
Bibliothek des
Widerstands. Band 1: 2. Juni 1967. Laika Verlag 2010. 104 Seiten
und DVD. (NB1174) 24,90 Euro
„Krumme Straße,
Westberlin, am 2. Juni 1967: Um 20:30 Uhr zielt der Kriminalbeamte
Karl-Heinz Kurras, Abteilung I Staatsschutz, aus weniger als einem
Meter Entfernung auf den Hinterkopf des 27-jährigen Studenten
Benno Ohnesorg und drückt ab. Die Kugel aus der Walther PPK 7.65
tötet Benno Ohnesorg – sie trifft gleichzeitig in die
Köpfe der gesamten außerparlamentarischen Opposition.“
(Aus dem Vorwort). Während für die Rebellierenden der Schah
von Persien ein Folterkaiser und ein Ausbeuter des iranischen Volkes
war, war er für die politische und gesellschaftliche Elite der
BRD ein willkommener Bündnispartner. Ohnesorg ist der erste Tote
der außerparlamentarischen Opposition, die sich seit Mitte der
Sechziger Jahre gegen die Nachkriegsordnung der Bundesrepublik
Deutschland aufgebaut hat. Hinter den Polizisten Karl-Heinz Kurras
stellt sich der größte Teil der politischen Elite, die
Springer-Medien sowie Polizei und Justiz. Sie können sich der
Zustimmung eines erheblichen Teils der Bevölkerung der BRD
sicher sein. Für die außerparlamentarische Bewegung zeigt
dies die gewaltbereite Seite des restaurierten kapitalistischen
Staates, der außenpolitisch die Völkermordstrategie der
USA in Vietnam ebenso unterstützte wie den Kampf gegen die
antikolonialen Befreiungsbewegungen in der sogenannten Dritten Welt.
Der 2. Juni 1967 gehört zu den Schlüsselereignissen einer
ganzen Generation. Der Tod von Ohnesorg löste bei vielen eine
Erschütterung aus, die zu einer neuen Politisierung führte.
Am Abend des 21. Mai 2009 berichtet das heute-journal, daß
Karl-Heinz Kurras IM der Stasi war. Uwe Soukup konfrontierte Kurras
bereits am Morgen dieses Tages mit der bevorstehenden Enthüllung.
Soukups Analyse des 2. Juni 1967 – in diesem ersten Band der
Bibliothek des Widerstands. Außerdem: Zehn Jahre nach dem 2.
Juni 1967 blickte der Sozialforscher Karl Heinz Roth auf den Tod
Benno Ohnesorgs zurück – ein historisches Dokument neu
aufgelegt; „Mein 2. Juni“ – Karl-Heinz Dellwo
erinnert sich, wie die Nachricht von den Schüssen auf Ohnesorg
ihn als 15-Jährigen in der saarländischen Provinz
erreichte.
Ein LAIKA-Mediabook endet nicht mit der letzten Seite!
Wie in allen Bänden der Bibliothek des Widerstands erwartet Sie
im hinteren Innendeckel eine DVD mit ausgewählten Filmen.
Thomas
Giefer und Hans-Rüdiger Minow begleiteten Ende der Sechziger
Jahre die Aktionen der Außerparlamentarischen Opposition als
politische Dokumentaristen. Ihr Film schildert detailliert die
studentischen Protestaktionen während des Schah-Besuchs in
Westberlin. Dem studentischen Ermittlungsausschuss, der sich nach der
Ermordung Benno Ohnesorgs gründete, diente der Film als
Beweismaterial. Viele der ehemaligen Mitstudierenden von Giefer und
Minow an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) sind
noch heute überzeugt, dass die Schüsse aus der Waffe, die
Benno Ohnesorg töteten, eigentlich Thomas Giefer galten. Giefer
stand an prominenter Stelle der Observationsliste der politischen
Polizei, da er bereits vor dem 2. Juni Übergriffe der Polizei
filmisch dokumentiert hatte. Giefer und Benno Ohnesorg sahen sich
sehr ähnlich und die Zivilfahnder der Staatsschutzabteilung
hatten Order sogenannte „Rädelsführer unschädlich“
zu machen. Minow und Giefer wurden im November 1968 wegen ihres
politischen Engagements von der Berliner Film- und Fernsehakademie
verwiesen, gemeinsam mit 16 weiteren Studierenden, unter anderem
Werner Sauber und Holger Meins. Der 2. Juni 1967 gehört heute zu
den wichtigsten Dokumenten der Bewegung der 68er und des beginnenden
Widerstands in der BRD.
Bibliothek des
Widerstands. Band 2: Angela Davis. Laika Verlag 2010. 120 Seiten
und DVD. (NB1175) 24,90 Euro
Sie ist Philosophin,
Wissenschaftlerin, Schriftstellerin – vor allem aber ist Angela
Davis die wohl bekannteste Aktivistin der US-amerikanischen
Black-Power-Bewegung. Ihr Kampf für die Rechte insbesondere
schwarzer politischer Gefangener in den USA machte sie Anfang der
Siebziger Jahre zur Symbolfigur. Damals setzte sich Angela Davis für
die „Soledad Brothers“ ein, eine Gruppe von drei
schwarzen Häftlingen in Kalifornien, die der Black Panther Party
angehörten und wegen des Mordes an einem weißen Wärter
angeklagt wurden. Im August 1970 versuchte Jonathan Jackson, der
jüngere Bruder des Soledad Brothers George Jackson, die drei
Angeklagten aus dem Gerichtssaal von Marin County zu befreien. Der
Befreiungsversuch endete in einem Schußwechsel, bei dem vier
Menschen starben, unter ihnen Jonathan Jackson. Weil Jacksons Waffe
auf ihren Namen registriert war, wurde Angela Davis in der Folge
unter anderem des Mordes beschuldigt. Davis landet auf der Liste der
„zehn gefährlichsten Verbrecher“ der USA und nach
vergeblicher Flucht in Untersuchungshaft. Von 1970 bis 1972 saß
sie im Gefängnis. Wegen „Unterstützung des
Terrorismus“ drohte ihr die Todesstrafe. Weltweite
Protestaktionen für ihre Freilassung kritisierten das
amerikanische Rechtssystem als rassistisch und antikommunistisch.
1972 wird Angela Davis von allen Anklagepunkten freigesprochen.
Angela Davis studierte in den Sechziger Jahren erst Französisch,
dann Philosophie und Soziologie, unter anderem bei Herbert Marcuse an
der Brandeis University in Massachussetts, an der Sorbonne in Paris
sowie in Frankfurt bei Adorno, Horkheimer und Habermas. Sie hat sich
wissenschaftlich insbesondere mit Fragen des Feminismus, des
Klassenkampfes und der Stellung der schwarzer Frauen in Kultur und
Politik beschäftigt. In den Achtziger Jahren kandidierte Angela
Davis zweimal für die US-amerikanische Kommunistische Partei für
das Amt der Vize-Präsidentin der USA. Heute ist Angela Davis
emeritierte Professorin am History of Consciousness-Department der
University of California, Santa Cruz, und weiterhin eine prominente
Kritikerin des amerikanischen Justizsystems.
Die
Bürgerrechtsbewegung in den USA von 1954-64; eine Kurzbiografie
von Angela Davis; George Jackson und die Soledad Brothers;
historische Texte von George Jackson und Angela Davis – in
diesem zweiten Band der Bibliothek des Widerstands.
Auch dieses
LAIKA-Mediabook endet nicht mit der letzten Seite – im
Innendeckel erwarten Sie zwei Filme über Angela Davis.
Portrait
of a Revolutionary, 1972, DuLuart, Yolande, ca. 60 Minuten. Deutsche
Untertitel. Ab 6 J. Der Film widmete sich Angela Davis vor ihrer
Verhaftung im Jahr 1970. Durch ihren Protest bekannt geworden,
bekennt sich Angela Davis zur Kommunistischen Partei der USA,
berichtet von politischer Verfolgung und verspricht: „Der Sieg
wird bald unser sein.“ Durch eine aufwändige Restaurierung
der Bild- und Tonspur hat der LAIKA-Verlag erreicht, dass DuLuarts
Film wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.
Angela
Davis - Eine Legende lebt. Christel Priemer und Ingeborg Weber, BRD
1998, ca. 79 Minuten. Ab 6 Jahre. Eine Dokumentation über den
Lebensweg der afroamerikanischen Frau, die für die USA eine Zeit
lang Staatsfeindin Nr. 1 war, die in Berkeley bei Herbert Marcuse und
in Frankfurt am Main bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno
studierte. Sie war eine zentrale Persönlichkeit und Aktivistin
in der Black Panther Party, Wissenschaftlerin mit den Schwerpunkten
Feminismus und afroamerikanische Politik und Kultur und ist immer
noch politisch aktiv, zum Beispiel in der Kampagne zur Freilassung
von Mumia Abu Jamal.
Bibliothek des
Widerstands. Band 5: Rebels with a Cause. Die Geschichte des
amerikanischen SDS. Laika Verlag 2010. 120 S. und eine DVD. (NB1176)
19,90 Euro
Die „Students for a Democratic Society“
(SDS) waren das US-amerikanische Gegenstück zum deutschen SDS.
1962 gegründet, engagierten sich die SDS in den ersten Jahren
vor allem in der Bürgerrechtsbewegung der Südstaaten, bevor
sich die Organisation im Protest gegen den Vietnamkrieg zunehmend
radikalisierte und zur führenden Organisation der Neuen Linken
in den USA wurde. Die SDS waren die beiweitem größte und
einflussreichste Studierendenorganisation der Sechziger Jahre. Im
Jahre 1968 hatten die SDS mehr als Hunderttausend Mitglieder,
organisiert in Vierhundert regionalen Gruppen. Zwar kritisierte die
Organisation in ihrer 1962 verfassten Port-Huron-Erklärung das
US-amerikanische Establishment – denn linksradikal waren die
SDS anfangs keineswegs. Innerhalb weniger Jahre jedoch verwandelte
sich der linksliberale Studierendenbund in eine radikale
Kampforganisation. Statt akademischer Kritik an der „formierten
Gesellschaft“ propagierten die SDS nun den Widerstand gegen die
Klassengesellschaft der USA. Statt „Frieden für Vietnam“
skandierten die SDSler jetzt „Tragt den Krieg des
amerikanischen Imperiums in die amerikanischen Metropolen“ –
„Let‘s bring the war home“. In den Metropolen der
Ostküste sowie in Berkeley organisierten sich zudem
SDS-Stadtteilgruppen zu Mieterproblemen und Tarifkonflikten –
eine wirkliche Verankerung im Proletariat gelang jedoch nicht. 1970
spalteten sich die SDS in verschiedene Gruppen – in die
Progressive Labour Party, das Revolutionary Youth Movement I und II
und in die Weathermen. 2006 gründeten sich die SDS neu und
knüpfen seitdem an die Organisationsziele der frühen
Sechziger Jahre an – vor allem in der Hochschulpolitik und in
der Antikriegsbewegung. Eine gründliche Darstellung und Analyse
der Geschichte der SDS von Florian Butollo und Auszüge aus der
nicht nur für die SDS prägenden Port Huron Erklärung –
in diesem fünften Band der Bibliothek des Widerstands.
Auch
dieses LAIKA-Mediabook endet nicht mit der letzten Seite: Wie in
allen Bänden der Bibliothek des Widerstands erwartet Sie im
hinteren Innendeckel eine filmische Ergänzung zum
Buchtext.
Rebels with a Cause, Helen Garvy, 2000. ca. 110 Minuten,
deutsche Untertitel. Ab 12 J. Helen Garvys mehrfach ausgezeichneter
Film ist eine Chronik der Students for a Democratic Society (SDS) von
den Anfängen bis zur Auflösung 1970. Zahlreiche
ProtagonistInnen der Bewegung schildern in ausführlichen
Interviews Weg und Entwicklung der Organisation von der
Bürgerrechtsbewegung bis zur Stadtguerilla der Weathermen.
Deutlich werden einerseits die Gründe für die zunehmende
Popularität der Organisation und ihre schrittweise
Radikalisierung. Andererseits zeigt die Dokumentation, wie FBI und
CIA die AktivistInnen in die Illegalität trieben.
Bibliothek des
Widerstands. Band 14: Mumia Abu Jamal. Laika Verlag 2010. 104
Seiten und DVD. (NB1201) 24,90 Euro
Mumia Abu Jamal sitzt seit
29 Jahren im Todestrakt in einem Hochsicherheitsgefängnis in
Pennsylvania. „Unschuldig“ – wie nicht nur er
selber oder seine Freunde immer wieder beteuern, sondern wie es
zahlreiche Personen oder Institutionen als offenkundig erklären,
nachdem sie sich mit dem „Fall Mumia Abu Jamal“
beschäftigt haben. Unschuldig am Tod des Polizisten Daniel
Faulkner, der am 9. Dezember 1981 bei einem Schußwechsel nach
einer Verkehrskontrolle starb. Das Verfahren gegen Mumia Abu Jamal
war geprägt von Verurteilungsinteresse um jeden Preis, von
Beweisunterschlagung und Beweismanipulierung, von Behinderung der
Verteidigung wie auch von der rassistischen Planung bei der
Geschworenenauswahl. Vorsitz in diesem Verfahren hatte ein Richter,
der zu Beginn des Prozesses vor Zeugen erklärte: „Ich
werde ihnen helfen, den Nigger zu grillen.“ Die kalifornische
Lehrergewerkschaft verurteilte das Verfahren wegen seiner „illegalen
und unfairen Methoden“. Zahlreiche Personen wie Angela Davis
oder der Filmproduzent Colin Firth verurteilen dieses Verfahren und
fordern die Freiheit von Mumia Abu Jamal.
Die Kampagne zu Mumia
Abu Jamal richtet sich gegen dieses offenkundig pseudorechtliche und
rassistische Verfahren gegen einen schwarzen Bürgerrechtler –
und sie richtet sich gegen die Todesstrafe, mit der der Mord durch
den Staat als Nicht-Mord behauptet wird.
In diesem Band der
BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS wird ausführlich über die
Geschichte des schwarzen Bürgerrechtlers Mumia Abu Jamal
berichtet, wird präzise ein Verfahren analysiert, das letztlich
Ausdruck einer Verschwörung von Polizei, Staatsanwaltschaft und
Gericht gegen den Angeklagten war und ein Überblick über
eine Solidaritätsbewegung gegeben, die seit Jahrzehnten immer
wieder neu um das Leben von Mumia Abu Jamal kämpft.
Mit
Texten und Stellungnahmen von: Mumia Abu Jamal, Todd Steven
Burroughs, Angela Davis, Amy Goodman, Leonard Peltier, Suzanne Ross,
Annette und Michael Schiffmann, Alice Walker, Lin Washington und
zahlreichen Einzelpersonen aus der Solidaritätsbewegung gegen
die Todesstrafe und zu Mumia Abu Jamal.
Dem Buch beigelegt auf
DVD: „Hinter diesen Mauern“ von Jule Burjes und Heike
Kieffner, BRD 1996, 70 Minuten. In Prison My Whole Life von Marc
Evans, USA 2007, 90 Minuten OmU. Justice on Trial von Kouross
Esmaeli, USA 2010, 25 Minuten OmU.
Neue Entscheidung: Am 26. April
2011, zum Redaktionsschluß dieses Buches, bestätigte das
Richtergremium des 3. Bundesberufungsgerichts seine Entscheidung vom
27. März 2008, die die Aufhebung des Todesurteils aus einer
Vorinstanz zu Mumia Abu Jamal bekräftigt hatte. Dies ist ein
großer Erfolg für Mumia Abu Jamal. Dies ist aber nicht das
Ende des Verfahrens. Mumia Abu Jamal bleibt weiter im Todestrakt.
Noch immer kann der US Supreme Court diese Entscheidung aufheben.
Diese Gefahr besteht real fort. Diese jetzt getroffene Entscheidung
des 3. Berufungsgerichtes sollte für die Solidaritätsbewegung
der Anlass sein, den Fall Mumia Abu Jamal mit großer Energie,
mit großer Solidarität untereinander und mit breiter
Unterstützung erneut in die Öffentlichkeit zu bringen.
Bernhard
Schmid: Die arabische Revolution? Soziale Elemente und
Jugendprotest in den nordafrikanischen Revolten. edition assemblage
2011. 120 S. Pb. (NB1189) 12,80 Euro
Anfang 2011 hätte
wohl kaum jemand für möglich gehalten, dass die seit
Jahrzehnten bestehenden Regimes in der arabischen Welt so schnell ins
Wanken geraten könnten. Doch nachdem sich in Tunesien aus
Sozialprotesten eine Revolte gegen den Diktator Ben ’Ali
entfaltete, wackelten die arabischen Herrscher: Zuerst fiel Ben ’Ali,
dann Mubarak. Als nächstes könnte die syrische Diktatur
oder das Regime von Präsident Saleh im Jemen stürzen,
allerdings drohen dort auch Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen.
In Libyen kippte das Geschehen von der Revolte in einen Bürgerkrieg,
und von diesem in einen internationalen Krieg um. Während manche
„Linke“ sich noch nicht recht entscheiden können, ob
Syriens Präsident Al-Assad nicht doch ein irgendwie
„sozialistisches“ oder jedenfalls „antiimperialistisches“
Regime führt oder wie man zu Libyen steht, sehen andere vor
allem die Sicherheit Israels bedroht. Doch was wollen die
Protestierenden? Wie verhält es sich mit den Kräfteverhältnissen
in Bewegung und Gesellschaft und wie sind die Geschehnisse aus
emanzipatorischer Sicht zu bewerten? Diese Fragen diskutiert Bernhard
Schmid und nimmt dabei sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die
Unterschiede in den verschiedenen arabischen Ländern in den
Blick. Ferner wird das Verhältnis des Westens zu „seinen“
arabischen Diktatoren beleuchtet.
Jürgen
Leibiger: Bankrotteure bitten zur Kasse. Mythen und Realitäten
der Staatsverschuldung. Papyrossa Verlag 2011. 276 S. (NB1191) 16,90
Euro
Die öffentlichen Schulden gelten als Beweis dafür,
daß „wir über unsere Verhältnisse leben“.
Es ist das vorletzte Wort einer bankrotten Wirtschaftspolitik
zugunsten von Bankrotteuren; das letzte Wort heißt: „Wir
müssen sparen.“ Aber wer ist eigentlich „wir“?
Und wie sind denn „unsere Verhältnisse“? Gibt es da
nicht Gläubiger, die an den Staatsschulden jährlich
Milliarden verdienen? Wer ist das, und warum sind diese Ausgaben
sakrosankt, nicht aber die für Erziehung, Gesundheit, Kultur,
Verkehr und andere öffentliche Güter? Und kann ein Staat
überhaupt pleite gehen? Oder ist der Staatsbankrott vielleicht
nur eine Chimäre? Muß es hingenommen werden, daß die
Bankrotteure zur Kasse bitten und – wie der ausführliche
historische Rückblick zeigt – am Ende immer den einfachen
Leuten in die Tasche gegriffen wird? Das vorliegende Buch befaßt
sich mit den Mythen und Realitäten der Staatsverschuldung in
Deutschland und damit, daß die Suche nach Alternativen zur
gegenwärtigen Bankrottpolitik alternativlos ist. Jürgen
Leibiger, Dr. oec. habil., Jg.1952. Dozent für
Volkswirtschaftslehre an der Sächsischen Verwaltungs- und
Wirtschafts-Akademie Dresden. Veröffentlichte 2010 bei PapyRossa
das Standardwerk für eine alternative Finanzpolitik „Reclaim
the Budget“.
Andreas Wehr:
Griechenland, die Krise und der Euro. Zweite, aktualisierte und
erweiterte Auflage. PapyRossa Verlag 2011. 214 S. Pb. (NB1194) 13,90
Euro
Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat die
Schwächen der Europäischen Union und ihrer gemeinsamen
Währung Euro schonungslos offenbart. Grundlegende Mängel
der Konstruktion der Eurozone wurden erkennbar. Heute rächt
sich, daß es in der Europäischen Union wohl eine
Währungs-, aber keine Finanz- und Wirtschaftsunion und schon gar
keine Politische Union gibt. In der Krise um Griechenland stellt sich
die Frage, ob eine Währung ohne Staat auf Dauer überhaupt
existieren kann. Der Autor beschreibt, wie durch das Agieren von
nationalen Regierungen, insbesondere der deutschen, von Europäischer
Kommission und Europäischer Zentralbank die Spannungen in der
Eurozone permanent angewachsen sind. Zwei Auswege sind seiner Ansicht
nach möglich: Der Zerfall bzw. die Teilung der Eurozone oder
aber der Aufstieg eines Hegemons, der den anderen Euro-Ländern
seinen Willen aufzwingt. Dies kann aber nur Deutschland sein. Damit
wäre der alte Konflikt wieder da. In dieser Krise steht daher
viel auf dem Spiel.
Thomas Wagner:
Demokratie als Mogelpackung Oder Deutschlands sanfter Weg in den
Bonapartismus. PapyRossa Verlag 2011. 144 S. Pb. (NB1195) 11,90
Euro
Aus erwählten Mündern erschallt zunehmend ein
Ruf nach Demokratie. Die Vorhut bilden prominente
Medienintellektuelle wie der Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, Hans
Herbert von Arnim oder Gabor Steingart. Sie fordern eine
Zurückdrängung der Parteienmacht und die Erweiterung
plebiszitärer Mitwirkungsrechte. Schaut man genauer hin,
enthüllt sich das als scheindemokratische Demagogie, um die
bestehende Elitenherrschaft plebiszitär zu legitimieren und den
Widerstand gegen die ungehemmte Entfaltung der Marktkräfte zu
lähmen. Da offen autoritäre Lösungen an Attraktivität
eingebüßt haben, wird versucht, fortschrittliche Begriffe
zu besetzen. Thomas Wagner zeigt, wie elitäre Gruppen
demokratische Energien zugunsten eines Systemumsturzes von rechts
umlenken wollen, welche Rolle Think Tanks und Strippenzieher dabei
spielen und wer sie finanziert. Und er skizziert eine
emanzipatorische Gegenstrategie, die wirklich mehr Demokratie
erreicht.
Pascal
Beucker, Anja Krüger: Die verlogene Politik. Macht um jeden
Preis. Knaur Taschenbuch 2010. 304 S. (NB1153) 8,99 Euro
Von
den schwarz-gelben Steuersenkungsversprechen bis zu den „humanitären
Einsätzen“ der Bundeswehr, von Thilo Sarrazins
Überfremdungsphantasien bis zu Guido Westerwelles Klagen über
„spätrömische Dekadenz“ – hier sind sie
alle versammelt: die Lügen und Legenden der Politik. Die
renommierten Journalisten Pascal Beucker und Anja Krüger decken
schonungslos auf, wie und warum wir belogen werden.
Pascal
Beucker, Frank Überall: Endstation Rücktritt!? Warum
deutsche Politiker einpacken. Bouvier Verlag, 2. aktualisierte
Auflage 2011. 368 S. Pb. (NB1186) 29 Euro
Wann treten Politiker
zurück? Mit dieser Frage beschäftigen sich Pascal Beucker
und Frank Überall seit Jahren. Sie haben festgestellt, welche
Strukturen und Verhaltensweisen dazu beitragen, daß
Volksvertreter ihren Posten räumen müssen – oder
warum es ihnen gelingt, trotz öffentlicher Kritik ihr Amt weiter
zu führen. In ihrem Buch haben sie die politischen Rücktritte
in der deutschen Nachkriegsgeschichte analysiert: Von Gustav
Heinemann bis Karl-Theodor zu Guttenberg liefern sie eine umfassende
und spannende Bestandsaufnahme zur Geschichte und Kultur politischer
Rücktritte von 1949 bis heute – und auch eine spannende
Sittengeschichte der bundesdeutschen Politik. Ob es um Korruption, um
Verfehlungen, um eigene Überzeugung oder politische Ränkespiele
geht: Beucker und Überall zeigen Gesetzmäßigkeiten
und illustrieren, was die häufigsten Rücktrittsgründe
sind. Sie führen aus, welche Rolle Parteifreunde, Opposition und
Medien spielen. Aber sie berichten auch anhand anschaulicher
Einzelbeispiele, wie lange es zuweilen dauern kann, bis Politiker
nach einer erschöpfenden Rücktrittsdiskussion endlich
erkennen,daß sie nicht mehr in ihrer Position bleiben können.
Das Buch im Bouvier Verlag knüpft an ein erstes von ihnen zum
Thema verfasstes Werk, das bereits 2006 von den beiden Autoren bei
Econ erschienen und inzwischen längst vergriffen ist. In
zahlreichen neuen Studien und Fachgesprächen haben sie ihre
Beobachtungen weiter ausgebaut und aktuelle Fälle in die
Betrachtung einbezogen. Wer wissen will, wer wann und warum
zurücktritt, ist bei dieser Veröffentlichung genau richtig.
Die Verfasser garantieren für politisch fundierte Recherche und
Berichterstattung. Beide sind Autoren mehrerer Sachbücher.
Pascal Beucker ist NRW-Korrespondent der taz. Frank Überall ist
u. a. für den WDR tätig.
Volker Lösch
/ Gangolf Stocker / Sabine Leidig / Winfried Wolf (Hg.): Stuttgart 21
– Oder: Wem gehört die Stadt. Vorwort von Walter Sittler.
PapyRossa Verlag 2010 (Neue Kleine Bibliothek Nr. 159). 200 S. zahlr.
Abbildungen. (NB1158) 10 Euro
Gegen das bombastisch als
„Stuttgart 21“ angepriesene Milliardengrab hat sich
frühzeitig ein engagierter und phantasievoller Widerstand
entwickelt. Inzwischen wird von einer Volksbewegung, ja von einem
Volksaufstand gesprochen. Dabei geht es aber längst nicht mehr
nur um ein äußerst dubioses Bahnhofsprojekt. Es geht auch
darum, daß die Gelder, die hier verschwendet werden sollen,
anderweitig dringend gebraucht werden: Für soziale Aufgaben,
Bildung, Kultur oder sinnvolle Infrastrukturmaßnahmen. Und es
geht um die Arroganz der Macht, die von den Betreibern des Projekts
hemmungslos zur Schau getragen wird. Dem steht das Aufbegehren einer
breiten Mehrheit entgegen, die sich nicht für dumm verkaufen und
entmündigen läßt. Kurzum: Es geht wesentlich auch um
Demokratie. Herausgeberin und Herausgeber, Autorinnen und Autoren des
Buches gehören der Bewegung gegen Stuttgart 21 an. Sie
repräsentieren die Breite der Protestbewegung und beweisen, daß
die Projektgegner die besseren Argumente auf ihrer Seite haben.
Beiträge von Klaus Gietinger, Konstantin Wecker u.a.
Günter
Wallraff: Aus der schönen neuen Welt. Expeditionen ins
Landesinnere. Verlag Kiepenheuer & Witsch 2009 (Reihe KiWi). 336
S. mit zahlr. Abb. (NB1126) 13,95 Euro
Günter Wallraff ist
wieder da – Reportagen aus einem reichen, armen Land. Er
recherchiert den Alltag in deutschen Callcentern, arbeitet als
Niedriglöhner in einer Fabrik, die für Lidl Brötchen
backt, verbringt als Obdachloser die kältesten Tage des Winters
auf der Straße und erkundet, wie es sich als Schwarzer
hierzulande lebt. In diesen und in weiteren Reportagen – über
Ausbeutung, Bespitzelung und Arbeitgebermobbing in Betrieben –
dokumentiert Wallraff die Ergebnisse seiner neuen Recherchen. Vieles,
was Aldous Huxley und andere in ihren negativen Zukunftsszenarien
geschildert haben, erlebt Wallraff als bittere Realität. Sein
Fazit: In einem nach wie vor reichen Land leben heute immer mehr
Menschen „ganz unten“, und das droht die Gesellschaft zu
zerreißen.
Alfred
Schobert: Analysen und Essays. Extreme Rechte –
Geschichtspolitik – Poststrukturalismus. Herausgegeben von
Martin Dietzsch, Siegfried Jäger und Moshe Zuckermann. Edition
DISS im Unrast-Verlag 2009. 436 S. (NB1100) 29,80 Euro
Alfred
Schobert (1963-2006) gehörte zu den wichtigsten Experten zum
Thema extreme Rechte in Deutschland und Frankreich. Er verstand es
wie kaum ein anderer, seine Interventionen auf einem
wissenschaftlichen Fundament zu entwickeln. Als Schüler des
französischen Philosophen Jacques Derrida arbeitete er an der
Schnittstelle von Ideologiekritik und Poststrukturalismus. Seine
Arbeiten richteten sich nicht nur an ein wissenschaftliches
Fachpublikum. Sie lieferten immer auch wichtige Impulse für eine
effektive Arbeit gegen Rechts und für den Kampf für eine
gerechte Gesellschaft. Alfred Schobert war langjähriger
Mitarbeiter in Duisburger Institut für Sprach- und
Sozialforschung (DISS). Von seinen etwa 500 Artikeln, Aufsätzen
und Vorträgen wurden für diesem Band 30 Texte zur extremen
Rechten, zur Geschichtspolitik und zum Poststrikturalismus
ausgewählt. Das Buch wurde unter dem Titel „Messerscharf“
angekündigt.
Atlas der
Globalisierung, hg. von Le Monde Diplomatique. Erweiterte,
aktualisierte und gebundene Ausgabe. Großformat. 240 Seiten,
mehr als 300 Karten und Schaubilder. Mit CD-rom. (NB1008) 25 Euro
Die
beiliegende CD-rom enthält den kompletten Atlas der
Globalisierung. Ein Navigationsfenster bietet Zugriff auf sämtliche
Texte und Karten. Die Daten sind für Volltextsuche optimiert.
Henning Melber
/ Cornelia Wilß (Hg.): G8 macht Politik. Wie die Welt
beherrscht wird. Beiträge von Elmar Altvater, Walden Bello,
Patrick Bond, Achim Brunnengräber, Nicola Bullard, Rudolf
Buntzel, Thomas Fues, Susan George, Uwe Hoering, Staphan Klingebiel,
Henning Melber, Pat Mooney, Franz Nuscheler, Wolfgang Sachs, Vandana
Shiva, Kevin Smith, Peter Waterman, Christa Wichterich. In
Zusammenarbeit mit der Dag Hammarskjöld Foundation, Uppsala,
Schweden. Verlag Brandes & Apsel 2007. 192 S. (NB997) 14,90
Euro
Anliegen ist es, die G8-Politik als Hegemonie eines
exklusiven Clubs und die Folgen solcher „Architektur“ für
die Weltgesellschaft transparent zu machen. Anläßlich des
G8-Gipfels in Heiligendamm 2007 unter deutscher Präsidentschaft
versammelt der Band international renommierte Fachleute, engagierte
Wissenschaftler und Aktivisten. Ihre Beiträge liefern solide
Bestandsaufnahmen und gut begründete kritische Standpunkte zum
Führungsanspruch der G8 und zu den Folgen neoliberaler
Strategien. Die Autoren und Autorinnen verdeutlichen, warum der Abbau
globaler Ungleichheiten nicht stattfinden wird. Stattdessen
verdichtet sich die Vernetzung der herrschenden Eliten weltweit.
Klaus Henning:
Aufstieg der „Neocons“. Politische Intellektuelle in
den USA und der „neue Imperialismus“. Neuer ISP Verlag
2006. 164 S. (NB1013) 16,80 Euro
Wie konnten neokonservative
Hardliner wie Bush, Perle, Cheney und Wolfowitz einen so großen
Einfluß auf die amerikaniscvhe Politik nehmen? Warum ist es
ihnen gelungen, fast die gesamte „liberale“ politische
Elite der USA auf ihre Seite zu ziehen? Kann es ein „Zurück“
zum Multilateralismus geben? Diese Fragen beantwortet der Autor in
seiner umfassenden Analyse über die Idden und den Aufstieg der
neokonservativen Rechten in den USA.
Wolfgang
Gehrcke / Christel Buchinger / Jutta von Freyberg / Sabine Kebir:
Afghanistan – So werden die neuen Kriege gemacht.
Deutschland und der Krieg am Hindukusch. PapyRossa Verlag 2011. 235
S. Pb. (NB1171) 14,90 Euro
Das Buch zeigt, mit welchen
Mechanismen im Zusammenspiel von Politik und Medien die These von der
Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit des Afghanistan-Krieges
in der Öffentlichkeit verbreitet wird. Es zeigt anhand der
Entwicklung der ISAF-Mandate der UNO und der darauf aufbauenden
Bundestagsbeschlüsse, wie die Bundestagsmehrheit in kollektiver
Selbsthypnose den Mystifikationen der Kriegsgründe und
-interessen erliegt. Das Parlament beschließt zwar den Krieg,
die Kontrolle hat es aber nicht. Das Massaker in Kundus zeigt: Es
wird immer nur so viel zugegeben, wie schon aus anderen Quellen
bekannt wurde. Von Seiten der Regierenden wird verschwiegen,
vertuscht und gelogen; wie das funktioniert, beschreibt das Buch.
Auch das, worüber am wenigsten gesprochen wird: die Kosten des
Krieges und die Profite der Rüstungsindustrie. Aber wer bezahlt
die Rechnung? Was kann ein Parlament aus dem Tiefschlaf wecken, das
alljährlich die Fortsetzung eines Krieges beschließt, der
von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird?
Bernhard
Schmid: Der Krieg und die Kritiker. Die Realität im Nahen
Osten als Projektionsfläche für Antideutsche,
Antiimperialisten, Antisemiten und andere. Unrast Verlag 2006. 80 S.
(NB982) 8 Euro
„Der Krieg der Kritiker“ handelt von
dem Krieg im Libanon, der im Hochsommer 2006 rund 1.200 zivile Tote
kostete, und den Reaktionen innerhalb von Teilen des – im
weiteren Sinne – gesellschaftskritischen Spektrums darauf. Es
geht dabei um unterschiedliche Flügel der Linken und der
Intellektuellenszene, jedenfalls desjenigen Spektrums, das selbst den
Anspruch erhebt, Kritik an der bestehenden Gesellschaft zu üben.
Die „Kritiker“ sind dabei sowohl jene, die diesen Krieg
(mit zum Teil falschen Argumenten und ohne Bewußtsein für
die Problematik antisemitischer Argumentationsmuster) kritisiert
haben – als auch jene, die sich für besonders radikale
Gesellschaftskritiker halten, aber mit fliegenden Fahnen für die
Unterstützung dieses Krieges mobilisierten. Darum muß den
Hintergründen nachgegangen werden, die dafür sorgen, daß
es besonders in den deutschsprachigen Ländern so extrem
antagonistische Sichtweisen auf einen kriegerischen Konflikt gibt.
Daher wird nach den historischen, psychologischen, ideologischen
Voraussetzungen der Debatte in Deutschland und Österreich
gesucht: innerhalb der Linken und weit darüber hinaus. Die
verschiedenen Fallstricke und projektiven Bedürfnisse vor dem
Hintergrund der „eigenen“ Geschichte werden kritisch
beleuchtet.
Walter van Rossum: Meine Sonntage
mit „Sabine Christiansen“. Wie das Palaver uns
regiert. Kiepenheuer & Witsch 2004. 190 S. (NB740) 8,90
Euro
Allsonntäglich entfaltet sich ab 20 Uhr die neue
deutsche TV-Dreifaltigkeit: Tagesschau, Tatort, Talk mit Sabine
Christiansen. Nach den Mythen der Tagesschau (Staatsmänner,
Kriege, Katastrophen, Sport) und den tröstlichen Gewißheiten
des Tatorts (alle haben Dreck am Stecken) sondiert Sabine
Christiansen das Gesellschaftsterrain. Unerbittlich stellt sie
Fragen, die in das Dunkel unserer Zukunft weisen. Es treten auf: die
Lobby und ihr Parlament. Multimillionäre warnen davor, daß
es kurz vor zwölf, wenn nicht noch später sei. Aber, bitte
sehr, man könne ja auch ins Ausland gehen. Politiker führen
entschlossen das Drama der Sachzwänge auf. Die große
Koalition der Systemüberwinder gibt sich die Ehre. Fast noch
wichtiger als das, was gesagt wird, ist, was systematisch nicht
gesagt wird. Dieses Buch beschreibt die Macht der aktuellen
Sprachrituale, die den Raum, den man einst Öffentlichkeit
nannte, heute schier monoton beschallen. Hellsichtig, intelligent und
bitterböse entwirft Walter van Rossum das Bild einer
Medienlandschaft, die Politik im eigentlichen Sinne längst zu
überwuchern droht.
Georg
Fülberth: „Doch wenn sich die Dinge ändern“ –
Die Linke. PapyRossa Verlag 2008. 172 S. (NB1054) 12,90 Euro
„Die
Linke“ entstand aus dem Zerfallsprozeß zweier ehemals
großer Parteien: der SED und der SPD, und zugleich zweier
Gesellschaftstypen: des „Realen Sozialismus“ in der DDR
und des auf ständigem schnellem Wachstum beruhenden
Wohlstandskapitalismus in der Bundesrepublik. Die Abwicklung der SPD
war allerdings nur eine teilweise: es blieb noch eine große
Mitgliederzahl in der alten Partei und diese ist um ein Vielfaches
größer als „Die Linke“. Die Auflösung des
alten Wohlfahrtsstaates sowie des Realen Sozialismus aber endet nicht
in einem Vakuum, sondern erzeugt einen neuen Zustand: dies ist eine
Gesellschaft mit mehr Ungleichheit als zuvor, mit einer stärker
abgesunkenen Unterschicht und einem neuen Parteiensystem. In ihm
könnte „Die Linke“ einen sichtbaren Platz finden.
Georg Fülberth beschreibt die Entwicklung der SPD seit 1989 bis
heute, die Geschichte der PDS und der WASG und fragt nach dem Platz
der Partei „Die Linke“ in der Opposition gegen
Marktradikalismus und neue deutsche Weltpolitik.
Manfred
Behrend: Eine Geschichte der PDS. Von der zerbröckelnden
Staatspartei zur Linkspartei. Neuer ISP Verlag 2006. 220 S. (NB931)
16,80 Euro
Mit der Umbenennung in Linkspartei.PDS und dem
beschlossenen Vereinigungsprozeß bis 2007 mit der hauptsächlich
im Westen verankerten „Wahlalternative Arbeit & soziale
Gerechtigkeit“ (WASG) ist die Entwicklung der PDS zu einem
vorläufigen Abschluß gekommen. Manfred Behrend zeichnet
aus sozialistischer Sicht minutiös die Geschichte der PDS nach
und beleuchtet sie kritisch und zugleich solidarisch: den schwierigen
Prozeß zu einer „modernen demokratischen, sozialistischen
Partei“ (1989-1993); die Etablierung als Parlamentspartei im
Bundestag (1990-2005) und die Politik des „Ankommens“ in
der bürgerlichen Gesellschaft; die programmatische
Rechtsentwicklung hin zu sozialdemokratischen Positionen und die
praktische Anpassung an neoliberale Konzepte (ab 1997).
Michael
Brie (Hg.): Die Linkspartei. Ursprünge, Ziele, Erwartungen.
Dietz-Verlag 2005 (Texte der Rosa-Luxemburg-Stiftung). 96 S. (NB865)
9,90 Euro
Ein „Gespenst“ ist aufgetaucht in
Deutschlands Politik des Jahres 2005: Die Linkspartei. Schon jetzt,
da sie sich gerade erst zu formieren beginnt, hat sie die
Verhältnisse erschüttert. Weil die Zeit reif ist. Reif für
lauten Protest gegen den Neoliberalismus – und reif für
Alternativen. „Daß es so weitergeht, ist die Katastrophe“
– die Warnung des Walter Benjamin hat brennende Aktualität
gewonnen. Drei Ursprünge hat die Linkspartei: die Vielen im
Lande, die nach Alternativen suchen, die Linkspartei.PDS und die
Wahlalternative für Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG). Wie
wird die neue Partei den hohen Erwartungen, die an sie gestellt sind,
gerecht werden können? Welchen Platz wird sie einnehmen in der
Gesellschaft, in der die Herrschenden den (west)deutschen
Klassenkompromiß der Nachkriegszeit endgültig aufgekündigt
haben – und zwar zugunsten der Kapitalmacht und der
neoliberalen „Konter-Reform“? Zehn Autorinnen und Autoren
stellen erste Antworten zur Diskussion. (Klappentext).
Thomas
Rothschild: Alles Lüge. Das Ende der Glaubwürdigkeit.
Promedia 2006. 160 S. (NB929) 11,90 Euro
Politiker machen
Versprechen und vergessen sie bereits in der Wahlnacht. Sie geben
vor, Gerechtigkeit anzustreben, und pfeifen darauf, wenn ihre eigenen
Vorteile in Gefahr geraten. Sie koalieren mit politischen Gegnern,
deren Ziele sie gestern noch für indiskutabel hielten, und sie
verfolgen, gemeinsam mit jenen, genau diese Ziele. Politiker und
Manager von Großbetrieben verlangen von der Bevölkerung
Sparsamkeit und fliegen in der Business Class zu parlamentarischen
Verpflichtungen und geschäftlichen Besprechungen. Kurz: Nichts
mangelt ihnen so sehr wie Glaubwürdigkeit. Der Verlust der
Glaubwürdigkeit, der die Politik und von dort ausgehend auch das
private Zusammenleben der Menschen nachhaltig prägt, borgt kaum
abschätzbare gesellschaftliche Gefahren in sich. Thomas
Rothschild spürt der zunehmenden Heuchelei im öffentlichen
Leben nach, geißelt Mißstände und scheut nicht davor
zurück, Namen zu nennen. Er lobt und preist aber auch, wo es
dafür Anlässe gibt.
Thomas Rothschild: Das große
Übel der Bourgeoisie. Über 68er, gute Manieren und
Kleiderordnungen, ferner über Sozialdemokratie, über
Charles de Coster, Isaak Babel, Irmgard Keun, Frank Capra, Alain
Tanner und Ken Loach sowie über Rockmusik. Promedia 2004. 144 S.
(NB719) 9,90 Euro
Nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums
hat ein großer Teil derer, die sich einst als Linke gebärdeten,
den diskreten Charme der Bourgeoisie für sich entdeckt. In
schöner Parallelität zum globalen Hegemonialanspruch der
USA preisen sie den Kapitalismus als einzige Alternative zur
Barbarei. Als Wortführer der neuen Bürgerlichkeit
profiliert sich just die Sozialdemokratie, die sich einst als Teil
einer Arbeiterbewegung verstand. Vom Übel der Bourgeoisie, vom
angeblich kleineren Übel der Sozialdemokratie und von
Gegenentwürfen in Literatur, Film und Rockmusik handelt dieses
Buch.
Heinz
Thörmer / Edgar Einemann: Aufstieg und Krise der Generation
Schröder. Einblicke aus vier Jahrzehnten. Mit zwei Beiträgen
von Rolf Wernstedt. Schüren Verlag 2007. 184 S. (NB985) 14,90
Euro
Der politische Weg der „Enkel-Generation“ von
den Anfängen bei den Jungsozialisten seit 1968 bis hin zur
Wahlniederlage der SPD 2005.
Bernd
Hendricks: Menschen mit Flagge. Roman. Epubli Verlag 2011. 604 S.
(NB1177). 29,50 Euro
Oktober 2001. Der amerikanische Herbst:
Noch rauchen die Trümmer des World Trade Center, als in New York
und Florida Briefe mit tödlichen Viren auftauchen. Menschen
sterben. Das Land steht vor einer Panik. Am Tatort: ein kleiner
FBI-Ermittler. Alles deutet auf den Feind Amerikas, auf die
Terroristen, die von außen kommen. Alle tragen die
Nationalflagge an der Jacke, auch der Ermittler. Doch was er im
Herzen trägt, ist gefährlich in patriotischen Zeiten:
Zweifel. Er hat den schrecklichen Verdacht, daß der Bioterror
von innen kommt, von jenen gar, deren Hilfe für seine Ermittlung
unentbehrlich ist. Je tiefer der Ermittler in den Fall eintaucht,
desto mehr riskiert er: seine Karriere, seine Freiheit, am Ende sein
Leben. „Menschen mit Flagge“ ist Thriller und
Gesellschaftsroman zugleich, ein aufwühlendes Porträt des
verängstigten, jähzornigen Amerika, eine Tour-de-Force
durch die amerikanische Psyche am Vorabend des Irak-Kriegs.
Michael Moore: Stupid White Men.
Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush. Piper
2002/2004. 336 S. (NB751) 7,90 Euro
Durchgeknallt!
Bananenrepublik USA: Im Weißen Haus sitzt ein „Präsident“,
der nie gewählt wurde, und regiert mit einer Junta aus
Geschäftsfreunden seines Daddys. Michael Moore, Filmemacher und
Autor, rechnet in dieser beißenden Satire gnadenlos ab mit den
„Stupid White Men“ an der Spitze der USA. Eine
Pflichtlektüre für alle, die immer noch an die
„bedingungslose Solidarität mit den USA“ glauben.
Jetzt als verbilligte Taschenbuchausgabe
Brigitte
Kiechle: Das Kriegsunternehmen Irak. Eine Zwischenbilanz.
Schmetterling Verlag 2006. 304 S. (NB957) 16,80 Euro
Alle von
den USA genannten Kriegsgründe haben sich als Lügen
erwiesen. Der irakischen Bevölkerung hatte die US-Regierung
Demokratie, Freiheit und Menschenrechte versprochen. Doch das Land
befindet sich in einer nicht enden wollenden Gewaltspirale. Die
permanenten militärischen Auseinandersetzungen verdecken den von
der Besatzungsseite zielgerichtet betriebenen Nation-Building-Prozeß,
mit dem u.a. für die künftige Wirtschaftsordnung schwer
widerrufliche Fakten geschaffen werden. Das große Plündern
hat bereits begonnen. Im Irak überlagern sich heute viele
Konflikte, die eine differenzierte Analyse erfordern. Die zunehmende
Islamisierung der Gesellschaft bedroht den bisherigen säkularen
Konsens und hat dramatische Auswirkungen auf die Rechte und
Lebensbedingungen der Frauen. In dieser ersten aktuellen Analyse nach
dem Einmarsch der USA in den Irak geht Brigitte Kiechle darüber
hinaus ausführlich auf den hier wenig beachteten Widerstand von
Gewerkschaften, Arbeitslosen- und Frauenorganisationen sowie
Selbstorganisationsstrukturen ein.
Jonathan Neale: Der Amerikanische
Krieg. Vietnam 1960 – 1975. Atlantik Verlag und Neuer ISP
Verlag (Gemeinschaftsausgabe) 2004. (NB734) 16,80 Euro
In den
USA nennt man ihn den Vietnam-Krieg. In Vietnam heißt er der
Amerikanische Krieg – ein Trauma, das die USA verfolgt. Kaum
eine Diskussion über die Kriegspolitik der USA vergeht, in der
nicht das Schlagwort vom „Vietnam-Syndrom“ fällt.
Der englische Autor Jonathan Neale legt hier eine Analyse dieses
Krieges vor, der seit 30 Jahren in der Weltpolitik nachwirkt. Er
zeichnet die Entstehungsgeschichte dieses Krieges nach und beleuchtet
die drei maßgeblichen Faktoren der US-amerikanischen
Niederlage: die Kraft der vietnamesischen Guerilla, der Widerstand in
der US-Armee und unter ihren Veteranen sowie die Stärke der
internationalen Antikriegsbewegung. Auch die nachfolgenden
Entwicklungen in den USA bezieht Neale ein bis zu den weltweiten
Protesten gegen den Irak-Krieg. „Der Einsatz ist hoch. Eine
Niederlage der USA im Irak stellt das ganze Projekt der neoliberalen
Globalisierung in Frage.“
Reinhard Kühnl: Krieg und
Frieden. Von den Kolonialkriegen und den Weltkriegen bis zur
„neuen Weltordnung“ der USA. Distel Verlag 2003. 84 S.
(NB681) 6 Euro
Aus dem Inhalt: Wahrheit und Lüge in Zeiten
des Krieges; Krieg und Frieden in der Geschichte der Menschheit; Die
bürgerliche Gesellschaft; Die Epoche der Weltkriege; Die Ära
des Kalten Krieges; Zusammenbruch des sozialistischen Staatensystems
und „neue Weltordnung“ der USA; Der Irak-Krieg 2003:
Totaler Sieg oder Grenzen der Hegemonialmacht USA? Die Zukunft der
Menschheit: Rechtsordnung oder Gewaltherrschaft.
Wolf Wetzel: Krieg ist Frieden.
Über Bagdad, Srebrenica, Genua, Kabul nach... Unrast Verlag
2002. 232 S. (NB625) 14 Euro
Weder die terroristische Logik,
noch die Zahl ziviler Opfer unterscheiden die Anschläge vom 11.
September von anderen kriegerischen Akten. Das Besondere an ihnen ist
die Tatsache, daß sie auf dem Territorium der USA stattfanden.
Nicht die friedliebende und Freiheit spendende Verfaßtheit der
USA wurden dabei erschüttert, sondern der feste Glaube an die
eigene militärische Unverwundbarkeit. Der als Antwort auf die
Anschläge vom 11. September ausgerufene (Welt-)Krieg hat nicht
das geringste mit einem „Kampf gegen den Terror“ zu tun.
Weder die USA noch die Alliierten haben in den letzten 50 Jahren
Krieg geführt, um Terror und Gewalt zu bekämpfen, sondern
um ihr Monopol darauf zu behaupten. Ein Monopol auf Terror und
Zerstörung, das Voraussetzung dafür ist, imperiale und
kapitalistische Interessen auch ganz „friedlich“
durchzusetzen.
Moshe
Zuckermann: Sechzig Jahre Israel. Die Genesis einer politischen
Krise des Zionismus. Pahl-Rugenstein-Verlag 2009. 168 S.,
Klappenbroschur. (NB1085) 16,90 Euro
Der israelische
Historiker Moshe Zuckermann befaßt sich mit der Genese der
historischen Weggabelung, vor die sich der Staat Israel heute
gestellt sieht, und der ihm abgeforderten Entscheidung, welche seine
künftige Existenz aufs Gravierendste bestimmen dürfte: Die
Okkupation der im 1967er Krieg besetzten Gebiete aufzugeben, mit der
Gefahr, durch diesen Akt einen israelischen Bürgerkrieg
heraufzubeschwören. Oder aber, das Okkupationsregime weiterhin
beizubehalten und einen Dauerkrieg zu führen, mit der Gewißheit,
somit eine aus Israelis und Palästinensern zusammengesetzte
binationale Struktur objektiv ins Leben zu rufen. Eine jede
Entscheidung könnte aus je eigenen Gründen das gesamte
zionistische Projekt zum Wanken bringen. Wie es zu dieser Situation
kam, wird anhand von weit in die Geschichte zurückreichenden,
aber auch gegenwärtige Erscheinungen, Strukturanalysen und
ideologiekritischen Erörterungen dargelegt. Dabei werden die
historischen Voraussetzungen des politischen Zionismus, nicht minder
aber auch die aus diesen abgeleiteten Konfliktachsen der israelischen
Gesellschaft, ihre Widersprüche und Zerrissenheiten im einzelnen
verfolgt und ihre Auswirkungen auf Israels geopolitische Ausrichtung
ins Auge gefaßt. Moshe Zuckermann, 1949 in Tel Aviv geboren,
lebte zwischen 1960 und 1970 in Frankfurt am Main. Nach der Rückkehr
nach Israel Studium der Soziologie, Politologie und Geschichte an der
Universität Tel Aviv. 1988 Promotion, Thema: „Die
Rezeption der Französischen Revolution in der deutschen
Geschichtsschreibung des Vormärz“. Lehrt seit 1990 am Cohn
Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas (TAU).
2000-2005 Direktor des Instituts für Deutsche Geschichte (TAU).
Zahlreiche Bücher zur Geschichte und Kultur Israels und
Deutschlands, davon sieben als deutschsprachige
Erstveröffentlichungen.
Mosche
Zuckermann: Zweierlei Israel? Auskünfte eines marxistischen
Juden an Thomas Ebermann, Hermann L. Gremliza und Volker Weis.
Konkret-Texte 2003. 144 S. (NB1007) 12 Euro
Mosche Zuckermann,
Direktor des Instituts für Deutsche Geschichte der Universität
Tel Aviv, ist mit 21 Jahren von Frankfurt nach Israel emigriert. „Es
war die erwachsene Entscheidung eines jungen linken Zionisten.“
Inzwischen hat er sich vom Zionismus verabschiedet. Heute wird
Zuckermann, radikaler Kritiker der israelischen Politik und
Gesellschaft, von Gegnern Israels in Anspruch genommen. Im Gespräch
mit den Konkret-Autoren räumt er mit Mißverständnissen
auf: „Israel ist durch die Shoah zur Notwendigkeit geworden.
Israel muß bestehen. Wenn Juden meinen, in diesem Land ihr Land
zu sehen, ist das keine Frage, über die ich mit Deutschen gut
diskutieren kann.“
Michael Warschawski: An der
Grenze. Vorwort von Mosche Zuckermann. Edition Nautilus 2004. 256
S. (NB736) 19,90 Euro
„In der Solidarität mit den
Palästinensern bestätigt sich meine jüdisch-israelische
Identität.“ Der Lebensweg eines Aktivisten, der seit 35
Jahren für die Anerkennung der Rechte der Palästinenser und
für Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten kämpft. Seine
Autobiografie beschreibt den langen Weg über die verschiedenen
mehr oder weniger unpassierbaren Grenzen. Ein Zeugnis des Widerstands
eines Grenzgängers, ein Schlüssel zum Verständnis der
israelischen Gesellschaft und der aktuellen Situation.
Michael Warschawski: Mit
Höllentempo. Die Krise der israelischen Gesellschaft.
Edition Nautilus 2004. 128 S. (NB777) 10,90 Euro
Warschawski
beschreibt die rasende Geschwindigkeit, mit der Repression und Gewalt
der Besatzung in die israelische Gesellschaft zurückschlagen:
die Zerstörung demokratischer Grundrechte, die Infragestellung
demokratischer Normen im alltäglichen Leben, die perverse
Gewöhnung an Gewalt und Tod. Er kritisiert die verbale Verrohung
von Medien und Politikern, den Einfluß des Kriegszustandes auf
Schule, Universität und Kultur. Warum ist die Euphorie der
Oslo-Verträge so schnell verflogen? Wie wurden aus den
palästinensischen Mitbürgern innere Feinde? Wird Israel ein
fundamentalistischer Staat, der gegen die Mauer des Hasses prallt und
der, in der Allianz mit den USA, zur „Ausrottung des
Terrorismus“ auf eine Katastrophe zurast? Nach seiner
Autobiografie An der Grenze liegen jetzt aktuelle Texte dieses
streitbaren israelischen Autors vor.
Sophia Deeg, Michèle
Sibony, Michael Warschawski (Hg.): Stimmen israelischer Dissidenten.
Neuer ISP Verlag 2005. 224 S. (NB827) 16,80 Euro
Angesichts der
weitreichenden Zustimmung zur Politik der Regierung Scharon in der
Westbank und im Gazastreifen und dem Unwillen der meisten Israelis,
sich mit der Lage der Palästinenser ernsthaft
auseinanderzusetzen, finden jene Stimmen, die nicht mit den Wölfen
heulen, nur schwer Gehör. Dieser Band versammelt Beiträge
„abweichender Meinung“, die sich mit Politik und Kultur
der israelischen Gesellschaft und der Regierung beschäftigen.
Der Bogen spannt sich vom Ende der Regierung Barak und dem Scheitern
der Osloer Vereinbarungen über die Repressionspolitik der
Regierung Scharon in den besetzten Gebieten und dem Mauerbau mit
ihren Konsequenzen für die israelische Gesellschaft hin zu den
verschiedenen Vorstellungen, wie der blutige
israelisch-palästinensische Konflikt beendet werden könnte.
Wolfgang
Gehrcke, Jutta von Freyberg, Harri Grünberg: Die deutsche Linke,
der Zionismus und der Nahost-Konflikt. Eine notwendige Debatte.
PapyRossa Verlag 2009. 272 S. (NB1128) 16,90 Euro
Ist Frieden
zwischen Israel und den Palästinensern noch möglich? Wie
kann der Nahost-Konflikt gelöst werden? Können die
deutschen Linken einen positiven Beitrag dazu leisten? Ist die
Solidarität mit allen Opfern obsolet? Die Autoren beschreiben
die Wurzeln des Konflikts, seine Entstehung und Entwicklung im Lauf
von mehr als 100 Jahren. Sie zeigen die verschiedenen Strömungen
innerhalb des Zionismus auf und die Auseinandersetzungen in der
deutschen Arbeiterbewegung mit dem Antisemitismus. Sie untersuchen
die Begleiterscheinungen der Staatsgründung Israels im Kontext
des deutschen Faschismus und des Holocaust sowie des beginnenden
„Kalten Kriegs“. Sie diskutieren die Bedeutung von
Begriffen wie Zionismus, Kolonialismus, Imperialismus und ihres
jeweiligen Gegenparts: Antizionismus, Antikolonialismus und
Antiimperialismus als Reizwörter der aktuellen Debatte. Die
Autoren wollen einen Beitrag dazu leisten, daß Kenntnis und
Erkenntnis an die Stelle von Bekenntnis treten.
Tanya Reinhard: „Operation
Dornenfeld“. Der Israel-Palästina-Konflikt: Gerechter
Frieden oder endloser Krieg. Atlantik Verlag 2002. 200 S. Pb. (NB691)
14 Euro
Die israelische Linguistin und Friedensaktivistin Tanya
Reinhard hat eine – so Noam Chomsky - „informative und
erschreckende Analyse“ geschrieben, in der sie die israelische
Presse sowie israelische Armee- und Regierungsdokumente auswertete.
Sie zeigt damit auf, wo die Wurzeln der gegenwärtigen Krise in
Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten zu suchen
sind: Sie liegen in den Zielsetzungen sowohl der rechten als auch der
„linken“ israelischen Regierungen. Aber sie gibt sich
nicht mit dieser Analyse zufrieden, sondern zeigt Wege auf, wie
dieser unlösbar scheinende Konflikt beendet werden könnte.
Gazi Çaglar, Hakan Ates
Bakar: Die USA im Nahen Osten. Geschichte und Gegenwart einer
imperialistischen Beziehung. Unrast Verlag 2005. 176 S. (NB871) 14
Euro
Die USA und der Nahe Osten: Eine komplexe Beziehung mit
Hochspannung – insbesondere seit den barbar-modernen Anschlägen
vom 11. September und den völkerrechtlich nicht gedeckten
Angriffskriegen in Afghanistan und Irak. Dieses Buch liefert vor
diesem Hintergrund eine faktenreiche Analyse der verschiedenen Ebenen
der mehrschichtigen Beziehung zwischen den USA und dem Nahen Osten.
Die Geschichte der militärischen, ökonomischen und
kulturellen US-Präsenz im Nahen Osten wird ebenso behandelt wie
die heutigen US-Strategien. Zahlreiche Länderanalysen gehen den
Spuren der US-Beziehung zur Region genau nach. Der politische
Islamismus in seiner vielfältigen Erscheinung bildet gemeinsam
mit den islamisch-konservativen Regimevorstellungen der regionalen
Herrschenden einen weiteren Schwerpunkt, wobei stets der Bezug zu den
USA im Blick behalten wird. Lesenswert wird das Buch zudem durch die
kenntnisreichen Betrachtungen zur medialen Präsentation der
„islamischen Frau“ und des „Nahen Ostens“ im
„Westen“. Kurzum: Eine historisch kenntnisreiche und
politisch gegenwartsbezogene Analyse mit emanzipatorischer Intention.
Jürgen Elsässer: Make
Love and War. Wie Grüne und 68er die Republik verändern.
Pahl-Rugenstein-Verlag 2002. 176 S. (NB542) 14,50 Euro
Den
Kriegskurs der „Grünen“ (und weiter Teile der „Neuen
Linken“ als Verrat an den eigenen Prinzipien aufzufassen, ist
nach Elsässers Meinung eine verkürzte Interpretation.
Jürgen Elsässer (Hg.):
Deutschland führt Krieg. Seit dem 11. September wird
zurückgeschossen. Konkret 2002. 264 S. (NB575) 14,50 Euro
Nie
in der Geschichte seiner Kriege ist Deutschland angegriffen worden,
stets war es der Angreifer. In jedem Fall aber haben seine Politiker
und Dichter behauptet, Deutschland müsse sich selbst oder
wertvollste Güter der Menschheit gegen irgendein Reich des Bösen
verteidigen. Auch für die „friedensschaffenden Einsätze“
der Bundeswehr im Nahen und Mittleren Osten gilt: im wesentlichen
nichts Neues. Neu ist nur, daß es gesagt wird. Beiträge
von Rainer Trampert, Georg Fülberth, Hermann L. Gremliza, Conrad
Schuhler, Thomas Ebermann, Günther Jacob u.a.
Oliver Tolmein: Vom Deutschen
Herbst zum 11. September. Die RAF, der Terrorismus und der Staat.
Konkret 2002. 256 S. (NB578) 17 Euro
Der Anschlag auf das World
Trade Center am 11. September 2001 war Terrorismus – ein
Begriff, der in Deutschland bislang vor allem mit den Attentaten der
RAF verknüpft wurde. Oliver Tolmein untersucht, was die
terroristischen Aktionen vom 11. September von den RAF-Anschlägen
unterscheidet. Im Zusammenhang mit den Reaktionen der RAF auf die
Aktionen des palästinensischen „Schwarzen September“,
der 1972 die israelische Olympiamannschaft als Geiseln genommen hat.
Im Mittelpunkt des Buches steht eine Auseinandersetzung mit den
antiimperialistischen Positionen der RAF. Statt den
Nationalsozialismus der Deutschen und die Bewältigungsstrategien
der als Mittelmacht wieder auflebenden Bundesrepublik in den
Mittelpunkt zu rücken, gerieten vor allem die USA ins
ideologische Visier der RAF. Tolmein belegt die These, daß sich
die RAF mit ihrer Politik weitgehend aus der deutschen Geschichte
verabschiedet hat. Im zweiten Teil setzt sich der Autor mit den
Reaktionen des deutschen Staates auf die RAF und den Reaktionen der
USA auf den Terrorismus auseinander: Die Einrichtung von
Militärtribunalen und die Zurichtung des liberalen Strafrechts
als Mittel zur Terrorismusbekämpfung führen zu einer
teilweise autoritären Gesellschaft. Im dritten Teil werden
charakteristische Texte der RAF dokumentiert und kommentiert, die
z.T. Erstmals in dem inzwischen vergriffenen Titel „Stammheim
vergessen“ abgedruckt waren.
Winfried Wolf: Afghanistan, der
Krieg und die Neue Weltordnung. Konkret 2002. 208 S. (NB574) 15
Euro
Die „uneingeschränkte Solidarität“
mit den USA kommt einer vorbehaltlosen Unterstützung für
einen lang andauernden Krieg gleich. Der Krieg gegen Afghanistan ist
nur der Anfang. Winfried Wolf untersucht die Ziele, die im Golfkrieg
1990/91 und im gegenwärtigen Krieg im Zentrum stehen: eine „Neue
Weltordnung“ unter US-Hegemonie, die Durchsetzung
geostrategischer Interessen und die Kontrolle über die großen
Energievorräte sowie die Transportwege für Öl und Gas.
Diese Ziele werden vom gegenwärtigen Rüstungsprogramm
begleitet. Der militärisch-industrielle Komplex erlebt einen
enormen Schub. Schließlich bildet die Weltwirtschaft einen
wichtigen Hintergrund für die Militarisierung von Politik: Die
fehlende Nachfrage der Massen wird durch die Nachfrage nach Waffen
ersetzt.
Winfried Wolf:
Sieben Krisen – ein Crash. Promedia Verlag 2009. 256 S.
(NB1129) 17,90 Euro
Seit Mitte 2007 existierten die ersten
Anzeichen einer „Subprime-Krise“ im
Hypotheken-Kreditsektor der USA. Anfang 2008 ging es um eine
US-amerikanische Wirtschaftskrise. Ende 2008 machte der Begriff von
einer weltweiten Rezession die Runde. Seit Frühjahr 2009 ist
„die neue Weltwirtschaftskrise“ in aller Munde. Doch was
ist damit gemeint? Mehr oder weniger eine Wiederholung jener
Weltwirtschaftskrise, wie sie in den Jahren 1929 ff existierte? Ist
es in erster Linie eine Finanzkrise? Oder erleben wir das Ende des
auf fossilen Energien aufbauenden Kapitalismus? Wie kaum ein anderer
Autor verfolgt Winfried Wolf das Thema einer möglichen
Weltwirtschaftskrise seit zwei Jahrzehnten. Sein Ansatz, die aktuelle
Krise zu erklären, ist breit angelegt; damit unterscheidet er
sich von den bisher vorgetragenen wesentlich. Winfried Wolf ortet
sieben Krisen, die sich zu einer großen historischen Krise
bündeln und in einen kapitalen Crash münden. Winfried Wolf,
1949 geboren, hat in Freiburg/ Breisgau sowie an der FU Berlin und an
der TU Hannover Politologie studiert und promoviert. Er lebt und
arbeitet als freier Journalist bei Berlin. Zwischen 1994 und 2002 war
er Abgeordneter des Deutschen Bundestages und dort Mitglied des
Verkehrsausschusses. Wolf ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats
von Attac-Deutschland und Chefredakteur von „Lunapark 21.
Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie“.
Winfried Wolf: Sturzflug in die
Krise. Die Weltwirtschaft, das Öl, der Krieg. Konkret
Literatur Verlag 2003. 240 S. (NB679) 16,50 Euro
Die neue
Rezession 2001-2003 und der Krieg gegen Irak 2003 haben die Gefahren
verdeutlicht, die der Weltwirtschaft drohen: Westeuropa und die BRD
sind von wachsenden Krisenerscheinungen und erneut steigender
Massenarbeitslosigkeit bestimmt. In den USA droht eine tiefe
Rezession. Japan ist seit mehr als einem Jahrzehnt von Deflation und
einer kaum noch kontrollierbaren Verschuldung beherrscht. Nach
Argentinien befindet sich das größte Land Lateinamerikas,
Brasilien, auf dem Weg in den Kollaps. Winfried Wolf liefert eine
Fülle Material zum brüchigen Zustand der internationalen
Ökonomie, zum Zusammenhang von Krise, Öl und Krieg und
Belege für die Gefahr einer neuen Weltwirtschaftskrise. Die
Erklärung für die Krisen sieht er in einer Ökonomie,
die die Profitmaximierung als wesentliche Triebkraft kennt. Er
widerspricht allen „Zusammenbruchstheorien“ und
unterstreicht die geschichtliche Erkenntnis, daß die im
Kapitalismus maßgeblichen Kräfte noch immer eine „Lösung“
der Krise faden – und sei es eine autoritäre. Wolf
versteht seine Schrift als Plädoyer für eine sozialistische
Gesellschaft als Alternative zum Kapitalismus. Wer sagt: „Eine
andere Welt ist möglich“, muß erkennen: „Eine
andere Ökonomie ist nötig“.
Werner
Biermann, Arno Klönne: Objekt der Gier. Der Iran, der Nahe
Osten und Zentralasien. PapyRossa Verlag 2006. 200 S. (NB960) 14,90
Euro
Bei den Konflikten in Nahen und Mittleren Osten und in
Zentralasien stehen sich nicht mehr nur Iran, die USA und die
Europäische Union gegenüber. Als weitere Akteure haben
inzwischen auch das wieder erstarkte Rußland und die VR China
die Bühne betreten. Zu welchen Konstellationen das führt,
um welche Interessen es dabei geht, worum sich der sogenannte
Atomstreit von USA und EU mit Iran tatsächlich dreht, welches
Gefahrenpotential sich hier zusammenbraut und wer da auf längere
Sicht die besseren Karten hat, behandelt das Buch von Werner Biermann
und Arno Klönne.
Werner Biermann, Arno Klönne:
Ein Kreuzzug für die Zivilisation? Internationaler
Terrorismus, Afghanistan und die Kriege der Zukunft. PapyRossa Verlag
2002. 272 S. (NB580) 15,50 Euro
War der Krieg in Afghanistan
wirklich nur eine Reaktion auf die Anschläge vom 11. September?
Oder waren die geopolitischen Ambitionen, die sich in ihm
ausdrückten, schon längst vorbereitet? Ging es etwa um ganz
andere Konfliktlagen und Ziele, als offiziell verkündet wurde?
Und wie verhält es sich überhaupt mit dem „Jahrhundertkrieg
gegen den Terrorismus“? Kann die Globalisierung der Gewalt, die
er zu bewirken droht, korrigiert werden? „Es ist bewußt
zu machen“, so die Autoren, „wie zerstörerisch
dieser Jahrhundertkrieg wirkt – auch auf die Gesellschaften,
die ihn scheinbar siegreich führen. Und es ist die
propagandistisch auferlegte Zwangsvorstellung aufzulösen, der
globale Militarismus stünde ohne Alternative da. Wer sich
weigert, über solche Alternativen zu sprechen, sollte von der
Gefahr einer terroristischen Bedrohung der Zivilisation schweigen.“
Werner Biermann, Arno Klönne:
The Big Stick. Imperiale Strategie und globaler Militarismus –
Die USA als Megamacht? PapyRossa 2003. 272 S. (NB644) 15,50 Euro
Auf
welche Ressourcen stützt sich die kriegerische Schlagkraft der
USA – und worin bestehen ihre inneren Schwächen? Werner
Biermann und Arno Klönne informieren über das
Militärpotential und die strategischen Konzepte der USA, über
die Verflechtung von militärischen und wirtschaftlichen
Interessen und den weltweiten Gewaltmarkt sowie über die
bewaffneten US-Interventionen seit 1945 und ihre Resultate. Dabei
werden Grundlagen und Grenzen US-amerikanischer Militärmacht
deutlich.
Andre
Gunder Frank: Orientierung im Weltsystem. Von der Neuen Welt zum
Reich der Mitte. Pro Media 2005. 160 S. (NB881) 11,90 Euro
„Steht
das Ende des amerikanischen Jahrhunderts unmittelbar bevor? Zerplatzt
die US-Ökonomie demnächst wie eine Spekulationsblase? Droht
dem Dollar der völlige Wertverlust? Mit welchen Mitteln versucht
die US-Regierung dem gegenzusteuern? Antworten auf diese Fragen gibt
Andre Gunder Frank im vorliegenden Buch, das ihn als zutiefst
politischen Intellektuellen und scharfen Polemiker ausweist.
'Orientierung im Weltsystem' kann als Vermächtnis des radikalen
Ökonomen gelesen werden, der knapp vor Drucklegung des Buches
verstorben ist.“ (Klappentext).
Conrad Schuhler: Unter Brüdern.
Die USA, Europa und die Neuordnung der Welt. PapyRossa Verlag 2003.
168 S. Pb. (NB693). 11 Euro
Mit dem Irak-Krieg stießen
die USA auf Widerspruch aus Europa. Inzwischen haben sich die Wogen
zwar wieder geglättet, doch ist der Konflikt damit aus der Welt?
Wie tief geht er und was liegt ihm zugrunde? Um welche Ziele,
Interessen und Strategien geht es dabei? Was unterscheidet die
Kontrahenten und was verbindet sie? Wie sind die Gewichte zwischen
ihnen verteilt und wie entwickelt sich ihr Verhältnis auf lange
Sicht? Und nicht zuletzt: Welche Wege gibt es zu einer anderen Welt?
Conrad Schuhler, früher Chefredakteur der UZ, gilt als Kenner
der USA. Er ist Mitarbeiter am Institut für sozial-ökologische
Wirtschaftsforschung (isw).
James H. Hatfield: Das
Bush-Imperium. Wie George W. Bush zum Präsidenten gemacht
wurde. Mit einem Vorwort von Jean Ziegler. Atlantik Verlag 2002. 424
S. Pb. (NB593) 19,80 Euro
Ist es die Macht des Öls, sind
es die Seilschaften in den Großkonzernen, in der US-Army und in
der CIA, die aus dem Ölspekulanten George W. Bush zunächst
den Gouverneur von Texas und dann den 43. Präsidenten der USA
gemacht haben? James H. Hatflield (1958-2001) ist diesen Fragen
jahrelang nachgegangen. Wir erfahren von ihm, wie dieser Präsident
„gemacht“ wurde, der sich besonders durch die
Liberalisierung des Waffengesetzes, die Ausweitung der Todesstrafe,
die Mißachtung des Umweltschutzes und weltweite Kriegsführung
hervortut.
Malcolm Sylvers: Die USA –
Anatomie einer Weltmacht. Zwischen Hegemonie und Krise. PapyRossa
Verlag 2002. 336 S. (NB619z) 16,90 Euro
Die umfassende
Darstellung von Gesellschaft und Politik der USA im Zeitalter der
Globalisierung behandelt die neoliberale Umstrukturierung der
Wirtschaft seit den 80er Jahren, die Klassenverhältnisse, die
ethnischen Minderheiten und die soziale Spaltung mit ihren bislang
unbekannten Dimensionen von Reichtum und Armut; das politische
System, die Parteien und das Rechts-Links-Schema; die Innen- und
Außenpolitik von Bush sen. Über Clinton zu Bush jun. Bis
hin zum 11. September und seinen Auswirkungen.
Jürgen Wagner: Das ewige
Imperium. Die US-Außenpolitik als Krisenfaktor. VSA 2002.
172 S. (NB635) 12,80 Euro
Jürgen Wagner beschäftigt
sich mit der imperialen Strategie der USA, aus der sich die Ziele und
Mittel der US-Außenpolitik ableiten lassen. Nur hierdurch
können Washingtons Strategie und deren katastrophale
Auswirkungen erklärt werden. Eine dieser Folgen waren die
Terroranschläge des 11. September 2001. Diese Angriffe und die
unter dem Begriff „Krieg gegen den Terror“ erfolgte
Reaktion der USA dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Nur
wenn es gelingt, den Zusammenhang zwischen der imperialen
US-Strategie, den Terrorangriffen des 11. September und dem „Krieg
gegen den Terror“ auch auf andere Aspekte der internationalen
Beziehungen zu übertragen, kann die hegemoniale Politik der USA
nachvollzogen und kritisiert werden. Durch die Konzentration auf
militärisches Vorgehen wird die Gefahr asymmetrischer Angriffe
für die USA weiter zunehmen. Der einzig wirksame Schutz vor
neuerlichen Anschlägen wären Maßnahmen, die das
Entstehen terroristischer Gruppen verhindern, indem Ursachen effektiv
angegangen werden. Die Frage, weshalb trotzdem an der bisherigen
Politik festgehalten wird, steht im Zentrum dieses Buches.
Stefan Fuchs (Hg.): Die
HYPERmacht. USA in Nahaufnahme. Edition Nautilus 2003. 160 S.
(NB645) 12 Euro
Welche Substanz hat die amerikanische Kultur
und woher kommt ihre Aggressivität? Was ist aus dem „American
Dream“ geworden? Nur wer in diese Tiefenzonen des
amerikanischen Selbstverständnisses vordringt, begreift, was die
Rede vom „Modell“ Amerika wirklich bedeutet und erahnt
die Dimensionen der traumatischen Erfahrung des 11. September als
„Pearl Harbour der industriellen Zivilisation“. Gespräche
mit Richard Sennett, Gore Vidal, Noam Chomsky u.a.
Jürgen
Bruhn: Der Kalte Krieg oder: Die Totrüstung der Sowjetunion.
Der US-militär-industrielle Komplex und seine Bedrohung durch
Frieden. Focus Verlag 1995. 264 S. (NB884) 15 Euro
Das Buch
behandelt die 45jährige Geschichte des US-militär-industriellen
Komplexes und seiner Auseinandersetzung mit der Sowjetunion, die
schließlich 1990 mit der Totrüstung der UdSSR endete. Es
ist eine Geschichte, die durch ständige amerikanische
Vorrüstungen und Bedrohungslegenden, angefangen mit der „Bomber-
und Raketenlücke“ bis hin zur „Vetteidigungsausgaben-
und Weltraumwaffenlücke“ geprägt ist. Nach dem
Ableben der Sowjetunion ist die sogenannte „Bedrohung aus dem
Osten“ für den militär-industriellen Komplex zu einer
Bedrohung durch Frieden geworden. Können die
US-Rüstungsindustrie, ihre Zulieferindustrien und das Pentagon
ohne Feindbild existieren, kann dieser Komplex den Frieden ertragen,
oder muß er nach neuen Feinden Ausschau halten?
Peter Bürger:
Kino der Angst. Terror, Krieg und Staatskunst aus Hollywood.
Schmetterling Verlag 2005. 638 S. (NB855) 29 Euro
Wer dem Krieg
wehren will, der darf die Macht der Bilder nicht unterschätzen.
Bei Vorstellungen des populären Kinos fungiert das Pentagon als
Produktionspartner. Staatlich genehme und geförderte Kunst
flankiert die technologische Hochrüstung der Supermacht. Sie
sehen als Zuschauer Re-Inszenierungen und Fiktionen, in denen der
mörderische Kriegsapparat als normales Instrument zur
„Problemlösung“ erscheint. Wissen Sie, daß
Leinwand, Videothek und Fernsehkanäle Ihnen die neuesten
Militärplanungen schmackhaft machen sollen? Die vorliegende
Darstellung erschließt erstmals im Gesamtüberblick das
US-Kriegskino der letzten 20 Jahre. Peter Bürger untersucht
Hintergründe, Inhalte und Funktionen der militaristischen
„Unterhaltung“ aus Hollywood. Er richtet den Blick auch
über das Kriegsfilm-Genre hinaus. Massenkulturelle „Botschafter
der Angst“ verstärken paranoide und endzeitliche
Gestimmtheiten. Sie produzieren Ohnmacht und eine Bereitschaft,
irrationale Gewaltkonzepte zu dulden. Krieg und War-Entertainment
sind keine Naturereignisse. Internationales Recht und
Zivilisationskonsens stehen der unterhaltsamen Kriegspropaganda
entgegen. Doch wie kann sich die Gesellschaft gegen das kulturelle
Diktat der Bellizisten zur Wehr setzen? Wer die Strategien
kriegsfördernder Filme durchschauen möchte, kommt an diesem
Buch nicht vorbei.
Frank
Niess: Schatten auf Hollywood. McCarthy, Bush jr. und die
Folgen. PapyRossa Verlag 2005. 248 S. (NB860) 16,90 Euro
Selbst
weltbekannte Hollywoodstars, die den Krieg gegen Irak verurteilt
haben, müssen darauf gefaßt sein, diskriminiert zu werden.
Wie im Kalten Krieg, als hunderte von Filmemachern – wie andere
politisch Mißliebige auch – auf schwarze Listen gesetzt
und um ihre Jobs gebracht wurden. Wie ein Großinquisitor
verfolgte der berüchtigte Senator Joseph R. McCarthy alle, die
in den Verdacht „unamerikanischer Umtriebe“ geraten
waren. Assistiert von FBI-Chef J. Edgar Hoover tat er alles, um
„subversive Elemente“ aufzuspüren. Aber
Hetzkampagnen, Hexenjagd, fremden- und minderheitenfeindliche
Repression gab es schon vor McCarthy – und nach ihm, wie die
„Sicherheitsgesetze“ des Präsidenten Bush jun.
zeigen. Von dieser Tradition, illustriert am Beispiel Hollywoods,
handelt das Buch des Historikers Frank Niess.
Stefan Bollinger (Hg.):
Imperialismustheorien. Historische Grundlagen für eine
aktuelle Kritik. Promedia 2004. (Edition
Linke Klassiker). 176 S. (NB778) 12,90 Euro
Seit dem
Untergang der Sowjetunion und des kommunistischen Systems im
„Ostblock“ war nicht mehr viel von Imperialismus zu
hören. Der „Krieg gegen den Terror“ der USA hat die
kritischen Geister wieder hellhörig gemacht. Der Ruf nach einer
konsistent antiimperialistischen Kritik wird wieder laut. Es ist
höchste Zeit, genauer nach Fakten und Theorien zu fragen, die im
20. Jahrhundert dem Kapitalismus in den Metropolen, seiner Politik
und vor allem seiner Wirtschaft das Etikett Imperialismus verpaßten.
Der vorliegende Reader soll jene Analysen linker Theoretiker in
Erinnerung rufen, die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die
imperialistische Expansion vor allem Englands und Deutschlands
geißelten. Textstellen klassischer Autoren werden vom
Herausgeber kommentiert und in ihren historischen Kontext gestellt.
Mit Texten von Bucharin, Hilferding, Hobson, Kautsky, Lenin und
Luxemburg.
Gerhard Hanloser (Hg.): „Sie
warn die ANTI-deutschesten der deutschen Linken“. Zu
Geschichte, Kritik und Zukunft antideutscher Politik. Unrast Verlag
2004. 294 S. (NB774) 16 Euro
„Angesichts des verheerenden
Zustands der linken Bewegung hierzulande, schien der ab den 90er
Jahren aufkommende antideutsche Diskurs zweierlei miteinander zu
verbinden: Selbstkritik der oftmals nationalistischen und
populistischen Linken auf der einen und eine Schärfung der
Kritik des Bestehenden auf der anderen Seite. Nichts von dem trat
ein, vielmehr steht die antideutsche Linke für einen affirmative
turn innerhalb der Linken generell. Eine radikale Kritik der
herrschenden Verhältnisse wird nicht umhinkommen, das
antideutsche Phänomen als Teil des Mainstreams im sektenhaften
Gewand zu erkennen.“ (Klappentext).
Robert Kurz: Die antideutsche Ideologie. Vom Antifaschismus zum Kriegsimperialismus: Kritik des neuesten linksdeutschen Sektenwesens in seinen theoretischen Propheten. Unrast Verlag 2003. 312 S. (NB803)16 Euro
Josef Grässle-Münscher:
Terror und Herrschaft. Die Selbstbespiegelung der Macht.
Europäische Verlagsanstalt. (NB623) 15 Euro
Der 11.
September 2001 setzte auch für Deutschland eine Zeitenwende. Es
herrscht ein unerklärter Krieg auf Weltebene, vorgeblich gegen
den muslimischen Fundamentalismus. Die Dimension hat sich erweitert,
die Bedrohung von außen wird als innere Bedrohung empfunden,
als ein neuer Terrorismus, ohne daß in der Bundesrepublik nur
ein einziger Schuß gefallen war. Zwei Pakete neuer
Sicherheitsgesetze wurden sofort vom Kabinett beschlossen. Sie
beschränken die Freiheitsrechte, führen zu einer
Bewegungskontrolle des Bürgers, erlauben die „Ausrasterung“
von Menschen mit bestimmten Merkmalen.
Arnold Schölzel (Hg.): Das
Schweigekartell. Fragen & Widersprüche zum 11.
September. Edition Zeitgeschichte im Kai Homilius Verlag. (NB624) 18
Euro
Beiträge von Gerhard Branstner, Rainer Rupp, Erich
Schmidt-Eenboom, Eckart Spoo u.a.
Jutta
Ditfurth: Krieg, Atom, Armut. Was sie reden, was sie tun: Die
Grünen. Rotbuch Verlag 2010. 288 S. (NB1162) 14,95 Euro
Die
Grünen sind nur noch eine Partei wie jede andere, den Wählern
aber wollen sie weismachen, „anders“ zu sein. Die
Mitgründerin und ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen
macht hingegen deutlich: In Wirklichkeit verschärfen sie,
gefesselt von Kapitalinteressen und Sachzwängen des
Machterhalts, in Aufsichtsräten, Regierungen und Parlamenten die
Ausbeutung von Mensch und Natur. Als rot-grüne Regierungspartei
sind sie konservativ, mitunter reaktionär geworden –
lediglich auf der Straße geben sie manchmal noch die
Opposition. Jutta Ditfurth beschreibt auf der Grundlage gewohnt
fundierter Recherche und klarer Meinung, was aus den Grünen nach
30 Jahren geworden ist.
Jutta Ditfurth: Entspannt in die
Barbarei. Esoterik, (Öko-)Faschismus und Biozentrismus.
Konkret 1996. 224 S. (NB240) 14,50 Euro
In der Bundesrepublik
wächst eine einflußreiche esoterische Bewegung mit einer
modernen biologistisch orientierten Massenbasis zusammen. Jutta
Ditfurth beschreibt, wie ein Bild des Menschen propagiert wird, in
dem er „kosmischer“ Untertan oder „Schädling“
der Erde ist. Die Lage ist bedrohlich: Die Emanzipation und die
soziale Gleichheit des Menschen sollen verhindert werden:
Anthroposophie, Bioregionalismus, Erdbefreiung, Eugenik,
Freiwirtschaftslehre, Germanenmythen, Speziezismus, Spiritualismus,
Tiefenökologie, Veganismus, völkische Konzepte,
Wurzelrassenlehre; Animal Peace, Findhorn, „Neuheiden“;
Franz Alt, Rudolf Bahro, Dieter Duhm, Dalai Lama, Silvio Gesell,
Barbara Rütting, Peter Singer...
Jutta Ditfurth: Feuer in die Herzen. Gegen die Entwertung des Menschen. Erweiterte und aktualisierte Neuausgabe. Konkret. (NB83) 15 Euro
Robert
Kurz: Das Weltkapital. Globalisierung und innere Schranken des
modernen warenproduzierenden Systems. Edition Tiamat 2005 (Critica
Diabolis 129). 480 S. (NB893) 18 Euro
„Unbeeindruckt von
der Debatte um die Globalisierung geht die Herausbildung eines
transnationalen Weltkapitals jenseits der alten Nationalökonomien
weiter. Dabei zeigt sich, daß die Erklärungsversuche der
90er Jahre zu kurz gegriffen haben. Die Deutungs- und
Bewältigungsmuster gingen über den Begriffshorizont der
traditionellen politischen Ökonomie nicht hinaus. Robert Kurz
verläßt diesen Rahmen, um die neue Qualität der
kapitalistischen Entwicklung jenseits der veralteten
Interpretationsmuster zu untersuchen. Robert Kurz zeigt, daß
mit der dritten industriellen Revolution der im modernen
warenproduzierenden System angelegte Widerspruch von Nationalismus
und Universalismus reif geworden ist. In diesem historischen
Entwicklungsprozeß bildet sich heute eine durch globale
Rationalisierungsketten organisierte Betriebswirtschaft heraus,
gesteuert von entsubstantialisierten Finanzblasen. Da bedarf es nicht
weniger als einer Umwälzung der Gesellschaft über die
warenproduzierende Moderne hinaus.“ (Klappentext).
Robert Kurz: Weltordnungskrieg. Das Ende der Souveränität und die Wandlung des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung. Horlemann Verlag 2002. (NB633) 19,80 Euro
Rolf Surmann: Abgegoltene Schuld? Über den Widerspruch
zwischen entschädigungspolitischem Schlußstrich und
interventionistischer Menschenrechtspolitik. Unrast Verlag 2005
(Reiche antifaschistischer Texte). 190 S. (NB846) 16 Euro
Auschwitz,
als „Holocaust-Code“ ideologisiert, ist für
Deutschland und die westliche Welt zum Ausgangspunkt einer
internationalen Menschenrechtspolitik geworden, die bisher
selbstverständliche Souveränitätsrechte im Namen einer
neuen „Weltinnenpolitik“ aufhebt. Ausgehend von der
These, daß sich zur Legitimierung des eigenen Handelns auf das
Schicksal der NS-Opfer nur berufen kann, wer nach bestem Wissen und
unter Nutzung aller vorhandenen Möglichkeiten versucht hat, die
Überlebenden zu rehabilitieren und zu entschädigen,
überprüft Rolf Surmann diesen Politikansatz. Seine
Schlußfolgerung: Eine elementare Schuld der deutschen
Gesellschaft ist bis heute nicht abgetragen. Die Konjunktur der
Erinnerungskultur wird vor diesem Hintergrund zu eoner
Normalitätssuggestion. Gerade angesichts des Umstandes, daß
sich das Post-1989-Deutschland der Hinterfragung „nationaler
Nachkriegsmythen“ verweigerte und als „Vertreibung“
und „Bombardierung“ den deutschen Opfermythos der 50er
Jahre neu kreierte. Die Attitüde, in weltpolitischer Konkurrenz
das Panier der Menschenrechte emporzurecken, ohne sich zugleich
seiner elementaren Verantwortung der deutschen Verbrechen gegen die
Menschheit ernsthaft zu stellen, entblößt den Januskopf
Deutschlands.
Jürgen Elsässer:
Kriegslügen. Vom Kosovokonflikt zum Milosevic-Prozeß.
