
Jutta
Ditfurth: Worum es geht. Flugschrift. Rotbuch Verlag 2012. 48
S.
(NB1216). 3,99 Euro
Es gärt. Kaum wird das Ende der Krise
eingeläutet, nimmt die nur ihren nächsten Anlauf. Millionen
Menschen fürchten sich vor der Zukunft. Eine winzige Minderheit
besitzt Milliarden. Die Mittelschicht wird zerrissen. Angst und Armut
lassen bürgerliche Konsense bröckeln. Rassismus und
Naturzerstörung wachsen. Vertrauensverluste, panische Reformen,
eine mediale Revolution. Wir erleben den Beginn einer
Totalveränderung. Ein „Weiter so!“ ist unmöglich.
Klug und mit Bedacht bringt Jutta Ditfurth Ordnung ins Gestrüpp
der Diskussion und legt die Interessen der Beteiligten offen. Ohne
jeden Alarmismus stellt sie klar, worum es in Wirklichkeit geht. Sie
sagt, was uns droht und was wir tun können. Unter dem Getöse
der „News“, dem Geschrei der „Reformer“, dem
Lärm der „Experten“ verbergen sich Wege für
einen radikalen Humanismus. Eine unverzichtbare Orientierungshilfe
für alle, die zum Kern der Debatte vordringen wollen.
Ulrich
Sander
(Hg.): Von Arisierung bis Zwangsarbeit. Verbrechen der
Wirtschaft
an Rhein und Ruhr 1933 bis 1945. PapyRossa Verlag 2012. 348 S. mit
zahlr. s/w-Abb. (NB1217) 16,90 Euro
Zum Beispiel Krupp. Der
Konzern habe sich stets um einen humanen Kapitalismus bemüht,
berichtete das Fernsehen zum 200jährigen Firmenjubiläum. Ob
da auch an die zwölf Jahre nach 1933 gedacht war? Das letzte
Tabu sei gebrochen, hatte es mit Blick auf die verdienstvolle
Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ geheißen.
Aber „blinde Flecken“ blieben trotzdem. So in einem
Bereich, der weniger lautstark diskutiert wird, jedoch mindestens
ebenso wichtig war für die Funktionsweise der faschistischen
Herrschaft in Deutschland wie die Wehrmacht: Die Rolle von
Wirtschaftsführern und Unternehmen bei faschistischen Planungen
für Krieg und Massenmord, als Akteure und insbesondere als
Profiteure. Das Buch stützt sich auf selbstrecherchiertes
Material von Geschichtswerkstätten und VVN-BdA, um an Verbrechen
der wirtschaftlichen Eliten an Rhein und Ruhr zu erinnern: Von Abs
bis Zangen, von Flick bis Quandt, von IG Farben bis Oetker-Pudding,
von Arisierung bis Zwangsarbeit. Und auch Krupp wird nicht vergessen.
David
Salomon:
Demokratie. PapyRossa Verlag 2012, Reihe Basiswissen. 132 S.
(NB1218) 9,90 Euro
„Basiswissen“ bringt in
handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen
in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie.
Parlamentarismus, allgemeine Wahlen, ein liberales politisches System
– ist das schon Demokratie? Daß es ein Trugschluß
sei, Demokratie mit Liberalismus gleichzusetzen, heben Autoren wie
Luciano Canfora, Domenico Losurdo oder Ellen Meiksins Wood hervor.
Sie betonen, daß der Liberalismus seit je die Tendenz hatte,
„Demokratie“ auf ein Elitenprojekt zu reduzieren. Geht
man mit Arthur Rosenberg davon aus, daß sich der
Demokratiegehalt einer Klassengesellschaft daran mißt, wie es
um die reale Macht der Unterdrückten steht, kommt man zu ganz
anderen Ergebnissen als liberale Theoretiker. Der Band führt in
Begriff und Geschichte der Demokratie ein, indem er sich an diesem
Gegensatz orientiert. Die grundlegende These ist: „politische
Demokratie“ läuft leer oder ist gar bedroht, wenn sie sich
nicht zur „sozialen Demokratie“ (Wolfgang Abendroth)
erweitert. Der Band fragt nach Möglichkeiten zur
Demokratisierung der gesamten Gesellschaft und bilanziert bisherige
Versuche, dies zu erkämpfen.
Peter
Rau: Der
Spanienkrieg 1936 – 39. PapyRossa Verlag 2012, Reihe
Basiswissen. 132 S. (NB1219) 9,90 Euro
„Basiswissen“
bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische
Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte,
Gesellschaft und Ökonomie. Als im Juli 1936 in Spanien die
Reaktion gegen die demokratisch gewählte Volksfrontregierung
putschte und bereits nach wenigen Tagen die Schützenhilfe aus
Deutschland und Italien zugunsten der Militärs um Francisco
Franco unumstößlich bewiesen war, eilten Tausende
Antifaschisten aus aller Welt der Republik zu Hilfe und kämpften
in den legendären Internationalen Brigaden. Die Vorgeschichte
dieser Ereignisse wird hier ebenso beschrieben wie die umfangreiche
materielle Unterstützung Francos durch den internationalen
Faschismus. Thematisiert wird zudem die verhängnisvolle
Nichteinmischungspolitik der „Demokratien“ des Westens,
die – neben der massiven Intervention seitens Hitlers und
Mussolinis – letztlich für die Niederlage der Republik
verantwortlich war. Beleuchtet werden aber auch deren Versäumnisse
und Fehler sowie die Rolle der Kommunistischen Internationale als
Spiritus Rector der Interbrigaden und die nicht immer uneigennützige
Hilfe der Sowjetunion.
Kurt
Pätzold:
Wahn und Kalkül. Der Antisemitismus mit dem Hakenkreuz.
PapyRossa Verlag 2012. 246 S. (NB1215) 15,90 Euro
Kurt Pätzold,
lehrte bis 1992 als Professor für Deutsche Geschichte an der
Humboldt-Universität Berlin. International renommierter
Historiker und Faschismusforscher. Gegenstand des Buches ist die
Geschichte der Judenverfolgung und des Judenmordes, geplant und
befohlen von den Machthabern des faschistischen Deutschen Reiches.
Zudem befaßt es sich mit der Erforschung des Verbrechens, mit
der Juristen, nicht Historiker den Anfang machten. Der Band schildert
indessen nicht nur Ereignisse und Abläufe. Er fragt nicht allein
nach dem Was und dem Wer, dem Wann und dem Wie, sondern auch nach dem
Warum. Es geht also auch um die Motive, Antriebe und Ziele derer, die
zuerst die Vertreibung der Juden aus dem Reichsgebiet, dann die
Ermordung aller, derer sie in ihrem Machtbereich habhaft werden
konnten, in Gang setzten und lenkten. Die Antworten werden aus dem
Blick eines Historikers gegeben, der sich mit dem bloßen
Verweis auf die Ideologie der Rassisten mit dem Hakenkreuz nicht
begnügt. Durchmustert werden Resultate der Forschung,
dargestellt die Kontroversen, gestrige und heutige, und markiert auch
die blinden Flecken, die noch zu tilgen sind.
Klaus
Huhn:
Die Gauck-Behörde. Der Inquisitor zieht ins Schloss.
Spotless Verlag 2012. 128 S. (NB1214) 9,95 Euro
„Er ist
das Volk“, titelte der stern. War das feine Ironie? Vermutlich
nicht: Die Medien meinen es ernst. Gauck sei „einer für
uns: unbequem, eigensinnig – und gerade deshalb der Richtige“.
