwandererhaß und von einer Obsession gegen den „kulturellen Marxismus“ angetrieben wurde, tötete über 75 Menschen in Oslo. Seitdem ist die extreme Rechte in Europa aufgewirbelt. Der Niederländer Geert Wilders erklärte den Amoklauf zum „Rückschlag“ für die von ihm so genannte „islamkritische“ Bewegung. Auch die deutsche Webseite Politically Incorrect schaltete zum Teil auf Selbstkritik um. Andere Rechte dagegen erblickten in der Tat ein Fanal, einen flammenden Aufruf zur Aktion. In Frankreich verherrlichte ein früherer Wahlkandidat des Front National den Massenmörder von Oslo als „neuen Karl Martell“ und fügte hinzu: „Andere werden folgen“. In Österreich schloß die FPÖ einen Abgeordneten infolge seiner Reaktion aus. Aber welches geistige Milieu in Europa hat solche Wahnideen hervorgebracht? Welche Rolle spielen ultrarechte Israelfreunde, Pseudofeministinnen und frühere Linke dabei? Und wie reagiert dieses Milieu auf die Vorwürfe „nach Oslo“?



Bernhard Schmid: Die arabische Revolution? Soziale Elemente und Jugendprotest in den nordafrikanischen Revolten. edition assemblage 2011. 120 S. Pb. (NB1189) 12,80 Euro
Anfang 2011 hätte wohl kaum jemand für möglich gehalten, dass die seit Jahrzehnten bestehenden Regimes in der arabischen Welt so schnell ins Wanken geraten könnten. Doch nachdem sich in Tunesien aus Sozialprotesten eine Revolte gegen den Diktator Ben ’Ali entfaltete, wackelten die arabischen Herrscher: Zuerst fiel Ben ’Ali, dann Mubarak. Als nächstes könnte die syrische Diktatur oder das Regime von Präsident Saleh im Jemen stürzen, allerdings drohen dort auch Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen. In Libyen kippte das Geschehen von der Revolte in einen Bürgerkrieg, und von diesem in einen internationalen Krieg um. Während manche „Linke“ sich noch nicht recht entscheiden können, ob Syriens Präsident Al-Assad nicht doch ein irgendwie „sozialistisches“ oder jedenfalls „antiimperialistisches“ Regime führt oder wie man zu Libyen steht, sehen andere vor allem die Sicherheit Israels bedroht. Doch was wollen die Protestierenden? Wie verhält es sich mit den Kräfteverhältnissen in Bewegung und Gesellschaft und wie sind die Geschehnisse aus emanzipatorischer Sicht zu bewerten? Diese Fragen diskutiert Bernhard Schmid und nimmt dabei sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede in den verschiedenen arabischen Ländern in den Blick. Ferner wird das Verhältnis des Westens zu „seinen“ arabischen Diktatoren beleuchtet.



Sebastian Friedrich (Hg.): Rassismus in der Leistungsgesellschaft. Analysen und kritische Perspektiven zu den rassistischen Normalisierungsprozessen der „Sarrazindebatte“. edition assemblage 2011. 264 S. Pb. (NB1183) 19,80 Euro
Das mediale Ereignis der „Sarrazindebatte“ führte zu einer breiten gesellschaftlichen Verschiebung nach rechts, enttabuisierte rassistisches Denken und verband Rassismus mit Elite- und Nützlichkeitsdenken. Dieses komplexe Ereignis wird in 15 Beiträgen mit unterschiedlichen theoretischen Perspektiven kritisch analysiert. Der Sammelband gibt Anstöße für den Alltag, die politische Praxis und die kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung. Mit Beiträgen von Moritz Altenried, Christoph Butterwegge, Sebastian Friedrich, Sabine Hess, Juliane Karakayali, Serhat Karakayali, Elke Kohlmann, Jörg Kronauer, Gabriel Kuhn, Jürgen Link, Charlotte Misselwitz, Marianne Pieper, Nora Räthzel, Hannah Schultes, Yasemin Shooman, Vassilis Tsianos und Regina Wamper.