Kai Homilius Verlag (Edition Zeitgeschichte) 2004. 360 S. Hc. (NB741)
18 Euro
„Elsässer zeigt auf, daß die deutsche
Balkanpolitik sich dort fortgesetzt hat, wo sie 1945 gestoppt wurde.“
(Slobodan Milosevic).
Germinal
Civikov: Srebrenica. Der Kronzeuge. Promedia Verlag 2009. 176 S.
(NB1092) 15,90 Euro
„Anfang März 1996 wird in
Jugoslawien der bosnische Kroate Dra�en Erdemovi? festgenommen. Er
gesteht, am 16. Juli 1995 als Angehöriger einer Spezialeinheit
der bosnisch-serbischen Armee an der Erschießung von 1200
moslemischen Zivilisten aus Srebrenica beteiligt gewesen zu sein.
Ende März 1996 wird er von Belgrad an das Jugoslawien-Tribunal
in Den Haag ausgeliefert, wo er sein Geständnis wiederholt.
Dabei nennt Erdemovi? jedes Mal die Namen seiner sechs Mittäter
und seiner Vorgesetzten, die im Auftrag des Generalstabs der
bosnisch-serbischen Armee die Tat befohlen hätten. Erdemovi?
wird zum Kronzeugen der Anklage für eines der schlimmsten
Kriegsverbrechen, der Massenhinrichtung von Srebrenica. Für den
Mord an 70 bis 100 Zivilisten, deren Erschießung er selbst
vorgenommen haben soll, wird Dra�en Erdemovi? zu nur fünf Jahren
Gefängnis verurteilt. Seit 2000 lebt er mit einer neuen,
„beschützten“ Identität in einem
westeuropäischen Land und tritt regelmäßig vor dem
Tribunal als Zeuge auf, wenn in einem Verfahren die Anklage des
Völkermords erhoben worden ist. Wie glaubwürdig ist jedoch
das Geständnis dieses Kronzeugen? Schon bei erster
oberflächlicher Lektüre weist es gravierende Widersprüche
auf, die kein Richter in einem normalen Strafverfahren akzeptieren
würde. Mit diesem Geständnis begründete aber das
Jugoslawien-Tribunal den internationalen Haftbefehl gegen den
Kommandanten der bosnisch-serbischen Armee, Ratko Mladi?, und den
Präsidenten der bosnischen Serben, Radovan Karad�i?. Umso
erstaunlicher mutet dabei die Tatsache an, dass kein Mittäter
und kein Vorgesetzter von Erdemovi? bisher auch nur einvernommen,
geschweige denn verhaftet wurde. Wieso will das Jugoslawien-Tribunal,
das die Srebrenica-Morde zum Völkermord erklärt hat, nichts
von diesen aktenkundigen Tätern wissen? Was kann der Grund dafür
sein, dass man die Mittäter und Vorgesetzten des Kronzeugen
Erdemovi? nicht vernehmen will? Will das Tribunal deshalb die von
Erdemovi? genannten Täter nicht verfolgen, weil diese über
die Srebrenica-Morde etwas erzählen könnten, was der
Öffentlichkeit vorenthalten werden soll? Civikov wagt sich mit
diesem Buch an das vielleicht heißeste Thema der europäischen
Nachkriegsgeschichte. Die Untersuchung der Massenmorde von
Srebrenica, akribisch recherchiert, liest sich wie ein Kriminalroman.
Schritt für Schritt arbeitet er heraus, wie es dem Tribunal
bislang gelungen ist, das mutmaßlich grausamste Verbrechen in
Europa nach 1945 von einem einzigen Kronzeugen definieren zu lassen.
Die Glaubwürdigkeit des Jugoslawien-Tribunals ist nach der
Lektüre dieses Buches im Kern erschüttert. Verfehlungen und
Manipulationen eines durch und durch politischen Prozesses treten
dabei offen zu Tage.“ (Verlagswerbung).
Anne Morelli: Die Prinzipien der
Kriegspropaganda. Zu Klampen Verlag 2004. 156 S. (NB797) 14
Euro
„Auch wenn wir es nicht gerne hören: Auch den
nächsten Krieg wird man uns ohne jeden Zweifel als ‚Aggression‘
des Gegners verkaufen, als Kampf zwischen Gut und Böse
schmackhaft machen, den Führer des feindlichen Lagers als
teuflische Fratze verunglimpfen. Die Tinte von Wissenschaftlern wird
dazu genutzt werden, das Blut der Märtyrer fließen zu
lassen. Und so weiter und so fort.“
Matthias Küntzel: Der Weg in
den Krieg. Deutschland, die NATO und das Kosovo. Elefantenpress
2000. 256 S. (NB77z) 17,90 Euro
Monatelang hat die
Öffentlichkeit den NATO-Krieg gegen Jugoslawien gebannt
verfolgt. Wer aber hat hier von jenen heimlichen „Kriegen“
erfahren, die den Bombenabwürfen vorausgingen und die in den
Hinterzimmern der Diplomatie geführt wurden? Gestützt auf
eine systematische Auswertung aller verfügbaren Quellen, belegt
Küntzel überzeugend, daß Deutschland keineswegs
„hutwillig, überfordert, am Ende machtlos“ (Die
Zeit) in diesen Kampf hineingeschliddert oder gar von Washington
hineingedrängt wurde. Die Vorgeschichte des Kosovo-Krieges führt
stattdessen vor Augen, daß keine andere NATO-Macht diesen
Konflikt so wie Deutschland geschürt hat: zielstrebig, bewußt
und die Vorgaben der UNO vorsätzlich mißachtend.
Margarete Jäger, Siegfried
Jäger (Hg.): Medien im Krieg. Der Anteil der Printmedien an
der Erzeugung von Ohnmachts- und Zerrissenheitsgefühlen.
Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) 2002.
306 S. (NB620) 18 Euro
Im Krieg der NATO gegen Jugoslawien
haben die Medien eine herausragende Rolle gespielt. Sie haben dazu
beigetragen, Zustimmung, mindestens aber Hinnahme des Krieges im
Massenbewußtsein zu erzeugen. Durch ihre immer wieder beteuerte
Haltung, Fakten bringen zu wollen, dies aber nicht zu können,
durch die ständige Präsentation erschütternder Bilder,
konnten sich Hilflosigkeit und Ohnmachtsgefühle ausbreiten,
obwohl der Krieg durch die Bevölkerung weitgehend abgelehnt
wurde. Daran konnten auch die kritischen Stimmen in den Medien nichts
ausrichten. Fünf Aspekte werden herausgearbeitet: Die angebliche
Unvermeidbarkeit des Krieges, die Kritik am Krieg in den Medien, die
Funktion der Bilder, die Diskussion der militärischen und
politischen Strategien, die Sicht der Medien auf die Rolle der Medien
im Krieg.
Klaus Bittermann, Thomas Deichmann
(Hg.): Wie Dr. Joseph Fischer lernte, die Bombe zu lieben. Die
Grünen, die SPD, die Nato und der Krieg auf dem Balkan. Edition
Tiamat 1999. 208 S. (NB21z) 15 Euro
Beiträge von Günter
Amendt, Naoum Chomsky, Wiglaf Droste, Wolfgang Pohrt, Georg Seeßlen,
Kay Sokolowsky u.a.
Ulrich Albrecht / Paul Schäfer
(Hg.): Der Kosovo-Krieg. Fakten, Hintergründe, Alternativen.
PapyRossa-Verlag 1999. 228 S. (NB86) 12,68 Euro
Was hat die
NATO mit ihrem Krieg gegen Jugoslawien erreicht? Wie stichhaltig sind
ihre Begründungen? Gab es keine Alternative? Handelte es sich
tatsächlich um eine humanitäre Intervention? Mußte
dafür das Völkerrecht gebrochen werden? Oder ging es um
ganz andere Interessen? Und: Welche Rolle kam den Medien zu?
Dietrich Kittner: Aus meinem Kriegstagebuch. Beobachtungen zum Balkankrieg. Neue Impulse Verlag 1999. 132 S. (NB87) 7,55 Euro
Tjark Kunstreich: Ein deutscher Krieg. Über die Befreiung der Deutschen von Auschwitz. Caira-Verlag 1999. 88 S. (NB89) 6 Euro
Angela
Klein, Paul B. Kleiser (Hg.): Die EU in neoliberaler Verfassung.
Neuer ISP Verlag 2006. 160 S. (NB906) 16 Euro
Auf dem EU-Gipfel
2000 in Lissabon wurde beschlossen, die EU „bis 2010 zur
dynamischsten und wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Ökonomie
der Welt“ zu machen. Die EU möchte als Wirtschaftsmacht zu
den USA aufschließen; sie hat auch den Ehrgeiz, zum politischen
und militärischen Machtblock zu werden. Die EU-Verfassung
zementiert diesen Anspruch, indem sie den „freien und
unverfälschten Wettbewerb“ sowie die Aufrüstung zum
Verfassungsziel erklärt. Der Weg zu diesem Ziel ist allerdings
mit zahlreichen Hindernissen gepflastert. Neben den besonderen
Interessen der Nationalstaaten und den Schwierigkeiten mit der
EU-Osterweiterung sind es vor allem die verheerenden Folgen der
neoliberalen Wirtschafts- und Sozialpolitik, die dafür gesorgt
hat, daß die Ziele der Agenda von Lissabon nicht zu erreichen
sind. Wegen der Ablehnung der Verfassung in Frankreich und den
Niederlanden befindet sich das EU-Projekt in stürmischen
Gewässern. Das Buch beleuchtet die Hintergründe der
neoliberalen Politik der EU (Verfassungsprojekt, Lissabon-Strategie,
Bolkestein-Richtlinie, REACH-Programm) sowie die wachsende, aber
widerspruchsvolle Konkurrenz zu den USA. Es formuliert aber auch
mögliche Alternativen für ein solidarisches und
ökologisches Europa.
Andreas Wehr: Europa ohne
Demokratie? Die europäische Verfassungsdebatte –
Bilanz, Kritik und Alternativen. ParyRossa 2004. 156 S. (NB735) 12,90
Euro.
Die Europäische Union ist auf dem weg zur
wirtschaftlichen und militärischen Großmacht. Aber ihre
demokratische Legitimität steht auf tönernen Füßen.
Ihre Verfassung soll das bestehende Demokratiedefizit festschreiben
und ihre Mitgliedsstaaten zu permanenter Aufrüstung und
neoliberalem Sozialkahlschlag verpflichten.
Gerald Oberansmayr: Auf dem Weg
zur Supermacht. Die Militarisierung der Europäischen Union.
Promedia 2004. 144 S. (NB727) 9,90 Euro
Europa steht in den
kommenden Jahren eine Militarisierung ins Haus, von der
EU-“Außenminister“ Javier Solana im Jahr 2000
schwärmte, daß sie sich „mit Lichtgeschwindigkeit“
vollziehen würde. Die Kriege gegen Jugoslawien, Afghanistan und
Irak haben sich als Motoren dieser Militarisierung erwiesen. Eine
60.000 Mann starke EU-Interventionsarmee soll „europäische
Werte“ rund um die Erde tragen. Osteuropa, Afrika sowie der
Nahe und Mittlere Osten liegen im „Hinterhofradius“
dieser Truppe. Auf dem Balkan und in Afrika absolviert die
EU-Interventionsarmee ihren ersten Probegalopp.
Tobias Pflüger: Die neue
Bundeswehr. Mit neuer Strategie, Struktur und Bewaffnung in den
Krieg? Neuer ISP Verlag 1997, 2. durchgesehene Auflage 1998. 120 S.
(NB673) 8 Euro
Schrittweise entstand eine neue Bundeswehr,
die weltweit für „deutsche Interessen“
militärisch eingesetzt (werden) wird. Die Kernaussage der
Strategiepapiere der Bundeswehrführung werden hier wiedergegeben
und analysiert. Die Entwicklungen zu einer neuen Bundeswehr
zeigen sich besonders deutlich in den neuen
Krisenreaktionskräften, dem internationalen Korps und der
Elitekampftruppe der Bundeswehr, dem Calwer „Kommando
Spezialkräfte“. Einen Schwerpunkt des Buches bildet die
Analyse der umfassenden Neuaufrüstung der Bundeswehr. Der Autor
ordnet die neue Bundeswehr politisch ein und stellt eine
Militarisierung der Gesellschaft fest. Am Ande des Buches skizziert
er Möglichkeiten für politisches Handeln gegen die
Militarisierung.
Oliver Tolmein: Welt Macht Recht. Konflikte im internationalen System nach dem Kosovo-Krieg. Konkret 2000. 176 S. (NB111) 14,50 Euro
Jacques Pauwels: Der Mythos vom
guten Krieg. Die USA und der 2. Weltkrieg. PapyRossa Verlag 2001.
304 S. (NB533) 16,50 Euro
Der Zweite Weltkrieg als
amerikanischer Kreuzzug für Freiheit, Demokratie und
Menschenrechte? Diese Vorstellung wird als Mythos widerlegt.
Maßgeblichen Kreisen in den USA galt Hitler lange Zeit als „gut
fürs Geschäft“. Durch die deutsche Kriegserklärung
gerieten sie auf die „falsche Seite“, in einen Konflikt
mit dem „falschen Feind“ und in ein Bündnis mit dem
„falschen Alliierten“. Mit seinen reichen Früchten
war der Zweite Weltkrieg trotzdem ein „guter Krieg“ für
sie. Er mußte nur nach 1945 in einen Kalten Krieg gegen den
„richtigen Feind“ umgewandelt werden, damit er mit dem
Zusammenbruch der Sowjetunion schließlich zum „perfekten
Krieg“ werden konnte.
Werner
Biermann, Arno Klönne: Kapital-Verbrechen. Zur
Kriminalgeschichte des Kapitalismus. PapyRossa Verlag 2005. 208 S.
(NB816) 14,80 Euro
Von der überseeischen Expansion Europas
bis in die Gegenwart: Vom Raub der Edelmetalle Amerikas, der
Freibeuterei, dem Sklavenhandel und den Zuckerplantagen in der
Karibik oder der Vernichtung der Textilindustrie Indiens über
die Modernisierung durch Fließbandarbeit bis zu den
Machenschaften um Erdöl. Dieses Muster und seine Symbiose mit
Gewalt, Unterdrückung und Krieg machen die Wirtschaftsgeschichte
des Kapitalismus auch zu einer Kiminalgeschichte.
Werner Biermann, Arno Klönne:
Globale Spiele. Imperialismus heute – Das letzte Stadium
des Kapitalismus? PapyRossa Verlag 2001. 240 S. (NB535) 15,80
Euro
Die Autoren charakterisieren das neue Stadium, in das der
Kapitalismus nach seinem globalen Triumph eingetreten ist. Sie
belegen, welche Folgen dieser Triumph weltweit hat, wer seine Früchte
erntet und wer die Kosten trägt. Sie benennen die Risiken und
fordern zum Nachdenken über Alternativen heraus.
David Harvey:
Der neue Imperialismus. VSA-Verlag 2005. 240 S. (NB849) 22,80
Euro
Was sind die Antriebskräfte der US-amerikanischen
Politik? Zu Beginn des Irak-Krieges schien die Antwort einfach zu
sein: Zugriff auf die strategischen Ölressourcen. Doch diese
scheinbare Gewißheit verflüchtigt sich. Der Ölpreis
ist nach der Besetzung des Irak höher als zuvor. Ist es das
Motiv des Strebens nach unilateraler Weltherrschaft? Dann liegt es
nahe, daß sich die USA auf einem Pfad imperialer Überdehnung
bewegen. Oder sind es die inneren Probleme der amerikanischen
Gesellschaft und vor allem der US-Ökonomie, die zu
weltpolitischem Abenteurertum Anlaß geben?
Sebastian
Friedrich (Hg.): Rassismus in der Leistungsgesellschaft. Analysen
und kritische Perspektiven zu den rassistischen
Normalisierungsprozessen der „Sarrazindebatte“. edition
assemblage 2011. 264 S. Pb. (NB1183) 19,80 Euro
Das mediale
Ereignis der „Sarrazindebatte“ führte zu einer
breiten gesellschaftlichen Verschiebung nach rechts, enttabuisierte
rassistisches Denken und verband Rassismus mit Elite- und
Nützlichkeitsdenken. Dieses komplexe Ereignis wird in 15
Beiträgen mit unterschiedlichen theoretischen Perspektiven
kritisch analysiert. Der Sammelband gibt Anstöße für
den Alltag, die politische Praxis und die kritische wissenschaftliche
Auseinandersetzung. Mit Beiträgen von Moritz Altenried,
Christoph Butterwegge, Sebastian Friedrich, Sabine Hess, Juliane
Karakayali, Serhat Karakayali, Elke Kohlmann, Jörg Kronauer,
Gabriel Kuhn, Jürgen Link, Charlotte Misselwitz, Marianne
Pieper, Nora Räthzel, Hannah Schultes, Yasemin Shooman, Vassilis
Tsianos und Regina Wamper.
Sascha
Stanicic: Anti-Sarrazin. Argumente gegen Rassismus,
Islamfeindlichkeit und Sozialdarwinismus. PapyRossa Verlag 2011. 168
S. Pb. (NB1196) 11,90 Euro
Wenn es heißt, Thilo Sarrazin
spreche unbequeme Wahrheiten aus, werden viele seiner Auffassungen
nicht berücksichtigt. Das gilt vor allem für seine
sozialpolitischen Vorstellungen. Denn Sarrazins Buch ist auch eine
Kampfschrift für eine Sozialpolitik gegen die Mehrheit der
Bevölkerung. Sascha Stanicic liefert fundierte Argumente gegen
die Behauptungen Sarrazins. Er erklärt den Hintergrund der so
genannten Integrationsdebatte, stellt Rassismus und Sozialabbau in
einen gesellschaftlichen Zusammenhang und zeigt, dass sie zwei Seiten
derselben Medaille sind. Ausführlich werden die
Islamfeindlichkeit als neue Form des Rassismus analysiert und
konkrete Vorschläge für linke Positionierungen etwa zu
Kopftuchdebatte, Moscheebau etc. gemacht. Die aktuellen
wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Frage des Zusammenhangs von Genen
und Intelligenz werden zusammengefaßt und das Phänomen des
Rechtspopulismus beleuchtet. Nicht zuletzt macht der Autor Vorschläge
für linke Alternativen zu Sarrazin.
Thomas Wagner,
Michael Zander: Sarrazin, die SPD und die Neue Rechte.
Untersuchung eines Syndroms. Spotless Verlag 2011. 160 S. (NB1203)
9,95 Euro
Was hat die SPD mit Rassismus zu tun? Warum macht die
NPD mit Sarrazin Wahlkampf? Welches sind die politischen
Schnittmengen zwischen der bürgerlichen „Mitte“ und
der „Neuen Rechten“? Eine aggressive Rechtfertigung von
Herrschaft und sozialer Ungleichheit wird salonfähig und populär
gemacht. SPD-Politiker, konservative Journalisten, die Neurechten,
der norwegische Terrorist Breivik und die Neonazis – sie alle
fordern für sich vor allem eines: „Meinungsfreiheit“.
Richard
Gebhardt (Hg.): Rosen auf den Weg gestreut. Deutschland und seine
Neonazis. PapyRossa Verlag 2007. 204 S. (NB1001) 14,90 Euro
Neonazis
feiern Wahlerfolge, rassistische Anschläge machen vorübergehend
Schlagzeilen, Berichte über eine alltägliche rechte
Subkultur wiederholen sich. Trotzdem zieht nach kurzen
Anstandsfristen stets wieder die übliche Routine ein: Gerichte,
die den Rechtsextremen die Straße zusprechen; Polizei, die sie
ihnen freiknüppelt; eine politische Kaste, der nichts besseres
einfällt, als zur angeblichen Abwehr der neofaschistischen
Gefahr demokratische Rechte und Widerstandsmöglichkeiten zu
beschneiden; ein Geheimdienst, der führende NPD-Funktionäre
auf seiner Gehaltsliste führt. Und Hitler als tragische Figur im
Fernsehen und in Kinos. Das Buch beleuchtet dieses reputierliche
Umfeld, das der extremen Rechten die Rosen auf den Weg streut. Es
untersucht deren Konzepte, nimmt ihre Praxis in Landes- und
Kommunalparlamenten unter die Lupe, fragt nach den gesellschaftlichen
Verhältnissen, unter denen Neofaschisten erstarken, und
diskutiert erfolgversprechende Gegenstrategien.
Michael Klundt
(Hg.): Ein Untergang als Befreiung. Der 8. Mai 1945 und die
Folgen. PapyRossa Verlag 2005. 272 S. (NB815) 16,80 Euro
Was
war der 8. Mai 1945? Kapitulation, Zusammenbruch, Untergang? Oder
vielleicht Befreiung? Die Befreiung Europas habe, so hört man
allenthalben, mit dem D-Day am 6. Juni 1944, der Landung der
Westalliierten in der Normandie und der Eröffnung der Zweiten
Front, begonnen. Die Frage, was denn die Erste Front war und wofür
Namen wie Stalingrad stehen, stellt sich so gar nicht mehr. Aus
dieser Sicht kann dann die westalliierte Landung von einem Beitrag
zum gemeinsamen Kampf mit dem sowjetischen Verbündeten
uminterpretiert werden in den Beginn einer wunderbaren Freundschaft,
die mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion den seinerzeit verpaßten
deutschen Endsieg im Osten doch noch erreichte. Das Buch verbindet
historische Darstellungen mit Berichten von Zeitzeugen und macht
deutlich, worum es tatsächlich ging: wer da gegen wen stand und
wofür, wie der Sieg der Anti-Hitler-Koalition errungen wurde,
welche Möglichkeiten er eröffnete, was davon verwirklicht
wurde und was nicht. Beiträge von Günter Judick, Kurt
Pätzold, Peter Gingold, Esther Bejarano, Hermann Kant, Gerhard
Stuby u.a.
Michael Klundt (Hg.): Heldenmythos und Opfertaumel. Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen im deutschen Geschichtsdiskurs. PapyRossa Verlag 2005. 192 S. (NB892) 13,50 Euro
Helmut Ortner (Hg.): Hitlers Schatten. Deutsche Reportagen. Aktualisierte Neuausgabe. Nomen Verlag 2006. 186 S. Klappenbroschur. (NB968) 15,80 Euro
Helmut Ortner: Falsche Wahrheiten und richtige Lügen. Über deutsche Vergangenheitsbewältigung: Reportagen, Recherchen, Berichte. Nomen Verlag 2005. 112 S. Klappenbroschur (NB913) 12 Euro
Wolfgang Schneider (Hg.): Wir
kneten ein KZ. Aufsätze über Deutschlands
Standortvorteil bei der Bewältigung der Vergangenheit. Konkret
2000, 180 S. (NB1) 11,66 Euro
Themen: Entschädigung von
NS-Opfern, die Rezeption der sogenannten „Wehrmachtsausstellung“,
die Debatte über das Berliner Holocaust-Denkmal, Goldhagens
Thesen über „Hitlers willige Vollstrecker“, Martin
Walser, der Anteil ehemaliger Linker an der Entsorgung der deutschen
Vergangenheit. Beiträge von Hermann L. Gremliza, Günther
Jacob, Joachim Rohloff, Rayk Wieland, Rolf Surmann, Gerhard Scheit
und Heiner Möller.
Joachim Rohloff: Ich bin das Volk. Martin Walser, Auschwitz und die Berliner Republik. Konkret 1999. 144 S. (NB17) 11,66 Euro
Bernhard
Schmid: Distanzieren, leugnen, drohen. Die europäische
extreme Rechte nach Oslo. edition assemblage 2011. 128 S. Pb.
(NB1188) 12,80 Euro
Aus den Wahnvorstellungen wurde
Wirklichkeit: Ein Attentäter, der gleichzeitig von fanatischem
Moslem- und Einwandererhaß und von einer Obsession gegen den
„kulturellen Marxismus“ angetrieben wurde, tötete
über 75 Menschen in Oslo. Seitdem ist die extreme Rechte in
Europa aufgewirbelt. Der Niederländer Geert Wilders erklärte
den Amoklauf zum „Rückschlag“ für die von ihm
so genannte „islamkritische“ Bewegung. Auch die deutsche
Webseite Politically Incorrect schaltete zum Teil auf Selbstkritik
um. Andere Rechte dagegen erblickten in der Tat ein Fanal, einen
flammenden Aufruf zur Aktion. In Frankreich verherrlichte ein
früherer Wahlkandidat des Front National den Massenmörder
von Oslo als „neuen Karl Martell“ und fügte hinzu:
„Andere werden folgen“. In Österreich schloß
die FPÖ einen Abgeordneten infolge seiner Reaktion aus. Aber
welches geistige Milieu in Europa hat solche Wahnideen
hervorgebracht? Welche Rolle spielen ultrarechte Israelfreunde,
Pseudofeministinnen und frühere Linke dabei? Und wie reagiert
dieses Milieu auf die Vorwürfe „nach Oslo“?
Regina Wamper
/ Ekaterina Jadtschenko / Marc Jacobsen (Hg.): „Das hat doch
nichts mit uns zu tun!“ Die Anschläge in Norwegen in
deutschsprachigen Medien. Edition DISS im Unrast Verlag 2011. 184 S.
Pb. (NB1198) 18 Euro
Am 22. Juli 2011 explodierte in Oslo eine
Autobombe, die acht Menschen tötete. Wenig später tötete
der selbe Täter auf der Insel Utøya 69 junge
Sozialdemokratinnen. Nach seiner Festnahme äußerte er
antimuslimische und antimarxistische Ansichten. Die Autorinnen
analysieren deutsche Medien unter dem Gesichtspunkt, wie dort dieses
Ereignis eingeordnet wurde, ob und welche Diskursverschiebungen
stattgefunden haben. Verschränkungen mit antimuslimischen
Diskursen und deren der Extremismusbekämpfung werden besonders
beachtet. Analysen zu der Reaktion extrem rechter Medien beleuchten
Distanzierungen und Solidarisierungen.
Beiträge von Jonas
Bals, Martin Dietzsch, Sebastian Friedrich, Astrid Hanisch, Margarete
Jäger, Helmut Kellershohn, Sebastian Reinfeldt, Bernhard Schmid,
Hannah Schultes.
Regina Wamper
/ Helmut Kellershohn / Martin Dietzsch (Hg.): Rechte
Diskurspiraterien. Strategien der Aneignung linker Codes, Symbole
und Aktionsformen. Unrast Verlag 2010 (Edition DISS). 288 S. (NB1154)
19.80 Euro
Rechte Adaptionen linker Symbole und Ästhetik
und was dagegen getan werden kann. In den letzten Jahren ist ein
verstärktes Bemühen auf Seiten der extremen Rechten zu
beobachten, Themen, politische Strategien, Aktionsformen und
ästhetische Ausdrucksmittel linker Bewegungen zu adaptieren und
für ihren Kampf um die kulturelle Hegemonie zu nutzen. Dabei
handelt es sich keineswegs mehr nur um ein Steckenpferd der
intellektuellen Neuen Rechten, vielmehr wird dies auch von NPD und
militanten Neonazis praktiziert. Im Resultat hat sich die extreme
Rechte eine Bandbreite kultureller und ästhetischer
Ausdrucksformen angeeignet, indem sie sich am verhaßten
‚Vorbild’ der Linken abgearbeitet hat. Man könnte
auch sagen: Um überzeugender zu wirken, hat sie kulturelle
Praktiken und Politikformen der Linken ‚entwendet’ –
allerdings nicht, ohne sie mit den eigenen Traditionen zu vermitteln.
Solche Phänomene sind keineswegs neu. Auch der
Nationalsozialismus bediente sich der Codes und Ästhetiken
politischer Gegner und suchte Deutungskämpfe gerade verstärkt
in die Themenfelder zu tragen, die als traditionell links besetzt
galten. Auch in den 1970er Jahren waren solche Strategien vorhanden.
Es stellt sich die Frage, warum und in welcher Form diese
Diskurspiraterien heute wieder verstärkt auftreten.
Aus dem
Inhalt:
Helmut Kellershohn, Martin Dietzsch: Aktuelle Strategien
der extremen Rechten in Deutschland – Sabine Kebir: Gramscismus
von rechts? – Volker Weiss: Sozialismusbegriff bei Moeller van
den Bruck und Oswald Spengler – Volkmar Woelk: Strasserismus
und Nationalbolschewismus – Renate Bitzan: Feminismus von
rechts? – Richard Gebhardt: Völkischer Antikapitalismus –
Fabian Virchow: Antikriegs-Rhetorik von rechts – Helmut
Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und die
Konservativ-subversive Aktion – Lenard Suerman: Autonome
Nationalisten – Regina Wamper, Britta Michelkens:
Gegenstrategien – Jens Zimmermann: – Kritik des
Rechtsextremismusbegriffs.
Joannah
Caborn: Schleichende Wende. Diskurse von Nation und Erinnerung
bei der Konstituierung der Berliner Republik. Edition DISS im Unrast
Verlag 2006. 264 S. (NB941) 24 Euro
Auf der Suche nach
nationaler Identität konkurrieren seit der deutschen Einheit
1990 im Politik und Feuilleton Entwürfe von Bonner und Berliner
Republiken. Joannah Caborn analysiert die damit einhergehenden
Verwerfungen im Diskurs über die Nation und insbesondere über
Erinnerung. Schon bei der Konstituierung der Berliner Republik wird
das Gebot unterlaufen, sich der NS-Zeit und ihrer Verbrechen zu
erinnern. Die Grundsätzte, denen zufolge die Bundesrepublik mit
Bonn eine quasi nicht-nationale Hauptstadt hatte, werden in Berlin
ignoriert oder auf den Kopf gestellt. So kann unter anderem die
Analyse der Regierungsarchitektur in Bonn und Berlin zeigen, wie der
Einfluß des Erinnerungsdiskurses auf die nationale Identität
abnimmt. Dabei wird das diskursanalytische Instrumentarium in
Richtung einer Dispositivanalyse erweitert. Daß die zuvor viel
beschworenen „Lehren aus der Geschichte“ schon beim Start
der Berliner Republik derart ins Hintertreffen gerieten, stimmt
nachdenklich in Hinblick auf die künftige politische Entwicklung
Deutschlands.
Alfred Schobert und Siegfried
Jäger (Hg.): Mythos Identität. Fiktion mit Folgen.
Edition des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung
(DISS) im Unrast Verlag 2004. 236 S. (NB793) 18 Euro
Allenthalben
ist zu hören, Nationen seien reine Mythen, Konstrukte, bloße
Fiktionen kollektiver Identität, denen in Wirklichkeit keine
reale Existenz zukomme. Es gehe deshalb darum, die „Fiktion
Nation“ zu kritisieren und ihre Irrealität bloßzustellen.
Der Begriff „Nation“ reklamiere eine eben nur fiktive,
nicht tatsächliche gemeinsame Herkunft oder gar Abstammung, die
Homogenität einer Volks- oder Schicksalsgemeinschaft, eine
gemeinsame Sprache und Kultur und ähnliche Eigenschaften. Das
ist ja auch nicht falsch. Allerdings greift eine solche Kritik zu
kurz und übersieht, daß derartige Konstruktionen und
Fiktionen reale und ganz konkrete Folgen haben, Folgen, die
keineswegs verschwinden, wenn ihre Fiktionalität als solche
analysiert und benannt wird: Sicherung von Besitzständen führt
zu Kriegen, die Hypostasierung der gemeinsamen Abstammung nährt
Rassismus und Antisemitismus. Auf diesem Hintergrund ist zu
verstehen, weshalb die Deutungs-Kämpfe um Vorstellungen von
„nationaler Identität“, einem Terminus, der von ganz
rechts in die Mitte der Gesellschaft eingedrungen ist, mit so großer
Leidenschaft ausgetragen werden. Heute geschieht dies umso heftiger,
als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, im Zuge von
EU-Integration und -Erweiterung und angesichts des globalen
Terror-Kriegs die alten Fiktionen transformiert werden (müssen).
In Verbindung damit sind auch subjektive Identitäten, die sich
auf Identifikationen mit den jeweiligen nationalen (stilisierten)
Geschichten stützen konnten, erodiert. Daraus resultieren neue
Anforderungen an die Subjekte, die zwischen Identitäts-Angeboten,
-Anforderungen und -Zumutungen vor den Fragen „Wer bin ich?“
und „Wer ist der/die andere“ stehen.
Mit Beiträgen
von Semra Celik, Ivan Golobolov, Siegfried Jäger, Kurt Lenk,
Jobst Paul, Gudrun Quenzel, Alfred Schobert, Frank Wichert und Moshe
Zuckermann.
Martin Dietzsch, Siegfried Jäger,
Alfred Schobert (Hg.): Endlich ein normales Volk? Vom rechten
Verständnis der Friedenspreis-Rede Martin Walsers. Eine
Dokumentation. DISS 1999. 112 S. Im Großformat. Zahlreiche
Faksimiles. (NB612) 12,80 Euro
Wie reagierte die rechte und
rechtsextreme Presse auf die „Friedenspreis-Rede“
Walsers? Diese Dokumentation zeigt unwiderleglich, daß die
äußerste Rechte Walsers Rede mit großer Begeisterung
vereinnahmen konnte, ohne dazu sich oder Walsers Rede verbiegen zu
müssen. Und sie zeigt, warum das so ist: Walsers Rede ist Teil
des sich seit 1989 intensivierenden diskursiven Prozesses, in dem der
Rechtsdruck der politischen Mitte und der RechtsDruck in der Mitte
einander zuarbeiten.
Martin Dietzsch, Siegfried Jäger,
Helmut Kellershohn, Alfred Schobert: Nation statt Demokratie.
Sein und Design der „Jungen Freiheit“. Duisburger
Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) 2003. 248 S. Mit
Abb. (NB651) 19,90 Euro
„Konservativ“ soll sie
sein, oder auch „umstritten“, folgt man der
Selbstdarstellung der Wochenzeitung „Junge Freiheit“.
Eine längerfristig angelegte, genaue Untersuchung der
Zeitungspraxis zeigt allerdings, daß dies Verharmlosungen sind.
Die „Junge Freiheit“ ist programmatisch der Tradition des
völkischen Nationalismus verpflichtet. Die Nation als mythisch
überhöhte Abstammungsgemeinschaft wird gegen das
neuzeitliche Verständnis von Demokratie mobil gemacht - „Nation
statt Demokratie“ ist das unausgesprochene Motto. Dabei
entspricht die „Junge Freiheit“ nicht der
Klischee-Vorstellung, die viele von einer „rechten Zeitung“
haben. Sie dosiert geschickt die Kernideologeme des völkischen
Nationalismus. So bewegt sich die „Junge Freiheit“ mal
getarnt, mal mit offenem Visier im rechten Grenzraum des
Verfassungsbogens und betreibt Woche für Woche intellektuelle
Aufrüstung wider die moderne demokratische Gesellschaft, die als
„dekadente Spaßgesellschaft“ abqualifiziert wird.
Regina Wamper:
Das Kreuz mit der Nation. Christlicher Antisemitismus in der
Jungen Freiheit. Unrast Verlag 2008 (Edition des Duisburger
Instituts für Sprach- und Sozialforschung). 208 S. (NB1055) 22
Euro
Religion und Glaube spielen in der
völkisch-nationalistischen Wochenzeitung Junge Freiheit eine
zentrale Rolle. Dadurch werden Bilder von Juden und Judentum
vermittelt, die längst vergessen schienen. Diese Bilder, ihre
Verknüpfungen und Bezüge tradieren einen christlichen
Antisemitismus und ein Verhältnis zum Christentum, das sich
durch ein Zusammenspiel von christlich-fundamentalistischen Themen
und völkischem Nationalismus auszeichnet. Die in der Jungen
Freiheit vermittelten Bilder von Juden und Judentum belegen
gleichzeitig, daß Antijudaismus eine immer noch aktuelle Form
der Judenfeindschaft ist, und daß dieser christliche
Antisemitismus mit Strategien des modernen und sekundären
Antisemitismus verschränkt und gekoppelt ist. Die
diskursanalytische Studie richtet sich nach den zentralen Themen
dieser Diskurse. Dazu gehören z.B. die Rede des damaligen
Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann von 2003, in der er mit
antisemitischen Argumenten die Shoa zu relativieren versuchte, die
Diskussionen um den Film „Die Passion Christi“ von Mel
Gibson sowie die Debatte um das Buch „Die katholische Kirche
und der Holocaust“ von Daniel Jonah Goldhagen.
Heiko
Kauffmann, Helmut Kellershohn, Jobst Paul (Hg.): Völkische
Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analysen rechter
Ideologie. Edition des Duisburger Instituts für Sprach- und
Sozialforschung im Unrast-Verlag 2005. 256 S. (NB875) 18 Euro
Die
nunmehr 200-jährige Kontinuität völkisch-faschistischer
Ideologien und Ideologeme muß die nachhaltige, widerständige
und aktuelle Analyse herausfordern – in theoretischer, aber
auch praktisch-politischer Absicht. In der Tat schärft die neue
Faschismusforschung den Blick dafür, wie sich
völkisch-faschistisches Denken heute transformiert hat, wie es
sich auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen etablieren und
Politik und Denken vereinnahmen kann. Im vorliegenden Band schlagen
die Autorinnen und Autoren den Bogen von der generischen
Faschismustheorie über eingehende Einzelanalysen und Fallstudien
bis zu Aspekten einer europäischen Lager-Mentalität, die
sich „rechten“ Visionen öffnet. Mit Beiträgen
von Martin Dietzsch, Roger Griffin, Ute Kurzbein, Kurt Lenk, Stefanie
Mayer, Marei Pelzer, Ulrich Prehn, Volker Weiß und Moshe
Zuckermann.
Jürgen
Peters & Christoph Schulze (Hg.): „Autonome Nationalisten“.
Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur. Unrast Verlag 2009
(unrast transparent – rechter rand). 72 S. (NB1122) 7,80
Euro
Ein „Schwarzer Block“, Basecaps, dunkle
Kleidung und Parolen wie „Fight the system!“ – die
Verwirrung ist groß, seitdem vor einigen Jahren erstmals
„Autonome Nationalisten“ (AN) auf Neonazi-Aufmärschen
zu beobachten waren. Es handelt sich um eine Strömung in der
militanten Neonaziszene, die sich diverser Symbole, Codes und
Sprachformen bedient, die bisher in der Linken verortet waren. Was
hat es nun auf sich mit den AN? Haben wir es mit verkleideten
Neonazis oder mit einer neuen Form extrem rechter Jugendkultur zu
tun? Ist die Herausbildung der AN gewinnbringend für die extreme
Rechte oder führt sie zu weiteren Konflikten? Funktioniert der
Stilwandel tatsächlich reibungslos? Stellen die „Autonomen
Nationalisten“ eine neue Gefahr dar? Was läßt sich
aus der Enteignung der Form politischer Inszenierung lernen? Das Buch
nimmt Entstehungsgeschichte, Ideologie, politische Praxis, Habitus
und Selbstverständnis der AN unter die Lupe und beleuchtet ihr
Verhältnis zu anderen Organisationen der extremen Rechten.
interface (Hg.): WiderstandsBewegungen. Antirassismus zwischen
Alltag & Aktion. Assoziation A 2005. 408 S. mit zahlr. Abb.
(NB847) 19,50 Euro
Von der Öffentlichkeit weitgehend
unbeachtet wehren sich Menschen gegen rassistische Verhältnisse.
Sie schließen sich in Heimen zusammen, protestieren gegen
schlechte Versorgung, gegen Schikane auf den Ämtern, gegen
Abschiebungen und Polizeigewalt. Sie bilden migrantische Netzwerke
und Kooperationen mit anderen Gruppen und starten Kampagnen. Das Buch
zeigt die Bandbreite aktueller antirassistischer Aktionsformen und
Interventionsmöglichkeiten auf und richtet einen
schlaglichtartigen Blick auf die Geschichte antirassistischen
Widerstands. Das Buch ist ein Bewegungsbuch im besten Sinne. Es
liefert nicht nur einen Blick auf die Bewegungen, sondern kommt aus
den Bewegungen.
Margret Jäger, Heiko Kauffmann (Hg.): Leben unter Vorbehalt. Institutioneller Rassismus in Deutschland. Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) 2002. 316 S. (NB636) 19,90 Euro
Rolf van
Raden: Patient Massenmörder. Der Fall Ernst Wagner und die
biopolitischen Diskurse. Edition DISS in Unrast Verlag 2009. 184 S.
(NB1141) 24 Euro
Hirnforschung, die Täter der RAF,
Amokläufe in Schulen – in der Auseinandersetzung über
solche Themen beziehen sich Wissenschaftler und Journalisten bis
heute auf einen Mordfall, der sich vor einem knappen Jahrhundert
ereignete. Ernst August Wagner, Hauptlehrer aus Degerloch bei
Stuttgart, tötete in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1913
seine Frau und seine vier Kinder. Anschließend erschoss er neun
weitere Menschen und verletzte elf schwer. Bis 1938 fristete er sein
Leben in einer psychiatrischen Anstalt. Immer wieder stellte er fest:
Er bedauere nicht, seine Kinder getötet zu haben, da sein ganzes
Geschlecht entartet sei. Hier traf sich die Rede des Mörders mit
der seines Arztes. Robert Gaupp, Leiter der Universitätsnervenklinik
Tübingen, machte Ernst Wagner zu seinem Fall und entwickelte an
ihm die Lehre von der echten Paranoia. Parallel dazu forderte der
angesehene Mediziner als Befürworter von Eugenik, Rassenhygiene
und Zwangssterilisation schon 1920 die „Vernichtung
lebensunwerten Lebens“. Die Studie untersucht das Geflecht
biopolitischer Diskurse, in dem sich der Mörder und sein Arzt
gemeinsam bewegten. Erstmals werden die den Fall bis heute
begleitenden Schriftdokumente aus Presse, Politik und Wissenschaft
erfaßt und kritisch kommentiert. Ausgehend vom Fall Wagner
weist der Autor nach, wie die Psychiatrie systematisch die Reichweite
ihrer Diskurse ausdehnte, bis im Nationalsozialismus schließlich
eliminatorische ärztliche Praktiken möglich wurden. Der
Täter Ernst Wagner und seine Psychiater erscheinen somit als
Referenzfiguren eines Jahrhunderts der Biopolitik, das keineswegs
1945 endete.
Angelika Magiros: Kritik der
Identität. „Bio-Macht“ und „Dialektik der
Aufklärung“ – Werkzeuge gegen Fremdenabwehr und
(Neo-)Rassismus. Edition DISS im Unrast-Verlag 2004. 284 S. (NB775)
18 Euro
Foucaults Geschichte der Bio-Macht und die
aufklärungskritische These Horkheimers und Adornos
repräsentieren höchst unterschiedliche Traditionen der
Moderne-Kritik. Doch sie treffen sich in einem Punkt: Beiden gilt die
Logik der Indentität – der Drang zu widerspruchsfreiem
„Einssein“ – als politisch gefährlichster
Bestandteil moderner Rationalität. In ihrer packend
geschriebenen Studie zeigt Angelika Magiros, wie gerade dieser
gemeinsame Kern der beiden Theorien für eine eingehende Analyse
moderner und (post-)modernster Formen der Fremdenfeindlichkeit
fruchtbar gemacht werden kann.
Klaus
Theweleit: Männerphantasien 1 + 2. Ausgabe in einem Band.
Mit zahlr. Abb. und einem Nachwort zur Taschenbuchausgabe. Serie
Piper. 1004 S. (NB1140) 22,90 Euro
Die Beschreibung der
Frauenbilder, wie sie als Phantasien der Männer von der alles
verschlingenden Frau entstanden sind (Band 1). Die männlichen
Gegenbilder zur erotischen Frau – der harte Mann, eingegossen
in die festen Blöcke des Militärs, der Nation, der
„Rassengemeinschaft“.
Jobst Paul: Das [Tier-]Konstrukt –
und die Geburt des Rassismus. Zur kulturellen Gegenwart eines
vernichtenden Arguments. Edition des Duisburger Instututs für
Sprach- und Sozialforschung (DISS) im Unrast-Verlag. 400 S. (NB747)
24 Euro
Daß die christlich-abendländische Kultur
Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung hervorgebracht hat und
hervorbringt, wird kaum betritten. Doch wie ist das möglich? Die
Studie ermittelt das Konstrukt vom „Tier“ als
destruktivstes und zugleich widersprüchlichstes Stereotyp der
westlichen Bildung. Alltag, Philosophie und Wissenschaft bedienen
sich darin seit Jahrhunderten – und heute medial – eines
gemeinsamen Codes, der Ausgrenzung und Ungleichheit rechtfertigt.
Zugleich bewahrt das aus der griechischen Philosophie stammende
„Tier“-Konstrukt den christlichen Affekt gegen das
Judentum auf. Dabei ist es gerade die universalistische Ethik des
Judentums, die noch heute gern als „christliche“ Ethik
vereinnahmt wird. Die Studie plädiert für den Abschied vom
„Tier“-Konstrukt und für die längst überfällige
kulturelle Hinwendung zur Ethik der Gleichheit. Die Studie ist der
diskursanalytischen Methode verpflichtet und lenkt daher den Blick
auf die Feinanalyse von Texten.
Ulrike Winkler (Hg.): Stiften
gehen. NS-Zwangsarbeit und Entschädigungsdebatte. PapyRossa
Verlag 2000. 276 S. (NB224) 15,24 Euro
Von wem, wo und in
welchem Umfang wurden KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und
ausländische Zivilisten zur Arbeit im Deutschen Reich gezwungen?
In einem zweiten Teil zeichnet das Buch den Umgang von Politik,
Wirtschaft und Justiz mit den Forderungen ehemaliger Zwangsarbeiter
nach, faßt Verlauf und Stoßrichtung der
Entschädigungsdebatte zusammen und macht klar, warum Deutschland
stiften geht.
Jürgen Elsässer: Braunbuch DVU. Eine deutsche Arbeiterpartei und ihre Freunde. Mit einem Vorwort von Jürgen Trittin. Konkret 1998. 144 S. (NB18) 10,15 Euro
Oliver Tolmein: Rechts durch die Mitte. Reportagen und Gespräche über die Ordnung der Verhältnisse. Konkret. (NB97) 14,50 Euro
Oliver Tolmein: Originalton Deutsch. Medien und rechte Gewalt. Konkret 1994. 144 S. (NB98) 11 Euro
Jörg Fischer: Das NPD-Verbot.
Espresso-Verlag 2001. 192 S. (NB525z) 15,90 Euro
Bundesregierung,
Bundestag und Bundesrat sind sich einig: Die NPD muß verboten
werden! Dem widerspricht Horst Mahler, Anwalt der NPD. Der Ausgang
ist ungewiß. Der Autor war als Jugendlicher bis zu seinem
Ausstieg 1991 selber viele Jahre Mitglied und Funktionär in NPD
und DVU. Er weiß, wovon er redet, und er befürwortet ein
Verbot. Er begründet dies detailliert und Kenntnisreich mit der
Geschichte, der Praxis und der Programmatik der NPD –
gleichzeitig ist er sich bewußt, daß ein Verbot kein
Allheilmittel ist. Mit diesem Buch will der die Erkenntnisse über
die NPD vertiefen und verbreitern und gleichzeitig zu einem
offensiven Dialog über das Pro und Contra eines Verbots
beitragen.
Martin Dietzsch und Alfred
Schobert: V-Leute bei der NPD. Geführte Führende oder
Führende Geführte? Sonderausgabe der Archiv-Notizen. DISS
2002. 42 S. Im Großformat. (NB613) 5 Euro
Diese Studie
wurde von der Bundestagsfraktion der PDS in Auftrag gegeben.
Matthias Küntzel / Klaus
Thörner: Goldhagen und die deutsche Linke. Elefantenpress.
(NB39z) 15,30 Euro
Wie die gesamte deutsche Gesellschaft haben
auch viele deutsche Linke zwischen „den Nazis“ und „den
Deutschen“ einen Gegensatz konstruiert. Mit diesem Mythos hat
Goldhagens Studie über „Hitlers willige Vollstrecker“
aufgeräumt. Wie hat die Linke auf diese Herausforderung
reagiert, warum reproduziert auch sie bis heute die
Entlastungsargumente der deutschen „Tätergemeinschaft“?
Die Autoren führen diese Haltung zum einen auf nationalistische
Traditionen in der deutschen Arbeiterbewegung zurück, zum
anderen zeigen sie auf, daß auch die Linken die Singularität
des Holocaust nicht in ihrer ganzen Dimension erfassen konnten und
wollten. Sie gehen der Befangenheit der deutschen Linken gegenüber
den Verbrechen ihrer Eltern und Großeltern auf den Grund und
kommen zu dem Ergebnis, daß „nach Goldhagen“ die
Geschichte ihrer Verleugnung neu aufgerollt werden muß, an der
die deutsche Linke – ob Ost oder West – erheblich
mitgewirkt hat.
Birgit
Schmidt: Kein Licht auf dem Galgen. Ein Beitrag zur Diskussion um
KPD/SED und Antisemitismus. Unrast Verlag 2006. 104 S. (NB894) 11
Euro
„In der Historik und für die Linke gilt, daß
die KPD keine antisemitische Partei gewesen ist. Das ist richtig, und
stimmt dennoch nicht, denn angesichts des Siegeszuges der
Nationalsozialisten setzte die KPD-Führung auf die ideologische
Rückgewinnung der nationalisierten Massen und buhlte um den
'deutschen Arbeiter' auch dort, wo er sich bereits in SA- oder
SS-Uniform befand, und entschied sich damit eindeutig für die
Verfolger und nicht für die Verfolgten. Birgit Schmidt
analysiert berühmte Lagerromane (von Wolfgang Langhoff, Willi
Bredel u.a.) und weist nach, daß dort, wo Kommunisten dazu
angehalten waren, sich agitatorisch um die SS-Wachmannschaft zu
bemühen, einer Solidarisierung mit Juden, aber auch mit anderen
Opfern der NS, bewußt entsagt wurde. Die antisemitische
Verfolgungswelle in allen Staaten des Stalinschen Einflußbereiches
zu Beginn der 50er Jahre wurde in der DDR von der Literatur
flankiert, die den Zionismus mit Faschismus, gar mit
Nationalsozialismus gleichsetzte und ansonsten darum bemüht war,
das antisemitische Wesen des NS zu leugnen und die Kommunisten in den
Focus der Verfolgungen zu rücken. Nicht umsonst stellte Anna
Seghers im Rückblick auf diese Jahre in einer Erzählung den
Verrat eines Kommunisten an seinem jüdischen Genossen heraus.
Für sie blieb ein Hoffungsschimmer, Ein Licht auf dem Galgen,
wie sie ihre Erzählung nannte, aber tatsächlich provoziert
die (erneute) Lektüre von kommunistischer Literatur dazu, die
Einschätzung, daß die KPD (und in ihrer Folge die SED)
frei von Antisemitismus war, zu überdenken.“
(Klappentext).
Jürgen Elsässer, Andrei S. Markovits (Hg.): Die Fratze der eigenen Geschichte. Von der Goldhagen-Debatte zum Jugoslawien-Krieg. Elefantenpress 1999. 208 S. (NB75z) 15,30 Euro
Andreas Dietl, Heiner Möller,
Wolf-Dieter Vogel u.a.: Zum Wohle der Nation. Elefantenpress
1998. 128 S. (NB40z) 10 Euro
Politiker aller Parteien fordern
nationale Gefolgschaft, Verzicht und bedingungsloses Eingehen auf die
Gesetze des weltweiten Wettbewerbs. Alles wird dem untergeordnet: das
Sozialsystem, die innere Sicherheit, die Demokratie. Gewinnen wird,
wer sich als innovativster Manager des Unternehmens Deutschland
präsentiert. Das Modell einer autoritär formierten
Konsendemokratie zeichnet sich ab, die nur noch den zu Worte kommen
läßt, der „deutsche“ Interessen formuliert.
Wolfgang Wippermann: Wessen Schuld? Vom Historikerstreit zur Goldhagen-Kontroverse. Elefantenpress. (NB41z) 12,74 Euro
Kurt Pätzold:
Im Rückspiegel: Nürnberg. Der Prozeß gegen die
deutschen Hauptkriegsverbrecher 1945/46. PapyRossa Verlag 2006. 256
S. (NB961) 16,90 Euro
Die Idee, mit Hitler und anderen
herausragenden Führern des Nazireiches „kurzen Prozeß“
zu machen, wurde im Verlauf den Zweiten Weltkrieges vielfach
erörtert. Durchgesetzt hat sich demgegenüber der Plan, sie
vor ein Internationales Militärtribunal zu stellen. Das geschah
einige Monate nach Kriegsende in Nürnberg. Unwiderlegbare
Beweise für unglaubliche Tatsachen wurden gerichtsnotorisch
gemacht. Das blockierte die Stilisierung von Verbrechern zu
Märtyrern. Den wichtigsten Prozeß der Neuzeit nimmt der
Berliner Historiker Kurt Pätzold in den Rückspiegel. Er
verfolgt Höhepunkte im Verlauf des Gerichtsverfahrens,
beleuchtet das Verdienst der Ankläger, die Rolle der Angeklagten
und ihrer Verteidiger und die Prozeßführung durch die
Richter der vier Mächte, wendet sich dem zeitgenössischen
Echo in Deutschland und dem der späteren Jahre in den beiden
deutschen Staaten sowie – nach 1990 – in der vergrößerten
Bundesrepublik zu. Eine Chronik von der Vorgeschichte des Prozesses
bis in unsere Tage beschließt den Band.
Kurt
Pätzold: Der Führer ging, die Kopflanger blieben. Ein
historisches Finale und aktuelle Kontroversen. PapyRossa Verlag 2005.
144 S. (NB898) 12,90 Euro
Der Führer ging, aber nicht von
alleine! Warum das so kam und nicht anders, welcher Anstrengungen und
Opfer es gerade in den dramatischen letzten Monaten noch bedurfte,
damit Deutschland und die Welt ihn loswurden, macht Kurt Pätzold
im ersten Teil seines Buches deutlich. Dabei zeigt er am Beispiel
Dresdens, welche Schrecken der Wahn vom Endsieg bis 5 nach 12 auch
für die deutsche Zivilbevölkerung verursachte. Die
Kopflanger blieben und melden sich immer lautstärker zu Wort.
Selbst Autoren, die einst ein X von einem U unterscheiden konnten,
sehen heute nur noch deutsche Opfer. Oder entdecken medienwirksam
„Hitlers Volksstaat“ und einen ominösen „nationalen
Sozialismus“, nehmen damit die Demagogie der Nazis und den
Schein der faschistischen Volksgemeinschaft für bare Münze
und lassen die realen Interessen verschwinden, die des Führers
Politik bedingten. Davon handelt der zweite Teil.
Dr. phil. Kurt
Pätzold, geboren 1930, war bis 1992 Professor für deutsche
Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin. International
renommierter Historiker und Faschismusforscher.
Wolfgang Wippermann: Umstrittene
Vergangenheit. Fakten und Kontroversen zum Nationalsozialismus.
Elefantenpress (NB42z) 20,40 Euro
Die NS-Vergangenheit prägt
die Gegenwart, wie zuletzt die Goldhagen-Kontroverse und die
Wehrmachtsausstellung gezeigt haben. Dabei ist die Geschichte des
Nationalsozialismus besonders intensiv erforscht, aber auch besonders
kontrovers gedeutet worden. Das Buch informiert über die
Geschichte und Forschungsgeschichte des Nationalsozialismus.
Ernst Klee:
Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach
1945. Fischer Taschenbuch, aktualisierte Ausgabe 2007. 736 S.
(NB1104) 16,95 Euro
Das Lexikon informiert mit 4.300 Artikeln
ausführlich über die wichtigsten Personen aus Justiz,
Kirchen, Wohlfahrtseinrichtungen, Kultur, Wirtschaft, Publizistik,
Wissenschaft, Medizin, Polizei, Wehrmacht sowie über tragende
Personen aus NSDAP, SA und SS. Das Personenlexikon informiert
außerdem über dren Karrieren nach 1945, soweit diese
ausfindig zu machen waren.
Erich Später:
Villa Waigner. Hanns Martin Schleyer und die deutsche
Vernichtungselite in Prag 1939–45. Konkret Texte 2009. 100 S.
(NB1135) 12 Euro
Mit der Besetzung Prags begann am 15. März
1939 eine sechsjährige deutsche Terrorherrschaft über das
„Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“. Es wurde
dem deutschen Herrschaftsbereich eingegliedert, von deutschen
Konzernen und Banken ausgeplündert, das Eigentum seiner 80.000
jüdischen Bürger an deutsche Banken, Konzerne, Gemeinden,
Wohlfahrtsverbände und Zehntausende Volksgenossen verteilt.
Erich Später schildert den Prozess der Entrechtung, Enteignung,
Deportation und Ermordung der tschechischen Juden. Beispielhaft
rekonstruiert er die Enteignung und Ermordung des jüdischen
Ehepaares Waigner, dessen Prager Villa ein begehrtes Objekt der
Begierde hoher Nazifunktionäre wurde. Den Zuschlag für die
„Judenvilla“ erhielt schließlich der SS-Offizier
Hanns Martin Schleyer. Die Geschichte der Villa Waigner und hier
erstmals publizierte Dokumente über das Schicksal der jüdischen
Besitzer sowie über die Nazikarriere der Bewohner ihrer
arisierten Villa machen die Erkenntnis unausweichlich: Ohne Männer
wie Hanns Martin Schleyer Schleyer wäre weder der
Vernichtungskrieg im Osten noch der Holocaust möglich gewesen.
Norbert Frei (Hg.): Karrieren im
Zwielicht. Hitlers Eliten nach 1945. Campus-Verlag 2002. 364 S.
Hc. (NB598) 25,50 Euro
Hitlers Eliten – die schwere
Hypothek der jungen Bundesrepublik. Fast alle Unternehmer und
Juristen, Journalisten, Militärs und Mediziner, die dem
NS-Regime gedient hatten, konnten ihre Karrieren nach 1945
fortsetzen. Das Buch zur großen ARD-Serie dokumentiert die
Geschichte dieser beklemmenden Kontinuität.
Otto Köhler: Hitler ging, sie blieben. Der deutsche Nachkrieg in 16 Exempeln. Konkret 1996. 154 S. (NB4) 10,15 Euro
Janis
Schmelzer: IG Farben – vom „Rat der Götter“.
Aufstieg und Fall. Schmetterling Verlag 2006. 200 S. (NB945) 14,80
Euro
Die IG
Farben hat von zwei Weltkriegen profitiert und war in die Politik der
jeweiligen Machthaber verstrickt. Die Verbrechen des deutschen
Chemie-Kartells, dem u.a. Bayer, Hoechst und BASF angehörten,
sind belegt und bekannt, weniger jedoch die Methoden, Kunstgriffe und
Maßnahmen, die zu seiner Machtfülle und zu deren Mißbrauch
führten. Davon ist in diesem Buch vorrangig die Rede. Es soll
einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis des Phänomens IG
Farben leisten, vor allem dazu, wie ein gut bürgerliches,
international anerkanntes Unternehmen sich zum NS-Musterkonzern
entwickeln konnte. Darüber hinaus kann man dieses Buch nicht nur
als fundierte und faktenreiche historische Darstellung, sondern auch
als zeitloses Lehrstück für die verhängnisvolle
Verquickung von Politik, militärischer und wirtschaftlicher
Macht verstehen.
Eberhard Czichon: Deutsche Bank –
Macht – Politik. Faschismus, Krieg und Bundesrepublik.
PapyRossa Verlag 2001. 328 S. (NB511) 18,50 Euro
Wie war das
mit der Deutschen Bank im Fachismus? Welche Rolle hat sie bei der
„Arisierung“ der Wirtschaft gespielt? Wie hat sie an
Zwangs- und Sklavenarbeit, an Rüstung und Krieg profitiert? In
welcher Form war sie an der Ausplünderung der besetzten Länder
beteiligt? Wie konnte sie ihre wirtschaftliche Macht über den
Krieg hinwegretten und ihren politischen Einfluß restaurieren?
Eberhard Czichon hat Aktenbestände ausgewertet, die einst in der
DDR lagerten und heute bei der Deutschen Bank ruhen. Er führt
seine vergriffene Studie fort und äußert sich auch zu dem
legendären Prozeß, den Hermann Josef Abs und der
Bankvorstand gegen ihn anstrengten.
Kurt
Pätzold / Manfred Weißbecker: Geschichte der NSDAP
1920 bis 1945. PapyRossa Verlag Sonderausgabe 2002. 582 S. Hc. Mit
Abb. (NB599) 14,95 Euro
Umfassende Gesamtdarstellung der
politischen, ideologischen und organisatorischen Entwicklung der
NSDAP.
Reinhard Kühnl: Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten. PapyRossa Velag, 7. durchgesehene und erweiterte Auflage 2000. 544 S. (NB194) 12,60 Euro
Reinhard Kühnl: Faschismustheorien. Ein Leitfaden. Aktualisierte Neuauflage. Distel Verlag 1990. 368 S. Pb. (NB406) 15,25 Euro
Reinhard Kühnl: Faschismus.
Ursachen und Herrschaftsstruktur. Eine Einführung. Vierte,
überarbeitete Auflage (1998). Distel Verlag. 136 S. Pb. (NB594)
10 Euro
Der deutsche Faschismus: Ursachen. Grundelemente der
Herrschaftsstruktur. Der „Sozialismus“ der
Nationalsozialisten. Die Bedeutung der preußischen Tradition.
Faschismus als allgemeine Erscheinung: Ursache des Faschismus in
Europa zwischen den Weltkriegen. War der Nationalsozialismus ein
Faschismus? Was ist Faschismus?
Reinhard
Kühnl, Gerd Wiegel u.a.: Die extreme Rechte. Zur neueren
Entwicklung in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien.
Distel Verlag 1998. 192 S. (NB851) 10 Euro
Die extreme Rechte
hat in wichtigen europäischen Ländern Einfluß
gewonnen auf das politische Klima und die politischen
Entscheidungsprozesse – besonders in Deutschland, Österreich,
Frankreich und Italien. Welches ist der gesellschaftliche Boden, auf
dem rechtsextreme Ideologien und Bewegungen gedeihen können?
Welche Gemeinsamkeiten weist die Entwicklung der extremen Rechten in
diesen vier Ländern auf und welche Unterschiede sind erkennbar?
Kurt
Gossweiler: Kapital, Reichswehr und NSDAP. Die Frühgeschichte
– 1919 bis 1924. PapyRossa Verlag 2011. 472 S. Pb. (NB1192)
Subskriptionspreis bis 15.1.2012: 22,40 Euro, danach 28 Euro
Mit
seiner 1982 erstmals erschienenen Arbeit erschloss Kurt Gossweiler
ein enormes Quellenmaterial zum sozialen Ursprung und Charakter des
deutschen Faschismus, zur Frühgeschichte der NSDAP und zu ihren
Verbindungen mit maßgeblichen Kreisen in Wirtschaft, Militär
und Politik. Er untersucht die Entstehungs- und
Entwicklungsbedingungen von Faschismus allgemein und im Besonderen
von dessen deutscher Variante, die sich selbst als
Nationalsozialismus bezeichnete, und zeigt, aus welchen politischen
und ideologischen Wurzeln sie hervorging. Ausführlich setzt sich
Gossweiler mit diversen Spielarten der Hitlerlegende auseinander. Er
zeichnet ein realistisches Bild der Person Hitler, ihrer politischen
Funktion und Wirkung. Damit hilft er, die Frage zu beantworten, wie
es der Nazi-Bewegung und ihrem „Führer“ wenige Jahre
später gelingen konnte, zur Macht zu gelangen, danach Schritt
für Schritt die Deutschen nahezu vollzählig hinter sich zu
bringen und sie schließlich fast widerstandslos ins Verderben
zu führen.
Kurt
Gossweiler: Der Putsch, der keiner war. Die Röhm-Affäre
1934 und der Richtungskampf im deutschen Faschismus. PapyRossa Verlag
2009. 500 S. (NB1132) 28 Euro
Daß die Mordaktion vom Juni
1934, der der Stabschef der SA, Ernst Röhm, zusammen mit einem
Großteil von deren Führungskorps zum Opfer fiel, eine
Präventivmaßnahme gegen einen drohenden Putsch gewesen
sei, glaubt kaum noch jemand. Bis heute hält sich dagegen die
Auffassung, es habe sich dabei um eine persönliche Abrechnung
und eine bloße Machtintrige innerhalb der Nazi-Führung
gehandelt. Allenfalls wird darin noch ein Machtkampf zwischen
Reichswehrgeneralität und SA-Führung gesehen. Demgegenüber
weist Kurt Gossweiler in seiner erstmals 1983 erschienenen und lange
vergriffenen Untersuchung auf der Basis eines umfassenden Archiv- und
Quellenstudiums nach, wie unzulänglich solche Interpretationen
sind. Überzeugend belegt er, daß die damaligen Ereignisse
Ausdruck eines Richtungskampfes zwischen den mächtigsten
Kapitalgruppen und zugleich der Versuch waren, eine Krise, die der
faschistischen Diktatur in ihrer Konsolidierungsphase drohte, mit
einem Gewaltstreich zu beenden.
Reinhard Opitz: Liberalismus – Faschismus – Integration. Edition aus dem Nachlaß in drei Bänden: Bd. 1: Liberalismus – Integration Bd. 2: Faschismus Bd. 3: Die „Röhm-Affäre“ BdWi-Verlag 2000. Drei Bände zus. 1496 S. (NB56) 152,40 Euro
Reinhard Opitz: Faschismus und Neofaschismus. Pahl-Rugenstein 1996. 476 S. (NB57) 25,50 Euro
Reinhard Opitz: Europastrategien des deutschen Kapitals 1900-1945. Pahl-Rugenstein. 1072 S. (NB58) 34,75 Euro
Hannah Arendt: Nach Auschwitz. Essays & Kommentare 1. Edition Tiamat 1989. 176 S. (NB135) 13 Euro
Hannah Arendt: Macht und Gewalt. Mit einem Interview von Adelbert Reif. Serie Piper. 144 S. (NB749) 9,90 Euro
Hannah Arendt: Eichmann in
Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. Mit
einem einleitenden Essay von Hans Mommsen. Serie Piper 1986. 448 S.
(NB800) 12,95 Euro
„Das Beunruhigende an der Person
Eichmanns war doch gerade, daß er war wie viele und daß
diese vielen weder pervers noch sadistisch, sondern schrecklich und
erschreckend normal waren und sind. Vom Standpunkt unserer
Rechtsinstitutionen und an unsren moralischen Urteilsmaßstäben
gemessen, war diese Normalität viel erschreckender als all die
Greuel zusammengenommen.“ Hannah Arendt
Alexander und Margarete
Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen
kollektiven Verhaltens. Serie Piper 396 S. (NB396) 12,90 Euro
Ihre
Weigerung, die Vergangenheit wahrzunehmen und zu verarbeiten, war in
der Nachkriegszeit als kollektives Phänomen der Deutschen zu
beobachten. Hellsichtig decken die beiden Autoren verborgene,
unbewußte Einstellungen und Verhaltensschemata auf, die bis in
die Gegenwart wirken.
Hannes Heer: Vom Verschwinden der
Täter. Der Vernichtungskrieg fand statt, aber keiner war
dabei. Aufbau Verlag 280 S. Hc. (NB721) 22,90 Euro
Eine
provokante Untersuchung zum deutschen Seelenfrieden. Zum ersten Mal
seit dem Ende der Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen
der Wehrmacht 1941 bis 1944“ äußert sich Hannes Heer
über Hintergründe der Kampagne gegen das Projekt, dessen
Leiter er war. Die Ausstellung hatte die Legende von der sauberen
Wehrmacht in Frage gestellt. Der Schock war entsprechend groß.
Die Versuche, die Ausstellung zu diffamieren, war nach vier Jahren
erfolgreich. Sie wurde zurückgezogen und durch eine neue, völlig
entschärfte Version ersetzt. Der Krieg und seine Verbrechen sind
darin wieder zum Werk einiger Spitzenmilitärs geworden. Sie
zeigt Taten ohne Täter. Das Verschwinden der Täter begann
indessen früher. Hannes Heer findet Indizien in Aufzeichnungen
und Nachkriegserinnerungen von Soldaten, im Wirken der Zensur bei den
Kriegsromanen Bölls und Remarques, in Ernst Jüngers
Umdeutung des eigenen Tagebuchs von 1942. Inzwischen sind auch
Nazi-Argumente kein Tabu mehr, wenn vonm Historikern den Juden die
Schuld am eigenen Tod gegeben wird, wenn sie von Politikern schlicht
zum Tätervolk erklärt werden oder, wie bei Jörg
Friedrich, die Deutschen im Bombenkrieg das gleiche Schicksal
erlitten haben wie die Juden.
Otto-Ernst
Duscheleit: Von der Waffen-SS zum Friedensdienst. Mein Weg aus
Schweigen und Vergessen. Mit einem Nachwort von Jürgen
Müller-Hohagen. Verlag Brandes & Apsel 2006. 208 S. mit Abb.
(NB986) 19,90 Euro
Otto-Ernst Duscheleit zeigt, daß es
auch für jemanden, der als junger Mann zum Handlanger eines
unmenschlichen Systems wurde, eine Alternatzive zum Verschweigen und
Verdrängen gibt. Er ist den Älteren ein Beispiel, daß
es nie zu spät ist, sich kritisch mit der eigenen Geschichte
auseinanderzusetzen. Und er wendet sich an die Jüngeren, indem
er mahnt, dem Faschismus nie wieder eine Chance zu geben.
Kurt Pätzold: Stalingrad und
kein Zurück. Wahn und Wirklichkeit. Militzke-Verlag. (NB641)
17,90 Euro
Am 23. November 1942 schloß eine sowjetische
Großoffensive den Ring um die von Generaloberst Friedrich
Paulus geführte 6. Armee. Die Schlacht um Stalingrad erreichte
ihren entscheidenden Wendepunkt. Der Autor konzentriert sich auf
Fragen, die bis heute umstritten sind: Wovon ließen sich Hitler
und seine Berater leiten, als sie im Frühjahr 1942 eine Million
deutscher Soldaten auf einen extrem abenteuerlichen Feldzug
schickten? Was ging in dem Armee-Oberbefehlshaber Paulus und den
eingeschlossenen Generalen vor, als sie sich in aussichtsloser Lage
jedes eigenen Entschlusses enthielten, ihre Untergebenen zu retten?
Wie blickten die militärischen Führer, die sich in
Gefangenschaft begaben und überlebten, auf ihre Rolle zurück?
Pätzolds Buch umfaßt den Zeitraum vom Frühjahr 1942
bis zum Ende des Winters 1943. Es mündet in die
Auseinandersetzung um die Frage, wie es den Machthabern gelingen
konnte, die politische, militärische, propagandistische und
psychologische Krise nach der Niederlage in Stalingrad zu überwinden
und das skrupellose Konzept „Wenn nicht Sieg, dann Untergang“
bis in die Maitage des Jahres 1945 zu verfolgen.
Ingrid Strobl: „Sag nie, du
gehst den letzten Weg“. Frauen im bewaffneten Widerstand
gegen Faschismus und deutsche Besatzung. Fischer Taschenbuch 1989.
352 S. (NB316z) 9,90 Euro
In den Ghettos Osteuropas, in den
besetzten Niederlanden, in Titos Partisanenarmee, von Lyon bis
Bialystok kämpften auch Frauen mit der Waffe gegen den
nationalsozialistischen Terror. Dieses Buch erzählt von ihrem
Widerstand.
Margaret Collins Weitz: Frauen in der Résistance. Unrast Verlag 2002. 428 S. Hardcover mit Schutzumschlag. Abbildungen. (NB801) 25 Euro
„Wir verreisen...“ in
die Vernichtung. Briefe 1937-1944. Herausgegeben von Hanne Hiob
und Gerd Koller. Eingeleitet und mit Erläuterungen von Kurt
Pätzold und Erika Schwarz. Aufbau Taschenbuch 1998. 220 S.
(NB317z) 8,15 Euro
Die privaten Briefe, die in diesem
einzigartigen Buch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht
werden, geben Einblick in den Alltag der jüdischen Bevölkerung
im Dritten Reich. Dieser Briefwechsel ist ein erschütterndes
Dokument, weil die hier Schreibenden sich nicht annähernd das
Ausmaß dessen vorstellen können, was allmählich mit
ihnen geschieht, geschweige denn, was sie erwartet – die
„Reise“ nach Theresienstadt und der sichere Tod in einem
Konzentrationslager.
Manfred Tietz:
„Meinen Mund schließt nur der Tod“. Mathias
Thesen 1891-1944. Eine biographische Dokumentation. Pahl-Rugenstein
Verlag 2007. 230 S. Mit Abb. (NB1048) 16,95 Euro
Ein
politisches Porträt des Duisburger KPD-Reichstagsabgeordneten
und Widerstandskämpfers Mathias Thesen in Bildern, Berichten und
Dokumenten – erweitert durch biographische Notiten über
einige seiner engsten Familienangehörigen, Weggefährten und
Mithäftlinge.
Ruth Werner:
Olga Benario. Verlag Neues Leben. 384 S., zahlr. Fotos. (NB999)
19,90 Euro
Olga Benario, 1908 als Tochter eines jüdischen
Rechtsanwalts in München geboren, geht als 17jährige
Jungkommunistin nach Berlin. In einer spektakulären
Befreiungsaktion entführt sie ihren Geliebten aus dem
Kriminalgericht Moabit und flüchtet anschließend nach
Moskau. An der Seite des Hauptmannes der Brasilianischen Armee Luiz
Carlos Prestes geht sie nach Brasilien, um die Revolution
vorzubereiten. Olga wird verhaftet und an die Gestapo ausgeliefert.
1936 kommt ihre Tochter im Gefängnis zur Welt. 1938 werden Kind
und Mutter getrennt. Olgas Weg führt über das KZ
Ravensbrück in die Euthanasie-Anstalt Bernburg. 1942 wird sie
vergast. Bis heute ist sie die bekannteste Deutsche in Brasilien,
Prestes ein Volksheld. Ruth Werners Romanbiographie handelt von
politischen Idealen und Widerstand im Dritten Reich, von einer
tapferen, mutigen Frau und einem ergreifenden Lebensschicksal.
Hellmut G.
Haasis: „Den Hitler jag ich in die Luft“. Der
Attentäter Georg Elser. Biografie. Neue, überarbeitete
Ausgabe. Edition Nautilus 2009. 400 S. mit 25 s/w-Illustrationen.
(NB1137) 19,90 Euro
München, 8. November 1939: Alles war
sorgfältig vorbereitet. In dreißig Nächten hatte
Georg Elser im Pfeiler hinter dem Rednerpult eine Bombe installiert.
Doch kurz bevor sie explodierte, hatte Hitler, früher als sonst,
den Bürgerbräukeller verlassen. Zum gleichen Zeitpunkt war
der Attentäter durch aberwitzige Umstände bereits
verhaftet. Noch während Hitler seine Zuhörer gegen England
aufstachelte, hatte Elser bei Konstanz versucht, unbemerkt in die
Schweiz zu gelangen. In seiner Jackentasche fanden die Zöllner
eine Postkarte des Bürgerbräukellers, die den „illegalen
Grenzgänger" später zum Verdächtigen machte. Er
wurde an die Gestapo nach München ausgeliefert und dort nach
schweren Folterungen zu einem Geständnis gezwungen. Am 9. April
1945 wurde der schwäbische Widerstandskämpfer im KZ Dachau
ermordet. Bis dahin suchte die Gestapo in endlosen Verhören nach
den „Hintermännern“. Hitler und Himmler wollten
nicht glauben, daß Elser allein gehandelt hatte; es mußte
Drahtzieher geben. Es gab sie aber nicht – ein Umstand, der
später auch die Historiker verwirrte: Ein Handwerker, der keiner
politischen Gruppe angehörte, ein Einzelner, der früh
erkannte, daß der Kriegstreiber Hitler nur mit Gewalt gestoppt
werden kann, passte in keine ideologische Schublade. „Das
Buch beschämt auch die bürgerliche Geschichtsschreibung,
die sich lange weigerte, einen Mann zu akzeptieren, der das
frühzeitig zu tun versuchte, wozu die deutschen Eliten aus
Militär, Adel und Großbürgertum nicht fähig
waren.“ Wilhelm von Sternburg in „Die Zeit“.
Peter-Paul Zahl: Johann Georg Elser. Ein deutsches Drama. Trotzdem Verlag. 128 S. (NB796) 10 Euro
Alexander Goeb: Er war sechzehn,
als man ihn hängte. Das kurze Leben des Widerstandskämpfers
Bartholomäus Schink. Rororo 1981. 160 S. (NB318) 4,55
Euro
Bartholomäus Schink war Mitglied der Kölner
„Edelweißpiraten“, einer Jugendgruppe. Sie machten
Wanderungen, sangen am Lagerfeuer bündische Lieder und prügelten
sich mit der HJ. Zuletzt führten sie einen verzweifelten
Partisanenkampf gegen die Gestapo. Am 10.11.1944 wurde der gerade
16jährige im Kölner Arbeiterviertel Ehrenfeld öffentlich
gehenkt. Er galt als „Staatsfeind“ und „Schwerverbrecher“
– und ist bis heute nicht als Widerstandskämpfer
anerkannt.
Detlef Bald: Die „Weiße
Rose“. Von der Front in den Widerstand. Aufbau Taschenbuch
2004. 256 S. Mit Abb. (NB742) 9,50 Euro
Tief erschüttert
von den entsetzlichen Zügen der Barbarei, wollten die Akteure
der „Weißen Rose“ nicht mehr „nur“ über
die Diktatur des Bösen aufklären, sondern einen „Umsturz
herbeiführen“, damit staatliche Macht demokratisch
gebändigt werden könnte. Die Erfahrungen während des
Einsatzes als Sanitätsfeldwebel an der Ostfront im Sommer 1942
haben Hans Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf, Hubert
Furtwängler und andere Mitglieder der Gruppe entscheidend
motiviert, vom passiven zum aktiven öffentlichen Widerstand
überzugehen. Der Historiker Detlef Bald belegt dies anhand
unveröffentlichter Akten, Briefe und Aufzeichnungen.
Harry Mulisch: Strafsache 40/61.
Eine Reportage über den Eichmann-Prozeß. Aufbau
Taschenbuch. 240 S. (NB563) 7,95 Euro
Adolf Eichmann war im
NS-Staat für die „Endlösung der Judenfrage“
zuständig. 1960 wurde er von Agenten des israelischen
Geheimdienstes in Argentinien aufgespürt und nach Jerusalem
entführt. Vor Gericht zeigte er keine Reue. Der Mann, der
Millionen Menschen in den Tod schlickte, erklärte sich für
„nicht schuldig“. Der Bericht des niederländischen
Autors entstand 1961.
Pierre Joffroy: Der Spion Gottes.
Kurt Gerstein. Ein SS-Offizier im Widerstand? Aufbau Taschenbuch
2002. 560 S. (NB582) 10 Euro
Kurt Gerstein ist eine der
widersprüchlichsten und rätselhaftesten Gestalten der
jüngeren deutschen Geschichte. Hochhuths „Stellvertreter“
machte sein Schicksal in den 60er Jahren bekannt. Der Regisseur
Costa-Gavras setzt ihn in seinem Film „Der Augenzeuge“
(mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle) ein Denkmal.
Peter Gingold:
Paris – Boulevard St. Martin No. 11. Ein jüdischer
Antifaschist und Kommunist in der Résistance und der
Bundesrepublik. Hg. von Ulrich Schneider. PapyRossa Verlag 2009. 188
S. mit Abb. (NB1103) 14,90 Euro
Peter Gingold (1916-2006) war
einer der profiliertesten jüdischen Widerstandskämpfer und
Kommunisten in der Bundesrepublik. Besonders seit den 70er Jahren
trat er als Redner auf politischen Kundgebungen gegen Naziaufmärsche
und als Zeitzeuge in Schulen und bei Jugendgruppen auf. Er hatte viel
zu berichten: Die Zeit des aufkommenden Faschismus in Deutschland,
Exil in Frankreich und Widerstand in den Reihen der Résistance
(Illegalität, politische Agitation unter deutschen
Besatzungssoldaten, Flucht aus den Fängen der Gestapo und
Teilnahme am Aufstand zur Befreiung von Paris 1944). Den 8. Mai 1945,
das „Morgenrot der Menschheitsgeschichte“, erlebte er in
Turin mit der italienischen Resistenza. Zurückgekehrt nach
Deutschland, gestaltete er dort den politischen Neuanfang aktiv mit,
musste jedoch erleben, wie er und seine Familie danach fast zwei
Jahrzehnte der erneuten Verfolgung, der Ausbürgerung und des
Berufsverbots erlebten. Trotzdem verstand er sich stets als
„Mut-Macher“, seine Maxime: „Nie aufgeben!“
Karl Heinz Jahnke: Antifaschisten. Unbequeme Zeugen des 20. Jahrhunderts. Pahl-Rugenstein-Verlag Bonn 1994. 232 S.(NB151) 14,90 Euro
Karl Heinz Jahnke: Antifaschisten. Unbequeme Zeugen des 20. Jahrhunderts. Zweiter Band. Pahl-Rugenstein-Verlag Bonn 1996. 256 S.(NB149) 14,90 Euro
Allan Merson: Kommunistischer
Widerstand in Nazideutschland. Vorwort Peter Gingold.
Pahl-Rugenstein-Verlag 1999. 312 S. (NB150) 25,50 Euro
13 Jahre
nach Erscheinen dieses Standardwerks des britischen Historikers
machte der Pahl-Rugenstein-Verlag das Buch in deutscher Sprache
zugänglich.
Gruppe MAGMA: „Denn Angriff
ist die beste Verteidigung“. Die KPD zwischen Revolution
und Faschismus. Pahl-Rugenstein 2001. 296 S. Hc. (NB515) 18,50
Euro
„Die KPD zwischen Revolution und Faschismus“
bedeutet zugleich eine zeitliche und inhaltliche Eingrenzung: Für
die Jahre 1918 bis 1933 will das Buch im ersten Teil einen Überblick
über das politische Profil wie über die Faschismusanalyse
der KPD im Rahmen der Weimarer Republik geben. Im zweiten Teil wird
danach gefragt, was für die Partei die Kategorie Volk bedeutete,
wie sie zu Nationalismus und Antisemitismus sowie zur Frauenbewegung
stand. Das Werk schließt mit fünf prägnanten Thesen
über die KPD.
Heinrich Hannover: Der Mord an Ernst Thälmann. Eine Anklage. Röderberg-Programm im Pahl-Rugenstein-Verlag. (NB152) 8,60 Euro
Emil Carlebach: Hitler war kein Betriebsunfall. Hinter den Kulissen der Weimarer Republik: Die Programmierte Diktatur. 7., aktualisierte und erweiterte Aufl. Pahl-Rugenstein 1996. 224 S. (NB153) 12,90 Euro
Thomas Keneally: Schindlers Liste.
Roman. Goldmann Taschenbuch. 352 S. (NB347) 9,95 Euro
Der Roman
war die Vorlage des Films von Steven Spielberg.
Günther Weisenborn: Der lautlose Aufstand. Bericht über die Widerstandsbewegung des deutschen Volkes 1933-1945. Röderberg-Verlag Frankfurt. (NB154) 14 Euro
Peter Berens:
Trotzkisten gegen Hitler. Neuer ISP-Verlag 2007. 224 S. (NB1014)
19,80 Euro
Die aus starken „ultralinken“
kommunistischen Oppositionsströmungen entstandene Linke
Opposition der KPD (LO) an Rhein und Ruhr trat für die
Einheitsfront aller Arbeiter gegen den Nationalsozialismus ein.
Mitglieder einer westdeutschen LO-Kampfgruppe leisteten am 5. März
1933, dem Tag der Reichtagswahl, bewaffneten Widerstand gegen SA und
Polizei. In der Illegalität arbeiteten sie, nun als
Internationale Kommunisten Deutschlands (IKD), eng mit der
Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) zusammen. Der Schwerpunkt der
trotzkistischen Widerstandsarbeit lag in Betrieben, Kirchenkreisen
und legalen bürgerlich-jüdischen Organisationen.
Westdeutsche Exilanten waren führend in der Auslandsleitung der
IKD tätig. Ende 1935 konnte die Gestapo die Bezirksleitung
Rhein-Ruhr der IKD verhaften und viele Strukturen zerschlagen. Doch
auch danach ging die Widerstandstätigkeit u.a. in Zuchthäusern
und KZs weiter, wobei die Frauen eine wichtige Rolle spielten. Mit
dem Zweiten Weltkrieg brachen die Verbindungen zur Exilleitung ab,
die sich zudem vom Marxismus wegentwickelte. Nur wenige Überlebende
sorgten 1945 für einen Neuanfang.
Emil Carlebach, Willy Schmidt, Ulrich Schneider: Buchenwald. Ein Konzentrationslager. Berichte, Bilder, Dokumente. Herausgegeben im Auftrag der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora. Pahl-Rugenstein-Verlag Bonn 2000, 2., verbesserte Auflage 2005. 192 S. im Großformat, zahlr. Abbildungen. (NB824) 24,90 Euro
Thomas „Toivi“ Blatt:
Sobibór – der vergessene Aufstand. Aus dem
Englischen übersetzt und mit Nachbetrachtungen versehen von
Heike Kleffner und Miriam Rürup. Unrast Verlag – Reihe
antifaschistischer Texte, 2004. 256 S. Und 66 Bildtafeln. (NB761) 18
Euro
„Eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte
von Sobibór und der Geschichte des Holocaust überhaupt
ist der Aufstand am 14. Oktober 1943, der zum Ende des Lagers führte.
Ich habe Sobibór aufgrund dieses Aufstandes überlebt und
habe seitdem immer das Gefühl gehabt, daß seine Geschichte
und die von Sobibór als Ganzes erzählt werden muß.“
Artur Roth: Unter den Augen der SS. Otto Roth und der bewaffnete Aufstand im KZ Buchenwald. Pahl-Rugenstein-Verlag 1995. 200 S. Einige Abb. (NB157) 12,90 Euro
Bruno Apitz: Nackt unter Wölfen.
Roman. Aufbau-Taschenbuch 1999. 432 S. (NB190) 9,95
Euro
Tatsachenroman über die letzten Wochen im KZ
Buchenwald bis zur Selbstbefreiung.
Gisela Karau: Der gute Stern des
Janusz K. Eine Jugend in Buchenwald. Roman. Verlag 1900 Berlin
1994. 160 S. (NB158) 15,20 Euro
Dieses Buch erzählt die
wahre Geschichte einer Gruppe polnischer Jungen, die 1939 ins
Konzentrationslager Buchenwald verschleppt wird. Als Robert Siewert,
Maurer und selbst Gefangener in Buchenwald, die Kinder im Lager
ankommen sieht, faßt er einen Plan, wie sie vor dem sicheren
Tod gerettet werden könnten. Ob sein Plan gelingt? „Es
geht um die Vermittlung von historischem Wissen. Angesichts
rechtsradikaler Tendenzen der Gegenwart kann das Buch zugleich
helfen, jungen Lesern die Augen zu öffnen und sie zu warnen.“
(aus einer Empfehlung der Stiftung Lesen).
Eugen Kogon:
Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. Heyne
Taschenbuch. 432 S. (NB823) 9,95 Euro
Kogons Bericht stützt
sich auf 150 Einzelprotokolle und eigene Erlebnisse als Inhaftierter.
Wiederholt wollte der Autor sein Manuskript vernichten, so furchtbar
war sein Inhalt. Aber er verwirklichte seine Absicht, die nackte
Wahrheit zu schildern, objektiv, nichts zu verändern, nichts zu
beschönigen und nichts zu verschweigen. So entstand ein
historisches Werk ersten Ranges, das die Öffentlichkeit zum
ersten Mal mit einer bis dahin für unvorstellbar gehaltenen
Wirklichkeit konfrontierte.
Katja Limbächer, Maike Merten, Bettina Pfefferle (Hg.): Das
Mädchenkonzentrationslager Uckermark. Unrast Verlag 2. Aufl.
2005. 328 S. (NB845) 18 Euro
Im Frühjahr 1942 wurde das
Mädchenkonzentrationslager Uckermark von Häftlingen des
Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück errichtet, 1945 zählte
das Lager ca. 1.000 Mädchen und junge Frauen. Ein Erlaß
von 1937 über die „vorbeugende Verbrechensbekämpfung“
hatte die Deportation von als „asozial“ kriminalisierten
Mädchen möglich gemacht. Bis heute kämpfen viele
dieser Frauen um ihre Anerkennung als Verfolgte und um einen dem
Erinnern angemessenen politischen Umgang mit dem Gelände des
ehemaligen Mädchen-KZs. Mitunter erhält man dabei den
erschreckenden Eindruck der Kontinuität der Diskriminierung
dieser Frauen. Der vorliegende Sammelband faßt
Überlebensberichte, historisches Wissen, neue Recherchen und
Forschungsergebnisse zusammen. Darüber hinaus werden anregende
Diskussionen um eine mögliche Gestaltung der Gedenkstätte
geführt.