Nein, meinen jene, die ihn besser kennen. „Gauck ist die
falsche Person“, sagt Hans-Jochen Tschiche, einst Pfarrer und
Mitbegründer des Neuen Forum. Dieser sei nunmehr „dort
angekommen, wo er schon immer hin wollte – im konservativen
Teil der westlichen Gesellschaft“. Ihm mögen „noch
so viele prunkende Gewänder umgehängt werden, der Mann ist
weder Intellektueller noch Staatsmann, noch hat er die Verdienste um
die deutsche Einheit, die ihm nachgesagt werden“, schrieb
Marian Krüger im neuen deutschland. Klaus Huhn hat den
Kandidaten noch einmal genau unter die Lupe genommen.
Alexander
Kluge: Personen und Reden. Lessing – Böll – Huch
– Schiller – Adorno – Habermas – Müller
– Augstein – Gaus – Schlingensief – Ad me
ipsum. Verlag Klaus Wagenbach 2012 (SALTO).144 S. Fadengeheftet.
Rotes Leinen. (NB1208). 15,90 Euro
Eine stete Unterbrechung
unglücksbringender Selbstverständlichkeit in elf Portraits.
Zum 80. Geburtstag hat sich Alexander Kluge diesen Band gewünscht,
um seine Reden über andere große deutsche
Öffentlichkeitsarbeiter zu sammeln: Er spricht über G. E.
Lessing, Heinrich Böll, Ricarda Huch, Friedrich Schiller, T. W.
Adorno, Jürgen Habermas, Heiner Müller, Rudolf Augstein,
Günter Gaus und Christoph Schlingensief. Dabei gelingen ihm
nicht nur verblüffend zugespitzte Portraits dieser Personen.
Kluges Gedanken „durchstreifen sein Hirn“ und schöpfen
– blitzgescheit und haarsträubend assoziativ – aus
einem tiefen Fundus von Kenntnissen: Er führt literarische
Beispiele (Ovid, Shakespeare oder David Hume) ebenbürtig mit
historischen Ereignissen als Zeugen an, wobei sein Interesse immer
den großen Wendepunkten gilt (1945, Tschernobyl oder dem 11.
September). Am Ende steht ein für dieses Buch neu geschriebener
Text: Ad me ipsum, in dem er uns von den ihm wichtigen
Produktionsmitteln des Gefühls erzählt: den Büchern,
den Bildern und der Oper.
Werner
Ruf:
Der Islam – Schrecken des Abendlands. Wie sich der Westen
sein Feindbild konstruiert. PapyRossa Verlag 2012. 132 S. Pb.
(NB1212) 9,90 Euro
Als „dem Westen“ mit dem
Zusammenbruch der Sowjetunion sein liebstes Feindbild abhanden kam
und der NATO eine Legitimationskrise drohte, fand sich bald Ersatz.
Ihn lieferte Samuel P. Huntington. Die Konflikte des 21.
Jahrhunderts, so Huntington, seien solche zwischen Kulturen, von
denen eine besonders gefährlich sei: Der Islam. Der einst
biologisch begründete Rassismus kommt seither mit Vorliebe im
kulturellen Gewande daher. Die aus den aktuellen Krisen des
Kapitalismus erwachsenden Ängste werden so instrumentalisiert
gegen Minderheiten. Die Debatte um Thilo Sarrazin und Henryk M.
Broder markiert nur die Spitze des Eisbergs einer sich europaweit
formierenden Rechten. Der behauptete „Kampf der Kulturen“
entpuppt sich dabei als faschistoides Instrument, das auch die
Grundlagen bürgerlicher Demokratie bedroht.
Marc
Thörner:
Die arabische Revolution und ihre Feinde. Edition Nautilus
2012.
160 S. Pb. (NB1211) 12,90 Euro
„Sarkozy! Sarkozy!“
rufen Demonstranten in Bengasi, als französische Jets Gaddafis
Truppen bombardieren, und schwenken Trikoloren. Am Mittelmeer scheint
die NATO den Demokraten Feuerschutz zu geben, doch als Marc Thörner
durch Afghanistan reist, erlebt er eine andere Seite des Bündnisses:
Dort alimentiert die NATO ein System, das aus einer
erzfundamentalistischen Zentralregierung und zahlreichen
diktatorischen Warlord-Fürstentümern besteht. Mal
Vorkämpfer, mal Feind der Demokratie – gibt es hinter
diesen Widersprüchen westlicher Politik eine Logik? Die Frage
führt den Autor auf seiner Spurensuche durch mehrere Länder:
Libyen, Tunesien, Saudi-Arabien, Irak, Syrien und schließlich
wieder Afghanistan. Immer deutlicher kristallisiert sich dabei
heraus: Der islamische Extremismus ist nicht allein im Orient
entstanden, sondern Teil einer gemeinsamen west-östlichen
Anti-Aufklärung. Ihre prägenden Vordenker sind nicht
muslimische, sondern europäische Intellektuelle und Militärs.
Sie sind eine Gefahr – nicht nur für die arabische
Freiheit.
Luciano
Canfora: Zeitenwende 1956. Entstalinisierung, Suez-Krise,
Ungarn-Aufstand. PapyRossa Verlag 2012. 128 S. Pb. (NB1213) 9,90
Euro
Luciano Canfora, Prof. Dr. phil., Altphilologe und
Historiker. Sein Buch „Eine kurze Geschichte der Demokratie“
hat in der Bundesrepublik für Furore gesorgt.
Gekennzeichnet
von dramatischen Ereignissen markiert das Jahr 1956 eine historische
Zäsur: Der XX. Parteitag der KPdSU und Chruschtschows Geheimrede
samt ihren fragwürdigen Umständen läuten die
Entstalinisierung ein; die Suez-Krise drängt die traditionellen
Kolonialmächte Frankreich und England in die zweite Reihe hinter
die USA; die Niederschlagung des Ungarn-Aufstands betont die
Hegemonie der Sowjetunion gegenüber ihren „Bruderländern“;
im Kalten Krieg zwischen West und Ost kommt es zu ersten Anzeichen
einer Entspannung. Mit teilweise wenig bekannten Dokumenten stellt
Luciano Canfora überraschende Bezüge her. Sie zeigen, wie
die Sowjetunion und die Westmächte bei ihrer Unterstützung
bzw. Unterdrückung widerstrebender Nationalismen scheinbar
spiegelbildlich agierten. Damit wird auch deutlich, wie eng all diese
Ereignisse miteinander verflochten waren. Ihre Interpretation ist bis
heute nicht abgeschlossen. Sie bleibt grundlegend für das
Verständnis des 20. Jahrhunderts.
Guido
Speckmann, Gerd Wiegel: Faschismus. PapyRossa Verlag 2012
(Basiswissen). 128 S. (NB1205) 9,90 Euro
Wie klärungsbedürftig
das Thema „Faschismus“ ist, zeigt sich schon am Begriff.
Ist er international unbestritten, so wird er bei uns gerne ersetzt
durch „Nationalsozialismus“, die demagogische
Selbstbezeichnung der deutschen Faschisten. Dieser Band entfaltet
Begriff und Geschichte des Faschismus in drei Schritten: Im ersten
werden die wichtigsten Analysen vorgestellt, um zu belegen, wie eine
moderne, aktuelle Erkenntnisse berücksichtigende
Faschismustheorie aussehen müßte. Sodann werden sie anhand
der faschistischen Regime in Italien und Deutschland überprüft.