Jan F. Bandel, Barbara Kalender, Jörg Schröder: Immer radikal, niemals konsequent. Der MÄRZ-Verlag - erweitertes Verlegertum, postmoderne Literatur und Business Art. Philo Fine Arts 2011. 332 S. Pb. (NB1184) 25 Euro
1969 wurde in einem Handstreich ein Verlag gegründet, dessen signalgelbe Bände schlagartig zum Inbegriff einer nachgerade alchemischen Mischung von linker Politik, Avantgarde-Literatur und Popkultur wurden: der März Verlag. „Pop, Porno, Politik“ lauten die Schlagworte der literarischen Postmoderne, die Leslie Fiedler 1968 ausrief. Pornografie in Wort und Bild veröffentlichte JörgSchröder in der angeschlossenen Olympia Press, einem deutschen Ableger von Maurice Girodias' legendärem Pariser Sex- und Avantgardeverlag. Doch das war nicht seine einzige Übung in „erweitertem Verlegertum“ (Diedrich Diederichsen): Schröder betrieb auch die Business-Art-Agentur Bismarc Media und veröffentlichte 1972 das Skandalbuch Siegfried. Später führte er den Verlag im Rahmen des Alternativ-Buchvertriebs Zweitausendeins weiter, erfand nebenbei die Friedensbewegung, widmete den Öko-Geistern die er rief, sein zweites Buch Cosmic und verfolgt seit dem endgültigen März-Crash Ende der Achtziger gemeinsam mit Barbara Kalender ein einzigartiges autobiografisches work in progress. Jan-Frederik Bandels material- und bilderreiches Essaybuch erzählt die Vorgeschichte des März-Verlags, erkundet seine verschiedenen Stationen und Erweiterungen und ist damit nicht zuletzt ein Versuch über die Neuerfindung von Literatur und Betrieb um 1968. Im Anhang die vollständige Bibliographie der März-Erstausgaben mit Abbildungen.



Katharina Rutschky: Im Gegenteil. Untertitel:Politisch unkorrekte Ansichten über Frauen. Mit einem Vorwort von Ina Hartwig. Verlag Klaus Wagenbach 2011 (Wagenbachs andere Taschenbücherei). 144 S. Pb. (NB1185) 10,90 Euro
Katharina Rutschkys mutiges, freies und tabuloses Gegen- den- Strich- Denken fehlt in den aktuellen Debatten um Frauen und ihre immer noch auszukämpfende Gleichberechtigung. Zu ihrem Tod 2010 erschienen unzählige bestürzte Nachrufe. Dem häufig geäußerten Wunsch nach einem Band mit Texten aus dem Nachlass kommen wir jetzt nach. Die Aufsätze aus über drei Jahrzehnten zeigen Katharina Rutschkys bemerkenswert nimmermüden Kampf gegen männliche Vorurteile genauso wie gegen weibliches Ressentiment und Selbstmitleid. Ganz besonders scharf kritisiert sie ihre Lieblingsgegnerin Alice Schwarzer. Nicht nur Themen wie Quote, Mutterschaft und Körperbilder/Mode oder den alltäglichen Wahnsinn von Partnerschaftsproblematiken verhandelt sie in ihrem unnachahmlich ironischen Ton, sondern sie schreibt auch berührende Portraits von beeindruckenden Frauen. Dabei hat sie sich nie mit der Sorge abgegeben, politisch korrekt zu sein.