Ceija
Stojka: Träume ich, daß ich lebe? Befreit aus
Bergen-Belsen. Hg. von Karin Berger. Picus-Verlag 2005. 120 S. Ln.
(NB877) 14,90 Euro
„Mit der präzisen
Beobachtungsgabe einer Elfjährigen nahm Ceija in Bergen-Belsen
die Welt um sich herum auf. Als Zweiundsiebzigjährige beschreibt
sie diese Eindrücke nun in detailreicher und konkreter Sprache
und entwirft dabei Bilder von magischer Kraft. Ceija Stojka ist eine
großartige Erzählerin. Sie ist mit den Geschichten ihrer
Großmutter aufgewachsen und tief in der uralten Erzählkunst
der Rom verwurzelt. Das wird in ihrem Erinnern spürbar: Worüber
sie erzählt, ist oft schrecklich. Wie sie es erzählt, ist
wunderbar.“ (Klappentext).
Gisela Spier-Cohen: Weggerissen. Erinnerungen an Theresienstadt. Jonas Verlag 2006. 80 S. (NB953) 13 Euro
Jules
Schelvis: Eine Reise durch die Finsternis. Ein Bericht über
zwei Jahre in deutschen Vernichtungs- und Konzentrationslagern.
Unrast Verlag 2005. 192 S. (NB811) 16 Euro
Am 1. Juni 1943
wurden von den deutschen Besatzern 3006 jüdische Männer,
Frauen und Kinder aus dem holländischen Durchgangslager
Westerbork in den Osten deportiert. Vier Tage später kamen sie
in dem ostpolnischen Dorf Sobibór an. Niemand konnte ahnen,
daß am Ende des Tages nur noch 81 junge Männer am Leben
sein würden. Der Autor dieses Buches, Jules Schelvis, war einer
von ihnen. An diesem Tag brach für Jules Schelvis eine Zeit von
zwei Jahren in deutschen Vernichtungs- und Konzentrationslagern an,
die ihn über die Stationen Sobibór, Dorohucza, Lublin,
Radom, Tamaszów, Auschwitz ins schwäbische Vaihingen
führte, wo er am 8. April 1945 befreit wurde. Er schrieb seine
„Reise durch die Finsternis“ direkt nach seiner Befreiung
auf. Dieses jetzt auf Deutsch erschienene Buch soll Zeugnis sein
gegen das Vergessen der Verbrechen des Nationalsozialismus.
Ihrer Stimme Gehör geben. Gegen das Vergessen. Überlebensberichte ehemaliger Häftlinge des KZ Flossenbürg. Hg. Von Bernhard Füßl und Sylvia Seifert (Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg e.V.). Pahl-Rugenstein 2001. 140 S. Pb. (NB609) 12,90 Euro
Mark Roseman: In einem unbewachten
Augenblick. Eine Frau überlebt im Untergrund. Aufbau Verlag
2002. Gebunden. (NB569z) 25 Euro.
In einem unbewachten
Augenblick, in dem die Gestapo ihre ganze Familie verhaftet, entkommt
Marianne Strauß und ist von diesem Moment an auf der Flucht:
eine 19jährige Jüdin 1943 in Nazideutschland.
Christiane Kohl: Der Himmel war
strahlend blau. Vom Wüten der Wehrmacht in Italien.
Picus-Verlag 2004. 240 S. Ln. (NB772) 19,90 Euro
Ein Buch über
ein dunkles Kapitel deutsch-italienischer Geschichte: Christiane
Kohls Reportagen über das Wüten der Wehrmacht und der
Waffen-SS in Italien nach dem Sturz Mussolinis vereinen auf
eindrucksvolle Weise den zeitgeschichtlichen Blick mit der
Gegenwartsperspektive.
Jochen Kast / Bernd Siegler /
Peter Zinke: Das Tagebuch der Partisanin Justyna. Jüdischer
Widerstand in Krakau. Elefantenpress 1999. 320 S. (NB76z) 20,40
Euro
Die Krakauer „Vereinigte jüdische
Kämpferorganisation“ entwickelte eine in Polen
einzigartige Taktik gegen die Vernichtungspolitik der Nazis: Sie
wandte in der Hauptstadt des „Generalgouvernements“ mit
bemerkenswertem Erfolg ein Konzept der Stadtguerilla an. Den ersten
Teil dieses Buches bildet das 1943 in Gestapo-Haft aus
Sicherheitsgründen in Form einer Erzählung in der dritten
Person geschriebene „Tagebuch“ der Partisanin Gusta
Davidson-Draenger, alias Justyna, das die wichtigsten Ereignisse
dieses Kampfes schildert. Im zweiten Teil kommen vier ehemalige
jüdische Widerstandskämpfer aus Krakau zu Wort. Im dritten
Teil werden Auszüge aus der jüdischen
Untergrund-Zeitschrift „Hechaluz Halochem“ erstmals auf
deutsch veröffentlicht.
Jim G. Tobias, Peter Zinke: Nakam
– Jüdische Rache an NS-Tätern. Konkret 2000. 176
S., einige Abb. (NB258z) 15,35 Euro
Kurz nach der Befreiung ist
für den Großteil der Holocaust-Überlebenden das
Bedürfnis nach Rache übermächtig. Weder Trauer noch
Angst, weder Glück noch Hoffnung: Kein Gefühl ist so stark
wie das Verlangen nach Vergeltung. Doch nur ein paar Dutzend
ehemalige Partisanen, KZ-Häftlinge und Angehörige der
„Jewish Brigade“ setzen ihre Racheschwüre in die Tat
um. Über ein halbes Jahrhundert waren diese Pläne und
Aktionen weitgehend unbekannt. Jim G. Tobias und Peter Zinke suchten
einige der ehemaligen „Rächer“ in Israel auf und
befragten sie zu ihren Motiven und Reaktionen. Zudem werteten sie
bisher kaum bekannte Dokumente aus.
Petra Bonavita: Mit falschem Pass und Zyankali. Retter und Gerettete aus Frankfurt am Main in der NS-Zeit. Schmetterling Verlag 2009. 192 S. mit zahlr. Abb. (NB1119) 19,80 Euro
Anne Frank: Tagebuch. Fischer Taschenbuch 1992. 320 S. Mit Abb. (NB314) 7,90 Euro
Erica Fischer: Aimée &
Jaguar. Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943. dtv 1998. 368 S.
(NB385) 9,90 Euro
Lilly Wust, Hausfrau und Mutter, und die
aparte Felice Schragenheim lernen einander kennen und verlieben sich.
Für beide ist es die große Liebe. Doch ihr Glück
währt nur etwas mehr als ein Jahr. Felice ist Jüdin. Sie
wird 1944 von der Gestapo verhaftet und nach Theresienstadt
deportiert.
Hans Peter Richter: Damals war es
Friedrich. Dtv junior – Pocket-Bücher für
Jugendliche. 176 S. (NB386) 5,95 Euro
Zwei Jungen wachsen im
selben Haus auf und gehen in dieselbe Schulklasse. Sie werden
Freunde, und jeder ist in der Familie des anderen daheim. Doch
Friedrich Schneider ist Jude, und allmählich wirft der Schatten
des Nationalsozialismus seine Schatten über ihn. Friedrichs
Freund kann ihm immer weniger zur Seite stehen. Langsam gleitet die
Geschichte aus der heilen Kinderwelt in ein unfaßbares Dunkel.
Uri Orlev: Die Insel in der
Vogelstraße. Ravensburger. 192 S. (NB387) 5,50 Euro
Ein
jüdisches Ghetto 1943: Bei der Deportation der Juden kann der
elfjährige Alex fliehen. Eine Riune wird für 5 Monate seine
Insel. Hier harrt er aus wie Robinson, erlebt den Aufstand, die SS,
aber auch die Zuneigung eines Mädchens und endlich die Rückkehr
des Vaters.
Julius Fucik: Reportage unter dem
Strang geschrieben. Erste vollständige deutsche Ausgabe.
Pahl-Rugenstein-Verlag 2000. 160 S. Hardcover mit Bildteil. (NB209)
12,75 Euro
Geschrieben im Gestapogefängnis Pankrác
im Frühjahr 1943. Julius Fucik, Redakteur der kommunistischen
Zeitung Rude Pravo, war eine Schlüsselfigur des
tschechoslowakischen Widerstandes gegen die Nazi-Besatzung. Er wurde
1943 vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und
hingerichtet. Seine Aufzeichnungen wurden heimlich aus dem Gefängnis
geschmuggelt. 1989 zettelte Präsident und „Bürgerrechtler“
Vaclav Havel eine schäbige Verleumdungskampagne gegen den
ermordeten Widerstandskämpfer Julius Fucik an.
Vera Friedländer: Die Kinder
von La Hille. Flucht und Rettung vor der Deportation. Mit 112
Abbildungen. Aufbau Taschenbuch 2004. 336 S. (NB704) 10,95
Euro
Einhundert jüdische Kinder aus Deutschland und
Österreich flohen mit ihren jungen Betreuern in Güterwaggons
aus dem besetzten Belgien nach Südfrankreich. Am Fuß der
Pyrenäen fanden sie Zuflucht im verlassenen Schloß La
Hille. Dank der Unterstützung von französischen Bauern,
Schweizer Lehrern und Rot-Kreuz-Mitarbeitern konnten die meisten
Kinder überleben. Vera Friedländer schildert die bewegende
Geschichte dieser Kinderrepublik – eine Geschichte von
schmerzlichen Trennungen, Angst vor dem Entdecktwerden, fröhlichen
Spielen, trotzigem Widerstand und Lebensmut.
Marion Schreiber: Stille Rebellen.
Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz. Mit
einem Vorwort von Paul Spiegel. Aufbau-Verlag 2000. Hc. Mit
Schutzumschlag. (NB174) 20,40 Euro
Widerstandsaktion gegen die
Deportation belgischer Juden nach Auschwitz: Drei junge Männer,
ehemalige Schulfreunde, führten diese spektkuläre Tat aus,
die bewaffnete Partisanen als zu riskant verworfen hatten.
Marion Schreiber: Stille Rebellen.
Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz. Mit
einem Vorwort von Paul Spiegel. Aufbau-Taschenbuch 2002. 368 S.
(NB555) 9,50 Euro
Taschenbuchausgabe.
Wolfgang Wippermann: Konzentrationslager. Geschichte, Nachgeschichte, Gedenken. Elefantenpress 1999. 176 S. (NB81z) 13,75 Euro
Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Fischer Taschenbücher 3 Bände im Schuber (NB155) 19,95 Euro
Raul Hilberg: Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933-1945. Fischer Taschenbuch 1996. 368 S. (NB311) 9,90 Euro
Ernst Klee: Was sie taten – Was sie wurden. Ärzte, Juristen und andere Beteiligte am Kranken- und Judenmord. Fischer Taschenbuch 1986. 368 S. Mit Abb. (NB312) 11,90 Euro
Ernst Klee: Persilscheine und falsche Pässe. Wie die Kirchen den Nazis halfen. Fischer Taschenbuch 1991. 192 S. Mit Abb. (NB313) 8,95 Euro
Uki
Goñi: Odessa. Die wahre Geschichte. Fluchthilfe für
NS-Kriegsverbrecher. Assdoziation A 2006. 400 S. (NB944) 22 Euro
Der
Name „Odessa“ steht für eines der irritierendsten
Kapitel der Nachkriegsgeschichte: die massenhafte Flucht namhafter
NS-Kriegsverbrecher – unter ihnen Adolf Eichmann, Klaus Barbie
und Josef Mengele –, die sich mit Hilfe eines hoch
organisierten Netzwerkes der Gerichtsbarkeit entziehen konnten. Der
argentinische Historiker und Journalist Uki Goñi hat auf der
Basis langjähriger Recherchen in US-amerikanischen,
argentinischen und europäischen Archiven bisher unbekannte
Quellen erschlossen und durch 200 Zeitzeugeninterviews untermauert.
Seine umfassende Untersuchung zeichnet nach, auf welchen –
„Ratlines“ genannten – Fluchtrouten und mit Hilfe
welcher staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen es tausenden
von Nazis, Ustascha-Faschisten und Vertretern anderer europäischer
Kollaborationsregime gelang, nach Lateinamerika zu entkommen. Goñis
Standardwerk legt erstmals den Blick auf das gesamte Panorama dieser
komplexen Operation frei. Hauptaufnahmeland und zentrale Drehscheibe
war Argentinien unter Juan Domingo Perón. Die
Fluchthilfeorganisation verfügte über Basen in
Skandinavien, Spanien und Italien, aktive Hilfe leisteten Schweizer
Behörden – und im Vatikan liefen alle Fäden zusammen.
Gaby Weber: Daimler-Benz und die
Argentinien-Connection. Von Rattenlinien und Nazigeldern. Hg.
Von: Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre,
Informationsstelle Lateinamerika (ila), LabourNet Germany.
Assoziation A 2004. 144 S. (NB771) 10 Euro
Der Mythos: Bei
Kriegsende liegt das Reich in Schutt und Asche, und nach wenigen
Jahren blühen industrielle Landschaften. Tabu ist die Frage, ob
das deutsche Wirtschaftswunder nicht auf den Gewinnen der
NS-Vernichtungsmaschine beruht. Sie stammen aus der „Arisierung“
des jüdischen Vermögens, aus den Zahngold der Kzs, aus der
Ausbeutung der Arbeitskraft der Zwangsarbeiter, aus der Plünderung
der Zentralbanken und der Einverleibung der Fabriken in den besetzten
Ländern. Man weiß, diese Gewinne wurden in der Schweiz
versteckt. Man weiß nicht, wie diese Gewinne in den Kreislauf
der Nachkriegswirtschaft geleitet wurden. Die in Südamerika
lebende Autorin Gaby Weber hat jahrelang recherchiert, in der
argentinische Zentralbank, dem Innenministerium, der Fremdenpolizei.
Ihr Ergebnis: Nazigeld wurde gewaschen über den Umweg Zürich
und Buenos Aires.
Inge Scholl: Die weiße Rose. Fischer Taschenbuch. 144 S. (NB161) 7,95 Euro
Gerd R. Überschär (Hg.):
Der 20. Juli. Das „andere Deutschland“ in der
Vergangenheitspolitik nach 1945. Elefantenpress 1998. 448 S. (NB36z)
17,90 Euro
Mit erheblicher Verspätung hat sich die
Forschung nach 1945 mit dem deutschen Widerstand gegen das
Hitler-Regime auseinandergesetzt. Eine Reflexion der
Rezeptionsgeschichte dieses Themas, das gern auf das Symboldatum „20.
Juli“ verkürzt wird, stand jedoch noch aus. Dieser
Sammelband enthält Beiträge zum Umgang mit diesem Kapitel
deutscher Geschichte. Er befaßt sich u.a. Mit der Haltung der
Siegermächte, mit der Historiografie in Westdeutschland und der
DDR nach 1945, die sich auch in der Darstellung in den Medien und
Schulbüchern offenbarte, und mit dem Umgang mit Überlebenden
des deutschen Widerstands. Darüber hinaus wird der Widerstand
als „Bewältigungsproblem“ wichtiger
Gesellschaftsbereiche wie z.B. Justiz, Kirche und Militär
thematisiert.
Hermann Nehls / Kurt Schilde (Hg.): Befreiung. Das Erbe des Nationalsozialismus aus gewerkschaftlicher Sicht. Elefantenpress 1996. 288 S. (NB45z) 12,80 Euro
Fritz Teppich (Hg.): Spaniens
Himmel. Volksfront und Internationale Brigaden gegen den
Faschismus 1936-1939. Elefantenpress 1986/1996. 104 S. Im Großformat
mit zahlreichen Abbildungen. (NB61z) 10,90 Euro
Ausstellungskatalog.
Mit einer Einleitung von Hermann L. Gremliza
Harry Fisher: Comrades.
Bericht eines US-Interbrigadisten im spanischen Bürgerkrieg. Mit
einem Vorwort von Pete Seeger. Pahl-Rugenstein 2001. 248 S. Hc.
(NB610) 18,40 Euro
Gegen den Faschismus in Spanien kämpften
auch rund 3000 US-Interbrigadisten. Wer waren diese Amerikaner, die
als erste ihr Leben gegen den Faschismus in Europa in die Waagschale
warfen und in den USA nach 1948 in der McCarthy-Ära Verfolgungen
durch das FBI ausgesetzt waren. Hier berichtet einer, der dabei war.
Jelena
Rshewskaja, Stefan Doernberg: Hitlers Ende ohne Mythos.
Augenzeugen berichten. Verlag Neues Leben 2005. 128 S. Pb. (NB1084)
10 Euro
Eine junge Frau und ein junger Mann sind in der
Reichskanzlei. In Berlin wird noch geschossen. Sie sehen, wie
verkohlte Leichen geborgen werden – die Überreste von
Hitler und Goebbels. Jelena Rshewskaja gehörte als Dolmetscherin
jenem Truppenteil an, dem die Suche nach Hitler aufgetragen war –
„tot oder lebendig“. Stefan Doernberg dolmetschte die
Kapitualtionsverhandlungen. Beide waren Offiziere der Roten Armee.
Jelena Rshewskaja schildert den Kampf um die Reichskanzlei und die
Suche nach Hitler authentisch und unverfälscht. Stefan
Doernbergs Vorwort ergänzt ihre Erinnerungen aus eigenem
Erleben.
Ulrich Sander:
Mörderisches Finale. NS-Verbrechen bei Kriegsende. PypyRossa
2008. 192 S. (NB1046) 14,90 Euro
Kurz vor der Befreiung wurden
im Frühjahr 1945 Tausende Nazigegner »ausgeschaltet«.
Gegen deutsche und ausländische Antifaschisten wie gegen
Wehrmachtssoldaten, die sich am Wahnsinn nicht mehr beteiligen oder
ihm ein Ende bereiten wollten, wurde ein groß angelegter
Mordfeldzug in Gang gesetzt, um einen antifaschistischen Neubeginn
nach dem Krieg im Keime zu ersticken. SS, Gestapo, aber auch einfache
NSDAP-Mitglieder, Volkssturmmänner und Hitlerjungen nahmen teil
an Massakern im Ruhrkessel, an Erschießungen in vielen Städten
und Dörfern, am Mord an Gefangenen aus KZs und Zuchthäusern
auf Todesmärschen, an Standgerichten gegen Deserteure. Die
Verbrechen in der allerletzten Phase des Krieges waren sowohl
örtliche Amokläufe als auch Teil der Nachkriegsplanungen
des deutschen Faschismus. Ulrich Sander bilanziert das Ausmaß
der Verbrechen, um die Opfer dem Vergessen zu entreißen und die
Täter zu benennen. Er liefert eine erste – wenn auch
unvollständige – Gesamtdarstellung dieser Vorgänge.
Mit einem Personenregister.
Ulrich Sander: Mord im
Rombergpark. Tatsachenbericht. Hg. Vom Internationalen
Rombergparkkomitee. Grafitverlag Dortmund 1995. 120 S. (NB140z) 6,05
Euro
Die alliierten Truppen standen schon vor Dortmund, als die
SS Gegner des Naziregimes im Rombergpark und in der Bittermark
ermordete. Diese Morde dienten schon der Nachkriegspolitik der Nazis:
Wenn sie schon nicht mehr selbst herrschen konnten, so sollten es
ihre Geldgeber und kapitalkräftigen Nutznießer tun. Auf
keinen Fall sollten die Linken, die Arbeiterbewegung bestimmen
dürfen.
Lore Junge: Mit Stacheldraht
gefesselt. Die Rombergparkmorde. Opfer und Täter.
RuhrEcho-Verlag 1999. 168 S. (NB146) 10,20 Euro
Die alliierten
Truppen standen schon vor Dortmund, als die SS Gegner des Naziregimes
im Rombergpark und in der Bittermark ermordete. Diese Morde dienten
schon der Nachkriegspolitik der Nazis: Wenn sie schon nicht mehr
selbst herrschen konnten, so sollten es ihre Geldgeber und
kapitalkräftigen Nutznießer tun. Auf keinen Fall sollten
die Linken, die Arbeiterbewegung bestimmen dürfen.
Robert Merle: Der Tod ist mein
Beruf. Roman. Aufbau-Verlag Berlin. 320 S. (NB141) 10
Euro
Tatsachenroman über das Leben des KZ-Kommandanten von
Auschwitz Rudolf Höß. Von Theodor Kotula verfilmt (“Aus
einem deutschen Leben“).
Rosemarie
Schuder, Rudolf Hirsch: Nr. 58866: „Judenkönig“.
Aus dem Leben des Kurt Julius Goldstein. PapyRossa Verlag 2005. 296
S. Geb. einige Abb. (NB817) 19,80 Euro
Kurt Julius
Goldstein wurde am 3. November 1914 als jüngster Sohn einer
jüdischen Kaufmannsfamilie in Hamm/Westfalen geboren. Sein Leben
ist eine Geschichte von Verfolgung, Leid und Tod, aber ebenso von
Liebe, Haß und Widerstand. 1933 Emigration nach Luxemburg,
Frankreich und Palästina, Mitglied der Internationalen Brigaden
in Spanien, Internierung in Südfrankreich, Auslieferung an die
Nazis und Deportation nach Auschwitz, Sklavenarbeit in einer
Kohlengrube, Zeuge der Selbstbefreiung in Buchenwald. Heute lebt Kurt
Julius Goldstein in Berlin und ist Ehrenpräsident des
Internationen Auschwitz-Komitees.
Kurt Goldstein: Wir sind die
letzten - fragt uns. Spanienkämpfer, Auschwitz- und
Buchenwaldhäftling. Reden und Schriften (1974-2004) mit einer
autobiographischen Einführung. Pahl-Rugenstein-Verlag 1999, 2.
stark erweiterte Auflage 2004. 328 S. (NB825) 24,90
Euro
„Wesentlicher Teil meiner Beziehung zur jüdischen
Kultur ist das, was sie zur deutschen Kultur beigetragen hat. Jeder,
der es wissen wollte, der wußte, daß ich gewissermaßen
drei Bürden mit mir durchs Leben trage: Deutscher zu sein, das
war nach 1945 nicht ganz einfach. Und dann war ich Kommunist und
Jude... Ich bin ein deutscher, jüdischer Kommunist. In
Deutschland bin ich geboren. Jude zu sein, das ist ein Stück
meiner kulturellen, und Kommunist zu sein, Teil meiner politischen
Identität.“
Esther Bejarano / Birgit Gärtner:
Wir leben trotzdem. Esther Bejarano – vom Mädchenorchester
in Auschwitz zur Künstlerin für den Frieden. Hg. Vom
Auschwitzkomitee in der Bundesrepublik. Pahl-Rugenstein Verlag 2004.
264 S. Mit Abb. Hc. (NB732) 19,90 Euro.
Esther Bejarano,
Mitbegründerin und Vorsitzende des Auschwitz-Komitees, Musikerin
und unermüdliche Zeitzeugin der NS-Verbrechen, legt den
Erfahrungsschatz ihres 80jährigen Lebens in dieser Biografie
vor.
Flora
Neumann: Erinnern, um zu leben. Vor Auschwitz; In Auschwitz; Nach
Auschwitz. Mit einem Vorwort und einem Nachwort von Peggy Parnass.
Konkret 2006. 128 S. (NB933) 15 Euro
Dieses Buch wurde erstmals
im Jahre 1988 geschrieben, es wurde 1991 im Eigenverlag
veröffentlicht. 1997 erschien eine ergänzte zweite Auflage.
Nun liegt eine neue, ergänzte und überarbeitete Ausgabe
vor.
Samuel
Willenberg: Treblinka. Lager / Revolte / Flucht / Warschauer
Aufstand. Unrast Verlag 2009. 240 S. (NB1097) 22 Euro
Samuel
Willenberg schildert in seinem Buch anschaulich den grausamen Alltag
im NS-Vernichtungslager Treblinka, in das er 1943 als 20jähriger
deportiert wird. Das erlittene Leid und die traumatischen Erfahrungen
im Lager Treblinka, seine Beteiligung an der Revolte, die er als
einer der wenigen Aufständischen überlebte, sind jedoch nur
ein Teil des Buches. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem
Leben nach der Flucht im besetzten Polen. Anhand seiner prägnanten
Momentaufnahmen wird die doppelte Gefahr, denen Juden von der
deutschen Mordmaschinerie und gleichzeitig von polnischen
Nationalisten ausgesetzt waren, offensichtlich. Die Tragik dieser
Lebensumstände prägt Willenbergs Biografie. Zwar kämpfte
er im Warschauer Aufstand 1944 Seite an Seite mit polnischen
Partisanen, doch das Bekennnis seiner jüdische Herkunft ließ
ihn auch hier in Gefahr schweben. Trotz furchtbarer Erlebnisse
vergisst Samuel Willenberg nicht zu differenzieren – er erzählt
von der Hilfe und Unterstützung durch katholische Polen. Ohne
sie hätten er und sein Vater nicht überlebt. Samuel
Willenbergs Geschichte von Lager und Revolte, Flucht und Beteiligung
am Warschauer Aufstand basiert auf Erinnerungen, die unmittelbar nach
dem Krieg im Rahmen eines längeren Interviews mit ihm
aufgezeichnet wurden und die er 1984 in Israel niederschrieb, wo er
seit 1950 lebt.
Richard
Glazar: Die Falle mit dem grünen Zaun. Überleben in
Treblinka. Vorwort von Wolfgang Benz. Unrast Verlag 2008 (Reihe
antifaschistischer Texte). 200 S. (NB1036) 20 Euro
Richard
Glazar, einer der ganz wenigen Überlebenden des
Vernichtungslagers Treblinka in Europa, schildert seine Verschleppung
aus der Tschechoslowakei über das Ghetto Theresienstadt nach
Treblinka, wo 1942/43 900.000 Juden ermordet wurden. Glazar war dort
als einer der „Arbeitsjuden“ eingesetzt. Er überlebte,
weil ihm nach zehn Monaten während des Aufstands im Sommer 1943
als einem der wenigen die Flucht gelang. Bis zum Kriegsende konnte er
als „Fremdarbeiter“ getarnt in Deutschland untertauchen.
Seine Aufzeichnungen, die über vier Jahrzehnte unveröffentlicht
blieben, sind ein einzigartiges historisches Dokument und legen ein
bewegendes Zeugnis ab für die vielen Menschen, die Opfer der
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden.
Ursel Hochmuth: Niemand und nichts wird vergessen. Biogramme und Briefe Hamburger Widerstandskämpfer 1933-1945. Eine Ehrenhain-Dokumentation in Text und Bild. Herausgegeben von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Hamburg. VSA Verlag 2005. 254 S. mit zahlr. Abbildungen. (NB833) 17,80 Euro
Hana Greenfield: Von Kolin nach
Jerusalem. Erinnerungen. Konkret 1999. 112 S. (NB144) 12,50
Euro
Im Juni 1942 wurden die letzten Juden der böhmischen
Stadt Kolin nach Theresienstadt deportiert, darunder die damals
15jährige Hana Greenfield. Bei der späteren Deportation
nach Auschwitz wird sie von ihrer Familie getrennt. 1944 wird sie als
eine der wenigen, die Auschwitz lebend verlassen, zusammen mit 500
anderen Häftlingen zu Aufräum- und Fabrikarbeiten in
Hamburg ausgesucht. „Fast ein Jahr leisteten wir Sklavenarbeit
unter schier unerträglichen Bedingungen – vor den Augen
der Hamburger Bevölkerung.“ Anfang 1945 wurden die
Häftlinge in das KZ Bergen-Belsen deportiert, wo Hana am 15.
April die Befreiung erlebt. Über London kann sie nach Israel
emigrieren. Jahre später reist sie an die Orte ihrer
Vergangenheit.
Konrad Merz: Ein Mensch fällt
aus Deutschland. Aufbau Taschenbuch 1998. 208 S. (NB219z) 7,60
Euro
„‘Ein Mensch fällt aus Deutschland‘
ist das erste wirkliche Exilbuch, geschrieben von einem, der durch
die Emigration erst zum Autor wurde. ... Es gehört zu den
bedeutendsten, anrührendsten literarischen Zeugnissen, in denen
die Leiden und existentiellen Bedrohungen des Exils thematisiert sind
... der schäbige kleine Alltag eines Namenlosen ohne Paß
und Geld.“ (Neue Zürcher Zeitung).
Elfriede Brüning: Damit Du weiterlebst. Roman. Agimos-Verlag 1996. 204 S. (NB145) 10 Euro
Fania Fénelon: Das
Mädchenorchester von Auschwitz. Dtv. (NB147) 9,90 Euro
„Das
ist der Musikblock. Wir sind das Frauenorchester vom Lager
Birkenau...“ Eine tragische, wahnwitzige, groteske Geschichte:
ein Orchester, dessen Mitglieder buchstäblich um ihr Leben
spielen mußten. Authentisches über den Holocaust.
France Bloch-Sérazin: Lebensstationen einer französischen Widerstandskämpferin. Hg. Von Hans Zorn. Konkret Hamburg 1986. 112 S. ( NB136z) 8,50 Euro
Günther Schwarberg: Die
Mörderwaschmaschine. Steidl Verlag Göttingen 1990. 144
S. (NB137) 7,50 Euro
„Als der Krieg vorbei war, wurde in
unserem Lande eine große Maschine aufgestellt. Da hinein kamen
alle, die man weißwaschen mußte. Die Mörder und die
Henker. In die Maschine kam ein juristisches Waschpulver, das zwang
Blut raus und Weiß rein, wie man es für weiße Westen
braucht.“ (Klappentext).
Günther Schwarberg: Der Juwelier von Majdanek. Steidl Verlag Göttingen 1991. 256 S. (NB138) 8,50 Euro
Günther Schwarberg: Der
SS-Arzt und die Kinder vom Bullenhuser Damm. Steidl Verlag. 176
S. Mit Abb. (NB608) 8,50 Euro
„Ich kann mir nichts
Verächtlicheres vorstellen, nichts Ekelhafteres, als mit
unwissenden Kindern zu experimentieren.“ Mit diesen Worten des
Anklägers in einem Prozeß gegen die Leiter des
Konzentrationslagers Neuengamme scheint viel von den Gefühlen
auf, die im Leser dieses Buches entstehen. Hier nämlich wird
berichtet über die barbarischen Experimente derer, für die
20 Kinder nur „Menschenmaterial“ waren. Über die
schließliche Ermordung der Kinder im Keller einer Hamburger
Schule. Über die Opfer, die Täter, die Hintergründe
und juristischen Nachspiele der Taten.
Lea Rosh, Günther Schwarberg:
Der letzte Tag von Oradour. Steidl Verlag 1997. 144 S. Mit Abb.
(NB607) 7,50 Euro
Oradour, ein kleines Dorf in der Mitte
Frankreichs, wird am 10. Juni 1944 von einer Division der Waffen-SS
heimgesucht: Brutal setzen die Deutschen ihren Befehl, „den Ort
niederzubrennen und ohne Ausnahme alle Personen vom Säugling bis
zum Greis zu vernichten“, in die Tat um. Die Berichte dieses
Buches lassen das Geschehen in seiner ganzen grauenvollen Konkretheit
noch einmal abrollen, erforschen aber auch seine Vor- und
Nachgeschichte. Die Biografie eines der Täter, der erst 39 Jahre
später zur Rechenschaft gezogen wurde, wird dabei ebenso zutage
gefördert wie die Versuche bis heute in der Bundesrepublik nicht
verurteilter „alter Kameraden“, ihr Verbrechen zu
vertuschen.
Victor Klemperer: Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933-1945. Aufbau Taschenbuch 1999. 8 Bände im Schuber. (NB187) 34,95 Euro
Alfred Andersch: Der Vater eines Mörders. Eine Schulgeschichte. Erzählung. Diogenes Taschenbach 1982. 144 S. (NB232) 7,90 Euro
Thomas Schmitz-Bender: Der Friede, der zum Krieg führt. Textbuch für die öffentliche Nachstellung des Münchener Abkommens 1938 im ehemaligen Führerbau in München am 3. Oktober 1996. Verlag Das freie Buch 1995. 174 S. (NB54) 8,60 Euro
Manfred
Weißbecker: Das Firmenschild: Nationaler Sozialismus. Der
deutsche Faschismus und seine Partei 1919 bis 1945. PapyRossa Verlag
2011. 218 S. Pb. (NB1193) 14,90 Euro
Als Bewegung, Ideologie
und Herrschaftsform prägte der Faschismus die erste Hälfte
des 20. Jahrhunderts. Um den im Zuge der Weltwirtschaftskrise sich
verbreitenden unklaren Antikapitalismus nach rechts hin umzulenken,
figurierte er in Deutschland als „nationaler Sozialismus“.
Dieser verbreitete nationalistische, terroristisch-antidemokratische,
expansions- und kriegsorientierte Denkweisen völkisch-rassistischen,
insbesondere auch antisemitischen Zuschnitts. Den
„Nationalsozialismus“ repräsentierte eine Partei,
die zur größten in der deutschen Parteiengeschichte
geriet. Ihre Geschichte belegt zugleich den förderlichen Umgang,
den Staatsbürokratie, rechte Parteien und Justiz in der Weimarer
Republik mit ihr pflegten. Manfred Weißbeckers „Wortmeldungen“
erhellen symptomatische Einzelereignisse und bieten eine Schau vom
Teil zum Ganzen. Da lassen sich vielfältige Hintergründe
erkennen sowie die Tatsache, daß eine pflegliche Behandlung der
extremen Rechten begleitet ist von immer schärferem Vorgehen
gegen Linke.
Richard
Gebhardt, Dominik Clemens (Hg.): Volksgemeinschaft statt
Kapitalismus? Zur sozialen Demagogie der Neonazis. PapyRossa
Verlag 2009. 188 S. (NB1146) 12,90 Euro
Ob „Global dient
dem Kapital – Sozial geht nur national“ oder
„Kapitalismus – Feind der Völker“, Neonazis
gehen mit „antikapitalistischen“ Parolen auf Stimmenfang.
Dabei kopieren NPD und „Freie Kameradschaften“ nicht nur
in ihrer Agitation gegen die neoliberale Agenda 2010 linke Slogans,
sondern ebenso bei der Kritik der Globalisierung. Erweitert wird
dieses Spektrum durch die „Autonomen Nationalisten“, die
sich als irritierende Imitation der rebellischen linken Jugendkultur
geben. Gerade bei ihnen spielen „antikapitalistische“
Parolen eine wichtige Rolle. Unterwürfige Mitläufer, die
nach einem Führer schreien und gezielt gegen demokratische
Kräfte vorgehen, inszenieren sich als Avantgarde einer
völkischen Revolte gegen den „vaterlandlosen“
High-Tech-Kapitalismus und recyceln die Propaganda des historischen
Faschismus. Das Buch fragt nach Herkunft und Wirkung des völkischen
„Antikapitalismus“, untersucht dessen soziale Demagogie
und fragt nach erfolgversprechenden Gegenstrategien.
Michael Schmidt: „Heute gehört uns die Straße...“ Der Inside-Report aus der Neonazi-Szene. Mit einer Einleitung von Ralph Giordano. Erweiterte und aktualisierte Ausgabe. Econ-Taschenbuch 1994. 552 S. (NB55) 9,50 Euro
Martin Dietzsch, Helmut
Kellershohn, Alfred Schobert: Jugend im Visier. Geschichte,
Umfeld und Ausstrahlung der „Unabhängigen Nachrichten“.
Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) 2002.
184 S. (NB591) 12 Euro
Die „Unabhängigen
Nachrichten“ gehören zum Umfeld der NPD. Vor über 30
Jahren gegründet, popularisieren sie völkisch-nationalistische
Ideologie mit deutlich neonazistischer Färbung. Agitation und
Propaganda umfassen die gesamte programmatische Breite von
Holocaust-Leugnung bis zu aggressivem Rassismus. Durch ihre Reihe
„Auf dem Stundenplan“ nehmen die „Unabhängigen
Nachrichten“ insbesondere Jugendliche ins Visier und betreiben
dabei Fälschung der Geschichte. Im Umfeld der „Unabhängigen
Nachrichten“ verknüpft der Verlag VAWS Propaganda und
Kommerz. Seit der Gründung nationalsozialistischer
Traditionspflege verpflichtet, zielt auch VAWS insbesondere auf
Jugendliche, indem er sich auf Vermarktung von Musik spezialisierte.
Die Autoren der Studie zeigen, wer hinter den „Unabhängigen
Nachrichten“ und VAWS steckt, wie ihre Propaganda funktioniert
und wie man sich dagegen wehren kann.
Franziska Hundseder: Wotans Jünger. Neuheidnische Gruppen zwischen Esoterik und Rechtsradikalismus. Heyne Taschenbuch 1998. 192 S. (NB369z) 8,65 Euro
Marco Carini, Andreas Speit:
Ronald Schill. Der Rechts-Sprecher Konkret 2002. 208 S. (NB602)
15 Euro
Die sensationelle Zustimmung bei der Hamburger
Bürgerschaftswahl 2001 machten Ronald Schill und seine Partei zu
einem bundesweit beachteten Phänomen in der Parteienlandschaft.
Mit Law-and-order-Konzepten und fremdenfeindlichen Parolen will die
neue Rechtspartei Wählerstimmen und Mitglieder aus der „Mitte“,
aber auch vom „rechten Rand“ der Gesellschaft abschöpfen.
Jetzt liegt ein Buch vor, das diese Entwicklung ausleuchtet. Marco
Carini und Andreas Speit porträtieren Schill und seine Partei.
Sie analysieren Zielsetzung, Programm und praktische Politik des zum
Hamburger Innensenator aufgestiegenen Richters und zeigen auf, was
die „Partei Rechtsstaatlicher Offensive“ von anderen
rechten Gruppierungen unterscheidet und was sie verbindet.
Martin Finkenberger / Horst
Junginger (Hg.): Im Dienste der Lügen. Herbert Grabert
(1901-1978) und seine Verlage. Alibri Verlag 2004. 182 S. (NB746)
13,50 Euro
Der Grabert-Verlag gehört zu den
traditionsreichen und marktführenden rechtsextremen Verlagen in
Deutschland. Er überdauerte alle Konjunkturen des
Rechtsextremismus und vertreibt ein umfangreiches Programm zu
zeitgeschichtlichen und aktuellen politischen Themen. Er bietet
Geschichtsrevisionisten ein Forum, die Führungspersonen des
Fritten reiches verklären, Verbrechen des Nationalsozialismus
relativieren oder leugnen sowie antisemitische Thesen vertreten.
Barbara Junge / Julia Naumann / Holger Stark: RechtsSchreiber. Wie ein Netzwerk in Medien und Politik an der Restauration des Nationalen arbeitet. Elefantenpress 1997. 224 S. (NB33z) 15,30 Euro
Frank Deppe, Georg Fülberth,
Rainer Rilling (Hg.): Antifaschismus. Distel Verlag 1996. 624 S.
(NB660) 21 Euro
Die in diesem Band versammelten Beiträge
haben einen gemeinsamen inhaltlichen Bezug: die Rekonstruktion eines
aktuellen Antifaschismus. Das schließt die Abwehr der üblich
gewordenen Versuche ein, den Kampf gegen den Nationalsozialismus zu
diskreditieren, Kriegspolitik und den Völkermord zu
relativieren. Zu den bleibenden Ergebnissen des historischen
Antifaschismus gehört der demokratische nd sozialstaatliche
Konsens, der sich nach 1933 in den Widerstandsbewegungen
herausgebildet hat und nach 1945 trotz des bald einsetzenden Kalten
Krieges die gesellschaftliche Realität zumindest mitprägte.
Aktueller Antifaschismus bedeutet seine Weiterentwicklung und
Verteidigung.
Jens Mecklenburg (Hg.):
AntifaReader. Antifaschistisches Handbuch und Ratgeber.
Elefantenpress 1996. 384 S. (NB34z) 12,74 Euro
Der Antifa
Reader bietet eine vollständige Darstellung zu den Themen
Rechtsextremismus und Neonazismus. Von der organisatorischen
Entwicklung zur Ideologie, von den Ursachen zu den Aussichten, von
den alten zu den neuen Rechten, von den militanten Neonazis zu den
Rechten in der Ökologie- und Esoterik-Szene. Ein Lexikon der
wichtigsten Personen, Organisationen, Zeitungen und Zeitschriften,
ein Schlagwortverzeichnis und Register geben dem Nachschlagewerk
seinen Charakter als Arbeitsbuch. Der Reader informiert nicht nur
kompetent über die rechte Szene, sondern gibt auch Anregungen
für antifaschistische und antirassistische Aktivitäten.
Ulrich Schneider (Hg.): Tut was! Strategien gegen Rechts. PapyRossa Verlag 2001. 220 S. (NB422) 13,30 Euro
Tipps und Tricks für Antifas – reloaded. Unrast Verlag 2009. 76 S. geheftet. (NB1101) 4 Euro
Jochen Baumann, Andreas Dietl, Wolfgang Wippermann: Blut der Boden. Doppel-Paß, Staatsbürgerrecht und Nationsverständnis. Elefantenpress 1999. 160 S. (NB47z) 12,60 Euro
Rolf Surmann (Hg.): Das
Finkelstein-Alibi. „Holocaust-Industrie“ und
Tätergesellschaft. PapyRossa Verlag 2001. 176 S. (NB423z) 14,31
Euro
Nicht die verweigerte Entschädigung für die
Opfer des Holocaust sei das Problem, behauptet Norman G. Finkelstein,
sondern deren Mißbrauch durch eine geschäftstüchtige
„Industrie“. Was ist an dieser Polemik dran? Wie reagiert
die Tätergesellschaft darauf? Hat sie ihre Verantwortung so
verarbeitet, daß sie auf dubiose Schützenhilfe verzichten
kann? Oder braucht sie ein Alibi?
Martin Dietzsch und Alfred
Schobert (Hg.): Ein „jüdischer David Irving“?
Norman G. Finkelstein im Diskurs der Rechten –
Erinnerungsabwehr und Antizionismus. DISS 2001. 112 S. Im Großformat,
zahlr. Faksimiles. (NB495) 14 Euro
Mit Finkelstein erhält
die bei Antisemiten beliebte These akademische Weihen,
Holocaust-Überlebende und jüdische Eliten machten mit der
Erinnerung an die Vernichtung der europäischen Juden ein großes
Geschäft. Zudem sei es ja ein jüdischer Akademiker, der
dies nun behaupte. So kann die These von der „Holocaust-Industrie“
auch im Medien-Mainstream reüssieren. Wie schon bei der
Walser-Debatte zeigt sich die Doppelbewegung eines Rechtsdrucks in
die Mitte und eines Rechtsrucks der Mitte. Dadurch bestärkt,
macht sich die extreme Rechte weitere Hoffnungen, preist Finkelstein
als „jüdischen David Irving“ und kann erfreut
beobachten, wie die Erinnerung an die Shoah weiter abgewehrt wird.
Neben einem ausführlichen Essay enthält dieser Band eine
Faksimile-Dokumentation des Finkestein-Diskurses in der Rechts-Presse
von der Nationalzeitung und der Jungen Freiheit über die
„Vertriebenen“-Blätter bis zu den militanten
Neonazis und den esoterischen Verschwörungsmythen.
Klaus Holz,
Heiko Kauffmann, Jobst Paul (Hg.): Die Verneinung des Judentums.
Antisemitismus als religiöse und säkulare Waffe. Edition
DISS in Unrast Verlag 2009. 184 S. (NB1142) 22 Euro
Der Band
umfaßt eingehende Analysen antisemitischer Positionierungen auf
den Diskursebenen der Medien, der Politik, der Wissenschaft, der
Religion und des Alltags. Thematisiert wird die Entstehung des
politischen Antisemitismus in Deutschland und dessen gegenwärtige
Wiederbelebung im Islamismus. Einen Schwerpunkt bildet die jüdische
Perspektive auf das Phänomen des Antisemitismus und auf ihr
Gegenprogramm der gerechten Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund wird
die Flüchtlingspolitik der Gegenwart betrachtet. Dies geschieht
anlässlich des 70. Jahrestages der Konferenz von Evian und deren
Umgang mit jüdischen Flüchtlingen (1938).
Gudrun Hentges, Guy Kempfert,
Reinhard Kühnl (Hg.): Antisemitismus. Geschichte,
Interessenstruktur, Aktualität. Distel Verlag 1995. 192 S.
(NB659) 13,50 Euro
Mit Beiträgen von Ignatz Bubis, Detlev
Clausen, Jürgen Elsässer, Walter Grab, Thomas Held, Klara
Obermüller, Kurt Pätzold u.a.
Dietrich Heither, Gerd Wiegel (Hg.): Die Stolzdeutschen. Von Mordspatrioten, Herrenreitern und ihrer Leitkultur. PapyRossa Verlag 2001. 200 S. (NB534z) 13 Euro Endlich wieder unbefangen stolz sein zu dürfen, dieser Herzenswunsch eint die deutsche Standortgemeinschaft. Stolz auf die Nation, ihr wirtschaftliches Leistungsvermögen, ihre überlegene „Leitkultur“ oder schlichtweg auf das exklusive „deutsche Blut“. Von Mordspatrioten bis zu Herrenreitern – das Banner des Stolzdeutschtums vereint jene, denen „deutsche Interessen“ über alles in der Welt gehen. Das Buch leuchtet hinter Vergangenheit und Gegenwart deutschen Nationalstolzes. Es untersucht dessen spezifischen Traditionen und verbindet sie mit den Debatten um Leitkultur, Standortnationalismus und Einwanderung.
Brigitte Bailer-Galanda, Wolfgang Benz, Wolfgang Neugebauer (Hg.): Die Auschwitzleugner. „Revisionistische“ Geschichtslüge und historische Wahrheit. Elefantenpress 1996. 400 S. (NB48z) 20,40 Euro
Deutsche Demokraten. Wie rechtsradikal sind CDU & CSU? Mit Beiträgen von Ursel Sieber, Charlotte Wiedemann, Bernd Siegler, Jürgen Elsässer, Ernesto Schweitzer, Jürgen Voges. Verlag Die Werkstatt 1994. 208 S. (NB496) 12,30 Euro
Bernd Siegler, Oliver Tolmein,
Charlotte Wiedemann: Der Pakt. Die Rechten und der Staat. Verlag
Die Werkstatt 1993. 256 S. (NB497) 14,30 Euro
„Zwischen
den staatstragenden Parteien der BRD und der rechtsradikalen
Gesinnung gibt es zuviel Gemeinsames und zu wenig Trennendes. Von der
SPD bis zu den militanten Neofaschisten zieht sich ein gemeinsames
Band, das sich am kürzesten mit der Republikaner-Parole
‚Deutschland zuerst‘ ausdrücken läßt.“
Es gibt Verständnis, Nachsicht und Entschuldigungen für die
Täter, es gibt ideologische Berührungspunkte, es gibt einen
in stiller, formloser Übereinkunft geschlossenen Pakt, der
zumindest ein Ergebnis gebracht hat: die Aushöhlung des
Asylrechts.
Raimund Hethey und Peter Kratz (Hg.): In bester Gesellschaft. Antifa-Recherche zwischen Konservativismus und Neo-Faschismus. Verlag Die Werkstatt 1991. 304 S. Mit einigen Ab. (NB498) 14,30 Euro Rechtsradikalismus ist mehr als die Brutalität prügelnder Skinheads oder die Hetzreden Ewiggestriger. Unter gediegenen Wirtschaftsführern, an ehrbaren Honoratioren-Stammtischen, in erlesenen Professorenzirkeln – in bester Gesellschaft eben – kursieren zuweilen konservative und elitäre Ideologien in einer gefährlichen Nähe zum Neofaschismus. Beiträge von Kurt Heiler, Hartmut Meyer, Volkmar Wölk u.a.
Das Chamäleon. Argumente gegen die Verharmlosung des faschistischen „Mut“-Verlages. Hg. Vom AK Kritische Nachbarschaft Asendorf/Hoya. Magazin-Verlag Kiel 1998. 164 S. (NB139) 9,20 Euro
Wolfgang Purtscheller u.a.:
Delikt: Antifaschismus. Briefbombenterror in Österreich und
Kriminalisierungskampagnen von rechts. Elefantenpress 1998. 192 S.
(NB49z) 15,30 Euro
Wie der rechtsextreme Terror als Katalysator
für eine markanten Rechtsruck der österreichischen
Gesellschaft diente.
Wolfgang Wippermann: Wie die Zigeuner. Antisemitismus und Antiziganismus im Vergleich. Elefantenpress 1997. 272 S. (NB50z) 20,40 Euro
Hermann L. Gremliza (Hg.):
Braunbuch Österreich. Ein Nazi kommt selten allein. Konkret
2000. 168 S. (NB231z) 11,66 Euro
Dieses Buch enthält
Beiträge über Geschichte, Programm und Personal der
rechtsradikalen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ),
über die Geburt ihres Anführers Jörg Haider aus dem
Geist des Fernsehens und über seine unaufhaltsame Karriere. Über
Rassismus und Antisemitismus in Österreich seit 1986, über
den Umgang der österreichischen Gesellschaft mit dem materiellen
und ideologischen Erbe des Nationalsozialismus, über die
Unterstützung Haiders durch deutsche Politiker und über die
Reaktionen der Linken auf seine Erfolgsgeschichte. Beiträge von
Günter Jacob, Erwin Riess, Gerhard Scheit, Wolfgang
Purtscheller, Andreas Spannbauer, Michael Scharang u.a.
Gerhard Feldbauer: Marsch auf Rom.
Faschismus und Antifaschismus in Italien – Von Mussolini bis
Berlusconi und Fini. PapyRossa Verlag 2002. 224 S. (NB600) 14,80
Euro
Der Kampf zwischen Faschismus und antifaschistischem
Widerstand von der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis heute. Wie und
warum konnten sich die Faschisten über ihre Niederlage 1944/45
hinwegretten und im Kalten Krieg als Bewegung neu konstituieren?
Feldbauer untersucht außerdem Berlusconis Partei und seine
Mediendiktatur.
Bernhard
Schmid: Die Neue Rechte in Frankreich. Unrast Verlag 2009 (unrast
transparent – rechter rand). 72 S. (NB1123) 7,80 Euro
Die
französische „Nouvelle Droite“ (Neue Rechte)
bezeichnet eine spezifische Strömung innerhalb der
antidemokratischen extremen Rechten, die in den späten 1960er
Jahren entstanden ist. Die damalige „Neue Rechte“
entstand vor dem Hintergrund des Scheiterns des rechtsextremen
Aktivismus und Militarismus während der Hochphase der
französischen Kolonialkriege. Sie versuchte die theoretischen
Lehren aus dessen historischem Mißerfolg, und zugleich aus den
„Fehlentwicklungen“ des deutschen Nationalsozialismus –
aus rechter Sicht –, zu ziehen. Ihre Vordenker erwiesen sich
als Meister darin, Ansätze und intellektuelle Versatzstücke,
die aus anderen Denktraditionen stammten, aus ihrem Zusammenhang zu
reißen, „umzudrehen“ und in ihren eigenen Diskurs
einzubauen.
Berhard Schmid: Die Rechten in
Frankreich. Von der Französischen Revolution zum Front
National. Elefantenpress 1998. 256 S. (NB38z) 17,85 Euro
Katholischer
Fundamentalismus und militanter Biologismus – beide in Abwehr
der französischen Revolution im 19. Jahrhundert entstanden –
führten um Die Jahrhundertwende zu einem modernen Rassismus und
neuen Antisemitismus in Frankreich. Sie prägten die
faschistischen Bewegungen der 30er Jahre, das deutsch-freundliche
Vichy-Regime im Zweiten Weltkrieg und die Ursprünge der heutigen
extremen Rechten in Frankreich im Zusammenhang mit dem Indochinakrieg
und dem Algerienkrieg. Hier taucht zum ersten Mal auch die Figur von
Jean-Marie Le Pen auf. Le Pen vereint in seinem Front National so
unterschiedliche Strömungen wie die intellektuellen Neuen
Rechten, Vichy-Anhänger, Monarchisten, katholische
Fundamentalisten und Neonazis. Die rechtsextreme Partei bestimmt
nachhaltig das geistige und politische Klima in Frankreich mit.
Dietrich Heither: Verbündete
Männer. Die Deutsche Burschenschaft – Weltanschauung,
Politik und Brauchtum. PapyRossa Verlag 2000. 544 S. Hc. (NB193)
24,54 Euro
Uniforme Männerbündelei, das Schlagen von
Mensuren und kollektive Trinkrituale kennzeichnen die Deutsche
Burschenschaft als Prototyp des studentischen Verbindungswesens.
Diese soziokulturellen und organisatorischen Eigenheiten verknüpft
Dietrich Heither mit der ideengeschichtlichen und politischen
Entwicklung sowie dem Innenleben dieses Verbands. Sein Buch ist ein
Beitrag zur Rechtsextremismusforschung wie zur
Geschlechtergeschichte.
Jan-Pieter Barbian, / Michael Brocke, / Ludger Heid, (Hg.): Juden im Ruhrgebiet. Vom Zeitalter der Aufklärung bis zur Gegenwart. Klartext Verlag Essen 1999. 640 S. Hc. (NB978) 29,80 Euro
Erik Reger:
Union der festen Hand. Klartext Verlag 2007. 494 S. Hc. (NB1002)
7,95 Euro
Unruhe in den Stahlwerken von Risch-Zander: Nach den
Ersten Weltkrieg beginnen die Arbeiter, sich gegen die Macht der
Großunternehmer zu organisieren. Doch die Industriellen an der
Ruhr behalten durch geschickte Bündnisse – auch mit den
Nationalsozialisten – die Oberhand. Der große
Schlüsselroman über Krupp und die Weimarer Republik, in dem
Erik Reger seine Erfahrungen in der Presseabteilung des Konzerns
verarbeitete, ist nach langer Zeit erstmals wieder erhältlich.
Erschienen in der Mediathek für Nordrhein-Westfalen der WAZ und
des WDR.
Emil Julius Gumbel: Vier Jahre
politischer Mord und Denkschrift des Reichsjustizministers zu
„Vier Jahre politischer Mord. Mit einem Vorwort von Hans Thill.
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1980. 360 S. (NB611) 13
Euro
Reprint der im Verlag der Neuen Gesellschaft (1922) und im
Malik-Verlag (1924) erschienenen Untersuchungen. In den Jahren 1918
bis 1923 sind in Deutschland Hunderte von politischen Mordtaten
begangen worden. Der überwiegende Teil der Täter stand
rechts. Gumbel hat die Fälle dokumentiert, die er lückenlos
belegen konnte.
Michael Pittwald: Ernst Niekisch.
Völkischer Sozialismus, nationale Revolution, deutsches
Endimperium. PapyRossa Verlag 2002. 356 S. (NB537) 20,50 Euro
Der
„Nationalrevolutionär“ Ernst Niekisch hat für
die gegenwärtige Neue Rechte orientierende Bedeutung und ist
sowohl historisch als auch im Hinblick auf den aktuellen
Neofaschismus von erheblichem Interesse. Mit seiner
„Widerstandsideologie“ versuchte er einen Brückenschlag
zwischen nationalen Strömungen innerhalb der Arbeiterbewegung
und völkischem Denken rechtskonservativer und antidemokratischer
Provenienz. Das Buch arbeitet unter Einbeziehung der
ideengeschichtlichen Grundlagen Niekischs Programm einer „nationalen
Wiedergeburt Deutschlands“, seinen Antisemitismus und Rassismus
heraus und charakterisiert seine Europakonzeption, die in eine von
Deutschland ausgehende finale Weltherrschaft mündet.
Arn
Strohmeyer: Von Hyperborea nach Auschwitz. Wege eines antiken
Mythos. PapyRossa Verlag 2005. 158 S. (NB814) 14 Euro
Das Buch
belegt die enge Beziehung, die zwischen okkulten und faschistischen
Strömungen besteht. Viele Mythen haben in ihrer
Neuinterpretation bis in die Gegenwart eine äußerst
geschichtsmächtige Wirkung entfaltet. Der Mythos von den
Hyperboräern gehört dazu. Er hat an der NS-Ideologie
mitgewirkt, beflügelt Neonazis noch heute und hat in der
Esoterik seinen festen Platz.
Friedrich
Paul Heller: Lederhosen, Dutt und Giftgas. Die Hintergründe
der Colonia Dignidad. Schmetterling Verlag 2005. 136 S. (NB886) 12,80
Euro
Kindesmißbrauch, sexuelle Gewalt, Psychoterror,
Zwangsmedikation und Entführung von Babys sind nur die
Oberfläche des Skandals um die Colonia Dignidad. Das deutsche
Sektenlager in Chile war in Folter, Massenmorde, Waffenschmuggel und
die Produktion von B- und C-Waffen verwickelt. Dadurch, daß die
Colonia Dignidad von verschiedenen staatlichen Stellen einerseits
unterstützt, andererseits ignoriert wurde, konnte aus ihr ein
Staat im Staate werden. Friedrich Paul Heller dokumentiert, wie sich
so in der Sekte absonderliche Regeln und Moralvorstellungen bilden
konnten, die nur von ihrem Führer Paul Schäfer vorgegeben
wurden. Es entstand ein moralischer Mikrokosmos, der geprägt war
von psychischer und sexueller Unterdrückung, religiöser
Indoktrination und dem Teile-und-Herrsche-Prinzip.
Antifaschistisches
Frauennetzwerk, Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus
(Hg.): Braune Schwestern? Feministische Analysen zu Frauen in der
extremen Rechten. Unrast Verlag 2005 (Reihe antifaschistischer
Texte). 144 S. (NB1035)14 Euro
Die Autorinnen zeigen die
neuesten Entwicklungen im Bereich „Frauen im Rechtsextremimsus“
auf: Aktivitäten von rechtsextremen Mädchen und Frauen,
Organisationsstrukturen, Kontinuitäten, Strategien und die
Palette rechter Frauen(selbst)bilder. Ziel ist es, verschiedene
Aspekte einfließen zu lassen und mögliche
Handlungsspielräume gegen rechte Ideologien aufzuzeigen, unter
anderem in der kritischen Beleuchtung bisheriger feministischer und
antifaschistischer Debatten.
Friedrich Paul Heller und Anton
Maegerle: Thule. Vom völkischen Okkultismus bis zur Neuen
Rechten. 2. erweiterte und aktualisierte Auflage. Schmetterling
Verlag 1998. 212 S. Mit einigen Abb. (NB708z) 13,80
Euro
Völkisch-okkultistische Groschenhefte, antisemitische
Geheimbündelei und die rassenreligiöse Mythologie des
Wiener Ariosophen und Frauenhassers Jörg Lanz von Liebenfels
prägten nachhaltig das Weltbild Adolf Hitlers. Auch die
Karrieren anderer Nazi-Größen wie des Führers
Stellvertreter Rudolf Heß, SS-Anführers Heinrich Himmler
oder Chefideologie Alfred Rosenberg gediehen im Mief völkischer
und neuheidnischer Zirkel, in konspirativen kleinbürgerlichen
Wohnstuben oder Wirtshaushinterzimmern. Auch die heutige sogenannte
Neue Rechte beruft sich auf treu-germanische Esoterik und besonders
auf jenen Mythos, der schon die Phantasie der Nazi-Urväter so
eindringlich beflügelte: die Thule-Legende. Eine Flut von
Videos, Zeitschriften, Internet-Homepages und nicht zuletzt die
neurechte Fiction-Literatur bekannter Hitler-Bewunderer, wie Miguel
Serrano oder Wilhelm Landig, stricken an der Mär vom „Atlantis“
der arischen Herrenrasse. Wie und Warum braune Esoterik heutzutage
wieder auf große Resonanz stoßen kann, zeigen die Autoren
am Beispiel Jan van Helsings „Geheimgesellschaften und ihre
Macht im 20 Jahrhundert“. In diesem Buch entschlüsseln die
Journalisten Friedrich Paul Heller und Anton Maegerle die verborgenen
Botschaften einer Mythologie, hinter deren scheinbar unpolitischem
Wortnebel die völkische Rechte ihr nach 1945 angekratztes
Weltbild wieder zu ordnen und ihr Erscheinungsbild zu „modernisieren“
versucht.
Friedrich Paul Heller und Anton
Maegerle: Thule. Vom völkischen Okkultismus bis zur Neuen
Rechten. 3. überarbeitete Auflage. Schmetterling Verlag 2007.
184 S. Mit einigen Abb. (NB996) 13,80 Euro
Völkisch-okkultistische
Groschenhefte, antisemitische Geheimbündelei und die
rassenreligiöse Mythologie des Wiener Ariosophen und
Frauenhassers Jörg Lanz von Liebenfels prägten nachhaltig
das Weltbild Adolf Hitlers. Auch die Karrieren anderer Nazi-Größen
wie des Führers Stellvertreter Rudolf Heß, SS-Anführers
Heinrich Himmler oder Chefideologie Alfred Rosenberg gediehen im Mief
völkischer und neuheidnischer Zirkel, in konspirativen
kleinbürgerlichen Wohnstuben oder Wirtshaushinterzimmern. Auch
die heutige sogenannte Neue Rechte beruft sich auf treu-germanische
Esoterik und besonders auf jenen Mythos, der schon die Phantasie der
Nazi-Urväter so eindringlich beflügelte: die Thule-Legende.
Eine Flut von Videos, Zeitschriften, Internet-Homepages und nicht
zuletzt die neurechte Fiction-Literatur bekannter Hitler-Bewunderer,
wie Miguel Serrano oder Wilhelm Landig, stricken an der Mär vom
„Atlantis“ der arischen Herrenrasse. Wie und Warum braune
Esoterik heutzutage wieder auf große Resonanz stoßen
kann, zeigen die Autoren am Beispiel Jan van Helsings
„Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20 Jahrhundert“.
In diesem Buch entschlüsseln die Journalisten Friedrich Paul
Heller und Anton Maegerle die verborgenen Botschaften einer
Mythologie, hinter deren scheinbar unpolitischem Wortnebel die
völkische Rechte ihr nach 1945 angekratztes Weltbild wieder zu
ordnen und ihr Erscheinungsbild zu „modernisieren“
versucht.
Friedrich Paul Heller und Anton
Maegerle: Die Sprache des Hasses. Rechtsextremismus und völkische
Esoterik -Jan van Helsing, Horst Mahler... Schmetterling Verlag 2001.
216 S. Mit einigen Abb. (NB709) 15,80 Euro
Braune Esoteriker,
rechtsextreme Parteien, die intellektuelle Neue Rechte, militante
Neonazis und der politisierte Teil der Dark-Wave-Szene bilden eine
neue gesellschaftliche Bewegung, die sich statt über politische
Programme über eine gemeinsame Symbolsprache definiert. Mit
dieser Symbolik besetzt der modernisierte Rechtsextremismus Zeit und
Raum und deutet die Geschichte um. Die Journalisten Friedrich Paul
Heller und Anton Maegerle entschlüsseln den Wortschatz dieser
„Sprache des Hasses“ und übersetzen die Botschaften
ihrer unheimlichen Meister: Erfolgsautor Jan van Helsing, der auf
pseudo-religiösen Umwegen braunem Gedankengut zu neuer
Popularität verholfen hat, und Horst Mahler, der im Internet
eine Theologie des Terrors verbreitet und eine
philosophisch-theologische „Endlösung der Judenfrage“
propagiert. Die Autoren zeichnen einen „Kampf der Symbole“
nach, dessen Wirkung weit größer ist als es die Anzahl der
Organisierten vermuten läßt, und beleuchten Motive und
Strategien einer Bewegung, die dabei ist, der Gesellschaft den Krieg
zu erklären.
Andreas Speit
(Hg.): Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und
Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien. Unrast Verlag 2002
(Reihe antifaschistischer Texte). 288 S. (NB1034) 16 Euro
Jenseits
der Neonazi-Skinhead-Musik festigt sich innerhalb von Dark Wave und
Industrial eine rechte Musikszene, die sich zwischen Mythos und
Ästhetik bewegt. Doch die Mythen sind nicht ohne Tradition und
die Ästhetik ist nicht ohne Ideologie. Rhythmus, Lyrik und
Performance transportieren antidemokratische und antiemanzipatorische
Motive, die von einer boomenden unkritischen Szene nicht nur
toleriert, sondern auch akzeptiert werden. Die Autoren zeigen die
Verwendung rechten Ideologien in der Independentkultur von Dark Wave,
Neofolk und Industrial auf und beschreiben die Verbindungen bis hin
zur Extremen Rechten. Nach einer allgemeinen Darstellungen der Szene
werden rechte Labels, Bands und Publikationen analysiert, ohne deren
Bedeutung für die gesamte Szene zu skandalisieren oder zu
relativieren. Exemplarisch untersuchen die Autoren die Zeitschrift
„Sigill“ und deren nationales Umfeld, sie beschreiben die
Band „Death In June“ und deren internationalen
Verbindungen von der gemäßigten bis zur extrem rechten
Szene. Abgerundet wird das Buch mit einer Betrachtung und Diskussion
des Phänomen „Neuen-Deutsche-Härte“.
Christian
Dornbusch & Hans-Peter Killguss: Unheilige Allianzen. Black
Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus. Reihe
antifaschistischer Texte (rat) im Unrast-Verlag 2005. 352 S. (NB891)
18 Euro
Satanismus, Heidentum, Neonazismus – Black Metal
gilt als Inbegriff des Bösen. War der Antichrist der frühen
Black-Metal-Bands in den 80er Jahren noch Provokation, wurde mit der
Renaissance des Black Metal daraus später blutige Realität.
Dem Christentum wurde der Krieg erklärt und
Kirchenbrandstiftungen, Friedhofsschändungen, Gewalttaten und
Morde prägen bis heute das Image der Szene. Black Metal hat
Stars hervorgebracht, die sich mit der Inszenierung des Bösen im
Pop etabliert haben. Jenseits dieses Mainstream entwickelte sich eine
brisante Mischung aus Nazi-Satanisten und völkisch
Germanophilen, die an Bedeutung gewinnen. In einer Szene, in der die
Verherrlichung von Mord und Krieg die Grenzen zwischen Fiktion und
Realität verschwimmen läßt, das Heidentum als ein
„natürlicher“ Ausdruck des germanischen Volkes gilt
und misanthropische Schimären die Vorstellungen eines sozialen
Miteinanders verdrängen, müssen sich Rechte im Black Metal
nicht verstecken. Ganz offen werden Nationalsozialismus und Shoah
glorifiziert, wird die Vernichtung alles Schwachen propagiert und die
Rasse zur Grundlage alles Denkens und Handelns erklärt. Über
den engen Rand des „NS-Black-Metal“ hinaus gehören
dabei Rassismus und Antisemitismus längst zum „guten Ton“
der Szene. Christian Dornbusch und Hans-Peter Killguss beschreiben
den Auszug des Black Metal aus dem Heavy Metal, die politische
Aufladung der einst ausschließlich negativen Botschaften und
die Genese eines rechten Randes zwischen völkischem
Selbstverständnis und neo-nationalsozialistischem Habitus.
Hans
Albert: Joseph Ratzingers Rettung des Christentums.
Beschränkungen des Verbunftgebrauchs im Dienste des Glaubens.
Alibri Verlag 2008. 128 S. (NB1063) 10 Euro
Joseph Ratzinger
wird im Feuilleton als Intellektueller, als kluger Kopf und einer der
führenden Denker innerhalb der katholischen Theologie gehandelt.
Hans Albert meint, daß dem deutschen Papst dieses Etikett zu
unrecht anhaftet.
Michael
Schmidt-Salomon: Manifest des evolutionären Humanismus.
Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur. Alibri
Verlag 2005. 182 S. (NB876) 10 Euro
Wir leben in einer Zeit der
Ungleichzeitigkeit: Während wir technologisch im 21. Jahrhundert
stehen, sind unsere Weltbilder mehrheitlich noch von Jahrtausende
alten Mythen geprägt. In Auseinandersetzung mit den Gefahren,
die hieraus resultieren, liefert das Manifest des evolutionären
Humanismus eine kompakte Zusammenfassung der Grundpositionen einer
„zeitgemäßen Aufklärung“. Es ist ein
Plädoyer für eine „alternative politische
Leitkultur“, die auf die besten Traditionen von Wissenschaft,
Philosophie und Kunst zurückgreift, um das unvollendete Projekt
der aufgeklärten Gesellschaft gegen seine Feinde zu verteidigen.
Marcus Hammerschmitt: Instant
Nirwana. Alibri Verlag 2005. 112 S. (NB872) 11,50 Euro
Ein
Essay über Religion und Esoterik in Zeiten des globalisierten
Kapitalismus. Marcus Hammerschmitt spürt den Irrationalismus in
verschiedenen Bereichen der Gesellschaft und unterschiedlichsten
Erscheinungsformen auf. Er beschreibt die Muster der Manipulation und
reflektiert die Folgen.
Klaus
Schmeh: Planeten und Propheten. Ein kritischer Blick auf
Astrologie und Wahrsagerei. Alibri Verlag 2006. 172 S. mit Abb.
(NB938) 14 Euro
Allen kritischen Stimmen zum Trotz ist die
Astrologie zusammen mit der eng verwandten Wahrsagerei die am
weitesten verbreitete esoterische Technik. Klaus Schmeh zeigt, worauf
diese beiden Grenzwissenschaften ihre Behauptungen stützen, und
überprüft ihre Erfolgsquote. Dabei wird klar: Astrologie
und Wahrsagerei verheddern sich in einem Gestrüpp aus
Widersprüchen, falschen Annahmen und Ignoranz gegenüber
wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie versagen nicht nur bei der
Vorhersage zukünftiger Ereignisse, sondern sind auch als Mittel
der Charakterdeutung oder „Lebenshilfe“ völlig
ungeeignet.
Alfred Binder:
Mythos Zen. Alibri Verlag 2009. 280 S. (NB1121) 18 Euro
Zen
gilt vielen, die sich mit östlichen Religionen beschäftigen,
als die „erhabenste Lehre“. Seinem Anspruch nach soll es
weder eine Religion noch eine Philosophie sein, sondern eine Lehre
ohne Lehrinhalt. Zen verspricht nicht nur eine völlige
psychische Verwandlung, sondern eine Erleuchtung, die vollkommene
Einsicht in die Natur des Universums gewähren soll. Ausführlich
wird dargestellt, dass die populären Behauptungen falsch sind,
Zen übersteige die Logik und sei mit dem gewöhnlichen
Verstand nicht begreifbar. Auch zeigen die geschichtlichen Fakten die
Schwierigkeiten des Zen mit ethischen Prinzipien; dies manifestierte
sich besonders im bisher größten historischen
„Ausrutscher“, der innigen Kooperation der Institution
Zen mit dem japanischen Faschismus und die Verwandlung der
zen-buddhistischen Philosophie in eine den Faschismus legitimierende
Ideologie. Zwar bedeutet das japanische Zen in der Theorie einen
Rückfall in schlechte Metaphysik und in der Praxis oft
Militarismus, trotzdem kann Zen, jenseits von Mystik und Metaphysik,
für den Einzelnen sehr wohl eine therapeutische Funktion haben.
Der Autor arbeitet diese genau heraus und zeigt damit den
„ursprünglichen Sinn“ dieser Praxis auf.
Bernd
Harder: Geister, Gothics, Gabelbieger.
66 Antworten auf Fragwürdiges aus Esoterik und Okkultismus.
Alibri 2005. 208 S. (NB826) 14 Euro
Magie,
Okkultismus und Esoterik sind heutzutage alltägliche
Erscheinungen. Allerdings stellt sich bei genauem Hinsehen häufig
heraus, daß der Schein trügt. Fast immer lassen sich die
scheinbar übersinnlichen Phänomene nachvollziehbar
erklären, ohne daß man den Boden der Tatsachen verlassen
muß.
Peter Bierl: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik. Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe. Konkret 2005. 280 S. (NB883) 17 Euro
Guido und Michael Grandt: Waldorf
Connection. Rudolf Steiner und die Anthroposophen. Alibri Verlag
1999. 368 S. (NB512) 18,50 Euro
Die Anthroposophie genießt
weithin den Ruf, eine tolerante, hochgeistige Weltanschauung zu sein;
die Waldorfpädagogik wird von vielen Eltern als Kretativität
und Selbstwertgefühl fördernde Alternative zur Regelschule
angesehen. Zu Unrecht, meinen die Journalisten Guido und Michael
Grandt. Sie dokumentieren die okkulten und rassistischen Anteile an
der Weltanschauung Steiners und gehen der Frage nach, inwieweit diese
noch heute in der Anthroposophie nachwirken.
Studentischer Sprecherrat der
Universität München (Hg.): „Niemand kann seinem
Schicksal entgehen...“ Kritik an Weltbild und Methode des
Bert Hellinger. Alibri Verlag 2004. 168 S. (NB764) 11 Euro
Bert
Hellinger gilt mit seiner besonderen Form der „systemischen
Familienaufstellung“ als „Superstar“ der
Therapieszene. Eine Behandlung „nach Hellinger“ birgt
jedoch unwägbare Risiken: der ehemalige Missionar hat keine
solide therapeutische Ausbildung und verstößt gegen
einfachste Regeln der Psychotherapie. Er propagiert ein reaktionäres
Familienbild, in dem die Frau dem Mann untergeordnet ist, Konflikte
nicht ausgesprochen werden dürfen und die eigene Situation (auch
von Opfern von Mißbrauch oder Vergewaltigung) als Schicksal
„angenommen“ werden muß. Seine „Erkenntnisse“,
gewonnen durch „höhere Eingebungen“, wendet
Hellinger nicht nur auf zwischenmenschliche Beziehungen an. Auch die
Geschichte interpretiert er nach diesem Muster um und relativiert so
die Verbrechen des Nationalsozialismus.
Mirja Keller,
Lena Kögler, Moritz Krawinkel, Jan Schlemermeyer: Antifa.
Geschichte und Organisierung. Schmetterling Verlag 2011 (Reihe
theorie.org). 180 S. Pb. (NB1197) 10 Euro
In dem Buch verfolgen
die Autoren die Vorläufer, Theorien und Praktiken der
linksradikalen Antifaschisten und erläutern konkret die
Unterschiede und Gemeinsamkeiten der gegenwärtigen Ausprägungen,
wie Antideutsche, Antinationale oder Bewegungslinke. Den Lesern
bietet sich mit diesem Buch die Möglichkeit, Erkenntnisse über
bereits erarbeitete und verworfene Theorien sowie Erfolge und
Niederlagen der Praxis zu sammeln, was gerade für die moderne,
sich im stetigen Wandel befindliche, radikale Antifa von großer
Bedeutung ist. Das Buch hilft dabei, Wissen um die eigene Geschichte
zu erlangen, damit das Rad nicht immer neu erfunden werden muß.
Stattdessen können die Leser die Entwicklung einer
gesellschaftlich wirksamen, emanzipatorischen Bewegung vorantreiben.
Jungdemokraten / Junge Linke
Duisburg: Duisburg – rechts um!? Neonazis im Großraum
Duisburg/Oberhausen. Vorwort von Bruno Bachler. 2002. 148 S. (NB541)
5 Euro
Seit Jahrzehnten beteuern offizielle Stellen bei jeder
sich bietenden Gelegenheit, daß es im Großraum
Duisburg/Oberhausen keine ernstzunehmende neonazistische Szene geben
würde, erst recht keine gefestigte. Ist dem tatsächlich so?
Der Verfassungsschutz jedenfalls müßte es besser wissen,
schließlich standen mehrere hochkarätige Duisburger NPD-
und JN-Funktionäre in seinen Diensten. Von dieser Seite ist aber
nach wie vor ebenso wenig mit Aufklärung zu rechnen wie von der
Polizei. In dem vorliegenden Buch wird versucht, ausführlich
über Ausformungen, Strukturen und Rekrutierungsfelder der
neonazistischen Szene im Großraum Duisburg/Oberhausen zu
informieren und eine Grundlage für die lokale politische Arbeit
zu schaffen. Das Ergebnis sei vorweggenommen: Die regionale
neonazistische Szene ist sowohl gut organisiert als auch höchst
aktiv. Sie nutzt alle ihr zur Verfügung stehenden
Rekrutierungsfelder.
Jens Mecklenburg (Hg.): Was tun
gegen rechts. Elefantenpress 1999. 256 S. (NB44z) 17,85
Euro
Möglichkeiten und Konzepte, um gegen rechtsextreme
Einstellungspotentiale und Gewaltbereitschaft vorzugehen. Die
unterschiedlichen Blickwinkel und praktischen Erfahrungen der Autoren
bieten umfassende Denkanstöße. Die Beiträge reichen
von der Vorstellung einzelner Initiativen, ihrer Ansatzpunkte,
Erfolge und Mißerfolge bis zum Aufzeigen
gesamtgesellschaftlicher Perspektiven.
Jürgen
Peters, Hans Hoffmann, Udo Schmode (Hg.): Handeln gegen rechts.
Xenos – Berichte aus der Praxis. Ein gemeinsames Buchprojekt
von IG Metall Vorstand, Otto Brenner Stiftung, ARBEIT UND LEBEN
Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. VSA Verlag 2005. 112 S.,
einige Abb. (NB834) 9,80 Euro
„Die Bekämpfung des
Rechtsextremismus erfordert vor allem Handeln im Alltag: Notwendig
ist, immr wieder für Toleranz und Weltoffenheit zu werben –
in Schulen und Freizeiteinrichtungen, Betrieben und Verwaltungen. Wie
dies gehen kann, wurde im Rahmen des Xenos-Programms in zahlreichen
Projekten erprobt. Einige werden in diesem Band vorgestellt. Jetzt
kommt es darauf an, daß die vielen Handlungsstrategien, die in
den Xenos-Projekten entwickelt worden sind, nicht in Vergessenheit
geraten: Nachhaltigkeit ist zu Recht ein zentrales Ziel des
Programms. Die vorliegende Publikation leistet dazu einen wichtigen
Beitrag. Denn sie bereichert die Dabatte darüber, wie die in den
Projekten gesammelten Erfahrungen im Alltagshandeln verankert werden
können.“ (Aus dem Vorwort).
Jens Mecklenburg (Hg.): Braune Gefahr. DVU, NPD, Rep. Geschichte und Zukunft. Elefantenpress 1999. 304 S. (NB78z) 20,40 Euro
Samuel Salzborn: Grenzenlose
Heimat. Geschichte, Gegenwart und Zukunft der
Vertriebenenverbände. Elefantenpress 2000. 224 S. (NB79z) 15,30
Euro
Haben die Vertriebenenverbände in Deutschland noch
eine Zukunft? Sind sie nicht ein Relikt längst vergangener
Zeiten? Nein! Nicht nur, daß sich der Status der „Vertreibung“
auf jüngere Generationen vererbt – die
Vertriebenenverbände mit ihrer Volkstumspolitik, ihrem Einsatz
für ethnisch definierte Menschenrechte sind spätestens seit
dem Zusammenbruch des „Ostblocks“ wieder gefragt.
Salzborn stellt die Entwicklung in der BRD und in Europa seit 1945
ebenso dar wie ihre nationalsozialistische Vorgeschichte und kommt zu
dem Ergebnis, daß die „Vertriebenen“ in Gegenwart
und Zukunft deutscher und europäischer Politik präsent
bleiben werden.
Das Netz des Hasses.
Rassistische, rechtsextreme und neonazistische Propaganda im
Internet. Hg. Von der Stiftung Dokumentationsarchiv des
österreichischen Winderstandes 1997. 304 S. (NB29) 20,70 Euro
Beiträge von Anton Maegerle, Martin Dietzsch, Wolfgang
Neugebauer, Juliane Wetzel u.a.
White Noise. Rechts-Rock,
Skinhead-Musik, Blood & Honour – Einblicke in die
internationale Nazi-Musik-Szene. Unrast-Verlag 2000. 160 S. (NB11z)
10,10 Euro
Mit einem Beitrag von Stefan Jacoby über
Neonazis im Internet.
Gerd Dembowski, Jürgen Scheidle (Hg.): Tatort Stadion. Rassismus, Antisemitismus und Sexismus im Fußball. Vorwort von Michael Preetz. PapyRossa Verlag 2002. 216 S. (NB571) 12,90 Euro Auch wenn es nicht in das salonfähige Fußballbild der Kommerzindustrie paßt: Rechte Ressentiments entladen sich nicht nur in den Fankurven der Stadien. Auch Funktionäre, Trainer und Spieler sind beteiligt. Und Medienberichte können ebenfalls verstärkend wirken.
Juni 1941 – der tiefe
Schnitt. Hg. Vom Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst.
Espresso Verlag. 176 S. Im Großformat, zahlreiche Abbildungen.
(NB519z) 18,40 Euro
Am 22. Juni 1941 überfiel die
faschistische Wehrmacht die Sowjetunion. Katalog zur Ausstellung des
Deutsch-Russischen Museums vom 22. Juni bis 30. September 2001. Texte
in deutscher und russischer Sprache.
Peter Weiss: Die Ästhetik des
Widerstands. Roman. Suhrkamp-Verlag 1983. 962 S. (NB156) 16,50
Euro
Ausgabe des gesamten Werks in einem Band.
Peter Weiss: Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade. Drama in zwei Akten. Edition suhrkamp. 160 S. (NB459) 7 Euro
Frank Deppe:
Politisches Denken im Übergang ins 21. Jahrhundert. Rückfall
in die Barbarei oder Geburt einer neuen Weltordnung? (Politisches
Denken im 20. Jahrhundert, Band 4). VSA Verlag 2010. 440 S. (NB1173)
29.80 Euro
Der Abschlußband über das Politische
Denken im 20. Jahrhundert – mit einem Ausblick auf die
Entwicklung der Weltordnung in unserer Zeit. Dieser Band widmet sich
der Zeit nach dem Ende des Kalten Krieges und der welthistorischen
Wende von 1989-91: dem Ende der Bipolarität, aber auch der
Erosion der „Pax Americana“, den mit dem Aufstieg der
„Schwellenländer“ (vor allem China und Indien)
veränderten Kräfteverhältnissen in der Weltwirtschaft,
der Großen Krise des Finanzmarkt-Kapitalismus und den
gewaltigen ökologischen Gefahren des 21. Jahrhunderts. Dabei
handelt es sich um keine abgeschlossene Epoche, sondern um bis heute
offene Entwicklungsprozesse: geprägt durch den neoliberalen
Rollback, die Neuformierung sozialliberaler Modernisierungsstrategien
(Tony Blair/Anthony Giddens), das „unvollendete Projekt der
Aufklärung“ (Jürgen Habermas), die Renaissance und
Politisierung der Religionen: iranische Revolution (Chomeini),
Katholizismus (Joseph Ratzinger), die USA des George W. Bush.
Frank
Deppe, Georg Fülberth, Werner Goldschmidt, Ernst-Ulrich Huster,
Reinhard Kühnl, Norman Paech, Wolfgang Schoeller, Herbert Schui,
Gerd Wiegel: Nichts bleibt wie es war. Ein Vierteljahrhundert im
Überblick 1980 bis 2005. Distel Verlag 2005. 112 S.,
Fadenheftung und stabiler Plastikeinband. (NB890) 12,80 Euro
Aus
dem Inhalt: Arbeiterbewegung(en); Neofaschismus und Antifaschismus;
Der Sozialstaat: Grundlagen und Krise; Drei Detail-Kritiken;
Reichtum; Vergangenheit und Zukunft einer neuen Weltordnung; Der
globale Freihandel; Die Zerstörung Jerusalems.
Konrad
Lotter, Reinhard Meiners, Elmar Treptow: Das Marx-Engels-Lexikon.
Begriffe von Abstraktion bis Zirkulation. PapyRossa Verlag 2006. 404
S. (NB955) 24,90 Euro
Für Anfänger wie für
Kenner ein wertvolles Hilfsmittel für Verständnis und
Erschließung der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels. Das
Lexikon behandelt rund 250 zentrale Begriffe, die jeweils durch eine
kurze Einführung der Herausgeber erläutert werden.
Anschließend werden die wichtigsten Belegstellen aus den 42
Bänden der MEW im vollständigen Wortlaut angeführt.
Die Zitate sind so angeordnet, daß sich an ihnen sowohl die
systematische Entfaltung als auch die historische Entwicklung eines
Begriffs nachvollziehen lassen. Die Nennung weiterer Belegstellen
fördert die selbständige Weiterarbeit.
Christoph
Henning (Hg.): Marxglossar. Edition Freitag 2006. 276 S. (NB956)
19,80 Euro
Marx ist aktuell. Im globalisierten Kapitalismus, in
dem Massen entlassen, Manager trotz schlechter Leistungsbilanz mit
Millionen abgefunden werden, ist er aktueller denn je. Die Rede ist
nicht davon, daß „die Marxisten von gestern“ Recht
haben. Dagegen den Theoretiker Marx ernst nehmen heißt, den
Kapitalismus als ein dynamisches, ja als explosives Gefüge
verstehen. Er wandelt sich stets und hat wenig platz für
Dogmatismen. Dieses Glossar zeigt Felder auf, für die Marx als
Diagnostiker bedeutsam bleibt. Stichworte u.a.: Arbeitslosigkeit,
Buddhismus, Call Center, Human Capital, Informationsgesellschaft,
Neoliberalismus, Ökologie, Sachzwang, Zeitmanagement.
Michael
Heinrich: Wie das Marxsche Kapital lesen? Hinweise zur Lektüre
und Kommentar zum Anfang von „Das Kapital“. Schmetterling
Verlag 2008. 288 S. (NB1061) 12,80 Euro
In diesem Band werden
zentrale Konzepte wie abstrakte Arbeit, Wertform oder
Warenfetischismus eingeführt, die nicht ohne Weiteres
verständlich sind. Nach einer Einleitung, in der auf die
Relevanz einer heutigen Beschäftigung mit dem «Kapital»
eingegangen wird, folgt ein ausführlicher Kommentar zu den
ersten beiden Kapiteln. Absatz für Absatz werden Erläuterungen
gegeben und Fragen behandelt, die sich bei der Lektüre des
Originaltextes einstellen. Dabei wird nicht nur das Verständnis
dieser beiden Kapitel erleichtert, es wird auch deutlich, was bei der
Lektüre eines komplexen wissenschaftlichen Textes alles zu
berücksichtigen ist. Zentrales Thema dieser ersten beiden
Kapitel sind die Werttheorie und der Fetisch der Ware. Wichtige
Aspekte, die Marx im «Kapital» nur kurz anspricht,
behandelte er in anderen Texten. Als Anhang sind dem Kommentar daher
Passagen aus weiteren Marxschen Texten beigegeben, die ebenfalls
ausführlich erläutert werden. Das vorliegende Buch ist
nicht nur eine Hilfestellung zur selbständigen Lektüre des
„Kapital“, sondern auch eine textnahe Auseinandersetzung
mit der Werttheorie – dem Fundament der Marxschen Kritik der
politischen Ökonomie.
Stefan Kraft/
Karl Reitter (Hg.): Der junge Marx. Philosophische Schriften. Pro
Media Verlag 2007, Edition „Linke Klassiker“. 172 Seiten.
(NB1022) 12,90 Euro
Als Karl Marx im Jahre 1848 im Alter von 29
Jahren gemeinsam mit Friedrich Engels das „Manifest der
Kommunistischen Partei“ veröffentlichte, konnte er bereits
auf eine Fülle von richtungsweisenden Schriften zurückblicken.
Zu den bekanntesten Werken aus seinen Jugendjahren zählen unter
anderem „Die heilige Familie“, „Die deutsche
Ideologie“, die „Ökonomisch-philosophischen
Manuskripte“ und die „Thesen über Feuerbach“.
Diese Abhandlungen zeigen auf faszinierende Weise die raschen und
umwälzenden Veränderungen im Marxschen Denken, seinen
Geistesweg von der deutschen Philosophie hin zu einem revolutionären
Programm, seine radikalen Auseinandersetzungen mit den
Linkshegelianern und Frühsozialisten. Wir erleben einen Denker,
der früh erkennt, wie die Verwirklichung der Philosophie eine
emanzipatorische Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse
bewirken kann. Wir treffen auf einen scharfen Kritiker des Staates,
der, vor allem in seiner ausführlichen Kritik an Hegel, den
Widerspruch zwischen Staat und Gesellschaft herausarbeitet.