Die faschistischen Bewegungen auf dem Weg zur Macht, die
Herrschaftspraxis des Faschismus nach innen und außen und sein
rassistisches und antisemitisches Potenzial bilden hier die
Schwerpunkte. Schließlich wird im dritten Teil die Frage nach
dem heutigen Potenzial des Faschismus und nach seinen modernen Formen
aufgeworfen. Lassen sich in heutigen Bewegungen, Regimen und
Fundamentalismen Formen von Faschismus finden? Guido Speckmann ist
Redakteur von Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung und Sozialismus,
Gerd Wiegel ist Referent der Bundestagsfraktion DIE LINKE für
die Themen Rechtsextremismus/Antifaschismus.
Hans
Beimler:
Im Mörderlager Dachau. Herausgegeben, kommentiert und um
eine biographische Skizze ergänzt von Friedbert Mühldorfer.
PapyRossa Verlag 2011. 194 S. Pb. mit 30 s/w-Abbildungen. (NB1210).
12,90 Euro
Kurz nach seiner abenteuerlichen Flucht aus dem
Konzentrationslager Dachau im Mai 1933 schrieb der schwer gefolterte
bayerische Kommunist und Reichstagsabgeordnete Hans Beimler nieder,
was er dort hatte erleben müssen. Die Veröffentlichung war
eine Sensation und wurde in mehrere Sprachen übersetzt, in
internationalen Zeitungen zitiert – und in Deutschland illegal
verbreitet. Hans Beimler wollte mit seinem Bericht zum Widerstand
gegen die Nazidiktatur in Deutschland und im Ausland aufrufen. Er
selbst leistete zunächst illegale Arbeit von Frankreich, der
Tschechoslowakei und der Schweiz aus, bevor er mit den ersten
Freiwilligen nach Spanien ging, um dort mit den Internationalen
Brigaden gegen Franco zu kämpfen. Am 1. Dezember 1936 fiel Hans
Beimler vor Madrid. Erstmals in der Bundesrepublik erscheint sein
Erlebnisbericht in der Originalfassung, ergänzt um Fotos und
Dokumente sowie um Anmerkungen zu Entstehungsgeschichte und
zeitgeschichtlichen Hintergründen. Außerdem wird von
Friedbert Mühldorfer in einer umfangreichen biographischen
Skizze der Lebensweg des Antifaschisten Beimler
nachgezeichnet.
Friedbert Mühldorfer, *1951. Lehrer an einem
Münchner Gymnasium und Historiker, seit 1975 Mitarbeit in der
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen
und Antifaschisten, Landesverband Bayern. Seine Arbeitsschwerpunkte
sind Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus, Geschichte der
Arbeiterbewegung, Nachkriegsgeschichte.
Uwe
Jakomeit,
Christoph Jünke, Andreas Zolper (Hg.): Begegnungen mit Leo
Kofler. Ein Lesebuch. PapyRossa Verlag 2011. 210 S. Pb.
(NB1209).
14,90 Euro
Leo Kofler (1907-1995) war eine der markantesten
Gestalten des deutschen Nachkriegsmarxismus und ein wichtiger
Vermittler zwischen alter Arbeiterbewegung und Neuer Linker. Jenseits
auch des linken Mainstreams widmete er sich der Erneuerung der
marxistischen Theorie auf so unterschiedlichen Gebieten wie der
Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft, der Soziologie und
Kritik des sozialstaatlichen Kapitalismus, der Anthropologie und der
Ästhetik. Jede Geschichte der deutschen Linken und ihrer
Theoriedebatten bleibt unvollständig, wenn sie nicht auch auf
Koflers Arbeiten und seine oft eher verborgenen Einflüsse
eingeht. Das Lesebuch bietet ein beeindruckendes Panorama
biografischer wie intellektueller Begegnungen mit Kofler. Texte u. a.
von Wolfgang Abendroth, Johannes Agnoli, Ernst Bloch, Iring Fetscher,
Wolfgang Harich, Alfred Kosing, Bruno Kreisky, Georg Lukács,
Ernest Mandel, Jakob Moneta, Oskar Negt, Theo Pirker, Werner
Seppmann, Robert Steigerwald, Klaus Vack und Bernard Willms.
Regina
Wamper
/ Ekaterina Jadtschenko / Marc Jacobsen (Hg.): „Das hat doch
nichts mit uns zu tun!“ Die Anschläge in Norwegen in
deutschsprachigen Medien. Edition DISS im Unrast Verlag 2011. 184 S.
Pb. (NB1198) 18 Euro
Am 22. Juli 2011 explodierte in Oslo eine
Autobombe, die acht Menschen tötete. Wenig später tötete
der selbe Täter auf der Insel Utøya 69 junge
Sozialdemokratinnen. Nach seiner Festnahme äußerte er
antimuslimische und antimarxistische Ansichten. Die Autorinnen
analysieren deutsche Medien unter dem Gesichtspunkt, wie dort dieses
Ereignis eingeordnet wurde, ob und welche Diskursverschiebungen
stattgefunden haben. Verschränkungen mit antimuslimischen
Diskursen und deren der Extremismusbekämpfung werden besonders
beachtet. Analysen zu der Reaktion extrem rechter Medien beleuchten
Distanzierungen und Solidarisierungen.
Beiträge von Jonas
Bals, Martin Dietzsch, Sebastian Friedrich, Astrid Hanisch, Margarete
Jäger, Helmut Kellershohn, Sebastian Reinfeldt, Bernhard Schmid,
Hannah Schultes.
Pier
Paolo
Pasolini: Freibeuterschriften. Die Zerstörung der Kultur des
Einzelnen durch die Konsumgesellschaft. Herausgegeben von Peter
Kammerer. Aus dem Italienischen von Thomas Eisenhardt. Verlag Klaus
Wagenbach 2011 (WAT 317). 176 S: Pb. (NB1207) 10,90 Euro
Pasolinis
berühmte Polemiken gegen die Konsumgesellschaft – radikal
und inkonsequent, rhetorisch brillant und bedrückend aktuell.
Pasolinis Streitschriften lösten bei ihrem Erscheinen erregte
Debatten aus und markieren einen Wendepunkt in der Diskussion über
den „Fortschritt“: Warum verschwinden die Glühwürmchen?
Ist der Untergang der bäuerlichen Welt Mord? Wie herzlos ist die
Aufklärung? Der gefeierte Ungehorsam – ist er so
destruktiv wie unsere Welt? Als radikaler Freibeuter, dessen Leben
und Werk untrennbar zusammengehörten, stellte sich Pasolini dem
common sense einer Massenkultur entgegen, die das Besondere einebnet,
das Alte zerstört und die Unterschiede nivelliert.
Klaus
Wagenbach: Die Freiheit des Verlegers. Erinnerungen,
Festreden,
Seitenhiebe. Herausgegeben von Susanne Schüssler. Verlag Klaus
Wagenbach 2010. 352 S. Gebunden mit Schildchen. (NB1204) 19,90
Euro.