Marvin Chlada (Hrsg.): Das Universum des Gilles Deleuze. Eine Einführung. Überarbeitete Neuauflage. Alibri Verlag 2011. 172 S. (NB1187) 14,50 Euro
Gilles Deleuze (1925-1995) gehört zu den meistdiskutierten Philosophen in der gegenwärtigen Postmodernismus-Debatte. Der Aufsatzband erörtert die verschiedenen Aspekte seiner Philosophie; er bietet eine kritische Einführung in sein Denken und stellt dessen Rezeption in den Subkulturen dar. Die Bandbreite der Themen reicht von im engeren Sinne philosophischen Fragen über seine Rezeption von Literatur, Musik, Film bis hin zur Erörterung seines politischen Standpunktes und der Frage, inwiefern Deleuze Versatzstücke für eine neue (linke) Utopie bereithält. Mit Beiträgen von Marvin Chlada, Gabriel Kuhn, Martin Büsser, Thomas Ernst, Daniel Loick, Gerd Dembowski.
„Als Einführung konzipiert, wird auch in Form und Inhalt versucht, der Vielfalt des Deleuzeschen Werkes Rechnung zu tragen. Eher assoziative Texte und Polemiken stehen neben wissenschaftlich und analytisch verfaßten Beiträgen.“ (Jens Petz Kastner in Graswurzelrevolution). „Eine Einführung ins Denken von Gilles Deleuze? Das ist ein Widerspruch in sich. Wie soll man eine gegen das hierarchische System gerichtete Philosophie der Vielheit, der Intensitäten und der Simultaneität dingfest machen? Die zehn Autoren von Marvin Chladas Anthologie – fast alle um die dreißig – versuchen Gott sei Dank gar nicht erst, Deleuze didaktische Zügel anzulegen.“ (Gregor Dotzauer in Tagesspiegel).



Queen of the Neighbourhood Collective: Revolutionäre Frauen. Biografien und Stencils. edition assemblage 2011. 128 Seiten, 30 Abb., Pb. (NB1190) 12.80 Euro
In Schrift und Bild porträtiert werden dreißig Aktivistinnen, Anarchistinnen, Freiheitskämpferinnen und Visionärinnen: Harriet Tubman, Louise Michel, Vera Zasulich, Emma Goldman, Qiu Jin, Nora Connolly O’Brien, Lucia Sanchez Saornil, Angela Davis, Leila Khaled, Comandante Ramona, Phoolan Devi, Ani Pachen, Anna Mae Aquash, Hannie Schaft, Rosa Luxemburg, Brigitte Mohnhaupt, Lolita Lebron, Djamila Bouhired, Malalai Joya, Vandana Shiva, Olive Morris, Assata Shakur, Sylvia Rivera, Haydée Santamaría, Marie Equi, Mother Jones, Doria Shafik, Ondina Peteani, Whina Cooper und Lucy Parsons. Das Queen of the Neighbourhood Collective (Aotearoa/Neuseeland), ein Kollektiv aus Schriftstellerinnen, Forscherinnen, Redakteurinnen und Grafikdesignerinnen.



Sahra Wagenknecht: Freiheit statt Kapitalismus. Eichborn Verlag 2011. 368 S. (NB1180) 19.95 Euro
Schon lange sind nicht mehr Wettbewerb oder gar Leistung die zentralen Merkmale und Perspektiven unserer Wirtschaft, sagt Sahra Wagenknecht. Der Kapitalismus hat seine Produktivität und Kreativität verloren. Wenn Ökonomie die Kunst des Anreizesetzens ist, wirken heute die falschen, denn sie belohnen abstrakte Renditeziele und Jobvernichtung statt Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen, Umweltschonung und Unternehmenswachstum. Die aktuelle Wirtschaftskrise ist auch eine Kreativitätskrise, sagt die Autorin. Sie nimmt die Theoretiker der Sozialen Marktwirtschaft wie Walter Eucken und Ludwig Erhard beim Wort und beschreibt es als dringlichste Herausforderung an die Wirtschaft, wieder produktiv und innovativ zu sein. Denn es muss nicht nur gerechter verteilt werden, es muss auch wieder mehr zu verteilen geben. Dazu gehört neben öffentlichen Banken als Kreditgeber für den Mittelstand auch eine radikal veränderte Eigentumsordnung, die eine echte Leistungsgesellschaft erst möglich macht. Kreativer Sozialismus, so Sahra Wagenknecht, belohnt nicht den, der sich auf ererbten Werten ausruht, sondern den, der Werte schafft.
„Nein, sie ist keineswegs schrill oder polemisch, diese aktuelle politische Positionierung von Sahra Wagenknecht. Ganz im Gegenteil: Sauber recherchiert, faktenreich, kompetent und in verständlicher Sprache zeigt die Autorin ihre gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Grundlinien der Neuzeit auf.“ (Jörg Riemenschneider, NDR Info). „Freiheit statt Kapitalismus formuliert den Zweifel, den viele mit sich herumtragen.“ (Arno Orzessek, DeutschlandRadio Kultur).