Revolution, so Marx, muß „die Revolution radikaler
Bedürfnisse sein“. Kommunismus ist daher auch kein fixer,
anzustrebender Zustand, sondern „Kommunismus ist die wirkliche
Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt“. In seinen
frühen Analysen der ökonomisch-sozialen Verhältnisse
im Allgemeinen und dem Arbeitsprozeß im Besonderen finden wir
eine scharfe Kritik der Lohnarbeit. Marx, der sie grundlegend als
entfremdete Arbeit erkennt, konstatiert unmissverständlich:
„Ihre Fremdheit tritt darin rein hervor, daß, sobald kein
physischer oder sonstiger Zwang existiert, die Arbeit als eine Pest
geflohen wird.“ Wie dringlich eine Revolution vonnöten
ist, beweist Marx mit seiner Analyse der psychischen und physischen
Reduktion des Menschen im kapitalistischen Arbeitsprozeß, und
er setzt ihr die Entwicklung der Allseitigkeit und die Entfaltung der
Persönlichkeit entgegen. Die Individuen „müssen den
Staat stürzen, um ihre Persönlichkeit durchzusetzen.“
Mit der Schriftensammlung „Der junge Marx“ haben Stefan
Kraft und Karl Reitter den Versuch unternommen, die wichtigsten
Argumente, Thesen und Textstellen im Marxschen Frühwerk
aufzuspüren und ihre Aktualität in der Beantwortung
heutiger gesellschaftspolitischer Fragen unter Beweis zu stellen.
Margarete Drachenberg (Hg.): Befreien wir sie von den Hirngespinsten. Anekdoten über Karl Marx. Eulenspiegel Verlag 2008. 128 S. Geb. (NB1068) 9,90 Euro
Georg
Fülberth: Finis Germaniae. Deutsche Geschichte seit 1945.
PapyRossa Verlag 2007. 320 S. Hc. (NB1021) 19,90 Euro
Georg
Fülberth legt ein Handbuch zur deutschen Geschichte seit 1945
vor. Prägnant arbeitet sein konzentrierter und verläßlicher
Überblick die grundlegenden politischen und gesellschaftlichen
Prozesse in den vier Besatzungszonen 1945-1949, in den beiden
deutschen Staaten 1949-1990 und in der vergrößerten
Bundesrepublik seit 1990 heraus. Dabei entsteht ein Beleg für
folgende These: Der deutsche Nationalstaat ist – dem
staatlichen Selbstverständnis der BRD zum Trotz – zwar
1945 untergegangen, aber 1990 nicht neu entstanden. Vielmehr muß
jetzt von „Finis Germaniae“ gesprochen werden. Di
deutsche Geschichte hat aufgehört, Nationalgeschichte zu sein.
Heute lebt sie fort als Regionalgeschichte des Kapitalismus. Und was
war sie vor dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik? Auch nicht viel
mehr, sondern lediglich ergänzt durch eine Regionalgeschichte
des Sozialismus, der aber auch nur ein Einschluß im
Kapitalismus gewesen ist.
Georg
Fülberth: G Strich – Kleine Geschichte des Kapitalismus.
PapyRossa Verlag 2005. 316 S. Hc. (NB828) 19,80 Euro
Was ist
das, wovon alle reden: Kapitalismus? Zunächst wird die Antwort
des Verfassers mit den Definitionen früherer Autoren verglichen,
wobei Karl Marx relativ gut abschneidet. Dann folgt eine Darstellung
von Entstehung und Geschichte der kapitalistischen Gesellschaft vom
Handelskapitalismus bis zum Neoliberalismus der Gegenwart. Sie
schließt die Gegenbewegungen ein und mündet in die Frage
nach dem etwaigen Ende dieser Produktions- und Lebensweise.
Georg Fülberth: Das Ende als Chance? Überlegungen zum tendenziellen Fall der sozialistischen Bewegung. 1988-1998. Band I. Konkret. (NB2) 10,12 Euro
Georg Fülberth: Das Ende als Chance? Überlegungen zum tendenziellen Fall der sozialistischen Bewegung. 1988-1998. Band II. Konkret. (NB3) 10,12 Euro
Georg Fülberth: Berlin Bonn
Berlin. Deutsche Geschichte seit 1945. PapyRossa Verlag. Hc.
(NB93z) 18,40 Euro
Prägnant arbeitet Fülberth die
grundlegenden politischen und gesellschaftlichen Prozesse in beiden
deutschen Staaten sowie im vereinigten Deutschland heraus. Sein
konzentrierter Überblick ist zugleich ein Handbuch, das jene
Punkte besonders hervorhebt, die auf dem Weg von der Katastrophe 1945
zur neuen Versuchung seit 1990 entscheidend waren.
Georg Fülberth:
Eröffnungsbilanz des gesamtdeutschen Kapitalismus. Vom
Spätsozialismus zur nationalen Restauration. Konkret 1993. 160
S. (NB94) 11,25 Euro
Nicht nur die DDR ist ein gescheiterter
Staat, sondern auch die alte BRD. Georg Fülberth analysiert die
politische Hinterlassenschaft beider Staaten für das neue
Gesamtdeutschland. Dabei wird die DDR nicht als Unrechtsregime
abgetan, sondern als „Spätsozialismus“ definiert,
der an Aufgaben scheiterte, denen sich kapitalistische Systeme nicht
einmal stellten, deren Lösung aber unabdingbar ist. Die
verblichenen Vorzüge der BRD waren nur unter den Bedingungen der
Systemauseinandersetzung zu haben.
Georg Fülberth: Sieben Anstrengungen, den vorläufigen Endsieg des Kapitalismus zu begreifen. Konkret. (NB9) 12,50 Euro
Georg Fülberth, Michael R. Krätke: Neun Fragen zum Kapitalismus. Dietz Verlag 2007 (Texte der Rosa-Luxemburg-Stiftung Bd. 36). 72 S. (NB1015) 6,90 Euro
Georg
Fülberth: Der große Versuch. Geschichte der
kommunistischen Bewegung und der sozialistischen Staaten. PapyRossa
Verlag 1994. 200 S. (NB862) 12,70 Euro
Das Buch liegt quer zu
den gängigen Versuchen, den Sozialismus lediglich unter dem
Aspekt des Nichterreichten zu beurteilen. Das Ende des
Realsozialismus und der kommunistischen Massenparteien erweist sich
zugleich als Ende jener Phase der bürgerlichen Gesellschaft, in
der diese genötigt war, mit einem sozialstaatlichen Anspruch
aufzutreten. Damit liegt die Überlegung nahe, daß dieser
Typ des Sozialismus sogar da, wo er die selbstgesteckten Ziele
verfehlte, unverzichtbares Moment einer Moderne war, die ohne ihn
aufhören wird, weiterhin eine „Moderne“ zu sein.
Georg
Fülberth: Kapitalismus. PapyRossa Verlag 2010 (Basiswissen).
120 S. (NB1143) 9,90 Euro
„Basiswissen“ bringt in
handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen
in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie.
Den ersten Leitfaden aus dieser neu etablierten Reihe legt Georg
Fülberth zum Stichwort „Kapitalismus“ vor. Im
theoretischen Teil werden dessen Charakteristika herausgearbeitet.
Zentral stehen dabei Akkumulation und Überakkumulation. Sie
bestimmen auch den Rhythmus der Geschichte dieser Produktions- und
Reproduktionsweise. Ihr gilt der zweite Teil des Buchs, der vom
Handelskapitalismus des ausgehenden Mittelalters und der frühen
Neuzeit bis zum Neoliberalismus von heute reicht. In seiner aktuellen
Phase wird der Kapitalismus als „Problematische
Überschussgesellschaft“ definiert. Dieser Begriff dient
zur Erklärung der Krise von 2007 ff., die sich als die
Konsequenz der merkwürdigerweise lange verdrängten,
womöglich wichtigeren Vorgängerkrise von 1974/75 und des
darauf folgenden Spekulations- und erneuten Überakkumulations-
Zyklus erweist.
Georg
Fülberth: Sozialismus. PapyRossa Verlag 2010 (Basiswissen).
112 S. (NB1144) 9,90 Euro
Was Sozialismus sei, wird angesichts
der Krisenhaftigkeit seines Gegenstücks, des Kapitalismus,
heftig debattiert. Was gemeint ist, bleibt indes häufig unklar.
Dem kann dieser Leitfaden abhelfen. Unter Sozialismus versteht er
dreierlei: a.) eine Gesellschaftsordnung, b.) eine politische
Bewegung und ihre Theorie, c.) ein untergeordnetes
Organisationsprinzip in der kapitalistischen Gesellschaft. Diese
Definition macht es nötig, in gebotener Kürze, aber dennoch
präzise die Grundzüge der Geschichte der sozialistischen
Bewegungen seit Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft, des
staatlich verfassten Sozialismus seit 1917 und von
Vergesellschaftungstendenzen im Kapitalismus selbst herauszuarbeiten.
Der Verfasser fragt auch nach Möglichkeiten für eine
Zukunft des Sozialismus. Als eine erste Etappe nennt er eine „Pink,
Grey, Red, Blue Revolution“: Eine Umwälzung zugunsten der
Jungen, der Rentner, der von Lohn- oder Transfereinkommen Abhängigen
und der Antikriegskräfte, deren ökologische Dimension
vorausgesetzt wird.
Professor Dr. phil. Georg Fülberth, Jg.
1939. Lehrte Politikwissenschaft an der Universität Marburg.
Publiziert regelmäßig in „Freitag“, „Konkret“,
„junge Welt“ und anderen Zeitungen und Zeitschriften.
Zahlreiche Bücher und Buchbeiträge.
Georg
Fülberth: „Das Kapital“ kompakt. PapyRossa
Verlag 2011 (Basiswissen). 123 S. (NB1165) 9,90 Euro
Die
vorliegende Einführung in „Das Kapital“
unterscheidet sich von anderen auch dadurch, daß sie nicht
polemisch zu belegen versucht, dieses Werk besser verstanden zu haben
als jene. Sie zeichnet zwar ebenfalls dessen Gesamtargumentation
nach, zeichnet sich aber dadurch aus, dass sie 1) besonderes Gewicht
auf den dritten Band legt; 2) die Rehabilitation der reinen
Arbeitswertlehre, wie sie im ersten Band entwickelt ist, übernimmt;
3) danach fragt, in welchem Verhältnis die Analyse der
kapitalistischen Produktionsweise und die Untersuchung der
Möglichkeiten ihrer Aufhebung in der Marxschen „Kritik der
Politischen Ökonomie“ zueinander stehen. Die Erkenntnisse
der „Neuen Marx-Lektüre“ und der „Monetären
Werttheorie“ werden dabei aufgenommen, aber vom Kopf auf die
Füße gestellt. Das Ziel dieser Einführung ist
erreicht, wenn die Leserinnen und Leser neugierig auf das Original
werden und dessen Lektüre folgen lassen. Dieser Basistext kann
ihnen dabei helfen, einen roten Faden durch die drei Bände zu
finden.
Frank Deppe,
David Salomon, Ingar Solty: Imperialismus. PapyRossa Verlag 2011
(Basiswissen). 134 S. (NB1164) 9,90 Euro
Imperialismus
definieren die Autoren als eine „offene oder latente
Gewaltpolitik zur externen Absicherung eines internen Regimes“
und als zentralen Bestandteil der territorialen Reproduktion des
Kapitalismus. Verabschieden sie damit die Sichtweise, Imperialismus
sei ein Stadium der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, so
zeigen sie jedoch, daß sich aus der polit-ökonomisch
begründeten Analyse schlüssige Einsichten auch in
gegenwärtige weltwirtschaftliche und -politische Abläufe
ergeben. Klassische Imperialismustheorien (J. A. Hobson, Rudolf
Hilferding, Joseph Schumpeter, Karl Kautsky sowie W. I. Lenin und
Rosa Luxemburg) werden ebenso berücksichtigt wie Beiträge
aus der aktuellen Debatte (Leo Panitch, Sam Gindin oder David
Harvey). Nach einer Analyse des US-Imperialismus seit 1945 fragen die
Autoren auch, wie es sich mit einem „Euroimperialismus“
verhält. Kritik an der ideologischen Figur eines „guten
Imperialismus“ und Überlegungen zu einem zeitgemäßen
Antiimperialismus beschließen den Band.
Eric Hobsbawm:
Zwischenwelten und Übergangszeiten. Interventionen und
Wortmeldungen. Hg. von Friedrich-Martin Balzer und Georg Fülberth.
PapyRossa Verlag 2009. 240 S. Hc. (NB1105) 18 Euro
Eric
Hobsbawm, geboren 1917 in Alexandria/Ägypten. Entstammt einer
jüdisch-österreichisch/englischen Familie. Aufgewachsen in
Wien und Berlin. Ging 1933 nach London. Studium in Cambridge. 1971
bis 1982 Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der
Universität London. Seit 1984 Inhaber eines Lehrstuhls an der
New School for Social Research in New York. 1995 erschien seine
bahnbrechende „Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts“ mit
dem Titel „Das Zeitalter der Extreme“. 2008 erhielt er
den Bochumer Historikerpreis. Eric Hobsbawm, der Historiker des 19.
und 20. Jahrhunderts, ist zugleich ein Zeitgenosse des 20. und 21.
Sein Werk speist sich nicht nur aus der Arbeit des Gelehrten, sondern
auch aus einem lebenslangen politischen Engagement. Der Band enthält
Interviews und Aufsätze, die in der Periode des „Erdrutschs“
– nach dem Ende des Staatssozialismus sowie des
wohlfahrtsstaatlichen Kapitalismus und im Übergang zu einer
neuen kapitalistischen Ordnung – auf deutsch erschienen sind
und erstmals gesammelt vorliegen. Ergänzt werden sie durch ein
umfangreiches Gespräch der Herausgeber mit Eric Hobsbawm in
London. Die Umstände geben den Texten eine besondere Aktualität:
Im 3. Band seiner Trilogie über das „Lange Neunzehnte
Jahrhundert“ untersuchte Hobsbawm die Große Depression
der Jahrzehnte nach 1873, in seinem Buch über das „Kurze
Zwanzigste Jahrhundert“ die Weltwirtschaftskrise 1929 - 1933.
Nun äußert er sich unter anderem zu den wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Umwälzungen der unmittelbaren Gegenwart.
Bini
Adamczak: Kommunismus. Kleine Geschichte, wie endlich alles
anders wird. Unrast Verlag 2004. 80 S. (NB899) 8 Euro
Wie läßt
es sich – jetzt! – fünfzehn Jahre nach dem Ende der
Geschichte über das Ende der Vorgeschichte, über
Kommunismus schreiben, ohne der Lächerlichkeit eines
ohnmächtigen Pathos zu verfallen? Kritische Kritik + Negation
der Negation? Aber: sollte sich der Kommunismus auf übelgelaunte
Negation beschränken, ohne Traum und Sexappeal? Es bedarf einer
kinderleichten Sprache um ein kommunistisches Begehren zu erfinden.
„Den Kommunismus machen: das kann ja wohl nicht so schwer
sein.“ Kommunismus ist für alle da. Einsteigerinnen und
alle, die schon immer an diesem verflixten Fetischkapitel verzweifelt
sind. Artisten der Negation, praktische Kritikerinnen und jene, denen
das falsche Ganze einfach als zu farblos erscheint. Die kleine
Geschichte erweist den Kommunismus gänzlich unzeitgemäß
als das wunderlich Einfache + Schöne. Sie folgt einem
kommunistischen Begehren: daß endlich alles anders wird. In
ihrem Nachwort skizziert die Autorin die historischen und
theoretischen Koordinaten der Konstruktion eines kommunistischen
Begehrens.
Helmut
Ortner: Alles andere später. Attacken, Notizen und Kolumnen
zum Stand der Dinge und Lauf der Zeit. Nomen Verlag 2005. 200 S.
Klappenbroschur. (NB911) 16 Euro
Alle reden mit, niemand weiß
Bescheid. Ist das Dosenpfandgesetz nun wirklich ernst gemeint? Was
verbirgt sich hinter Josef Ackermanns Victory-Auftritt? War Guido
Westerwelles Besuch im Big-Brother-Container nur ein Wahlkampf-Gag
oder gehört er tatsächlich dorthin? Und warum wird
Deutschlands Sicherheit statt im Hunsrück am Hindukusch
verteidigt? Gesammelte Attacken, Kolumnen und Notizen „zum
Stand der Dinge und Lauf der Zeit“ – provokant, böse,
ungerecht und hintergründig“.
Hermann L. Gremliza: Gegen
Deutschland. 48 Nestbeschutzungen. Konkret 2000. 208 S. (NB259)
14,50 Euro
Auswahl aus den Konkret-Kolumnen 1990 – 2000.
Hermann L. Gremliza: Ganghofer im Wunderland. 73 Absagen an die herrschende Meinung 1978-1994. Konkret. (NB12) 8,20 Euro
Hermann L. Gremliza: Herrschaftszeiten oder Freiheit ist immer die Freiheit von Radio Luxemburg. Konkret (NB13) 10,15 Euro
Peter Hacks: Das Poetische.
Ansätze zu einer postrevolutionären Dramaturgie. Edition
Nautilus 2001. 128 S. (NB420) 12,80 Euro
Was ist Kunst? Wie
entsteht sie, wodurch wirkt sie und woran geht sie unter?
Peter Hacks: Schöne Wirtschaft. Ästhetisch-ökonomische Fragmente. Edition Nautilus 1997. 128 S. (NB583) 9,80 Euro
Ronald M. Schernikau:
Kleinstadtnovelle. Konkret 2002. 86 S. Pb. (NB615) 12 Euro
1980
erstmals veröffentlicht. Ein subtiler Text über die
Schwierigkeiten, die eigene Persönlichkeit gegen
festgeschriebene Normen und Werte durchzusetzen. Als schwuler
Klassiker gefeiert und als eine der ersten Coming-out-Geschichten
gerühmt, ist „Kleinstadtnovelle“ mehr noch präzise
und vielschichtige Analyse der ausweglosen Situation Jugendlicher.
Ronald M. Schernikau: Die Tage in
L. Darüber, daß die DDR und die BRD sich niemals
verständigen können, geschweige mittels ihrer Literatur.
Konkret 2001. 216 S. (NB527) 15 Euro
Ronald M. Schernikau
(1960-1991) ging – gegen den Strom – 1989 in den Osten
und nahm die DDR-Staatsbürgerschaft an. „Die Tage in L.“
ist eine Sammlung von Notaten. Die Neuausgabe berücksichtigt
Korrekturen des Autors nach der Erstausgabe von 1989 und enhält
ein Vorwort von Hermann L. Gremliza.
Ronald M.
Schernikau: Königin im Dreck. Texte zur Zeit. Hg. von Thomas
Keck. Verbrecher Verlag 2009. 304 S., einige Abb. (NB1138) 15
Euro
„Königin im Dreck“ ist ein Band, der
erstmals Schernikaus Beiträge für Zeitungen, Journale und
Anthologien vereint.
Autonome a.f.r.i.k.a. Gruppe /
Luther Blissett / Sonja Brünzels: Handbuch der
Kommunikationsguerilla. Vierte Auflage. Assoziation A 2001. 240
S. (NB753) 16 Euro
Einiges über Büro für
ungewöhnliche Maßnahmen, Burroughs, Dada, Kommune I,
KPD/RZ, Provos, Radio Alice, Situationistische Internationale,
Subversive Aktion /Gruppe Spur, Yippies u.a.
Neue Gesellschaft für
Bildende Kunst: legal / illegal. Wenn Kunst Gesetze bricht / Art
beyond law. Zusammengestellt von Hans Winkler. Schmetterling Verlag.
Ca. 200 S. (NB784) 17 Euro
Johannes Baader, Arthur Cravan,
Guerilla Art Action Group, Jochen Gerz, Jon Hendricks, Abbie Hoffman,
Franz Jung, Janice Kerbel, Dieter Kunzelmann, Minus Delta t,
Spaßguerilla, Jean Toche, Timm Ulrichs u.v.a.
Biene
Baumeister, Zwi Negator: Situationistische Revolutionstheorie.
Eine Aneignung. Vol I: Enchiridion. Schmetterling Verlag, Reihe
Theorie.org. 2005. 240 S. (NB853) 10 Euro
„In unseren
Tagen erscheint das revolutionäre Projekt als Angeklagter der
Geschichte. Ihm wird vorgeworfen, daß es schlechten Erfolg
gehabt und eine neue Entfremdung mit sich gebracht habe. Das heißt
nichts anderes, als daß die herrschende Gesellschaft sich auf
allen Gebieten der Wirklichkeit viel besser wehren konnte als die
Revolutionäre es vorhergesehen hatten, und nicht, daß sie
annehmbarer geworden ist.“
Mitte der 50er Jahre entstand die
Situationistische Internationale (SI), die für die Bewegungen im
französischen Mai 1968 eine maßgebliche Rolle spielte und
auch heute als eine Stichwortgeberin für viele Strömungen
aus Kultur und Politik herhält. Mit ihrem Konzept der
„Konstruktion von Situationen“ arbeitete sie mit
spielerisch experimentellen Mitteln auf die Verwirklichung der Poesie
als Aufhebung von Kunst, Politik und Alltag im Sinne einer modernen
proletarischen Revolution hin. Beeinflußt von Dadaismus und
Surrealismus unterzog die SI das Marxsche Werk einer intensiven
Relektüre und erarbeitete eine Kritik der „Gesellschaft
des Spektakels“ (SI). Vor diesem Hintergrund versucht das Buch,
die Grundzüge der situationistischen Revolutionstheorie dar- und
klarzustellen und sie zugleich mit ihren „blinden Flecken“
zu konfrontieren, was für eine kritische, aktualisierte
Aneignung unabdingbar ist.
Biene
Baumeister, Zwi Negator: Situationistische Revolutionstheorie.
Eine Aneignung Vol. II: Kleines Organon. Schmetterling Verlag, Reihe
Theorie Org. 240 S. (NB843) 10 Euro
Hintergründe
und Anmerkungen zu Band 1. Literaturverzeichnis, Personenregister,
Zeittafel.
Simon Ford:
Die Situationistische Internationale. Eine Gebrauchsanleitung.
Edition Nautilus 2007 (Kleine Bücherei für Hand und Kopf
58). 224 S., zahlr. schw.-w. Ill. (NB1202) 14,90 Euro
Das
Gespür der Situationisten für den Skandal wurde von vielen
– von den Sex Pistols bis Naomi Klein – übernommen
und hat bis heute nicht an Anziehungskraft verloren. Das Buch ist
eine kompakte Einführung in die berüchtigste und radikalste
Kunstbewegung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die
Situationistische Internationale – zu deren Mitgliedern und
wichtigsten Gestaltern Guy Debord, Raoul Vaneigem, Asger Jorn,
Constant und die Gruppe Spur gehörten. Malerei, Architektur,
Film – die Situationisten haben weite Teile der Kunst
beeinflußt. Der Autor beleuchtet den historischen Hintergrund
der europäischen Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg. Er
beschreibt, wie eine Gruppe von jugendlichen Herumtreibern in Paris
mit faszinierender Unbescheidenheit einen Angriff auf die im
Tiefschlaf liegende Kultur provozierte und wie mit wachsender
sozialer Unruhe im Rücken ein innovativer Think Tank entstand,
der die radikalsten Strömungen des Mai 68 inspirierte. Im Laufe
der 10 Jahre ihres Bestehens hat die SI die Kultur im weitesten Sinne
verändert, von der Musik über die Straßenkunst, von
der politischen Analyse zur Entwicklung einer „Neuen Stadt für
ein neues Leben“. Die Ideen und Vorschläge der SI sind
immer noch wesentliche Grundlagen für eine Befreiung aus einer
sinnentleerten Gesellschaft.
Der Beginn einer Epoche. Texte der
Situationisten. Edition Nautilus 1995. 320 S. mit zahlr. Abb.
(NB531) 20 Euro
Die „Internationale“ hat an der
Wiedereinführung des Abenteuers in den urbanen Zentren
gearbeitet, an der Formulierung neuer Leidenschaften und Lebensformen
gegen die Stupidität eines völlig sinnentleerten Lebens.
Guy Debord: Die Gesellschaft des
Spektakels. Edition Tiamat 1996. 304 S. (NB538) 20 Euro.
Guy
Debord (1931-1994) war Mitbegründer, Theoretiker und Protagonist
der Situationistischen Internationale. Die vorliegende Arbeit
(erschienen 1967) kann als sein Hauptwerk wie auch als einer der
theoretischen Auslöser der Pariser Maiunruhen von 1968 gewertet
werden. Diese Ausgabe enthält auch die umfangreichen „Kommentare
zur Gesellschaft des Spektakels“ und das Vorwort zur vierten
italienischen Ausgabe.
Guy Debord präsentiert
Potlatch. Informationsbulletin der Lettristischen Internationale.
Mit einem Dokumentenanhang. Edition Tiamat 2002. 384 S. (NB539) 22
Euro
Das Informationsbulletin erschien von 1954 bis 1957
zunächst wöchentlich auf einem Blatt, später seltener
und umfangreicher. Die Lettristische Internationale war eine radikal
gesellschaftskritische Künstlergruppe und Vorläufer der
Situationistischen Internationale (seit 1957).
Guy Debord:
Panegyrikus. Erster Band. Edition Tiamat 1997 (Critica Diabolis
60). 96 S. (NB1147) 16 Euro
Fragmentarische autobiografische
Reflexionen. Einen zweiten Band gibt es nicht.
Raoul
Vaneigem: Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen.
Edition Nautilus. 320 S. (NB1159) 19,90 Euro
Diese neuartige
„Fibel des Klassenkampfes“ erschien 1967 mit einem
Skandal. Mit leidenschaftlicher Subjektivität und radikaler
Kritik der bestehenden Verhältnisse verknüpft diese
umfassende Kritik der modernen Formen der Entfremdung die Bereiche
Politik, Kunst und Alltagsleben zu einer explosiven Mischung, die
1968 zum Ausbruch kam. Ein Schlüsselwerk der aufständischen
Geschichte von 1967-68 ist das Handbuch der Lebenskunst. Neben Guy
Debords Gesellschaft des Spektakels prägte es die Parolen auf
den Mauern und Plakaten des Mai 68. Der poetische, witzige, zornige
und radikale Stil Vaneigems ist aus der modernen Gesellschaftskritik
nicht mehr wegzudenken. Seine provozierenden Thesen gegen die
Verkümmerung der Emotionen, gegen Warengesellschaft und
Patriarchat, gegen die ganze Welt der Ökonomie, setzen auf
Spontaneität, individuelles Erleben und die Kostenlosigkeit der
Bedürfnisse. Die Perspektive der Macht, mit ihrer Hierarchie,
Aufopferung und Arbeit, soll umgekehrt werden in eine Perspektive der
Selbstbestimmung, Kreativität, Spontaneität und Poesie. Die
radikale Subjektivität findet ihre Verwirklichung in der von
allen gemachten Geschichte.
Unsichtbares
Komitee: Der kommende Aufstand. Edition Nautilus 2010 (Nautilus
Flugschrift). 128 S. Pb. (NB1157) 9.90 Euro
Nach Sabotage an
einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport
mit radioaktivem Material geplant war, wurde es von der französischen
Regierung als einziges Beweisstück eines mittlerweile
international bekannten „Terrorismusfalls“ gehandelt, als
ein „Handbuch des Terrorismus“ und Vorwand für die
skandalöse, z.T. monatelange Inhaftierung von neun Menschen aus
dem Dorf Tarnac. Tatsächlich enthält des Buch eine
pointierte, situationistisch geprägte Analyse der Reaktionen von
Regierungen auf die verschiedenen Unruhen und Volksaufstände in
den letzten Jahren. Die brennenden Vorstädte in Frankreich, die
Straßengewalt in Griechenland usw. werden von den Regierungen
als Gefahr gesehen, die polizeilich und militärisch gebändigt
werden müsse, wobei das „Krisenmanagement“ die
Gesellschaft auch zusammenhalten soll. Für die Autoren dieses
Manifests hingegen sind die Revolten revolutionäre Momente,
Symptome des Zusammenbruchs der westlichen Demokratien, die sich
gegenseitig verstärken und sich ausbreiten. Sie fordern einen
Kommunismus, der als „ergebnisoffener“ Prozess die
Bildung von Kommunen sowie die Restrukturierung der Ökonomie in
kleine, lokale Einheiten vorsieht und plädieren für eine
anonyme Position der Unsichtbarkeit. „Es geht nicht mehr darum
zu warten – auf einen Lichtblick, die Revolution, die
atomare Apokalypse oder eine soziale Bewegung. Noch zu warten ist
Wahnsinn. Die Katastrophe ist nicht das, was kommt. Sondern das, was
da ist. Wir befinden uns schon jetzt in der Untergangsbewegung
einer Zivilisation. Das ist der Punkt, an dem man Partei ergreifen
muß.“
Marvin
Chlada: Heterotopie und Erfahrung. Abriß einer
Heterotopologie nach Michel Foucault. Alibri Verlag 2005. 142 S.
(NB895) 14 Euro
Als Heterotopie wird in der Medizin die
Bildung von Gewebe am falschen Ort bezeichnet. Entsprechend ließe
sich eine Heterotopie im Sinne Foucaults als das Andere im
Gesellschaftskörper charakterisieren: ein Ort, der in einem
besonderen Verhältnis zur Gesamtgesellschaft steht. Gegenstand
der Heterotopologie können Orte sein, die von einer Gesellschaft
errichtet wurden, um das Anormale besser kontrollieren und
bestenfalls disziplinieren zu können. Es können darüber
hinaus Orte sein, die sich allein der Lust, der Schönheit oder
dem Widerstand verschrieben haben, Orte, die nur solange „toleriert“
werden, wie sie kein „öffentliches Ärgernis“
oder gar eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen.
Marvin
Chlada, Marc Christian Jäger (Hg.): Das Spiel der Lüste.
Sexualität, Identität und Macht bei Michel Foucault. Alibri
Verlag 2008. 140 S. (NB1062) 16 Euro
Foucault hat Erotik und
Sexualität als Formen strategischer Spiele betrachtet, deren
Regeln ebenso verändert wie verworfen werden können. Nicht
die „Wahrheit des Geschlechts“ aufzudecken oder „sich
selbst zu finden“ ist sein Thema, sondern die Möglichkeit,
neue Lüste zu erfinden und ihren Gebrauch zu erweitern. „Man
muß sich von der Instanz des Sexes freimachen, will man die
Mechanismen der Sexualität taktisch umkehren, um die Körper,
die Lüste, die Wissen in ihrer Vielfältigkeit und
Widerstandsfähigkeit gegen die Zugriffe der Macht auszuspielen.“
(Michel Foucault).
Marvin
Chlada: Der Wille zur Utopie. Alibri Verlag 2004. 256 S., mehrere
Abb. (NB925) 16 Euro
In „Der Wille zur Utopie“
unternimmt Marvin Chlada eine Odyssee durch das Universum der
sozialen und technischen Phantasien von der Antike bis zur
Postmoderne, von Atlantis (Plato) bis Zamonien (Walter Moers). Neben
der Einführung in das utopische Denken ist der Band vor allem
eine Einladung, über den ausgesuchten Utopien selbst die Lust zu
entdecken, soziale Einbahnstraßen zu verlassen und bisher
unerforschten Pfaden und neuen Fluchtlinien zu folgen.
Marvin Chlada
(Hrsg.): Das Universum des Gilles Deleuze. Eine Einführung.
Überarbeitete Neuauflage. Alibri Verlag 2011. 172 S. (NB1187)
14,50 Euro
Gilles Deleuze (1925-1995) gehört zu den
meistdiskutierten Philosophen in der gegenwärtigen
Postmodernismus-Debatte. Der Aufsatzband erörtert die
verschiedenen Aspekte seiner Philosophie; er bietet eine kritische
Einführung in sein Denken und stellt dessen Rezeption in den
Subkulturen dar. Die Bandbreite der Themen reicht von im engeren
Sinne philosophischen Fragen über seine Rezeption von Literatur,
Musik, Film bis hin zur Erörterung seines politischen
Standpunktes und der Frage, inwiefern Deleuze Versatzstücke für
eine neue (linke) Utopie bereithält. Mit Beiträgen von
Marvin Chlada, Gabriel Kuhn, Martin Büsser, Thomas Ernst, Daniel
Loick, Gerd Dembowski.
„Als Einführung konzipiert, wird
auch in Form und Inhalt versucht, der Vielfalt des Deleuzeschen
Werkes Rechnung zu tragen. Eher assoziative Texte und Polemiken
stehen neben wissenschaftlich und analytisch verfaßten
Beiträgen.“ (Jens Petz Kastner in Graswurzelrevolution).
„Eine Einführung ins Denken von Gilles Deleuze? Das ist
ein Widerspruch in sich. Wie soll man eine gegen das hierarchische
System gerichtete Philosophie der Vielheit, der Intensitäten und
der Simultaneität dingfest machen? Die zehn Autoren von Marvin
Chladas Anthologie – fast alle um die dreißig –
versuchen Gott sei Dank gar nicht erst, Deleuze didaktische Zügel
anzulegen.“ (Gregor Dotzauer in Tagesspiegel).
Heiß und kalt. Die Jahre
1945-69. Das BilderLeseBuch. Elefantenpress. Ca. 500 S. Mit
zahlreichen Abbildungen. Großformat. (NB403z) 30 Euro
Ein
bewegtes Bild von 25 Jahren Geschichte in Politik, Kultur und Alltag.
Sonderausgabe der LeseBilderBücher „Trümmer Träume
Truman – Die Welt 1945-49“, „Bikini – Kalter
Krieg und Capri-Sonne. Di fünfziger Jahre“ und „Che
Schah Shit – Die sechziger Jahre zwischen Cocktail und Molotow“
Wild und zahm. Die siebziger
Jahre. BilderLeseBuch. Elefantenpress 1997. 256 S. Im Großformat,
ca. 400 Abbildungen. (NB404z) / 20,90 Euro
Reprint der
BilderLeseBücher „Klamm Heimlich und Freunde – die
siebziger Jahre“ und „Der große Unterschied –
Neue Frauenbewegung und die 70er Jahre“.
rotaprint 25
(Hg.): agit 883. Bewegung, Revolte, Underground in Westberlin
1969-1972. Assoziation A 2006. 296 S., zahlr. Abbildungen. (NB970) 22
¤
Die Zeitung agit 883 war das auflagenstärkste Organ
des Linksradikalismus in Westberlin. Sie war ein Spiegelbild eines
Neuzusammensetzungs- und Suchprozesses der radikalen Linken jener
Jahre.
vorwärts bis zum nieder mit.
30 Jahre Plakate unkontrollierter Bewegungen. Hg. Von HKS 13.
Assoziation A 2001. 288 S. Pb. Großformat und eine CD-rom.
(NB677) 25,50 Euro
815 Plakate im Buch abgedruckt. 8300 auf der
beigelegten CD-rom: Apo bis Anti-Globalisierung, Rock gegen rechts
bis Queer, Hannover bis Nürnberg, Stammheim bis Die Grünen,
und vieles andere mehr. Eine vierfarbige Geschichtsrevue quer durch
die „unkontrollierten Bewegungen“ der letzten 30 Jahre.
Außerdem eine Bastelanleitung: „Das gute Plakat“.
Volkhard
Brandes: Paris, Mai ‘68. Plakate, Karikaturen und Fotos der
Revolte. Brandes & Apsel Verlag 2008. 96 S. mit zahlr.
Abbildungen. (NB1044) 14,90 Euro
Innerhalb weniger Tage weitete
sich in Mai ‘68 der Aufstand der Pariser Studenten zum
Generalstreik von über zehn Millionen Arbeitern und Angestellten
in ganz Frankreich aus. Betriebe wurden besetzt, das öffentliche
Leben kam weitgehend zum Stillstand. Auch die Künstler schlossen
sich dem Kampf an. Dieses Buch dokumentiert insbesondere die
kollektive Plakatproduktion des „Atelier populaire“ sowie
die Arbeiten der berühmtesten französischen Karikaturisten.
Fotos bezeugen die Wirkung der Plakate in den Straßen von
Paris. Die politische Kunst des Mai ‘68 hat auch Jahrzehnte
nach der Revolte ihre aggressive Expressivität nicht verloren.
Johannes Agnoli: 1968 und die
Folgen. Ca ira Verlag 1998. 288 S. (NB528) 15 Euro
Johannes
Agnoli zeigt, was aus der Protestbewegung von „1968“
hätte werden können, hätte sie nur eine radikale
Kritik der Politik entwickelt und die marxsche Kritik der politischen
Ökonomie zur Kritik der Staatlichkeit radikalisiert. So aber
verfing sie sich in der Illusion eines alternativen Gebrauchs der
Verfassung. Am Ende des Langen Marsches durch die Institutionen, den
Rudi Dutschke proklamiert hatte, stand die Verstaatlichung der
Opposition, ihre Transformation in einen organischen Bestandteil der
Herrschaft in Gestalt der Grünen.
Johannes
Agnoli: Die Transformation der Demokratie und verwandte
Schriften. Hg. von Barbara Görres Agnoli. Konkret Literatur
Verlag 2004. 240 S. (NB908) 16,50 Euro
Die „Transformation
der Demokratie“, Johannes Agnolis bekannteste Schrift, die er
1967 zusammen mit Peter Brückner im Voltaire Verlag vorlegte,
war die einflußreichste und nachhaltigste Staats- und
Parlamentarismuskritik für die außerparlamentarische
Opposition. Agnoli beschreibt darin den Prozeß der Involution
demokratischer Staaten, Institutionen und Parteien in
antidemokratische Formen, eine Rückbildung der bürgerlichen
Demokratie zu mehr Herrschaft, Unterwerfung und Kapitalabhängigkeit
des Staates, die Entwicklung zu einem autoritären Staat. Ergänzt
wird die „Transformation der Demokratie“ durch verwandte
Texte sowie ein Namens- und Sachregister. Die Rezension von Sebastian
Haffner in Konkret, die zum Erfolg des Buches maßgeblich
beitrug, ist im Anhang nachgedruckt.
Barbara Görres Agnoli: Johannes Agnoli. Eine biografische Skizze. Konkret Literatur Verlag 2004. 176 S. (NB909) 15 Euro
Angelika
Ebbinghaus (Hg.): Die 68er. Schlüsseltexte der globalen
Revolte. ProMedia Verlag 2008 ( Edition Linke Klassiker). 224 S.
(NB1047) 12,90 Euro
Die politischen und sozialen
Protestbewegungen der „68er“ entstanden weltweit lange
vor dem Jahr 1968 und ebbten erst Ende der 1970er Jahre ab. Sie waren
ein internationales Phänomen und reichten von den antikolonialen
Befreiungsbewegungen der drei Kontinente über die
Sozialbewegungen der Schwellenländer bis in die Metropolen des
kapitalistischen Weltsystems. Das Jahr 1968 war zudem auch für
die Länder des Staatssozialismus folgenreich. „1968“
stellt eine Chiffre dar. Die Sozialbewegungen wurden vor allem von
Jugendlichen, Studierenden, Intellektuellen und Künstlern, aber
auch von Arbeitern – wie in Frankreich, Brasilien und Italien –
getragen und zeichneten sich durch antiautoritäre Mentalität,
Kultur und Lebensweise aus. Der Protest gegen den Vietnamkrieg sowie
die Auflehnung gegen Rassismus, gesellschaftliche Ungleichheit und
autoritäre bzw. bürokratische Strukturen waren gemeinsame
Anliegen. Der Wunsch nach einer besseren Welt verband diese
Bewegungen über Länder und Kontinente hinweg. Die Parole
„Ich nehme meine Wünsche für die Wirklichkeit, denn
ich glaube an die Wirklichkeit meiner Wünsche“ an den
Wänden der Sorbonne und die Forderung italienischer Arbeiter
zehn Jahre später, „Wir wollen alles!“, markieren
die Utopien und Hoffnungen dieser langen Revolte. Die Texte, die hier
vorgestellt werden, haben das globale „1968“ geistig
vorbereitet und beeinflusst. Die Auswahl beschränkt sich auf die
Zeit bis 1968. (Die 1970er Jahre sind einem weiteren Band
vorbehalten.) Neben politisch-programmatischen Texten finden sich
theoretische Beiträge, die weltweit gelesen wurden, aber auch
Flugblätter und Songs, die das Lebensgefühl dieser Jahre
wiedergeben. 40 Jahre nach der „globalen Revolte“ liegt
damit eine besondere Art von leicht zugänglichem Reader vor, in
dem Originaltexte von der Herausgeberin Angelika Ebbinghaus
kommentiert und in ihren politischen und historischen Kontext
gestellt werden. Ein Glossar und eine Literaturliste geben all jenen
Tipps und Anregungen, die sich mit dem Thema „Das globale 1968“
weiter beschäftigen wollen. Mit Texten u.a. von Lin Biao (1965),
Simone de Beauvoir (1951), Régis Debray (1967), Rudi Dutschke
(1967), Frantz Fanon (1963), Andre Gunder Frank (1966), Hans-Jürgen
Krahl (1966), Ho Chi Minh (1965), Ernesto „Che“ Guevera
(1967), Herbert Marcuse (1967), Karol Modzelewski (1967), Antonio
Negri 1967), Helke Sanders (1967), Jean-Paul Sartre (1960) und Ota
¦ik (1968).
Stuart
Hood: Das verrohte Herz. Ein Roman. Edition 8 2008. 232 S. Hc.
(NB1083) 19,80 Euro
68 und die Folgen: Ein englischer Kommunist
verliebt sich in eine deutsche Aktivistin der Neuen Linken, die in
den Terrorismus abgleitet. Wie weit kann oder darf kritische
Solidarität gehen? Muss sich das Herz im Dienst der politischen
Sache verhärten? Wie in seinem bewegenden autobiografischen
Bericht „Carlino“ behandelt der schottische Autor Stuart
Hood im Roman Das verrohte Herz zentrale Fragen politischen
Engagements. Hood verkehrte um 1970 mit dem deutschen Schriftsteller
Erich Fried, dessen Gedichte er ins Englische übersetzte. Frieds
Londoner Haus war damals eine exterritoriale Anlaufstelle für
die außerparlamentarische Opposition in Deutschland, wobei Hood
dort nicht nur Dutschke und andere Studentenführer, sondern auch
etliche spätere Mitglieder der Roten Armee Fraktion kennen
lernte. Ihn interessierte, wie er gesagt hat, „diese
merkwürdige Mischung aus Idealismus und der Neigung, die Dinge
ins Extrem voranzutreiben, jenseits aller Rationalität, beinahe
in die Unwirklichkeit, in eine vollkommen selbstbezügliche Welt
hinein.“
Norbert
Kozicki: Aufbruch in NRW. 1968 und die Folgen. Klartext Verlag
2008 ( Wir in Nordrhein-Westfalen – Unsere gesammelten Werke).
262 S. Gb. (NB1066) 7,95 Euro
1968 ist das Jahr des Umbruchs.
Die starren Regeln der Nachkriegsgeneration sorgen für ständigen
Konflitstoff und lautstarke Auseinandersetzungen. Schulen,
Universitäten, Kichen und Familien werden von einer Welle der
Veränderung erfaßt. Die Generation des Aufbluchs entdeckt
die Sprache als „Waffe“ für ihren Protest gegen die
Autoritäten. Sie will den Dingen einen neuen Namen geben und
fordert Mitgestaltung. Norbert Kozicki faßt die vielfältigen
kulturellen, politischen und sozialen Ereignisse zusammen – von
der Studentenbewegung an der Ruhr über die Arbeitermobilmachung
in Bürgerinitiativen bis hin zur sexuellen Revolution zwischen
Hochöfen und Fördertürmen.
Ingrid
Gilcher-Holtey: Die 68er Bewegung. Deutschland, Westeuropa, USA.
Beck Verlag 2001, 3. Aufl. 2005. 136 S. (NB1025) 7,90 Euro
Berkeley,
Berlin, Rom, Paris – dieses Buch bietet einen prägnanten
Überblick über den Aufstieg, die Ziele und den Zerfall der
„68er Bewegung“, deren Aktionen auf dem Weg in eine
„andere“ Gesellschaft bis heute Debatten über ihre
Wirkungen und ihre historische Rolle provozieren.
Jürgen Busche: Die 68er.
Biographie einer Generation. Berlin Verlag 2003. 190 S. Hc. Mit SchU.
(NB650) 17,90 Euro
Unvoreingenommen und kenntnisreich zeichnet
der Journalist (FAZ) Jürgen Busche das Porträt einer
Generation, die gegen die intellektuell unerträglichen Rituale
des Kalten Krieges aufbegehrte. Er geht der Frage nach, ob diese
Generation die politischen Aufgaben, die ihr auferlegt sind und die
besonders schwierig zu sein scheinen, lösen kann.
The Times They Are A Changin‘. Sonderausgabe der Studentenzeitung Basta! (WS 94/95) über die Studentenbewegung der 60er Jahre. 36 S. Din A 3, mit zahlreichen Abbildungen und Dokumenten. (NB405) 2,55 Euro)
Bernward Vesper: Die Reise. Hg. Von Jörg Schröder. rororo 1983. (NB340) 9,90 Euro
Henner Voss:
Vor der Reise. Erinnerungen an Bernward Vesper. Edition Nautilus
2005. 80 S. Hc. (NB812) 14 Euro.
1961 besuchen Bernward Vesper
und Henner Voss gemeinsam die Buchhändlerschule in Rodenkirchen
bei Köln. Es entwickelt sicheine Freundschaft, die bis Januar
1965 anhält. Beide tauchen in das literarische Milieu ein,
schreiben. Bernward Vesper betreibt zusammen mit Gudrun Ensslin einen
literarischambitionierten Verlag: studio neue literatur, bei dem
Henner Voss Berater und Mitarbeiter wird. In einer kleinen Wohnung
inKreuzberg lernt Henner Voss seinen Freund aus nächster Nähe
kennen. Neben der Schilderung der nicht nachlassenden Versuche, in
der Literaturszene beachtet zu werden, zeichnet Henner Voss
diementalen Auswirkungen der Nachkriegszeit auf die jungen
Intellektuellen nach. Der Vater des Freundes war der Nazidichter
WillVesper, dessen Schatten der Sohn nicht entkommt. Henner Voss
vermittelt das Porträt eines Freundes, der mit Wahnwitz und
hochgradig angespannter Energie seinen Weg gesuchthat. Es ist ein
sehr persönliches Bild von Bernward Vesper, von seiner
Zerrissenheit und Egomanie. Detailaufnahmen aus einer Zeit der
Ungeduld und des Aufbruchs.
Niels
Seibert: Vergessene Proteste. Internationalismus und
Antirassismus 1964-1983. Unrast Verlag 2008. 224 S. (NB1064) 13,80
Euro
Niels Seibert stellt Proteste aus der Bundesrepublik
Deutschland in der Zeit von Mitte der 1960er bis Mitte der 1980er
Jahre vor. Schwerpunkt ist die Zeit des Anwachsens sowie der
Fraktionierung der 68er-Studentenbewegung, in der neue Gruppen und
Bewegungen entstanden, die an den Internationalismus der
Studentenbewegung anknüpften. Diese Zeit, Ende der 1960er bis
Anfang der 1970er, war von einer weltweiten Aufbruchstimmung geprägt.
Auf allen Kontinenten revoltierten Menschen auf den Straßen, in
Betrieben und an den Universitäten gegen die herrschenden
Verhältnisse. Die politischen Aktivitäten, zu denen Niels
Seibert recherchierte, sind vielfach in Vergessenheit geraten.
Ausgewählt wurden Proteste der Studenten- und
Internationalismusbewegung, die sich innerhalb der Themenbereiche
Kolonialismus und Neokolonialismus, internationale Solidarität,
bundesdeutsche Ausländerpolitik sowie Flucht und Asyl bewegen.
Die politischen Aktionen und Kampagnen waren einerseits eine
praktische Kritik an staatlicher Politik und hatten andererseits
Einfluss auf politische Entscheidungen. In diesem
Wechselverhältnis vermitteln sie sowohl etwas über die
politischen Verhältnisse als auch über die Bewegungen
dieser Zeit.
Aus
dem Inhalt: Der Tschombé-Besuch (1964), Der Film Africa Addio
(1966), Die Friedenspreisverleihung an Leopold Senghor (1968), Die
Cabora Bassa-Kampagne und Blohm+Voss (1969-1974), Black Panthers und
Angela Davis (1966-1972), Gegen Militär und Vietnamkrieg:
GI-Widerstand, Desertion und Fluchthilfe (1966-1972), Gegen Beihilfe
zu Folter und Mord: Abschiebungen in den Iran (1969), Das Verbot von
GUPS und GUPA und die Massenabschiebungen (1972), Zerstörte
Hoffnungen und Exil: Chile, Flucht und Asyl (1973-1979), Ein
staatlich betriebener Selbstmord: Cemal Altun und die Proteste gegen
Auslieferungen in die Türkei (1983).
A.G.
Grauwacke: Autonome in Bewegung. Aus den ersten 23 Jahren.
Assotiation A. Aktualisierte Neuauflage, Mai 2008. 408 S. zahlr.
Abbildungen. (NB1065) 20 Euro
Fünf Berliner Autonome
beschreiben 20 Jahre autonomer Geschichte. Analysen, Berichte,
Anekdoten und Schmonzetten zu folgenden Themen: Häuserkampf,
Anti-AKW, IWF-Kampagne, Kübel, Revolutionäre Zellen, Mein
erster Molli, Spaßguerilla, Nolympic, Krieg und Frieden, Punk,
Rostock, Hoyerswerda, Internationalismus, die Zeit der Verwirrung
u.a. Das Buch ist eine Mixtur aus persönlichen Erlebnissen,
Reflexionen, analytischer Aufarbeitung und politischer Einordnung der
autonomen Bewegung, deren viel beschworenes Ende noch nicht erreicht
ist.
Jan Ole Arps:
Frühschicht. Linke Fabrikintervention in den 70er Jahren.
Assoziation A 2011. 240 S. (NB1163) 16.00 Euro
Klaus Franz hat
es getan, Berthold Huber hat es getan, Joschka Fischer hat es getan.
„Ich wusste nicht, was auf mich zukam. Aber ohne die
Arbeiterklasse hatten wir keine Chance, die Welt zu verändern,
so viel war klar.“ Das schreibt Harry Oberländer 1977,
einige Jahre nachdem er als revolutionärer Aktivist bei Opel in
Rüsselsheim angeheuert hatte. Vom Studenten zum Arbeiter. Was
heute kaum vorstellbar klingt, war Anfang der 70er Jahre weit
verbreitet. Auf die antiautoritäre Revolte von 1968 folgte für
viele der Schritt in die Produktion; einige Tausend junge Linke
tauschten den Seminarstuhl gegen die Werkbank ein, um die
Arbeiterklasse für Revolution und Kommunismus zu begeistern.
Inzwischen ist Klaus Franz (ehemals Mitglied der maoistischen KPD/AO)
Betriebsratsvorsitzender bei Opel, Berthold Huber (ehemals Mitglied
in der Vorgängerorganisation der MLPD) Vorsitzender der IG
Metall, und Joschka Fischer (ehemals Revolutionärer Kampf,
Frankfurt) war der erste grüne Außenminister und berät
nun deutsche Unternehmen aller Sparten. Über die bunte Vielfalt
der linken „Betriebsintervention“ ist hingegen kaum noch
etwas bekannt. Ebenso fast vergessen: Auch in bundesdeutschen
Fabriken herrschten in jenen Jahren keineswegs nur Ordnung, Fleiß
und Disziplin. Zwar ließen sich die westdeutschen Arbeiter
anders als in Frankreich oder Italien nicht von der revolutionären
Begeisterung mitreißen, die die Universitäten erfasst
hatte, doch wilde Streiks waren häufig und hohe Lohnabschlüsse
die Regel. Das Buch geht der Faszination nach, die diese Ereignisse
auf die rebellischen Studenten hatte. Es behandelt die K-Gruppen, die
sich an Lenins Modell der Kaderpartei orientierten, ebenso wie die
Spontis, deren Schlachtruf „Wir wollen alles“ lautete und
die die These von der Autonomie der Arbeiterkämpfe in der Fabrik
erproben wollten. Es zeichnet den Weg junger Linker in die Betriebe
nach und schildert, welche Erfahrungen sie dort machten. Damit
handelt es vom Konflikt zwischen revolutionären Wünschen
und den Mühen des Alltags, von Begeisterung und Ernüchterung
über die Arbeiterklasse und von der Krise der autoritären
Disziplin, die zur Krise der Großfabrik und der an ihr
orientierten politischen Ansätze beitrug. Im Mittelpunkt stehen
die Erfahrungen der Protagonisten dieses Experiments, die mal nur
einige Monate, manchmal ein ganzes Leben in der Fabrik geblieben
sind.
Michael Steffen: Geschichten vom
Trüffelschwein. Politik und Organisation des Kommunistischen
Bundes 1971 bis 1991. Assoziation A 2002. 416 S. (NB676) 24 Euro
Der
KB war (nicht zuletzt durch seine Zeitung „AK“) zu seiner
besten Zeit die erfolgreichste kommunistische Organisation in der
BRD. Er war die politische Heimat von Thomas Ebermann, Jürgen
Elsässer, Claudia Gohde, Ulla Jelpke, Matthias Küntzel,
Andrea Lederer, Knut Mellenthin, Jürgen Reents, Rainer Trampert,
Detlef zum Winkel. „Geschichten vom Trüffelschwein“
beschreibt nicht nur genau und kenntnisreich die Entwicklung des
Kommunistischen Bundes (KB) in ihrem historischen Kontext, sondern
ist die erste Gesamtdarstellung einer Bundesdeutschen „K-Gruppe“
überhaupt. Daß einige dieser Organisationen eine größere
politische Bedeutung und Ausstrahlung hatten, als die schamhaften
„Lebensbeichten“ ehemaliger Mitglieder in heute
staatstragenden Funktionen vermuten lassen, zeigt das vorliegende
Buch ebenso wie manche Hintergründe der Entstehungsgeschichte
der Partei „Die Grünen“ oder die Herkunft
„antideutscher“ Strömungen. Wer die Geschichte der
radikalen Linken in der BRD verstehen will, kommt um diese
einzigartige Darstellung der besonderen Rolle des KB in den 70er und
80er Jahren nicht herum. „Eine Standard-Untersuchung, die
Maßstäbe an Genauigkeit setzt.“ (Georg Fülberth).
Uwe Soukup:
Wie starb Benno Ohnesorg? Der 2. Juni 1967. Verlag 1900 Berlin
2007. (NB1017) 19,90 Euro
Dieses Buch versucht nachzuzeichnen,
was am 2. Juni 1967 tatsächlich geschah: Das provozierende
Verhalten der „Jubelperser“ vor dem Rathaus Schöneberg,
die Eskalation der Gewalt am Abend vor der Deutschen Oper, vor allem
jedoch der tödliche Schuß aus der Dienstpistole des
Beamten der politischen Polizei, Karl-Heinz Kurras, waren der Auftakt
zu einer harten politischen Auseinandersetzung, die bis in die
heutige Zeit reicht.
taz-jornal:
Dutschke und Du. Verändern, kämpfen, leben: Was wir von
Rudi Dutschke lernen können. 96 S. im Großformat mit
zahlreichen Abbildungen. (NB888) 8 Euro
In Beiträgen und
Interviews äußern sich Christian Semler, Walter Jens,
Oskar Negt, Klaus Theweleit, Daniel Cohn-Bendit, Heide Oestreich,
Gretchen Dutschke, Bahman Nirumand, Beate Klarsfeld, Barbara
Sichtermann, Bettina Gaus u.a. Es gibt auch eine Strick-Anleitung für
den berühmten Rudi-Dutschke-Pullover.
Gretchen Dutschke: Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie. Knaur Taschenbuch 1998. 512 S. (NB355z) 10,90 Euro
Rudi Dutschke: Jeder hat sein
Leben ganz zu leben. Die Tagebücher 1963 – 1979. Hg.
Von Gretchen Dutschke. Verlag Kiepenheuer & Witsch 2003. 432 S.
Hc. Mit SchU. Zahlr. Abb. (NB649) 22,90 Euro
„Lebenszeugnis
des Idols einer Generation. Zum ersten Mal werden Rudi Dutschkes
Tagebücher veröffentlicht. Sie dokumentieren das geistige
Innenleben einer der aufregendsten Persönlichkeiten der
Nachkriegszeit. Der Wortführer der Außerparlamentarischen
Opposition erweist sich in seinen Tagebüchern als ein kritischer
und selbstkritischer Denker von außerordentlicher
Originalität.“ (Klappentext).
Hans-Jürgen
Krahl: Konstitution und Klassenkampf. Zur historischen Dialetik
von bürgerlicher Emanzipation und proletarischer Revolution.
Schriften, Reden und Entwürfe aus den Jahren 1966-1970. Verlag
Neue Kritik 1971, 5. veränderte Auflage 2008. 440 S. (NB1076) 25
Euro
Hans-Jürgen Krahl (1943-1970) war der Theoretiker der
antiautoritären Studentenbewegung. Die in diesem Band
versammelten Aufsätze, Redevorlagen und Notizen sind erstmals
1971, kurz nach seinem frühen Tod, erschienen. Es handelt sich
um politische Reflexionen, von tagesaktuellen Stellungnahmen bis zu
abstrakten Spekulationen und philosophiehistorischen Exkursen.
Marco Carini: Fritz Teufel. Wenn‘s
der Wahrheitsfindung dient. Konkret Literaturverlag 2003. 248 S.
Pb. (NB690z) 16,50 Euro
„Wenn‘s der
Wahrheitsfindung dient“ – als der Angeklagte Fritz Teufel
im November 1967 mit diesem Satz der Aufforderung eines Richters
nachkommt, sich zu erheben, löst der damals 23jährige in
der antiautoritären Bewegung ein befreiendes Lachen aus –
befreiend vom autoritären Muff der Justiz. Die Studentenbewegung
treibt auf ihren Höhepunkt zu und Teufel ist neben Rudi Dutschke
ihre wohl bekannteste Persönlichkeit. Während Dutschke das
Bedürfnis nach politisch-emanzipatorischer Theorie anspricht,
befördert Teufel die Lust auf subkulturelle Grenzübertretung
und nonkonformistische Lebensweisen. Und Fritz Teufel ist einer der
meistgesuchten „Terroristen“ der 70er Jahre, angeklagt,
den Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz entführt zu haben.
Der Lebensweg Fritz Teufels ist auch die Geschichte des Aufbegehrens
einer ganzen Generation und der Radikalisierung linker
Widerstandsformen. Die Geschichte vom friedlichen, phantasievollen
Protest hin zum bewaffneten Kampf sowie der Verarbeitung des
Scheiterns militanter Stadtguerillakonzepte. Marco Carini folgt den
Spuren Fritz Teufels und zeichnet damit das lebendige Bild eines
Menschen und einer Zeit, die diese Republik verändert haben.
Ulrike Marie
Meinhof: Bambule. Fürsorge – Sorge für wen. Mit
einem Bericht von Eberhard Itzenplitz. und einem Nachwort von Klaus
Wagenbach. Mit Photos von den Dreharbeiten. Verlag Klaus Wagenbach
2002 (WaT). 136 S. (NB1155) 9,90 Euro
Als Fernsehfilm von der
ARD vierundzwanzig Jahre lang unterdrückt, als Buch längst
zum Klassiker geworden. Wer wissen will, welche
Erziehungsvorstellungen noch Ende der 60er Jahre herrschten, sollte
Bambule lesen. Das Thema ist aktuell wie je: Wie geht die
Gesellschaft mit Randgruppen um, wie erzieht der Staat diejenigen,
deren Fürsorge ihm übertragen wurde? Ulrike Meinhof hatte
sich als Journalistin in langen Recherchen ein Bild über die
Lage der Mädchen in Erziehungsheimen gemacht. In der Geschichte
von Irene beschreibt sie den Alltag zwischen Hof, Schlafraum,
Wäscheraum und „Bunker“, die Repressalien der
Erzieher und die Befreiungsversuche der Mädchen, die „Bambule“
machen, weil sie leben wollen und nicht bloß sich fügen.
„Hat
man bedacht, dass Mitglieder der Gruppe um Ulrike Meinhof praktische
Sozialarbeit getan haben und Einblick in die Verhältnisse
genommen, die möglicherweise zu ihrer Kriegserklärung
geführt haben? Schließlich gibt es ein Buch: Bambule.
Lesenswert, aufschlussreich.“ Heinrich Böll.
Ulrike Marie
Meinhof: Die Würde des Menschen ist antastbar. Aufsätze
und Polemiken. Mit einem Nachwort von Klaus Wagenbach. Verlag Klaus
Wagenbach 2004 (Politik bei Wagenbach). 192 S. (NB1156) 10,90
Euro
Diese „Aufsätze und Polemiken“ sind ein
Beispiel von entschiedenem Journalismus, der nicht vor den Höhen
der Macht skandiert, sondern den politischen Widerspruch aufzufinden
versteht, und zugleich ein Abriß deutscher
Nachkriegsgeschichte: Sie analysieren die Unfähigkeit der
Verarbeitung des Nazismus und die eilige Rekonstruktion der Macht,
sie beschreiben das Verkümmern der Demokratie am Fall des
Einzelnen – seine Würde wird antastbar.
Jutta
Ditfurth: Ulrike Meinhof. Die Biografie. Ullstein Taschenbuch
2009. 480 S. (NB1136) 9,95 Euro
Jutta Ditfurth stieß in
ihrer sechsjährigen Recherche auf bisher unbekannte Quallen zu
Ulrike Meinhof. Sie kann völlig neue Zusammenhänge in der
Lebnsgeschichte der RAF-Gründerin aufzeigen. In dieser ersten
umfassenden Biografie spiegeln sich auch die Nachkriegsgeschichte der
Bundesrepublik und das politische Klima der 60er und 70er Jahre
wieder. Jetzt als Taschenbuch.
Jutta
Ditfurth: Rudi und Ulrike. Geschichte einer Freundschaft. Droemer
2008. 256 S. Geb. (NB1069) 16,95 Euro
Nur zwei Jahre lang, von
1967 bis 1969, verliefen die Wege von Ulrike Meinhof und Rudi
Dutschke parallel. Sie wurden Freunde, davon handelt diese
Geschichte. Es ist eine Geschichte über eine Zeit, in der viele
Linke sich wie „Freiwild“ vorkamen und deshalb
beschlossen, sich zu wehren – notfalls auch mit Waffengewalt.
Peter Brückner: Ulrike Marie Meinhof und die deutschen Verhältnisse. Mit Texten von Ulrike Marie Meinhof und einem Nachwort zur Neuausgabe von Klaus Wagenbach. Wagenbach 1995. 208 S. (NB118) 11,90 Euro
Mario Krebs: Ulrike Meinhof. Ein Leben im Widerspruch. Rororo 1988. 288 S. (NB339z) 7,60 Euro
Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF. Katalog zur Ausstellung in den Kunst-Werken Berlin. Hg. von Klaus Biesenbach. 2 Bände im Großformat, zus. ca. 800 S., zahlr. Abbildungen. (NB807) 65 Euro
Gudrun
Ensslin: „Zieht den Trennungsstrich, jede Minute“.
Briefe an ihre Schwester Christiane und ihren Bruder Gottfried aus
dem Gefängnis 1972-1973. Hg. von Christiane Ensslin und
Gottfried Ensslin. Konkret Literatur Verlag 2005. 200 S. (NB910) 15
Euro
Gudrun Ensslin hat während ihrer Haft in Essen etwa
50 Briefe an ihre Schwester Christiane und ihren Bruder Gottfried
geschrieben. Diese Briefe zeichnen ein differenziertes Bild Gudrun
Ensslins: als Strafgefangene und politische Kämpferin, aber auch
als interessierte, ratgebende und liebevolle Schwester. Es geht um
Privates, Politisches und Familiäres, um Bücherwünsche
und Bedürfnisse des Alltags, um marxistische Theorie und Praxis
und um die Schikanen von Anstaltsleitung und Justiz.
Karl-Heinz
Dellwo: Das Projektil sind wir. Der Aufbruch einer Generation,
die RAF und die Kritik der Waffen. Gespräche mit Tina Petersen
und Christoph Twickel. Edition Nautilus 2007. 192 S. (NB1026) 14,90
Euro
Karl-Heinz Dellwo, als Mitglied der RAF an der Besetzung
der Deutschen Botschaft in Stockholm 1975 beteiligt, war insgesamt 21
Jahre im Gefängnis. Im Gespräch mit Tina Petersen und
Christoph Twickel berichtet er über seinen Weg in den
bewaffneten Kampf und seine Zeit im Gefängnis. Eine kritische
Analyse des „Konzept Stadtguerilla“ und ein politisch
reflektierter Lebensbericht.
Gabriele Rollnik / Daniel Dubbe:
Keine Angst vor niemand. Über die Siebziger, die Bewegung 2.
Juni und die RAF. Edition Nautilus 2004. 132 S. (NB725) 9,90
Euro
Mutige Gefängnisausbrüche und das Verteilen von
„revolutionären Negerküssen“ bei einem
Banküberfall wurden zum Markenzeichen der „Bewegung 2.
Juni“, ebenso die erfolgreiche Entführung des
CDU-Spitzenkandidaten Lorenz in Berlin, aufgrund derer fünf
Gefangene freigelassen wurden. Gabriele Rollnik beschreibt ihren Weg
von der Soziologiestudentin zu Beginn der 70er Jahre in Berlin bis
zum Leben im Untergrund und dem Überleben von 15 Jahren
Gefängnis.
Thorwald Proll, Daniel Dubbe: Wir
kamen vom anderen Stern. Über 1968, Andreas Baader und ein
Kaufhaus. Edition Nautilus 2003. 128 S. (NB684) 9,90 Euro
Am 2.
April 1968 gibt es nächtliche Brandstiftungen in zwei
Frankfurter Kaufhäusern. Auf die Anklagebank kommen Andreas
Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein.
Thorwald Proll berichtet von der Stimmung der Zeit, den Aktionen der
Kommune I, den Happenings, dem Widerstand gegen den Vietnamkrieg, dem
praktizierten „Naturrecht auf Widerstand“. Er zeichnet
ein sehr persönliches Bild von Andreas Baader, es ist das
Porträt eines Freundes, mit dem er eine kurze, aber intensive
Zeit zusammen verbracht hat. Die Rebellen fühlten sich „Wie
die Marx-Brothers in der Deutschen Oper“.
Gerd Conradt: Starbuck. Holger
Meins. Ein Porträt als Zeitbild. Espresso Verlag 2001. 192
S. Großformat, mit zahlreichen Abbildungen. (NB411) 20,90
Euro
„Starbuck, wie der Steuermann in „Moby Dick“,
war der Deckname von Holger Meins. 1941 geboren, christlicher
Pfadfinder, Kriegsdienstverweigerer, Maler, Fotograf, Filmemacher,
Kameramann, Mitglied im SDS, in der Kommune I, in der RAF, gestorben
in der Haft am 9. November 1974. Die Dokumente aus dem Leben von
Holger Meins ergeben ein Weltbild. Beiträge und Interviews von
Claudia von Alemann, Michael Ballhaus, Hellmuth Costard, Gretchen
Dutschke-Klotz, Harun Farocki, Siegfried Haag, Danièle
Huillet, Peter Lilienthal, Alfred von Meysenbug, Wolfgang Petersen,
Ralf Reinders, Margrit Schiller, Peter Schneider, Jean-Marie Straub,
Hans-Christian Ströbele, Wim Wenders, Peter-Paul Zahl u.a.
Wir waren so unheimlich konsequent... Ein Gespräch zur Geschichte der RAF mit Stafan Wisniewski. ID-Verlag 1997. 64 S. (NB28) 5,10 Euro
Inge Viett: Nie war ich
furchtloser. Autobiographie. rororo. 352 S. (NB102) 8,50
Euro
Inge Viett gehörte zur „Bewegung 2. Juni“,
1982 ging sie mit Hilfe der „Stasi“ in die DDR, wurde
1990 verhaftet und 1997 aus der Haft entlassen.
Inge
Viett: Einsprüche! Briefe aus dem Gefängnis. Edition
Nautilus 2. Aufl. 1997. 160 S. (NB897) 13,80 Euro
Von ihrer
Verhaftung in Magdeburg 1990 bis nach ihrer Verurteilung 1992
reflektiert Inge Viett in ihren Briefen die Geschehnisse innerhalb
und außerhalb der Gefängnismauern: die
„Vereinigungsorgie“, mögliche Perspektiven einer
gesellschaftlichen Veränderung, die eigene Vergangenheit im „2.
Juni“ und der „RAF“ und ihr Leben in der DDR, die
Vorbereitung auf den Prozeß und das alltägliche Einzwängen
in die „Box“, über der doch manchmal ein
„zauberhafter Himmel“ zu sehen ist.
Irmgard Möller: „RAF –
das war für uns Befreiung“. Ein Gespräch mit
Irmgard Möller über bewaffneten Kampf, Knast und die Linke.
Hg. Von Oiiver Tolmein. Aktualisierte und erweiterte Neuauflage.
Konkret 2002. 272 S. (NB616) 16,50 Euro
Der Deutsche Herbst und
die Todesnacht von Stammheim liegen 25 Jahre zurück, sind aber
noch längst nicht Vergangenheit. Irmgard Möller, die über
22 Jahre inhaftiert ar, hat 1977 als einzige der vier RAF-Gefangenen
im 7. Stock des Hochsicherheitstraktes schwer verletzt überlebt.
Sie widerspricht der offiziellen Version, daß es sich um
Selbstmord gehandelt hat. In diesem Buch erzählt sie, warum sie
in die RAF gegangen ist. Sie setzt sich mit der Entwicklung und dem
Ende des bewaffneten Kampfes in Deutschland auseinander und berichtet
über ihre Haftzeit, die Hungerstreiks und über die
Erfahrungen seit ihrer Entlassung 1994.
Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex. Erweiterte und aktualisierte Ausgabe. Goldmann. (NB126) 12 Euro
Rote Armee Fraktion: Texte und Materialien zur Geschichte der RAF. ID-Verlag 1997. 544 S. (NB127) 25,50 Euro
Pieter Bakker Schut: Stammheim. Der Prozeß gegen die Rote Armee Fraktion. Die Notwendige Korrektur der herrschenden Meinung. Hg. Von der Roten Hilfe. Pahl-Rugenstein-Verlag 1997. 692 S. (NB106) 19 Euro
Mario
Moretti: Brigate Rosse. Eine italienische Geschichte. Interview
von Rossana Rossanda und Carla Mosca. Vorwort von Rossana Rossanda.
Assoziation A 2006. 256 S. (mit Abbildungen). (NB950) 17 Euro
Einer
der Gründer und historischen Führer der Roten Brigaden
beschreibt in einem Streitgespräch mit Rossana Rossanda und
Carla Mosca die Geschichte der Brigaden, ihre inneren Entwicklungen
und Debatten von ihrem Aufschwung bis zum Zerfall. Ein einzigartiges
Dokument zum Verständnis eines Teils der linken Geschichte –
der Geschichte der Stadtguerilla.
„Mario Moretti, du bist
seit 22 Jahren raus aus der Welt der Leute, neun als Illegaler und
dreizehn im Gefängnis. Wenn dir ein böser Engel auf einem
Tablett Freiheit und Vergessen und auf einem anderen Tablett Knast
und Erinnerung bieten würde, was wprdest du nehmen?“ –
„So falsche Engel gibt es nicht ... Jedenfalls würde ich
ihm sagen: ‚Gib mir die Freiheit und Erinnerung. Wenn du das
nicht kannst, mein lieber Engel, dann fliegst du tief, nicht mal auf
der Höhe unserer Niederlage.‘“
IG Rote Fabrik (Hg.):
Zwischenberichte. Zur Diskussion über die Politik der
bewaffneten und militanten Linken in der BRD, Italien und der
Schweiz. Incl. Auflösungserklärung der RAF. ID-Verlag 1998.
252 S. (NB25) 12 Euro
Beiträge von Piero Bassi, Karl-Heinz
Dellwo, Knut Folkerts, Christine Kuby, Katja Leyrer, Roland Mayer,
Gabriele Rollnik, Lutz Taufer u.a.
Nanni
Balestrini: Sandokan. Eine Camorra-Geschichte. Assoziation A
2006. 144 S. (NB969) 13 Euro
„Kleine Einschußlöcher
gibt es jede Menge auf sämtlichen Ortstafeln entlang der
Landstraße, als ob darauf hingewiesen würde, daß man
in dieser Gegend auf der Hut sein muß.“
Nanni Balestrini: Wir wollen
alles. Roman der Fiatkämpfe. Deutsch und mit einem Nachwort
von Peter O. Chotjewitz. Mit einem Vorwort zur Neuausgabe.
Assoziation A 2003. 168 S. (NB682) 12 Euro
Die Geschichte eines
jungen italienischen Arbeiters aus dem Süden, der in den 60er
Jahren in den Norden auswandert. Die Arbeit in den Turiner Fabriken
ist ihm genauso zuwider wie die Maloche in den Klitschen seines
Heimatdorfes. Er fängt überall Krach an, schmeißt
einen Job nach dem anderen. Schließlich landet er bei Fiat.
Hier tritt er in Kontakt zu linken Arbeiter- und Studentengruppen,
die unabhängig von der Gewerkschaft Streiks organisieren. Fiat
wird 1969 zum Zentrum der „anderen Arbeiterbewegung“. Der
Roman erschien in Deutschland 1972 bei Trikont und liegt nun in einer
Neuausgabe vor.
Nanni
Balestrini: Die große Revolte. Romantrilogie. Assoziation A
2008. 440 S. (NB1058) 24 Euro
Mit einem Nachwort von Raul
Zelik. Nanni Balestrinis große Romantrilogie ist das
literarische Vermächtnis der Revolte in Italien und unser
Beitrag zu vierzig Jahren 1968. Der Roman „Wir wollen alles“
ist eine Hommage an die Kämpfe des italienischen
Massenarbeiters. Das Buch wurde mitten in einem Zyklus von
Arbeiterkämpfen geschrieben, in denen der FIAT-Konzern in Turin
im Jahr 1969 zum Zentrum des Aufstands gegen das Fabriksystem wurde.
Mit seiner Geschichte eines rebellischen Arbeiters aus dem Süden
wurde Balestrini mit einem Schlag zum „Romancier des
Operaismus“. Der Titel des Buches wurde zur Parole einer
„anderen Arbeiterbewegung“ – weit über Italien
hinaus. Protagonist des Romans „Die Unsichtbaren“ ist ein
Basismilitanter der Generation von 1977, der „Autonomia“,
die das Land in ein riesiges Laboratorium neuer Lebensentwürfe
verwandelte. Es war eine Zeit nicht enden wollender
Massendemonstrationen, der Hausbesetzungen, linken Kulturzentren und
freien Radios. Mit beispielloser Kreativität und Radikalität
forderte eine Bewegung von Jugendlichen die herrschende Kultur und
das Bürgertum heraus und artikulierte ihre Ablehnung in
Fabriken, Schulen und Stadtvierteln lustvoll und zugleich militant.
Der Roman „Der Verleger“ schließlich beschreibt im
Rückblick die Zuspitzung der Kämpfe zwischen
Partisanentradition und entstehender Fabrikguerilla in einer
atemberaubend verdichteten Prosa. Im März 1972 kommt der
legendäre Verleger Giangiacomo Feltrinelli bei einem
Bombenanschlag auf einen Strommast ums Leben. Sein Tod markiert einen
tiefen Einschnitt in der Geschichte der italienischen
Nachkriegslinken. Der bewaffnete Kampf tritt in eine neue Etappe ein,
an deren Ende die Moro-Entführung stehen wird. In dem Roman
setzt sich mosaikartig ein Bild zusammen, in dem die
Schlüsselbedeutung dieses historischen Moments Konturen gewinnt.
Gerhard Feldbauer: Agenten,
Terror, Staatskomplott. Der Mord an Aldo Moro, Rote Brigaden und
CIA. PapyRossa Verlag 2000. 224 S. (NB207) 14,30 Euro
Der Autor
kommt zu dem Schluß, daß die „Roten Brigaden“
Werkzeug einer „Spannungsstrategie“ waren, die einem
Rechtsputsch in Italien das Feld bereiten sollten.
Ron Jacobs: Woher der Wind weht.
Eine Geschichte des Weather Underground. ID-Verlag 1999. 192 S. Abb.
(NB101) 14,90 Euro
Die Weathermen spalteten sich Ende der 60er
Jahre aus dem US-amerikanischen SDS ab. Sie gingen in den Untergrund.
Ihren Namen leiteten sie aus einem Bob-Dylan-Song ab: „We don‘t
need no weathermen to know how the wind blows.“
Die große MÄRZ-Kassette. Herausgegeben von Jörg Schröder und Bruno Hof. Area Verlag 2004. 13 Bände im Schuber, zus. ca. 6000 Seiten. (NB745z) 49,95 Euro „Wer die 60er und 70er verstehen will, muß MÄRZ kennen.“ Michael Rumaker, Irving Rosenthal, Uve Schmidt, Fee Zschocke, Doktor Gormander, Joe Brainard, Upton Sinclair, Jules Valès, Ernst Herhaus, Jörg Schröder, Leonard Cohen, Craig Kee Strete, Günter Amendt, Gunter Schmidt, Peter Kuper, Jan Cremer, Cathérine de Prémonville, Esteban López: März-Reader, Cohen Blumen für Hitler. Jim Morrison, Sexfront/Derdiedas, Kuper Hamlet, Erotik-Reader, Schwulen-Reader, Beziehungen, Als die Kinder die Macht ergriffen, Joe Brainard 1984 Comics, Upton Sinclair, Vallès Jacques Vingtras, Schröder Siegfried.
Jan F. Bandel,
Barbara Kalender, Jörg Schröder: Immer radikal, niemals
konsequent. Der MÄRZ-Verlag - erweitertes Verlegertum,
postmoderne Literatur und Business Art. Philo Fine Arts 2011. 332 S.
Pb. (NB1184) 25 Euro
1969 wurde in einem Handstreich ein Verlag
gegründet, dessen signalgelbe Bände schlagartig zum
Inbegriff einer nachgerade alchemischen Mischung von linker Politik,
Avantgarde-Literatur und Popkultur wurden: der März Verlag.
„Pop, Porno, Politik“ lauten die Schlagworte der
literarischen Postmoderne, die Leslie Fiedler 1968 ausrief.
Pornografie in Wort und Bild veröffentlichte JörgSchröder
in der angeschlossenen Olympia Press, einem deutschen Ableger von
Maurice Girodias' legendärem Pariser Sex- und Avantgardeverlag.
Doch das war nicht seine einzige Übung in „erweitertem
Verlegertum“ (Diedrich Diederichsen): Schröder betrieb
auch die Business-Art-Agentur Bismarc Media und veröffentlichte
1972 das Skandalbuch Siegfried. Später führte er den Verlag
im Rahmen des Alternativ-Buchvertriebs Zweitausendeins weiter, erfand
nebenbei die Friedensbewegung, widmete den Öko-Geistern die er
rief, sein zweites Buch Cosmic und verfolgt seit dem endgültigen
März-Crash Ende der Achtziger gemeinsam mit Barbara Kalender ein
einzigartiges autobiografisches work in progress. Jan-Frederik
Bandels material- und bilderreiches Essaybuch erzählt die
Vorgeschichte des März-Verlags, erkundet seine verschiedenen
Stationen und Erweiterungen und ist damit nicht zuletzt ein Versuch
über die Neuerfindung von Literatur und Betrieb um 1968. Im
Anhang die vollständige Bibliographie der März-Erstausgaben
mit Abbildungen.
Klaus
Wagenbach: Die Freiheit des Verlegers. Erinnerungen, Festreden,
Seitenhiebe. Herausgegeben von Susanne Schüssler. Verlag Klaus
Wagenbach 2010. 352 S. Gebunden mit Schildchen. (NB1204) 19,90
Euro.
Die wichtigsten Texte aus fünf Jahrzehnten,
größtenteils erstmals publiziert: Über Bücher
und Autoren, über Politik und die deutschen Verhältnisse,
über Italien, die Kunst und die Mutter. Klaus Wagenbach ist
einer der letzten aus einer Generation von unabhängigen,
eigenwilligen und leidenschaftlichen Verlegern; ein linker, aber
undogmatischer Kopf, der nicht vor den Konsequenzen politischen
Handelns zurückschreckt; und ein früher und bis heute
unerschütterlicher Liebhaber Italiens. Außerdem: ein
heiterer Geschichtenerzähler, ein eifriger Vorwortschreiber, ein
freudig erwarteter Festredner, aber auch einer, der gern
widerspricht, wenn die öffentliche Meinung jemanden moralisch
und politisch gar zu korrekt schlachten will. Der Band sammelt Texte
Klaus Wagenbachs über Italien (einschließlich
Kunstgeschichte), Politik, das Leben und die Zukunft der Bücher
und über einzelne Autoren. Ein Großteil der Texte ist
bisher nicht veröffentlicht, wichtige Zeitdokumente wie die
Grabrede für Ulrike Meinhof wurden jedoch ebenfalls aufgenommen.
Und schließlich erst jüngst entstandene biographische
Geschichten: Vom gegen die Nazis rebellierenden Großvater, der
reformbewegten Mutter, dem Vater, der nur Latein, Griechisch und
Hebräisch konnte; darüber, wer und wie nach dem Krieg die
Demokratie aufbaute, warum Kollektive träumen und Frauen besser
kommunizieren können.
Walter Kaufmann: Unterwegs zu
Angela Davis. Vorwort von Victor Grossman. Mit Beiträgen von
Angela Davis. Atlantik Verlag 2005. 236 S. Mit zahlreichen
Abbildungen. (NB799) 15 Euro
Seit Angela Davis 1972 durch eine
machtvolle internationale Solidaritätsbewegung vor der
Todesstrafe bewahrt werden konnte, verbinden sich in ihrer Person die
politischen Linien zwischen den progressiven Basisbewegungen der 60er
und 70er Jahre und jenen der Ära des George W. Bush. Walter
Kaufmann nimmt uns mit seiner 1973 verfaßten Reportage mit auf
die Reise, die uns nicht nur Angela Davis als Person nahebringt,
sondern durch die zeitgeschichtlichen Impressionen auch hilft, die
Ereignisse um Angela Davis‘ politischen Prozeß in ihrem
historischen Konzext zu begreifen. Angela Davis hat durch ihr Wirken
vor über 30 Jahren sowohl der außerparlamentarischen
Opposition inder BRD als auch den sozialistischen Kräften in der
DDR wichtige Impulse gegeben. Diese Bedeutung setzt sich bis heute
fort. Victor Grossman schlägt in seinem aktuellen Vorwort eine
kritische Brücke zwischen damals und heute. Der umfassende
Anhang dokumentiert das Gegenwartsschaffen von Angela Davis und wird
ergänzt durch Beiträge der Antifaschistinnen Sonja Denz und
Gertrud Müller sowie einem Aufruf der Kampagne für Mumia
Abu-Jamal.
Michael
Schiffmann: Wettlauf gegen den Tod. Mumia Abu-Jamal: ein
schwarzer Revolutionär im weißen Amerika. Promedia Verlag
2006. 320 S. mit Abb. (NB1111) 21,90 Euro
Der afroamerikanische
Journalist Mumia Abu-Jamal ist nach eigenen Worten seit einem
Vierteljahrhundert gezwungenermaßen Bewohner des „am
raschesten wachsenden öffentlichen Wohnbauprojekts in den
Vereinigten Staaten“ – er ist Häftling in einem der
zahlreichen US-amerikanischen Hochsicherheitsgefängnisse in
Pennsylvania. Abu-Jamal wurde am 9. Dezember 1981 verhaftet, des
Mordes an einem Polizisten angeklagt, im Juli 1982 für schuldig
befunden und zum Tode verurteilt. Seit Anfang der 1990er Jahre haben
seine Bemühungen um eine Wiederaufnahme des Verfahrens großes
Echo gefunden und ihn zum wahrscheinlich bekanntesten Todeshäftling
der Welt gemacht. Das vorliegende Buch liefert nicht nur eine
gründliche Untersuchung des Kriminalfalles, sondern beschäftigt
sich darüber hinaus mit den Hintergründen, die bei der
Verurteilung Abu-Jamals trotz brüchigen Beweismaterials und
schreiender Widersprüche in der Anklage eine entscheidende Rolle
spielten: dem anhaltenden Rassismus der US-Gesellschaft, dem
schwarzen Befreiungskampf, an dem Abu-Jamal sich als Black
Panther-Führer beteiligte, dem Verfall und der auch physisch
sichtbaren Klassenspaltung in der amerikanischen Großstadt, den
periodischen Hexenjagden der politischen Polizei gegen Andersdenkende
und schließlich dem immer mehr aus den Fugen geratenden System
der Strafjustiz. Abu-Jamal wird so zu einem Musterbeispiel für
alles, was erschreckend und fragwürdig an der US-amerikanischen
Strafjustiz und im besonderen an der Todesstrafe ist.
Mumia Abu-Jamal: ...aus der
Todeszelle. Live from death row. Atlantik Verlag. (NB505) 12,80
Euro
Als die vorliegenden Texte 1995 in den USA und in
Deutschland erstveröffentlicht wurden, schien die Situation der
Gefangenen in den Todestrakten der USA aussichtslos. Die Verfechter
der Todesstrafe hatten die absolute Hegemonie in der
gesellschaftlichen Debatte über das staatliche legale Töten.
Durch Mumia Abu-Jamals Essays erfuhr die Öffentlichkeit zum
ersten Mal aus dem Inneren der Todestrakte.
Mumia Abu-Jamal: Ich schreibe um zu leben. Zeugnisse eines zum Tode Verurteilten. Atlantik Verlag. Pb. (NB566) 12,80 Euro Mumia Abu-Jamal ist ein „Gläubiger“, dessen Religion das Leben ist. Diese „Gläubigkeit“, die Kraft seiner Utopien und Träume, ist zugleich eine niederschmetternde Kritik des „christlichen“ Abendlandes und seiner „führenden Nation Amerika“.
Leonard Weinglass: Freiheit für
Mumia! Hintergründe eines Fehlurteils und juristische Fakten
gegen einen drohenden Justizmord. Vorwort von E.L. Doctorow.
Einleitung zur deutschen Ausgabe von Volker Ratzmann. Atlantik Verlag
1997. 320 S. (NB507) 10 Euro
Leonard Weinglass ist der
Verteidiger von Mumia Abu-Jamal.
Archiv 92 / Kampagne Mumia Abu
Jamal: Free Mumia. Dokumente, Analysen, Hintergrundberichte.
Atlantik Verlag 2002. 208 S. (NB576) 10 Euro
Der Journalist,
Autor und Bürgerrechtsaktivist Mumia Abu Jamal sitzt seit 20
Jahren unschuldig im Todestrakt. Im Dezember 2001 lief die Nachricht
um die Welt, das Todesurteil sei aufgehoben. Doch diese
Gerichtsentscheidung ist weder rechtskräftig, noch macht die
mögliche Umwandlung in lebenslange Haft das Unrecht ungeschehen,
das Mumia Abu Jamal widerfährt. Die in diesem Band versammelten
Beweise und Analysen belegen, daß der Todeskandidat AM 8335
sofort freigelassen werden müßte. Doch in den USA gilt es,
einen Justiz- und Polizeiskandal zu vertuschen, und deshalb schrecken
die Verantwortlichen vor keiner Rechtsbeugung zurück.
Oliver Demny:
Die Wut des Panthers. Die Geschichte der Black Panther Party.
Schwarzer Widerstand in den USA. Unrast Verlag, 4. ergänzte
Aufl. 2004. 244 S. und einige Bildtafeln. (NB1088) 14 Euro
Die
Wut des Panthers beschreibt die Geschichte der Black Panther Party.
Es ist die Geschichte von Rassismus, Repression und Widerstand im
Herzen des Kapitalismus – den USA.
Martin Ludwig Hofmann: Indian War.
Der Fall des indianischen Bürgerrechtlers Leonard Peltier.
Atlantik Verlag, 2. aktualisierte Auflage 2005. 184 S. Pb. (NB844)
12,80 Euro
Die Gewalt der 70er Jahre zieht ihre Spur bis
heute... Seit fast 25 Jahren kämpft Leonard Peltier um seine
Freiheit. Bis zum heutigen Tag fristet Peltier sein Leben in der
Zelle eines Hochsicherheitsgefängnisses - aufgrund fragwürdiger
Indizien verurteilt. Das Buch stellt Vorgeschichte, Prozeß und
Verurteilung Peltiers mit detektivischem Spürsinn dar. Und es
verknüpft den juristischen „Fall“ mit seinen
politisch-historischen Zusammenhängen: den Kriegen gegen die
Indianer und die Geschichte der indianischen Bürgerrechtsbewegung.