Die wichtigsten Texte aus fünf Jahrzehnten,
größtenteils erstmals publiziert: Über Bücher
und Autoren, über Politik und die deutschen Verhältnisse,
über Italien, die Kunst und die Mutter. Klaus Wagenbach ist
einer der letzten aus einer Generation von unabhängigen,
eigenwilligen und leidenschaftlichen Verlegern; ein linker, aber
undogmatischer Kopf, der nicht vor den Konsequenzen politischen
Handelns zurückschreckt; und ein früher und bis heute
unerschütterlicher Liebhaber Italiens. Außerdem: ein
heiterer Geschichtenerzähler, ein eifriger Vorwortschreiber, ein
freudig erwarteter Festredner, aber auch einer, der gern
widerspricht, wenn die öffentliche Meinung jemanden moralisch
und politisch gar zu korrekt schlachten will. Der Band sammelt Texte
Klaus Wagenbachs über Italien (einschließlich
Kunstgeschichte), Politik, das Leben und die Zukunft der Bücher
und über einzelne Autoren. Ein Großteil der Texte ist
bisher nicht veröffentlicht, wichtige Zeitdokumente wie die
Grabrede für Ulrike Meinhof wurden jedoch ebenfalls aufgenommen.
Und schließlich erst jüngst entstandene biographische
Geschichten: Vom gegen die Nazis rebellierenden Großvater, der
reformbewegten Mutter, dem Vater, der nur Latein, Griechisch und
Hebräisch konnte; darüber, wer und wie nach dem Krieg die
Demokratie aufbaute, warum Kollektive träumen und Frauen besser
kommunizieren können.
Bibliothek
des
Widerstands. Band 14: Mumia Abu Jamal. Laika Verlag 2010. 104
Seiten und DVD. (NB1201) 24,90 Euro
Mumia Abu Jamal sitzt seit
29 Jahren im Todestrakt in einem Hochsicherheitsgefängnis in
Pennsylvania. „Unschuldig“ – wie nicht nur er
selber oder seine Freunde immer wieder beteuern, sondern wie es
zahlreiche Personen oder Institutionen als offenkundig erklären,
nachdem sie sich mit dem „Fall Mumia Abu Jamal“
beschäftigt haben. Unschuldig am Tod des Polizisten Daniel
Faulkner, der am 9. Dezember 1981 bei einem Schußwechsel nach
einer Verkehrskontrolle starb. Das Verfahren gegen Mumia Abu Jamal
war geprägt von Verurteilungsinteresse um jeden Preis, von
Beweisunterschlagung und Beweismanipulierung, von Behinderung der
Verteidigung wie auch von der rassistischen Planung bei der
Geschworenenauswahl. Vorsitz in diesem Verfahren hatte ein Richter,
der zu Beginn des Prozesses vor Zeugen erklärte: „Ich
werde ihnen helfen, den Nigger zu grillen.“ Die kalifornische
Lehrergewerkschaft verurteilte das Verfahren wegen seiner „illegalen
und unfairen Methoden“. Zahlreiche Personen wie Angela Davis
oder der Filmproduzent Colin Firth verurteilen dieses Verfahren und
fordern die Freiheit von Mumia Abu Jamal.
Die Kampagne zu Mumia
Abu Jamal richtet sich gegen dieses offenkundig pseudorechtliche und
rassistische Verfahren gegen einen schwarzen Bürgerrechtler –
und sie richtet sich gegen die Todesstrafe, mit der der Mord durch
den Staat als Nicht-Mord behauptet wird.
In diesem Band der
BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS wird ausführlich über die
Geschichte des schwarzen Bürgerrechtlers Mumia Abu Jamal
berichtet, wird präzise ein Verfahren analysiert, das letztlich
Ausdruck einer Verschwörung von Polizei, Staatsanwaltschaft und
Gericht gegen den Angeklagten war und ein Überblick über
eine Solidaritätsbewegung gegeben, die seit Jahrzehnten immer
wieder neu um das Leben von Mumia Abu Jamal kämpft.
Mit
Texten und Stellungnahmen von: Mumia Abu Jamal, Todd Steven
Burroughs, Angela Davis, Amy Goodman, Leonard Peltier, Suzanne Ross,
Annette und Michael Schiffmann, Alice Walker, Lin Washington und
zahlreichen Einzelpersonen aus der Solidaritätsbewegung gegen
die Todesstrafe und zu Mumia Abu Jamal.
Dem Buch beigelegt auf
DVD: „Hinter diesen Mauern“ von Jule Burjes und Heike
Kieffner, BRD 1996, 70 Minuten. In Prison My Whole Life von Marc
Evans, USA 2007, 90 Minuten OmU. Justice on Trial von Kouross
Esmaeli, USA 2010, 25 Minuten OmU.
Neue Entscheidung: Am 26. April
2011, zum Redaktionsschluß dieses Buches, bestätigte das
Richtergremium des 3. Bundesberufungsgerichts seine Entscheidung vom
27. März 2008, die die Aufhebung des Todesurteils aus einer
Vorinstanz zu Mumia Abu Jamal bekräftigt hatte. Dies ist ein
großer Erfolg für Mumia Abu Jamal. Dies ist aber nicht das
Ende des Verfahrens. Mumia Abu Jamal bleibt weiter im Todestrakt.
Noch immer kann der US Supreme Court diese Entscheidung aufheben.
Diese Gefahr besteht real fort. Diese jetzt getroffene Entscheidung
des 3. Berufungsgerichtes sollte für die Solidaritätsbewegung
der Anlass sein, den Fall Mumia Abu Jamal mit großer Energie,
mit großer Solidarität untereinander und mit breiter
Unterstützung erneut in die Öffentlichkeit zu bringen.
Jürgen
Leibiger: Bankrotteure bitten zur Kasse. Mythen und
Realitäten
der Staatsverschuldung. Papyrossa Verlag 2011. 276 S. (NB1191) 16,90
Euro
Die öffentlichen Schulden gelten als Beweis dafür,
daß „wir über unsere Verhältnisse leben“.
Es ist das vorletzte Wort einer bankrotten Wirtschaftspolitik
zugunsten von Bankrotteuren; das letzte Wort heißt: „Wir
müssen sparen.“ Aber wer ist eigentlich „wir“?
Und wie sind denn „unsere Verhältnisse“? Gibt es da
nicht Gläubiger, die an den Staatsschulden jährlich
Milliarden verdienen? Wer ist das, und warum sind diese Ausgaben
sakrosankt, nicht aber die für Erziehung, Gesundheit, Kultur,
Verkehr und andere öffentliche Güter? Und kann ein Staat
überhaupt pleite gehen? Oder ist der Staatsbankrott vielleicht
nur eine Chimäre? Muß es hingenommen werden, daß die
Bankrotteure zur Kasse bitten und – wie der ausführliche
historische Rückblick zeigt – am Ende immer den einfachen
Leuten in die Tasche gegriffen wird? Das vorliegende Buch befaßt
sich mit den Mythen und Realitäten der Staatsverschuldung in
Deutschland und damit, daß die Suche nach Alternativen zur
gegenwärtigen Bankrottpolitik alternativlos ist. Jürgen
Leibiger, Dr. oec. habil., Jg.1952. Dozent für
Volkswirtschaftslehre an der Sächsischen Verwaltungs- und
Wirtschafts-Akademie Dresden. Veröffentlichte 2010 bei PapyRossa
das Standardwerk für eine alternative Finanzpolitik „Reclaim
the Budget“.