Wolfgang Gehrcke / Christel Buchinger / Jutta von Freyberg / Sabine Kebir: Afghanistan – So werden die neuen Kriege gemacht. Deutschland und der Krieg am Hindukusch. PapyRossa Verlag 2011. 235 S. Pb. (NB1171) 14,90 Euro
Das Buch zeigt, mit welchen Mechanismen im Zusammenspiel von Politik und Medien die These von der Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit des Afghanistan-Krieges in der Öffentlichkeit verbreitet wird. Es zeigt anhand der Entwicklung der ISAF-Mandate der UNO und der darauf aufbauenden Bundestagsbeschlüsse, wie die Bundestagsmehrheit in kollektiver Selbsthypnose den Mystifikationen der Kriegsgründe und -interessen erliegt. Das Parlament beschließt zwar den Krieg, die Kontrolle hat es aber nicht. Das Massaker in Kundus zeigt: Es wird immer nur so viel zugegeben, wie schon aus anderen Quellen bekannt wurde. Von Seiten der Regierenden wird verschwiegen, vertuscht und gelogen; wie das funktioniert, beschreibt das Buch. Auch das, worüber am wenigsten gesprochen wird: die Kosten des Krieges und die Profite der Rüstungsindustrie. Aber wer bezahlt die Rechnung? Was kann ein Parlament aus dem Tiefschlaf wecken, das alljährlich die Fortsetzung eines Krieges beschließt, der von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird?



Bernd Hendricks: Menschen mit Flagge. Roman. Epubli Verlag 2011. 604 S. (NB1177). 29,50 Euro
Oktober 2001. Der amerikanische Herbst: Noch rauchen die Trümmer des World Trade Center, als in New York und Florida Briefe mit tödlichen Viren auftauchen. Menschen sterben. Das Land steht vor einer Panik. Am Tatort: ein kleiner FBI-Ermittler. Alles deutet auf den Feind Amerikas, auf die Terroristen, die von außen kommen. Alle tragen die Nationalflagge an der Jacke, auch der Ermittler. Doch was er im Herzen trägt, ist gefährlich in patriotischen Zeiten: Zweifel. Er hat den schrecklichen Verdacht, daß der Bioterror von innen kommt, von jenen gar, deren Hilfe für seine Ermittlung unentbehrlich ist. Je tiefer der Ermittler in den Fall eintaucht, desto mehr riskiert er: seine Karriere, seine Freiheit, am Ende sein Leben. „Menschen mit Flagge“ ist Thriller und Gesellschaftsroman zugleich, ein aufwühlendes Porträt des verängstigten, jähzornigen Amerika, eine Tour-de-Force durch die amerikanische Psyche am Vorabend des Irak-Kriegs.



Heinrich Fink / Cornelia Kerth (Hg.): Einspruch! Antifaschistische Positionen zur Geschichtspolitik. PapyRossa Verlag 2011. 126 S. (NB1168) 12 Euro
Aus dem Kalten Krieg stammende Thesen wie „rot gleich braun“, „Sozialismus gleich Faschismus gleich Diktatur“ oder die Rede von den „zwei deutschen Diktaturen“ werden mehr und mehr salonfähig. Mit politischem Kalkül propagiert, zielt diese Deutung der Geschichte auf die Gegenwart. Einspruch gegen solchen Geschichtsrevisionismus erhob eine geschichtspolitische Konferenz der VVN-BdA, auf der sich namhafte Wissenschaftler und Antifaschisten gegen diesen Diskurs wandten, der sich selbst als „antitotalitär“ bezeichnet. Dabei ging es um das Verhältnis von Ursachen und Wirkungen des Zweiten Weltkriegs, Wehrmachtsverbrechen und ihre Opfer, die Rolle der Gebirgstruppen und die Entwicklung der Gedenkpolitik. Beiträge u.a. von: Hannes Heer, Kurt Pätzold, Wolfgang Wippermann, Moshe Zuckermann.