Malcolm X – Die Autobiographie. Hg. Von Alex Haley. Atlantik Verlag 2003. 520 S. Pb. (NB689) 19,80 Euro
Helmut Ortner:
Der Justizmord. Zwei Italiener in Amerika. Sacco & Vanzetti.
Zambon Verlag 1993. 286 S. Hc. (NB1059) 16,80 Euro
Es ist die
Geschichte zweier italienischer Auswanderer, die auf der Suche nach
Arbeit und Glück in Amerika ankommen, dort aber Intoleranz und
Fremdenhaß vorfinden. Am 15. April 1920 überfallen
Banditen in Bridgewater im Staat Massachusetts einen Zahlmeister und
dessen Leibwächter, schießen beide nieder und rauben
Lohngelder in Höhe von 16.000 Dollar. Schon bald konzentrieren
sich die Ermittlungen auf die beiden italienischen Einwanderer Nicola
Sacco und Bartolomeo Vanzetti. Obschon die Beweise dürftig sind,
werden die beiden wegen Raubmordes angeklagt, ins Gefängnis
gebracht, während der Vernehmungen gefoltert und in einem
fragwürdigen Prozeß schließlich zum Tode verurteilt.
Nach fast sieben Jahren, nach zahlreichen Berufungen und
Gnadengesuchen – und trotz weltweiter Proteste – werden
Sacco und Vanzetti am 23. August 1927 auf dem elektrischen Stuhl
hingerichtet.
Woody Guthrie: Dies Land ist mein
Land. Autobiographie. Mit Zeichnungen des Autors und einem
Vorwort von Billy Bragg sowie einem Nachwort von Michael Kleff.
Edition Nautilus 2001. 448 S. Hc. Mit CD (NB508) 25,80 Euro
Auf
seiner Gitarre stand geschrieben: „This Machine Kills
Fascists“. Er verkörperte das Amerika, das sucht, denkt,
kämpft und empfindet. In seinen Songs spiegelt sich die
unmittelbare Lebenserfahrung der arbeitenden Menschen wider, ihre
Sehnsüchte, ihr Humor und ihr untilgbarer Sinn für
Menschlichkeit - „hard hitting songs for hard hitten people“.
„Ich finde, ‚Dies Land ist mein Land‘ war das erste
On-the-road-Buch, und es hat mein Leben verändert. Für mich
ar Woody Guthrie das fehlende Glied in der Kette.“ (Bob Dylan).
„Woody hat nichts Liebliches an sich, auch seine Lieder nicht.
Doch diejenigen, die ihm zuhören, werden etwas viel Wichtigeres
darin finden: den Willen des Volkes, der Unterdrückung
standzuhalten und gegen sie zu kämpfen.“ (John Steinbeck).
„Woody Guthrie berührt dich tief im Inneren und erweckt
den Teil in dir, der an deinen nächsten denkt.“ (Bruce
Springsteen).
Winfried Steiner (Hg.): Zensur
oder freiwillige Selbstkontrolle. Vom Tabubruch zur politischen
Korrektheit. Konkret 1997. 160 S. (NB 5z) 10,15 Euro
Warum
spricht man vor allem von „Kultur“, wenn man von Nazis
sprechen möchte? Welche Strategie verfolgt die Rechte mit ihrer
Verwendung des Begriffs „Kultur“? Worin unterscheidet
sich das rechte Konzept des Ethnopluralismus von dem des linken
Multikulturalismus? Was versteht man unter „Ideologisierung der
Kunst“, und was bedeutet die gegenwärtige Kulturalisierung
der Politik? Wem nutzt die grassierende kulturelle Ausbeutung der
Vergangenheit? Kann Political Correctness ein linkes Projekt sein?
Über diese Fragen schreiben und streiten: Diedrich Diedrichsen,
Hermann L. Gremliza, Günther Jacob, Doris Knecht, Konrad Paul
Lissmann, Thomas Rothschild, Georg Seeßlen und Mark
Terkessidis.
Sänger
und Souffleur. Biermann, Havemann und die DDR. Hg. von Robert
Allertz. Edition Ost 2006. 192 S. (NB962) 12,90 Euro
Im
November 1976 wurde Wolf Biermann ausgebürgert. Bereits im Juli
1975 hatte das Politbüro erwogen, Robert Havemann die
Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Diese Maßnahmen waren
gewiß kein Ausdruck von Staatskunst. Doch waren sie, wie
seither behauptet, auch Beleg für die „Unmenschlichkeit“
des Systems? Antworten auf diese Fragen findet man, wenn man sich die
beiden Protagonisten genauer anschaut – und ihr Verhältnis
zueinander, ihre Verbindungen, ihre Motive, ihren Charakter. Ost- und
westdeutsche Zeitzeugen und Nachgeborene, Aktenleser und Fachleute
haben sich dieses Themas angenommen und zeichnen ein neues Bild des
Vorgangs – aufschlußreich und überraschend, weil
viele Tatsachen bislang unbekannt waren. Texte u.a. von Ingeborg
Rapoport, Hans Heinz Holz, Arnold Schölzel, Kurt Gossweiler,
Jakob Moneta, Peter Hacks, Klaus Höpcke, Jean Villain, Dietrich
Kittner.
Wolfgang Ruge:
Beharren, kapitulieren oder umdenken. Gesammelte Schriften 1989 –
1999. Hg. von Friedrich-Martin Balzer. Edition Ost 2007. 596 S. Pb.
(NB1053) 24,90 Euro
Wolfgang Ruge und Friedrich-Martin Balzer,
renommierter Historiker aus Potsdam der eine, geachteter
Privatgelehrter der andere, lernten sich in den 90er Jahren
intensiver kennen. Balzer hat Ruges in dessen letzten elf
Schaffensjahren entstandene Arbeiten zusammengetragen. Sie gewähren
nicht nur einen Einblick in das Denken eines der bedeutendsten
deutschen Historiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es
ist zugleich eine kritische Auseinandersetzung mit dem Sozialismus
sowjetischer Prägung.
Karl Heinz Roth: Anschließen, angleichen, abwickeln. Die westdeutschen Planungen zur Übernahme der DDR 1952-1990. Konkret 2000. 180 S. (NB6) 11,66 Euro
Karl Heinz Roth:
Geschichtsrevisionismus. Die Wiedergeburt der
Totalitarismustheorie. Konkret 1999. 152 S. (NB7z) 11,66
Euro
Spätestens mit der Wende von 1989 hat die neue Rechte
in der Geschichtswissenschaft Fuß gefaßt. Ihr Spektrum
reicht von dr Gruppe um Rainer Zitelmann bis zu ehemaligen Linken im
Umfeld der rotgrünen Bundesregierung. Die
Geschichtsrevisionisten reaktivieren mit der Totalitarismustheorie
die alten Themen des Kalten Krieges. Karl Heinz Roth beschreibt den
Siegeszug der Totalitarismustheorie in der deutschen Geschichts- und
Sozialwissenschaft seit der Wiedervereinigung und analysiert die
Konsequenzen der revisionistischen Offensive: die vollständige
Delegitimierung der DDR und die Relativierung der
nationalsozialistischen Verbrechen.
Gerhard Scheit: Mülltrennung.
Beiträge zu Politik, Literatur und Musik. Konkret 1998. 192 S.
(NB14z) 10,15 Euro
Über Brecht, Eisler, Jünger,
Günther Anders, Peter Weiss, Heiner Müller. Jean Améry,
Haider & Sichrovsky, Adorno und die Differenzen von deutscher
Marschmusik und amerikanischem Jazz.
Conrad Taler:
Der braune Faden. Zur verdrängten Geschichte der
Bundesrepublik. PapyRossa Verlag 2005. 240 S. (NB829) 16,80
Euro
Conrad Taler zeigt, daß die Verharmlosung des
Rechtsextremismus wie ein brauner Faden die bundesdeutsche Geschichte
durchzieht. Er erinnert daran, daß der Neunazismus als „Waffe
Moskaus“ hingestellt und antijüdische Taten den
Kommunisten zugeschrieben wurden, daß sich Arbeitgeber, CDU/CSU
und NPD gegenseitig die Bälle zuwarfen, wenn es gegen
Mitbestimmung und „zu hohe Lohnkosten“ ging, daß
bei einer Demonstration gegen die Remilitarisierung ein 21jähriger
von der Polizei erschossen wurde, ohne daß eine westdeutsche
Zeitung darüber ein kommentierendes Wort verloren hätte,
daß der antisemitischen Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten
Hohmann jahrelang jene Aufrechnerei vorausging, die sich mit den
Verbrechen „anderer“ herausredete.
Markus Wolf: Spionagechef im geheimen Krieg. Erinnerungen. Ullstein Taschenbuch 2003. 520 S. mit zahlr. Abb. (NB959z) 9,95 Euro
Ralph
Hartmann: Die DDR unterm Lügenberg. Mit einem Nachwort von
Gerhard Zwerenz. Verlag Ossietzky 2007. 120 S. (NB1020) 10 Euro
Die
DDR war, wie wir alle wissen, die zweite und schlimmere der „zwei
Diktaturen in Deutschland“. „Stasifolter“ und
Stasidoping“ gehörten zu ihren Merkmalen, und auch an der
„Alleinschuld der DDR an der Mauer“ besteht kein Zweifel
– oder doch? Was ist Propaganda, was ist Wahrheit?
Wolfgang
Wippermann: Dämonisierung durch Vergleich: DDR und Drittes
Reich. Rotbuch Verlag 2009. 160 S. (NB1094) 9,90 Euro
Der neue
Historikerstreit: Honecker war wie Hitler, Stasi wie Gestapo, Bautzen
wie Buchenwald – so heute der Tenor staatlich verordneten
Geschichtsbewußtseins: Die DDR war die „zweite Diktatur“,
die aus den NS-Staat folgte und mit ihm vieles gemeinsam hatte. Doch
stimmt das? War die DDR so „schlimm“ wie das Dritte Reich
– oder sogar „noch schlimmer“? „Die
vorliegende Streitschrift möchte zur Neuorientierung beitragen.
Vor allem aber soll sie zu einem gerechteren Umgang mit der DDR
anregen. Die DDR war unzweifelhaft eine Diktatur und mit Sicherheit
kein Rechtsstaat, doch ebenso wenig war sie eine totalitäre und
mit dem nationalsozialistischen Unrechtsstatt zu vergleichende
'zweite Diktatur'. Dies kommt einer Dämonisierung der DDR
gleich, die wiederum mit einer Relativierung des Dritten reiches
verbunden ist.“ (Wolfgang Wippermann).
Heinrich Fink
/ Cornelia Kerth (Hg.): Einspruch! Antifaschistische Positionen
zur Geschichtspolitik. PapyRossa Verlag 2011. 126 S. (NB1168) 12
Euro
Aus dem Kalten Krieg stammende Thesen wie „rot
gleich braun“, „Sozialismus gleich Faschismus gleich
Diktatur“ oder die Rede von den „zwei deutschen
Diktaturen“ werden mehr und mehr salonfähig. Mit
politischem Kalkül propagiert, zielt diese Deutung der
Geschichte auf die Gegenwart. Einspruch gegen solchen
Geschichtsrevisionismus erhob eine geschichtspolitische Konferenz der
VVN-BdA, auf der sich namhafte Wissenschaftler und Antifaschisten
gegen diesen Diskurs wandten, der sich selbst als „antitotalitär“
bezeichnet. Dabei ging es um das Verhältnis von Ursachen und
Wirkungen des Zweiten Weltkriegs, Wehrmachtsverbrechen und ihre
Opfer, die Rolle der Gebirgstruppen und die Entwicklung der
Gedenkpolitik. Beiträge u.a. von: Hannes Heer, Kurt Pätzold,
Wolfgang Wippermann, Moshe Zuckermann.
Conrad Taler: Zweierlei Maß.
Oder: Juristen sind zu allem fähig. Vorwort von Heinrich
Hannover. PapyRossa Verlag 2002. 192 S. (NB572) 13,50 Euro
Welche
Rolle die Justiz nach dem „Beitritt“ der DDR zur
Bundesrepublik gespielt hat, warum sie mit Hoheitsträgern des
anderen deutschen Staates so ganz anders umgeht als mit solchen des
Dritten Reiches und wie sie zur Magd der Politik wurde. Die
Recherchen Conrad Talers bestätigen das Diktum des
Verfassungsrichters Martin Hirsch: „Juristen sind zu allem
fähig!“
Klaus Bittermann: Geisterfahrer der Einheit. Kommentare zur Wiedervereinigungskrise. ID-Verlag 1995. 168 S. (NB22) 10 Euro
Rainer Trampert, Thomas Ebermann:
Sachzwang & Gemüt. Sarkastische und analytische Texte
über die Republik, die Welt und unsere Nachbarn. Konkret 2002.
320 S. (NB603) 19,90 Euro
Rainer Trampert und Thomas Ebermann
nehmen „mit verschiedenen Stilmitteln“ dem Zeitgeist die
Arglosigkeit und epochalen Begriffen den Schleier des großen
Gedankens.
Harri Czepuck: Republik der Skandale. Spotless Verlag 1994. 96 S. (NB52) 5,11 Euro Chronique scandaleuse der BRD in Auszügen...
Jens Mecklenburg, Wolfgang Wippermann (Hg.): „Roter Holocaust“? Kritik des Schwarzbuchs des Kommunismus. Konkret 1998. 296 S. (NB62zz) 19,95 Euro
Ludwig Elm: Das verordnete
Feindbild. Neue deutsche Geschichtsideologie und „antitotalitärer
Konsens“. PapyRossa Verlag 2001. 172 S. (NB532z) 15,20 Euro
Die
Bundestagskommissionen „zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“
waren geschichtspolitische Staatsakte. Aus der Fülle ihrer
Materialien behandelt der Autor: Vergangenheitsbewältigung nach
1945 und 1989, „Diktaturenvergleich“, Streit um
Antifaschismus, Geschichte der Bundesrepublik. Als deren Dreh- und
Angelpunkt erweist sich eine modernisierte Totalitarismuskonzeption,
die mit einer Gleichsetzung von DDR und NS-Diktatur militanten
Antikommunismus erneuert, die Nazibarbarei relativiert und
nationalistische Traditionen aufwertet.
Lorenz Knorr:
Aufklärung, Frieden, Antifaschismus. Ausgewählte Reden
und Schriften. Hg. von Lorenz Gösta Beutin. PapyRossa Verlag
2006. 380 S. (NB966) 19,90 Euro
1921 in Eger/CSR geboren, war
Lorenz Knorr schon früh in der sozialistischen Jugend aktiv. Es
folgten antifaschistischer Widerstand und Verurteilung von einem
Kriegsgericht der Wehrmacht. Später Mitglied der SPD, dann der
DFU. In den 90er Jahren Bundesprecher der VVN/BdA. Der Band vereinigt
Reden, Artikel und Aufsätze von 1945 bis heute. Er bietet einen
Querschnitt durch Leben und breit gefächertes politisches und
publizistisches Wirken eines profilierten Friedenskämpfers und
Antifaschisten und ist zugleich ein plastisches Spiegelbild der
Zeitgeschichte. Schwerpunkte: Autobiographisches zum
antifaschistischen Widerstand und zu den Erfahrungen in der SPD;
Geschichtspolitik und Geschichtsrevisionismus; Kriegsursachen und
friedenspolitische Alternativen; theoretische Analysen z.B. zur
Französischen Revolution oder zu Karl Marx.
Jupp
Angenfort: Sprung in die Freiheit. Die Geschichten des Josef A.
Herausgegeben von Hannes Stütz. PapyRossa Verlag 2010. 232 S.,
35 s/w-Abb. (NB1169) 17 Euro
Jupp Angenfort, 1924 in Düsseldorf
geboren und dort 2010 gestorben. Sohn einer katholisch geprägten
Eisenbahnerfamilie. Nach sowjetischer Kriegsgefangenschaft
Vorsitzender der FDJ, 1951 in NRW Landtagsabgeordneter der KPD, nach
deren Verbot Mitglied der illegalen Leitung. Nach 1968 langjähriges
Präsidiumsmitglied der DKP. Bis zu seinem Tod einer der
Landessprecher der VVN-BdA. Josef oder „Jupp“ Angenfort
geriet als 19jähriger Wehrmachtssoldat in sowjetische
Kriegsgefangenschaft. Die Erfahrung von Faschismus und Krieg prägte
ihn tief und so schloß er sich nach seiner Rückkehr der
KPD und der Freien Deutschen Jugend an, um gegen die von Adenauer
betriebene Remilitarisierung zu kämpfen. Unter Bruch seiner
Immunität als NRW-Landtagsabgeordneter wurde er 1953 verhaftet,
wegen Hochverrats angeklagt und zu fünf Jahren Zuchthaus
verurteilt. Kurz nach seiner Entlassung wegen Verstoßes gegen
das KPD-Verbot erneut verhaftet, gelang ihm bei einem
Gefangenentransport die Flucht. Er ging in die DDR, kam nach Gründung
der DKP 1968 zurück nach Düsseldorf, wurde wenig später
wieder festgenommen, 1969 aber aus dem Zuchthaus freigelassen. Damit
enden „Die Geschichten des Josef A.“. Lebendig und locker
erzählt, sind sie gut geeignet, an den Gründungsmythen der
Bundesrepublik und nicht zuletzt auch an dem tabuisierten Thema der
politischen Gefangenen unter Adenauer zu kratzen.
Lorenz Knorr:
Generäle vor Gericht. Oder: Darf man Nazi-Militärs als
Massenmörder bezeichnen? Mit einem Nachwort von Arno Klönne.
PapyRossa Verlag 2011. 286 S. (NB1179) 16 Euro
1921 in Eger/CSR
geboren, war Lorenz Knorr schon früh in der sozialistischen
Jugend aktiv. Es folgten antifaschistischer Widerstand und
Verurteilung von einem Kriegsgericht der Wehrmacht. Später
Mitglied der SPD, dann der DFU. In den 1990er Jahren Bundessprecher
der VVN/BdA. Mitte der 60er Jahre fand auf Anzeige von Franz Josef
Strauß ein Beleidigungsprozeß statt: Lorenz Knorr, einer
der Direktoren der Deutschen Friedensunion, hatte Hitler-Generäle
an der Spitze der Bundeswehr als Kriegsverbrecher und Massenmörder
bezeichnet. Obwohl er seine Beschuldigungen beweisen konnte, wurde er
zweimal verurteilt. Erst eine Revisionsinstanz hob die Urteile wegen
Rechtsfehlern auf, doch blieb Knorr auf seinen hohen Kosten sitzen.
Dieser „Generals-Prozess“ war Teil einer Strategie, die
wenige Jahre zuvor gegen massiven Widerstand in der Bevölkerung
gebildete Bundeswehr gegen Kritik abzuschirmen, die pazifistische und
antimilitaristische Opposition zu diskriminieren und die
obrigkeitsstaatlichen Verhältnisse der Ära Adenauer zu
stabilisieren.
Friedrich-Martin
Balzer (Hg.): Justizunrecht im Kalten Krieg. Die Kriminalisierung
der westdeutschen Friedensbewegung im Düsseldorfer Prozeß
1959/60. Mit einer Einleitung von Heinrich Hannover. Beiträge
von Walther Ammann, Walter Diehl, Rudolf Hirsch, Friedrich Karl Kaul,
Diether Posser und Denis Noel Pritt. PapyRossa Verlag 2006. 380 S.
(NB922) 24 Euro
„Staatsgefährdung“ lautete die
Anklage gegen Vertreter des „Friedenskomitees der
Bundesrepublik“, über die 1959/60 fünf Monate lang
vor dem Landgericht Düsseldorf verhandelt wurde. Exemplarisch
für das „Justizunrecht im Kalten Krieg“ dokumentiert
das vorliegende historische Lesebuch diesen, wie Diether Posser
formulierte, bis dahin „bedeutendsten politischen Strafprozeß
seit Bestehen der Bundesrepublik“. Es beleuchtet das
politische, juristische und gesellschaftliche Umfeld, in dem ein
derartiger Prozeß überhaupt erst möglich war: Die
Inkorporation der NS-Eliten in staatliche und gesellschaftliche
Führungspositionen sowie die Übernahme des Antikommunismus
des „Dritten Reichs“ als Staatsdoktrin in
Westdeutschland. Diese richtete sich keineswegs nur gegen
Kommunisten, sondern fungierte als ideologische Waffe zur
Einschüchterung der gesamten Linken sowie aller
gewerkschaftlichen, friedensbewegten und demokratischen Bestrebungen
und beschädigte somit tiefgreifend die im Grundgesetz
festgelegte Verfassungsordnung. Allein schon daraus ergeben sich die
ungeschmälerte Aktualität der Plädoyers und
rückblickenden Betrachtungen der Verteidiger Walther Ammann,
Heinrich Hannover, Diether Posser, Friedrich Karl Kaul und N.D.
Pritt. Zugleich wird damit die Notwendigkeit unterstrichen, die
„vergessenen Justizopfer des Kalten Krieges“, so Heinrich
Hannover, endlich zu rehabilitieren. Mit der umfangreichen
Dokumentation der DDR-Sicht auf diesen Prozeß gibt das Buch
darüber hinaus einen Anstoß für eine vergleichende
Geschichtsschreibung beider deutscher Staaten.
Marx-Engels und die politische
Justiz in der BRD. Dokumentation einer Tagung. Herausgegeben von
der Initiativgruppe für die Rehabilitierung der Opfer des Kalten
Krieges und der Marx-Engels-Stiftung. 128 S. (NB518z) 10,25
Euro
Referate der Tagung am 17. März 2001 in Berlin.
Beiträge von Ewald Stiefvater, Dr. Robert Steigerwald, Karl
Stiffel, Gerd Deumlich, Prof. Dr. Siegfried Mechler, Prof. Dr. Erich
Buchholz, Prof. Dr. Wolfgang Richter, Wolfgang Gehrke MdB, Sepp
Mayer, Dr. Rolf Gössner, Dr. Heinrich Hannover.
Jochen Hippler: Die neue Weltordnung. Konkret 1991. 184 S. (NB91) 11 Euro
Werner Biermann: Die Herren der
Welt. Die Weltmachtpolitik der USA nach 1945. PapyRossa Verlag
2000. 392 S. (NB315) 20,35 Euro
Der Aufstieg der USA zum
„Imperium ohne Grenzen“, das Verhältnis von
politischer, ökonomischer und militärischer Macht bei der
Durchsetzung eines globalen Wirtschafts- und Finanzsystems, das von
den USA beherrscht und instrumentalisiert wird. Zugleich weist
Biermann nach, daß sich diese auf einem Weg befinden, der ihre
überragende Stellung untergraben und zur Implosion der
Weltwirtschaft führen muß.
Frank Deppe u.a.: Der neue
Imperialismus. Distel Verlag 2004 (distel direkt). 156 S. (NB786)
9,50 Euro
Das Zeitalter des Imperialismus; Imperialismus und
Gewalt; Theorien über den Imperialismus; Imperialismus im
Zeitalter der Systemkonkurrenz; Der Kalte Krieg; Der „neue
Imperialismus“; das „Empire“ bei Hardt/Negri; Die
neoliberale Globalisierung; Antiimperialismus heute.
Reinhard Kühnl: Liberalismus
als Form bürgerlicher Herrschaft. Von der Befreiung des
Menschen zur Freiheit des Marktes. Distel Verlag 1999. 136 S. (NB662)
11 Euro
Die Vorgeschichte der bürgerlichen Gesellschaft;
Die geistige Offensive: Die Aufklärung; Die politische
Offensive: Die bürgerliche Revolution; Das Weltbild des
klassischen Liberalismus; Vom liberalen zum organisierten
Kapitalismus; Die deutsche Sonderentwicklung; Liberalismus seit 1945;
Die Offensive des Neoliberalismus; Alternativen der bürgerlichen
Gesellschaft.
Werner Goldschmidt, Dieter Klein,
Klaus Steinitz (Hg.): Neoliberalismus. Hegemonie ohne
Perspektive. Distel Verlag 2000. 264 S. (NB663) 19,50 Euro
Der
Einfluß des Neoliberalismus ist selbst bei den Grünen, in
der Sozialdemokratie und in Teilen der Gewerkschaft gewachsen. Die
Gesellschaftstheorie des Neoliberalismus „ist die Theorie der
Rechtfertigung für unbeschränkte Autonomie der Besitzer von
Geld- und Produktivvermögen. Die Devise heißt, den
Kapitalismus von den Fesseln der Demokratie zu befreien“
(Herbert Schui). Beiträge von Jörg Huffschmid, Norman
Paech, Karl Georg Zinn u.a.
Herbert Schui, Stephanie
Blankenburg: Neoliberalismus: Theorie, Gegner, Praxis. VSA Verlag
2002. 192 S. Pb. (NB627) 15,50 Euro
Der Neoliberalismus ist zu
einer ideologischen Weltmacht geworden – scheinbar
alternativlos. Neoliberale haben den Wohlfahrtsstaat in Verruf
gebracht. Ihre These lautet: Der Reformismus ist nicht durchführbar.
Die moderne Sozialdemokratie hat sich diese Überzeugung zueigen
gemacht. Der Neoliberalismus ist eine Idelogie, die sich einen
schrankenlosen Kapitalismus zum Ziel gesetzt hat.
Manfred Sohn:
Hat das System einen Fehler oder ist es der Fehler? Antworten auf
die Finanz- und Wirtschaftskrise von links. Pahl-Rugenstein-Verlag
2009. 104 S. Pb. (NB1086) 9,95 Euro
Die zentrale These dieses
Buches ist, daß wir uns im Jahre 2009 nicht nur einer Finanz-,
sondern einer Wirtschaftskrise gegenübersehen, die das
kapitalistische System bis in seine Grundlagen hinein in Frage stellt
– und zwar zu Recht. Denn, so versucht Manfred Sohn darzulegen,
in der gegenwärtigen Krise bündeln sich mehrere
Krisensymptome, die gemeinsam ihre tiefste Ursache in der
Profitorientierung unserer gegenwärtigen Wirtschaftsordnung
haben. Prägnant und für jeden wirtschaftspolitischen Laien
verständlich schildert er Entstehung, Erscheinung, Verlauf und
Auswirkungen dieser Krise sowohl für die globale Wirtschaft und
Politik als auch für die der Bundesrepublik. Ausgehend von der
Beschreibung und Analyse dieses Krisenbündels entwickelt Manfred
Sohn Vorschläge für Auswege aus der Krise – sowohl
kurzfristige, schnell zu realisierende, als auch langfristige. Diese
sind aber erst durch die Entfaltung einer kulturvollen
außerparlamentarischen Bewegung erreichbar. Dazu beizutragen
ist der Zweck dieses Werkes. Dr. Manfred Sohn (Jg. 1955) ist seit
seiner Schülerzeit politisch aktiv. Seit 1987 bis zur Wahl in
den Niedersächsischen Landtag 2008 Angestellter der
Versicherungsgruppe Hannover (VGH), dort Mitglied des örtlichen
und des Gesamtpersonalrates. Er ist zur Zeit Mitglied des
Landesvorstandes der Partei DIE LINKE und Vorsitzender ihrer
Landtagsfraktion.
Michel Husson:
Kapitalismus pur. Deregulierung, Finanzkrise und weltweite
Rezession. Eine marxistische Analyse. ISP Verlag 2009. 200 S.
(NB1106) 19,80 Euro
Dem Kapitalismus in seiner neoliberalen
Epoche ist es gelungen, massive Lohnsenkung und Sozialabbau
durchzusetzen. Die in die Finanzsphäre transferierten Profite
bildeten die Grundlage für immer ausgebufftere Formen der
Finanzspekulation. Seit dem Zusammenbruch der Großbank Lehman
Brothers ist diese Party vorbei. Die Maßnahmen zur Rettung des
Systems sind nur Notoperationen. Husson sagt daher für die
ewestlichen Ökonomien eine langanhaltende Stagnation voraus.
Werner Rügemer
(Hg.): Arbeits-un-recht. Anklagen und Alternativen. Verlag
estfälisches Dampfboot 2009. 252 S. (NB1130) 24,90 Euro
Nicht
nur Niedriglöhnerei und Hartz IV sind Unrechtssysteme. Auch die
weitergehende Verletzung von Arbeits- und Sozialrechten wird in der
neoliberal orientierten Gesellschaft zur systemischen Praxis, in der
Unrecht stetig verrechtlicht wird. Die vom Arbeitssystem abhängigen
Menschen: Arbeitnehmer, Arbeitslose oder Rentner und deren Familien –
also die Mehrheit der Bevölkerung – gelten nicht als
gleichberechtigte Bürger, sie werden von Staat, Unternehmen,
Parteien und Medien als zweitklassig, ja überflüssig
behandelt. Die Formen von Arbeitsunrecht sind dabei vielfältig:
„Gelbe“ Gewerkschaften, die Verhinderung von
Betriebsratsgründungen, Verdachtskündigungen,
Zeitdiebstahl, fortgesetzte Leiharbeit, unbezahlte „Praktika“,
heimliche Überwachung, Mißbrauch von Ein-Euro-Jobbern zu
kommerziellen Zwecken, Mobbing – diese Liste ließe sich
fortsetzen. Mit der Krise des Neoliberalismus und der exzessiven
Vergabe staatlicher Mittel zur Rettung dubioser Banken droht zudem
die Verschärfung von Arbeitsunrecht. Es besteht jedoch die
Hoffnung, daß Keime des Widerstands und Alternativen sich zu
einer nationalen und internationalen Gegenbewegung entwickeln.
Autorinnen und Autoren aus Gewerkschaften, Wissenschaft und
Initiativen legen zum ersten Mal eine umfassende Bestandsaufnahme
vor.
Werner
Rügemer: Privatisierung in Deutschland. Eine Bilanz. 4.
überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Westfälisches
Dampfboot 2008, 240 S. (NB1056) 24,90 Euro
„Rügemers
spannende und informative Fleißarbeit zeigt das teure Elend der
herrschenden Privatisierungspraxis. Deren Ende ist nicht in Sicht,
werben doch EU, Zentralbank und Bundesregierung vehement für
PPP.“ (Hermannus Pfeiffer Frankfurter Rundschau). „Seine
verstörende Kraft bezieht das Buch aus den zahllosen
Fallbeispielen, die mit bekannten Namen aus Politik und Wirtschaft
nur so gespickt sind.“ (Matthias Lohrer Das Parlament). „Das
ist Diskussionsstoff für die globalisierungskritische Bewegung
...“ (Dirk Eckert taz). „Dieses Buch verdient es,
Standardwerk jeder kritischen sozialen Bewegung zu werden.“
Gisela Hänel-Ossorio und Carles Ossorio Capella DAS ARGUMENT).
„Eine ausgezeichnete Studie zur fortschreitenden Enteignung der
Bevölkerung zugunsten der Konzerne“ (Reinhard Jellen
konkret).
Christine
Resch, Heinz Steinert: Kapitalismus: Porträt einer
Produktionsweise. Verlag Westfälisches Dampfboot (Reihe
Einstiege) 2009. 312 S. (NB1117) 24,90 Euro
Seit Ende des real
existierenden Sozialismus ist die Rede vom Kapitalismus wieder
salonfähig, spätestens mit der Finanzkrise beängstigend.
Dabei verwischen sich die Auslegungen und Assoziationen in Alltag,
Medien und Sozialwissenschaften zwischen „Profitgier als
Verhängnis“ über die „Ankurbelung des
Binnenkonsums“ zu „notwendigen Reformen“. Was aber
ist mit Kapitalismus eigentlich gemeint? Christine Resch und Heinz
Steinert legen in diesem Einstiege-Band den Ursprung, die
Grundstruktur und Varianten der kapitalistischen Produktionsweise –
Stichworte: Liberalismus, Fordismus, Neoliberalismus – offen
und liefern eine differenzierte, aber doch gut lesbare Darstellung
der wechselhaften und bisweilen recht unerfreulichen Geschichte des
Kapitalismus. Dabei erläutern sie das tragende und notwendige
Begriffsinventar, anhand dessen die Veränderungen der
kapitalistischen Produktionsweise und der bürgerlichen
Gesellschaft beschrieben werden: Abschöpfung des Mehrwerts,
Arbeitsmoral und -disziplin, Klassen- und Sozialpolitik, Kultur und
Wissen. Berücksichtigt werden auch Aspekte wie die Bedeutung des
Patriarchats für den Kapitalismus oder Widerstände gegen
diese Produktionsweise.
Elmar Altvater: Das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen. Eine radikale Kapitalismuskritik. Westfälisches Dampfboot 2005. (NB885) 14,90 Euro
Elmar Altvater u.a.: Die Gewalt
des Zusammenhangs: Neoliberalismus, Militarismus, Rechtsextremismus.
Promedia Verlag Wien 2001. 144 S. (NB805) 11,90 Euro
Das
neoliberale Modell produziert Gewinner und Verlierer. Was dieser
Logik des weltweit verwertenden Kapitalismus entgegengesetzt werden
kann, beantworten die Autoren aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Ausgehend von der These der beiden Sozialwissenschaftler Oskar Negt
und Alexander Kluge wurde nach der „Gewalt des Zusammenhangs“
gefragt, wonach die Welt als besonderes Verhältnis von
Unterdrückungszusammenhängen aus Börsenplätzen,
Militärmacht und Weltmarkt konstituiert ist. Die Diagnosen der
gesellschaftlichen Wirklichkeit und die von allen sechs Autoren und
Autorinnen diskutierten Alternativen können als Kern eines
kritischen Diskurses betrachtet werden, der sich die Überwindung
von Neoliberalismus, Militarismus und Rechtsextremismus zur Augfgabe
gestellt hat. Beiträge von Elmar Altvater, Johan Galtung, Mascha
Madörin, Birgit Mahnkopf, Wolfgang Sachs und Claudia von
Werlhof.
Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf:
Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und
Politik in der Weltgesellschaft. 4., völlig überarbeitete
Auflage. Verlag Westfälisches Dampfboot. (NB128) 29,80
Euro
Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf legten ein Buch vor,
das schnell Handbuchcharakter annahm. In die 4., völlig
überarbeitete und erweiterte Auflage werden die Diskurse und
Entwicklungen seit dem ersten Erscheinen aufgenommen und in bekannt
souveräner Art einer kritischen Analyse und Bewertung
unterzogen.
Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf:
Globalisierung der Unsicherheit. Arbeit im Schatten, Schmutziges
Geld und informelle Politik. Verlag Westfälisches Dampfboot
2002. 396 S. Gb. (NB626) 24,80 Euro
In ihrer kritischen
Untersuchung der dunklen Seiten der Globalisierung zeigen Elmar
Altvater und Birgit Mahnkopf, wie sich die Regulationsweise des
kapitalistischen Weltsystems verändert und wie menschliche
Sicherheiten verloren gehen. Mit der Informalisierung von Arbeit,
Geld und Politik wird die Unsicherheit globalisiert.
Elmar
Altvater, Birgit Mahnkopf: Konkurrenz für das Empire – Die
Europäische Union in der globalisierten Welt. Westfälisches
Dampfboot 2007. 304 S. (NB1027) 24,90 Euro
Der Spruch ist
richtig: „Nur Reiche können sich einen armen Staat
leisten, Arme nicht“. Die Europäischen Institutionen haben
in den vergangenen Jahren die Politik der Privatisierung forciert.
Und was steht uns noch bevor? Angela Merkel hatte angekündigt,
daß während der deutschen Ratspräsidentschaft der
Europäischen Union im ersten Halbjahr 2007 die Fortführung
der Lissabon-Strategie zentrales Anliegen sein solle: Die EU soll
2010 die „wettbewerbsstärkste“ Region der Welt sein.
Europa will dem Empire, dessen Zentrum die USA sind, Konkurrenz
machen. In die Zeit der deutschen Ratspräsidentschaft fiel zudem
der 50. Jahrestag des Abschlusses der Römischen Verträge am
25. März 1957, mit denen der Kern der heutigen EU zustande kam:
die europäische Wirtschaftsgemeinschaft – Anlaß
genug, um ein Zeichen zu setzen: den Prozeß der Verabschiedung
der europäischen Verfassung, die in den Referenden in Frankreich
und in den Niederlanden 2005 abgelehnt wurde, voranzubringen. Vor
diesem Hintergrund sind überzeugende, einsichtige Analysen der
Verhältnisse, unter denen wir in Europa leben und arbeiten, und
die Erarbeitung von attraktiven Alternativen zur neoliberalen
Ellbogengesellschaft unerläßlich. Elmar Altvater und
Birgit Mahnkopf loten hierfür aus, welche Handlungspotentiale
die verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Akteure haben,
um formelle Arbeitsplätze zu schaffen, die Erhaltung der Umwelt
zu gestalten, oder um öffentliche Räume und
Dienstleistungen gegen die überhand nehmenden
Privatisierungstendenzen zu verteidigen und zurückzuerobern.
Abschließend diskutieren die Autoren zwei gegensätzliche
Modelle Europas: ein neoliberales Modell Europa der imperialistischen
Konkurrenz zu den USA und ein Modell Europa in einer sozialen und
demokratischen Welt.
Lucas Zeise:
Geld – der vertrackte Kern des Kapitalismus. Versuch über
die politische Ökonomie des Finanzsektors. PapyRossa Verlag
2010. 192 S. (NB1167) 12,90 Euro
Lucas Zeise, *1944.
Finanzjournalist seit mehr als zwanzig Jahren. Hat Volkswirtschaft
studiert und im Laufe seines Berufslebens u. a. für das
japanische Wirtschaftsministerium, die deutsche Aluminiumindustrie
und die Frankfurter „Börsen-Zeitung“ gearbeitet. War
an der Gründung der „Financial Times Deutschland“
beteiligt und schreibt in ihr noch eine regelmäßige
Kolumne. Lucas Zeise nimmt die Weltwirtschaftskrise ab 2007 zum
Anlaß, um Stellung und Funktion des Finanzsektors im
Kapitalismus zu analysieren. Er schildert, wie und warum dessen
Bedeutung im Neoliberalismus größer denn je geworden ist.
Er diskutiert dabei die verschiedenen Theorien über das Geld,
das – nicht nur im Volksmund – die zentrale Institution
und Kategorie im Treiben des Kapitalismus ist. Er geht der Frage
nach, welche Rolle staatliche Institutionen für die Existenz von
Banken und Finanzmärkten spielen; warum die Finanzinstitutionen
einen so nachhaltigen Einfluß auf die Politik haben; wie es den
Akteuren am Kapitalmarkt gelingt, immer größere Anteile
des Gesamtprofits für sich abzuzweigen. Zeise versucht sich also
an einer politischen Ökonomie des Finanzsektors und des Geldes.
Die kleinen und großen Krisen des Kapitalismus, Inflation,
Währungskrisen und Staatspleiten werden sorgfältig
abgehandelt. Abschließend wird diskutiert, welche politischen
Schritte notwendig wären, um eine Bändigung des
Finanzsektor zu bewerkstelligen.
Lucas Zeise:
Ende der Party. Die Explosion im Finanzsektor und die Krise in
der Weltwirtschaft. Aktualisierte und ergänzte Neuauflage.
PapyRossa Verlag 2009. 208 S. (NB1116) 14,90 Euro
Lucas Zeise
geht den Ursachen, Ausgangsbedingungen und Auswirkungen der
Finanzkrise nach und beleuchtet ihr außergewöhnliches
Ausmaß. Besonderes Augenmerk richtet er auf die politisch
durchgesetzte weltweite Deregulierung der Finanzmärkte als
wesentlicher Krisenursache. Detailliert schildert er, wie Banken,
Notenbanken und Finanzpolitiker mit der von ihnen hervorgerufenen
Krise umgehen, was sie unternehmen, um ihr entgegenzuwirken, und wie
sie einen möglichst großen Teil der Verluste zu
»sozialisieren« versuchen. Dass der Banken- und
Finanzsektor neu geordnet und scharf reguliert werden muss, ist nicht
mehr von der Hand zu weisen. Lucas Zeise erörtert, welche
Vorstellungen und Vorschläge es dazu gibt. Und er weist nach,
dass eine effektive öffentliche Aufsicht und Kontrolle nicht nur
notwendig, sondern auch möglich ist.
Maria
Mies: Krieg ohne Grenzen.
Die neue Kolonisierung der Welt. PapyRossa Verlag 2004. 228 S.
(NB806) 14,80 Euro
Maria Mies arbeitet den Zusammenhang
zwischen Globalisierung und Krieg heraus und begründet, warum
der globale freie Markt und das neoliberale Modell ohne weltweite
Gewalt und militärische Macht nicht auskommen. Und sie zeigt,
daß dem Krieg nach außen ein Krieg nach innen entspricht
– in Form der Zerstörung von Sozialstaat und Demokratie
und von wachsender gesellschaftlicher Ungleichheit und Repression.
Bernd
Hamm: Die soziale Struktur der Globalisierung. Ökologie,
Ökonomie, Gesellschaft. Kai Homilius Verlag 2006. 400 S. (NB932)
19,90 Euro
Globale Umweltprobleme, die immer tiefere Kluft
zwischen Arm und Reich, der neue Rüstungswettlauf, der von der
amerikanischen Regierung angetrieben wird, die Erosion zivilisierten
Zusammenlebens - meist sehen wir hier isolierte Einzelerscheinungen,
ohne ihren inneren Zusammenhang zu verstehen. Der Autor untersucht,
ob unsere gesellschaftlichen Institutionen - Wirtschaft, Politik,
Medien, soziale Sicherheit - geeignet sind, solche Probleme zu lösen
oder wenigstens zu mildern. Er zeichnet ein Szenario der Entwicklung,
die uns in den kommenden Jahren erwartet, und fordert eine radikale
Umkehr. Zukunftsfähigkeit ist möglich - wir müssen sie
nur angehen, hier und jetzt und jeder an seinem Platz.
Maria Mies: Globalisierung von
unten. Der Kampf gegen die Herrschaft der Konzerne. Rotbuch
Verlag. (NB614) 13,50 Euro
Unbemerkt von der Öffentlichkeit
wird seit Jahren das konzerngesteuerte neolibrale Wirtschaftsmodell
durch Institutionen wie Weltbank, IWF und Welthandelsorganisation
weltweit durchgesetzt. Immer neue Freihandelsabkommen gefährden
Demokratie, Umwelt, Arbeitsplätze und Menschenrechte. Maria Mies
berichtet über die große globale Bewegung dagegen und die
Situation des Protests, der auf Seattle folgte. Sie informiert über
Methoden und Ziele, über Vorläufer und historische
Hintergründe. Doch vor allem geht es um die Suche nach einer
anderen Wirtschaft und Gesellschaft, einer Gesellschaft, die den
Profit nicht über Menschen und Natur stellt.
Bernard Cassen, Susan George,
Horst-Eberhard Richter, Jean Ziegler u.a.: Eine andere Welt ist
möglich! Dokumente des Attac-Kongresses vom 19.-21.10.2001
in Berlin. Herausgegeben von Attac Deutschland. VSA Verlag 2002. 168
S. (NB630) 8 Euro
Die Dokumentation der ersten
deutschlandweiten Konferenz von Attac spannt einen Bogen über
das beeindruckende Themenspektrum dieses globalisierungskritischen
Bündnisses und zeigt Wege des erfolgreichen Engagements für
eine „andere Welt“ auf.
Martina Hahn,
Frank Herrmann: Fair einkaufen – aber wie? Der Ratgeber für
fairen Handel, für Mode, Geld, Reisen und Genuss. Mit einem
Vorwort von Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbandes der
Verbraucherzentralen. Verlag Brandes & Apsel 2009. 248 S.
(NB1127) 19,90 Euro
Klappentext: Fairer Konsum boomt. Er
entspricht einer nahezu weltweiten Bewegung und Lebenseinstellung,
die Konsum nicht verdammt, solange mit Herz und Verstand eingekauft
wird. Die Verbraucher wollen wissen, wo sie fair gehandelte
Lebensmittel bekommen. In welchem Laden T-Shirts hängen, die
nicht von Kindern zusammengenäht worden sind? Wo sie eine Reise
buchen können, bei der auch das Zimmermädchen einen
gerechten Lohn erhält? Oder woran sie erkennen können,
welcher Investmentfond wirklich nachhaltig anlegt? Fair einkaufen –
aber wie? Hier finden Verbraucher und Verbraucherinnen alles, um sich
zurechtzufinden: ausführliche Hintergrundinfos über den
Fairen Handel, über Faire Mode, Faire Geldanlagen und Faires
Reisen. Außerdem bietet das Buch jede Menge Adressen, Weblinks,
Literaturempfehlungen und Einkaufstipps. „Wir haben es selbst
in der Hand, mit unserer Nachfragemacht unsozialen und unfairen
Produkten die ,rote Karte‘ zu zeigen. Glaubwürdige Siegel
und Label bieten dazu ebenso die Möglichkeit wie Unternehmen,
die ihren Kunden die ,inneren Werte‘ ihrer Produkte nicht
vorenthalten. Dieses Buch führt uns eindrucksvoll vor Augen, daß
es oft gar nicht so schwer ist, mit dem Einkaufskorb zum
Weltpolitiker zu werden.“ (Gerd Billen).
Ruth Jung: Attac: Sand im Getriebe. Mit Beiträgen von José Saramago, Ignacio Ramonet, Bernard Cassen. Edition Nautilus 2002. 128 S. (NB631) 9,90 Euro Wie hat es Attac geschafft, die totgeglaubten Ideale der europäischen Aufklärung wiederzubeleben und mit basisdemokratischen Aktionsformen so zu verknüpfen, daß sich inzwischen in der ganzen Welt Hunderttausende Menschen angesprochen fühlen und mitmachen im großen Netzwerk der Globalisierungskritiker? Ruth Jung zeichnet eine Geschichte des Widerstands gegen die neoliberale Politik auf und versucht, Attac historisch einzuordnen. „Es ist allerhöchste Zeit, daß eine weltweite Debatte über die Demokratie und die Gründe für ihren Niedergang in Gang kommt.“ (José Saramago).
Attac Österreich (Hg.): Die
geheimen Spielregeln des Welthandels. WTO GATS TRIPS MAI. 2.
erweiterte Auflage. Promedia 2004. 184 S. (NB756) 15,90 Euro
Seit
Jahrzehnten wächst die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen
Industrie- und Entwicklungsländern, aber auch innerhalb der
Industrieländer nimmt die soziale Polarisierung zu. Einer der
Hauptgründe für die wachsende Ungleichheit sind die
Spielregeln, nach denen die derzeitige Globalisierung abläuft.
Entgegen der verbreiteten Annahme, der Neoliberalismus kenne keine
Regeln, sind zahlreiche weitreichende wirtschaftspolitische Abkommen
in Kraft, die den Einfluß der globalen Konzerne kontinuierlich
vergrößern. Diese Abkommen verstecken sich hinter Kürzeln
wie GATS, WTO, MAI oder DSU, deren Vertragswerke unseren Lebensalltag
betreffen. Eine öffentliche Debatte darüber findet nicht
statt. Dieses Buch soll helfen, die Geheimschrift der globalen
Wirtschaftspolitik zu entziffern.
Jörg Bergstedt: Mythos attac.
Hintergründe, Hoffnungen, Handlungsmöglichkeiten. Verlag
Brandes & Apsel 2004. 208 S. (NB757) 14,90 Euro
Mit der
Gründung von Attac wurde der Traum vom politischen Sprachrohr
der Globalisierungskritiker Wirklichkeit. Attac Deutschland stieg,
von Medien und bundesdeutscher Prominenz kräftig unterstützt,
binnen kürzester Zeit zum großen Hoffnungsträger am
Horizont politischer Bewegungen auf. Mit diesem Buch liegt erstmals
eine kritische Analyse der Gründe für den Erfolg der
Organisation, ihrer Ziele und Inhalte sowie ihrer Struktur vor.
Zahlreiche Quellen werden ausgewertet und zeigen ein vielfältiges
und widersprüchliches Projekt: Die ideologische Verkürzung
und instrumentelle Herrschaft in den Führungskadern verbinden
sich mit kreativ-spritzigen Aktionsmethoden aus den lokalen
Attac-Gruppen. Das Buch übt scharfe Kritik und zeigt zugleich
perspektivische Entwürfe hin zu einer handlungsfähigen,
vielfältigen und horizontal vernetzten, offenen Basisbewegung.
Es entstand unter Mitwirkung von Personen aus Basisgruppen, die zu
den Themen von Attac arbeiten oder bei Attac selbst aktiv sind.
Rainer Roth: Nebensache Mensch. Arbeitslosigkeit in Deutschland. DVS 2003. 608 S. (NB729) 15 Euro
Gisela Notz:
Theorien alternativen Wirtschaftens. Fenster in eine andere Welt.
Schmetterling Verlag Reihe theorie.org 2011. 192 S. Pb. (NB1182) 10
Euro
Die Einführung liefert eine überschaubare und
zugleich fundierte Darstellung exemplarischer Theorien alternativen
Wirtschaftens und ihrer Umsetzung in die Praxis. Vorgestellt werden
zunächst theoretische Modelle und ihre Protagonisten, von den
Frühsozialisten, über die Zeit der beginnenden und
fortschreitende Industrialisierung bis heute. Um eine
Verständigungsbasis herzustellen, nimmt die Autorin
Begriffsserklärungen vor und erklärt Betriebe und
Betriebsformen, die Ansätze eines solchen Wirtschaftens
verfolgen. Es folgen aktuelle Beispiele aus der
Genossenschaftsbewegung, aus der Alternativbewegung der 1970er Jahre,
der Kommunebewegung, der Ökonomie des Gemeinwesens, der
Tauschökonomie und Umsonstökonomie und der Kommunalen
Gemeinschaftsgärten. Am Ende steht die Frage, wie es angesichts
des Siegeszugs der Globalisierung der warentauschenden Gesellschaft
und der weltweiten Krise gelingen kann, Theorien für eine andere
herrschaftsfreie Welt in weitere Kreise zu tragen. Auch wenn
utopisches Denken heute nicht gerade hoch im Kurs steht.
Arno
Klönne / Daniel Kreutz / Otto Meyer: Es geht anders!
Alternativen zur Sozialdemontage. Mit einem Beitrag von Gisela Notz.
PapyRossa Verlag 2005. 176 S. (NB921) 13,50 Euro
Es gibt keine
Alternativen zur Sozialdemontage, so tönt es aus allen
etablierten Parteien und Medien. Die Autorin und die Autoren nehmen
die Legenden auseinander, mit denen der demokratisch nicht
legitimierte Systemwechsel bei Rente, Gesundheit, Arbeitsmarkt,
Arbeitslosenversicherung, Tarifpolitik, öffentlichen
Dienstleistungen usw. begründet wird. Sie zeigen auf, daß
dabei nicht Naturgesetze walten, sondern handfeste Interessen. Und
sie belegen, daß und wie es anders geht, welche Wirtschafts-,
Finanz- und Steuerpolitik das voraussetzt und wie der dafür
notwendige Politikwechsel herbeigeführt werden kann.
Werner
Biermann, Arno Klönne: Agenda Bertelsmann. Ein Konzern
stiftet Politik. PapyRossa Verlag 2007. 144 S. (NB1019) 11,90 Euro
Ob
Privatisierung öffentlicher Dienste oder Einführung von
Studiengebühren, ob Hartz IV und Sozialkürzungen oder
globale Militärinterventionen und Vorgaben zur Aufrüstung:
Die gesellschaftspolitische Agenda der Bundesrepublik wird von der
Bertelsmann-Stiftung entworfen. Diese „gemeinnützige“
und steuerbegünstigte „Reformwerkstatt“, die
zugleich das größte Aktienpaket am Bertelsmann-Konzern als
dem weltweit viertgrößten Medienunternehmen hält,
stellt die erfolgreichste Public-Private-Partnership dar - nicht nur
auf Firmenprofit, sondern auch auf gesellschaftliche Steuerung
ausgerichtet. Werner Biermann und Arno Klönne beschreiben, wie
die Bertelsmann-Stiftung Lösungen für Probleme findet, die
sie selbst definiert, und wie sie bei deren Umsetzung
geschäftstüchtig tätig wird - vom Kindergarten bis zur
Hochschule, von der Kommune bis zur Geopolitik. Sie analysieren den
ökonomisch-politischen Hintergrund der Bertelsmann-Konzepte und
deren Zielhorizont: Gesellschaft, geführt wie ein Unternehmen,
postdemokratisch.
BEIGEWUM: Mythen der Ökonomie.
Anleitung zur geistigen Selbstverteidigung in Wirtschaftsfragen. Hg.,
vom Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische
Alternativen (BEIGEWUM). VSA Verlag 2005. 168 S. (NB838) 13,80
Euro
„Ohne Reformen ist der Wirtschaftsstandort in
Gefahr“, „Staatliche Regulierung behindert die
Wirtschaft“, „Der beste Weg zu Entwicklung ist
Freihandel“, „Längere Ladenöffnungszeiten
schaffen mehr Arbeitsplätze“, „Wir brauchen mehr
Eigenverantwortung“ – In diesem Buch findet sich eine
Sammlung der wichtigsten ökonomischen Mythen. Sie werden kurz
vorgestellt und einer Gegenargumentation unterzogen: ein komplettes
Nachschlagewerk und Argumentationshilfen für ökonomiekritische
Debatten.
Peter Nowak
(Hg.): Zahltag. Zwang und Widerstand: Erwerbslose in Hartz IV.
Unrast Verlag 2009 (unrast transparent – soziale krise). 80 S.
(NB1125) 7,80 Euro
Die Proteste gegen Hartz IV haben die
Verhinderung der Gesetze nicht erreicht, waren aber keineswegs
erfolglos. Seitdem steht das Thema Repression und Erniedrigung von
Erwerblosen vermehrt auf der Tagesordnung. Der Schwerpunkt des Buches
liegt auf dem fortdauernden Widerstand der Betroffenen. Die Palette
reicht von den vermehrten Klagen vor den Sozialgerichten bis zu
Widerstandsformen - wie den Aktion Zahltag – und die
solidarische Begleitung von Erwerbslosen. Der Band wendet sich an
Leser, die angesichts der Bedrohung durch Hartz IV nach einer
Orientierung suchen. Vermittelt wird ein erster guter Überblick
über das Thema.
Schwarzbuch
Hartz IV. Sozialer Angriff und Widerstand – eine
Zwischenbilanz. Hg. von Agenturschluß. Verlag Assoziation A
2006. 192 S. (NB916) 11 Euro
Agenda 2010 und Hartz-Gesetze
stellen eine neue Dimension des sozialen Angriffs in der BRD dar, der
in Zukunft zu verschärften sozialen Konfrontationen führen
wird. „Ein Jahr Hartz IV“ ist der Anlaß für
eine umfassende Einordnung und Bewertung dieses fortschreitenden
Angriffs. Eine Untersuchung der Instrumente und deren Auswirkungen
gehört ebenso dazu wie eine Dokumentation und Analyse von
Protest und Widerstand dagegen. Zum Abschluß wagt der
Sammelband eine Diskussion über neue Formen und Visionen des
Sozialen.
Hella
Baumeister, Ulrich Gransee, Klaus-Dieter Zimmermann (Hg.): Die
Hartz-„Reformen“. Die Folgen von Hartz I-IV
für Arbeitnehmer(innen). VSA-Verlag 2005. 224 S. (NB848) 12,80
Euro
Die praktischen Auswirkungen der Zusammenlegung von
Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe II – mit dem Wort des Jahres
2004 „Hartz IV“ bezeichnet – prägen den
öffentlichen Diskurs. Sie sind jedoch nur ein Teil der gesamten
Hartz-„Reformen“. Deren Folgen für
Arbeitnehmer(innen) werden in diesem Buch dargestellt.
Herbert Schui, Eckart Spoo (Hg.):
Geld ist genug da. Reichtum in Deutschland. Distel Verlag 2000
(3., aktualisierte Auflage). 160 S. (NB661) 13 Euro
Es sei kein
Geld da, es müsse gespart werden, wir lebten über unsere
Verhältnisse, der Sozialstaat sei nicht mehr finanzierbar –
jeder kennt die Sprüche. Dieses Buch zeigt: Geld ist genug da,
mehr als je zuvor – nur nicht da, wo es dringend benötigt
wird. Beiträge von Rainer Roth, Jörg Huffschmid, Herbert
Schui, Otto Köhler, Horst Bethge, Christoph Butterwegge u.a.
Karl Georg
Zinn: Wie Reichtum Armut schafft. Verschwendung, Arbeitslosigkeit
und Mangel. PapyRossa Verlag. Vierte, aktualisierte und erweiterte
Auflage 2006. 308 S. (NB967) 16,90 Euro
Wieso Lohn- und
Sozialabbau nichts gegen die Arbeitslosigkeit nützen. Weshalb
die neoliberalen Versprechungen nicht aufgehen. Um die Ursachen der
gegenwärtigen Probleme aufzudecken, rückt Karl Georg Zinn
die Mechanismen der kapitalistischen Wirtschaft in den Mittelpunkt.
Neben einer fundierten Kritik am neoliberalen Zeitgeist liefert er
damit zugleich auch eine lebendige Einführung in die politische
Ökonomie der Gegenwart.
Heinz J.
Bontrup: Arbeit, Kapital und Staat. Plädoyer für eine
demokratische Wirtschaft. PapyRossa Verlag Köln 2005. 428 S.
(NB830) 24,80 Euro
Im Zeichen der politisch betriebenen
Globalisierung und einer schaffen internationalen Standortkonkurrenz
ist es u einer tiefgreifenden Verschiebung in den wirtschaftlichen
Verteilungsverhältnissen zu Ungunsten der Lohnabhängigen
gekommen. Das Ergebnis sind wirtschaftliche Stagnation und
Massenarbeitslosigkeit. Vor diesem Hintergrund stellt das Kapital
laufend noch höhere Gewinnansprüche. Den Grundsatz, daß
die Menschen nicht für die Wirtschaft da sind, sondern die
Wirtschaft für die Menschen, wird auch von der Politik
ignoriert. Der Staat zieht sich aus seiner Verantwortung zurück
und überläßt die wirtschaftliche Entwicklung den
„Selbstheilungakräften des Marktes“. Hinzu kommt
eine prozyklische und damit krisenverschärfende
Wirtschaftspolitik. Nach einer fundierten einzel- wie
gesamtwirtschaftlichen Kritik rückt Heinz-J. Bontrup die
Alternativen in den Mittelpunkt.
Juri Hälker,
Claudius Vellay (Hg.): Union Renewal – Gewerkschaften in
Veränderung. Texte aus der aktuellen internationalen
Gewerkschaftsforschung. Edition der Hans-Böckler-Stiftung 2006.
274 S. (NB965) 19 Euro
Wo stehen die Gewerkschaften heute? Wie
kommen sie wieder von der Defensive in die Offensive? Diese Fragen
stehen im Zentrum von Publikationen zur internationalen
Gewerkschaftsforschung. Der vorliegende Band gibt einen Einblick in
diese aktuellen Diskussionen aus dem englischen und französischen
Sprachraum. Die einzelnen Beiträge wurden für das
deutschsprachige Publikum aufbereitet und unter Berücksichtigung
der spezifischen nationalen Besonderheiten rezensiert.
Peter Berens: Der Babcock-Bankrott. Korrumpieren, abkassieren, liquidieren. Neuer ISP-Verlag 2004. 124 S. (NB767) 9,80 Euro Der Oberhausener Großkonzern war Bestandteil des sozialdemokratischen Wirtschaftsimperiums und politischen Netzwerks an Rhein und Ruhr um die Westdeutsche Landesbank (WestLB) – bis zum 5. Juli 2002, als Babcock-Borsig in die Insolvenz ging. Bei Babcock standen sowohl auf der Kapitalseite als auch auf der Seite der Belegschaftsvertretung Sozialdemokraten. Die besonders enge Sozialpartnerschaft war mitverantwortlich für die Konzernkrise. Am Beispiel Babcocks zeigt der Autor auf, wie Wirtschaft und SPD in Nordrhein-Westfalen miteinander verschmolzen sind, wie Manager abkassieren, wie sozialdemokratische Politiker, Betriebsräte und Gewerkschafter eingebunden werden, wie hinter den Kulissen Entscheidungen über Arbeit und Existenz von Tausenden von Beschäftigten fallen, Lohnabhängige betroffen sind und Widerstand leisten.
Winfried Wolf: Fusionsfieber.
Oder: Das große Fressen. Globalisierungsmythos –
Nationalstatt – Wirtschaftsblöcke. PapyRossa Verlag 2000.
288 S. (NB254) 14,30 Euro
Elefantenhochzeiten, Megafusionen,
spektakuläre Firmenkäufe – erleben wir die weltweite
Machtübernahme durch Banken und multinationale Konzerne? Sind
wir den Zwängen einer anonymen Globalisierung ausgeliefert? Sind
Staaten und Regierungen nur noch Statisten? Winfried Wolf
widerspricht diesen Vorstellungen und belegt: Das Fusionsfieber
verläuft in „nationalen Bahnen“, stärkt einige
wenige Staaten, festigt die von ihnen dominierten Wirtschaftsblöcke
und verschärft deren Konkurrenz. Es erhöht die
Krisenanfälligkeit der Weltwirtschaft, beschert uns eine
fortschreitende Militarisierung und führt zu wachsender
Kriegsgefahr. Wolf schildert Möglichkeiten und Beispiele für
Widerstand und benennt dessen Adressaten.
Pierre Bourdieu et al: Das Elend
der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an
der Gesellschaft. Universitätsverlag Konstanz. (NB540) 38
Euro
„Nicht bemitleiden, nicht auslachen, nicht
verabscheuen, sondern verstehen!“ So lautet das Credo dieser
außergewöhnlichen soziologischen Studie über Formen
und Ursachen des Leidens in und an der Gesellschaft. Menschen, die
sonst nicht gehört werden, berichten über ihr gewöhnliches
Leben, ihre Hoffnungen und Frustrationen, Verletzungen und Leiden. In
ihrer Zusammenschau ergeben diese Lebensbilder ein Bild der
französischen – und nicht nur der französischen –
Gesellschaft, geprägt von zunehmendem Konkurrenzdruck,
struktureller Massenarbeitslosigkeit, Sozialabbau, gesellschaftlicher
Marginalisierung immer breiterer Bevölkerungsgruppen, verstärkt
durch den schleichenden Rückzug des Staates aus seiner
Verantwortung für das Gemeinwohl und die zunehmende
Deregulierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Die kleinen und großen
Miseren dieser „Alltagsmenschen“ erscheinen in der
janusgesichtigen Gestalt von ökonomischer Lage bzw. Materiellen
gesellschaftlichen Zwängen hier und leidvollen Erfahrungen mit
sozialen Hierarchien, wie sie mit der jeweiligen Stellung im
Sozialraum einhergehen, dort. Gerade diese stellungsbedingte Form des
Leidens an der Gesellschaft, allzu lange von der Soziologie
vernachlässigt und im öffentlichen Diskurs verschwiegen,
bringt die von Pierre Bourdieu und Mitarbeitern vorgelegte Analyse
radikal zu Bewußtsein.
Giulietto
Chiesa / Marcello Villari: Die globale Superklasse. Wer regiert
die Weltwirtschaft? Ein Sachbuch aus der Edition 8. (NB832) 17,20
Euro
„Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Macht des
Bildes diejenige des Wortes ersetzt hat. In einer solchen Welt werden
Traditionen und historisch Gewachsenes, alles, was dauerhaft und
beständig ist, fortlaufend ersetzt durch das Vorübergehende
und Flüchtige. Die Vorläufigkeit wird zum Gesetz, das
unseren Alltag bestimmt und manchmal sogar bedrohliche Formen
annehmen kann. Wer trotzdem noch an der Realwelt festhält, wird
ausgesondert wie eine fehlerhafte oder veraltete Ware, die nicht mehr
zu gebrauchen ist. Dies ist der Grund, warum die realen
Lebensbedingungen der Menschen an Relevanz verlieren.“
Fredrik Roggan: Auf legalem Weg in einen Polizeistaat. Entwicklung des Rechts der inneren Sicherheit. Pahl-Rugenstein-Verlag 2000. 248 S. Hardcover. (NB213z) 19,43 Euro
Heinrich
Hannover: Reden vor Gericht. Plädoyers in Text und Ton.
PapyRossa Verlag 2010. 276 S. mit Abb. Hardcover mit einer Audio-CD.
(NB1160) 22 Euro
Heinrich Hannover, geboren 1925, Rechtsanwalt,
tätig vorwiegend als Strafverteidiger und als Vertreter von
Kriegsdienstverweigerern. Zahlreiche Sachbücher zu
zeitgeschichtlichen, juristischen und politischen Themen sowie
Kinderbücher. Radio Bremen stellte ihn so vor: „Im Bremen
der 50er Jahre als Kommunistenanwalt verschrien, wurde er in den
60ern bundesweit bekannt durch die Verteidigung von Ulrike Meinhof,
Günter Wallraff und Peter Paul Zahl, Rosalinde von Ossietzky und
in jüngster Zeit Hans Modrow – die Liste von Hannovers
Klienten ist lang.“ Heinrich Hannover hat als Strafverteidiger
Geschichte geschrieben. Hier sind Plädoyers aus dem Bereich des
politischen Strafrechts wie dem der „nichtpolitischen“
Kriminalität zusammengestellt und zeitgeschichtlich eingeordnet.
Etliche Verfahren haben aufgrund der Prominenz der Beteiligten große
Beachtung gefunden. So die gegen Lorenz Knorr wegen „Beleidigung“
von Hitler-Generälen als Massenmörder (1964), gegen Daniel
Cohn-Bendit wegen Landfriedensbruch (1968), gegen Karl Heinz Roth
(1977) und Astrid Proll (1979/80), die trotz falscher Zeugenaussagen
von Polizeibeamten von der Anklage des Mordes und Mordversuches
freigesprochen wurden, und gegen Hans Modrow wegen Wahlfälschung
(1993). Internationales Aufsehen erregte insbesondere der Prozess
gegen einen SS-Funktionär wegen Beteiligung an der Ermordung von
Ernst Thälmann im KZ Buchenwald. Hier vertrat Hannover die
Nebenklage (1982-1987). Die CD mit Tonaufnahmen aus dem Gerichtssaal
ist eine einmalige Dokumentation bundesdeutscher Justizpraxis und
macht den jeweiligen Zeitgeist unmittelbar spürbar. Auf einer
Audio-CD Originaltöne u. a. aus Prozessen gegen Daniel
Cohn-Bendit und Karl Heinz Roth sowie aus dem Verfahren wegen der
Ermordung von Ernst Thälmann im KZ Buchenwald.
Heinrich
Hannover: Die Republik vor Gericht 1954-1995. Erinnerungen eines
unbequemen Rechtsanwalts. Aufbau Taschenbuch. 960 S. (NB952) 16,90
Euro
„Die Liste von Heinrich Hannovers Mandanten spiegelt
ein Stück bundesdeutscher Geschichte wieder. Die Verfahren gegen
Günter Wallraff, Ulrike Meinhof, Peter-Paul Zahl, Karl Heinz
Roth, Astrid Proll oder Daniel Cohn-Bendit standen symbolhaft für
den Zustand unserer Bundesrepublik, an deren Rändern zudem eine
Fülle jener Namenloser zu Kriminellen erklärt wurde, die in
traditionellen Demokratien das Salz der Gesellschaft bilden:
Kommunisten, Anarchisten, Kriegs- und Atomwaffengegner, radikale
Kritiker und Unruhestifter.“ (Klappentext). Das ursprünglich
zweibändige Werk jetzt in einem Band.
Bernt Engelmann: Einig gegen Recht
und Freiheit. Ein deutsches Geschichtsbuch Teil 2. Steidl. 336 S.
(NB309) 9,50 Euro
Die Jahre zwischen 1918 und 1938, in denen
mehr Legenden aufgebaut wurden als je zuvor: „Im Felde
unbesiegt“, „Schandvertrag von Versailles“,
„Judenrepublik“, „Volk ohne Raum“...
Bernt Engelmann: Du deutsch? Geschichte der Ausländer in Deutschland. Steidl Verlag. 240 S. (NB503) 8,50 Euro
Bernt Engelmann: Die Laufmasche. Tatsachenroman. Steidl Verlag. 256 S. (NB499) 8,50 Euro
Bernt Engelmann: Die Aufsteiger. Wie Herrschaftshäuser und Finanzimperien entstanden. Steidl Verlag. 304 S. (NB500) 9,50 Euro
Bernt Engelmann: Hotel Bilderberg. Tatsachenroman. Steidl Verlag. 208 S. (NB501) 8,50 Euro
Bernt Engelmann: Wie wir die Nazizeit erlebten. Steidl Verlag. 496 S. (NB502) 11,50 Euro
Sahra Wagenknecht, Jürgen Elsässer: Vorwärts und vergessen? Ein Streit um Marx, Lenin, Ulbricht und die verzweifelte Aktualität des Kommunismus. Konkret. (NB 20) 10,15 Euro
Sahra
Wagenknecht: Freiheit statt Kapitalismus. Eichborn Verlag 2011.
368 S. (NB1180) 19.95 Euro
Schon lange sind nicht mehr
Wettbewerb oder gar Leistung die zentralen Merkmale und Perspektiven
unserer Wirtschaft, sagt Sahra Wagenknecht. Der Kapitalismus hat
seine Produktivität und Kreativität verloren. Wenn Ökonomie
die Kunst des Anreizesetzens ist, wirken heute die falschen, denn sie
belohnen abstrakte Renditeziele und Jobvernichtung statt Erhalt und
Ausbau von Arbeitsplätzen, Umweltschonung und
Unternehmenswachstum. Die aktuelle Wirtschaftskrise ist auch eine
Kreativitätskrise, sagt die Autorin. Sie nimmt die Theoretiker
der Sozialen Marktwirtschaft wie Walter Eucken und Ludwig Erhard beim
Wort und beschreibt es als dringlichste Herausforderung an die
Wirtschaft, wieder produktiv und innovativ zu sein. Denn es muss
nicht nur gerechter verteilt werden, es muss auch wieder mehr zu
verteilen geben. Dazu gehört neben öffentlichen Banken als
Kreditgeber für den Mittelstand auch eine radikal veränderte
Eigentumsordnung, die eine echte Leistungsgesellschaft erst möglich
macht. Kreativer Sozialismus, so Sahra Wagenknecht, belohnt nicht
den, der sich auf ererbten Werten ausruht, sondern den, der Werte
schafft.
„Nein, sie ist keineswegs schrill oder polemisch,
diese aktuelle politische Positionierung von Sahra Wagenknecht. Ganz
im Gegenteil: Sauber recherchiert, faktenreich, kompetent und in
verständlicher Sprache zeigt die Autorin ihre gesellschafts- und
wirtschaftspolitischen Grundlinien der Neuzeit auf.“ (Jörg
Riemenschneider, NDR Info). „Freiheit statt Kapitalismus
formuliert den Zweifel, den viele mit sich herumtragen.“ (Arno
Orzessek, DeutschlandRadio Kultur).
Sahra
Wagenknecht: Wahnsinn mit Methode. Finanzcrash und
Weltwirtschaft. Verlag Das Neue Berlin 2008. 256 S. (NB1082) 14,90
Euro
Die große Krise: Betroffen sind alle, aber nur
wenige sehen, was tatsächlich geschieht. Doch sie können es
nicht erklären. Sahra Wagenknecht versteht es, die
kompliziertesten Sachverhalte zu vermitteln: anschaulich und
verständlich. Das neue Buch von Sahra Wagenknecht ist nicht nur
eine rasche Reaktion auf die aktuelle Krise. Die Autorin analysiert
die aberwitzigen Bewegungen des Kapitals seit Jahren. Und sie
schließt mit einer deutlichen Ansage: „Es gab selten ein
System, das so wenige Profiteure und so viele Verlierer hatte wie der
heutige Kapitalismus. Es gibt keinen Grund, sich mit ihm und in ihm
einzurichten.“
Sahra
Wagenknecht u.a.: Armut und Reichtum heute. Edition Ost 2007, 320
S. (NB1010) 14,90 Euro
Etwa jeder sechste deutsche Haushalt
lebt in Armut. Der druck auf Arbeitslose und Beschäftigte nimmt
zu, ungesicherte Billigjobs breiten sich aus. Gleichzeitig sind die
Gewinne der Konzerne so hoch wie nie zuvor, wächst die Zahl der
Reichenund superreichen. Sahra Wagenknecht, Christoph Butterwegge und
die anderen Autoren dieses Bandes beweisen: Armut und Reichtum sind
zwei Seiten einer Medaille. Was durch Kürzungen bei Arbeitslosen
eingespart wird, wirft man Unternehmen durch Steuersenkungen in den
Rachen. Eine machtvolle Gegenbewegung gegen die neoliberalen
Verbrechen kann aber nur dann entstehen, so Wagenknecht, „wenn
nicht allein die Ablehnung des Bestehenden, sondern das Wissen um
Alternativen in die Köpfe zurückkehrt“.
Sahra Wagenknecht: Kapitalismus im
Koma. Eine sozialistische Diagnose. Edition Ost 2003. 200 S.
(NB675) 9,90 Euro
Die bekannte marxistische Publizistin gibt
eine kompakte Darstellung der ökonomischen Situation am Vorabend
einer Weltwirtschaftskrise. Ihre Anklage richtet sich gegen das
System der Kapitalverwertung selbst.
Sahra Wagenknecht: Antisozialistische Strategien im Zeitalter der Systemauseinandrersetzung. Zwei Taktiken im Kampf gegen die sozialistische Welt. Pahl-Rugenstein 1995. 184 S. (NB990) 10 Euro
Wolfgang Abendroth: Einführung in die Geschichte der Arbeiterbewegung. Von den Anfängen bis 1933. Distel-Verlag 1985/1997. 288 S. (NB85) 18,40 Euro
Werner Hofmann: Was ist Stalinismus? Vorwort von Frank Deppe und Gert Meyer. Distel Verlag 1984. 120 S. (NB654) 6,50 Euro
Clara Zetkin: Erinnerungen an
Lenin. Mit einem Anhang: Aus dem Briefwechsel Clara Zetkins mit
W.I. Lenin und N.K. Krupskaja. Edition 100 bei ISP – Bibliothek
des Anderen Buchladen Karlsruhe. 128 S. (NB671) 10 Euro
Reprint
der Ausgabe im Dietz-Verlag von 1957.
Markus Mohr, Klaus Viehmann (Hg.):
Spitzel. Eine kleine Sozialgeschichte. Assoziation A 2004. 256 S.
(NB731) 18 Euro
Judas, Wilhelm Stieber, Ewno Asew, Roman
Malinowski, Adolf Hitler, Peter Urbach, Ulrich Schmücker,
Michael Grünhagen, Schmuddel-Helmut, Wolfgang Frenz, Zapfer Kurt
u.a.
Backslash Hack-tic Jansen & Jansen Keine Panik: Der kleine Abhörratgeber. Computernetze Telefone Kameras Richtmikrofone. Incl. Diskette mit Verschlüsselungsprogramm. Nachwort von Otto Diederichs. ID-Verlag 1996. 144 S. (NB27) 10 Euro
Markus Mohr,
Hartmut Rübner: Gegnerbestimmung. Sozialwissenschaft im
Dienst der „inneren Sicherheit“. Mit einem Vorwort von
Friedrich C. Burschel. Unrast Verlag 2010. 288 S. (NB1149) 16,80
Euro
Der Verfassungsschutz drängt seit Jahren verstärkt
in den öffentlichen Raum. In der Publizistik und Einrichtungen
der politischen Bildung, aber auch in den universitären
Sozialwissenschaften, finden sich immer mehr Mitarbeiter des
Nachrichtendienstes. Ihre Tätigkeit soll dem „Extremismusansatz“
allgemeine Akzeptanz verschaffen. Das Extremismuskonstrukt ist
allerdings nichts anderes als die grundlegende Legitimation der
Verfassungsschutzbehörden. Wenn nun der geheimdienstlich
beförderte „Extremismus“-Diskurs in der
sozialwissenschaftlichen Forschung akzeptiert und vertreten wird,
kann mit Fug und Recht von einer „Sozialwissenschaft im Dienst
der inneren Sicherheit“ gesprochen werden.
Eric Chauvistré: Das
atomare Dilemma. Die Raketenabwehrpläne der USA.
Espresso-Verlag 2001. 160 S. (NB413z) 12,90 Euro
Seit dem
Amtsantritt von Bush jr. Gibt es keinen Zweifel mehr: Die USA werden
ihre Pläne für den Bau einer umfassenden Raketenabwehr
umsetzen. Durch das Rüstungsprojekt soll es dem US-Militär
ermöglicht werden, jederzeit und an jedem Ort einzugreifen. Der
naive Traum von der Unverwundbarkeit dominiert die Politik –
nicht nur in Washington. Auch in den europäischen NATO-Staaten
gibt es Pläne für Raketenabwehrsysteme. Das Buch ist ein
Plädoyer für die nüchterne Einsicht, daß das
atomare Dilemma nur durch Abrüstung überwunden werden kann.
Jens Mecklenburg (Hg.): Gladio. Das geheime Terrornetz der NATO. Elefantenpress 1997. 144 S. (NB37z) 12,90 Euro
Erich Schmidt-Eenboom:
Geheimdienst, Politik und Medien. Meinungsmache Undervover. Kai
Homilius Verlag (Edition Zeitgeschichte) 400 S. Gb. (NB780) 24,80
Euro
Geht es um mögliche Verstrickungen deutscher Medien
mit östlichen Geheimdiensten wie KGB oder MfS, ist das
öffentliche Interesse groß. Merkwürdig ruhig ist es
hingegen, wenn die Verbindungen zum Bundesnachrichtendienst
dokumentiert werden.
Klaus Steiniger: Tops und Flops. Die Geschäfte der US-Geheimdienste. Mit einem Vorwort des ehemaligen Top-Agenten „Topas“. Elefantenpress 1998. 256 S. (NB32z) 20,90 Euro
Ulrich Sander: Die Macht im
Hintergrund. Militär und Politik in Deutschland von Seeckt
bis Struck. PapyRossa Verlag 2004, 208 S. (NB728) 14 Euro
Ohne
daß es einer breiten Öffentlichkeit bisher bewußt
wäre, geben heute in der Bundesrepublik – wie einst in der
Weimarer Republik die Reichswehrführung unter General von Seeckt
– Militärs in der Rüstungs- und Sicherheitspolitik
den Ton an. So wurden die „Verteidigungspolitischen
Richtlinien“ des ehemaligen Verteidigungsministers Rühe
ebenso von politisierenden Generälen ersonnen wie die
„Verteidigung am Hindukusch“ des späteren
Amtsinhabers Struck. Anhand offizieller und inoffizieller Quellen
weist Ulrich Sander nach, daß eine militärische Elite, die
von äußerst rechten Militärs angeführt wird,
wieder maßgeblichen Einfluß auf die deutsche Politik
gewonnen hat.
Ulrich Sander: Szenen einer Nähe. Vom großen RechtsUm bei der Bundeswehr. Pahl-Rugenstein-Verlag 1998. 160 S. Hc. (NB88) 12,90 Euro
Heinz J. Bontrup, Norbert Zdrowomyslaw: Die deutsche Rüstungsindustrie vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik. Ein Handbuch. Distel Verlag 1988. 232 S. (NB655) 12,50 Euro
Rolf
Uesseler: Krieg als Dienstleistung. Private Militärfirmen
zerstören die Demokratie. Ch. Links Verlag 2006. 200 S. (NB934)
14,90 Euro
Im letzten Jahrzehnt ist das private Kriegsgeschäft
zu einer Wachstumsbranche geworden, die nicht nur Riesengewinne
verbucht, sondern auch die Weltpolitik verändert. Private
Militärfirmen operieren inzwischen auf allen Kontinenten und in
allen Kriegsgebieten der Welt. Mehr als 1,5 Millionen Angestellte
sind für sie tätig, der Irak-Krieg wäre ohne sie nicht
denkbar. Sie haben mittlerweile Aufgaben übernommen, die einst
in staatliche Hoheit fielen: das Ausspähen von Angriffszielen,
die Entwicklung von Überwachungssoftware, Risikoanalysen,
Spezialausbildung für modernste Hightech-Waffensysteme, sogar
die Ausführung von direkten Kampfeinsätzen. Ihre Dienste
kann jeder in Anspruch nehmen, der sie bezahlen kann –
Regierungen und Geheimdienste, aber auch Kriegsfürsten und
Rebellengruppen. Rolf Uesseler analysiert erstmals umfassend dieses
Phänomen. Er zeigt die Gründe für den rasanten
Aufstieg solcher Firmen, beschreibt ihre vielfältigen
Aktivitäten und warnt vor den Gefahren, die mit der
schleichenden Privatisierung militärischer Konflikte
einhergehen: die Unterhöhlung des staatlichen Gewaltmonopols,
das Entstehen rechtsfreier Räume, die Aushebelung des
Völkerrechts.
Dario Azzellini und Boris
Kanzleiter (Hg.): Das Unternehmen Krieg. Paramilitärs,
Warlords und Privatarmeen als Akteure der Neuen Kriegsordnung.
Assoziation A 2003. 216 S. (NB754) 14 Euro
Im Neoliberalismus
werden nicht nur Staatsbetriebe privatisiert, sondern auch die
Kriegsführung. So übernehmen private Militärunternehmen
im Auftrag des Pentagon verstärkt Kampfaufträge. In Afrika
verwandeln sich reguläre Armeen in bewaffnete
Bergbauunternehmen. Zur Aufstandsbekämpfung rüsten in
Kolumbien Politiker private Paramilitärs aus, die gleichzeitig
vom Drogenhandel profitieren. In Afghanistan werden Warlords unter
Protektoratsherrschaft mit Regierungsgewalt ausgestattet. „Das
Unternehmen Krieg“ geht neuen Formen der Kriegsführung
nach. Statt „Staatszerfall“ und „Chaos“, wie
in den Medien oft beschworen, zeichnen sich dabei die Konturen einer
„Neuen Kriegsordnung“ ab. In ihr werden private
militärische Akteure von Eliten eingesetzt, um Herrschaft zu
sichern. Dabei ist oft nicht mehr ein militärischer Sieg,
sondern die Kriegsführung selbst das Ziel, um Profite erzielen
zu können. Hinterlassen werden hunderttausende von Opfern und
Gesellschaften, in denen Wege zur Emanzipation neu eröffnet
werden müssen.
Markus
Euskirchen: Militärrituale.
Analyse und Kritik eines Herrschaftsinstruments. PapyRossa
Hochschulschriften 2005. 252 S. (NB822) 17,50 Euro
Warum
und wozu gibt es Militärrituale und wie funktionieren sie?
Zunächst wird der systematische Rahmen bestimmt, in dem
Militärrituale ihren Zweck erfüllen: Staat, Kapitalismus
und Nation brauchen Militärrituale. Das Beispiel Bundeswehr
zeigt dann die verschiedenen Formen militärischer Rituale: Das
Gelöbnis als Initiationsritual, mit einem Exkurs zur Rolle der
Kirche; Staatsempfänge als Imponierrituale; Wache und
Staatsbegräbnis als Ehren- und Trauerrituale,
Kranzniederlegungen als Erinnerungs- und Gedenkrituale; Großer
Zapfenstreich als ritualisierter Militärauftritt, mit einem
Exkurs zum Wachbataillon als Spezialtruppe. Derlei Rituale verweisen
auf die ultima ratio staatlich-politischer Logik und schaffen
Akzeptanz für die Anwendung militärisch organisierter
Gewalt.
Dieter Noll: Die Abenteuer des
Werner Holt. Roman einer Jugend. Aufbau Taschenbuch 1998. 544 S.
(NB177) 10 Euro
Als „Remarque des zweiten Weltkriegs“
wurde Dieter Noll von der Kritik gefeiert. Er schildert den Weg
junger Männer seiner Generation, die, hungrig nach Abenteuern
und männlicher Bewährung, begeistert in den Krieg zogen.
Nach endlosen Nächten der Erschöpfung, Angst am
Flakgeschütz und erniedrigendem Drill im Inferno der
Rückzugsschlachten erleben sie ihre völlige
Desillusionierung und den moralischen Zusammenbruch. Klassiker der
Anti-Kriegs-Literatur.
Viktor Nekrassow: Stalingrad.
Roman. Mit einem Nachwort des Autors. Aufbau Taschenbuch 2002. 368 S.
(NB596) 8,95 Euro
Die Schlacht um Stalingrad 1942/43 war eine
der größten und entscheidendsten Schlachten des Zweiten
Weltkrieges. Stalin war entschlossen, den deutschen Vorstoß ins
Kaukasusgebiet mit allen Mitteln zu verhindern. Viktor Nekrassow
kämpfte als Offizier auf sowjetischer Seite. Er schildert die
Schlacht um Stalingrad aus der Sicht des unmittelbar Beteiligten.
Sein Roman, den er im Lazarett zu schreiben begann und der bereits
1946 erschien, gilt auch heute als einer der authentischsten zu
diesem Thema.
Erich Kuby: Mein Krieg.
Aufzeichnungen aus 2129 Tagen. Aufbau Taschenbuch 2000. 526 S.
(NB180) 8,95 Euro
Erich Kuby hat vom 27. August 1939 bis zum
24. Juni 1945 Tag für Tag seine Erlebnisse ohne Rücksicht
auf eine mögliche Zensur notiert. Gleichsam unter dem Diktat
leidenschaftlicher Humanität entstand ein scharfsinniges
Dokument des Zweiten Weltkriegs, verfaßt von einem jungen Mann,
der sich innerlich verweigerte und die Realität aus nie
aufgehobener Distanz beobachtete, der schreiben mußte, um zu
überleben. „Eines der hellsichtigsten und ernüchterndsten
Kriegsbücher. Hier ist die Wehrmacht keinen Augenblick sauber.“
(taz). „Ein Nestbeschmutzer von Rang.“ (Heinrich Böll).
Joseph Heller: Catch 22.
Roman. Fischer Taschenbuch. 592 S. (NB372) 9,90 Euro
Captain
Yossarián, eine Art Schwejk der US-Luftwaffe im Zweiten
Weltkrieg, und sein vergebliches Aufbäumen gegen den blanken
Irrsinn, der sich in seiner Einheit ausbreitet...
Bernd Müllender / Peter Vermeulen: Nicht mehr mit uns! Reservisten verweigern. PapyRossa Verlag. 208 S. (NB113) 9,20 Euro
Ernest Mandel: Einführung in den Marxismus. Neuer ISP-Verlag. 240 S. (NB132) 12 Euro
Leo Kofler:
Perspektiven des revolutionären Humanismus. Neuausgabe. ISP
2007. 176 S. (NB995) 17,80 Euro
Der deutsch-österreichische
Soziologe und Philosoph Leo Kofler (1907-1995) ist eine der
markantesten Gestalten des deutschen Nachkriegsmarxismus und verstand
sich als Mittler zwischen alter Arbeiterbewegung und Neuer Linker. Im
mythisch besetzten Jahr 1968 plädiert Kofler in diesem Klassiker
linker Gesellschaftstheorie für einen revolutionären
Humanismus, der an den Idealen von Freiheit, Gleichheit und
Solidarität anknüpft und diese sowohl gegen die bürgerliche
Realität seiner Zeit wie gegen den Sozialismus stalinistischer
Provenienz wendet. Ausführlich kritisiert er das spätbürgerliche
Verständnis von Freiheit und untersucht die Widersprüche
und Fallstricke des sozialstaatlichen Konsumkapitalismus. Der Zustand
scheinbarer Entideologisierung erweist sich ihm dabei als Faktor
totaler Ideologisierung, der individuelle Rationalismus als
Begleiterscheinung kollektiver Irrationalität, die Demokratie
des Marktes als Verschleierung der Despotie von Fabrik und Büro.
Forderungen nach Freiheit und Fortschritt, nach Humanismus und
Demokratie, nach wirklicher Individualität und klassenloser
Gesellschaft sind, so Kofler, nicht ausreichend zu begründen
ohne eine kopernikanische Wendung zum Menschen, ohne eine
anthropologische Erkennznistheorie in marxistischer Tradition. „Mit
Leo Kofler ist eine Form des unverstümmelten, lebendigen
Marxismus verknüpft.“ (Oskar Negt, 1988).
Leo
Kofler: Geschichte und Dialektik. Mit einem Nachwort von Werner
Seppmann. Neue Impulse Verlag 2004. 240 S. (NB863) 16,80 Euro
Zuerst
1955 erschienen. Leo Koflers „Geschichte und Dialektik“
ist ein methodenkritischer Beitrag zum aktiven Begreifen sozialer
Entwicklungen und Zusammenhänge. Das Buch ist ein produktives
Beispiel einer konkreten Dialektik, in deren Mittelpunkt das
wechselseitige Bedingungsverhältnis von Mensch und Gesellschaft,
Denken und Sein steht.