Andreas
Wehr:
Griechenland, die Krise und der Euro. Zweite, aktualisierte
und
erweiterte Auflage. PapyRossa Verlag 2011. 214 S. Pb. (NB1194) 13,90
Euro
Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat die
Schwächen der Europäischen Union und ihrer gemeinsamen
Währung Euro schonungslos offenbart. Grundlegende Mängel
der Konstruktion der Eurozone wurden erkennbar. Heute rächt
sich, daß es in der Europäischen Union wohl eine
Währungs-, aber keine Finanz- und Wirtschaftsunion und schon gar
keine Politische Union gibt. In der Krise um Griechenland stellt sich
die Frage, ob eine Währung ohne Staat auf Dauer überhaupt
existieren kann. Der Autor beschreibt, wie durch das Agieren von
nationalen Regierungen, insbesondere der deutschen, von Europäischer
Kommission und Europäischer Zentralbank die Spannungen in der
Eurozone permanent angewachsen sind. Zwei Auswege sind seiner Ansicht
nach möglich: Der Zerfall bzw. die Teilung der Eurozone oder
aber der Aufstieg eines Hegemons, der den anderen Euro-Ländern
seinen Willen aufzwingt. Dies kann aber nur Deutschland sein. Damit
wäre der alte Konflikt wieder da. In dieser Krise steht daher
viel auf dem Spiel.
Thomas
Wagner,
Michael Zander: Sarrazin, die SPD und die Neue Rechte.
Untersuchung eines Syndroms. Spotless Verlag 2011. 160 S. (NB1203)
9,95 Euro
Was hat die SPD mit Rassismus zu tun? Warum macht die
NPD mit Sarrazin Wahlkampf? Welches sind die politischen
Schnittmengen zwischen der bürgerlichen „Mitte“ und
der „Neuen Rechten“? Eine aggressive Rechtfertigung von
Herrschaft und sozialer Ungleichheit wird salonfähig und populär
gemacht. SPD-Politiker, konservative Journalisten, die Neurechten,
der norwegische Terrorist Breivik und die Neonazis – sie alle
fordern für sich vor allem eines: „Meinungsfreiheit“.
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Sascha
Stanicic: Anti-Sarrazin. Argumente gegen Rassismus,
Islamfeindlichkeit und Sozialdarwinismus. PapyRossa Verlag 2011. 168
S. Pb. (NB1196) 11,90 Euro
Wenn es heißt, Thilo Sarrazin
spreche unbequeme Wahrheiten aus, werden viele seiner Auffassungen
nicht berücksichtigt. Das gilt vor allem für seine
sozialpolitischen Vorstellungen. Denn Sarrazins Buch ist auch eine
Kampfschrift für eine Sozialpolitik gegen die Mehrheit der
Bevölkerung. Sascha Stanicic liefert fundierte Argumente gegen
die Behauptungen Sarrazins. Er erklärt den Hintergrund der so
genannten Integrationsdebatte, stellt Rassismus und Sozialabbau in
einen gesellschaftlichen Zusammenhang und zeigt, dass sie zwei Seiten
derselben Medaille sind. Ausführlich werden die
Islamfeindlichkeit als neue Form des Rassismus analysiert und
konkrete Vorschläge für linke Positionierungen etwa zu
Kopftuchdebatte, Moscheebau etc. gemacht. Die aktuellen
wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Frage des Zusammenhangs von Genen
und Intelligenz werden zusammengefaßt und das Phänomen des
Rechtspopulismus beleuchtet. Nicht zuletzt macht der Autor Vorschläge
für linke Alternativen zu Sarrazin.
Manfred
Weißbecker: Das Firmenschild: Nationaler Sozialismus. Der
deutsche Faschismus und seine Partei 1919 bis 1945. PapyRossa Verlag
2011. 218 S. Pb. (NB1193) 14,90 Euro
Als Bewegung, Ideologie
und Herrschaftsform prägte der Faschismus die erste Hälfte
des 20. Jahrhunderts. Um den im Zuge der Weltwirtschaftskrise sich
verbreitenden unklaren Antikapitalismus nach rechts hin umzulenken,
figurierte er in Deutschland als „nationaler Sozialismus“.
Dieser verbreitete nationalistische, terroristisch-antidemokratische,
expansions- und kriegsorientierte Denkweisen völkisch-rassistischen,
insbesondere auch antisemitischen Zuschnitts. Den
„Nationalsozialismus“ repräsentierte eine Partei,
die zur größten in der deutschen Parteiengeschichte
geriet. Ihre Geschichte belegt zugleich den förderlichen Umgang,
den Staatsbürokratie, rechte Parteien und Justiz in der Weimarer
Republik mit ihr pflegten. Manfred Weißbeckers „Wortmeldungen“
erhellen symptomatische Einzelereignisse und bieten eine Schau vom
Teil zum Ganzen. Da lassen sich vielfältige Hintergründe
erkennen sowie die Tatsache, daß eine pflegliche Behandlung der
extremen Rechten begleitet ist von immer schärferem Vorgehen
gegen Linke.
Bernhard
Schmid: Distanzieren, leugnen, drohen. Die europäische
extreme Rechte nach Oslo. edition assemblage 2011. 128 S. Pb.
(NB1188) 12,80 Euro
Aus den Wahnvorstellungen wurde
Wirklichkeit: Ein Attentäter, der gleichzeitig von fanatischem
Moslem- und Einwandererhaß und von einer Obsession gegen den
„kulturellen Marxismus“ angetrieben wurde, tötete
über 75 Menschen in Oslo. Seitdem ist die extreme Rechte in
Europa aufgewirbelt. Der Niederländer Geert Wilders erklärte
den Amoklauf zum „Rückschlag“ für die von ihm
so genannte „islamkritische“ Bewegung. Auch die deutsche
Webseite Politically Incorrect schaltete zum Teil auf Selbstkritik
um. Andere Rechte dagegen erblickten in der Tat ein Fanal, einen
flammenden Aufruf zur Aktion. In Frankreich verherrlichte ein
früherer Wahlkandidat des Front National den Massenmörder
von Oslo als „neuen Karl Martell“ und fügte hinzu:
„Andere werden folgen“. In Österreich schloß
die FPÖ einen Abgeordneten infolge seiner Reaktion aus. Aber
welches geistige Milieu in Europa hat solche Wahnideen
hervorgebracht? Welche Rolle spielen ultrarechte Israelfreunde,
Pseudofeministinnen und frühere Linke dabei? Und wie reagiert
dieses Milieu auf die Vorwürfe „nach Oslo“?
Bernhard
Schmid: Die arabische Revolution? Soziale Elemente und
Jugendprotest in den nordafrikanischen Revolten. edition assemblage
2011. 120 S. Pb. (NB1189) 12,80 Euro
Anfang 2011 hätte
wohl kaum jemand für möglich gehalten, dass die seit
Jahrzehnten bestehenden Regimes in der arabischen Welt so schnell ins
Wanken geraten könnten. Doch nachdem sich in Tunesien aus
Sozialprotesten eine Revolte gegen den Diktator Ben ’Ali
entfaltete, wackelten die arabischen Herrscher: Zuerst fiel Ben ’Ali,
dann Mubarak. Als nächstes könnte die syrische Diktatur
oder das Regime von Präsident Saleh im Jemen stürzen,
allerdings drohen dort auch Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen.
In Libyen kippte das Geschehen von der Revolte in einen Bürgerkrieg,
und von diesem in einen internationalen Krieg um. Während manche
„Linke“ sich noch nicht recht entscheiden können, ob
Syriens Präsident Al-Assad nicht doch ein irgendwie
„sozialistisches“ oder jedenfalls „antiimperialistisches“
Regime führt oder wie man zu Libyen steht, sehen andere vor
allem die Sicherheit Israels bedroht. Doch was wollen die
Protestierenden? Wie verhält es sich mit den Kräfteverhältnissen
in Bewegung und Gesellschaft und wie sind die Geschehnisse aus
emanzipatorischer Sicht zu bewerten? Diese Fragen diskutiert Bernhard
Schmid und nimmt dabei sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die
Unterschiede in den verschiedenen arabischen Ländern in den
Blick. Ferner wird das Verhältnis des Westens zu „seinen“
arabischen Diktatoren beleuchtet.