Frank Deppe, David Salomon, Ingar Solty: Imperialismus. PapyRossa Verlag 2011 (Basiswissen). 134 S. (NB1164) 9,90 Euro
Imperialismus definieren die Autoren als eine „offene oder latente Gewaltpolitik zur externen Absicherung eines internen Regimes“ und als zentralen Bestandteil der territorialen Reproduktion des Kapitalismus. Verabschieden sie damit die Sichtweise, Imperialismus sei ein Stadium der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, so zeigen sie jedoch, daß sich aus der polit-ökonomisch begründeten Analyse schlüssige Einsichten auch in gegenwärtige weltwirtschaftliche und -politische Abläufe ergeben. Klassische Imperialismustheorien (J. A. Hobson, Rudolf Hilferding, Joseph Schumpeter, Karl Kautsky sowie W. I. Lenin und Rosa Luxemburg) werden ebenso berücksichtigt wie Beiträge aus der aktuellen Debatte (Leo Panitch, Sam Gindin oder David Harvey). Nach einer Analyse des US-Imperialismus seit 1945 fragen die Autoren auch, wie es sich mit einem „Euroimperialismus“ verhält. Kritik an der ideologischen Figur eines „guten Imperialismus“ und Überlegungen zu einem zeitgemäßen Antiimperialismus beschließen den Band.



Georg Fülberth: „Das Kapital“ kompakt. PapyRossa Verlag 2011 (Basiswissen). 123 S. (NB1165) 9,90 Euro
Die vorliegende Einführung in „Das Kapital“ unterscheidet sich von anderen auch dadurch, daß sie nicht polemisch zu belegen versucht, dieses Werk besser verstanden zu haben als jene. Sie zeichnet zwar ebenfalls dessen Gesamtargumentation nach, zeichnet sich aber dadurch aus, dass sie 1) besonderes Gewicht auf den dritten Band legt; 2) die Rehabilitation der reinen Arbeitswertlehre, wie sie im ersten Band entwickelt ist, übernimmt; 3) danach fragt, in welchem Verhältnis die Analyse der kapitalistischen Produktionsweise und die Untersuchung der Möglichkeiten ihrer Aufhebung in der Marxschen „Kritik der Politischen Ökonomie“ zueinander stehen. Die Erkenntnisse der „Neuen Marx-Lektüre“ und der „Monetären Werttheorie“ werden dabei aufgenommen, aber vom Kopf auf die Füße gestellt. Das Ziel dieser Einführung ist erreicht, wenn die Leserinnen und Leser neugierig auf das Original werden und dessen Lektüre folgen lassen. Dieser Basistext kann ihnen dabei helfen, einen roten Faden durch die drei Bände zu finden.



Georg Fülberth: Kapitalismus. PapyRossa Verlag 2010 (Basiswissen). 120 S. (NB1143) 9,90 Euro
„Basiswissen“ bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie. Den ersten Leitfaden aus dieser neu etablierten Reihe legt Georg Fülberth zum Stichwort „Kapitalismus“ vor. Im theoretischen Teil werden dessen Charakteristika herausgearbeitet. Zentral stehen dabei Akkumulation und Überakkumulation. Sie bestimmen auch den Rhythmus der Geschichte dieser Produktions- und Reproduktionsweise. Ihr gilt der zweite Teil des Buchs, der vom Handelskapitalismus des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit bis zum Neoliberalismus von heute reicht. In seiner aktuellen Phase wird der Kapitalismus als „Problematische Überschussgesellschaft“ definiert. Dieser Begriff dient zur Erklärung der Krise von 2007 ff., die sich als die Konsequenz der merkwürdigerweise lange verdrängten, womöglich wichtigeren Vorgängerkrise von 1974/75 und des darauf folgenden Spekulations- und erneuten Überakkumulations- Zyklus erweist.