Alex
Callinicos: Die revolutionären Ideen von Karl Marx. Neuer
ISP Verlag 2005. 264 S. (NB852). 14,80 Euro
Der neoliberale Weg
zur Marktgesellschaft führt nicht in die Zukunft, sondern zurück
ins 19. Jahrhundert. Im reifen Kapitalismus ist die Welt weder
harmonischer, gerechter noch friedlicher geworden – also die
richtige Zeit für eine erneute Lektüre seines wichtigen
Kritikers Karl Marx. Das bedeutendste zum Verständnis von Marx
ist besonders Kompliziertes. Marx war der Verfechter der
Selbstemanzipation, kein Vertreter der Tyrannei. In all den
verschiedenen Widerstandsformen der heutigen Welt ist der ungeheure
Drang nach Freiheit angelegt – nach echter Freiheit, nicht nach
jeder Falschmünze, die uns der Kapitalismus anbietet, mit der
Freiheit gekauft und verkauft wird. Mehr als jeder andere stellte
Marx unseren Mangel an realer Freiheit fest und erkannte die Kräfte,
durch die wir uns selbst befreien können. Mit diesem Buch
leustet Alex Callinicos einen Beitrag zu diesem
Wiederentdeckungsprozeß. Lesbar verfaßt und auch für
Einsteiger verständlich, zeugt seine Einführung
gleichzeitig von der gebotenen Tiefe und intellektuellen Schärfe.
Durch die angeführten Zitate von Marx ist das Buch zugleich ein
Wegweiser durch seine Schriften.
Martin Birkner
und Robert Foltin: (Post-)Operaismus. Von der Arbeiterautonomie
zur Multitude. Geschichte und Gegenwart, Theorie und Praxis. Eine
Einführung. Reihe theorie.org im Schmetterling Verlag 2006. 204
S. (NB958) 10 Euro
Die Einführung zeichnet die
theoriegeschichtliche Entwicklung des Operaismus in seiner
Wechselwirkung mit den sozialen Bewegungen nach. Ausgehend von einem
historischen Blick auf Genese und Entwicklung dieses vom Klassenkampf
ausgehenden, herätischen Marxismus im Italien der 60er und 70er
Jahre wird der Übergang vom Operaismus zum gegenwärtigen
postoperaistischen Denken nachgezeichnet. Die postoperaistischen
Debatten der Gegenwart werden anhand von Hardt/Negris „Empire“
und „Multitude“, John Holloways „Die Welt verändern
ohne die Macht zu übernehmen“ und Paolo Virnos „Grammatik
der Multitude“ ausführlich dargestellt.
Gernot Ernst:
Komplexität. „Chaostheorie“ und die Linke.
Schmetterling Verlag 2009 (Reihe theorie.org). 204 S. (NB1089) 10
Euro
Das Ziel jeder linken Bewegung ist die Veränderung
der existierenden Verhältnisse zum Besseren. Um aber die
Möglichkeiten, aber auch Grenzen von Veränderungen, ob in
evolutionärer oder revolutionärer Form, besser zu
verstehen, ist es unverzichtbar, die Ergebnisse und Schlußfolgerungen
der Komplexitätsforschung zu verstehen. Dabei gibt nur wenige
Begriffe, die heutzutage so mißverständlich benutzt werden
wie „Komplexität“ und „Chaos-Theorie“.
Welcher Anarchist weiß eigentlich, daß die Chaostheorie
keineswegs das Chaos (im Sinne der Zufälligkeit oder Stochastik)
untersucht, sondern die höchst verschiedenen Ergebnisse eines
rein deterministischen Systems, dessen Ausgangsbedingungen verändert
werden? Welcher Sozialist macht sich darüber Gedanken, daß
in Denkfabriken der USA (und anderen Staaten) Ergebnisse der
Netzwerktheorie schon längst eingesetzt werden, um
revolutionsartige Bewegungen auszulösen oder auch solche zu
unterdrücken? Einerseits bergen viele Ergebnisse dieser
Denkrichtungen Chancen (und Gefahren) oder beinhalten ähnlich
weitreichende Schlußfolgerungen für Ideologien.
Andererseits können auch durch Unkenntnis Schlußfolgerungen
gezogen werden, die in keiner Weise durch reelle Ergebnisse gedeckt
werden. Daß Systeme nicht statisch, sondern dynamisch, also in
Bewegung sind, ist jedem Marxisten aus dessen Beschreibung der
menschlichen Geschichte bekannt. Anarchisten haben schon lange über
angenommene und beobachtete Selbstorganisationsphänomene
nachgedacht. Linke sind im Grunde genommen Systemtheoretiker und
Dynamiker der ersten Stunde. In diesem Buch der Reihe „theorie.org“
werden deshalb zunächst einige zentrale Ideen wie die der
„Chaos-Theorie“, der dynamischen Systeme oder Netzwerke
entwickelt. Dabei werden, soweit wie möglich, Beispiele aus der
Gesellschaftstheorie herangezogen. Danach wird der derzeitige Stand
der Diskussion in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen
dargestellt. Ein eigenes Kapitel soll einen Teil der bisherigen
linken Diskussion darstellen, deren bisherigen Ergebnisse kritisch
diskutiert werden.
Michael
Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung.
Schmetterling Verlag, Reihe Theorie.org. 3. Aufl. 2005. 240 S.
(NB854) 10 Euro
„Umfassende Analysen des Kapitalismus
haben bei der Linken wieder Konjunktur. Doch bleibt die
Auseinandersetzung mit Marx dabei oft oberflächlich, findet
Michael Heinrich und plädiert für eine Neuaneignung der
Marxschen Theorie jenseits des traditionellen, weltanschaulichen
Marxismus.“ (Klappentext).
August Bebel: Aus meinem Leben. Mit einer Einleitung von Ursula Herrmann. Dietz Verlag 1988. 846 S. Ln. mit SchU. (NB874) 14,90 Euro
Wegbereiter des Kommunismus.
12 Persönlichkeiten aus der Geschichte des Kommunismus.
Übersetzt aus dem Russischen von Hans Ruoff-München, mit
einem Vorwort von Hermann Duncker. Edition 100 bei ISP, Bibliothek
des Anderen Buchladen Karlsruhe 1998. 116 S. (NB714) 9 Euro
Reprint
der Ausgabe des Verlags der Jugendinternationale Berlin-Schöneberg
1923. Kurzporträts von Thomas Morus, Gracchus Babeuf, Robert
Owen, Henri Saint-Simon, Charles Fourier, Auguste Blanqui, Louia
Blanc, Etienne Cabet, P.J. Proudon, Wilhelm Weitling, M.A. Bakunin
und P. Kropotkin.
Karl A. Wittfogel: Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft. Von ihren Anfängen bis zur Schelle der großen Revolution. Edition 100 bei ISP, Bibliothek des Anderen Buchladen Karlsruhe 2000. 348 S. (NB759) 19,50 Euro
Max Beer: Karl Marx. Eine
Monographie. Edition 100 bei ISP, Bibliothek des Anderen
Buchladen Karlsruhe 1999. 120 S. (NB758) 10 Euro
Reprint der
Ausgabe im Verlag für Sozialwissenschaft Berlin von 1918
Karl Radek in der „Internationale“
1920-1922. (Karl Radek Ausgewählte Schriften Band 6). Edition
100 bei ISP, Bibliothek des Anderen Buchladen Karlsruhe 2001. (NB711)
10 Euro
Faksimile einiger Artikel aus „Die
Internationale“, Theoretisches Organ der KPD. Enthält
u.a.: Karl Liebknecht zum Gedächtnis; Proletarische Diktatur und
Terrorismus; Die Lehre der ungarischen Revolution; Die Krise der
VKPD; Kronstadt; Die Krisis der deutschen Kommunistischen Partei;
Lehren der Märzkämpfe; Glossen zum 3. Kongreß der
Kommunistischen Internationale; Ist die russische Revolution eine
bürgerliche Revolution?; Die nächsten Aufgaben der
Kommunistischen Internationale.
Karl Radek in der „Russischen Korrespondenz“ 1920-1921. (Karl Radek Ausgewählte Schriften Band 4). Edition 100 bei ISP, Bibliothek des Anderen Buchladen Karlsruhe 1999. (NB712) 7,50 Euro
Karl Radek in der „Russischen Korrespondenz“ 1921-1922. (Karl Radek Ausgewählte Schriften Band 5). Edition 100 bei ISP, Bibliothek des Anderen Buchladen Karlsruhe 2000. (NB713) 7,50 Euro
Theodor Bergmann: Die Thalheimers.
Geschichte einer Familie undogmatischer Marxisten. VSA 2004. 256 S.,
einige Abb. (NB738) 20,40 Euro
Mit dem Namen August Thalheimer
wird der marxistische Intellektuelle aus der KPD der Weimarer
Republik, der Freund des früheren KPD-Vorsitzenden Heinrich
Brandler, der Mitbegründer des Spartakusbundes, der KPD, der
KPD(Opposition) und einer der ersten und gründlichsten
Analytiker des Faschismus in der Zwischenkriegszeit verbunden. In der
offiziellen Historiografie der kommunistischen Bewegung wurden die
kritischen Kommunisten August Thalheimer, seiner Schwester Bertha,
seine Frau Cläre weitgehend ignoriert. Die Familie Thalheimer
hat in der deutschen revolutionär-sozialistischen Bewegung eine
wichtige Rolle gespielt. Zu dem frühen Freundeskreis gehörten
u.a. Friedrich Westmeyer, Clara Zetkin und Rosa Luxemburg. Die
Stationen der Familie spiegeln Brüche und Katastrophen der
deutschen Geschichte, Erfolge und Niederlagen der deutschen
Arbeiterbewegung wider: antimilitaristische Arbeit, Zimmerwalder
Linke, Chefredakteur der Roten Fahne 1919-1923, „Ehrenexil“
in der Sowjetunion, Mitherausgeber von „Gegen den Strom“,
Verfolgung in Nazi-Deutschland, Exil in Kuba, August Thalheimers
Kommentierung der weltpolitischen Konstellation nach 1945 und die
gescheiterten Bemühungen um seine Rückkehr nach
Deutschland. Mit 64 Jahren starb „dieser jüdische Schwabe
oder schwäbische Jude, Dr. Phil., Historiker und Philosoph und
Literaturhistoriker und leninistische Berufsrevolutionär“
(Hans Mayer) am 19. September 1948 auf Kuba.
Stefan
Bollinger (Hg.): Lenin. Träumer und Realist. Promedia 2006
(Edition Linke Klassiker). 176 S. (NB987) 12,90 Euro
„Genius“
oder „Dämon“ der Revolution – die Meinungen
über Lenin gehen nicht erst seit dem Untergang der Sowjetunion
auseinander. Solange ein Sechstel der Erde unter dem Roten Stern
stand und Lenin die Geschicke des „kurzen“ 20.
Jahrhunderts mitbestimmte, kamen Freund und Feind nicht an ihm
vorbei. Mit dem Untergang des Ostblocks begann die Suche nach den
Schuldigen. Kann sich Marx noch gelegentlich als Theoretiker des 19.
Jahrhunderts und Prophet der Globalisierung behaupten, so findet
Lenin keine Gnade vor den Wächern des Antikommunismus. Es geht
bereits ein Aufraunen durch die Feuilletons, wenn zu Beginn des neuen
Jahrtausends der Sozialismus als Alternative zum Empire wieder
angedacht wird, wenn neue, junge Kommunisten sich outen, gar ein
Philosoph wie Slavoj Zizek die Widerkehr Lenins und der Revolution
beschwört.
Stefan
Bollinger (Hg.): Linke und Nation. Klassische Texte zu einem
brisanten Thema. Pro Media Verlag (Edition linke Klassiker) 2009. 192
S. (NB1118) 12, 90 Euro
Die Furcht vor der Vereinnahmung von
Nation, Vaterland und Heimat durch die Rechte ist ebenso begründet
wie entwaffnend. Als Teil eines Kategoriensystems zur
wissenschaftlichen Durchdringung des modernen Kapitalismus bleibt die
Nation unerlässlich. Als wesentliches Kampffeld im
antikapitalistischen und antiimperialistischen Kampf wird sie trotz
anderer Angebote, die von der „Region“ über die
„Europaidee“ bis zum „Weltbürgertum“
reichen, wichtig bleiben. Jede linke nationale Politik wird sich
zwangsläufig gegen Ausgrenzung und Privilegierung wenden, so wie
jeder rechter Nationalismus auf genau diese Ausgrenzung und die
Privilegierung der eigenen Nation, ihre Vor- und im Extremfall
Weltmachtstellung orientiert. Der vorliegende Band der „Edition
linke Klassiker“ bietet eine auch aktuell wichtige Durchsicht
linker theoretischer Texte, die sich mit der nationalen Frage
beschäftigt haben. Erläuterungen des Herausgebers,
Quellenangaben und weiterführende Literaturhinweise machen das
Buch zu einer Fundgrube für alle, die in Zeiten von Ethnisierung
und nationalen Wahnvorstellungen einen analytisch kühlen Kopf
bewahren wollen. Mit Texten von Karl Marx, August Bebel, Rosa
Luxemburg, Josef W. Stalin, Wladimir I. Lenin, Antonio Gramsci, Mao
Tse-tung, Otto Bauer, Karl Radek und anderen.
Marcel von der
Linden (Hg.): Was war die Sowjetunion? Kritische Texte zum real
existierenden Sozialismus. Promedia 2007 (Edition linke Klassiker).
176 S. (NB992) 12,90 Euro
Das gesamte 20. Jahrhundert hindurch
hat die Einschätzung der Sowjetunion direkt oder indirekt einen
großen Teil der linken Diskussionen beherrscht. Seit der
Oktoberrevolution von 1917 bildete die sogenannte „Russische
frage“ mehr als 70 Jahre lang einen der wichtigsten
Streitpunkte jeder radikalen Debatte. Der Historiker Marcel van der
Linden hat sechs klassische linke Texte versammelt, die sich kritisch
mit dem Bestand der Sowjetunion auseinandersetzen. Einleitende
Beiträge des Herausgebers zu den Autoren und ihrem politischen
und wissenschaftlichen Umfeld machen den Band zu einer Fundgrube für
alle, die sich auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mit dem
Experiment des real existierenden Sozialismus befassen wollen. Das
Buch gibt einen knappen Überblick der marxistisch inspirierten
Theoretiker, die die Sowjetunion als nicht-sozialistisch
betrachteten. Trotz ihrer sehr verschiedenen Auffassungen können
ihre Beiträge von großer Bedeutung für die
Entwicklung herrschaftsfreier Alternativen zum globalisierenden
Kapitalismus sein. Texte von Leo Trotzki, Ernest Mandel, Tony Cliff,
Antonio Carlo, Hillel Ticktin, Chris Arthur.
Klaus
Steinitz: Das Scheitern des Realsozialismus. Schlußfolgerungen
für die Linke im 21. Jahrhundert. VSA 2007. 120 S. (NB994) 11,80
Euro
Klaus Steinitz analysiert die Gründe für das
Scheitern des Realsozialismus in Europa im 20 Jahrhundert,
insbesondere die Erfahrungen in der DDR, und stellt die
Schlußfolgerungen für eine moderne Sozialismuskonzeption
vor. Er untersucht die Veränderung der Eigentumsverhältnisse
und ökonomischen Machtstrukturen sowie die Herausbildung einer
anderen Produktions-, Arbeits- und Lebensweise und einer neuen
Qualität gesellschaftlicher Regulierung/Planung. Damit wird auch
ein anregender Beitrag für die Programmdiskussion der Linken,
insbesondere zur Vision eines demokratischen Sozialismus im 21.
Jahrhundert als Alternative zum heutigen Finanzmarkt-Kapitalismus,
geleistet. In diesem Buch werden darüber hinaus offene, z.T.
strittige Zukunftsthemen der Linken diskutiert, u.a. Fragen der
Vergesellschaftung des Eigentums an den Produktionsmitteln im
Zusammenhang mit einer Wirtschaftsdemokratie, das Für und Wider
einer sozialistischen Marktwirtschaft und einer Äquivalenzökonomie.
Christoph
Jünke: Der lange Schatten des Stalinismus. Sozialismus und
Demokratie gestern und heute. Neuer ISP-Verlag 2007. 208 S. (NB1028)
19,80 Euro
Contra Canfora, Losurdo, Gossweiler, Wagenknecht.
Pro Deutscher, Hofmann, Kofler.
Leo
Trotzki: Sozialismus oder Barbarei! Eine Auswahl aus seinen
Schriften. Herausgegeben von Helmut Dahmer. Pro Media 2005 (Edition
linke Klassiker). 176 S. (NB880) 12,90 Euro
„Der
vorliegende Auswahlband soll einen ersten Eindruck von einem
Revolutionär vermitteln, der mit der Feder genauso umzugehen
wußte wie mit dem Schwert, und von dem sich sagen läßt,
er sei seiner Epoche, der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts,
jederzeit gewachsen gewesen. In Trotzkis Schriften verbindet sich die
Klarheit der politisch-soziologischen Analyse mit der Imagination des
Literaten. Die von Helmut Dahmer edierten und fachkundig
kommentierten Texte beschäftigen sich mit der grndsätzlichen
politischen Analyse ebenso wie mit der revolutionären Methodik
und stellen Trotzki als scharfen Beobachter der Zeitgeschichte vor.“
(Klappentext).
Manuel Kellner: Trotzkismus. Einführung in seine Grundlagen, Fragen nach seiner Zukunft. Schmetterling Verlag, Reihe theorie.org 2004. 180 S. (NB748) 10 Euro
Felix
Wemheuer (Hg.): Maoismus. Ideengeschichte und revolutionärer
Geist. Promedia Verlag Wien 2008. Edition Linke Klassiker. 176 S.
(NB1074) 12,90 Euro
Mit Texten von Mao Tse-tung, Michel
Foucault, Charles Bettelheim, der „Vierer Bande“, Edoarda
Masi sowie Rossana Rossanda. Die „Mao-Tse-tung-Ideen“
begeisterten in den 1970er Jahren Linke auf der ganzen Welt. Viele
glaubten damals, in China würde die Trennung zwischen Stadt und
Land, zwischen geistiger und körperlicher Arbeit aufgehoben, wie
Marx es gefordert hatte. Die „Große Proletarische
Kulturrevolution“ und Maos Idee, die Rebellion der Massen gegen
die Partei, galten als Antworten auf die Bürokratisierung des
Sozialismus in Osteuropa. Besonders im internationalen Kontext
stellten sich Maos Schriften als „geistige Atombombe“ im
Befreiungskampf der „3.Welt“ dar. Sowohl afrikanische
Modernisierungsregime, westeuropäische Studentenbewegungen als
auch die bundesdeutsche RAF ließen sich von den Theorien und
der Sprache Maos inspirieren. Dieses Buch sammelt wichtige Texte der
„Mao- Tse-tung-Ideen. Neben Texten von Mao enthält es
zentrale Dokumente des chinesischen Weges zum Sozialismus sowie der
Kulturrevolution. Es dokumentiert die maoistische Kritik an der
Sowjetunion sowie die Rezeption der Ideen von Mao durch die neue
Linke in Westeuropa. Einleitend analysiert Felix Wemheuer Maos
Ideenwelt und zieht Bilanz aus heutiger Sicht. Im Gegensatz zur
euphorischen Lesart dieser Texte in den 1970er Jahren zeigt er die
Widersprüche und Probleme in den Theorien Maos auf. Auf der
einen Seite feierte Mao die spontanen Massenbewegungen der Bauern,
wollte aber den Führungsanspruch der Partei nie aufgeben. Die
Forderung, Widersprüche im Volk nur durch Überzeugung und
Debatte zu lösen, beinhaltete gleichzeitig auch die
Definitionshoheit der Partei, wer zum Volk gehörte und wer
nicht. Das Konzept der Kulturrevolution bot zwar eine Grundlage zur
Revolte der Massen gegen die Partei, ohne allerdings die Frage zu
beantworten, welche Institutionen an ihre Stelle treten sollten.
Nicht zuletzt soll das Buch aber auch die zentralen Probleme deutlich
machen, die zum Scheitern des Sozialismus in China führten.
Henning Böke:
Maoismus. China und die Linke – Bilanz und Perspektive.
Schmettlerling Verlag, Reihe Theorie.org 2007. 216 S. (NB1004) 10
Euro
Mit seinem eigenständigen Sozialismus, der sich von
dem der Sowjetunion scharf abgrenzte, bildete das China Mao Tse-tungs
um 1970 einen bedeutenden Bezugspunkt für Befreiungsbewegungen
in der Dritten Welt wie für die progressive Intelligenz im
Westen: Der Maoismus war damals eine maßgebliche linke
Strömung, mit der große Hoffnungen auf ein alternatives
Gesellschaftsmodell jenseits von Kapitalismus und bürokratischem
Staatssozialismus verbunden waren. Nur 30 Jahre nach Maos Tod berufen
sich nur noch wenige Guerillaorganisationen in Lateinamerika und
Asien auf seine Ideen. Auch unter westlichen Linken gilt Mao mehr
oder weniger als chinesischer Stalin und sein Weg zum Sozialismus als
gescheitert. Hat sich Maos Idee einer Gesellschaftsalternative in
einem Entwicklungsland als unrealisierbarer utopischer Traum
herausgestellt oder enthält sein Denken Konzepte, die aktuell
bleiben? Welche Rolle spielte der Maoismus für die westliche
Linke? Wie ist die Situation im heutigen China? Gibt es noch eine
Linke? Wenn ja, wie steht sie zu Mao? Zu diesen und anderen Fragen
zur Rolle der chinesischen Revolution in Geschichte und Gegenwart und
ihre Bedeutung für eine antikapitalistische Perspektive
vermittelt dieses Buch Hintergrundwissen.
Max Horkheiner, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Fischer-Taschenbuch. 278 S. (NB133) 9,95 Euro
Theodor W. Adorno: Eingriffe. Neun kritische Modelle. Edition Suhrkamp 184 S. (NB220) 5,10 Euro
Theodor
W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit. Vorträge und
Gespräche mit Hellmut Becker 1959 – 1969. Hg. von Gerd
Kadelbach. Suhrkamp Taschenbuch 1971. 160 S. (NB907) 6,50
Euro
Menschen, die blind in Kollektive sich einordnen, machen
sich selber schon zu etwas wie Material, löschen sich als
selbstbestimmte Wesen aus. Dazu paßt die Bereitschaft, andre
als amorphe Masse zu behandeln... Eine Demokratie, die nicht nur
funktionieren, sondern ihrem Begriff gemäß arbeiten soll,
verlangt mündige Menschen. Man kann sich verwirklichte
Demokratie nur als Gesellschaft von Mündigen vorstellen... Die
Konkretisierung der Mündigkeit besteht darin, daß die paar
Menschen, die dazu gesonnen sind, mit aller Energie darauf hinwirken,
daß die Erziehung eine Erziehung zum Widerspruch und zum
Widerstand ist.
Michael
Schwandt: Kritische Theorie. Eine Einführung. Schmetterling
Verlag 2009 (Reihe theorie.org). 240 S. (NB1120) 10 Euro
Dieser
Band gibt eine verständliche, weitgehend voraussetzungslose und
eingängig geschriebene Einführung in die Kritische Theorie.
Es wird erstmals der Versuch einer Bilanz der Kritischen Theorie zu
Beginn des 21. Jahrhunderts unternommen – das Dilemma
politischen Engagements in der Gegenwart immer im Blick. Der
Vergleich von Adorno und Marcuse, an dem sich die Darstellung
orientiert, ist neu und verspricht auch erfahrenen Lesern einen
Erkenntnisgewinn. Michael Schwandt zeichnet zunächst die Geburt
der Kritischen Theorie aus der Krise des Marxismus nach und skizziert
die Geschichte des Frankfurter Instituts für Sozialforschung.
Vor diesem Hintergrund wird die Spannweite möglicher Antworten
der Kritischen Theorie auf das Praxisproblem herausgearbeitet: Wie
soll, wie kann sich politisch verhalten, wer diese Welt aus tiefstem
Herzen ändern will, aber mit klarem Verstand erkennen muß,
daß die Chancen dazu verschwindend gering sind? Dieser Frage
wird anhand einer Gegenüberstellung der Positionen von Adorno
und Marcuse nachgegangen, die wegen ihres ganz unterschiedlichen
Bezuges auf die politischen Bewegungen ihrer Zeit immer als Antipoden
wahrgenommen wurden. Die unabgeschlossene Debatte zwischen diesen
beiden Spielarten Kritischer Theorie ist auch für
gesellschaftliches Engagement in der Gegenwart von großer
Bedeutung – egal, welcher der hier vorgestellten Positionen man
letztlich eher den Vorzug geben mag. Denn bei der Auseinandersetzung
mit der „Frankfurter Schule“ läßt sich immer
wieder neu erfahren: Es gibt nichts Praktischeres als eine gute
Theorie.
Kurt Lenk: Von
Marx zur Kritischen Theorie. Dreißig Interventionen.
Edition DISS im Unrast Verlag 2009. 332 S. (NB1114) 29,80 Euro
Der
Band bietet den zugang zu einer Theorietradition, die in vielen
Zweigen der Sozial- und Geisteswissenschaften ihren Ausdruck gefunden
hat. Es bsteht begründete Hoffnung, daß im Zeichen von
Finanz- und Wirtschaftskrisen Impulse dieser kritischen Analyse
erneur wirksam werden.
Günther Anders: Besuch im
Hades. Auschwitz und Breslau 1966. Nach „Holocaust“
1979. Beck‘sche Reihe. 224 S. (NB510) 9,90 Euro
Die
Bedrohung des Menschen durch sich selbst hat wohl niemand so
eindringlich zur Sprache gebracht wie Günther Anders.
Günther Anders: Ketzereien.
Verlag C.H. Beck 1996. 360 S. (NB445) 11,50 Euro
Nach Abschluß
des zweiten Bandes seiner „Antiquiertheit des Menschen“
hat Günther Anders alles, was ihm in den letzten Jahren über
Gott und die Welt, über Natur, Gesellschaft, Mitmenschen und
Kunst eingefallen ist, niedergeschrieben. Die Eintragungen –
zumeist in der Form des sokratischen Dialogs – sind, obwohl
provokant, Zeugnisse der Lebensnähe und Menschlichkeit des
Autors.
Pierre
Bourdieu: Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des
literarischen Feldes. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 2001, 560 S.
(NB887) 17 Euro
„Durch die wissenschaftliche Analyse der
sozialen Bedingungen der Produktion und Rezeption des Kunstwerks wird
die literarische Erfahrung keineswegs 'reduktionistisch' zerstört,
im Gegenteil: sie wird noch gesteigert, denn das 'Schöpferische'
wird nicht bloß evoziert – es wird verstanden.“
(Klappentext).
Walter Benjamin: Illuminationen. Ausgewählte Schriften I. Suhrkamp Taschenbuch 432 S. (NB221) 12,50 Euro
Ernst Bloch: Geist der Utopie. Zweite Fassung. Suhrkamp Taschenbuch. 352 S. (NB222) 11,50 Euro
Ernst Bloch: Geist der Utopie. Erste Fassung. Faksimile der Ausgabe von 1918. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. 456 S. (NB791) 10 Euro
Erich Fromm: Haben oder sein.
Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. Dtv. 224 S.
(NB543) 8 Euro
„Dieses Buch ist zurecht eines seiner
berühmtesten Werke, da er hier die zentrale Frage unseres
Lebens, die Frage nach Haben oder Sein, behandelt. Durch seine
Lesbarkeit und Prägnanz ist es besonders geeignet, in Fromms
Gedankenwelt einzuführen.“ (Klappentext).
Heinz Dieterich: Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie nach dem globalen Kapitalismus. Vorwort von Manfred Wekwerth. Kai Homilius Verlag 2006. 176 S. Hc. (NB905) 9,90 Euro
Gerhard Branstner: Witz und Wesen
der Lebenskunst oder Die zweite Menschwerdung. Fortgesetzter
Marxismus. GNN Verlag (NB433) 10,50 Euro
Gerhard Branstner
wurde wegen zu viel Marxismus aus der PDS ausgeschlossen.
Monika Grosche: Anarchismus und Revolution. Zum Verständnis gesellschaftlicher Umgestaltung bei den anarchistischen Klassikern Proudhon, Bakunin, Kropotkin. Syndikat A 2003, 132 S. (NB739z) 10 Euro
Gerhard Senft
(Hg.): Essenz der Anarchie. Die Parlamentarismuskritik des
libertären Sozialismus. Promedia 2006 (Edition Linke Klassiker).
176 S. (NB1012) 12,90 Euro
Der Anarchismus ist als ein
facettenreiches Phänomen zu begreifen, das aufklärerisch
und romantisch zugleich auftritt. Er vereint Elemente des
Individualismus und des Sozialismus. Die unterschiedlichen Richtungen
des Anarchismus kennen einen gemeinsamen Angriffspunkt: den
Parlamenrarismus. Gerhard Senft bringt die Klassiker der
anarchistischen Literatur einem interessierten Publikum näher,
indem er ihre Schriften kommentiert und in den entsprechenden
historischen Kontext stellt.
Hans
Jürgen Degen, Jochen Knoblauch: Anarchismus. Eine
Einführung. Schmetterling Verlag – Reihe theorie.org. 216
S. (NB924)
Das Buch stellt verschiedene Richtungen innerhalb
der anarchistischen Bewegung vor sowie die Rolle von Anarchisten
während der Revolutionen von der Pariser Commune von 1871 bis
zur Studentenbewegung der 60er Jahre.
Hans Jürgen
Degen, Jochen Knoblauch (Hg.): Anarchismus 2.0.
Bestandsaufnahmen, Perspektiven. Schmetterling Verlag 2009. 312 S.
(NB1095) 14,80 Euro
Der Band „Anarchismus. Eine
Einführung“ von Hans Jürgen Degen und Jochen
Knoblauch in der Reihe „theorie.org“ arbeitete die
Grundlagen libertärer Weltsicht (Stirner, Bakunin, Landauer
etc.) auf. Von Rudolf Rocker einmal abgesehen, hat allerdings keiner
dieser Klassiker in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg gewirkt. Dies und
die Tatsache, daß spätestens nach 1945 die anarchistische
Bewegung gezwungen war, sich von Grunde auf organisatorisch und
inhaltlich neu zu positionieren, unterstreicht die Notwendigkeit
dieser Anthologie zu aktuellen Tendenzen des Anarchismus. Da nun
neben ausgewiesenen Experten auch Aktivisten selbst zu Wort kommen
sollen, wurde die Form einer Anthologie gewählt, um den
berücksichtigten Themen ein Höchstmaß an Authenzität
zu verleihen. Aus dem Inhalt: Anarchismus in Deutschland (1945-1968);
Neo-Anarchismus: 1968 und die Folgen; Anarchosyndikalismus;
Gewaltfreier Anarchismus; Anarchismus und Ökonomie;
Anarchafeminismus; Zapatismus und Anarchismus; Postanarchismus; Neue
Soziale Bewegungen: Von der Alternativszene bis Attac; Anarchismus
und Pädagogik; Arbeit und Leben: Wohnprojekte, Kommunen,
Genossenschaften.
Michael Lausberg: Bakunins Philosophie des kollektiven Anarchismus. Unrast Verlag 2008. 64 S. (NB1060) 6,80 Euro
Augustin Souchy: Nacht über Spanien. Bürgerkrieg und Revolutin 1936-39. Trotzdem-Verlagsgenossenschaft 2007. 236 S. Pb. (NB1039) 18 Euro (3671)
Michael Bakunin: Die revolutionäre Frage. Föderalismus – Sozialismus – Antitheologismus. Unrast Verlag 2000 (Klassiker der Sozialrevolte 6). 184 S. Pb. (NB686) 13 Euro
Peter Kropotkin: Die Eroberung des Brotes. Neu herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von Wolfgang Haug. Trotzdem Verlagsgenossenschaft 2005. 208 S. Pb. (NB1040) 14 Euro
Peter Kropotkin: Der Anarchismus. Ursprung, Ideal und Philosophie. Hg. von Heinz Hug. Trotzdem Verlag Grafenau 1997, 5. Aufl. 2006. 184 S. Pb. (NB1041) 14 Euro
Peter A. Kropotkin: Memoiren eines Revolutionärs. Unrast Verlag 2002 (Klassiker der Sozialrevolte 4, 5). 2 Bände zus. 552 S. (NB687) 28 Euro
Peter
Kropotkin: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt.
Übersetzung von Gustav Landauer. Mit einem Vorwort von Franz M.
Wuketits. Trotzdem Verlag bei Alibri 2011. 254 S. Pb. (NB1181) 16
Euro
Die Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt ist
nicht nur ein Klassiker der anarchistischen Literatur, sondern kann
auch als früher Vorläufer soziobiologischen Denkens gelten.
Geschrieben als Antwort auf zahlreiche Publikationen, die Darwins
Evolutionstheorie zu einem menschenverachtenden Sozialdarwinismus
verkürzen wollten, argumentiert Kropotkin, daß in Natur
und Gesellschaft keineswegs nur ein Kampf aller gegen alle
stattfindet, sondern daß ebenso ein Prinzip obwaltet, das er
„gegenseitige Hilfe“ nennt. Er kommt zu dem Schluß,
daß jene Lebewesen erfolgreicher überleben, die dieses
Prinzip umsetzen. Peter Kropotkin (1842-1921), gilt als einer der
einflußreichsten Vertreter des kommunistischen Anarchismus. Dem
russischen Hochadel entstammend, engagierte er sich doch bald für
die Befreiung der Menschheit von Unterdrückung, Ausbeutung und
Ungleichheit.
Leo N.
Tolstoi: Die Sklaverei unserer Zeit. Ausgewählte Texte. Hg.
von Ulrich Klemm. Trotzdem Verlag 2007. 128 S. (NB1109) 12 Euro
Mit
den ausgewählten Texten „Die Sklaverei unserer Zeit“,
„Patroitismus und Regierung“ und „Aufruf an die
Menschlichkeit“ wird Tolstoi den Lesern alsd Vordenker eines
religiös inspirierten Anarchismus vorgestellt. Der Sammelband
enthält zudem einen Essay von Erich Mühsam zu Tolstois 100.
Geburtstag.
Johann Most:
Die freie Gesellschaft. Die Internationale Bibliothek und Texte
aus der Freiheit zum Kommunistischen Anarchismus. Herausgegeben von
Heiner Becker. Mit Einleitung, Anmerkungen und ausgewähltem
Personenregister versehen. Unrast Verlag 2006 (Klassiker der
Sozialrevolte). 264 S. (NB1037) 14 Euro
Heiner Becker
versammelt hier in diesem Band alle von Most stammenden politischen
Texte aus der zwischen April 1887 und Ende 1891 als Broschürenserie
erschienenen Internationalen Bibliothek, Mosts umfangreichster
„Agitationsbibliothek“, durch deren Verkauf er seine
regelmäßigen Agitationsreisen quer durch die USA
finanzierte und politisch untermauerte. Abgerundet wird dies hier
durch vier politische Schlüsseltexte zum Kommunistischen
Anarchismus aus der „Freiheit“, die der gleichen Phase
von Mosts Karriere entstammen.
Johann Most:
Anarchismus in einer Nußschale. Herausgegeben von Heiner
Becker. Mit Einleitung, Anmerkungen und ausgewähltem
Personenregister versehen. Unrast Verlag 2006 (Klassiker der
Sozialrevolte). 248 S. (NB1038) 15 Euro
In drei Serien –
1899, 1902/03 und 1905 – schrieb Most seinerzeit in der von ihm
herausgegebenen „Freiheit“ prägnante Kurztexte zu
einzelnen Themen und Fragestellungen der Sozialen Revolution, zum
Marxismus vs. Kommunistischem Anarchismus, Religionskritik usw., die
er mit dem Titel „Anarchismus in einer Nussschale“
überschrieb. Diese Propaganda- und Agitationstexte verfolgten
den Anspruch komplexere Themen so zu komprimieren und
herunterzubrechen, dass sie von der US-amerikanischen Arbeiterschaft
leicht verstanden und weitergegeben werden konnten.
Paul Lafargue: Das Recht auf Faulheit. Widerlegung des „Rechts auf Arbeit“ von 1848. Trotzdem Verlagsgenossenschaft. 80 S. (NB1042) 8 Euro
Gustav Landauer: Die Revolution. Herausgegeben, eingeleitet und mit enem Register versehen von Siegbert Wolf. Unrast Verlag 2003 (Klassiker der Sozialrevolte 9). 120 S. Pb. (NB685) 13 Euro
Alexander Berkmann: Die Tat. Gefängniserinnerungen eines Anarchisten. Eingeleitet mit Begleitworten von Gustav Landauer (1912) und Rudolf Rocker (1926). Unrast Verlag – Klassiker der Sozialrevolte Bd. 7. 2001. 400 S. (NB762) 16 Euro
Friedrich Engels: Der deutsche
Bauernkrieg. Unrast Verlag 2004 (Klassiker der Sozialrevolte, Bd.
10). 160 S. (NB802) 13 Euro
„Der deutsche Bauernkrieg“
von Friedrich Engels 1850 veröffentlicht, ist in seiner
prägnanten Kürze und präzisen Darstellung der
gesellschaftlichen Verhältnisse zum ausgehenden Mittelalter
ebenso eine packende Schilderung der revolutionären Ereignisse
wie eine politisch-sozioökonomische Studie vor dem Hintergrund
der gerade stattgefundenen Revolution 1848/49, an der Engels aktiv
beim „Pfälzer Aufstand“ teilgenommen hatte.
Pjotr L Lawrow: Die Pariser
Kommune. Geschehnisse, Einfluß, Lehren. Unrast Verlag 2003
(Klassiker der Sozialrevolte Bd. 8). 232 S. (NB804) 14 Euro
Am
18. März 1871 verhinderte in Paris eine Menge aus revolutionären
Arbeitern und republikanischen Nationalgardisten, daß der
monarchistische General Vinoy sich gewaltsam der Kanonen von Paris
bemächtigen konnte. Dieser Widerstand – unter der Losung
„Es lebe die Republik“ – war der Beginn der
72tägigen revolutionären Kommune von Paris. P.L. Lawrow,
russischer Sozialrevolutionär im Exil und Mitglied der Pariser
Sektion der Internationalen Arbeiter-Assoziation, hat an den
Ereignissen der Kommune-Tage aktiv teilgenommen, sie aufgeschrieben
und einer kritischen Würdigung unterzogen, um daraus Lehren
insbesondere für die sozialrevolutionäre Bewegung Rußlands
zu ziehen.
Sebastian
Haffner: Die deutsche Revolution 1918/19. rororo. 256 S. und 32
Bildtafeln. (NB839) 8,90 Euro.
„Nüchtern und doch
mitreißend setzt Sebastian Haffner sich mit markanten Personen
und Ereignissen auseinander, greift politische Probleme, Phänomene
und Theorien auf. Seine Ausführungen, die teils Zustimmung,
teils Widerspruch provozieren, geraten dank seines
Formulierungsvermögens zu Literatur.“ (Klappentext).
Standardwerk über eines der wichtigsten Ereignisse der
Zeitgeschichte, zudem von hohem literarischem Rang. Haffner
unterzieht die Sozialdemokratie einer geradezu vernichtenden Kritik.
Haffners Buch erschien zuerst 1969, in einer Zeit, in der die
Konfliktlinien der Revolution und Konterrevolution von 1918/19 sich
in der aktuellen politischen Auseinandersetzung unmittelbar
widerspiegelten. Das Buch erschien ursprünglich unter dem Titel
„Die verratene Revolution“, zehn Jahre später noch
einmal unter dem Titel „Der Verrat“.
Sebastian
Haffner: Zwischen den Kriegen. Essays zur Zeitgeschichte. Verlag
1900 Berlin. (NB68z) 18 Euro
Essays und Kommentare aus 50
Jahren Zeitgeschichte.
Sebastian Haffner: Germany: Jekyll
& Hyde. 1939 – Deutschland von innen betrachtet. Verlag
1900 Berlin (NB69z) 15,30 Euro
1939 schrieb ein deutscher
Emigrant in England ein Buch für die Engländer über
Deutschland. Um seine in Deutschland verbliebenen Verwandten nicht zu
gefährden, erfand er das Pseudonym „Sebastian Haffner“,
das er zeitlebens weiter benutzte. Deutsche Erstausgabe.
Klaus
Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal. Die Ermordung Rosa
Luxemburgs. Neu durchgesehene, überarbeitete Ausgabe. Edition
Nautilus 2009. 192 S. mit 70 Abbildungen. (NB1108) 13,90 Euro.
Die
Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ist eine der großen
Tragödien des letzten Jahrhunderts. Kaum ein politischer Mord
hat so sehr die Gemüter bewegt und das politische Klima in
Deutschland verändert wie jener in der Nacht vom 15. auf den 16.
Januar 1919 vor dem Hotel mit dem paradiesischen Namen „Eden“.
Der Mord war Auftakt für weitere politische Morde und nicht nur
das. Der Fall Luxemburg/Liebknecht war sozusagen der Sündenfall,
nach dem die Grundlagen für den deutschen Faschismus gelegt
wurden. Über Jahre hinweg folgten Verdrehungen, Verdunklungen,
Vorschubleistungen, falsche Verdächtigungen und
Selbstbezichtigungen. Eine „Justizposse“, die als einer
der großen Justizskandale des vergangenen Jahrhunderts
bezeichnet werden muß, machte aus der Tragödie eine
Groteske. Gietinger hat seine akribischen Recherchen zu einem
spannenden Text zusammengefügt und entlarvt in aller Klarheit
Mörder und Drahtzieher.
Ralf Höller: Der Anfang, der ein Ende war. Die Revolution in Bayern 1918-1919. Aufbau Taschenbuch 1999. 304 S. Und einige Bildtafeln. (NB493z) 8,65 Euro
Paul Frölich: Die Bayrische
Räte-Republik. Edition 100 bei ISP – Bibliothek des
Anderen Buchladen Karlsruhe. 128 S. (NB674) 10 Euro
Reprint der
Ausgabe aus dem Frankes Verlag Leipzig 1920.
Rosa Luxemburg: Ich umarme Sie in großer Sehnsucht. Briefe aus dem Gefängnis an Mathilde Jacob. Verlag JHW Dietz Nachf. 336 S. (NB70) 6,50 Euro
Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis. Dietz-Verlag Berlin. 104 S. Ln. (NB71) 8 Euro
Fritz Keller, Stefan Kraft: Rosa
Luxemburg. Denken und Leben einer internationalen Revolutionärin.
Pro Media Verlag – Edition Linke Klassiker 2005. 176 S. (NB808)
12,90 Euro
„Wir müssen den ganzen 'Patriotismus'
unserer höheren politischen Schichten für einen gemeinen
Volksbetrug halten! Nicht hinter ihnen, nicht mit diesen
Grundbesitzern und Bürgerlichen dürfen wir gehen, sondern
gegen sie!“ Wortgewaltig und energiegeladen setzt sich Rosa
Luxemburg gegen den Militarismus genauso ein wie für die
internationale Solidarität der arbeitenden Klasse. Ihr Werk,
hier ausführlich und fachkundig kommentiert, beschäftigt
sich mit dem sozialen Elend zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit der
Frauenemanzipation und den Rechten des Individuums, der politischen
und gewerkschaftlichen Organisation, der russischen Revolution, dem
Imperialismus und den Perspektiven der sozialistischen Bewegung. Rosa
Luxemburg gab bereits mit 22 Jahren eine revolutionäre
Zeitschrift heraus. 1898 nahm sie die deutsche Staatsbürgerschaft
an und engagierte sich im linken Flügel der SPD. Die Zustimmung
der deutschen Sozialdemokratie zum Ersten Weltkrieg fand in ihr eine
vehemente Gegnerin. Sie vierließ die Partei und gründete
gemeinsam mit Karl Liebknecht den Spartakusbund als Vorläufer
der KPD. Ihre Ermordung im Januar 1919 versetzte der gerade
entstandenen kommunistischen Bewegung Deutschlands einen schweren
Schlag.
Christine von Soden (Hg.): Rosa
Luxemburg. BilderLeseBuch. Elefantenpress 1995. 160 S. Im
Großformat mit zahlreichen Abbildungen. (NB60z) 16 Euro
Beiträge von Walter Jens, Marina Achenbach, Micha
Brumlik, Frederik Hetmann, Elvira Högemann-Ledwohn, Georg
Fülberth, Ulrike Hörster-Philipps, Elisabeth
Hannover-Drück, Jürgen Elsässer u.a.
Zwecklegenden. Die SPD und das
Scheitern der Arbeiterbewegung. Verlag 1900 Berlin 1996. 224 S.
(NB67z) 18 Euro
Texte von Kurt Tucholsky, Sebastian Haffner,
Stephan Hermlin, Karl Kraus u.a. „Es ist nicht wahr, wenn
gesagt wird: der 9. November 1918 konnte keine Entscheidung bringen.
Er hat eine gebracht. Den vollständigen Sieg der deutschen
Reaktion. Und das ist Eberts Schuld, von der ihn niemand reinwaschen
kann.“ (Kurt Tucholsky).
Fritz Fischer: Krieg der Illusionen. Die deutsche Politik von 1911-1914. Droste-Verlag. (NB65) 29,70 Euro
Otto Rühle: 1848. Revolution
in Deutschland. Unrast Verlag, Klassiker der Sozialrevolte. 120
S. Mit einigen Abb. (NB707) 9 Euro
Nachdruck aus dem
dreibändigen Werk „Die Revolutionen Europas“.
Wilhelm von Sternburg: „Um
Deutschland geht es uns“ Arnold Zweig. Eine Biographie.
Aufbau Taschenbuch 2004. 336 S. Und einige Bildtafeln. (NB706) 9,50
Euro
„Arnold Zweig, Jude und Sozialist, tief verwurzelt
in deutscher Kultur, blieb ein Wanderer zwischen den Welten. Er war
„ein ‚Neuerer‘ wie Joyce oder Döblin, ein
‚Experimentator‘ im ‚Formalen‘ gleich Brecht,
Dos Passos oder Anna Seghers.“ (Hans-Albert Walter). Wilhelm
von Sternburg ergründet die Größe und Tragik dieses
Dicherlebens. In klugen Werkanalysen deutet er Zweigs Bild seiner
Zeit und ihrer gesellschaftlichen Katastrophen, seine Erklärungen
der menschlichen Triebe und Leidenschaften.(Klappentext).
Wilhelm von Sternburg: Carl von Ossietzky – Es ist eine unheimliche Stimmung in Deutschland. Ein biographischer Bericht. Aufbau Taschenbuch 2000. 340 S. (NB215) 10 Euro
Carl von Ossietzky. Ein Lesebuch für unsere Zeit. Hg. Von Ursula Madrasch-Groschopp unter Mitarbeit von Gerda Bergner. Aufbau Taschenbuch Berlin 1993. 480 S. (NB458) 10 Euro
Erich Mühsam: Unpolitische Erinnerungen. Edition Nautilus 2000. Hc. (NB217) 18,80 Euro
Franz Jung: Der Weg nach unten.
Aufzeichnungen aus einer großen Zeit. Edition Nautilus 2000.
442 S. (NB417) 15,80 Euro
Franz Jung (1888-1963) gilt als eine
der verwegensten Persönlichkeiten der deutschen Literatur. Wo
immer neue Horizonte gesucht wurden, war Jung dabei, um am Ende
unversöhnlich gegen die Illusionen anzugehen. Rigoroser hat
selten jemand sein Leben beschrieben (Klappentext).
Hersch Mendel: Erinnerungen eines
jüdischen Revolutionärs. Mit einer Einleitung von Isaak
Deutscher und einem Nachwort von Jakob Moneta. Neuer ISP Verlag 2004.
280 S. (NB785) 19,80 Euro
Hersch Mendels Autobiografie
berichtet von Leben der jüdischen Arbeiterschaft in Osteuropa.
Er beschreibt die Rebellion gegen die elenden Verhältnisse im
Warschauer Judenviertel, den Kampf jüdischer Arbeiter in
Gewerkschaften und revolutionären Parteien, seinen eigenen
Einsatz für die Russische Revolution und seine Opposition gegen
den Aufstieg des Stalinismus.
Vera Broido: Tochter der
Revolution. Erinnerungen. Mit einem Vorwort von Burkhard
Müller-Ullrich. Edition Nautilus 2004. 192 S. Hc. (NB776) 19,90
Euro
Vera Broido wurde 1907 als Tochter der revolutionären
Sozialisten Mark und Eva Broido in Sankt Petersburg geboren. Sie
verbrachte während der Zarenzeit zusammen mit ihrer Mutter drei
Jahre in der sibirischen Verbannung, erlebte Krieg und Revolution in
Moskau und Petrograd. Von 1920 an lebte sie in der russisch-jüdischen
Gemeinde in Berlin und ging 1925 für einige Zeit nach Paris,
studierte Malerei bei Alexandra Exter und kehrte dann nach Berlin
zurück. Sie verkehrte in der Berliner Bohème und wurde
Muse und Aktmodell für Raoul Hausmann. 1934 mußte sie
wegen ihrer jüdischen Herkunft erneut fliehen und lebte fortan
in England, wo sie am 11. Februar 2004 verstarb.
Fritz und Sieglinde Mierau (Hg.):
Almanach für Einzelgänger. Edition Nautilus 2001. 212
S. Geb. (NB418) 20,80 Euro
Anregende Texte für alle, die
die ausgetretenen Wege meiden und mit fremdem Blick und wildem Denken
im 21. Jahrhundert unterwegs sind.
Georg Fülberth: KPD und DKP 1945-1990. Zweite, überarbeitete Auflage. Distel-Verlag. (NB105) 12,60 Euro
Willi Nowaks Knastnotizen. KPD-Verbot und Kalter Krieg im Ruhrgebiet. Hg. Von Günter Gleising. Ruhrecho-Verlag 1996. 216 S. (NB104z) 11,25 Euro
Kurt Fritsch, Walter Timpe (Hg.):
Gefängnis-Tagebuch. Politische Gefangene in Hannover
1950-51. Neue Impulse Verlag 2003. 144 S. (NB947) 7,90 Euro
Dieses
74-seitige handschriftliche Tagebuch wurde in den Jahren 1950 und
1951 von KPD-Funktionären im Hefängnis Hannover
geschrieben. Lange vor dem Verbot der KPD 1956 wurden Antifaschisten
in diesen Jahren inhaftiert.
Kurt Bachmann: Wir müssen
Vorkämpfer der Menschenrechte sein. Reden und Schriften.
Zusammengestellt von Ulrich Sander. Herausgegeben von der Vereinigung
der Verfolgten des Naziregimes. Pahl-Rugenstein-Verlag 1999. 268 S.
(NB107z) 15,30 Euro
Kurt Bachmann war nach 1968 Vorsitzender
der neukonstituierten DKP.
Hans Jacobus: Beim Betreten des
Hauses. Erinnerungen an Momente und Jahrzehnte. Nora 2002. 204 S.
Pb. (NB632) 15,50 Euro
Hans Jacobus, Jahrgang 1923, ist ein
Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts. Er hat Freuden und bitteres Leid,
Erfolge und Rückschläge erhobenen Hauptes durchlebt, ist
Konflikten und Herausforderungen nicht ausgewichen. Das Fazit seines
Lebens: Man gibt nicht auf!
Gerhard Holtz-Baumert (Hg.): Briefe aus Moabit. Der Keßler-Prozeß. Spotless-Verlag 96 S. (NB53z) 5,11 Euro
Erich Honecker: Moabiter Notizen. Letztes schriftliches Zeugnis und Gesprächsprotokolle vom BRD-Besuch 1987. Edition Ost 1994. 256 S. (NB63z) 12,60 Euro
Fidel
Castro: Reflexionen. Verlag Wiljo Heinen 2008. 318 S. (NB1081) 14
Euro
Fidel Castro meldet sich regelmäßig in der
kubanischen Tagespresse zu Wort. Heinz Langer, früherer
DDR-Botschafter in Havanna, stellte eine Auswahl von Fidels
„Reflexionen“ zusammen. Fidel Castro ist ein Denker, der
bis heute nichts von seiner Scharfsinnigkeit und Scharfzüngigkeit
eingebüßt hat. Er schreibt über die Situation und
Entwicklung Kubas, Lateinamerikas und der „Dritten Welt“,
den mörderischen Kampf des US-Imperiums, über Jugoslawien
und China. Er mahnt, dass zum Überleben der Menscheit eine
Abkehr vom kapitalistischen Irrsinn der Ressourcenvergeudung dringend
notwendig ist.
Hans
Weiss: Märchen von Kuba. Insel zwischen Lüge und
Wahrheit. Nomen Verlag 2005. 168 S. Klappenbroschur. (NB912) 14
Euro
„Märchen von Kuba“ ist keine kubanische
Märchensammlung. Der Autor hat vielmehr Lügenmärchen
gesammelt, die über Kuba verbreitet werden, zum Teil auch deren
Verfasser befragt. Sei es die rührselige Schauergeschichte, die
ein in New York und Miami ansässiger Journalist in der
Kuba-Ausgabe von „Merian“ seinen Lesern als lautere
Wahrheit anbietet, seien es angebliche Verstöße gegen das
Recht auf Gesundheit und freie Religionsausübung, die eine
katholische Wochenzeitung anprangert und die sie auch nach
Berichtigung durch den Bundestagsabgeordneten, der das Märchen
gutwillig verbreitet hatte, nicht dementieren will. Begründung:
Wir werden Kuba nicht als Idylle darstellen. Dieser Argumentation
kann sich auch Kardinal Meisner nicht widersetzen, der sich
seinerseits darüber beklagt, daß über ihn aus der
Luft gegriffene Dinge in die Welt gesetzt würden. Die
„Bild“-Zeitung wiederum macht Fidel Castro als Dresseur
von Killer-Haien vor der Küste von Florida aus, wohl wissend,
daß die Original-Meldung von einem US-amerikanischen
Satire-Magazin stammt, das zum Gaudium der Leserschaft ausschließlich
Falschmeldungen in die Welt setzt. Für Herrn Dr. Heinrich
Maetzke vom „Bayernkurier“ ist das Stichwort Guantánamo
Anlaß, von 15.000 in Kuba erschossenen Gefangenen zu erzählen,
aber, als der Autor nach Belegen fragt, sich in Schweigen zu hüllen.
Miguel
Mejides, Juan Carlos Rodrigues, Marta Rojas u.a.: Narben in der
Erinnerung. Erzählungen über vier Jahrzehnte
Terrorismus gegen Kuba. Nachwort von Leonard Weinglass. Atlantik
Verlag 2005. ... S. (NB820) 18 Euro
Mitte der 90er Jahre reisen
fünf Kubaner in die USA. Ihre Absicht: Sie wollen exilkubanische
Gruppen auskundschaften, die seit Jahren Anschläge gegen Kuba
durchführen. Ihre Erkenntnisse übermitteln sie nach Kuba,
und die kubanische Regierung übergibt sie der US-Bundespolizei,
um sie zu veranlassen, gegen diesen Terrorismus vorzugehen. Doch dort
kümmert man sich keineswegs um die exilkubanischen Gruppen, die
beste Verbindungen zu politischen, militärischen und
geheimdienstlichen Kreisen in den USA unterhalten. Stattdessen
verhaftet das FBI im September 1998 die fünf Kubaner unter dem
Verdacht der „Spionage“ und „Verschwörung“.
Sie wurden zu Haftstrafen zwischen 15 Jahren und lebenslänglich
verurteilt. 36 kubanische Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen
und Künstler nehmen diese Ungeheuerlichkeit zum Anlaß, um
auf den seit Jahrzehnten gegen Kuba gerichteten Terror aufmerksam zu
machen. Die intellektuellen Stimmen Kubas beschwören keine
Schreckensbilder. Sie geben den Opfern der Gewalt Gesichter, um den
Blick der internationalen Öffentlichkeit auf dieses Unrecht zu
lenken, das seit 1959 über 3.000 Menschen das Leben gekostet
hat.
Wolfgang Schneider (Hg.): Kuba
libre. Eine Insel spielt nicht mit. Konkret 2002. 168 S. (NB618)
12,80 Euro
Das Buch beschreibt die Geschichte der kubanischen
Revolution, ihre Leistungen und ihre momentanen Schwierigkeiten sowie
ihre mögliche Zukunft. Es präsentiert aktuelle politische
Analysen und Kommentare von Fidel Castro. Beiträge von Ernst
Fidel Fürntratt-Kloep, Herman L. Gremliza, Miriam Lang, Conrad
Schuhler u.a.
Osvaldo Salas & Roberto Salas:
Kuba. Eine Revolution in Bildern. Rütten & Loening 2004.
176 S. Mit 119 Fotos. (NB705) 19,90 Euro
Osvaldo und Roberto
Salas haben vier Jahrzehnte lang das wechselvolle Schicksal Kubas mit
der Kamera eingefangen. Ihre Fotografien sind Zeitzeugnisse. Sie
erzählen von der kubanischen Revolution, von Fidel Castro und
Che Guevara und von den einfachen Leuten auf Kuba. „Eine Kamera
ist ein Instrument, mit dem jemand etwas mitteilt. Das zu leugnen
wäre so, als würde der Schreiber einer Geschichte
behaupten, nicht er habe etwas gesagt, sondern seine
Schreibmaschine.“ (Roberto Salas).
Ron Ridenour: Kuba. Ein „Yankee“
berichtet. Übersetzt, bearbeitet und herausgegeben von Ernst
Fidel Fürntratt-Kloep. PapyRossa Verlag 1997. 296 S. (NB195z)
15,25 Euro
Was ist aus Kuba geworden, seit es dem Goliath im
Norden allein gegenübersteht? Ron Ridenour, US-Bürger und
Wahl-Kubaner, berichtet vom Kampf der einfachen Menschen gegen
tausend Widrigkeiten und von dem, was die Führung tut, um die
Errungenschaften der Revolution zu retten. Welche Möglichkeiten
gibt es noch? Wird es eine wirtschaftliche Erholung geben? Und unter
welchen politischen Vorzeichen?
Ernst Fidel Fürntratt-Kloep: Unsere Herren seid Ihr nicht! Das politische Denken des Fidel Castro. PapyRossa Verlag 2000. 352 S. (NB196) 17,90 Euro
Wenn ich
sterbe, wird es keiner glauben. Anekdoten über Fidel Castro.
Hg. von Peter Jacobs. Eulenspiegel Verlag 2006. 128 S. Hc. (NB983)
9,90 Euro
Fidel Castro überstand neun US-Präsidenten,
fünf sowjetische Generalsekretäre, 30 Jahre Kalten Krieg,
den Zusammenbruch des sozialistischen Weltlagers, viereinhalb
Jahrzehnte amerikanische Wirtschaftsblockade. Mit rund 600 gegen ihn
geplanten Mordanschlägen hält er einen bedenklichen Rekord.
Der Staatsmann in der Rebellenuniform ist eine Herausforderung für
seine politischen Anhänger wie Gegner. Zu den Legenden, die über
ihn in Umlauf sind, hat Castro durchaus selbst beigetragen. Kein
Wunder bei einem, der rund 1000 Interviews gegeben und merhr als 3000
freie Reden gehalten hat.
Karin Ceballos Betancur: Auf Che
Guevaras Spuren. Lateinamerikanische Reisenotizen. Picus Verlag
2003. 192 S. (NB664) 14,90 Euro
Eine Reise durch den
südamerikanischen Kontinent brachte den Medizinstudenten Ernesto
Gurvara de la Serna auf den Weg zum Revolutionär Che Guevara.
Karin Ceballos Betancur ist den Stationen dieses Abenteuers gefolgt.
Michael Löwy: Che Guevara.
Neuer ISP Verlag. 144 S. (NB672) 9 Euro
Im Gegensatz zu vielen
anderen Veröffentlichungen über Che Guevara verzichtet der
Autor auf alles Anekdotische, Sensationelle und Spekulative. Er
untersucht die Schriften und Reden von Che Guevara auf ihren
philosophischen, ökonomischen, militärischen und
politischen Gehalt. Er arbeitet heraus, was Che Guevara so wichtig
machte und macht: seine undogmatische, humanistische und
internationalistische Revolutionäre Haltung.
Ulises
Estrada: Tania. Undercover mit Che Guevara in Bolivien. Atlantik
Verlag 2007. (NB1000) 20 Euro
Tania berichtet von der
legendären Haydée Tamara Bunke Bider – Tania la
Guerillera, die 1937 in Argentinien geboren wurde. Ihre Eltern waren
als jüdische Kommunisten dorthin emigriert. 1952 kehrten ihre
Eltern in die neu gegründete Deutsche Demokratische Republik
zurück. Im Aufbruchsgefühl dieser Zeit begeistert sich die
junge Tamara für die Kubanische Revolution und entscheidet sich,
ihr Leben der Befreiung Lateinamerikas zu widmen. Ulises Estrada
berichtet als Zeitzeuge und Gefährte über Tania und sein
Leben mit ihr. Er gehörte zu jenen jungen kubanischen
Revolutionären, die 1959 die Batista-Diktatur stürzten. Er
lernt Tania kennen, als sie im Begriff ist, als einzige Frau an der
Seite Che Guevaras in Bolivien zu kämpfen. Tania und Ulises
werden ein Liebespaar und planen ihre gemeinsame Zukunft. Doch sie
verliert in einem Hinterhalt ihr Leben. Mit bisher unbekannten Fakten
und Dokumenten schildert Ulises Estrada den gemeinsamen Kampf und
entlarvt dabei zugleich die propagandistischen Lügen über
diese Frau. Er tut dies mit großer Offenheit und in liebevoller
Verteidigung ihrer Integrität. Ein lesenswertes Buch über
lateinamerikanische Geschichte, über den Freiheitskampf und über
die Liebe.
Hernando Calvo Ospina, Katlijn
Declerq: Originalton Miami. Die USA, Kuba und die Menschenrechte.
PapyRossa Verlag 2001. 276 S. (NB424) 15,25 Euro
Miami ist
Zentrum der Exil-Kubaner, die Castro stürzen und Kuba „vom
Kommunismus befreien“ wollen? Was sind das für Gruppen,
die unter humanitärer Flagge und US-Protektion Gewehr bei Fuß
stehen? Was verstehen sie überhaupt unter Menschenrechten? Die
Autoren haben Personen befragt, die darauf eine Antwort geben
könnten. Sie haben geredet und enthüllten, was Kuba
erwarte, wenn diese Kräfte dort wieder das Kommando übernehmen.
Hernando Calvo Ospina: Im Zeichen
der Fledermaus. Die Rum-Dynastie Bacardi und der geheime Krieg
gegen Cuba. PapyRossa Verlag 2002. 156 S. (NB581) 12 Euro
Im
Zeichen der Fledermaus, unter dem Bacardi seinen Rum vertreibt, wird
seit Jahren Krieg geführt: Handelspolitisch, mit Geld und mit
Waffen. Er galt dem sandinistischen Nicaragua, Angola und richtet
sich bis heute gegen Kuba. Hernando Calvo Ospina enthüllt,
welche Rolle Führungskräfte von Bacardi bei terroristischen
Aktionen gespielt haben und wie sie dafür gesorgt haben, daß
die Unterstützungsgelder der CIA die Contras in Nicaragua, die
UNITA in Angola und kubanische Reaktionäre erreicht haben. Und
er deckt auf, wie ein Konzern, der nicht in den USA beheimatet ist,
seine Wünsche dort Gesetz werden lassen kann.
Ernst
F. Fürntratt-Kloepp: Venezuela. Der Weg einer Revolution.
PapyRossa Verlag 2006. 200 S. (NB923) 14,90 Euro
Was zur Zeit
in Venezuela vor sich geht, wird in Europa noch immer zu wenig
beachtet: Eine Revolution gegen den Neoliberalismus mit weltweiten
Auswirkungen. Eingehend beschreibt das Buch die Veränderungen,
die seit der Präsidentschaft von Hugo Chávez vollzogen
wurden, und es beleuchtet dessen besondere Rolle im politischen
Prozeß. Besonders eingegangen wird auf die eindrucksvollen
Sozialprogramme, auf die Wirtschafts- und die überaus dynamische
Außenpolitik. Dargestellt werden aber auch die zahlreichen
ungelösten Probleme, die kritische Mediensituation und die
zugespitzten Beziehungen zu den USA, dem „Koloß im
Norden“ mit seiner offenen und verdeckten Einmischung.
André
Scheer: Kampf um Venezuela. Hugo Chávez und die
bolivarianische Revolution. Neue Impulse Verlag Essen 2004. 176 S.
(NB902) 12,90 Euro
„Maria del Carmen Rivero Ángel
hat einen schönen Namen, aber sie konnte ihn nie schreiben. Mit
73 Jahren entdeckt sie die Vokale ihrer Freiheit.“ (Granma).
„Bereitet euch darauf vor, zu regieren! Denn genau das ist die
Idee der Demokratie. Es ist das Volk, das regiert.“ (Hugo
Chávez am Tag seiner Amtseinführung). „Dieses
Verständnis von Demokratie macht uns Sorgen.“ (Colin
Powell, US-Außenminister).
Raul Zelik, Sabine Bitter, Helmut
Weber: Made in Venezuela. Notizen zur „Bolivarischen
Revolution“. Assoziation A 2004. 144 S. Und Bildtafeln. (NB724)
13 Euro.
Venezuela befindet sich in einem tiefgreifenden
Umbruch, der von Basisorganisationen und der Chavez-Regierung als
„Bolivianische Revolution“ bezeichnet wird. Die Bewohner
von Armenvierteln gründen Stadtteilräte und verwalten sich
selbst. Landlose kämpfen für die Umsetzung der Agrarreform.
Die Bevölkerung diskutiert in Nachbarschaftsversammlungen die
Politik des staatlichen Erdölunternehmens PDVSA. An
Alphabetisierungs- und Gesundheitskampagnen beteiligen sich
Millionen. In den Medien wird über diese Veränderungen nur
verzerrt berichtet. Die USA, aber auch europäische Regierungen
üben massiven Druck auf den venezolanischen Staat aus. Seit 2002
gab es eine Reihe von z.T. Bewaffneten Umsturzversuchen, die an die
Ereignisse in Chile 1970 – 1973 erinnern. Die Autoren waren
sieben Monate in dem lateinamerikanischen Land und haben die
Ereignisse aus der Sicht der Basisbewegungen protokolliert.
Dario
Azzellini: Venezuela Bolivariana. Revolution des 21.
Jahrhunderts? ISP Verlag, 2., erweiterte und aktualisiertte Auflage
2007. 328 S. (NB1045) 19,80 Euro
Dario Azzellini beschreibt und
analysiert in Venezuela Bolivariana die ersten 8 Jahre des mit der
Wahl von Chávez zum Präsidenten eingeleiteten
Transformationsprozesses. Er legt die gesellschaftlichen Reformen dar
und widmet sich den Basisbewegungen. Er geht auf die Entwicklung
Venezuelas seit 1958 ein, die in der Wahl von Chávez mündete.
Die Etappen der vergangenen Jahre, der verfassungsgebende Prozess,
der Putsch, der Unternehmerstreik, das Referendum und die Wahlen
werden ebenso behandelt wie die Gewerkschaften und Kämpfe um
Selbstverwaltung in Betrieben, die Bauernbewegungen und die
Landfrage, Rassismus, Medien, Frauenund Umweltpolitik und die
indigenen Rechte. Die Untersuchung der ökonomischen Entwicklung
und der Versuche, die Wirtschaftsstruktur zu verändern, sowie
der internationalen Politik Venezuelas und der
Destabilisierungspolitik der USA runden das Bild ab. Die Neu-Ausgabe
enthält zusätzlich ein Kapitel über die neuen
Gegenmachtorgane, die „Kommunalen Räte“.
Markus
Kampkötter: Emiliano Zapata. Vom Bauernführer zur
Legende. Eine Biographie. Unrast Verlag, 2. Auflage 2003. 176 S. mit
zahlr. Abbildungen. (NB1033) 16 Euro
Am 1. Januar 1994, dem
Tag, an dem die flächenmäßig größte
Freihandelszone der Welt von Mexiko bis nach Kanada deklariert wurde,
begann im Süden Mexikos, in Chiapas, die Rebellion einer bis
dahin gänzlich unbekannten Bauernarmee. Sie nennt sich EZLN -
Ejercito Zapatista de Liberacion Nacional. Doch wer ist dieser
Zapata, auf den sich die EZLN beruft? Emiliano Zapata, ein kleiner
Pferdehändler bäuerlicher Herkunft, war einer der
wesentlichen Aktivisten der Mexikanischen Revolution von1910-1921,
während der er sich hauptsächlich für die Interessen
der indianischen Ejido-Bauern einsetzte. Nach einem erfolgreichen
Aufstand in Morelos wurde er zum Kommandanten der „südlichen
Befreiungsarmee“ gewählt und führte 20.000 bewaffnete
Bauern zum Sieg. Am 19. April 1920 wurde er, da er nach dem „Sieg“
der Revolution nicht bereit war, seine radikalen Forderungen
aufzugeben, in einen Hinterhalt gelockt und ermordet. Diese Biografie
versucht eine Annäherung an die Person Zapatas – ein
schwieriges Unterfangen – irgendwo zwischen der Legende, die
besagt, daß Zapata noch heute auf einem weißen Schimmel
durch Mexikos Berge reise, und der Interpretation des jungen Marlon
Brando in dem Hollywood-Streifen „Viva Zapata“. Zudem
kommt das Buch nicht umhin, sich mit der 500-jährigen Conquista
Mexikkos zu befassen, und zieht Parallelen zu der aktuellen Situation
in Chiapas.
Marta Durán de Huerta: Yo
Marcos. Gespräche über die zapatistische Bewegung.
Edition Nautilus. (NB530) 10 Euro
Subcomandante Insurgente
Marcos, der Mann mit der Wollmaske, der gewählte Sprecher der
Zapatisten, hat in Interviews, Ansprachen, Zeitungsartikeln und
Erklärungen Anliegen der indianischen Einwohner Mexikos und ganz
Amerikas formuliert. Er hat dafür einen so nie gelesenen und
gehörten Stil der Politik entwickelt. Er spricht und schreibt
mit Humor, Sarkasmus und Selbstironie. In Lateinamerika hat der „Sub“
bereits den Mythos eines Che Guevara.
Ulli Simon: Septembertage. Días de Septiembre. Erinnerungen an Chile 1973. Buch und CD deutsch-spanisch. Musik: Ulli Simon, Choche Ballesteros, Chcho Cavour, Ramón Gorigoitía. Vorwort: Helmut Frenz, Nachwort: Fernando Mires. Atlantik Verlag 1998. 192 S. Zahlr. Abb. Hc. (NB696) 20 Euro
Subcomandante
Marcos, Paco Ignacio Taibo II: Unbequeme Tote. (Es fehlt, was
fehlt). Roman, vierhändig. Aus dem Spanischen von Miriam Lang.
Assoziation A 2005. 240 S. (NB866) 16,80 Euro
„Unbequeme
Tote“ ist das Ergebnis eines einzigartigen literarischen
Experiments: Der wortgewandte Sprecher der Zapatistischen Guerilla
und der bekannteste Krimi-Autor Mexikos schreiben vierhändig
einen Roman, der in wöchentlichen Vorabdrucken in der größten
linken Tageszeitung des Landes erscheint. Héctor Belascoarán
Shayne, unabhängiger Detektiv in Mexiko-Stadt, erhält
geheimnisvolle Anrufe von einem Toten. Zur gleichen Zeit wird Elías
Contreras, „Ermittlungskommission“ der EZLN, ein Dossier
über einen „gewissen Morales“ zugespielt, der in
dunkle Geschäfte im lakondonischen Urwald verwickelt ist.
Gemeinsam nehmen sie eine Spur auf, die in die Zeit des schmutzigen
Krieges in Mexiko zurückführt.
Paco Ignacio Taibo II: Die
Rückkehr der Schatten. Assoziation A. 400 S. Hc. (NB790) 24
Euro
Mexiko 1941: Ein Nazi-Netzwerk ist im Land aktiv. In
Chiapas üben deutsche Kaffeebarone ihre Willkürherrschaft
aus.
Paco
Ignatio Taibo II: 1968. Gerufene Helden. Ein Handbuch zur
Eroberung der Macht. Verlag Libertäre Assoziation 1997. 160 S.
(NB914) 14,50 Euro
Die 68er-Bewegung in Mexiko. Ein Tagebuch
und ein Roman.
Paco
Ignatio Taibo II: Erzengel. Geschichten von 12 Häretikern
der Revolution im 20. Jahrhundert. Verlag Libertäre Assoziation
1999. 312 S. Hc. (NB915) 19,50 Euro
Die Erzengel sind
Taibos ganz persönliche Geschichte des 20. Jahrhunderts:
gespiegelt in den Niederlagen von 12 querköpfigen
Revolutionären, die quer über den ganzen Globus die
herrschenden Mächte und Parteiströmungen herausforderten.
„Sie alle suchten die revolution und begaben sich mehrere Male
in die Hölle, um sie zu finden. Was sie verbindet, ist ihre
wunderbare Sturheit bei dem Versuch, diesen Planeten radikal zu
verändern.“
Josef
(Moe) Hierlmeier: Internationalismus. Eine Eiführung in
seine Ideengeschichte – von den Anfängen bis zur
Gegenwart. Schmetterling Verlag, Reihe theorie.org. 2., erweiterete
Auflage 2006. 216 S. (NB940) 10 Euro
Ein kompakter Überblick
zur Geschichte einer zentralen Bewegung der Linken und zugleich eine
reflektierende Einführung in ihre wesentlichen Debatten sowie
philosophischen und soziologischen Grundlagen. Ausgangspunkt der
Betrachtungen ist dabei nicht die Situation in den Ländern des
Trikonts, sondern die Wahrnehmung der sogenannten Dritten Welt und
ihre Projektion auf die gesellschaftlichen Verhältnisse
hierzulande. Vom ausgeprägten ideengeschichtlichen Optimismus
der 60er und 70er, über die lebensphilosophischen Theoreme der
80er bis hin zu den dialog- und konsensorientierten Ansätzen des
vergangenen Jahrzehnts zeichnet der Autor die theoretischen Raster
einer ebenso wichtigen wie widersprüchlichen politischen
Bewegung nach und fragt nach Perspektiven und neuen Denkansätzen.
Die 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage wurde durch ein
Kapitel zu den theoretischen Grundlagen der Bewegung (Negri, Hardt,
Deleuze/Guattari etc.) gegen die neoliberale Globalisierung
erweitert.
Eduardo Galeano: Die Füße
nach oben. Zustand und Zukunft einer verkehrten Welt. Peter
Hammer Verlag 2000. 360 S. (NB513) 19,90 Euro
„Soll diese
Freiheit, die Freiheit, unter drohenden Mißgeschicken zu
wählen, unsere einzig mögliche Freiheit sein? Die verkehrte
Welt bedeutet uns, die Wirklichkeit zu ertragen, anstatt sie zu
verändern.“ Mit der sprachlichen Eleganz und der
gedanklichen Schärfe, die ihn als einen der ersten Autoren
Lateinamerikas ausweisen, legt Eduardo Galeano zum Jahrtausendwechsel
eine schonungslose Bilanz vor.
Arundhati Roy: Die Politik der
Macht. Btb 2002. 480 S. (NB750) 10 Euro
Eine Sammlung der
aktuellen politischen Essays der indischen Autorin, mit ihren
vieldiskutierten Beiträgen zu den Ereignissen in New York, in
Afghanistan und Irak.
Denis
Goldberg: Der Auftrag. Ein Leben für die Freiheit in
Südafrika. Übersetzt von Birgit Morgenrath. Assoziation A
2010. 304 S. Pb. zahlreiche Fotos. (NB1152) 19,80 Euro
Der 1933
als Sohn einer jüdischen Einwandererfamilie in Kapstadt geborene
Denis Goldberg ist ein Weggefährte Nelson Mandelas und Kämpfer
gegen das Apartheidregime in Südafrika. Goldberg schloss sich
1961 dem bewaffneten Arm der Befreiungsbewegung ANC an. Zwei Jahre
später wurde er festgenommen und zusammen mit Mandela und
anderen wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt. Denis
Goldberg verbrachte 22 Jahre im Gefängnis. Nach seiner
Freilassung kämpfte er aus dem Londoner Exil weiter für die
Abschaffung der Apartheid. In seinem Buch erzählt der heute
wieder in Kapstadt lebende unverbesserliche Optimist die Odyssee
seines Lebens, die zugleich eine Geschichte des langen,schwierigen
und oftmals schmerzhaften Weges Südafrikas in die Freiheit ist.
Janntje Böhlke-Itzen:
Kolonialschuld und Entschädigung. Der deutsche Völkermord
an den Herero 1904-1907. Einführung von Norman Paech. Verlag
Brandes & Apsel 2004. 144 S. (NB720) 12,90 Euro
Hat sich
das deutsche Kaiserreich im kolonialen „Schutzgebiet“
Südwestafrika eines Völkermords schuldig gemacht? Die
Bundesregierung und einige deutsche Unternehmen sind von den Herero
auf Wiedergutmachung verklagt worden. Die Auseinandersetzung über
die Bewertung des damaligen Kolonialkrieges macht deutlich, daß
in Deutschland und in Namibia die Zeit des Kolonialismus längst
noch nicht aufgearbeitet ist. Das Buch ist ein Beitrag in der
öffentlichen Debatte um deutsche Kolonialschuld und
Entschädigung. „Juristische Prozesse dienen in diesen
Fällen nicht nur der Einklagung finanzieller Leistungen. Vor
allem erhoffen die Kläger ein Dokument offizieller Anerkennung
des Unrechts, das ihnen angetan worden ist, der Anerkennung der
Leiden, Verluste und Zerstörungen sowie eine offizielle Geste
der Entschuldigung, da sie derartige Würdigungen nie oder nur
unzureichend erhalten haben.“ (Norman Paech).
Gerhard Seyfried: Herero.
Roman. Aufbau Taschenbuch 2004. 640 S. (NB744) 9,95 Euro
Im
Jahre 1903 verschlägt es den jungen Kartographen Carl Ettmann in
eine Küstenstadt in der deutschen Kolonie Südwestafrika.
Dort trifft er die abenteuerelustige Photographin Cecile. Als sie
gemeinsam weiterreisen wollen, bricht überraschend der Aufstand
der Herero los. Während Ettmann den eilig zusammengestellten
deztschen Truppen zur Hilfe eilt, wagt Cecile sich auf das umkämpfte
Gebiet, um einen Herero-Häuptling von der Teilnahme am Aufstand
abzuhalten. Bald muß sie erkennen, wie leichtsinnig ihr
Entschluß gewesen ist. Ein literarisches Ereignis –
Gerhard Seyfrieds imposantes Epos über aufständische
Ureinwohner und deutsche Siedler in den Weiten Afrikas. „Gerhard
Seyfried, Jahrgang 1948, genießt als Cartoonist und
Comic-Zeichner einen legendären Ruf. Daß er auch als
Erzähler zur Meisterklasse gehört, beweist ert mit diesem
Roman, für den er mehrere Jahre lang recherchierte.“
(Aufbau Verlag).
Felicia Langer: Laßt uns wie Menschen leben! Schein und Wirklichkeit in Palästina. Lamuv-Verlag 1999. 208 S. (NB516) 9,90 Euro
Rüdiger Göbel, Joachim
Guilliard, Michael Schiffmann (Hg.): Der Irak. Krieg, Besetzung,
Widerstand. PapyRossa Verlag 2003. 280 S. Pb. (NB692) 15,80
Euro
Beiträge von Naom Chomsky, Knut Mellenthin, Norman
Paech, Hans C. Graf Sponeck u.a.
Martin Dolzer:
Der türkisch-kurdische Konflikt. Menschenrechte –
Frieden – Demokratie in einem europäischen Land?
Pahl-Rugenstein Verlag 2010. 204 S. Pb. (NB1151) 19,90 Euro
Die
historischen Wurzeln heutiger Ereignisse und die Politiken der
beteiligten politischen Akteure zu analysieren hilft, die
Kurdistanpolitik in der Türkei verstehen zu können und
Lösungsvorschläge zu bewerten. Dieses Buch soll dazu
beitragen, eine differenziertere Sichtweise des türkisch-kurdischen
Konflikts zu eröffnen und das Schweigen über gravierende
Menschenrechtsverletzungen und den andauernden Krieg des türkischen
Militärs brechen. Neben der praktizierten Kriegs- und
Assimilationspolitik des türkischen Staates sind dabei
türkischer Nationalismus, rassistische Herangehensweisen und die
Rolle des Militärs genauso Thema wie das Agieren der kurdischen
Bevölkerung und die Politik der kurdischen Bewegung. In diesem
Rahmen wird auch die hauptsächlich auf wirtschaftlichen
Interessen beruhende Politik deutscher und internationaler
Regierungen kritisch beleuchtet.
Jürgen Kuczynski: Was wird aus unserer Welt? Betrachtungen eines Wirtschaftswissenschaflers. Schwarzkopf & Schwarzkopf 1997. 64 S. (NB108z) 5 Euro
Jürgen Kuczynski: Freunde und alte Bekannte. Gespräche mit Thomas Grimm. Schwarzkopf & Schwarzkopf 1997. 256 S. (NB109z) 12,60 Euro
Jürgen Kuczynski: Asche für
Phönix. Aufstieg, Untergang und Wiederkehr neuer
Gesellschaftsordnungen. Eine vergleichende Studie zu Feudalismus,
Kapitalismus und „Realem Sozialismus“. Mit einem Nachwort
von Georg Fülberth. PapyRossa Verlag 1992. 128 S. (NB223) 8,60
Euro
„Der Untergang der ersten, rohen, deformierten
Anfänge des Sozialismus in Osteuropa hat unseren Einblick in das
Werden neuer Gesellschaftsordnungen außerordentlich geschärft“,
meint Jürgen Kuczynski. Seine These: Feudalismus wie
Kapitalismus hatten, ehe sie sich endgültig durchsetzten, ein
gescheitertes Vorspiel. Und der „Reale Sozialismus? Deckt seine
Asche einen Phönix?
Peter
Brückner: Ungehorsam als Tugend. Zivilcourage, Vorurteil,
Mitläufer. Mit einem Vorwort von Barbara Sichtermann. Verlag
Klaus Wagenbach 2008 (Reihe Politik). 144 S. (NB1172). 9,90 Euro
Eine
Auswahl der wichtigsten Texte Peter Brückners. Die
politisch-psychologischen Analysen Brückners sind nicht nur ein
Dokument für die Streitbarkeit der 68er. Diese Sammlung zeigt
vielmehr, dass Brückners Positionen durch ihre begriffliche und
intellektuelle Schärfe auch heute noch aktuell sind,
insbesondere durch ihre Themen: Vorurteil, Mitläufertum,
Zivilcourage, Gehorsam. „Brückner dachte stets über
die Grenzen der eigenen Disziplin hinaus. Wo er analysiert, ist er so
bestechend wie bestürzend, seine Fragen sind so bohrend wie
seine historischen Assoziationen erhellend.“ Fritz J. Raddatz
in Die Zeit.
Peter Brückner: Sozialpsychologie des Kapitalismus. Mit einem Vorwort von Klaus Weber. Argument Verlag 2004 – Neuausgabe der Ausgabe von 1981 (Rowohlt). 184 S. (NB850) 15,90 Euro
„Was soll man von Erfahrungswissenschaften halten, deren Analysen zeigen, daß ihnen der Schreck über Auschwitz nie in die Glieder gefahren ist?“, fragte Peter Brückner vor 20 Jahren in seinem Einleitungstext zu diesem Buch. Orientiert an Adornos Diktum, daß alles unternommen werde, damit Auschwitz sich nicht wiederhole, analysiert Brückner die Formen von Gewalt, welche die bundesrepublikanische Wirklichkeit auszeichneten und die sich bis heute kaum verändert haben. Vor allem die Analysen gewaltförmiger Beziehungen innerhalb der bürgerlichen Familie – später auf den Tatbestand des sexuellen Mißbrauchs verengt und skandalisiert – zeigen, daß Brückner es verstand, Subjektivität (Biografie, Sozialisation etc.) und Gesellschaft (Politik, Ökonomie, Wissenschaft etc.) zusammenzudenken wie kein anderer Sozialpsychologe.
Thomas
Schroedter: Antiautoritäre Pädagogik. Zur Geschichte
und Wiederaneignung eines verfemten Begriffs. Schmetterling Verlag,
Reihe Theorie.org 2007. 204 S. (NB1005) 10 Euro
Der Begriff
„Antiautoritäre Erziehung“ leidet heute in der
Wissenschaft an einer kenntnisarmen „Verteufelung“. Daher
besteht nachhaltiges Interesse an einer überschaubaren und
zugleich fundierten Darstellung antiautoritärer Theorie und
Praxis. Vorgestellt werden die wesentlichen Merkmale antiautoritärer
Pädagogik, ihre Theoretiker und die Institutionen, in denen
Ansätze einer solchen Pädagogik verfolgt wurden und werden.
Vor dem Hintergrund der Geschichte autoritärer Erziehung und der
Kritik an dieser, wird die Aktualität antiautoritärer
Pädagogik hergeleitet. Insbesondere die Antworten konservativer
Pädagogik als Reaktion auf Gewalt von Schülern werden
Problematisiert und mit einer herrschaftskritischen Analyse
konfrontiert. Neben Theorie und Praxis der Kinderladenbewehung der
späten 60er Jahre werden Vorläufer und pädagogische
Ansätze beachtet wie die politischen Strömungen.
Georg Seeßlen: Glatzen und
Glamour. Mythen und Monster der populären Kultur. Konkret
1999. 168 S. (NB15z) 11,66 Euro
In
diesem Buch geht es um die Bilder, die die Gesellschaft von sich und
der Welt produziert, in Bildmaschinen, die sie ganz harmlos Medien
nennt. Es geht unter anderem um die Selbstinszenierung der deutschen
Skinheads, m die schöne und vergebliche Suche nach Sinn im Kino,
um die Unfähigkeit der deutschen Popkultur zur Moderne, um
Eduard 'XY' Zimmermann, Freddy Kruegers teutonischen Vorfahr, um
Liane, ein Mädchen aus dem deutschen Urwald, um das Outfit der
rot-grünen Bundesregierung, um den Weg der großen
TV-Abendunterhaltung vom Bildungserlebnis zur Lottomaschine, um das
Gesamtkunstwerk Arnold Schwarzenegger, um die Selbstdarstellung der
'Frankfurter Allgemeinen Zeitung', um das neudeutsche Komödienkino,
um einen Selbstversuch in der Ferienparadiesmaschine am Lido di
Jesolo und – natürlich – um das Wetter.
Georg Seeßlen: Orgasmus und
Alltag. Kreuz- und Querzüge durch den medialen Mainstream.
Konkret 2000. 168 S. (NB255z) 11,66 Euro
In seinen neuen
kulturkritischen Essays unternimmt Georg Seeßlen Kreuz- und
Querzüge durch die medialen Inszenierungen unserer Alltagswelt.
Er trifft dabei u.a. auf das Phantom der Neuen Mitte, den
„Big-Brother“-geborenen Media-Proll, Bertolt Brecht in
Hollywood, allerlei Katastrophen zu Wasser, zu Lande und in der Luft,
das pornographisierte Universum des Kleinbürgertums, Haifische,
die Presse des populistischen Massenkapitalismus.
Jürgen Roth, Kay Sokolowsky:
Der Dolch im Gewande. Komplotte und Wahnvorstellungen aus
zweitausend Jahren. Konkret 1999. 184 S. (NB19) 11,66 Euro
Über
Paranoia in der Politik
Erwin Geschonneck: Meine unruhigen
Jahre. Lebenserinnerungen. Aufbau Taschenbuch. 376 S. (NB250z)
8,50 Euro
Die Lebenserinnerungen des Schauspielers Erwin
Geschonneck: Agit-Prop-Theater in der Weimarer Republik, Exil,
KZ-Haft, Arbeit an den Hamburger Kammerspielen unter Ida Ehre, Arbeit
mit Brecht am Berliner Ensemble, Filmarbeit bei der DEFA.
„Das Publikum braucht mehr
als trockene Schwarten“ – 90 Jahre Gustav Kiepenheuer
Verlag. Leipzig 2000. 88 S. (NB189) 5,10 Euro
Der Gustav
Kiepenheuer Verlag (Leipzig) ist nicht zu verwechseln mit dem Verlag
Kiepenheuer & Witsch (Köln).
Fritz H. Landshoff: Amsterdam
Keizersgracht 333. Querido Verlag. Erinnerungen eines Verlegers.