Sebastian
Friedrich (Hg.): Rassismus in der Leistungsgesellschaft.
Analysen
und kritische Perspektiven zu den rassistischen
Normalisierungsprozessen der „Sarrazindebatte“. edition
assemblage 2011. 264 S. Pb. (NB1183) 19,80 Euro
Das mediale
Ereignis der „Sarrazindebatte“ führte zu einer
breiten gesellschaftlichen Verschiebung nach rechts, enttabuisierte
rassistisches Denken und verband Rassismus mit Elite- und
Nützlichkeitsdenken. Dieses komplexe Ereignis wird in 15
Beiträgen mit unterschiedlichen theoretischen Perspektiven
kritisch analysiert. Der Sammelband gibt Anstöße für
den Alltag, die politische Praxis und die kritische wissenschaftliche
Auseinandersetzung. Mit Beiträgen von Moritz Altenried,
Christoph Butterwegge, Sebastian Friedrich, Sabine Hess, Juliane
Karakayali, Serhat Karakayali, Elke Kohlmann, Jörg Kronauer,
Gabriel Kuhn, Jürgen Link, Charlotte Misselwitz, Marianne
Pieper, Nora Räthzel, Hannah Schultes, Yasemin Shooman, Vassilis
Tsianos und Regina Wamper.
Jan
F. Bandel,
Barbara Kalender, Jörg Schröder: Immer radikal, niemals
konsequent. Der MÄRZ-Verlag - erweitertes Verlegertum,
postmoderne Literatur und Business Art. Philo Fine Arts 2011. 332 S.
Pb. (NB1184) 25 Euro
1969 wurde in einem Handstreich ein Verlag
gegründet, dessen signalgelbe Bände schlagartig zum
Inbegriff einer nachgerade alchemischen Mischung von linker Politik,
Avantgarde-Literatur und Popkultur wurden: der März Verlag.
„Pop, Porno, Politik“ lauten die Schlagworte der
literarischen Postmoderne, die Leslie Fiedler 1968 ausrief.
Pornografie in Wort und Bild veröffentlichte JörgSchröder
in der angeschlossenen Olympia Press, einem deutschen Ableger von
Maurice Girodias' legendärem Pariser Sex- und Avantgardeverlag.
Doch das war nicht seine einzige Übung in „erweitertem
Verlegertum“ (Diedrich Diederichsen): Schröder betrieb
auch die Business-Art-Agentur Bismarc Media und veröffentlichte
1972 das Skandalbuch Siegfried. Später führte er den Verlag
im Rahmen des Alternativ-Buchvertriebs Zweitausendeins weiter, erfand
nebenbei die Friedensbewegung, widmete den Öko-Geistern die er
rief, sein zweites Buch Cosmic und verfolgt seit dem endgültigen
März-Crash Ende der Achtziger gemeinsam mit Barbara Kalender ein
einzigartiges autobiografisches work in progress. Jan-Frederik
Bandels material- und bilderreiches Essaybuch erzählt die
Vorgeschichte des März-Verlags, erkundet seine verschiedenen
Stationen und Erweiterungen und ist damit nicht zuletzt ein Versuch
über die Neuerfindung von Literatur und Betrieb um 1968. Im
Anhang die vollständige Bibliographie der März-Erstausgaben
mit Abbildungen.
Katharina
Rutschky: Im Gegenteil. Untertitel:Politisch unkorrekte
Ansichten
über Frauen. Mit einem Vorwort von Ina Hartwig. Verlag Klaus
Wagenbach 2011 (Wagenbachs andere Taschenbücherei). 144 S. Pb.
(NB1185) 10,90 Euro
Katharina Rutschkys mutiges, freies und
tabuloses Gegen- den- Strich- Denken fehlt in den aktuellen Debatten
um Frauen und ihre immer noch auszukämpfende Gleichberechtigung.
Zu ihrem Tod 2010 erschienen unzählige bestürzte Nachrufe.
Dem häufig geäußerten Wunsch nach einem Band mit
Texten aus dem Nachlass kommen wir jetzt nach. Die Aufsätze aus
über drei Jahrzehnten zeigen Katharina Rutschkys bemerkenswert
nimmermüden Kampf gegen männliche Vorurteile genauso wie
gegen weibliches Ressentiment und Selbstmitleid. Ganz besonders
scharf kritisiert sie ihre Lieblingsgegnerin Alice Schwarzer. Nicht
nur Themen wie Quote, Mutterschaft und Körperbilder/Mode oder
den alltäglichen Wahnsinn von Partnerschaftsproblematiken
verhandelt sie in ihrem unnachahmlich ironischen Ton, sondern sie
schreibt auch berührende Portraits von beeindruckenden Frauen.
Dabei hat sie sich nie mit der Sorge abgegeben, politisch korrekt zu
sein.
Marvin
Chlada
(Hrsg.): Das Universum des Gilles Deleuze. Eine Einführung.
Überarbeitete Neuauflage. Alibri Verlag 2011. 172 S. (NB1187)
14,50 Euro
Gilles Deleuze (1925-1995) gehört zu den
meistdiskutierten Philosophen in der gegenwärtigen
Postmodernismus-Debatte. Der Aufsatzband erörtert die
verschiedenen Aspekte seiner Philosophie; er bietet eine kritische
Einführung in sein Denken und stellt dessen Rezeption in den
Subkulturen dar. Die Bandbreite der Themen reicht von im engeren
Sinne philosophischen Fragen über seine Rezeption von Literatur,
Musik, Film bis hin zur Erörterung seines politischen
Standpunktes und der Frage, inwiefern Deleuze Versatzstücke für
eine neue (linke) Utopie bereithält. Mit Beiträgen von
Marvin Chlada, Gabriel Kuhn, Martin Büsser, Thomas Ernst, Daniel
Loick, Gerd Dembowski.
„Als Einführung konzipiert, wird
auch in Form und Inhalt versucht, der Vielfalt des Deleuzeschen
Werkes Rechnung zu tragen. Eher assoziative Texte und Polemiken
stehen neben wissenschaftlich und analytisch verfaßten
Beiträgen.“ (Jens Petz Kastner in Graswurzelrevolution).
„Eine Einführung ins Denken von Gilles Deleuze? Das ist
ein Widerspruch in sich. Wie soll man eine gegen das hierarchische
System gerichtete Philosophie der Vielheit, der Intensitäten und
der Simultaneität dingfest machen? Die zehn Autoren von Marvin
Chladas Anthologie – fast alle um die dreißig –
versuchen Gott sei Dank gar nicht erst, Deleuze didaktische Zügel
anzulegen.“ (Gregor Dotzauer in Tagesspiegel).
Queen
of the
Neighbourhood Collective: Revolutionäre Frauen. Biografien
und Stencils. edition assemblage 2011. 128 Seiten, 30 Abb., Pb.