Georg Fülberth: Sozialismus. PapyRossa Verlag 2010 (Basiswissen). 112 S. (NB1144) 9,90 Euro
Was Sozialismus sei, wird angesichts der Krisenhaftigkeit seines Gegenstücks, des Kapitalismus, heftig debattiert. Was gemeint ist, bleibt indes häufig unklar. Dem kann dieser Leitfaden abhelfen. Unter Sozialismus versteht er dreierlei: a.) eine Gesellschaftsordnung, b.) eine politische Bewegung und ihre Theorie, c.) ein untergeordnetes Organisationsprinzip in der kapitalistischen Gesellschaft. Diese Definition macht es nötig, in gebotener Kürze, aber dennoch präzise die Grundzüge der Geschichte der sozialistischen Bewegungen seit Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft, des staatlich verfassten Sozialismus seit 1917 und von Vergesellschaftungstendenzen im Kapitalismus selbst herauszuarbeiten. Der Verfasser fragt auch nach Möglichkeiten für eine Zukunft des Sozialismus. Als eine erste Etappe nennt er eine „Pink, Grey, Red, Blue Revolution“: Eine Umwälzung zugunsten der Jungen, der Rentner, der von Lohn- oder Transfereinkommen Abhängigen und der Antikriegskräfte, deren ökologische Dimension vorausgesetzt wird.
Professor Dr. phil. Georg Fülberth, Jg. 1939. Lehrte Politikwissenschaft an der Universität Marburg. Publiziert regelmäßig in „Freitag“, „Konkret“, „junge Welt“ und anderen Zeitungen und Zeitschriften. Zahlreiche Bücher und Buchbeiträge.



Regina Wamper / Helmut Kellershohn / Martin Dietzsch (Hg.): Rechte Diskurspiraterien. Strategien der Aneignung linker Codes, Symbole und Aktionsformen. Unrast Verlag 2010 (Edition DISS). 288 S. (NB1154) 19.80 Euro
Rechte Adaptionen linker Symbole und Ästhetik und was dagegen getan werden kann. In den letzten Jahren ist ein verstärktes Bemühen auf Seiten der extremen Rechten zu beobachten, Themen, politische Strategien, Aktionsformen und ästhetische Ausdrucksmittel linker Bewegungen zu adaptieren und für ihren Kampf um die kulturelle Hegemonie zu nutzen. Dabei handelt es sich keineswegs mehr nur um ein Steckenpferd der intellektuellen Neuen Rechten, vielmehr wird dies auch von NPD und militanten Neonazis praktiziert. Im Resultat hat sich die extreme Rechte eine Bandbreite kultureller und ästhetischer Ausdrucksformen angeeignet, indem sie sich am verhaßten ‚Vorbild’ der Linken abgearbeitet hat. Man könnte auch sagen: Um überzeugender zu wirken, hat sie kulturelle Praktiken und Politikformen der Linken ‚entwendet’ – allerdings nicht, ohne sie mit den eigenen Traditionen zu vermitteln. Solche Phänomene sind keineswegs neu. Auch der Nationalsozialismus bediente sich der Codes und Ästhetiken politischer Gegner und suchte Deutungskämpfe gerade verstärkt in die Themenfelder zu tragen, die als traditionell links besetzt galten. Auch in den 1970er Jahren waren solche Strategien vorhanden. Es stellt sich die Frage, warum und in welcher Form diese Diskurspiraterien heute wieder verstärkt auftreten.
Aus dem Inhalt:
Helmut Kellershohn, Martin Dietzsch: Aktuelle Strategien der extremen Rechten in Deutschland – Sabine Kebir: Gramscismus von rechts? – Volker Weiss: Sozialismusbegriff bei Moeller van den Bruck und Oswald Spengler – Volkmar Woelk: Strasserismus und Nationalbolschewismus – Renate Bitzan: Feminismus von rechts? – Richard Gebhardt: Völkischer Antikapitalismus – Fabian Virchow: Antikriegs-Rhetorik von rechts – Helmut Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und die Konservativ-subversive Aktion – Lenard Suerman: Autonome Nationalisten – Regina Wamper, Britta Michelkens: Gegenstrategien – Jens Zimmermann: – Kritik des Rechtsextremismusbegriffs.