Mit Briefen und Dokumenten. Aufbau Taschenbuch 2001. 560 S. (NB345)
12,50 Euro
Fritz Landshoff gehörte zu den herausragendsten
Verlegerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. 1927 bis 1933 war
er Geschäftsführer des Gustav Kiepenheuer Verlags. 1933
gründete er im Amsterdamer Querido-Verlag eine Abteilung für
deutschsprachige Literatur und bot für verfolgte Autoren wie
Klaus und Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger und Anna Seghers eine
verlegerische Heimat im Exil. Landshoffs Erinnerungen geben Auskunft
über Erfolge und Niederlagen bei dem Bemühen,
humanistischer antifaschistischer Literatur Geltung zu verschaffen,
über Freundschaften und den aufreibenden Alltag im Exil. Ergänzt
durch eine Auswahl aus dem Briefwechsel mit Autoren.
Uwe Johnson: Jahrestage. Ausgabe in einem Band. Suhrkamp Taschenbuch ca. 1700 S. (NB284) 29,50 Euro
Peter-Paul
Zahl: Die Glücklichen. Roman. dtv 2001. 528 S. (NB976) 15,50
Euro
„Wie soll man denn Leben? Jörg und Ilona
versuchen es im Berlin der frühen 70er Jahre zwischen Kiffern,
Blues und Bullen, Revoluzzern, Marx und Mao. Üppiger
Anarcho-Roman über die Erfahrungen, Voraussetzungen, Entwürfe,
Wünsche und Utopien der 68er Bewegung und ihrer Nachgeschichte
bis zum ‚deutschen Herbst‘.“ (Klappentext).
Neuausgabe.
Peter-Paul Zahl: Der Domraub.
Ein Schelmenroman. Dtv 2003. 340 S. (NB701) 15 Euro
Welcher
echte Ganove würde nicht vom „Großen Coup“
träumen? Aber Bruder traum und Schwester Tat sind nicht
dasselbe. Als dem ehrlichen und hochgebildeten Kunstdieb, Fälscher
und Hehler Vladimir Heiter ausgerechnet am Allerheiligentag von zwei
kleinen Gaunern der Kölner Domschatz angeboten wird, ist er
entsetzt. Bekenntnisse eines Erzschelmen, der in aller Unschuld zum
Sündenbock wurde. „Ein Schriftsteller von behutsamer
Menschenfreundlichkeit.“ (Fritz J. Raddatz).
Gisela Elsner: Die Riesenzwerge.
Ein Beitrag. Mit einem Nachwort von Hermann Kinder. Aufbau
Taschenbuch. 304 S. (NB549z) 8,50 Euro
Taschenbuchausgabe.
Gisela Elsner:
Heilig Blut. Roman. Verbrecher Verlag 2007. 250 S. (NB998) 14
Euro
Erste deutsche Veröffentlichung. Zu Lebzeiten der
Autorin nur in russischer Übersetzung erschienen. Mit einer
editorischen Notiz und einem Nachwort von Christine Künzel.
Gisela
Elsner: Das Berührungsverbot. Verbrecher Verlag 2006. 220 S.
(NB975) 13 Euro
Neuauflage des 1970 erschienenen Romans.
Mehrere Paare üben sich im sogenannten Gruppensex, um der
Spießigkeit ihres bisherigen Lebens zu entfliehen. Doch der
Ausbruch, der nie einer war, endet nur in einem Akt unglaublicher
Rohheit.
Gisela Elsner: Die Zähmung. Chronik einer Ehe. Roman. Mit einem Nachwort von Tjark Kunstreich. Verbrecher Verlag 2002. 282 S. (NB589) 15 Euro
Christine
Künzel (Hg.): Die letzte Kommunistin. Texte zu Gisela Elsner.
Konkret 2009 (Konkret Texte 49). 144 S. Und Bildtafeln. (NB1131) 14
Euro
Mit ihrem Erstling „Die Riesenzwerge“ (1964)
wurde Gisela Elsner über Nacht berühmt. Doch in den 1980er
Jahren wurde es still um die „schreibende Kleopatra“, die
sich 1992 das Leben nahm. Der Film „Die Unberührbare“
brachte die Autorin im Jahr 2000 kurzzeitig wieder ins Gedächtnis.
Der Band ist ein erster Versuch, Elsners Werke vor dem Hintergrund
aktueller literatur- und kulturwissenschaftlicher Debatten neu zu
verorten und politischen Motiven in Elsners Leben und Schaffen
nachzuspüren. Als „schreibende Kleopatra“ hätte
die „letzte Kommunistin“ der BRD das Zeug zu einer Ikone
gehabt – mit ihrer spektakulären Selbstinszenierung, ihren
monströsen Perücken und tiefschwarz umränderten Augen.
Doch Gisela Elsners Karriere, die 1964 mit dem Roman „Die
Riesenzwerge“ als „vielversprechende Jungautorin“
begann, war kurz und abschüssig. Schon in den 1980er Jahren
schwand das Interesse an ihren bösen Gesellschaftskritiken, und
als sie sich 1992 das Leben nahm, war sie fast völlig vergessen.
Erst seit dem Jahr 2000 kehrte Elsner langsam ins literarische
Bewusstsein zurück, zuerst durch den Spielfilm „Die
Unberührbare“ in der Regie ihres Sohnes Oskar Roehler,
dann durch eine Werkausgabe im Berliner Verbrecher Verlag, und
schließlich begannen Rezensenten sie als „ältere
Schwester Elfriede Jelineks“ zu rühmen. In „Die
letzte Kommunistin“, herausgegeben von Christine Künzel,
würdigen Chris Hirte, Bernhard Jahn, Tjark Kunstreich, Carsten
Mindt, Evelyne Polt-Heinzl, Werner Preuß und Elfriede Jelinek
die „erste Satirikerin Deutschlands“.
Irmgard Keun: Gilgi – eine
von uns. Roman. List Taschenbuch. 272 S. (NB809) 7,95 Euro.
Die
Geschichte des Mädchens Gilgi im Köln der 20er Jahre, mit
der die 26jährige Irmgard Keun 1931 über Nacht berühmt
wurde.
Irmgard Keun: Das kunstseidene
Mädchen. Roman. List Taschenbuch 2004. 256 S. (NB979) 9
Euro
Doris ist Sekretärin bei einem zudringlichen
Rechtsanwalt. Sie will nicht mehr tagaus tagein lange Briefe tippen,
sondern ein Star werden. Sie will in die große Welt, ins Berlin
der Roaring Twenties. Irmgard Keun hat Doris' kunstseidene Abenteuer
" naiv und brillant, witzig und verzweifelt, volkstümlich
und feurig" beschrieben (Hermann Kesten). Bunte Unterhaltung in
Verbindung mit satirischer Zeitkritik - eine seltene Einheit.
Irmgard Keun: Kind aller Länder.
Roman. List Taschenbuch 2004. 224 S. (NB766) 7,95 Euro
Kully
ist erst zehn, aber sie kennt schon Wien, Warschau, Prag und Paris,
denn ihre Eltern sind auf der Flucht vor den Nazis. Kully weiß,
wie schlimm es ist, keinen Paß und kein Geld zu haben, aber sie
gehört nicht zu den Menschen, die sich entmutigen lassen.
Irmgard Keun: Nach Mitternacht.
Roman. List Taschenbuch 2002. 208 S. (NB752) 7,95 Euro
Als
16jährige erlebt Susanne Moder die „Machtergreifung“
und in den folgenden vier Jahren, wie der Terror in das
kleinbürgerliche Leben eindringt. Sie muß sich
entscheiden.
Brigitte Reimann: Hunger auf
Leben. Eine Auswahl aus den Tagebüchern 1955-1970 mit einem
Brief an eine Freundin. Aufbau Taschenbuch 2004. 336 S. Und
Bildtafeln. (NB743) 8,50 Euro
Das Schicksal der
Schriftstellerin Brigitte Reimann hat viele Leser fasziniert, ihre
Tagebücher und Briefe sind einzigartige Zeugnisse eines
ruhelosen, leidenschaftlichen, kreativen Lebens und zugleich
Zeitdokumente, die Geist und Stimmung einer ganzen Periode deutscher
Nachkriegsgeschichte einfangen. Für alle, die Brigitte Reimann
anläßlich der Verfilmung ihrer Tagebücher genauer
kennenlerne möchten, versammelt dieses Buch die bewegendsten
Tagebucheintragungen von 1955 bis 1970.
Brigitte Reimann: Alles schmeckt nach Abschied. Tagebücher 1964-1970. Hg. Von Angela Drescher. Aufbau Taschenbuch 2001. 480 S. (NB343) 10 Euro
William Shakespeare: Sämtliche Werke. Komödien, Poetische Werke, Historien, Tragödien. Aufbau Verlag 2003. 4 Bände im Schuber (NB241) 50 Euro
Francois Villon: Sämtliche Werke. Französisch/Deutsch. Dtv. 336 S. (NB373) 12 Euro
Jean-Paul Sartre: Die Wörter. Autobiographische Schriften. Rororo 1968. 174 S. (NB124) 6,50 Euro
Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen. Mit einem Nachwort von Joseph Peter Strekla. Insel Taschenbuch 128 S. (NB233) 6 Euro
Heinrich Heine: Romanzero. Mit zeitgenössischen Illustrationen und einem Nachwort von Joseph A. Kruse. Insel Taschenbuch 288 S. (NB234z) 7,50 Euro
Heinrich Heine: Hundert Gedichte. Aufbau Verlag. Leinen. (NB561) 12,50 Euro
Jochanan Trilse-Finkelstein:
Heinrich Heine – Gelebter Widerspruch. Eine Biografie.
Aufbau Taschenbuch 2001. 420 S. (NB398) 10 Euro
Der Biograf
veranschaulicht Heines ungewöhnliches Leben und sein
vielfältiges Werk. Aufgrund seines eigenen Lebenslaufs
beschäftigt er sich intensiv mit Heines Judentum.
Charles Chaplin: Die Geschichte meines Lebens. Fischer Taschenbuch. 510 S. (NB328) 12,90 Euro
Paco Ignacio Taibo II: Vier Hände.
Verlag der Buchläden Schwarze Risse/Rote Straße, Verlag
Libertäre Assoziation 1999. 416 S. (NB718) 14,50 Euro
Stan
Laurel und Pancho Villa, Trotzky und die Sandinistas, zwei
Journalisten, immer auf der Suche nach Exklusivinterviews und den
nötigen Dollars; ein Desinformationsbüro in New York, die
Schaffung der Legende für einen Drogenboss... Collagnhaft
verknüpfte Revolutionsgeschichte von Querdenkern aus dem
spanischen Bürgerkrieg, aus Mexiko, Bulgarien, den USA und
Nicaragua fügen sich zusammen zu einem fesselnden Roman, einem
Politthriller von literarischem Rang. Vier Hände wurde mit dem
internationalen Dashiell-Hammet-Preis für de besten
Kriminalroman ausgezeichnet.
Dietrich
Weichold: ... und nebenbei ein toter Lehrer. Kriminalroman.
Schmetterling Verlag 2009. 248 S. (NB1096) 14,80 Euro
Ein
Gymnasium in der idyllischen schwäbischen Provinz: Der beliebte
Mathematiklehrer Bruno Schwarz wird erschlagen im Schulgebäude
aufgefunden, und das ausgerechnet am Morgen des Deutschabiturs. Für
Hauptkommissar Kupfer steht bald außer Frage, daß der
Mörder in den Reihen des Kollegiums zu finden ist. Doch offen
bleibt: Wie tief reichte die Abneigung zwischen Schwarz und dem
Querulanten Detlev Fellbauch, im Lehrerzimmer nur verächtlich
„Faulbaum“ genannt? Was hat jene verblüffende
Entdeckung zu bedeuten, die die Rentnerin Elsbeth Ruckhaberle in
ihrer Mülltonne macht? Und was hat Spanisch- und Englischlehrer
Eberhard Blech zu verbergen, dem eine ungewöhnliche Nähe
zur Abiturientin Sina Pitsch nachgesagt wird? Sinas kleine Schwester
hat ihrem Tagebuch jedenfalls eine Menge zu berichten, und das nicht
nur, weil sie zum ersten Mal verliebt ist. Thematisch hoch aktuell
greift der Roman das Phänomen „Cyberbullying“ auf,
das besonders im schulischen Umfeld an Brisanz gewinnt.
Jean-François
Vilar: Die Verschwundenen. Aus dem Französischen von Barbara
Heber-Schärer und Andrea Stephani. Nachwort von Christian von
Ditfurth. Verlag Assoziation A 2008 (Reihe „noir“). 464
S. (NB1090) 24 Euro
Der Pressefotograf Victor Blainvilles wird
entführt und drei Jahre lang festgehalten, ohne die Motive
seiner Freiheitsberaubung zu erfahren. Im November 1989 wird er
gemeinsam mit seinem Schicksalsgenossen Alex Katz in Paris
unvermittelt auf freien Fuß gesetzt. Kurze Zeit später
wird Alex von einem Lastwagen überfahren. Victor glaubt nicht an
einen Unfall und versucht das Geheimnis der Entführung zu
ergründen. Dabei stößt er auf das Tagebuch von Alex'
Vater Alfred Katz, das ihn in das Jahr 1938 zurückführt:
Alfred Katz war Trotzkist, verkehrte in den Kreisen der
künstlerischen Avantgarde und verliebte sich in Mila, das
wunderschöne Modell des Surrealisten Man Ray. Er wurde Zeuge der
Ermordung von Dissidenten der kommunistischen Bewegung durch
stalinistische Geheimagenten unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten
Weltkrieges. Victor lernt im Laufe seiner Recherchen im Jahr des
Mauerfalls die tschechische Journalistin Solveig kennen und verliebt
sich in sie. Aber auch die Menschenjagd scheint von Neuem zu
beginnen. Wie den verkleideten Bullen entkommen, den Frauen, die
Doppelagentinnen sind, der Geschichte, die uns wieder verrät?
Und vor allem, wer war Alfred Katz? Aus der Überlagerung der
Zeiten und Liebesgeschichten entsteht die narrative Spannung dieses
Romans, der seinen Höhepunkt in einer „surrealen“
Liebesszene in dem kleinen Park St. Jacques erfährt. Vilars
Roman „Die Verschwunden“ wurde im Jahr 2002 von Gilles
Bourdos verfilmt.
Dominique Manotti: Hartes
Pflaster. Roman. Mit einem Interview mit Dominique Manotti.
Assoziation A 2004 (Serie Noir) 336 S. (NB770) 16 Euro
„Noir
ist das Signet einer neuen Reihe im Verlag Assoziation A, die sich
ausschließlich dem roman noir widmet. Eine in Frankreich sehr
erfolgreiche zeitgenössische Form, Geschichte zu erzählen.
In dieser Reihe erscheinen nur solche Krimis, die noch nicht auf
deutsch veröffentlicht wurden, aber in Frankreich so links wie
erfolgreich sind.“ (Verlagsmitteilung).
Frédéric
H. Fajardie: Rote Frauen werden immer schöner. Roman.
Assoziation A (noir) 2003. 192 S. (NB836) 12 Euro
„Einige
der Aktivisten von 68 begannen Krimis zu schreiben. Politische
Krimis. Sie verstehen sie als Fortsetzung des Engagements mit anderen
Mitteln.“ (aus dem Nachwort).
Didier Daenincks: Die
Statisten. Der Mann mit der Sammelbüchse. Kurzgeschichte.
Assoziation A 2005 (Serie Noir). 120 S. (NB873) 9,90 Euro
Valère
Notermans ist Filmliebhaber. Er entdeckt auf einem Festival ein
Filmfragment und macht sich auf die Suche nach dem Schöpfer
dieser faszinierenden Bilder. Er findet ein Universum des Grauens,
das auf den Nationalsozialismus und den Widerstand verweist.
Statisten ist ein knallharter roman noir und eine
faszinierende Geschichtslektion. Daenincks' ironischer Blick auf
Geschichte zeigt sich auch in der Kurzgeschichte Der Mann mit der
Sammelbüchse, in der ein kleiner Drogendealer aus der
bewegtenZeit des Pariser Mai '68 seinen Nutzen zu ziehen weiß,
bis er eines Tages auf die falsche Demo gerät...
Rolo Diez:
Wüstenstaub. Distel Literatur Verlag 2007 (Série
Noire). 264 S. (NB1018) 12,80 Euro
Carlos Hernandez, Elite-Flic
In Mexiko-City, wird wieder mit einer delikaten Affäre betraut.
Er muß die Leiche einer jungen Frau, die in der Hauptstadt bei
einer Sex-Orgie mit honorigen Männern an einer Überdosis
gestorben ist, in ihre Heimatstadt Tijuana an der mexikanischen
Grenze zurückbringen. Was harmlos beginnt, entwickelt sich für
ihn zu einer harten Überlebensprobe: Das örtliche
Drogenkartell und ein Serienmörder jagen ihn um die Wette. Auch
in diesem dreiteiligen Roman entwirft Rolo Diez mit sarkastischem
Humor das Bild einer korrupten, gewalttätigen mexikanischen
Macho-Gesellschaft.
Serge
Quadruppani: Das Weihnachtsessen. Kriminalroman. Série
noire im Distel Literaturverlag 2005. 184 S., stabiler Einband.
(NB889) 14,80 Euro
24. Dezember abends: der Weihnachtsmann
läutet an der Tür der Bankiersfamilie Boutonnier, die
Kinder sind begeistert. In Wirklichkeit nimmt der Weihnachtsmann die
Familie des Bankdirektors und seine Gäste als Geiseln. Aber was
will er wirklich? Hat er tatsächlich vor, die Bank am nächsten
Morgen auszurauben? Oder geht es ihm darum, die honorige Gesellschaft
zu demaskieren und ein perverses, tödliches Spiel mit ihnen zu
treiben? In seinem Gabenkorb hat er für jeden ein passendes
brisantes Geschenk.
Jean-Patrick Manchette: Nada.
Kriminalroman. Distel Literaturverlag 2002 (Série Noire) 216
S. (NB715) 9,90 Euro
Die anarchistische Gruppe „Nada“,
eine Frau und vier Männer, entführt den amerikanischen
Botschafter in Frankreich aus einem Pariser Luxusbordell. Kommissar
Guémond wird von höchster Stelle beauftragt, die
Entführer aufzuspüren. „Nada“ wurde von Claude
Chabrol verfilmt.
Jean-Patrick Manchette: Position:
Anschlag liegend. Kriminalroman. Distel Literatur Verlag 2003
(Série Noire). 192 S. (NB680) 10,80 Euro
Der junge
Martin Terrier hatte einen Plan: In genau zehn Jahren wollte er als
wohlhabender Mann in seine Heimatstadt und zu seiner Jugendliebe
zurückkehren. Um dieses Ziel zu erreichen, trat er als
Berufskiller in die Dienste einer „Firma“. Jetzt will er
aussteigen. Doch die Firma ist von seiner Lebensplanung wenig
begeistert. Verfilmt mit Catherine Deneuve und Alain Delon.
Jean-Patrick Manchette: Fatal.
Kriminalroman. Distel Literaturverlag 2001 (Série Noire) 152
S. (NB656) 9,50 Euro
„Es gibt immer irgendeinen oder
irgendeine, die ein anderes Arschloch umbringen möchten. Zuletzt
bietet man seine Dienste an, möglichst in einer Krisensituation.
Ich sage ihnen nicht, daß ich ein Killer bin. Ich bin eine
Frau...“
Jean-Patrick Manchette:
Knüppeldick. Kriminalroman. Distel Literaturverlag 2001
(Série Noire) 184 S. (NB657) 9,50 Euro
Eugène
Tarpon, Ex-Gendarm und nun Privatdetektiv in Paris, ist nicht sehr
gefragt. Da beauftragt ihn eine nette alte Dame, ihre spurlos
verschwundene blinde Tochter zu suchen. Plötzlich sind sie alle
hinter ihm her: korrupte Polizeibeamte, bretonische Nazis,
durchgeknallte Glaubenseiferer, stahlharte Drogenhändler... und
es kommt knüppeldick.
Chantal Pelletier: Eros und
Thalasso. Kriminalroman. Distel Literaturverlag 2000 (Série
Noire) 208 S. (NB716) 9,50 Euro
Kommissar Maurice Laice ist im
Streß: Zwei Leichen an einem Tag stören das geruhsame
Provinzleben im normannischen Granville – und eine davon
hinterläßt auch noch ihre ungemein lebendige Schwester,
die sich ungebeten in seine Ermittlungen einmischt.
Chantal Pelletier: More is less.
Kriminalroman. Distel Literaturverlag 2004 (Série Noire) 216
S. (NB730) 10 Euro
Kommissar Maurice Laice wurde erneut
versetzt, diesmal von Montmartre ins 19. Arrondissement, ins
„Chinatown“ von Paris. Ein pittoreskes Quartier, wo
rebellierende Jugendliche, asiatische Immigranten und bohemienhafte
Bourgeois aufeinandertreffen. Auf der Suche nach dem Mörder
eines alten Chinesen, der beim morgendlichen Tai-Chi im Park Buttes
Chaumont erschossen wurde, stößt der Kommissar auf eine
reiche Bildhauerin, die ein Doppelleben führt, und gerät
dabei in die Schußlinie.
Emrah Serbes:
BEHZAT Ç – jede berührung hinterläßt
eine spur. Aus dem Türkischen von Oliver Kontny. Edition
Galata 2009. 320 Seiten, engl. Broschur. (NB1107) 14 Euro
Die
Nacht nach Neujahr ist trist in der Betonwüste Ankara –
insbesondere für Hauptkommissar Behzat Ç. Ständig
überlastet zu sein hilft ihm auch heute dabei, die
Trostlosigkeit seines Privatlebens zu vergessen. Als kurz nach
Mitternacht eine junge Frau von der Veranda einer Bar stürzt,
kommt die Funkmeldung für ihn fast wie eine Erlösung. Doch
seine Ermittlungen führen ihn in einen Machtkonflikt mit den
Kollegen vom Staatsschutz. Behzat Ç. ist ein mürrischer
Kettenraucher, der gern flucht, zuschlägt und auch schon mal
foltert, was ihn mit den neuen menschenrechtlichen Bestimmungen
hadern läßt. Serbes gelingt es, detailreiche
Innenansichten des Polizeiapparates und seiner keineswegs sauberen
Beamten zu vermitteln.
G.G. Walter: Über die volle
Distanz. Elefantenpress-Krimi. 256 S. (NB362z) 10,20 Euro
Arif
Schneider, Jahrgang 1945, Betreiber eines kleinen Boxstudios in
München, ist die Luft ausgegangen. Er pendelt nur noch zwischen
Training und Kneipe. Das ändert sich schlagartig, als ihm Djula
buchstäblich in den Schoß fällt. Djula „gehört“
einem serbo-kratischen Zuhälter, beide kommen aus Arifs
bosnischem Heimatdorf. Plötzlich ist alles wieder da, „der
ganze idiotische Jugo-Scheiß“. Arif nimmt den ungleichen
Kampf um seine Liebe auf. Seine Gegner: Zuhälter,
Waffenschieber, Polizei, Politiker und der BND. Eigentlich hat Arif
keine Chance. Aber er ist ein Fighter...
Johann Christian Lotter: Meister
des Feuers. Elefantenpress-Krimi. 224 S. (NB363z) 9,50
Euro
Privatdetektiv Michael Morbius ahnt nicht, auf was er sich
einläßt, als er auf der Suche nach Arbeit bei der
spirituellen Gruppe „Es werde Licht“ anruft. Zunächst
wird sein Angebot, sie bei der Suche nach dem Messias zu
unterstützen, ja auch abgelehnt. Als dann aber die erste
verkohlte Leiche im Sektenquartier der Jesus-Jünger gefunden
wird, braucht man Morbius‘ Hilfe umso mehr. Wer ist der
„Meister des Feuers“, der Menschen auf scheinbar
übernatürliche Weise von innen verbrennen läßt
und willkürlich Feuersbrünste großen Ausmaßes
hervorrufen kann? Atemlos jagt Morbius durch Frankfurt, die Polizei
auf seinen Fersen, hält sie ihn doch für den Täter.
Morbius muß aufpassen, daß er sich nicht die Finger
verbrennt.
Titus Simon: Der Stadionmörder.
Elefantenpress-Krimi. 192 S. (NB366z) 9,50 Euro
Desiderius
Jonas stolpert beim Waldlauf über einen schwerverletzten
Jugendlichen, Opfer eines Überfalls. Kurze Zeit später
geschehen in zwei Fußballstadien zwei Morde. Und jedes Mal ist
Jonas – begeisterter Fußballpilger – in der Nähe.
Er gerät unter Druck. Zumindest zwei der Opfer hat er gekannt.
Was Jonas am Ende herausfindet, setzt ihn in Erstaunen, bringt ihn
aber auf die richtige Spur. Und die führt ihn zurück in die
Niederungen der schwäbischen Provinzpolitik.
Reinhard Wissdorf: Shabou.
Elefantenpress-Krimi. 192 S. (NB367z) 9,50 Euro
Eine unbekannte
Eurasierin verwechselt Koscinskis Auto mit einem Taxi und manövriert
ihn in eine Verfolgungsjagd. Ein Komplott, in dem es um
Amphetamin-Schmuggel, langbeinige Rothaarige, Seilschaften bei der
Ex-DDR-Kripo und Ninjas auf Abwegen geht...
Gudrun Güth: Tote sprayen
nicht. Elefantenpress-Krimi. 192 S. (NB368z) 9,50 Euro
Alice,
Lehrerin im Ruhrbiet, stolpert im Fahrradkeller über den Toten
Schüler Marvin. Kriminalbeamtin Axt stößt auf die
dubiose Beratungsfirma KUG (“Kreative Umgrstaltung“).
Wolfgang Burger: Mordsverkehr.
Espresso Krimi 2001. 224 S. (NB410z) 9,65 Euro
Ein Krimi um
einen fanatischen Autohasser, eine im Dunklen tappende
Sonderkommission, alle herunterspielende Stadtpolitiker und eine
Schlagzeilen jagende Presse. Ein Krimi, an den Sie noch oft
zurückdenken werden, wenn Sie den Zündschlüssel
drehen.
Thomas Pfanner: Glaube Liebe Mord.
Espresso Krimi 2001. 256 S. (NB412z) 10,20 Euro
Das
Polizisten-Duo Katja Preuß und Dabiel Joya hat es mit einem
schwierigen und blutigen Fall zu tun, in dem erst spät die
Fronten klar sind. Zuerst wird die katholosche Kirche per Internet um
etliche Millionen erleichtert. Dann detonieren Bomben, deren Ziel
immer Versammlungen katholischer Würdenträger sind. Anfangs
deutet alles auf eine neue terroristische Vereinigung hin...
André
Héléna: Die Bullen haben immer recht.
Kriminalroman. Aus dem Französischen übersetzt von Cornelia
Wend. Edition Nautilus 1997. 192 S. Hc. (NB856) 14,90 Euro
*
André Héléna, 1919 geboren, Regieassistent,
Film-Szenarist, Bohemien, Journalist und Autor, lebte bis zu seinem
Tod 1972 überwiegend in Paris. Wie sein Freund Léo Malet
fühlte er sich besonders dem „Roman noir“
verpflichtet. Er schrieb zahlreiche Serien, Romane und Krimis im
schwarzen Stil.
Robert Brack: Nachtkommando. Thriller. Edition Nautilus Hamburg 1998. 224 S. Hc. (NB857) 7,90 Euro
Dashiell Hammet: Der gläserne Schlüssel. Roman. Diogenes Taschenbuch. 272 S. (NB1112) 9,90 Euro
Marie Agnès Combesque. Sklaven. Zwischen Krieg und Elend. Elefantenpress Jugendbuch, Edition „Ich klage an“. 112 S. (NB74z) 10 Euro
Victor Hugo: Les Misérables. Die Elenden. Roman. Aufbau Taschenbuch. 608 S. (NB559) 10 Euro
Ernest Hemingway: Wem die Stunde
schlägt. Roman. Fischer Taschenbuch. 560 S. (NB351) 9,90
Euro
Als Reporter im spanischen Bürgerkrieg engagierte
sich Hemingway für die republikanische Seite gegen die
Faschisten.
Nazim Hikmet: Die Luft ist schwer wie Blei. Hava Kursun Gibi Agir. Gedichte türkisch/deutsch. Dagyeli Verlag 2000. 272 S. (NB668) 18,50 Euro
Nazim Hikmet: Das schönste Meer ist das noch nicht befahrene. En Güzel Deniz Henüz Gidilmemis Olanidir. Liebesgedichte türkisch/deutsch. Dagyeli Verlag 2001. 248 S. (NB669) 18,50 Euro
Nazim Hikmet: Eine Reise ohne Rückkehr. Dönüsü Olmayan Yolculuc. Gedichte und Poema türkisch/deutsch. Dagyeli Verlag 2001. 284 S. (NB670) 18,50 Euro
Tschingis Aitmatow: Dshamilja.
Unionsverlag. 96 S. (NB545) 4,95 Euro
1956 verfaßte
Tschingis Aitmatov am Maxim-Gorki-Litraturinstitut in Moskau als
Diplomarbeit eine Geschichte und gab ihr den Titel „Dshamilja“.
Seither geht sie um die ganze Welt. Sie ist „zur Gefährtin
all jener geworden, die an die Liebe glauben“. „Ich
schwöre es, es ist die schönste Liebesgeschichte der Welt.“
(Louis Aragon).
Gabriel García Márquez: Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt. Roman. Fischer Taschenbuch. 128 S. (NB1030) 7,90 Euro
Gabriel García Márquez: Das Leichenbegängnis der Großen Mama. Erzählungen. Fischer Taschenbuch 2004. 112 S. (NB769) 8,90 Euro
Pablo Neruda: Ich bekenne, ich
habe gelebt. Memoiren. Sammlung Luchterhand. 478 S. (NB989) 11,50
Euro
„Habt Erbarmen mit diesen Jahrhunderten und mit
denen, die glücklich oder geschunden sie überlebten...“
Pablo Neruda, einer der größten Dichter der
spanischsprachigen Literatur und einzigartig als Mensch, als
Politiker und Kommunist, hat mit seinen Memioren ein grandioses
Dokument seines Lebens und seiner Welt hinterlassen.
Pablo Neruda: Anstiftung – Incitación zur Beseitigung Nixons und Lobrede auf die chilenische Revolution. Zweisprachig spanisch – deutsch. Atlantik Verlag 2004. (NB763) 15 Euro
José
Saramago: Hoffnung im Alentejo. Roman. Rororo 1987. 320 S.
(NB378) 7,90 Euro
Die Provinz Alentejo, das Land der Sonne, des
Weizens, der Olivenhaine und der Korkeichen, das Land der
Großgrundbesitzer und der Tagelöhner. Der portugiesische
Romancier José Saramago (Literatur-Nobelpreis 1998) verfolgt
hier das Schicksal einer Tagelöhnerfamilie über vier
Generationen, von der Jahrhundertwende bis kurz nach der Revolution
1974.
José Saramago: Das
Memorial. Roman. Rororo 1992. 464 S. (NB379) 10,90 Euro
Portugal
gehörte zu Beginn des 18. Jahrhunderts die halbe Welt, während
im Mutterland der finstere Geist der Inquisition herrscht.
Historischer Roman über ein vom Feudalismus geschundenes Volk.
Howard Fast:
Spartacus. Mit einer Einführung von Howard Fast und einem
Nachwort von Raphael Zehnder. Unionsverlag 2005. 384 S. (NB1011)
11,90 Euro
Rom im Jahr 73 vor unserer Zeitrechnung. Besonderer
Beliebtheit beim Publikum erfreuen sich die Gladiatorenkämpfe
auf Leben und Tod. Auch der Sklave Spartacus ist von der Bergwerken
der Nubischen Wüste in die Gladiatorenschule von Capua
verschleppt worden. Als er und seine Mitgefangenen rebellieren, wird
aus der lokalen Revolte ein Flächenbrand: Spartacus führt
den größten Sklavenaufstand der Geschichte an, der das
Römische Reich in seinen Grundfesten erschüttert. Howard
Fasts historischer Roman entwirft ein Panorama der römischen
Gesellschaft. Der 1951 erschienene Roman wurde 1960 von Stanley
Kubrick verfilmt. Hauptdarsteller und Produzent Kirk Douglas setzte
sich dafür ein, daß neben dem Autor Howard Fast auch
andere Filmschaffende, die auf der „Schwarzen Liste“ des
„Kommunistenjägers“ Joseph McCarthy standen, an der
Produktion beteiligt wurden.
Umberto Eco: Der Name der Rose. Roman. Dtv. 688 S. (NB380) 10 Euro
Leonardo Sciascia: Der Tag der
Eule. Roman. Aufbau Taschenbuch 2000. 144 S. (NB390) 7,50
Euro
Sciascia stellte in seinen Romanen den Zusammenhang
zwischen der italienischen Mafia und dem politischen Establishment
dar.
Günter Grass: Die Rättin. Dtv. (NB374) 11 Euro
Günter Grass: Der Butt. Roman. Dtv. (NB375) 13 Euro
Günter Grass: Katz und Maus. Eine Novelle. Dtv. (NB376) 7 Euro
Martin Andersen Nexö:
Bornholmer Novellen. Aufbau Taschenbuch 2004. 208 S. (NB722) 8,50
Euro
Andersen Nexö kannte die Insel und seine Bewohner.
Hier hatte der gebürtige Kopenhagener seine Kindheit und Jugend
verbracht. Besessene sind es, die Fischer und Bauern von Bornholm.
Kopfüber stürzen sie sich in den Lebensstrudel, denn die
ungestüme Natur hat sie gelehrt, für eine Brise Glück
alles zu riskieren.
Martin Andersen Nexö: Pelle
der Eroberer. Roman. Aufbau Taschenbuch Verlag 2004. Zwei Bände
im Schuber, zus. 1310 S. (NB723) 20 Euro
„Pelle der
Eroberer“, 1906 erschienen, gehört zu den großen
Romanen der Weltliteratur. Der Lebensweg des jungen Pelle ist zum
Teil Nexös eigene Geschichte. Hier wie in allen seinen Werken
schöpfte der dänische Erzähler aus dem Reichtum
erlebter Wirklichkeit.
Martin Andersen Nexö: Ditte Menschenkind. Roman. Aufbau Taschenbuch. 732 S. (NB698) 10 Euro
Martin Andersen Nexö: Die Küste der Kindheit. Die schönsten Erzählungen. Aufbau Taschenbuch 2001. 320 S. (NB344) 7,95 Euro
Emile Zola: Der Totschläger.
Roman. Aufbau Taschenbuch 2002. 512 S. (NB606) 10 Euro
Die
Wäscherin Gervaise wurde zu einer der berühmtesten
Frauengestalten der Weltliteratur. Der siebte Band des
Roman-Zyklus „Die Rougon-Macquart“.
Emile Zola: Nana. Roman.
Aufbau Taschenbuch 2002. 480 S. (NB605) 10 Euro
Zolas
berühmtester Roman. Der neunte Band des Roman-Zyklus „Die
Rougon-Macquart“.
Emile Zola: Das Werk. Roman.
Aufbau Taschenbuch 2002. 464 S. (NB604) 10 Euro
Maler haben zum
Freundeskreis Zolas gehört. Zu diesem Roman wurde Zila durch
Césanne angeregt. Der vierzehnte Band des Roman-Zyklus „Die
Rougon-Macquart“.
Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür und ausgewählte Erzählungen. Mit einem Nachwort von Heinrich Böll. Rororo 1956. 128 S. (NB121) 5,95 Euro
Wolfgang Borchert: Die traurigen Geranien und andere Geschichten aus dem Nachlaß. Hg. Und mit einem Nachwort von Peter Rühmkorf. Rororo 1967. (NB122) 128 S. 6,95 Euro
Wolfgang Borchert: Das Gesamtwerk. Rowohlt gebundene Ausgabe. (NB123) 14,90 Euro
Wolfgang
Borchert: Das Gesamtwerk. Herausgegeben von Michael Töteberg
unter Mitarbeit von Irmgard Schindler. rororo 2007. 576 S. (NB1133)
11 Euro
Mit nur zwei Dutzend Kurzgeschichten, einer Handvoll
Gedichte und dem Theaterstück „Draußen vor der Tür“
wurde Wolfgang Borchert zur wichtigsten Stimme der deutschen
Nachkriegsliteratur. Sie hat bis heute nichts von ihrer Wirkung
eingebüßt. Für die Neuausgabe des 1949 erschienenen
Gesamtwerks sind sämtliche Texte anhand von Manuskripten und
Erstdrucken revidiert und seinerzeit getilgte Passagen wieder
eingefügt worden.
Wolfgang Borchert mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von Peter Rühmkof. rororo bildmonographie. 192 S. (NB1134) 7,50 Euro
Brecht heute. Politische Gedichte. Verlag Neues Leben. 112 S. (NB1049) 4,90 Euro
Tucholsky heute. Deutsche, kauft deutsche Zitronen. Verlag Neues Leben. 112 S. (NB1050) 4,90 Euro
Egon Erwin Kisch: Aus Prager Gassen und Nächten. Aufbau Taschenbuch Verlag 208 S. (NB164z) 7,55 Euro
Egon Erwin Kisch: Marktplatz der Sensationen. Aufbau Taschenbuch Verlag 1997. 272 S. (NB167z) 8,50 Euro
Egon Erwin Kisch: Der rasende Reporter. Aufbau Taschenbuch Verlag 1996. 368 S. (NB168) 8,95 Euro
Egon Erwin Kisch: Wagnisse in aller Welt. Aufbau Taschenbuch Verlag 1995. 208 S. (NB171z) 7,60 Euro
Egon Erwin Kisch: Kriminalistisches Reisebuch. Aufbau Taschenbuch Verlag 1994. 112 S. (NB172z) 5,60 Euro
Egon Erwin Kisch: Zaren, Popen, Bolschewiken. Aufbau Taschenbuch Verlag 1992. 240 S. (NB173z) 7,55 Euro
Egon Erwin Kisch: Die Abenteuer in Prag. Aufbau Taschenbuch, zwei Bände (NB434z) 12,70 Euro
Anna Seghers: Überfahrt.
Eine Liebesgeschichte. Aufbau Taschenbuch 1997. 144 S. (NB185z) 7,15
Euro
„Mit einer Abfahrt ist nichts zu vergleichen. Keine
Ankunft, kein Wiedersehen. Man läßt den Erdteil endgültig
hinter sich zurück. Und was man dort auch alles erlebt hat an
Leiden und Freuden, wenn die Schiffsbrücke hochgezogen wird,
dann liegen vor einem drei reine Wochen Meer.“
Anna Seghers: Karibische
Geschichten. Aufbau Taschenbuch 2000. 256 S. (NB245) 6 Euro
Die
Hochzeit von Haiti; Wiedereinführung der Sklaverei in
Guadeloupe; Das Licht auf dem Galgen.
Anna Seghers: Das siebte Kreuz. Ein Roman aus Hitlerdeutschland. Aufbau Taschenbuch 2000. 448 S. (NB247) 8,50 Euro
Anna Seghers: Die Rettung. Roman. Aufbau Taschenbuch 1995. 528 S. (NB266z) 9,15 Euro
Anna Seghers: Transit. Roman.
Aufbau Taschenbuch 1997. 304 S. (NB267) 7,95 Euro
Über die
Flucht der Emigranten aus dem besetzten Frankreich.
Anna Seghers: Der Ausflug der toten Mädchen und andere Erzählungen. Aufbau Taschenbuch 1997. 144 S. (NB271) 4,95 Euro
Anna Seghers: Sonderbare Begegnungen. Drei Erzählungen. Aufbau Taschenbuch 1994. 144 S. (NB439z) 6,55 Euro
Anna Seghers: Sämtliche
Erzählungen 1924-1980. Aufbau Taschenbuch 6 Bände im
Schuber. (NB184) 35 Euro
Erzählungen schrieb Anna Seghers
ein Leben lang. Geschichten waren die ersten Arbeiten, die sie
veröffentlichte, und die letzten. Mit dieser Sammlung sind,
chronologisch geordnet, erstmals alle zugänglichen Erzählungen
von Anna Seghers zusammengefaßt. In sechs Bänden ist ein
unglaublich facettenhaftes Werk gebündelt, das Erzählungen
bietet, die zu den schönsten der deutschen Literatur gehören.
Lion Feuchtwanger: Der falsche
Nero. Roman. Aufbau Taschenbuch 1996. 400 S. (NB181) 8,50
Euro
Eine der großen politischen Betrugsaffären der
Weltgeschichte wird für Lion Feuchtwanger – im dritten
Jahr der Nazidiktatur – zur Vorlage für eine grandiose
Parodie auf das Triumvirat Hitler, Göring, Goebbels.
Lion Feuchtwanger: Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis. Roman. Aufbau Taschenbuch 2000. 608 S. (NB182) 12,50 Euro
Lion Feuchtwanger: Der Tag wird kommen. Roman. Aufbau Taschenbuch 1999. 416 S. (NB183) 10 Euro
Lion Feuchtwanger: Der tönerne Gott. Roman. Aufbau Taschenbuch 2000. 192 S. (NB214) 7,95 Euro
Lion Feuchtwanger: Simone. Roman. Aufbau Taschenbuch 1996. 256 S. (NB273) 8,50 Euro
Lion Feuchtwanger: Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz. Roman. Aufbau Taschenbuch 1995. 816 S. (NB274) 12,50 Euro
Lion Feuchtwanger: Die Brüder Lautensack. Roman. Aufbau Taschenbuch 1991. 338 S. (NB275) 8,95 Euro
Lion Feuchtwanger: Exil. Roman. Aufbau Taschenbuch 1998. 862 S. (NB276) 12,50 Euro
Lion Feuchtwanger: Die Geschwister Oppermann. Roman. Aufbau Taschenbuch 1999. 368 S. (NB277) 8,50 Euro
Lion Feuchtwanger: Die häßliche Herzogin. Roman. Aufbau Taschenbuch. 240 S. (NB438) 8,50 Euro
Lion Feuchtwanger: Jefta und seine Tochter. Roman. Aufbau-Taschenbuch 2002. 304 S. (NB551) 8,50 Euro
Lion Feuchtwanger: Die große
Passion des Klavierspielers Morgenroth. Erzählungen. Aufbau
Taschenbuch. 384 S. (NB553) 8,95 Euro
Sämtliche, bisher
verstreut in Sammlungen erschienene Erzählungen Feuchtwangers
und Geschichten aus dem Nachlaß.
Lion Feuchtwanger: Die
Josephus-Trilogie. Der jüdische Krieg, Die Söhne, Der
Tag wird kommen. Aufbau Taschenbuch Verlag. Drei Bände im
Schuber. (NB557) 25 Euro
Mit den Freiheiten eines historischen
Romans erzählt Lion Feuchtwanger das Leben des jüdischen
Geschichtsschreibers Flavius Josephus (37-100). Im Hintergrund die
Verhältnisse im damaligen Palästina und am römischen
Hof. Im Zentrum Fragen der Gegenwart: Nationalismus oder
Weltbürgertum.
Lion Feuchtwanger: Die Füchse
im Weinberg. Roman. Mit einem Nachwort des Autors von 1952 und
einer Nachbemerkung von Gisela Lüttich. Aufbau Taschenbuch 2004.
992 S. (NB703) 12,50 Euro
1776: Mitten in der heiteren
Untergangsstimmung am Hofe von Versailles treffen zwei Rivalen
aufeinander, die gegensätzlicher nicht sein könnten und
doch dasselbe wollen: der französische Lebemann und
Komödiendichter Beaumarchais und Benjamin Franklin, der korrekte
Abgesandte des amerikanischen Kongresses. Louis XVI soll die Rebellen
in Übersee unterstützen. In einem opulenten Szenario mit
üppig besetzter Personage, vom Hofstaat bis zur französischen
Geisteselite, werden Intrigen ausgefochten, Ränke geschmiedet,
Leidenschaften ausgelebt. Aber schließlich hat sich die
Weltgeschichte doch um ein Stück nach vorn bewegt. „Sie
werden ohne weiteres verstehen, daß der Held des Romans nicht
Benjamin Franklin ist, auch nicht Beaumarchais, auch nicht der König
oder Voltaire, sondern jener unsichtbare Lenker der Geschichte, der,
im achtzehnten Jahrhundert entdeckt, im neunzehnten Jahrhundert
deutlich erkannt, beschrieben und gepriesen wurde, um dann im
zwanzigsten Jahrhundert bitter verleugnet und verleumdet zu werden:
der Fortschritt.“ (Lion Feuchtwanger).
Heinrich Mann: Ein ernstes Leben. Roman. Mit einem Nachwort von Elke Segelcke und einem Materialienanhang. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden 1991. 336 S. (NB228) 9,90 Euro
Heinrich Mann: Der Untertan. Roman. Fischer Taschenbuch. 496 S. (NB288) 8,90 Euro
Heinrich Mann: Professor Unrat. Roman. Rororo 190 S. (NB289) 6,90 Euro
Heinrich Mann: Die Göttinnen. Die drei Romane der Herzogin von Assy. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. Band I: Diana. 384 S. (NB290) 8,40 Euro Band II: Minerva. 368 S. (NB291) 8,40 Euro Band III: Venus. 352 S. (NB292) 8,95 Euro
Heinrich Mann: Die Armen. Roman. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 320 S. (NB293) 9,95 Euro
Heinrich Mann: Im Schlaraffenland. Ein Roman unter feinen Leuten. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 482 S. (NB293) 10,95 Euro
Heinrich Mann: Empfang bei der Welt. Roman. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 464 S. (NB294) 9,90 Euro
Heinrich Mann: Ein Zeitalter wird besichtigt. Erinnerungen. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 768 S. (NB295) 14,95 Euro
Heinrich Mann: Flöten und Dolche. Novellen. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 160 S. (NB296) 6,40 Euro
Heinrich Mann: Der Haß. Deutsche Zeitgeschichte. Essays. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 240 S. (NB297) 7,40 Euro
Heinrich Mann: Die Jugend des Königs Henri Quatre. Roman. Fischer Taschenbuch. 720 S. (NB628) 14,95 Euro
Heinrich Mann: Die Vollendung des Königs Henri Quatre. Roman. Mit einem Anhang. Fischer Taschenbuch. 1120 S. (NB629) 16,95 Euro
Stefan Ringel: Heinrich Mann –
Ein Leben wird besichtigt. Eine Biographie. Aufbau Taschenbuch.
592 S. (NB562) 12,50 Euro
„Ich bin ebenso gewöhnlich
wie auserlesen“, sagte Heinrich Mann über sich selbst.
Doch die Literaturgeschichte verbannte ihn zumeist in den Schatten
seines jüngeren Bruders Thomas Mann. Stafan Ringel rückt
den Autor des „Untertan“ aus diesem Schatten heraus und
interpretiert so fundiert wie unterhaltsam Leben, Werk sowie das
politische Engagement eines der bedeutendsten Schriftsteller des 20.
Jahrhunderts.
Klaus Mann: Mephisto. Roman einer Karriere. Rororo. 402 S. (NB332) 8,90 Euro
Klaus Mann: Der Wendepunkt. Ein Lebensbericht. Mit einem Nachwort von Frido Mann. Rororo. 542 S. (NB333) 9,90 Euro
Klaus Mann: Der Vulkan. Roman unter Emigranten. Mit einem Nachwort von Michael Töteberg und 30 Szenenfotos aus der Verfilmung von Ottokar Runze. Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. Rororo. 576 S. (NB529) 9,90 Euro
Thomas Mann: Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Roman. Fischer Taschenbuch. 768 S. (NB1161) 9,95 Euro
Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg. Edition suhrkamp. 128 S. (NB470) 5,50 Euro
Bertolt Brecht: Der kaukasische Kreidekreis. Edition suhrkamp. 132 S. (NB463) 5 Euro
Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan. Parabelstück. Edition Suhrkamp. 158 S. (NB465) 5,50 Euro
Bertolt Brecht: Die heilige Johanna der Schlachthöfe. Edition suhrkamp. 160 S. (NB467) 6 Euro
Bertolt Brecht: Herr Puntila und sein Knecht Matti. Volksstück. Edition suhrkamp. 144 S. (NB469) 5,50 Euro
Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper. Edition suhrkamp. 128 S. (NB461) 5,50 Euro
Bertolt Brecht: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Oper. Edition suhrkamp. 112 S. (NB466) 6 Euro
Bertolt Brecht: Baal. Drei Fassungen. Kritisch ediert und kommentiert von Dieter Schmidt. Edition suhrkamp. 232 S. (NB464) 9,00 Euro
Bertolt Brecht: Die Maßnahme. Zwei Fassungen. Anmerkungen. edition suhrkamp. 112 S. (NB1199) 7,50 Euro
Bertolt Brecht: Leben des Galilei. Schauspiel. Edition suhrkamp. 144 S. (NB460) 5,50 Euro
Bertolt Brecht: Schwejk im zweiten Weltkrieg. Edition suhrkamp. 128 S. (NB462) 7,50 Euro
Bertolt Brecht: Furcht und Elend des Dritten Reiches. Edition suhrkamp. 144 S. (NB468) 7 Euro
Bertolt Brecht: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui. Edition Suhrkamp. 144 S. (NB900) 5,50 Euro
Bertolt Brecht: Ausgewählte Gedichte. Ausgewählt von Siegfried Unseld. Nachwort von Walter Jens. edition suhrkamp. 112 S. (NB1200) 7,00 Euro
Bertolt Brecht: Hundert Gedichte
1918-1950. Aufbau Verlag 1998. 268 S. (NB476z) 9,20 Euro
Die
von Wiland Herzfelde besorgte Auswahl wurde von Brecht autorisiert
und erschien erstmals 1951.
Bertolt Brecht: Kriegsfibel.
Nachwort von Günter Kunert. Eulenspiegel Verlag. 170 S. (NB494z)
22 Euro
In diesem großformatigen Bildband sind die
Kriegsfotos gesammelt, die Brecht aus Zeitungen und Zeitschriften
ausschnitt und mit Vierzeilern kommentierte.
Bertolt Brecht: Buckower Elegien / Gedichte aus dem Exil. Insel-Bücherei. 56 S. Hc. (NB478) 9,80 Euro
Bertolt Brecht: Liebesgedichte. Ausgewählt von Elisabeth Hauptmann. Insel-Bücherei. 70 S. Hc. (NB477) 9,80 Euro
Bertolt Brecht: Gedichte über die Liebe. Ausgewählt von Werner Hecht. Suhrkamp taschenbuch. 256 S. (NB481) 8 Euro
Bertolt Brecht: Dreigroschenroman. Suhrkamp Taschenbuch. 400 S. (NB879) 11,50 Euro
Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner. Suhrkamp taschenbuch. 128 S. (NB471) 6 Euro
Bertolt Brecht: Kalendergeschichten. Rororo. 128 S. (NB474) 4,90 Euro
Bertolt Brecht: Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar. Romanfragment. Rororo. 158 S. (NB473) 4,50 Euro
Bertolt Brecht: Flüchtlingsgespräche. Suhrkamp taschenbuch. 176 S. (NB472) 7 Euro
Bertolt Brecht: Me-ti. Buch der Wendungen. Bibliothek Suhrkamp. 196 S. Hc. Mit SchU. (NB475) 12,80 Euro
Bertolt
Brecht: Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter
Ausgabe. Hg. von Werner Hecht, Jan Knopf, Werner Mittenzwei,
Klaus D. Müller. Suhrkamp Verlag. 30 Bände (33 Teilbände).
Band 1-10: Stücke, Bd. 11-15: Gedichte, Bd. 16-20: Prosa, Bd.
21-25: Schriften, Bd. 26-27: Jornale, Bd. 28-30: Briefe,
Registerband. Jeder Band enthält einen ausführlichen
Apparat über Entstehung, Wirkung, Textfassungen und einen
Zeilenkommentar. ca. 22.000 Seiten, jeder Band Leinen mit
Schutzumschlag und zwei Lesebändchen. (NB 980) 1280 Euro
Die
meisten Bände sind noch einzeln lieferbar.
Brecht heute.
Politische Gedichte. Verlag Neues Leben. 112 S. im Kleinformat
(NB972) 4,90 Euro
Das Bändchen enthält nicht nur
berühmte große Gedichte, die wieder und neu zu lesen
lohnt. Es finden sich auch weniger bekannte Texte, deren erstaunliche
Aktualität von den gesellschaftlichen Verhältnissen
herrührt, in denen wir leben und die schon Brecht bekämpfte.
Bertolt Brecht: Lektüre für Minuten. Gedanken aus seinen Büchern und Briefen. Suhrkamp Verlag 192 S. Hc. (NB480) 8,80 Euro
Bertolt Brecht: Werke. Große
kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Suhrkamp Verlag.
30 Bände in 33 Einzelbänden, Ln. Mit SchU. (NB492) 1280
Euro
Bände auch einzeln lieferbar.
Bertolt Brechts Die Ernte. Die Augsburger Schülerzeitschrift und ihr wichtigster Autor. Gesamtausgabe. Maro Verlag. 156 S. Großformat. Hc., 90 Abb. Und eine Faksimile-Beilage. (NB479z) 22 Euro
Werner Mittenzwei: Das Leben des
Bertolt Brecht oder der Umgang mit den Welträtseln. Aufbau
Taschenbuch. 2 Bände im Schuber, zus. 1524 S. (NB482z) 25,50
Euro
Die bisher umfangreichste, spannend zu lesende
Brecht-Biografie.
Werner Hecht: Brecht-Chronik 1898 – 1956. Suhrkamp Verlag. 1200 S., zahlr. Abb. Ln. Im Schuber. (NB491) 76 Euro
Bertolt
Brecht. Dargestellt von Reinhold Jaretzky. rowohlts monographien
2006. 160 S. mit zahlreichen Abbildungen. (NB1139) 8,50 Euro
Dieser
Band ersetzt die 1959 erschienene Monographie von Marianne Kesting.
Bertolt Brecht. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von Marianne Kesting. Rowohlts monographien. 190 S. (NB490) 7,50 Euro
Friedrich Dieckmann: Wer war
Brecht? Erkundungen und Erörterungen. Aufbau Taschenbuch
2003. 224 S. (NB678z) 7,95 Euro
Brecht ist ein verborgener
Dichter, was wenig auffiel, solange er in aller Munde war. Daß
er nicht mehr Mode ist, begünstigt den Versuch, den Quellen und
Antrieben seiner dichterischen Existenz nachzuspüren. Friedrich
Dieckmann unternimmt es, jenen Firnis abzulösen, mit dem der
Ruhm Werk und Person dieses Jahrhundertdichters lange Zeit überzog,
und ihn dort aufzusuchen, wo er sich preisgibt: in seinem Werk.
Marcel Reich-Ranicki: Ungeheuer oben. Über Bertolt Brecht. Erweiterte Neuausgabe. Aufbau Taschenbuch 2001. 160 S. (NB442) 7,95 Euro
Werner Frisch, K.W. Obermeier:
Brecht in Augsburg. Erinnerungen, Dokumente, Fotos. Mit einem
Vorwort von Werner Mittenzwei. Aufbau Taschenbuch 1997. 290 S. 127
Abb. (NB485z) 10,20 Euro
Diese Untersuchung erschien erstmals
1975. Alle erreichbaren Quellen wurden ausgewertet, Zeitzeugen
befragt. So entstand ein komplettes Bild der Augsburger Jahre.
„Denken heißt
verändern...“. Erinnerungen an Bertolt Brecht. Hg. Von
Joachim Lang und Jürgen Hillersheim. Maro Verlag. 192 S. Mit
einigen Abb. (NB486z) 16,40 Euro
Das Buch zur Fernsehserie von
ARD und arte. Gespräche mit Mitarbeitern und Zeitzegen: Benno
Besson, Erwin Geschonneck, Käthe Reichel, Ekkehard Schall,
Manfred Wekwerth u.a.
Armin Stolper: Meine kleine Brecht-Postille. Zum 100. Geburtstag von bb. Spotless Verlag 1998. 112 S. (NB487z) 5,11 Euro
Wolfgang Bömelburg: Hobellied
für Bertolt Brecht. Ein Theatertischler erzählt.
Eulenspiegel Verlag 1997. 112 S. Hc. 20 Abb. (NB488z) 12
Euro
Theatergeschichte aus einer anderen Perspektive. Wolfgang
Bömelburg war von 1951 bis 1995 zuerst als Theatertischler, dann
als Bühnenmeister beim Berliner Ensemble.
Sabine Kebir: Helene Weigel –
Abstieg in den Ruhm. Eine Biographie. Aufbau Taschenbuch 2002.
432 S. (NB564) 10 Euro
Als „lärmendste
Schauspielerin Berlins“ machte sich Helene Weigel in den 20er
Jahren einen Namen. Mit eher leisen Tönen erlangte sie
schließlich Weltruhm – als Bertolt Brechts „Primadonna
im proletarischen Gewand“. Viele Spuren ihres Lebens, aber auch
viele Quellen ihrer Kunst hat sie meisterhaft verwischt. Schlichtheit
und Schweigen gehörten zum raffinierten Arsenal dieser
einmaligen Schauspielerin. Sabine Kebir, bekannt durch provokante
Studien über Brecht und seine Mitarbeiterinnen, ermittelte aus
vielen Zeugnissen die nachhaltigen Eindrücke, die die Weigel bei
Kollegen, Kritikern, bei Freunden und ihrer Familie hinterließ.
Sie rekonstruiert das Bild einer ungewöhnlichen Frau, die sich
in der Kunst und in ihrem Leben als couragierte Avantgardistin
weiblicher Emanzipation behauptete.
Sabine Kebir: Ich fragte nicht
nach meinem Anteil. Elisabeth Hauptmanns Arbeit mit Bertolt
Brecht. Aufbau Taschenbuch 2000. 300 S. Einige Abb. (NB286z) 8,95
Euro
Hat Brecht tatsächlich seinen Weltruhm im Austausch
von „sex for text“ erworben? Auf Kosten seiner
Mitarbeiterinnen also, wie es der amerikanische Literaturprofessor
John Fuegi behauptet? Sabine Kebir tritt mit einer temperamentvollen
Streitschrift gegen diese Auffassung an. Ihre Zeugin ist Elisabeth
Hauptmann, langjährige Mitarbeiterin Brechts, deren bislang kaum
beachteten Selbstaussagen hier umfangreich präsentiert und
ausgewertet werden. Sie belegen gegenseitige Inspiration und
gemeinsames Engagement des Duos Brecht-Hauptmann und die
Befindlichkeiten einer Frau, die zu den Pionierinnen der freien Liebe
gehörte. Darüber hinaus tragen sie zu einem neuen
Verständnis von Brecht als Kollektivautor bei.
Sabine Kebir: Ich fragte nicht nach meinem Anteil. Elisabeth Hauptmanns Arbeit mit Bertolt Brecht. Gebundene Ausgabe: Aufbau Verlag 1997. 292 S. 10 Abb. (NB483z) 22 Euro
Sabine Kebir:
Mein Herz liegt neben der Schreibmaschine. Ruth Berlaus Leben
vor, mit und nach Bertolt Brecht. Edition Lalla Moulati 2006. 416 S.
(NB981) 25 Euro
Um Ruth Berlau (1906-1974), die dänische
Freundin und Mitarbeiterin Bertolt Brechts, ranken sich zahllose
Gerüchte und Legenden. Sabine Kebir, die schon mehrere
Biografien von Frauen im Umkreis Brechts verfaßte, legt nun
eine Biografie Ruth Berlaus vor. Sie entstand auf der Grundlage der
Berliner und Kopenhagener Nachlässe sowie zahlreicher
Zeugenschaften. Die gleichermaßen großartige wie
tragische Figur der Dänin wird aus neuen Blickwinkeln
betrachtet. Brecht war nicht nur ihr Lehrer, sondern auch ihr
Therapeut. Beide ahnten nicht, daß daraus ein verhängnisvoller
Kampf entstehen würde und schließlich eine gegenseitige
Gefangenschaft. Auch Brecht lernte etwas Wesentliches von Ruth
Berlau: extremes Vernunftdenken stößt an Grenzen. Sabine
Kebirs Forschung bietet auch eine Sicht auf unbekannte Novellen,
Fragmente von Stücken, Filmszenen und Hörspiele, die von
der Kreativität zeugen, die Berlau und Brecht zusammen
entfalteten.
Ruth Berlau:
Jedes Tier kann es. Erzählungen. Mit einem Nachwort von
Klaus Völker. Suhrkamp Taschenbuch 2001. 128 S. (NB971) 7
Euro
1940 veröffentlichte Ruth Berlau, Schauspielerin,
Fotografin, Mitarbeiterin und Geliebte Bertolt Brechts, diese
Erzählingen, die ein Tabu zum Thema machen: Die fehlende
sexuelle Erfüllung läßt Berlaus Frauen mit
geistreichem Enthusiasmus streiten und spotten – über die
Männer, die „die natürlichste Verrichtung der Welt
nicht ausführen können. Jedes Tier kann es, aber sie können
es nicht mehr.“
Ruth Berlau: Jedes Tier kann es.
Erzählungen. Persona Verlag. 168 S. (NB489) 12,50 Euro
Brechts
engste Mitarbeiterin fand als Autorin zu wenig Beachtung. Die
Erzählungen in diesem Band handeln von der Liebe und ihren
Schwierigkeiten.
Gerd
Koch / Florian Vaßen / Doris Zeilinger: „Können uns
und euch und niemand helfen“. Die Mahagonnysierung der
Welt. Bertolt Brechts und Kurt Weills „Aufstieg und Fall der
Stadt Mahagonny“. Verlag Brandes & Apsel 2006. 248 S. mit
einigen Abbildungen und Bildtafeln. (NB949) 19,90 Euro
Der
Stückeschreiber Bertolt Brecht und der Komponist Kurt Weill
produzieren Ende der 20er Jahre eine antikulinarische Oper, die
analytisch-dialektisch, theatral-metaphorisch,
karikierend-unterhaltsam, verlockend-spielerisch der Zeit die eigene
Melodie verfremdet vorsingt. „Aufstieg und Fall der Stadt
Mahagonny“ signalisiert jedoch auch: „Aber etwas fehlt!“
Mahagonny“ ist so unterschwellig ein Sehnsuchtsstück. Mehr
als ein Dreivierteljahrhundert nach der Uraufführung bleibt das
Stück damit Symbol für das Leben auch in heutigen
Globalisierungs-, Ausbeutungs- und Vergnügungszuständen.
Autorinnen und Autoren aus den unterschiedlichsten Disziplinen
beschäftigen sich mit der weiterhin aktuellen Einmischung der
Anti-Oper von Brecht und Weill in die Mahagonny-Welt, in der wir noch
immer leben. Damit beleben sie die Tradition des Umgangs mit
„Mahagonny“, wie ihn einst Bloch, Benjamin, Kracauer und
Adorno kritisch und produktiv praktizierten.
Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. Tragödie in fünf Akten mit Vorspiel und Epilog. Suhrkamp Taschenbuch 848 S. (NB779) 16 Euro
Karl Kraus: Sittlichkeit und Kriminalität. Karl Kraus Schriften Bd. 1. Suhrkamp Taschenbuch. 384 S. (NB864) 10 Euro
Karl Kraus: Dritte
Walpurgisnacht. Hg. von Christian Wagenknecht. Karl Kraus
Schriften Bd. 12. Suhrkamp Taschenbuch. 400 S. (NB867) 10 Euro
Diese
zu Lebzeiten des Autors unveröffentlicht gebliebene (und nur in
Passagen in der Fackel zitierte) Untersuchung aus dem Jahre 1933
belegt, daß die Niedertracht und Gemeinheit des Nazi-Regimes
vom Anbeginn an offen sichtbar war.
Kurt Tucholsky: Zwischen gestern und morgen. Eine Auswahl aus seinen Schriften und Gedichten, hg. Von Mary Gerold-Tucholsky. Rororo. 254 S. (NB450) 7,90 Euro
Kurt Tucholsky: Rheinsberg.
Ein Bilderbuch für Verliebte. Rororo. 158 S. (NB447) 6,50
Euro
Dieses berühmte „Bilderbuch für
Verliebte“, die sommerliche Wochenendfahrt zweier junger
Großstadtmenschen ins märkische Schloßstädchen,
ist voll liebenswürdiger Ironie und erotischem Charme. Neben den
biedermeierlich-poetischen Zeichnungen Kurt Szafranskis enthält
diese Neuausgabe auch noch eine Auswahl verwandter Prosa.
Kurt Tucholsky: Schloß
Gripsholm. Eine Sommergeschichte. Mit Textillustrationen von
Wilhelm M. Busch. Rororo. 128 S. (NB448) 6,90 Euro
Eine
Sommerliebe in Schweden. Unnachahmlich graziös und amüsant
erzählt, schwebend wie ein Schmetterling und sonnendurchflutet
wie der Sommer selbst.
Kurt Tucholsky: Deutschland
Deutschland über alles. Ein Bilderbuch. Montiert von John
Heartfield. Rororo. 258 S. (NB449) 7,90 Euro
Dieses Buch von
deutscher Ungerechtigkeit, Verblendung und deutschem Hochmut ist ein
Schreckbild der „goldenen zwanziger Jahre“. Zugleich aber
sind Tucholskys Kommentare zu Heartfields Fotomontagen eine Warnung
für die Gegenwart.
Kurt Tucholsky: Gedichte. Rororo. 834 S. (NB455) 10,90 Euro
Kurt Tucholsky: Schnipsel. Rororo. 384 S. (NB451) 6,50 Euro Aphorismen.
Kurt Tucholsky: Deutsches Tempo.
Texte 1911 bis 1932. rororo. 958 S. (NB456) 9,90 Euro
Ergänzungsband
zur zehnbändigen Werkausgabe.
Kurt Tucholsky: Die Q-Tagebücher 1934-1935. rororo. 446 S. (NB452) 7,50 Euro
Kurt Tucholsky: Unser ungelebtes Leben. Briefe an Mary. Rororo. 636 S. (NB454) 9,90 Euro
Kurt Tucholsky: Briefe aus dem Schweigen 1932-1935. Briefe an Nuuna. Rororo. 318 S. (NB453) 6,50 Euro
Kurt Tucholsky dargestellt von Michael Hepp. Rororo 1998 (rowohlts monographie). 192 S. Mit zahlr. Abb. (NB457) 7,50 Euro
Das Erich Kästner Lesebuch. Diogenes (detebe). (NB298) 9,90 Euro
Erich Kästner: Notabene 45. Ein Tagebuch. Dtv. 224 S. (NB300) 8 Euro
Erich Kästner: Herz auf Taille. Mit Zeichnungen von Erich Ohser. Dtv. 128 S. (NB301) 7 Euro
Erich Kästner: Kurz und bündig. Epigramme. Dtv. 120 S. (NB302) 7 Euro
Erich Kästner: Die 13 Monate. Mit 13 Graphiken von Celestino Piatti. Dtv. (NB303) 8,50 Euro
Erich Kästner: Drei Männer im Schnee. Eine Erzählung. Dtv. 240 S. (NB304) 7,50 Euro
Erich Kästner: Die kleine Freiheit. Chansons und Prosa 1949-1952. dtv. (NB305) 7,00 Euro
Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten. Dtv. 256 S. (NB306) 7,90 Euro
Erich Kästner: Bei Durchsicht meiner Bücher. Dtv. (NB307) 6,60 Euro
Erich Kästner: Die verschwundene Miniatur oder auch Die Abenteuer eines empfindsamen Fleischermeisters. Dtv. 208 S. (NB308) 7,50 Euro
Erich Kästner: Der kleine Grenzverkehr oder Georg und die Zwischenfälle. Dtv 1988. 112 S. (NB229) 7,50 Euro
Erich Kästner:
Werke in neun Bänden. Herausgegeben von Franz Josef Goertz.
Carl Hanser Verlag 1998. Zusammen ca. 5200 Seiten, 9 Bände im
Schuber (NB1098) 98 Euro
Band 1: Gedichte; Band 2: Chanson,
Kabarett, Kleine Prosa; Band 3-4: Romane; Band 5: Theater, Hörspiel,
Film; Band 6: Publizistik; Band 7-8: Romane für Kinder; Band 9:
Nacherzählungen.
Hans Fallada: Jeder stirbt für
sich allein. Roman. Aufbau Taschenbuch 2000. 636 S. (NB186) 10
Euro
Auf Bitten von Johannes R. Becher schrieb Fallada diesen
Roman über das Leben der „kleinen Leute“ während
der Nazi-Diktatur.
Hans Fallada: Bauern, Bonzen und
Bomben. Roman. Aufbau Taschenbuch 1999. 624 S. (NB441z) 10
Euro
Was Fallada als Berichterstatter im „Landvolkprozeß“
von 1928 erlebte, verarbeitete er zu einem handlungsreichen
Provinzroman. Tucholsky nannte Falladas Satire ein „politisches
Lehrbuch der Fauna Germanica, wie man es sich nicht besser wünschen
kann“.
Hans Fallada: Kleiner Mann –
was nun? Roman. Aufbau Taschenbuch. 380 S. (NB440) 7,95 Euro
In
diesem bewegenden Roman, der zum Welterfolg wurde, schildert Fallada
das hoffungslose Leben der kleinen Angestellten in den letzten Jahren
der Weimarer Republik.
Hans Fallada: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt. Roman. Aufbau-Taschenbuch. 592 S. (NB548) 10 Euro
Leonhard Frank: Links wo das Herz ist. Roman. Aufbau Taschenbuch 1999. 256 S. (NB192) 7,95 Euro
Arnold Zweig: Das Beil von
Wandsbek. Roman. Aufbau Taschenbuch 1994. 576 S. (NB235) 10
Euro
Roman über den Alltag in Deutschland unter dem
Faschismus 1937/1938. Im Anhang: Briefwechsel mit Georg Lukács.
Arnold Zweig: Der Streit um den
Sergeanten Grischa. Roman. Aufbau Taschenbuch 1994. 524 S.
(NB236) 10,95 Euro
Roman über den Ersten Weltkrieg.
Arnold Zweig: Erziehung vor
Verdun. Roman. Aufbau Taschenbuch 2001. 560 S. (NB558) 10
Euro
Verdun wurde zum Begriff für die erste große
Materialschlacht und für das entsetzliche Sterben vieler
Soldaten im Ersten Weltkrieg. Für Bertin, der im Glauben an die
deutsche Kulturmission ins Feld zog, wird es zum Ort des Umdenkens.
Arnold Zweig: Junge Frau von 1914. Roman. Aufbau Taschenbuch 1995. 384 S. (NB237) 8,95 Euro
Arnold Zweig: De Vriendt kehrt heim. Roman. Aufbau Taschenbuch 1994. 304 S. (NB238) 7,95 Euro
Oskar Maria Graf: Bolwieser. Roman eines Ehemannes. dtv. 256 S. (NB280) 10,20 Euro
Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter. dtv. (NB281) 12,90 Euro
B. Traven: Das Totenschiff. Die Geschichte eines amerikanischen Seemanns. rororo, 224 S. (NB835) 5,90 Euro
Erich Maria Remarque: Im Westen
nichts Neues. Roman. KiWi. 224 S. (NB325) 6,90 Euro
Eines
der meistbeachteten Bücher gegen den Krieg.
Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. Roman. Mit Materialien und einem Nachwort von Tilman Westphalen. KiWi. 288 S. (NB402) 8,90 Euro
Erich Maria Remarque: Die Nacht
von Lissabon. Roman. KiWi. 332 S. (NB326) 8,90 Euro
Das
dunkle Jahr 1942. Am Kai in Lissabon starrt ein Mann auf ein Schiff.
Es könnte seine Rettung sein, aber er hat weder Visum noch Geld.
Erich Maria Remarque: Arc de
Triomphe. Roman. KiWi. 460 S. (NB327) 9,90 Euro
Die
Geschichte des Arztes Ravic, der nach Paris emigriert und hier den
Vorabend des Zweiten Weltkriegs erlebt.
Joseph Roth: Das Spinnennetz.
Roman. dtv. 128 S. (NB810) 7,90 Euro
Joseph Roths erster Roman
erschien kurz vor Hitlers Putschversuch in München – und
nahm die Wirklichkeit vorweg. In der Gestalt des jungen Leutnants
Lohse, der sich nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin als Hauslehrer
verdingen muß, führt er visionär und exemplarisch die
entstehende Generation der Mitläufer vor. Enttäuscht und
führungslos werden die zu willigen Helfern des
Rechtsradikalismus.
Joseph Roth: Radetzkymarsch. Roman. dtv. 416 S. (NB818) 9,90 Euro
Eva Strittmatter: Hundert Gedichte. Aufbau Verlag. Leinen. (NB560) 12,50 Euro
Erwin Strittmatter: Der Laden.
Roman-Trilogie. Drei Bände im Schuber. Aufbau Taschenbuch
Verlag. (NB699) 22 Euro
Über drei Jahrzehnte betreibt die
Mutter Matt den Krämerladen in Bosdom. Er ist der magische Punkt
im Niederlausitzer Heidedorf, und auch Esaus Leben ist von der
Kindheit an bis in seine Heimkehrer-Zeit mit dessen Geschick
verbunden. Und auf besondere Weise auch mit den Schicksalen der
Bosdomer, die voller Überraschungen sind in ihrer Unverblümtheit
und Listigkeit. Wenn Esau Matt, ein notorischer Beobachter und
Sammler menschlicher Eigenheiten, die Zerwürfnisse und
Versöhnungen seiner eigenwilligen Familie und die Ereignisse des
Dorfalltags beschreibt, entstehen opulente Geschichten, spannend und
komisch wie das Leben selbst. Denn Erwin Strittmatter fügt
Großes und Kleines zusammen, Weltgeschehen und Dorfalltag.
Erwin Strittmatter: Geschichten
ohne Heimat. Hg. Und mit einem Nachwort von Eva Strittmatter.
Aufbau Taschenbuch 2004. 240 S. (NB702) 7,50 Euro
Der Band mit
Texten aus dem Nachlaß bietet eine dichte Sammlung
unterschiedlicher Genres: von der „Kalendergeschichte“,
wie Strittmatter seine Naturreflexionen in jener für ihn so
bezeichnenden poetischen Verknappung nannte, über Short stories
mit der konzentrierten, pointierten Beschreibung alltäglicher
Vorgänge bis zur intensiven Erzählung.
Wie der Regen mit dem See redet.
Das große Erwin-Strittmatter-Buch. Herausgegeben von Klaus
Walther. Aufbau Taschenbuch 2002. 432 S. (NB592) 10 Euro
Eine
Auswahl der schönsten Geschichten Strittmatters und Auszüge
aus seinen beliebtesten Romanen zeigen die vielen Facetten eines
großen Erzählers. Alle Texte leben von jener Mischung aus
Poesie, Weisheit und Humor. Die Themen der Auswahl folgen der
Lebenschronologie des Autors: von der Kindheitslandschaft mit dem
kauzigen Großvater und dem berühmt gewordenen
Familienladen über anekdotische Erlebnisse mit dem Freund Brecht
bis zum Leben in Schulzenhof und zu Reflexionen über das
Poetische und das Politische, über die Natur und über den
Sinn es Lebens. Der Band enthält bisher unveröffentlichte
Aphorismen aus dem Nachlaß.
Hermann Kant: Die Aula. Roman.
Aufbau Taschenbuchverlag. (NB163) 10 Euro
Diesen Roman über
einen jungen Mann, der eine Abschiedsrede halten soll und darüber
ins Erinnern gerät, haben Leser und Kritiker sofort nach
Erscheinen als großen Spaß gefeiert. Ein „Geschichts-
und Geschichtenbuch“ über die Anfänge der DDR, ohne
die man deren Ende nicht verstehen kann.
Hermann Kant: Der Aufenthalt.
Roman. Aufbau Taschenbuch 1994. 578 S. (NB176) 10 Euro
„‘Der
Aufenthalt‘ ist eine Passionsgeschichte mit Humor und ein
Schelmenroman mit tragischen Zügen. ... Wir haben Hermann Kant
ein aufschlußreiches, ein witziges Buch zu verdanken. Dieser
Schriftsteller war und ist ein harter und intelligenter Gegner
unserer westlichen Welt. Zur Herzlichkeit haben wir wahrlich wenig
Grund. Aber doch zu einer knappen respektvollen Verneigung.“
(Marcel Reich-Ranicki).
Hermann Kant: Kormoran. Roman. Aufbau Taschenbuch. 272 S. (NB550) 7,95 Euro Ein Nach-Wende-Roman: Streitbar, bissig, amüsant.
Hermann Kant: Ein bißchen Südsee. Erzählungen. Aufbau-Taschenbuch. 192 S. (NB552) 6,50 Euro
Hermann Kant: Abspann. Erinnerungen an meine Gegenwart. Aufbau Taschenbuchverlag. 544 S. (NB697) 8,95 Euro
Stefan Heym:
Der Fall Glasenapp. Roman. btb-Taschenbuch. 368 S. (NB1029) 9
Euro
Prag unter deutscher Besatzung 1941. Der erste Roman von
Stefan Heym.
Franz Josef Degenhardt:
Zündschnüre. Roman. Aufbau Taschenbuch 1996. 224 S.
(NB178z) 7,95 Euro
Sie sitzen auf Meurichs Mauer, und ihnen
entgeht nichts, was in der Siedlung, im Werk oder im Russenlager
passiert. Während die Väter im Krieg sind oder im KZ,
beginnen Fänä und seine Kumpane unbekümmert um jede
Gefahr und lustvoll fortzusetzen, was ihnen ihre Leute vorgelebt
haben: die Dreizehn-, Vierzehnjährigen greifen in den scheinbar
so unaufhaltsamen Gang der Dinge ein; sie sabotieren, plündern,
versuchen eine Partisanenarmee zu gründen und verstecken Leute.
Franz Josef Degenhardt: Brandstellen. Roman. Aufbau Taschenbuch 1997. 320 S. (NB179z) 8,65 Euro Die Fotzsetzung von „Zündschnüre“ in den 70er Jahren.
Franz Josef Degenhardt: Die
Mißhandlung oder Der freihändige Gang über das
Geländer der S-Bahn-Brücke. Roman. Aufbau Taschenbuch 1997.
288 S. (NB321z) 8,65 Euro
Kein alltäglicher Fall, mit dem
es Vormundschaftsrichter Hans Dörner zu tun bekommt: Der
12jährige Stefan Radtke wurde von seinen Eltern über Jahre
hinweg mißhandelt, war in einem Verschlag eingesperrt, kann
deshalb kaum sprechen und ahmt Vogellaute nach. Presse und
Öffentlichkeit stürzen sich auf diese „Kaspar
Hauser“-Geschichte, und für Dörner wird die
Angelegenheit zur wichtigsten seiner Laufbahn. Er beginnt, sein
eigenes Leben zu hinterfragen. Dörners Weg wird zum
„freihändigen Gang über das Geländer der
S-Bahn-Brücke“.
Franz Josef Degenhardt: Der Mann
aus Fallersleben. Die Lieben des August Heinrich Hoffmann. Roman.
Aufbau Taschenbuch 1996. 446 S. (NB323z) 9,15 Euro
August
Heinrich Hoffmann, der sich von Fallersleben nannte, Verfasser der
Deutschland-Hymne und volkstümlicher Kinderlieder, war einer der
meistverehrten und meistverfolgten Männer seiner Zeit: Ein
Professor und Poet, streitbar, schwärmerisch und vielfach
gedemütigt, wie andere Vor- und Nachmärz-Liberale wegen
aufrührerischer Gesinnung aus vielen Orten ausgewiesen, ständig
in unsicheren Verhältnissen und ständig – meist
unglücklich – verliebt.
Franz Josef Degenhardt: Die
Abholzung. Roman. Aufbau Taschenbuch 1999. 320 S. (NB324z) 9,15
Euro
Rettungsaktion für ein bedrohtes Waldstück. Ein
Bürgerkomitee kämpft gegen Bauunternehmer und
Bürgermeister. Doch wie soll sich der Erfolg einstellen, wenn
selbst die Umweltschützer nicht frei sind von Korruption und
Egoismus?
Max
von der Grün: Irrlicht und Feuer. Roman. Klartext Verlag
2007 ( Wir in Nordrhein-Westfalen – Unsere gesammelten Werke).
224 S. Gb. (NB1067) 7,95 Euro
Fast 13 Jahre arbeitete Max von
der Grün unter Tage auf Königsborn in Unna. In „Irrlicht
und Feuer“ (1963) beschreibt er mit kraftvoller Sprache den
tristen Alltag des Arbeiters in der Wirtschaftswunder-Zeit. Aus der
Perspektive des Ich-Erzählers wird ein System der Angst
reflektiert, in dem der Arbeiter im Zustand sozialer Degradierung und
Entfremdung verharrt, um einen Abglanz vom Wohlstand zu erhaschen.
Max von der Grüns Roman war ein politischer Skandal, ein
Welterfolg, und er wurde ein Klassiker der „Arbeiterliteratur“.
Max von der Grün: Stellenweise Glatteis. Roman. Dtv 1993. 272 S. (NB278) 9 Euro
Max von der Grün: Flächenbrand. Roman. Rororo 1982. 270 S. (NB279z) 5,50 Euro
Nicolas Born: Die erdabgewandte Seite der Geschichte. Klartext Verlag 1008 (Wir in Nordrhein-Westfalen – Unsere gesammelten Werke) 198 S. Geb. (NB1070) 7,95 Euro
Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte. Btb-Taschenbuch. 800 S. (NB134) 15 Euro
Karlheinz Deschner: Nur Lebendiges schwimmt mit dem Strom. Aphorismen. Lenos 1998. 120 S. (NB360) 7,50 Euro
Hermann
Gieselbusch & Michael Schmidt-Salomon (Hg.): „Aufklärung
ist Ärgernis...“ Karlheinz Deschner. Leben –
Werk – Wirkung. Alibri Verlag 2006. 352 S. mit Abb. (NB964) 18
Euro.
Der Sammelband führt die verschiedenen Aspekte von
Karlheinz Deschners publizistischem Wirken vor Augen: seine
Kirchenkritik, seine literarischen Werke und Aphorismen, seine
literaturkritischen Arbeiten, sein Engagement für Tierschutz und
seine philosophisch-politischen Auffassungen.
Peter
Maslowski: Papstkirche ohne Heiligenschein. Geschichte der
Konzile von Konstanz bis zum Vatikanum II. Hg. von Felix Weiland.
Alibri Verlag 2006. 348 S. (NB939) 20 Euro
Peter Maslowski
stellt bei seiner Analyse des kirchlichen Machtapparats die sechs
neueren Konzile in den Mittelpunkt. Die ehrwürdigen Konzilsväter
stritten in ihren Versammlungen nicht nur um ideologische
Richtungsentscheidungen und Verdammungsurteile. Es ging immer auch um
Herrschaft, Steuern, Besitz und Geschäfte der Papstkirche. In
diese Auseinandersetzung zwischen Kirchenfürsten, König und
Papst, zwischen Kirche und Staat, zwischen Reaktion, Revolution und
Sekularisierung bietet das vorliegende Spätwerk Maslowskis einen
kenntnisreichen Einblick. Der versierte Journalist spannt den Bogen
vom 15. Jahrhundert bis zum Aufbruch des Zweiten Vatikanum unter
Johannes XXIII und dem konservativen Rückschlag, der unter dem
Oberhirten Paul VI folgte und seither anhält. Peter Maslowski
(1893-1983) lernte das journalistische Handwerk bei Rosa Luxemburg in
der Roten Fahne, später war er enger Mitarbeiter Willi
Münzenbergs. 1933 floh er aus Deutschland und lebte bis zum
Kriegsende im Untergrund. Mit der KPD, die er als
Reichstagsabgeordneter vertrat, brach er wegen des
Hitler-Stalin-Paktes.
Casten Frerk: Finanzen und
Vermögen der Kirchen in Deutschland. Alibri Verlag 2004. 436
S. (NB765) 24,50 Euro
Finanzen und Vermögen der Kirchen
sind in Deutschland, wo die Kirchen umfassende Privilegien genießen
und bedeutende Zuschüsse von der Öffentlichen Hand
erhalten, ein Reizthema. Systematisch gegliedert und mit über
150 Grafiken und Schaubildern versehen, bietet dieses Buch einen
Überblick über den kirchlichen Reichtum.
Franz Kafka: Der Prozeß. Roman. Aufbau Taschenbuch. 240 S. (NB435) 7,95 Euro
Arno Schmidt: Sommermeteor. 23 Kurzgeschichten. Fischer Taschenbuch. 128 S. (NB334) 5,95 Euro
Arno Schmidt: Das steinerne Herz. Historischer Roman aus dem Jahre 1954. Fischer Taschenbuch. 256 S. (NB335) 8,90 Euro
Arno Schmidt: Alexander oder Was ist Wahrheit. 3 Erzählungen. Fischer Taschenbuch. 142 S. (NB336) 5,90 Euro
Arno Schmidt: Nachrichten aus dem Leben eines Lords. 6 Nachtprogramme. Fischer Taschenbuch. 320 S. (NB337) 6,40 Euro
Ursula Trüper: Leider war ich
ein Mädchen. Über Käthe Kollwitz. Edition Nautilus
2001 (Kleine Bücherei für Hand und Kopf). 96 S. Mit Abb.
(NB419) 8,80 Euro
Vor dem Hintergrund der herrschenden
Ansichten über die Stellung der Frau in der Kunst wird erst
deutlich, wie ungewöhnlich ihr Werdegang war.
100 Jahre Hanns Kralik. Katalog zur Ausstellung. Mit einem Vorwort von Gerd Deumlich. Pahl-Rugenstein-Verlag 2000. 64 S. (NB210) 12,90 Euro
Lieder aus dem Schlaraffenland. Politische Lieder der 50er bis 70er Jahre. Hg. von Annemarie Stern. 274 Lieder mit Noten. Asso Verlag 1976. 640 S. Hc. (NB977) 24 Euro
Annemarie Stern (Hg.): Lieder
gegen den Tritt. Politische Lieder aus fünf Jahrhunderten.
Asso Verlag. 450 S. (NB788) 15,90 Euro
500 Jahre Klassenkampf,
gespiegelt in Liedern. Von den Bauernkriegen bis zum Kampf gegen
Atomrüstung. Alle Lieder mit Noten und Gitarrengriffen.
Liederbuch 1.
kunterbundedition im Verlag Schott Musik international. 96 S.
geheftet. (NB868) 6,95 Euro
99 Lied-Bonbons gibt es in dieser
12. Auflage des bereits seit Generationen erfolgreichen Liederbuches.
Liederkiste.
Liederbuch 2. Kunterbundedition im Bund Verlag 1984. 88 Lieder mit
Noten und Gitarrengriffen. Erläuterungen. Geheftet. (NB903) 6,95
Euro
Von „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ bis
„Mackie Messer“, von „Horsti Schmandhoff“ bis
„Mr. Tamburine Man“.
Liederkorb.
Kunterbundedition im Bund Verlag 1983. 97 Lieder mit Noten und
Gitarrengriffen. Erläuterungen. Geheftet. (NB974) 6,95
Euro
Lieder von Rolling Stones, Simon & Garfunkel, Hermann
van Veen, Bertolt Brecht, Matthias Claudius, Reinhard Mey, den
Beatles, Doors, Hannes Wader, Rod Stewand u.v.a.
Liedercirkus.
Kunterbundedition im Bund Verlag 1985. 97 Lieder mit Noten und
Gitarrengriffen. Erläuterungen. Geheftet. (NB954) 6,95
Euro
Lieder von Hermann van Veen, Joni Mitchell, Klaus
Hoffmann, den Beatles, Gordon Lightfoot, Joan Baez, den Rolling
Stones, Bettina Wegner, Georges Moustaki, Hirsch Glick, John Denver
u.v.a.
Liederbaum.
Liederbuch 6. Kunterbundedition im Verlag Schott Musik International.
89 Lieder mit Noten und
Gitarrengriffen. Erläuterungen. Geheftet. (NB984) 6,95
Euro
Lieder von
Reinhard Mey, Comedian Harmonists, Knut Kiesewetter, Degenhardt,
Kinks, Rolling Stones, Beatles, Bob Dylan, Gordon Lightfood u.v.a.
Liederstern.
Liederbuch 9. Kunterbundedition im Verlag Schott Musik International.
84 Lieder mit Noten und
Gitarrengriffen. Erläuterungen. Geheftet. (NB988) 6,95
Euro
Lieder von
Lindenberg, Erste Allgemeine Verunsicherung,, Rio Reiser, Comedian
Harmonists, Sting, Suzanne Vega, Victor Jara, Degenhardt, Beatles,
Buddy Holly, Georges Brassens, Theodorakis, Kinderlieder,
Volkslieder aus Irland, Schottland u.v.a.