(NB1190) 12.80 Euro
In Schrift und Bild porträtiert werden
dreißig Aktivistinnen, Anarchistinnen, Freiheitskämpferinnen
und Visionärinnen: Harriet Tubman, Louise Michel, Vera Zasulich,
Emma Goldman, Qiu Jin, Nora Connolly O’Brien, Lucia Sanchez
Saornil, Angela Davis, Leila Khaled, Comandante Ramona, Phoolan Devi,
Ani Pachen, Anna Mae Aquash, Hannie Schaft, Rosa Luxemburg, Brigitte
Mohnhaupt, Lolita Lebron, Djamila Bouhired, Malalai Joya, Vandana
Shiva, Olive Morris, Assata Shakur, Sylvia Rivera, Haydée
Santamaría, Marie Equi, Mother Jones, Doria Shafik, Ondina
Peteani, Whina Cooper und Lucy Parsons. Das Queen of the
Neighbourhood Collective (Aotearoa/Neuseeland), ein Kollektiv aus
Schriftstellerinnen, Forscherinnen, Redakteurinnen und
Grafikdesignerinnen.
Sahra
Wagenknecht: Freiheit statt Kapitalismus.
Eichborn Verlag 2011. 368 S. (NB1180) 19.95 Euro
Schon
lange sind nicht mehr Wettbewerb oder gar Leistung die zentralen
Merkmale und Perspektiven unserer Wirtschaft, sagt Sahra Wagenknecht.
Der Kapitalismus hat seine Produktivität und Kreativität
verloren. Wenn Ökonomie die Kunst des Anreizesetzens ist, wirken
heute die falschen, denn sie belohnen abstrakte Renditeziele und
Jobvernichtung statt Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen,
Umweltschonung und Unternehmenswachstum. Die aktuelle
Wirtschaftskrise ist auch eine Kreativitätskrise, sagt die
Autorin. Sie nimmt die Theoretiker der Sozialen Marktwirtschaft wie
Walter Eucken und Ludwig Erhard beim Wort und beschreibt es als
dringlichste Herausforderung an die Wirtschaft, wieder produktiv und
innovativ zu sein. Denn es muss nicht nur gerechter verteilt werden,
es muss auch wieder mehr zu verteilen geben. Dazu gehört neben
öffentlichen Banken als Kreditgeber für den Mittelstand auch eine
radikal veränderte Eigentumsordnung, die eine echte
Leistungsgesellschaft erst möglich macht. Kreativer Sozialismus,
so Sahra Wagenknecht, belohnt nicht den, der sich auf ererbten Werten
ausruht, sondern den, der Werte schafft.
„Nein, sie ist
keineswegs schrill oder polemisch, diese aktuelle politische
Positionierung von Sahra Wagenknecht. Ganz im Gegenteil: Sauber
recherchiert, faktenreich, kompetent und in verständlicher
Sprache zeigt die Autorin ihre gesellschafts- und
wirtschaftspolitischen Grundlinien der Neuzeit auf.“ (Jörg
Riemenschneider, NDR Info). „Freiheit statt Kapitalismus
formuliert den Zweifel, den viele mit sich herumtragen.“ (Arno
Orzessek, DeutschlandRadio Kultur).
Wolfgang
Gehrcke / Christel Buchinger / Jutta von Freyberg / Sabine Kebir:
Afghanistan – So werden die neuen Kriege gemacht.
Deutschland und der Krieg am Hindukusch. PapyRossa Verlag 2011. 235
S. Pb. (NB1171) 14,90 Euro
Das Buch zeigt, mit welchen
Mechanismen im Zusammenspiel von Politik und Medien die These von der
Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit des Afghanistan-Krieges
in der Öffentlichkeit verbreitet wird. Es zeigt anhand der
Entwicklung der ISAF-Mandate der UNO und der darauf aufbauenden
Bundestagsbeschlüsse, wie die Bundestagsmehrheit in kollektiver
Selbsthypnose den Mystifikationen der Kriegsgründe und
-interessen erliegt. Das Parlament beschließt zwar den Krieg,
die Kontrolle hat es aber nicht. Das Massaker in Kundus zeigt: Es
wird immer nur so viel zugegeben, wie schon aus anderen Quellen
bekannt wurde. Von Seiten der Regierenden wird verschwiegen,
vertuscht und gelogen; wie das funktioniert, beschreibt das Buch.
Auch das, worüber am wenigsten gesprochen wird: die Kosten des
Krieges und die Profite der Rüstungsindustrie. Aber wer bezahlt
die Rechnung? Was kann ein Parlament aus dem Tiefschlaf wecken, das
alljährlich die Fortsetzung eines Krieges beschließt, der
von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird?
Bernd
Hendricks: Menschen mit Flagge. Roman. Epubli Verlag 2011.
604 S.
(NB1177). 29,50 Euro
Oktober 2001. Der amerikanische Herbst:
Noch rauchen die Trümmer des World Trade Center, als in New York
und Florida Briefe mit tödlichen Viren auftauchen. Menschen
sterben. Das Land steht vor einer Panik. Am Tatort: ein kleiner
FBI-Ermittler. Alles deutet auf den Feind Amerikas, auf die
Terroristen, die von außen kommen. Alle tragen die
Nationalflagge an der Jacke, auch der Ermittler. Doch was er im
Herzen trägt, ist gefährlich in patriotischen Zeiten:
Zweifel. Er hat den schrecklichen Verdacht, daß der Bioterror
von innen kommt, von jenen gar, deren Hilfe für seine Ermittlung
unentbehrlich ist. Je tiefer der Ermittler in den Fall eintaucht,
desto mehr riskiert er: seine Karriere, seine Freiheit, am Ende sein
Leben. „Menschen mit Flagge“ ist Thriller und
Gesellschaftsroman zugleich, ein aufwühlendes Porträt des
verängstigten, jähzornigen Amerika, eine Tour-de-Force
durch die amerikanische Psyche am Vorabend des Irak-Kriegs.
Heinrich
Fink
/ Cornelia Kerth (Hg.): Einspruch! Antifaschistische
Positionen
zur Geschichtspolitik. PapyRossa Verlag 2011. 126 S. (NB1168) 12
Euro
Aus dem Kalten Krieg stammende Thesen wie „rot
gleich braun“, „Sozialismus gleich Faschismus gleich
Diktatur“ oder die Rede von den „zwei deutschen
Diktaturen“ werden mehr und mehr salonfähig. Mit
politischem Kalkül propagiert, zielt diese Deutung der
Geschichte auf die Gegenwart. Einspruch gegen solchen
Geschichtsrevisionismus erhob eine geschichtspolitische Konferenz der
VVN-BdA, auf der sich namhafte Wissenschaftler und Antifaschisten
gegen diesen Diskurs wandten, der sich selbst als „antitotalitär“
bezeichnet. Dabei ging es um das Verhältnis von Ursachen und
Wirkungen des Zweiten Weltkriegs, Wehrmachtsverbrechen und ihre
Opfer, die Rolle der Gebirgstruppen und die Entwicklung der
Gedenkpolitik. Beiträge u.a. von: Hannes Heer, Kurt Pätzold,
Wolfgang Wippermann, Moshe Zuckermann.
Frank
Deppe,
David Salomon, Ingar Solty: Imperialismus. PapyRossa Verlag
2011
(Basiswissen). 134 S. (NB1164) 9,90 Euro
Imperialismus
definieren die Autoren als eine „offene oder latente
Gewaltpolitik zur externen Absicherung eines internen Regimes“
und als zentralen Bestandteil der territorialen Reproduktion des
Kapitalismus. Verabschieden sie damit die Sichtweise, Imperialismus
sei ein Stadium der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, so
zeigen sie jedoch, daß sich aus der polit-ökonomisch
begründeten Analyse schlüssige Einsichten auch in
gegenwärtige weltwirtschaftliche und -politische Abläufe
ergeben. Klassische Imperialismustheorien (J. A. Hobson, Rudolf
Hilferding, Joseph Schumpeter, Karl Kautsky sowie W. I. Lenin und
Rosa Luxemburg) werden ebenso berücksichtigt wie Beiträge
aus der aktuellen Debatte (Leo Panitch, Sam Gindin oder David
Harvey). Nach einer Analyse des US-Imperialismus seit 1945 fragen die
Autoren auch, wie es sich mit einem „Euroimperialismus“
verhält. Kritik an der ideologischen Figur eines „guten
Imperialismus“ und Überlegungen zu einem zeitgemäßen
Antiimperialismus beschließen den Band.
Georg
Fülberth: „Das Kapital“ kompakt. PapyRossa
Verlag 2011 (Basiswissen). 123 S. (NB1165) 9,90 Euro
Die
vorliegende Einführung in „Das Kapital“
unterscheidet sich von anderen auch dadurch, daß sie nicht
polemisch zu belegen versucht, dieses Werk besser verstanden zu haben
als jene. Sie zeichnet zwar ebenfalls dessen Gesamtargumentation
nach, zeichnet sich aber dadurch aus, dass sie 1) besonderes Gewicht
auf den dritten Band legt; 2) die Rehabilitation der reinen
Arbeitswertlehre, wie sie im ersten Band entwickelt ist, übernimmt;
3) danach fragt, in welchem Verhältnis die Analyse der
kapitalistischen Produktionsweise und die Untersuchung der
Möglichkeiten ihrer Aufhebung in der Marxschen „Kritik der
Politischen Ökonomie“ zueinander stehen. Die Erkenntnisse
der „Neuen Marx-Lektüre“ und der „Monetären
Werttheorie“ werden dabei aufgenommen, aber vom Kopf auf die
Füße gestellt. Das Ziel dieser Einführung ist
erreicht, wenn die Leserinnen und Leser neugierig auf das Original
werden und dessen Lektüre folgen lassen. Dieser Basistext kann
ihnen dabei helfen, einen roten Faden durch die drei Bände zu
finden.
Georg
Fülberth: Kapitalismus. PapyRossa Verlag 2010 (Basiswissen).
120 S. (NB1143) 9,90 Euro
„Basiswissen“ bringt in
handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen
in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie.
Den ersten Leitfaden aus dieser neu etablierten Reihe legt Georg
Fülberth zum Stichwort „Kapitalismus“ vor. Im
theoretischen Teil werden dessen Charakteristika herausgearbeitet.
Zentral stehen dabei Akkumulation und Überakkumulation. Sie
bestimmen auch den Rhythmus der Geschichte dieser Produktions- und
Reproduktionsweise. Ihr gilt der zweite Teil des Buchs, der vom
Handelskapitalismus des ausgehenden Mittelalters und der frühen
Neuzeit bis zum Neoliberalismus von heute reicht. In seiner aktuellen
Phase wird der Kapitalismus als „Problematische
Überschussgesellschaft“ definiert. Dieser Begriff dient
zur Erklärung der Krise von 2007 ff., die sich als die
Konsequenz der merkwürdigerweise lange verdrängten,
womöglich wichtigeren Vorgängerkrise von 1974/75 und des
darauf folgenden Spekulations- und erneuten Überakkumulations-
Zyklus erweist.
Georg
Fülberth: Sozialismus. PapyRossa Verlag 2010 (Basiswissen).
112 S. (NB1144) 9,90 Euro
Was Sozialismus sei, wird angesichts
der Krisenhaftigkeit seines Gegenstücks, des Kapitalismus,
heftig debattiert. Was gemeint ist, bleibt indes häufig unklar.
Dem kann dieser Leitfaden abhelfen. Unter Sozialismus versteht er
dreierlei: a.) eine Gesellschaftsordnung, b.) eine politische
Bewegung und ihre Theorie, c.) ein untergeordnetes
Organisationsprinzip in der kapitalistischen Gesellschaft. Diese
Definition macht es nötig, in gebotener Kürze, aber dennoch
präzise die Grundzüge der Geschichte der sozialistischen
Bewegungen seit Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft, des
staatlich verfassten Sozialismus seit 1917 und von
Vergesellschaftungstendenzen im Kapitalismus selbst herauszuarbeiten.
Der Verfasser fragt auch nach Möglichkeiten für eine
Zukunft des Sozialismus. Als eine erste Etappe nennt er eine „Pink,
Grey, Red, Blue Revolution“: Eine Umwälzung zugunsten der
Jungen, der Rentner, der von Lohn- oder Transfereinkommen Abhängigen
und der Antikriegskräfte, deren ökologische Dimension
vorausgesetzt wird.
Professor Dr. phil. Georg Fülberth, Jg.
1939. Lehrte Politikwissenschaft an der Universität Marburg.
Publiziert regelmäßig in „Freitag“, „Konkret“,
„junge Welt“ und anderen Zeitungen und Zeitschriften.
Zahlreiche Bücher und Buchbeiträge.
Regina
Wamper
/ Helmut Kellershohn / Martin Dietzsch (Hg.): Rechte
Diskurspiraterien. Strategien der Aneignung linker Codes,
Symbole
und Aktionsformen. Unrast Verlag 2010 (Edition DISS). 288 S. (NB1154)
19.80 Euro
Rechte Adaptionen linker Symbole und Ästhetik
und was dagegen getan werden kann. In den letzten Jahren ist ein
verstärktes Bemühen auf Seiten der extremen Rechten zu
beobachten, Themen, politische Strategien, Aktionsformen und
ästhetische Ausdrucksmittel linker Bewegungen zu adaptieren und
für ihren Kampf um die kulturelle Hegemonie zu nutzen. Dabei
handelt es sich keineswegs mehr nur um ein Steckenpferd der
intellektuellen Neuen Rechten, vielmehr wird dies auch von NPD und
militanten Neonazis praktiziert. Im Resultat hat sich die extreme
Rechte eine Bandbreite kultureller und ästhetischer
Ausdrucksformen angeeignet, indem sie sich am verhaßten
‚Vorbild’ der Linken abgearbeitet hat. Man könnte
auch sagen: Um überzeugender zu wirken, hat sie kulturelle
Praktiken und Politikformen der Linken ‚entwendet’ –
allerdings nicht, ohne sie mit den eigenen Traditionen zu vermitteln.
Solche Phänomene sind keineswegs neu. Auch der
Nationalsozialismus bediente sich der Codes und Ästhetiken
politischer Gegner und suchte Deutungskämpfe gerade verstärkt
in die Themenfelder zu tragen, die als traditionell links besetzt
galten. Auch in den 1970er Jahren waren solche Strategien vorhanden.
Es stellt sich die Frage, warum und in welcher Form diese
Diskurspiraterien heute wieder verstärkt auftreten.
Aus dem
Inhalt:
Helmut Kellershohn, Martin Dietzsch: Aktuelle Strategien
der extremen Rechten in Deutschland – Sabine Kebir: Gramscismus
von rechts? – Volker Weiss: Sozialismusbegriff bei Moeller van
den Bruck und Oswald Spengler – Volkmar Woelk: Strasserismus
und Nationalbolschewismus – Renate Bitzan: Feminismus von
rechts? – Richard Gebhardt: Völkischer Antikapitalismus –
Fabian Virchow: Antikriegs-Rhetorik von rechts – Helmut
Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und die
Konservativ-subversive Aktion – Lenard Suerman: Autonome
Nationalisten – Regina Wamper, Britta Michelkens:
Gegenstrategien – Jens Zimmermann: – Kritik des
Rechtsextremismusbegriffs.
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