Pop-Splits. Die besten Songs
aller Zeiten und ihre Geschichte. Hg. Von Frank Bruder, illustriert
von Tim Dinter. Aufbau Taschenbuch 2004. 208 S. (NB733) 8,50
Euro
Sound of Silence (Simon & Garfunkle), Dont‘t
stand so close to me (Police), Tears in Heaven (Eric Clapton), Helter
Skelter (Beatles), Born in the USA (Bruce Springsteen), Englishman in
New York (Sting), Knowing me knowing you (Abba), Keine Macht für
niemand (Ton Steine Scherben), Smoke on the Water (Deep Purple),
Perfect Day (Lou Reed), San Francisco (Scott McKenzie), My Generation
(The Who), Wenn ein Mensch lebt (Puhdys), Talking ‚bout a
Revolution (Tracy Chapman), No Woman no cry (Bob Marley), Sisters of
Mercy (Leonard Cohen), Sexy Sadie (Beatles), Killing me softly with
his Song (Roberta Flack), Ring of Fire (Johnny Cash), Satisfaction
(Rolling Stones), You‘re so vain (Carly Simon) u.v.a.
The Beatles Songbook.
Herausgegeben von Alan Aldridge. dtv. 208 S. mit zahlreichen
Abbildungen. (NB819) 9,50 Euro
100 Beatles-Songs (mit
Übersetzung), illustriert von Künstlern der Pop-Art-Szene:
Ken White, Art Kane, Tomi Ungerer, Jean Loup Sieff, Alan Aldridge,
Roland Topor, Diana Tippell, Peter Max u.v.a.
How does it
feel. Das Bob-Dylan-Lesebuch. Herausgegeben von Klaus Theweleit.
Rowohlt Berlin 2011. 304 S. mit zahlreichen s/w-Abbildungen. Hc.
(NB1170) 19,95 Euro
Er ist eine Ikone des Rockzeitalters, ein
Symbol des freien Amerika, und seine poetischen Songtexte sind
nobelpreisverdächtig: Bob Dylan gilt als Musiker von
einzigartigem Rang. Als Leitfigur der Bürgerrechtsbewegung wurde
er bekannt. Das Leben Bob Dylans – er wird im Mai 2011 siebzig
Jahre alt – wurde immer rätselhafter, sein Werk immer
vielschichtiger und erstaunlicher. Seit langem widmen sich
Schriftsteller und Künstlerkollegen dem Phänomen Dylan.
Dieses Buch lässt sie von Dylans Leben und seiner Musik
erzählen, in oft erstmals auf Deutsch veröffentlichten
Texten wie einem Romankapitel von Don DeLillo oder einer Reportage
von Nat Hentoff, der Dylan in den 60ern begleitete. Zusammengestellt
von Klaus Theweleit, einem der eigenständigsten deutschen Denker
zwischen Pop und Philosophie, bildet diese Sammlung mit Texten von
Sam Shepard, Greil Marcus, Willi Winkler, Diedrich Diederichsen,
Dylans erster Lebensgefährtin Suze Rotolo und vielen anderen ein
originelles Lesebuch.
Georg Seeßlen,
Fernand Jung: Stanley Kubrick und seine Filme. arte-edition bei
Schüren. 3., verbesserte und ergänzte Auflage 2008. 320 S.
mit zahlr. Abbildungen. (NB1057) 24,90 Euro
Neuauflage zu
Stanley Kubricks 80. Geburtstag im Juli 2008. Der 1928 geborene und
Anfang 1999 verstorbene Regisseur Stanley Kubrick drehte so berühmte
Filme wie 2001: Odyssee im Weltraum, A Clockwork Orange, Barry Lyndon
und Fullmetal Jacket. Sein letzter Film Eyes Wise Shut ist ein
beeibdruckendes filmkünstlerisches Vermächtnis. Das Buch
enthält einen einleitenden Überblick über Kubricks
Filmschaffen, Essays zu den einzelnen Filmen, viele Bilder und
Videosequenzen, die den Text erläuternd begleiten, Bibliographie
und Filmographie. „Georg Seeßlens Text zu Kubrick und
seinen Filmen ist Erkundung und Erläuterung zugleich, präzise
Lektüre und waghalsige Interpretation. Die Filme werden
sozusagen durchwandert, auf ihre Motive und Techniken geprüft –
und alles dann zu einer philosophisch-ästhetischen Diagnose
verdichtet.“ Norbert Grob in der Süddeutschen Zeitung.
Klaus
Kreimeier: Prekäre Moderne. Essays zur Kino und
Filmgeschichte. Mit einem Vorwort von Karl Prümm. Schüren
Verlag 2008. 240 S. (NB1071) 19,90 Euro
Klaus Kreimeier ist
einer der profiliertesten Filmkritiker in Deutschland. Er legt hier
einen Band mit Essays vor, der jenseits der Alltagsaktualität
zeitlose Einsichten zur Film- und Kinogeschichte bietet.
Verzauberungen – Ästhetische und dramaturgische Aspekte
des Staunens im Kino; Gellende Schreie – Zur Spezifik des
Lachens im Kino; Tobende Ordnung – Bemerkungen zu einer Szene
der Marx Brothers; Von Henny Porten zu Zarah Leander –
Filmgenres und Genrefilm in der Weimarer Republik und im
Nationalsozialismus; Expeditionsfilme – Das bewaffnete Auge des
Ethnographen; Die Kuh auf dem Gleis: Marlene Dietrich (1994);
Zurechtgeschminkter Skinhead: Erich von Stroheim; Fritz Langs
Nibelungen und der Kampf um die Deutungshoheit in der Weimarer
Republik; Prekäre Moderne – Der Ufa-Film Wege zu Kraft und
Schönheit; Papier, Schere, Stein – Harun Farockis frühe
Filme; Die Kamera als Protokollinstanz – Romuald Karmakars Film
Der Totmacher; Das Schicksal der Kino-Ikonografie im Fernsehen; Film
und Computer: Alte Bilder – „neue Bilder“.
Simon Frisch:
Mythos Nouvelle Vague. Wie das Kino in Frankreich neu erfunden
wurde. Schüren Verlag 2007. 320 S., zahlr. Abb. (NB1023) 29,90
Euro
Die Nouvelle Vague - Truffaut, Godard, Rivette, Rohmer und
Chabrol, das ist das französische Kino der sechziger Jahre, das
Anti-Kino gegen das „cinéma de papa“. Nouvelle
Vague das ist Jugend, Revolte und Aufbruch, das ist Autorenfilm,
Moderne und Kunst. Die Nouvelle Vague gab es aber auch in der
Tschechoslowakei, in Polen, Japan und England. Die Nouvelle Vague
gilt einerseits als epochale Wendemarke in der Geschichte des Kinos,
die um 1960 von Frankreich ausging, und zugleich scheint der Begriff
jederzeit und überall aktualisierbar zu sein. Die vorliegende
Arbeit sucht in einer Relektüre ihrer Geschichte nach den
Ursprüngen und nach den Wirkungen der Nouvelle Vague: Wie kamen
die jungen Filmemacher zu ihrer Wut? Warum und wo stießen sie
auf Akzeptanz? Was beförderte die so rasche und weite
Verbreitung ihrer Ideen und die Auflösung der alten Strukturen?
Woher kam dann ihr Einfluß auf die Filmgeschichte und auf die
Wahrnehmung des Kinos bis heute: in der Theorie, im Kanon der
Klassiker, in der Ansicht des Kinos als Kunst und in der
Hochschätzung des Autorenkinos? Dabei lassen sich ihre
Geschichte und die Formen ihrer Historisierung nicht trennen und es
eröffnet sich ein Blick auf die Zusammengehörigkeit der
verschiedenen Bedeutungen von Nouvelle Vague: Zum einen markiert sie
einen Wandel in der Wahrnehmung des Films um 1960 und zum anderen ist
Nouvelle Vague ein immer noch bedeutungsvoller Name für einen
Generationswechsel im Kino, mit dem bestimmte inhaltliche oder
ästhetische Veränderungen einhergehen. Darin erlangt sie
eine mythische Dimension: die Nouvelle Vague ist zu einer Art
Grunderzählung von der Neuerfindung des Kinos durch die Jugend
geworden, die überall und immer wieder anders erzählt
werden kann, ohne daß sein Kern verlorengeht.
Anne
Barnert: Die Antifaschismus-Thematik der DEFA. Eine kultur- und
filmhistorische Analyse. Schüren Verlag 2008. 432 S., einige
Abb. (NB1072) 38,00 Euro
Im Mittelpunkt dieser Studie steht das
zentrale Thema des DDR-Kinos von 1946 bis 1989: der Antifaschismus in
der Filmproduktion der DEFA. Die leitende Fragestellung ist, wie sich
die geschichtspolitische Deutungsvorgabe des Antifaschismus auf den
DDR-Film auswirkte und welche Wertungen, Aus- und Überblendungen
der nationalsozialistischen Vergangenheit so entstanden. Ein
zentrales Ergebnis der Arbeit ist, daß es Antifaschismusfilmen
zuweilen gelang, den Alltagserinnerungen untergründig und
eigensinnig Ausdruck zu verschaffen. Neben einer Vielzahl weithin
unbekannter Filmproduktionen der DEFA werden folgende Filme
behandelt: Konrad Wolfs Professor Mamlock (1961) und die vier
zentralen Filme über das Konzentrationslager Buchenwald: Nackt
unter Wölfen (1963), Zeit zu leben (1969), Denk bloß
nicht, ich heule (1965/66, 1990) und Schritt für Schritt (1960).
Christian
Georg Salis: Das Böse steht noch einmal auf. ...und andere
Klischees in Hollywood-Filmen. Schüren Verlag 2006. 112 S.
(NB935) 9,90 Euro
Bei einer Kissenschlacht platzen immer die
Kissen; Wer vor einem Verfolger flieht, wird früher oder später
durch eine Restaurantküche laufen; Barleute polieren ständig
Gläser mit weißen Stoffservietten; Das brennende Triebwerk
wird immer von einer netten alten Dame entdeckt; Fährt jemand,
den man für einen Bösen hält, ein dreckiges Auto, dann
stellt er sich später als Guter heraus; Fast alle Richter sind
alt oder schwarz oder weiblich und hunderte weitere
Hollywood-Klischees.
Ellen
Grünkemeier, Martina Iske, Jürgen Kramer, Anette Pankratz,
Claus-Ulrich Viol (Hg.): Das kleine Bond Buch. Schüren
Verlag 2007 160 S. (NB1024) 14,90 Euro
Anders als die Anderen –
das kleine Bond Buch, das Bond und seine Fans liebevoll auf die
Schippe nimmt und einige sonst vernachlässigte Aspekte der
Bond-Rezeption aufs Korn nimmt – und nebenbei die
Kulturwissenschaft und ihre Arbeitsweise einer breiteren
Öffentlichkeit vorstellt. Warten auf den neuen Bond-Film –
das ist auch für Kulturwissenschaftler eine harte Sache. Also
rücken sie dem Phänomen Bond mit ihrem ureigenen
Handwerkszeug zu Leibe, mit strukturalistischen Ansätze,
Psychoanalyse, Gender-Theorien, ökonomischen,
transnationalistischen und postkolonialen Fragestellungen mit den
Prätexten (den Romanen), den eigentlichen Film-Texten und ihren
Kontexten (der Rezeption und den gesellschaftlichen
Wertvorstellungen). James Bond übersteht auch diesen Angriff –
und das Warten mit der Kulturwissenschaft hat sich gelohnt, weil es
viele neue und recht vergnügliche Blicke auf das Phänomen
James Bond ermöglicht.
Dietrich
Kuhlbrodt: Deutsches Filmwunder. Nazis immer besser. Konkret
Literaturverlag 2006. 200 S. (NB943) 15 Euro
Dietrich Kuhlbrodt
untersucht und kommentiert die Rolle, die Nazis im deutschen Film
nach 1945 gespielt haben. Dabei bietet er den Lesern ebenso
informativ wie unterhaltsam einen Querschnitt durch die deutsche
Filmgeschichte. In der Adenauerzeit wurden Nazis aus ausländischen
Filmen wegzensiert, bevor in den 60ern die Auseinandersetzung der
Söhnegenaration mit der Vergangenheit der Väter einsetzte.
In den 70er und 80er Jahren dann verloren die Nazis, gar Hitler
selber, ihre historische Einmaligkeit. Deutsche Filmemacher
präsentierten sie als Phänomen der deutschen Volksseele.
Vorreiter Syberberg entdeckte in „Hitler – ein Film aus
Deutschland“ (1977/78) den Hitler-in-uns. Hitler war wieder da.
Eine junge Generation schuf sich ihren eigenen Führer („Blutige
Exzesse im Führerbunker“) und integrierte ihn ins Ritual
des Weihnachtsfestes, wie in Schlingensiefs Film „100 Jahre
Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Füherbunker“
(1989). Die schäbigen Nazis aus den Dokumentationen „Stau
– Jetzt geht's los“ und „Beruf Neonazi“ der
frühen 90er sind zehn Jahre später den glamourösen
Spielfilmfiktionen von Hitler („Der Untergang“) und
Hitlerjungen („Napola“) gewichen, denen ein erleichtertes
deutsches Publikum jetzt zujubelt.
Douglas Keesey, Paul Duncan (Hg.):
Erotic Cinema. Taschen 2005. 192 S. mit zahlreichen Abbildungen
(NB859) 14,99 Euro
Auf Zelluloid wurde der erste Kuss bereits
1896 festgehalten. Seitdem hat die körperliche und sexuelle
Freizügigkeit im Film eine Entwicklung vollzogen, die immer
schneller Tabus bricht und gesellschaftlich festgelegte Grenzen
überschreitet. Im Zentrum bleibt letztlich nur noch die Frage:
Wie wird ES gezeigt? Extremes aus der Soft- bzw. auch
Hardcore-Pornoindustrie kommt in diesem Band aus der
Taschen-Filmreihe genauso zum Zuge wie der Seitenblick auf die
schwule/lesbische Film-Szene.
Romy Schneider
– Ein Leben in Bildern. Entworfen von Renate Seydel und
gestaltet von Bernd Meier. Henschel Verlag. 344 S. im Großformat,
Hc. Zahlreiche Abb. (NB 991) 19,90 Euro
„Ich kann nichts
im Leben, aber alles auf der Leinwand.“ (Romy Schneider).
Eike Wenzel (Hg.): Ermittlungen in
Sachen Tatort. Recherchen und Verhöre, Protokolle und
Beweisfotos. Bertz Verlag 2000. 320 S. Hc. (NB577) 15,90
Euro
Spannende Unterhaltung, kritische Zeitgenossenschaft und
die Region als Krimi-Schauplatz. Mit diesem Rezept ist der „Tatort“
zum heimlichen Nationalsymbol in bewegten Bildern geworden. Dieses
Buch würdigt den „Tatort“ mit Streifzügen durch
drei Jahrzehnte Verbrechen & Aufklärung, Essays zu wichtigen
Kommissaren und Hommagen an einzelne herausragende Folgen. In
Interviews kommen die Beteiligten selbst zu Wort, unter anderem der
„Haferkamp“- und „Schimanski“-Regisseur Hajo
Gies und der „Leitmayer“-Darsteller Udo Wachtveitl.
Leo Malet: Das Leben ist zum Kotzen. Schwarze Trilogie 1. Edition Nautilus 1992. 144 S. (NB197) 9,80 Euro
Léo Malet: Angst im Bauch.
Schwarze Trilogie 3. Edition Nautilus 2001. 160 S. (NB421) 10,80
Euro
Vom Trickdieb zum landesweit gejagten Staatsfeind Nr.
Eins.
Andrea
Kettenmann: Frida Kahlo 1907 – 1954. Leid und Leidenschaft.
Taschen Verlag. 96 S. (NB901) 7 Euro
Biografie und Bildband
(19x23 cm) mit zahlreichen Fotos und Dokumenten. Die in bester
Farbqualität wiedergegebenen Bilder von Frida Kahlo werden
erläutert.
Linde Salber: Frida Kahlo.
Rororo-monographie. 160 S. Mit zahlreichen Abb. (NB652) 7,50
Euro
Frida Kahlo hat in der Welt der Kunst neue Maßstäbe
gesetzt: als eine Malerin, die ganz eigene, unerhörte Wege ging.
Sie war geprägt durch die Ideale der mexikanischen Revolution,
denen sie sich – wie ihr Mann Diego Rivera – schon früh
verschrieb. Ihre Bilder enthalten aber mehr als einfache politische
Botschaften. Sie rücken Ursprüngliches in den Blick: die
Mythologie präkolumbianischer Kultur, die Kraft organischen
Wachstums, die Leiden des menschlichen Körpers. Die filigranen
Werke dieser Künstlerin haben als Beispiel für das
Abweichen vom „männlichen Prinzip“ in der Malerei
heute bereits klassischen Rang.
Pablo Picasso: Grüne Sonne auf schwarzem Grund. Poetische Texte. Edition Nautilus 1994 (Kleine Bücherei für Hand und Kopf). 96 S. (NB197z) 8,80 Euro
Marcel Duchamp: Der kreative Akt. Duchampagne brut. Edition Nautilus 1998 (Kleine Bücherei für Hand und Kopf). 64 S. (NB198) 6,50 Euro
Geteilte Nächte. Erotiken des Surrealismus. Hg. Von Heribert Becker. Edition Nautilus 1990 (Kleine Bücherei für Hand und Kopf). 96 S. (NB199) 8,80 Euro
André
Breton: Die Manifeste des Surrealismus. rororo. 142 S. (NB936)
8,90 Euro
André Breton gilt als einer der bedeutendsten
Dichter des Surrealismus. Seine „Manifeste“ sind die
grundlegenden theoretischen Schriften dieser avantgardistischen
Bewegung. Revoltiert wird gegen alles Herkömmliche und
Überlieferte, gegen Arbeitsteiligkeit und Zweckrationalismus,
gegen Familie und Vaterland mit dem Ziel, die Entfremdung des Ich
aufzuheben, Authentizität zu gewinnen. In ihrer Suche nach einer
Fusion von Geist und Welt, von Individuum und Kollektiv zählen
die „Manifeste“ zu den Klassikern der Moderne.
Es brennt! Pamphlete der Surrealisten. Übersetzt, herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Heribert Becker. Edition Nautilus 1998 (Kleine Bücherei für Hand und Kopf). 160 S. (NB200) 10,80 Euro
Tristan Tzara: Sieben Dada Manifeste. Edition Nautilus 1998 (Kleine Bücherei für Hand und Kopf). 128 S. (NB201) 9,80 Euro
Dada gegen Dada. Die Affäre Barrès. Edition Natilus 1997. 128 S. (NB585) 9,80 Euro
Wetterleuchten! Künstler-Manifeste des 20. Jahrhunderts. Edition Nautilus 2000 (Kleine Bücherei für Hand und Kopf). 128 S. (NB202) 9,80 Euro
Kurt Schwitters: Franz Müllers Drahtfrühling. Edition Nautilus 2000 (Kleine Bücherei für Hand und Kopf). 96 S. (NB203) 8,80 Euro
Kurt Schwitters: Kuwitter. Grotesken, Szenen, Banalitäten. Edition Nautilus 1997. 96 S. (NB586) 8,80 Euro
Raoul Hausmann: Geist im Handumdrehen. Dadasophische Poesie. Edition Nautilus 1989. 64 S. (NB587) 7,50 Euro
Max Ernst: Schnabelmax und Nachtigall. Texte und Bilder. Mit einem Vorwort von Hrtibert Becker. Hg. von Pierre Gallissaires. Edition Nautilus 1994, 2. erweiterte Auflage 2006 (Kleine Bücherei). 128 S. (NB584) 9,90 Euro
Ulrich
Bischoff: Max Ernst 1891-1976. Jenseits der Malerei. Taschen
Verlag 2005. 96 S. Klappenbroschur. (NB904) 7 Euro
Reich
bebilderte Monografie über den künstlerischen Werdegang des
Avantgardisten der Dada-Bewegung und des Surrealismus.
René Magritte: Dies ist kein Buch. Polemik und Malerei. Edition Nautilus 1995 (Kleine Bücherei für Hand und Kopf). 96 S. (NB204) 8,80 Euro
Beat. Die Anthologie. Hg. von Karl O. Paetel. Maro Verlag 1993. 304 S. (NB918) 16 Euro
Andreas
Mand: Paul und die Beatmaschine. Roman. Maro Verlag 2006. 190 S.
(NB917) 12 Euro
„Schreibst du keine Noten, Paul?“ -
„Ich benutze Akkordsymbole.“ - „Kennst du keine?
Ich schon.“ - „Diese Musik kann man nicht schreiben.“
- „Mozart könnte es.“ - „Ich brauche Töne
für die Worte“, sagte Paul.
Jörg Fauser: Die Harry Gelb Story. Gedichte. Maro Verlag. Neuausgabe 2004. 76 S. (NB781) 12 Euro
Charles Bukowski: Irgendwo in Texas. Übersetzt von Carl Weissner. Maro Verlag 2000. 160 S. (NB919) 14,90 Euro
Horst Schmidt:
„The Germans love me for some reason“. Charles
Bukowski und Deutschland. Maro Verlag 2006. 320 S. (NB1099) 18
Euro
Die wichtigsten Rezensionen, Interviews und Statements,
Bildmaterial und Zeitdokumente, samt einer kompletten Bibliografie
der Originale und der Sekundärliteratur.
Richard Brautigan: Eine unglückliche Frau. Maroverlag 2002. 116 S. (NB783) 14,90 Euro
William
S. Burroughs: Die alten Filme. Stories. Maro Verlag 1995. 132 S.
(NB920) 11 Euro
„Ein Schriftsteller von der
Gefährlichkeit eines genialen Gangsters...“ „...der
wie kein anderer die Ängste, Horrorvisionen, die Manipulationen
des Menschen und die Alpträume einer verrückt gewordenen
Zivilisation beschrieben hat.“
Jack Kerouac: Lonesome Traveller.
Deutsch von Hans Hermann. Rororo 1981. 176 S. (NB382) 5,90 Euro
Acht
Prosaskizzen: atemlose, hektische Momentaufnahmen aus dem Leben des
Autors, der stets allein, stets unterwegs war und nirgends zur Ruhe
kam.
Jack Kerouac: Be-Bop, Bars und
weißes Pulver. Deutsch von Hans Hermann. Rororo 1979. 126
S. (NB383) 5,90 Euro
Die Szene: die Bars, Betten und Bungalows
von San Francisco. Die Personen: junge Schriftsteller, Maler und
Jazz-Musiker, ihre Freundinnen und Frauen.
Jack Kerouac: Engel, Kif und neue
Länder. Roman. Deutsch von Otto Wilck. rororo 1971. 192 S.
(NB384) 6,90 Euro
„Der Autor einer Jugend, die sich
inmitten der schlechtesten aller Welten zum glückseligen Leben
bekennt, nimmt uns mit auf seine Suche nach einem intensiven,
Rauscherfüllten Dasein in New York, Mexiko, Tanger, Paris und
London. In einer spontanen, scheinbar improvisierten Prosa
geschrieben ... ist dieses Buch zugleich ein faszinierender
Schlüsselroman über die Hauptgestalten der
Beat-Generation.“ (Klappentext).
Jim Morrison: The American Night.
The Wrightings Bd. 2. Übersetzt von Barbara Jung und Sabine
Sassmann. Maro Verlag. 224 S. (NB782) 16 Euro
An American
Prayor; Poems from „Tape Noon“; Celebration of the
Lizard; The Soft Parade; Poems from „The Village Reading“;
The Hitchhiker, Poems from „Dry Water“; Gedichte aus dem
Nachlaß; Paris Journal.
Henry Miller: Lachen, Liebe,
Nächte. Sechs Erzählungen. Rororo. 192 S. (NB394) 6,90
Euro
In der Schilderung unbürgerlicher Schicksale und
grotesker Situationen erweist sich Henry Miller auch hier als
Verfechter ungehemmter Daseinsfreude.
Henry Miller: Wendekreis des
Krebses. Roman. Deutsch von Kurt Wagenseil. Rororo. 400 S.
(NB773) 8,90 Euro
„Mit diesem jahrelang verketzerten und
verbotenen Buch fegte der einst verfemte, heute weltberühmte
Autor alle Tabus hinweg. Es war der erste heftige Angriff gegen eine
Gesellschaft, die den Boden bereitet, auf dem das Laster gedeiht. Es
schlug die entscheidende Bresche in die Mauer von Heuchelei und
Prüderie.“ (Klappentext).
Anais Nin: Das Delta der Venus.
Erzählungen. Fischer Taschenbuch 2005. 336 S. (NB841) 8,95
Euro
„Die fünfzehn erotischen Episoden stellen in
der Tat das meiste in den Schatten, was wir an erotischer Literatur
aus der Feder einer Frau kennen.“ (Klappentext).
Anais Nin: Die
verborgenen Früchte. Fischer Taschenbuch 2005. 208 S.
(NB842) 8,95 Euro
Ein Maler, der seine Frau nur in seinen
Werken begehren kann, zwei Fremde am Strand, die im Meer zueinander
finden – sensibel und unverhüllt beschreiben die
Geschichten der Anais Nin die ganze Welt der Liebe. Bei aller
Offenheit haben sie dabei vor allem ein Ziel: zu zeigen, daß
Sex erst durch Gefühle zu wirklicher Erotik wird.
Virginia Woolf: Ein verwunschenes Haus. Erzählungen. Fischer Taschenbuch 1990. 160 S. (NB391) 5,45 Euro
Jean Genet: Querelle. Roman.
Rororo. 224 S. (NB392) 7,90 Euro
„Dieser schockierende
Roman um den Matrosen und Mörder Querelle ist das Tagebuch eines
Verdammten, den nichts retten kann, es sei denn die Objektivierung
des Entsetzens durch Sprache. Jean Genet spricht das Intimste und das
Öffentlichste aus, die Verwandlungen der Grausamkeit in
Entzücken und des Entzückens in Grausamkeit, die Riten der
Mörder, Opfer und Henker, die miteinander identisch sind.“
(Klappentext). Von Faßbilder verfilmt.
Hubert Fichte: Versuch über die Pubertät. Roman. Fischer Taschenbuch. 306 S. (NB393) 8,65 Euro
Ludwig Elm:
Der Mantel der Geschichte und andere deutsche Denkwürdigkeiten.
Ein kleines Lexikon zur Zeitgeschichte. PapyRossa Verlag 2011. 194 S.
(NB1166) 12,90 Euro
Ludwig Elm, Dr. phil., *1934. War Professor
an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und 1994 bis 1998
Bundestagsabgeordneter der PDS. Veröffentlichungen zur
Geschichte der Parteien, der politischen Ideen und der Hochschulen in
Deutschland. Teils ironisch und sarkastisch, teils ernsthaft und
sachlich-informativ behandelt das kleine Lexikon in über 300
Stichworten und Artikeln Begriffe und Ereignisse aus Politik,
Geschichte und Kultur. Es bietet Wissenswertes, das oft vergessen
oder verdrängt wird, regt zur kontroversen Deutung politischer
Schlagworte und Floskeln an und fördert die eigene nachdenkliche
Betrachtung. So eröffnet es einen etwas anderen Blick auf die
neuere deutsche Geschichte und die bundesdeutsche Gegenwart.
Wiederholt werden kluge Einwürfe und Kommentare von Autoren
vergangener Epochen und verschiedener Länder einbezogen.
Immerhin ist ein reiches geistig-moralisches und politisches Erbe zu
bewahren und zu nutzen. Konventionelle Lexika verschiedenster Art
sollen weder nachgeahmt noch ersetzt werden. Vielmehr geht der
Anspruch dahin, sie zu ergänzen, fahrlässig oder
absichtsvoll vernachlässigte Aspekte hervorzuheben und
erhellende Verblüffung und erkenntnisfördernde
Aha-Erlebnissezu provozieren.
Kurt Pätzold
/ Manfred Weißbecker (Hg.): Kleines Lexikon historischer
Schlagwörter. Militzke Verlag 2005. 336 S. (NB831) 14,90
Euro
Alle Menschen werden Brüder; Am Deutschen Wesen mag
die Welt genesen; Aufstand der Anständigen; Befehl ist Befehl;
Bonn ist nicht Weimar; Davon geht die Welt nicht unter; Der Zweck
heiligt die Mittel; Eigentum verpflichtet; Eine andere Welt ist
möglich; Eiserner Vorhang; Entartete Kunst; Ich bin ein
Berliner; Keine Experimente; Volk ohne Raum; Vom Ich zum Wir; Wir
sind das Volk usw.
Hans-Jürgen
Fink & Michael Seufert: Georg Kreisler gibt es gar nicht. Die
Biographie. Scherz Verlag 2005. 320 S. mit beigelegter CD. (NB896)
24,90 Euro
Was ist das für ein Mensch, der seine
Empfindsamkeit auf so wunderbar bösartige Weise in bizarre
Poesie verwandeln kann? Was steckt hinter diesem scharfzüngigen,
aber zutiegst menschlichen Melancholiker? Georg Kreislers Geschichte
ist die Entwicklung eines großen musikalischen Talents in einer
über fünfzig Jahre währenden Karriere, aber auch die
Geschichte eines europäischen Juden, seiner Flucht vor den Nazis
und seiner Suche nach einer Heimat. Die beigelegte CD enthält
frühe, bisher unveröffentlichte Aufnahmen.
Horst Tomayer: Tomayers ehrliches Tagebuch 1996-1988. Konkret. (NB16) 10,15 Euro
Harry Rowohlt: In Schlucken-zwei-Spechte. Harry Rowohlt erzählt Ralf Sotscheck sein Leben von der Wiege bis zur Biege. Goldmann Taschenbuch 2004. 240 S. (NB861) 8,95 Euro
Fanny Müller: Das fehlte
noch! Mit Röhm und Hitler auf La Palma. Edition Tiamat 1997.
160 S. Gebunden. (NB426z) 14,30 Euro
Wer Fanny Müller
kennt und dieses Buch noch nicht besitzt, der wird es kaufen.
Helmut
Loeven: Streiten Sie nicht mit einem Deutschen, wenn Sie müde
sind. 21 Polemiken. Situationspresse 2001. 128 S. Paperback.
(NB1077) 10 Euro
21 polemische Aufsätze, die in den Jahren
1994 bis 2001 in dem satirischen Magazin DER METZGER erschienen sind,
werden in diesem Buch zu einer Collage der Gesellschaftskritik
kompiliert. Themen: 8. Mai; Stefan Heym als Alterspräsident und
die Schlammschlacht der Opportunisten (Biermann & Broder);
Deutsche „Leitkultur“ als „Kultur“ der
Dummheit und Gehässigkeit; die Taz; Afghanistan; Dunkelziffer;
die Grünen; Viagra und der Feminismus; Henryk M. Broders
Geltungsbedürfnis; Jugoslawien; Dienstleistungsgesellschaft;
Kohl; Gesundheitspolitik; PDS; Gisela Elsner; Mescalero-Affäre;
„68“.
Helmut
Loeven: Die Vegetarier von heute sind die Kannibalen von morgen.
Das philosophische Kabarett. 177 Glossen (Sie können Gedanken
lesen). Situationspresse 2003. 192 S. (NB1078) 10 Euro.
Eine
Auswahl von Glossen, die von 1992 bis 2003 in dem satirischen Magazin
DER METZGER erschienen sind, für diese Edition bearbeitet und zu
einer polemischen Collage komponiert. Die Kapitel: Call any
Vegetable; Kritik der reinen Unvernunft; Über das Reale; Die
Vegetarier von heute sind die Kannibalen von morgen; Aus der
Geschichte der Musik; Chauvinisten im Stimmbruch (gegen den
Etikettenschwindel der „Antideutschen“); Antworten;
Heimatkunde.
Helmut Loeven: Der Gartenoffizier.
124 komische Geschichten. Situationspresse 2008. 268 S. (NB1079)
16,50 Euro.
Komische Geschichten, schöne
Geschichten, Geschichten an Kaminen. „Dieses Buch ist ein
Beitrag zur Heimatkunde und zur Zeitgeschichtsforschung und ein
Einspruch gegen Verhältnisse, die nicht so sein sollten wie sie
sind“, sagte der Autor. Und darum handeln die Geschichten auch
von der Großen Verweigerung. Schul-Geschichten, Rock-and-Roll-
Geschichten, DER METZGER, APO- und Ostermarsch-Geschichten,
K-Gruppen-Geschichten, Kommune-Geschichten, Bröselmaschine,
Obelix-Geschichten, Liebesgeschichten, Hut-Film-, Eschhaus- und
Mister-Jöes-Geschichten, Schöne-Frauen-Geschichten,
Friedensdemo-Geschichten, Uni-Geschichten, DISS, Dada, Weltbühne,
UZ-Fest-Geschichten u.v.a. „Mit Spaß-Guerilla hielten wir
uns gar nicht erst auf; wir gingen gleich zur Quatsch-Guerilla über.“
Wiglaf Droste: Bombardiert Belgien & Brot und Gürtelrosen. Edition Tiamat. Gebunden. (NB427) 14 Euro
Wiglaf Droste: Die Rolle der Frau. Edition Tiamat 2001, gebunden. (NB431) 14 Euro
Wiglaf Droste / Gerhard Henschel: Der Mullah von Bullerbü. Roman. Edition Nautilus 2000. Hardcover mit Schutzumschlag. (NB225) 14,80 Euro
Gerhard
Henschel: Gossenreport. Betriebsgeheimnisse der Bild-Zeitung.
Mit einem Gastbeitrag von Hermann L. Gremliza. Edition Tiamat (Citica
Diabolis) 2006. 192 S. (NB973) 14 Euro
„Wer einen
konkreten und aktuellen Beitrag zur Werte-Debatte lesen will, der
sollte den brillanten Essay studieren, den der Schriftsteller Gerhard
Henschel im Merkur unter dem Titel ‚Von Tag zu Tag wird‘s
schmutziger‘ über ‚Bild als Kulturproblem‘
veröffentlicht hat.“ Wer es bislang versäumt hat,
kann es hier nachholen. Auf weiteren 190 Seiten treten auf: Papst
Benedikt XVI., „geile Bückstücke“, Ottfrid
Fischer, Günter Grass, „ordinäre Schlampen“,
Bundespräsident Horst Köhler, „STÄNDIG GEILE
TEENIES (19+)“, Bischof Wolfgang Huber, „Schampus-Michi“,
Frank Schirrmacher u.v.a.m.
Peter Weingartner: Der Lichtermann. Kurzgeschichten. Edition 8, 2009. Ca. 160 S. Hc. (NB1113) 15,20 Euro
Franz Rueb:
Rübezahl spielte links aussen. Erinnerungen eines
Politischen. Edition 8 2009. 312 S. Hc. Fadenheftung, Lesebändchen.
(NB1115) 21,80 Euro
Der Autor erinnert sich an seine Jugend als
Heimkind, zuerst unter der Fuchtel katholischer Nonnen, dann im
evangelischen Kinderheim, tyrannisch geführt von einem „Jünger
Pestalozzis“, der die Anstalt als einträgliche Fabrik für
Kinderarbeit betreibt. Rueb beschreibt eine Hölle
selbstgerechter, schwarzer Pädagogik in beklemmender
Bildhaftigkeit. Der junge Rueb ist rebellisch, einer, der sich nicht
fügen will und immer wieder Nischen zum Widerstand findet.
Fußball zum Beispiel. Der sagenhafte Rübezahl, der
Berggeist, bewegt seine Fantasie, wird zu seinem geheimen
Verbündeten, seinem zweiten Ego. Er erfindet eigene
Rübezahl-Geschichten und unterhält damit die Heimzöglinge.
Erzählen als eine Form von Widerstand. So schafft er sich seinen
Ruf und einen neuen Namen – Rübezahl. Er wird ihm sein
Leben lang bleiben.
Michael
Schulte: Ich freu mich schon auf die Hölle. Szenen aus
meinem Leben. Picus Verlag 2005. 240 S. Hc. (NB882) 19,90 Euro
„Wenn
es jemals einen Aphorismus gab, der mir als Lebensmotto tauglich
erschien, dann dieser, ich glaube, er stammt von Seneca: 'Lebe, wie
du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben'.“ –
Dank seiner bewährten Fabulierkunst geraten Michael Schultes
Szenen aus seinem turbulenten Leben zu einem wahren Lesevergnügen.
Anekdotenreich schildert er nicht nur seine Kindheit sowie Episoden
in Ländern, Städten und Kneipen, sondern skizziert auch
ganz persönliche Porträts von außergewöhnlichen
Wegbegleitern wie H.C. Artmann, John Cage, Wolf Wondratschek, Gert
Jonke, Albert Vigoleis Thelen und Ludwig Lugmeier.
Wolfgang
Bortlik: Halbe Hosen. Roman. Edition Nautilus 2000. 192 S. Hc.
(NB857) 8,25 Euro
Ein Kommissar steht auf alte
Fußballsammelbildchen, seine Tochter mehr auf nabelfreie
T-Shirts mit schmutzigen Parolen. Fuck me, I'm yours – das hat
Dickie Tarrach einst ersonnen. Heute schreibt er fürs Feuilleton
und muß aufpassen, seine Frau nicht an einen leberwurstäugigen
Streifenpolizisten zu verlieren. Lauter Möchtegerns und
Gernegroße kommen sich in Bortliks Welt in die Quere, halbe
Hosen eben – bis Tarrach eines Tages vom Furor der Direkten
Aktion gepackt wird. Dickie Tarrach führt das süße
Leben eines Fensterguckers und gelegentlichen Kulturjournalisten in
der Stadt Badenwerder. Von seiner turbulenten Jugend als
Punk-Revolutionär hat er sich längst verabschiedet und
brütet jetzt über einer gewissen universellen Langeweile,
während seine Frau Kathi, Managerin in einer Plattenfirma, für
die materiellen Lebensgrundlagen sorgt. Eines Tages aber tauchen
Tarrachs alte Freunde wieder auf: Hildebrand, damals wie heute ein
verhinderter Top-Produzent, und Ruginstein, inzwischen eine Art
Joschka Fischer der Esoterik, bringen den Fenstergucker mächtig
auf Trab. Dickie übt, emotional verwirrt und aufgepeitscht von
homöopathischen Tropfen, die spontane Revolte des sozialen
Individuums – versaubeutelt seine Jobs, stört
Dichterlesungen, vergiftet Hunde. Dem chaotischen Terzett um Tarrach
steht als charakterfester Dreierpack die Besatzung der
Neu-Badenwerder Polizeiwache gegenüber. Auf den ehrenwerten
Kommissar Laumanne und seine Adlaten Beckmann und Huber warten
allerdings zwei große Bewährungsproben: die Esoterikmesse
und ein Popkonzert, das Dickie zum Ort seiner ultimaten Rache
auserkoren hat. Wolfgang Bortlik, geboren 1952, ist Hausmann in Basel
und arbeitet gelegentlich als Buchhändler, Kritiker, Übersetzer
und Musiker.
Wolfgang
Bortlik: Wurst & Spiele.
Roman. Edition Nautilus 1998. 220 S. Hc. (NB858) 8,25 Euro
Horak
heißt der Taugenichts, der in diesem Roman Teile seiner
Biographie am Rande von Gesetz und Gesellschaft preisgibt. Zugleich
aber handelt die Geschichte von ungewöhnlichgegenwärtigen
Geschehen in der Schweizer Kleinstadt Langenburg.
Volker
Bleeck: Kommen wir nun zu etwas völlig anderem – 40 Jahre
Monty Python. Schüren Verlag 2008. 192 S., viele Bilder.
(NB1073) 19,90 Euro
Endlich ein Buch, das Fragen beantwortet,
statt welche zu stellen: Was hat Monty Python mit Mr. Bean zu tun?
Und was mit Alfred Biolek? Wer ist der musikalischste der Pythons?
Und wer der größte? Wie lautet der tödlichste Witz?
Welcher der Pythons kommandierte später Brad Pitt und Johnny
Depp herum? Und welcher Indiana Jones? Und wieso geht auch das
nervige Phänomen der Spam-Mails zurück auf Monty Python
anno 1970? Das Buch schlägt einen Bogen vom Anfang des
Python-Humors bis zu dessen vorläufigem Ende, es erzählt
genauso von den Wurzeln wie von den späteren Wucherungen. Dazu
gibt es eine kommentierte Auflistung ALLER 45 Episoden von „Monty
Python’s Flying Circus“, ein eigenes Kapitel über
die beiden in München produzierten Folgen der Pythons und die
nicht zu unterschätzende Bedeutung der deutschen
Synchronfassungen. Weitere Kapitel widmen sich allen Kinofilmen, den
umjubelten Tourneen, Büchern und Platten und den späteren
gemeinsamen Arbeiten für Film, Rundfunk, Internet und Fernsehen.
Besonders intensiv befasst der Autor sich auch mit den
Einzelkarrieren der sechs Mitglieder von Monty Python, von Michael
Palins Reisen für die BBC rund um die Welt über Terry
Gilliams kurvenreiche Karriere als einer der kreativsten und
dickköpfigsten Regisseure Hollywoods bis zu dem bekanntesten
Python, John Cleese, der zuletzt gleich in zweien der erfolgreichsten
Film-Franchises aller Zeiten mitspielte (James Bond & Harry
Potter). Den Nachfolgern des Python-Humors in England ist ein
weiteres Kapitel gewidmet und auch die deutsche Auffassung von Humor
wird in einem eigenen Abschnitt beleuchtet.
Hanns
Dieter Hüsch: Du kommst auch drin vor. Gedanken eines
fahrenden Poeten. Klartext Verlag, Reihe Wir in Nordrhein-Westfalen –
Unsere gesammelten Werke 2007. 384 S. Hc. (NB1080) 7,95 Euro
Hanns
Dieter Hüsch hat sich in diesem autobiographischen Buch mit der
gleichen pointierten Schärfe wie auf der Bühne zu seinem
Leben geäußert. Das Bild, das er von sich und seiner
Kindheit zeichnet, ist nicht rosig: wegen einer Missbildung der Füße
muss er sich mehrmals Operationen unterziehen. So überschreibt
er sein erstes Lebenskapitel auch mit „Orthopädie und
Entertainment“. Unterhaltung als Waffe gegen den Schmerz. Hüsch
zur Geschichte seines Lebens: „Es ist nicht die Geschichte der
Bundesrepublik. Es ist meine Geschichte. Alles ist meins gewesen und
geworden. Kapitulation ja, Resignation nie. Optimismus ungern,
Zuversicht immer. Und oft ist und war meine Geschichte auch die
Geschichte von anderen. Und das werden immer die schönsten
Geschichten bleiben.“
Oliver Maria Schmitt: Die
schärfsten Kritiker der Elche. Die Neue Frankfurter Schule
in Wort und Strich und Bild. Alexander Fest Verlag 2001. 256 S. Mit
zahlr. Abbildungen. (NB647) 14,90 Euro
F.W. Bernstein, Bernd
Eilert, Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Peter Knorr, Chlodwig
Poth, Hans Traxler und F.K. Waechter sind die „Neue Frankfurter
Schule“. Dieses Buch ist eine Gruppenbiografie der
Satiriker-Elite. Die Leser erfahren auch einiges über die
Geschichte der Satire-Zeitschriften „Pardon“ und
„Titanik“.
Achim Greser: Der Führer
privat. Mit einem Nachwort von Wiglaf Droste. Edition Tiamat.
Gebunden. (NB428) 14,90 Euro
„Weil die wissenschaftliche
Kritik ihren Gegenstand als seriös voraussetzt, wurde immer eins
unterschlagen: daß Hitler eine vollkommen lächerliche und
alberne Figur war. Diese tiefe Weisheit hat Achim Greser in 44
Bildern festgehalten.“ (Klappentext). Bekannt aus „Titanik“.
Christian Y. Schmidt (Hg.):
Apokalypse Rot Grün. Die neueste Offenbarung der TITANIC.
Espresso-Verlag 2001. 144 S. Hc. Großformat, farbig. (NB523z)
19,90 Euro
Unentbehrlich in kommenden Wahlkämpfen:
erstklassige Karikaturen, komische Texte, gewagte Aktionen und
lustiger Telefonterror aus der Titanic.
Herman van Veen: Unter einem Hut.
Lebendige Erinnerungen. Rütten & Loening 2003. 192 S. 16
Fotos. (NB700) 12,90 Euro
In amüsanten Geschichten und
gefühlvollen Gedichten erzählt Herman van Veen aus seinem
Leben. Er spricht von seiner Kindheit im Utrecht der Nachkriegszeit,
von seinem mühseligen Studium am Konservatorium, von den
Anfängen und größten Erfolgen seiner Karriere.
Robert Gernhardt: Über alles. Ein Lese- und Bilderbuch. Fischer Taschenbuch 1996. 480 S. (NB330) 8,95 Euro
Robert Gernhardt: Es gibt kein richtiges Leben im valschen. Humoresken aus unseren Kreisen. Fischer Taschenbuch 1997. 96 S. (NB331) 5,95 Euro
Eckhard Henscheid: Meine Jahre mit Sepp Herberger. Neue Feuilletons. Edition Tiamat 1999. (NB263z) 20 Euro
Fritz Eckenga: Ich muß es ja wissen. Geschichten und Gedichte vom Fachmann. Mit Illustrationen vom Günter Rückert. Edition Tiamat 1998. 128 S. (NB248) 12 Euro
Wolfgang Nitschke:
Bestsellerfressen. Eine literarische Schlachtplatte. Edition
Tiamat 1999. 128 S. (NB262z) 12 Euro
Ein Tadel von
Reich-Ranicki ist noch eine Streicheleinheit verglichen mit den
Sezierungen des unbarmherzigsten aller Rezensenten. Für den
Rundfunk geschrieben (“Zugabe“, WDR) hier in einem Band
zusammengefaßt. Über Richard v. Weizsäcker, Marion G.
Dönhoff, Arnulf Baring, Guido Knopp, Isabel Allende, Guido Knopp
(nochmal), Peter Scholl-Latour, Marion G. Dönhoff (nochmal),
Alice Schwarzer, Reinhold Messner u.a.
Wolfgang Nitschke:
Bestsellerfressen II. Es ist angerichet.
Selbstbeweihräucherungsschmonzetten,
Mitteilungsbedürfnisschriften und andere literarische
Offenbarungseide. Edition Tiamat 2001. 160 S. (NB430z) 13
Euro
Diesmal über: Helmut Schmidt, Jürgen Domian,
Hella von Sinnen, Franz Alt, Dalai Lama, Rudolf Scharping, Joschka
Fischer, Guido Knopp, Carmen Thomas, Johanes Rau, Norbert Blüm,
Gertrud Höhler, Rita Süssmuth, Jürgen Fliege u.a.
Susanne
Witt-Stahl (Hg.): Das steinerne Herz der Unendlichkeit erweichen.
Beiträge zu einer kritischen Theorie für die Befreiung der
Tiere. Alibri Verlag 2007 (NB1006) 22 Euro
Die Aufsätze
renommierter Autorinnen und Autoren zielen darauf ab, die Befreiung
der Tiere als gesellschaftlich-emanzipatorisches Konzept zu
diskutieren und kritisch-theoretisch zu fundieren. Basis ist die
Überzeugung, daß Tiere als geknechtete und ausgebeutete
Wesen (an)erkannt werden müssen. Da die Unterdrückung der
Tiere als gesellschaftlich vermittelt begriffen wird, gilt sie auch
als historisch überwindbar. Im Zentrum der Überlegung steht
dabei die Dialektik der Naturbeherrschung samt der Folgen für
Mensch und Tier. Vorwort von Moshe Zuckermann.
Laurence Bobis: Die Katze.
Geschichte und Legenden. Gustav Kiepenheuer Verlag 2001. Hc. Mit
SchU. Mit 80 z.T. Farbigen Abb. (NB443) 10 Euro
Nicht nur in
unsere Herzen hat sie sich eingeschlichen, sondern auch in unsere
Haushalte – die Katze. Laurence Bobis gibt einen Einblick in
alle Epochen der Katzengeschichte. Von der Antike bis in die
Gegenwart folgt sie den Spuren, die unser aller Liebling hinterlassen
hat.
Hans Dieter
Baroth: Jungens, euch gehört der Himmel! Die Geschichte der
Oberliga West 1947-1963. Klatext Verlag 2006. Zahlr. Abb. (NB1009)
7,95 Euro
Erinnert an jene schwarz-weißen Kindertage des
Fußballs lange vor Einführung der Bundesliga. Ein Buch,
prachtvoll mit Geschichten und Anekdoten über legendäre
Spieler, spektakuläre Begegnungen und unvergessene Momente aus
sechzehn Jahren deutscher Fußballgeschichte.
Claus-Marco
Dieterich: Dicke Luft um Blauen Dunst. Geschichte und Gegenwart
des Raucher/Nichtraucher-Konflikts. Jonas Verlag. 144 S. mit zahlr.
Abbildungen. (NB1043) 10 Euro
Vin: „Ich sollte wirklich
aufhören, diese verdammten Dinger zu rauchen.“ Auggie:
„Genieße es, solange du kannst. Demnächst wird man
es uns sowieso per Gesetz verbieten.“ Vin: „Wer sich beim
Rauchen erwischen läßt, wird an die Wand gestellt und
erschossen.“ Auggie: „Heute Tabak, morgen Sex. In drei
oder vier Jahren ird es gesetzlich verboten sein, einen Fremden
anzulächeln.“ (Paul Auster, Szene aus „Smoke“).
Karl-Heinz Wellmann (Hg.): Haben
Fische Durst? 111 Antworten auf Fragen, die Ihnen schon immer auf
den Nägeln brannten. Jonas Verlag 2003. 120 S. (NB667) 10
Euro
Warum heißt die Bockwurst Bockwurst? Wächst das
Haar schneller, je öfter man es schneidet? Wer hat den
Regenschirm erfunden? Wie mißt man die Einschaltquoten?
Autorinnen und Autoren des Hessischen Rundfunks antworten auf
Hörerfragen. 111 Antworten aus der hr1-Entdeckungsreise wurden
für diesen Sammelband ausgewählt.
Karl-Heinz
Wellmann (Hg.): Können Vögel husten? 111 neue Antworten
auf Fragen, die Ihnen schon immer auf den Nägeln brannten. Jonas
Verlag 2005. 120 S. (NB821) 10 Euro
Seit wann gibt es
Schultüten? Wie weit ist der Horizont vom Strand entfernt? Wie
pflanzen sich kernlose Weintrauben fort? Warum werden Falschmeldungen
„Ente“ genannt? Wie geheim ist der Geheimrat?
K.C. Cole: Warum die Wolken nicht
vom Himmel fallen. Von der Allgegenwart der Physik. Aufbau
Taschenbuch 2002. 256 S. (NB597) 8,50 Euro
Ohne daß wir
es bewußt wahrnehmen, bestimmen physikalische Gesetze unser
tägliches Leben: Energieerhaltung, Ursache und Wirkung, Ordnung
und Unordnung, Schwerkraft und Fliehkraft. Dies alles erklärt
K.C. Cole auf verständliche und unterhaltsame Weise – und
auch, warum die Wolken nicht vom Himmel fallen.
Jungdemokraten / Junge Linke:
Stoffkunde. Drogen: Was wirkt wie und warum. Alibri Verlag. 2.,
überarbeitete Aufl. 2003. 120 S. Pb. (NB695) 7 Euro
Alkohol,
Amphetamine, Cannabis, Halluzinogene (LSD), Kokain, Lachgas, Ecstasy,
Opiate, Purindrogen. Das „Recht auf Rausch“, auf ein
bißchen Genuß durch die Einnahme berauschender
Substanzen, ist umstritten. Trotzdem konsumiert die Mehrheit der
Menschen zumindest gelegentlich die Stoffe. Die Stoffkunde wendet
sich an alle, die nach Informationen suchen über Geschichte,
Wirkung, Dosierung und gesundheitliche Folgen von Drogen.
Menschenwürde in der Drogenpolitik. Ohne Legalisierung geht s nicht! Konkret 1993. 208 S. (NB92) 14,50 Euro
Günter
Amendt, Gunter Schmidt, Volkmar Sigusch: Sex tells.
Sexualforschung als Gesellschaftskritik. konkret texte 54. 144 S.
(NB1178) 18 Euro
„Heute scheint es so, als könnten
alle sexuell beinahe alles tun. Doch 95 Prozent der Koitus ereignen
sich in festen Beziehungen, und die Singles, die immerhin 25 Prozent
der Stichprobe stellen, bringen nur 5 Prozent der sexuellen
Ereignisse auf die empirische Waage. Unser Alltag ist von sexuellen
Reizen ebenso übersättigt wie entleert, als könne die
übertriebene kulturelle Inszenierung des Sexuellen und dessen
ausufernde Kommerzialisierung die Lust effektiver austreiben als alle
Verbote, die einst das Sexuelle großgemacht haben und die heute
bei uns institutionell im Ernst nur noch der Vatikan propagiert. Die
Emanzipationsbewegungen haben um sexuelle und geschlechtliche
Selbstbestimmung gekämpft. Doch herausgekommen sind
Selbstbezüglichkeiten, selbstmächtig selbst produziert und
selbst reguliert wie Selfsex und Selfgender.“
Volkmar
Sigusch: Sexuelle Welten. Zwischenrufe eines Sexualforschers.
Psychosozial-Verlag 2005. 272 S. (NB927) 24,90 Euro
Sigusch
gewährt mit dieser Sammlung seiner besten verstreut publizierten
Essays Einblicke in die Fragen, mit denen sich die Sexualwissenschaft
befaßt. Können Säuglinge einen Orgasmus haben? Wie
sieht heute die Jugendsexualität aus? Ist der klitoridale
Orgasmus reifer als der vaginale? Wie ist AIDS vergesellschaftet
worden? Welche Erkenntnisse haben sexuelle Experimente im Labor
erbracht? Was ist natürlich am Sexuellen? Ist die Homosexualität
angeboren oder erworben? Wie funktioniert die Paar-Therapie? Kann die
Sexualität definiert werden? Was heißt Geschlechtswechsel?
Besonders reizvoll an diesem Buch ist die Spannung, die dadurch
erzeugt wird, daß Sigusch neben leicht lesbaren Traktaten, wie
„Von der Kostbarkeit der Liebe“, theoretisch
anspruchsvolle Beiträge, wie den „Satz vom
ausgeschlossenen Geschlecht“, präsentiert. Ein lustvolles
Lesevergnügen.
Prof. Dr. Volkmar Sigusch ist Direktor des
Instituts für Sexualwissenschaft in Frankfurt am Main. Er gilt
als Begründer der Kritischen Sexualwissenschaft und hat sowohl
praktisch wie theoretisch bahnbrechende Arbeit geleistet – als
Pionier der Sexualmedizin und Sexualtherapie in Deutschland.
Marvin Chlada: Dialektik des
Dekolletés. Zur kritischen Theorie der Oberweite. Alibri
Verlag 2006. 128 S. (NB946) 12 Euro
„Kunstwerke sind
asketisch und schamlos, Kulturindustrie ist pornographisch und
prüde.“ Max Horkheimer und Theodor W. Adorno.
Bereits
zu biblischen Zeiten hat ein voller weiblicher Busen für
reichlich Aufsehen und erregte Gemüter gesorgt. Doch nie haben
Brüste mehr Stoff für pralle Debatten geliefert als im
Zeitalter ihrer technischen reproduzierbarkeit. In seiner „Dialektik
des Dekolletés“ wirft Marvin Chlada einen Blick auf die
Geschichte der Brust und ihre Instrumentalisierung zwischen Glaube,
Kommerz und Utopie. Ausgehend von der „Busen-Attacke“ auf
Adorno im April 1969, sichtet er die Fülle an Material, die der
Kult um die Oberweite bis heute hervorgebracht hat. Dabei folgt er
dem Diktum Adornos: „Das einzige Heilmittel gegen die
Fetischisierung des Sexuellen ist der sexuelle Fetischismus.“
Mammopolis. Zeitschrift für Utopie- und Busenforschung. Hg. von Marvin Chlada. 1. Jahrgang – Heft 1. 20 S. (NB951) 2,50 Euro
Ludwig
Marcuse: Obszön. Geschichte einer Entrüstung. Diogenes
Taschenbuch. 384 S. (NB1032) 9,90 Euro
Die Frage: was empfindet
man in der Literatur als obszön? demonstriert und erläutert
Marcuse an großen literarischen Skandalen (Flaubert,
Baudelaire, Schnitzler, D.H. Lawrence, Henry Miller). Ludwig Marcuse
zieht als kritischer Freigeist und Entlarver mit Temperament gegen
Muckertum und Heuchelei zu Feld.
Lina Ganowski:
Meine angenehmen Erinnerungen. Tyrallis-Edition 2007. 144 S.
(NB1016) 12,50 Euro
Erotische Memoiren. „Die Autorin
führt uns durch ihr Studentenleben in Süddeutschland und
von da aus nach Holland, von wechselnden Abenteuern mit Männern
über eine lesbische Dreiecksbeziehung, bis sie schließlich
ihre große Liebe (wieder-)entdeckt. Zwischen diesen Polen
schildert sie ihren Werdegang, niemals bierernst, immer mit einem
Augenzwinkern, denn so lebt sie auch ihre sexuelle Vorliebe aus. Ich
empfehle das Buch, nicht als Wichsvorlage, denn dazu taugt es
definitiv nicht, sondern als interessante Beschreibung des Lebens
einer außergewöhnlichen jungen Frau.“ (Schlagzeilen)
Jean-Claude Kaufmann: Frauenkörper
– Männerblicke. Soziologie des Oben-ohne. . UVK
Verlag, 2. Aufl. 2006. 334 S. (NB948) 19,90 Euro
Wenn am Strand
die Hüllen fallen, läßt die Zivilisation keineswegs
die Zügel schleifen, sondern hält ihre Kinder ganz
besonders fest im Zaum. Wo sonst werden sie so eng und streng indas
unsichtbare Korsett ihrer Scham- und Peinlichkeitsschwellen
geschnürt, wo wird ihnen mehr Selbstkontrolle und
Selbstdisziplin abverlangt als beim Sonnenbaden oben ohne am Strand.
Sich freizügig geben, ohne sich bloßzustellen, sehen, ohne
zu starren, wissen, wann, wo, für wen und unter welchen
Umständen die Hüllenlosigkeit statthaft, oder aber
skandalträchtig ist. Das sind heikle Balanceakte auf beiden
Seiten, jedoch keineswegs ohne Netz und doppelten Boden. Vielmehr
steht den Akteuren, wie uns der französische Soziologe
Jean-Claude Kaufmann überzeugend vor Augen führt, eine
ausgefeilte, wenn auch ungeschriebene Etikette mit detaillierten
Verhaltensgeboten und -verboten zur Verfügung. Diese
alltäglichen und weitgehend unbewußten gesellschaftlichen
Spielregeln werden dem Leser schrittweise und mit viel soziologischem
Verständnis nachvollziehbar gemacht.
Julius Mende:
Die sexuelle Welle. Zwischen Sinnlichkeit und Vermarktung. Bilder
und Texte. Promedia 2007. 208 S., zahlr. Abb. (NB993) 19,90 Euro
Im
Mittelpunkt der Bilder und Texte von Julius Mende steht die
Sexualität. Der heute 60jährige präsentiert damit ein
in unterschiedlichen Lebensabschnitten praktisch, künstlerisch,
theoretisch und pädagogisch erfahrenes Bild einer lebendigen
Sinnlichkeit, die er gleichwohl durch die Warenwelt deformiert sieht.
Indem er die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema
Sexualität politisch aufarbeitet, kann das vorliegende Buch auch
als Kulturgeschichte gelesen werden. Mende spannt dabei den Bogen von
der verklemmen Nachkriegsepoche über die (angebliche) Befreiung
der Sexualität in den Kommunezeiten der 60er und 70er Jahre bis
zu zunehmenden marktwirtschaftlichen Zurichtungen von
Körperbeziehungen in den vergangenen 25 Jahren.
Heike Friauf
(Hg.): Eros und Politik. Wider die Entfremdung des Menschen. Ein
politisches Lese-Bilder-Buch. Mit Bildern und Graphiken von Thomas J.
Richter. Pahl-Rugenstein Verlag 2008. 170 S. engl. Broschur. (NB1091)
16,90 Euro.
Revolution und die freie Entfaltung von Liebe, Eros
und Erotik gehören zusammen, so wie die Entwicklung der Erotik
für die Menschwerdung unverzichtbar war. Dieses Buch zeigt den
Sachverhalt aus vier Perspektiven. Der Schriftsteller Peter Hacks
(1928 –2003) geht in seinem Essay über Pornographie, Kunst
und Erotik von der sich in der DDR entwickelnden sozialistischen
Gesellschaft aus, in der der Kampf gegen die Entfremdung schon
begonnen hatte. Demgegenüber beschreibt der marxistische
Analytiker der Nachkriegsrealität, der Geschichtsphilosoph Leo
Kofler (1907-1995), Ursachen und Folgen von Entfremdung und
Pauperismus. Der kulturhistorische Essay des Soziologen Werner
Seppmann bezieht die unterschiedlichen Entwicklungen in der DDR und
der Bundesrepublik ein und charakterisiert die extreme Beschleunigung
der Entfremdungsprozesse, denen wir heute ausgesetzt sind. Um die
gesellschaftliche Alternative – den vom Kapitalismus befreiten
Menschen – nicht aus den Augen zu verlieren, ist dieses Buch
von Thomas J. Richter mit Bildern, Zeichnungen und Druckgraphik
lustvoll ausgestattet.
Otto Gross: Von geschlechtlicher
Not zur sozialen Katastrophe. Edition Nautilus 2000. (NB226)
15,80 Euro
Otto Gross hat als erster die Psychoanalyse auf die
gesellschaftlichen Verhältnisse angewandt. Seine kritischen
Analysen der patriarchalischen Familien- und Gesellschaftsstrukturen,
seine Ansichten zu Sexualmoral, Erziehung, Frauenemanzipation und
sozialer Ethik haben nichts an Schärfe und Brisanz eingebüßt.
Werner Krebber: Sexualstraftäter im Zerrbild der Öffentlichkeit. Fakten, Hintergründe, Klarstellungen. Konkret 1999. 128 S. (NB10) 12,50 Euro
Barbara Burian-Langegger
(Hg.): Doktorspiele. Die Sexualität des Kindes. Picus Verlag
2005. 204 S. Ln. (NB869) 24,90 Euro
Der vorliegende Band sucht
Antworten auf zentrale Fragen zu einem brisanten Thema: as ist der
aktuelle Wissensstand zur Sexualität von Kindern? Was hat sich
in den letzten hundert Jahren in unserer Einstellung zur Sexualität
des Kindes geändert? Wie wirken sich die persönliche
Einstellung und der gesellschaftliche Umgang auf die Haltung von
Eltern, Erziehern und Psychotherapeuten aus? Ist der Mythos des
Kindes als „asexuelles Wesen“ immer noch aufrecht zu
erhalten? (Klappentext).
Gerhard Abl:
Kritische Psychologie. Eine Einführung. Schmetterling
Verlag, Reihe Theorie.org 2007. 228 S. (NB1003) 10 Euro
Gerhard
Abls kompakte Einführung zeichnet kritische Ansätze in der
Psychologie nach, verdeutlicht Problemstellungen und Kontroversen und
entwickelt daraus wesentliche Elemente einer kritischen Methodik. Das
Buch veranschaulicht die historische Herausbildung jener
Bezugspunkte, die vor allem aus den Bemühungen verschiedener
psychologischer Schulen um eine marxistische Orientierung erarbeitet
wurden und deren Kenntnis das Verständnis aktueller Strömungen
und Ansätze erleichtert. Was kritische Psychologie sein kann,
wird in diesem Buch vor allem aus psychoanalytischen Ansätzen
heraus erklärt. Nicht zuletzt, weil kritische Konzeptionen von
offiziellen Institutionen oftmals übergangen werden, bietet
dieses Buch eine ideale Einführung für Schüler und
Studenten, die sich für Psychologie interessieren und hierin
eine gesellschaftskritische Anschauung vertiefen wollen, sowie für
politisch Aktive in sozialen Berufen, denen an einer politischen
Reflexion ihrer praktischen Tätigkeit liegt. Ferner richtet es
sicvh an Leserinnen und Leser, die generell an einer verständlichen,
fundierten Darstellung zum Thema interessiert sind.
Gerhard Abl:
Studium der Psychologie und Politikwissenschaft in Salzburg,
Dissertation zum Thema „Die Dialektik bei Freud“.
Erich
Fromm: Sigmund Freunds Psychoanalyse. Größe und
Grenzen. Aus dem Amerikanischen von Liselotte und Ernst Mickel.
Psychosozial-Verlag 2006. 186 S. (NB928) 11,90 Euro
Fromm weist
die seiner Meinung nach wichtigsten Entdeckungen Freuds im Einzelnen
auf. Er zeigt, wo und in welcher Weise das für Freud
charakteristische bürgerliche Denken seine Entdeckungen
eingeschränkt und manchmal wieder verdeckt hat. Diese
wissenschaftstheoretisch brisante Auseinandersetzung Fromms mit Freud
zeigt die Tragweite der psychoanalytischen Entdeckungen und würdigt
gerade darin die Psychoanalyse. Zugleich ist sie eine hervorragende
Einführung in Fromms eigenes psychoanalytisches Denken.
Sieglinde
Eva Tömmel: Wer hat Angst vor Sigmund Freud? Wie und warum
die Psychoanalyse heilt. Brandes & Apsel 2006. 160 S. (NB930)
14,90 Euro
Die Psychoanalyse ist eine therapeutische Methode,
die auf gegenseitigem Vertrauen und auf der Verpflichtung zur
Wahrheit beruht. Das schließt auf Seiten des Patienten die
Bereitschaft ein, sich zu öffnen, das bestehende Leid und den
eigenen Kummer zu erzählen und darauf zu vertrauen, daß
der Andere, der Psychoanalytiker, gut mit diesem Vertrauen umgehen
wird. Sieglinde Tömmel zeigt gut verständlich auf, warum
wir vor der Psychoanalyse und Sigmund Freud Angst haben, und was es
bedeutet, sich auf die Psychoanalyse einzulassen. Wie und warum die
Psychoanalyse heilt, wird somit zu einer spannenden Reise in unsere
Innenwelt und in unsere Kultur psychischen Verstehens. Sieglinde
Tömmel ist es gelungen, oft gestellte Fragen an die
Psychoanalyse fundiert und klar auf dem aktuellen Stand der
Wissenschaft zu beantworten.
Erich Wulff: Das Unglück
der kleinen Giftmischerin und zehn weitere Geschichten aus der
Forensik. Edition Balance im Psychiatrie Verlag 2005. 180 S. (NB870)
12,90 Euro
In den Lebens- und Deliktgeschichten aus zwanzig
Jahren Arbeit als Gerichts-Sachverständiger versucht Erich Wulff
zu begreifen, auf welchen Wegen, Umwegen und Abwegen Mörder und
Vergewaltiger in ihre Taten hineingeschlittert sind: Was hat sie dazu
verführt? Was hat sie dazu getrieben? Vor dem Hintergrund dieser
Lebensgeschichten werden vermeintliche Monster wieder zu Menschen,
auch wenn der (Ab-)Grund nicht immer ganz auszuloten ist.
Susanne
Spindler: Corpus delicti. Männlichkeit, Rassismus und
Kriminalisierung im Alltag jugendlicher Migranten. Edition DISS im
Unrast Verlag 2006. 360 S. (NB942) 26 Euro
Junge Männer
mit Migrationshintergrund, die – oft wegen gewalttätiger
Delikte – inhaftiert sind, stehen im Mittelpunkt dieser
biographischen Analyse. Dabei zeigt sich, daß kulturelle und
religiöse Faktoren bei der Entwicklung ihrer Männlichkeit
eher eine Nebenrolle spielen. Vielmehr verweisen die Biographien auf
eine reduzierte Lebenswelt, die von unterschiedlichen Formen von
Gewalt durchzogen ist: physische und strukturelle Gewalt, erlittene
und ausgeübte Gewalt. Die Jugendlichen werden so schrittweise zu
„anderen Männern“, zu Defizitträgern und
„gewalttätigen Machos“, die „verantwortungslos“
handeln. Die gesellschaftliche Verweigerung einer anerkannten
Männlichkeit reduziert sie auf ihren Körper und läßt
ihre „Seele zum Gefängnis des Körpers“ werden
(Michel Foucault). Dabei verstärken Männlichkeitskonstruktionen
und erlebter Rassismus sich wechselseitig und führen im Resultat
zum gesellschaftlichen Ausschluß. Drohende Abschiebung
manifestiert diesen Ausschluß und offenbart gleichzeitig eine
spezifische Form des Rassismus.
Frank Wichert: Der VorBildliche Mann. Die Konstituierung moderner Männlichkeit in hegemonialen Print-Medien. Edition DISS im Unrast Verlag 2004. 208 S. (NB792) 16 Euro
Heide Oestreich: Der
Kopftuchstreit. Das Abendland und ein Quadratmeter Islam. Brandes
& Apsel 2004. 200 S. (NB726) 15,90 Euro
Wie unter einem
Brennglas bündeln sich im Kopftuch-Streit gesellschaftliche
Konflikte. Die muslimische Frau mit Tuch – eine Provokation auf
mehreren Ebenen. Staatliche Neutralität, Frauenbilder, „echte“
oder „falsche“ Toleranz, Integration, Religionsfreiheit,
vieles gilt es zu überdenken. Kein Wunder, daß an den
Schnittstellen dieser Diskurse die Emotionen hochkochen und die
Argumentationslinien quer durch die Parteien und Bewegungen
verlaufen. Heide Oestreich dokumentiert und diskutiert all diese
Positionen gründlich und prüft kritisch deren Argumente.
Das Buch spannt den Bogen vom Rechtsstreit der Lehrerin Ludin über
die Gesetze der Bundesländer zu den Parteien, von den türkischen
Vereinigungen und fundamentalistischen Organisationen bis zu den
europäischen Nachbarn, von feministischen Positionen über
sozialwissenschaftliche Studien bis hin zur multikulturellen Debatte.
Entstanden ist ein Buch, das den Bemühungen muslimischer Frauen
um Anerkennung Respekt zollt und eine reflektierte Politik der
Toleranz einfordert.
Andrea
Trumann: Feministische Theorie. Frauenbewegung und weibliche
Subjektbildung im Spätkapitalismus. Schmetterling Verlag Reihe
theorie.org 2002. 204 S. (NB926) 10 Euro
Diese kenntnisreiche
und originelle Einführung vermittelt einen fundierten Überblick
über die Geschichte der Neuen Frauenbewegung und die wichtigsten
Themen, Debatten und Strömungen feministischer Theoriebildung
der letzten drei Jahrzehnte. Das Buch spannt einen Bogen von den
frühen Auseinandersetzungen im SDS über den Kampf gegen den
§ 218 bis zur Queer-Theorie. Dabei erweist sich die Geschichte
der Neuen Frauenbewegung als Prozeß der Verinnerlichung des
staatlichen Zwangs zur Bevölkerungspolitik unter dem Banner der
Selbstbestimmung. Die Autorin setzt sich mit der Kritischen Theorie
und der Philosophie Michel Foucaults auseinander und nimmt zur
bioethischen Debatte über Pränataldiagnostik, Eugenik und
Reproduktionsmedizin Stellung.
Queen of the
Neighbourhood Collective: Revolutionäre Frauen. Biografien
und Stencils. edition assemblage 2011. 128 Seiten, 30 Abb., Pb.
(NB1190) 12.80 Euro
In Schrift und Bild porträtiert werden
dreißig Aktivistinnen, Anarchistinnen, Freiheitskämpferinnen
und Visionärinnen: Harriet Tubman, Louise Michel, Vera Zasulich,
Emma Goldman, Qiu Jin, Nora Connolly O’Brien, Lucia Sanchez
Saornil, Angela Davis, Leila Khaled, Comandante Ramona, Phoolan Devi,
Ani Pachen, Anna Mae Aquash, Hannie Schaft, Rosa Luxemburg, Brigitte
Mohnhaupt, Lolita Lebron, Djamila Bouhired, Malalai Joya, Vandana
Shiva, Olive Morris, Assata Shakur, Sylvia Rivera, Haydée
Santamaría, Marie Equi, Mother Jones, Doria Shafik, Ondina
Peteani, Whina Cooper und Lucy Parsons. Das Queen of the
Neighbourhood Collective (Aotearoa/Neuseeland), ein Kollektiv aus
Schriftstellerinnen, Forscherinnen, Redakteurinnen und
Grafikdesignerinnen.
Frauen gegen den § 218 – Bundesweite Koordination (hg.): Vorsicht „Lebensschützer“! Die Macht der organisierten Abtreibungsgegner. Konkret 1991. 240 S. (NB100) 12,90 Euro
Hilde
Schmölzer: Frauenliebe. Berühmte weibliche Liebespaare
der Geschichte. Promedia Verlag 2009. 240 S. (NB1093) 17.90
Euro
Bettine Brentano & Karoline von Günderrode,
George Sand & Marie Dorval, Charlotte Brontë & Ellen
Nussey, Auguste Fickert & Ida Baumann, Virginia Woolf & Vita
Sackville-West, Gertrude Stein & Alice B. Toklas, Anna Freud &
Dorothy Burlingham.
Frauen haben einander zu allen Zeiten geliebt,
sie haben einander begehrt, und sie haben auch sexuell miteinander
verkehrt. Doch wurde Frauenliebe je nach Epoche unterschiedlich
bewertet. Während sie im späten Mittelalter und in der
frühen Neuzeit mit dem Tod bestraft werden konnten, waren
Frauenfreundschaften in der Romantik nicht nur toleriert, sondern
gesellschaftlich teilweise gut angesehen. Gegen Ende des 19. und im
20. Jahrhundert hingegen setzte sich unter dem Einfluss einer neuen
Wissenschaft, der Psychiatrie, die Theorie von einer ererbten
Abnormalität durch, die jetzt zwar weniger strafwürdig
schien, dafür aber geächtet war. Sieben berühmte
Frauenpaare aus verschiedenen Epochen werden in dem Buch beschrieben;
wie sie gelebt, wie sie geliebt haben, in welche Zeit sie eingebunden
waren, wie die Gesellschaft auf ihre Beziehung reagiert hat und wie
sie sich selbst damit zurecht gefunden haben. Das Zeitalter der
Romantik ist durch das Paar Bettine Brentano und Karoline von
Günderrode vertreten, auch George Sand und Marie Dorval fallen
noch in diese Zeit. Die Vertreterinnen der ersten österreichischen
Frauenbewegung, Auguste Fickert und Ida Baumann, konnten hingegen nur
noch zum Teil von der Toleranz profitierten, die diesen „romantischen
Freundschaften“ entgegengebracht wurde. Virginia Woolf, vor
allem aber Vita Sackville-West standen bereits unter dem Einfluss der
Sexualwissenschaftler. Berühmtheiten wie Gertrude Stein und mit
ihr Alice B. Toklas schafften es, sich zu ihren Neigungen zu bekennen
und sich gleichzeitig von der anrüchigen Aura eines lesbischen
Paares weitgehend zu befreien, wobei die Anspielungen auf sexuelle
Freuden mit der Partnerin in Steins Texten verschlüsselt sind
und von Stein-Experten vielfach erst nach ihrem Tod enträtselt
wurden. Anna Freud und Dorothy Burlingham hingegen, die in einer über
fünzigjährigen Beziehung wie ein Ehepaar zusammen lebten,
haben eine lesbische Beziehung immer energisch bestritten, was mit
dem ungeheuren Druck, unter dem die Tochter des berühmten
Sigmund Freud gestanden ist, erklärt werden kann und nur
Vermutungen zulässt. Hilde Schmölzers Doppelbiographien
erzählen über Glück und Unglück, Liebe, Begehren
und Streit, über Konflikte, gegenseitigen Beistand, ein
gemeinsames Leben und die jeweiligen historischen Zusammenhänge.
Die Autorin hat ein kulturgeschichtliches Buch über oft
verdrängte Frauenbeziehungen geschrieben.
B. Emil König: Hexenprozesse. Freistühler-Verlag. Ln. Mit SchU. (NB31) 17,80 Euro
Jules Michelet: Die Hexe. Mit
einem Vorwort von Roland Barthes. Pro Media Verlag Wien 1988. 256 S.
(NB717) 15,90 Euro
In seinem Buch „Die Hexe“ (1862)
formulierte Michelet Thesen, die für die damalige Zeit
revolutionär waren: Die Geschichte der Hexen ist die Geschichte
der Unterdrückung der Frau. Der Grund für das Entstehen des
Hexenwesens ist nicht in menschlicher Bosheit zu suchen oder in einer
Art Übermut gelangweilter Aristokraten, sondern in der
Unterdrückung der unteren Klassen, in der Reaktion auf
unerträgliche Ausbeutung. Mit Michelets Worten: Nicht der
Unglückliche verschreibt sich dem Teufel, sondern der Elende,
den man so ausbeutet, daß ihm schließlich die Hölle
als akzeptabler Zufluchtsort vor der Hölle auf Erden erscheinen
muß. Michelets Monografie, die in ihrer mythenbezogenen
Darstellung der Romantik verpflichtet ist, wurde in der Überzeugung
geschrieben, daß es an der Zeit sei, einen Schlußstrich
zu ziehen unter die unheiligen Praktiken der Hexenjäger und
ihrer sekularen Helfershelfer.
Alice
Salomon: Lebenserinnerungen. Jugendjahre, Sozialarbeit,
Frauenbewegung, Exil. Brandes & Apsel 2008. 400 S. mit Abb.
(NB1075) 29,90 Euro
Alice Salomon, geboren 1872 in Berlin; ab
1893 Mitarbeit in dem Reformprojekt „Mädchen- und
Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit“; 1899 Eröffnung
des ersten Jahreskurses und 1908 der Sozialen Frauenschule in
Berlin-Schöneberg, eine der weltweit ersten Ausbildungsstätten
für Soziale Arbeit; 1902 Studium der Nationalökonomie,
Geschichte und Philosophie, 1906 Promotion; seit 1900 eine der
führenden Vertreterinnen der deutschen, seit 1909 auch der
internationalen Frauenbewegung; 1929 Gründung des
Internationalen Komitees Sozialer Schulen (heute: International
Association of Schools of Social Work); 1933 Verlust aller
öffentlichen Ämter; 1937 Ausweisung aus Deutschland, 1944
Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft; starb 1948 in New
York. In den USA verfasst sie ihre Lebenserinnerungen unter dem Titel
„Character is Destiny“ auf Englisch. Anläßlich
des 100jährigen Jubiläums der von Alice Salomon 1908
gegründeten Sozialen Frauenschule Berlin-Schöneberg
erscheinen im Brandes & Apsel Verlag die Lebenserinnerungen Alice
Salomons erstmals ungekürzt.
Kay Sokolowsky: Who the fuck is
Alice? Was man wissen muß, um Alice Schwarzer vergessen zu
können. Edition Tiamat 2000. 128 S. (NB251) 12 Euro
Die
berühmteste deutsche Feministin – eine Reaktionärin?
Ja, behauptet der Autor, der sich lange mit Frau Schwarzer
beschäftigt hat. Er beweist seine Behauptung an zahlreichen
Sätzen, die Alice Schwarzer in den letzten zwanzig Jahren hinter
sich gelassen hat. Als Theoretikerin eine Niete, als Schriftstellerin
ein Desaster, als Journalistin ein abschreckendes Beispiel, verdankt
Frau Schwarzer ihren Nimbus der Aufdringlichkeit, mit der sie sich
als Opfer verkauft hat. Am Ende stehen das Bundesverdienstkreuz, Leni
Riefenstahl und „Alfredissimo“. Die längst fällige
Demontage einer selbsternannten Heldin, die Bilanz eines
aufgeblasenen Lebens.
Katharina
Rutschky: Im Gegenteil. Untertitel:Politisch unkorrekte Ansichten
über Frauen. Mit einem Vorwort von Ina Hartwig. Verlag Klaus
Wagenbach 2011 (Wagenbachs andere Taschenbücherei). 144 S. Pb.
(NB1185) 10,90 Euro
Katharina Rutschkys mutiges, freies und
tabuloses Gegen- den- Strich- Denken fehlt in den aktuellen Debatten
um Frauen und ihre immer noch auszukämpfende Gleichberechtigung.
Zu ihrem Tod 2010 erschienen unzählige bestürzte Nachrufe.
Dem häufig geäußerten Wunsch nach einem Band mit
Texten aus dem Nachlass kommen wir jetzt nach. Die Aufsätze aus
über drei Jahrzehnten zeigen Katharina Rutschkys bemerkenswert
nimmermüden Kampf gegen männliche Vorurteile genauso wie
gegen weibliches Ressentiment und Selbstmitleid. Ganz besonders
scharf kritisiert sie ihre Lieblingsgegnerin Alice Schwarzer. Nicht
nur Themen wie Quote, Mutterschaft und Körperbilder/Mode oder
den alltäglichen Wahnsinn von Partnerschaftsproblematiken
verhandelt sie in ihrem unnachahmlich ironischen Ton, sondern sie
schreibt auch berührende Portraits von beeindruckenden Frauen.
Dabei hat sie sich nie mit der Sorge abgegeben, politisch korrekt zu
sein.
Katharina
Rutschky: Emma und ihre Schwestern. Ausflüge in den real
existierenden Feminismus. Carl Hanser Verlag 1999. 160 S. Hc.
(NB1145) 14,90 Euro
Eine informierte, messerscharfe Diagnose
der Frauenbewegung in Deutschland. Gegen feministische Dogmen aller
Art stellt Katharina Rutschky ihren Befund, daß die Sache der
Frauen in Spießigkeit von gestern oder in einen neuen
Fundamentalismus abgleitet. Feminismus ist die Antwort – aber
auf welche Frage? Wie eine Tomate Geschichte machte – und
welche. Die sexuelle Revolution enttäuscht ihre Kinder. Wenn
Frauen forschen. Das Männerbild der Frauenbewegung. Von der
Rebellion zur Reaktion: Eine Frage verschwindet.
Elke Schubert (Hg.): Wenn Frauen
zu sehr schreiben... Einige bescheidene Einwände gegen das
Geschäft mit der starken Frau. Edition Tiamat. (NB264z) 12,50
Euro
Seit Jahren bereits ist der Siegeszug einer Literatur zu
beobachten, in der starke Frauen ihren Beruf mit links erledigen,
ganz nebenbei den Haushalt schmeißen und meist nach vielen
Irrungen doch noch den richtigen Mann finden, einen für alle
Fälle oder für jede Gelegenheit, mit dem alles anders wird.
Frauen-Kolportage-Romane, eine Fülle von Ratgeber-Literatur und
Pseudo-Fachbüchern bedienen den Mythos von der Powerfrau, mit
der sich glänzende Geschäfte machen lassen. Jeder große
Verlag leistet sich mittlerweile eine Frauenreihe mit der Anleitung
zum „Unartig-Sein“ à la „Machiavelli für
Frauen“ oder Frauenromanen, in denen als das non plus ultra des
weiblich frechen Humors der Besitzer einer Wurstfabrik Herr „Zipfel“
heißt. Die Autorinnen des Buches beschäftigen sich in
Analysen, Pamphleten und Satiren mit der Frage, wie alles anfing und
wann es endlich wieder aufhört.
Siegfried
Jäger: Kritische Diskursanalyse. Eine Einführung.
Unrast Verlag (Edition DISS). 5. Auflage, Oktober 2009. 404 S.
(NB1124) 24 Euro
Kritische Diskursanalyse, inspiriert von den
Schriften Michel Foucaults und orientiert an kultur- und
literaturwissenschaftlichen Analyse- und Interpretationsverfahren,
erfreut sich zunehmender Beliebtheit in allen Disziplinen, die mit
Texten zu tun haben. Sowohl Pädagogen wie Psychologen, Sozial-,
Sprach- und Literaturwissenschaftler, Medien- und
Kommunikationswissenschaftler haben inzwischen erfolgreich mit den
Vorschlägen, die die Kritische Diskursanalyse enthält,
Diskurse analysiert und interpretiert. Das kritische Potential, das
dieses Verfahren enthält, macht dieses besonders geeignet,
gesellschaftlich brisante Themen zu analysieren, ihre Formen und
Inhalte zu problematisieren und zu kritisieren, ungerechtfertigte
Wahrheitsansprüche offenzulegen, Widersprüche aufzudecken
und die suggestiven Mittel diskursiver Ansprache aufzuzeigen.
Siegfried
Jäger (Hg.): Wie kritisch ist die Kritische Diskursanalyse?
Ansätze zu einer Wende kritischer Wissenschaft. Unrast Verlag
2008 268 S. Pb. (NB1087) 24 Euro
Können
Diskurstheorie und Diskursanalyse dazu beitragen, neue politische
Wege aufzuzeigen, wie globalen Fehlentwicklungen konkret
gegenzusteuern ist? Reicht es, das scheinbar Selbstverständliche
als fragwürdig und veränderungsbedürftig auszumachen,
oder können Orientierungen aufgezeigt werden, wie praktische
politische Gegenwehr möglich ist? Um diese Fragen zu
beantworten, werden verschiedene Konzepte von Diskurstheorie und
Diskursanalyse dargestellt und deren politischer Stellenwert anhand
konkreter Untersuchungen beleuchtet. Mit diesem Buch werden die 2007
auf dem 20. Jahrescolloquium des DISS gehaltenen Vorträge und
Diskussionen veröffentlicht, die um weitere Beiträge zum
Thema ergänzt wurden. Beiträge von Martin Dietzsch, Franz
Januschek, Jürgen Link, Jobst Paul, Regina Wamper u.a.
Siegfried
Jäger, Jens Zimmermann (Hg.)
in Zusammenarbeit mit der Diskurswerkstatt im DISS: Lexikon
Kritische Diskursanalyse.
Eine Werkzeugkiste. Edition DISS im Unrast Verlag 2010. 144 S.
(NB1150) 16 Euro
Alle Grundbegriffe der Kritischen
Diskursanalyse. Die Diskurswerkstatt im DISS hat ein Begriffslexikon
zur Kritischen Diskursanalyse erarbeitet. Dieses Lexikon enthält
über 200 Definitionen zentraler Begriffe, die sich letztlich auf
die Arbeiten von Michel Foucault beziehen. In einer Einleitung wird
das zentrale Netz von Diskurstheorie und Diskursanalyse entfaltet, in
dem sich diese Begriffe verorten lassen. An der Erarbeitung beteiligt
waren ca. 18 Mitarbeiterinnen der Diskurswerkstatt. Die Redaktion
erfolgt durch Siegfried Jäger und Jens Zimmermann.
Diskursanalyse (-theorie) im Allgemeinen und die Kritische
Diskursanalyse im Besonderen gehören mittlerweile zum
theoretischen und methodischen Kanon der geistes- und
sozialwissenschaftlichen Forschung. Das Begriffslexikon will den
aktuellen Stand der Kritischen Diskursanalyse (KDA) theoretisch,
methodisch und begrifflich erfassen. Es präzisiert
Begrifflichkeiten und bietet darüber hinaus als Nachschlagewerk
Hilfestellungen für konkrete empirische Arbeiten sowie
Anregungen für die weitere theoretische Diskussion. Neben einer
solchen anwendungs-spezifischen wissenschaftlichen Ausrichtung ist
das Lexikon auch dazu geeignet, Studierenden den Zugang zu dem
Standardwerk Kritischen Diskursanalyse (KDA). Eine Einführung
(5. Aufl. 2009) zu erleichtern. Es kann komplementär zu dieser
Einführung gelesen werden und so ein tieferes Verständnis
der Theoriearchitektur und des methodischen Vorgehens ermöglichen.
Das Lexikon richtet sich aber auch an „politisch
Praktizierende“ und versucht für diskursanalytische
Perspektiven auf Politik zu sensibilisieren. Die KDA stellt dabei das
Rüstzeug zur Analyse gesellschaftlicher Konstruktionen wie z.B.
‚Gender‘ oder ‚Ethnie‘ sowie hegemonialer
Identitäten und Politikformen zur Verfügung. Durch das auf
diese Weise gewonnene Verständnis diskursiver Prozesse können
politische Aktions- und Kommunikationsformen offengelegt und –
wo es Not tut – kritisiert werden. Als angewandte
Diskurstheorie kann Diskursanalyse sich interdisziplinär
kritisch mit gesellschaftlichen Deutungs- und
Wirklichkeitsproduktionen auseinandersetzen und es ermöglichen,
Gegenstrategien zu hegemonialer Politik zu formulieren.
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Buchhandlung
Weltbühne * Internet: www.buchhandlung-weltbuehne.de
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