
Jutta Ditfurth: Haltung und Widerstand. Eine epische Schlacht um Werte und Weltbilder. Osburg Verlag 2019. 250 S. (NB1434) 22,00 ¤
Haltung und Widerstand - in ihrem neuen Buch fordert Jutta Ditfurth genau diese Tugenden ein im Kampf gegen die fortschreitende Entbürgerlichung unserer Gesellschaft. Eine ebenso klarsichtige wie faktenreiche Streitschrift wider die dumpfe Renaissance gefährlicher politischer Ideen, gegen Rassismus und Antisemitismus. Eine leidenschaftliche Analyse der Wurzeln der neuen Rechten, ihrer Strategien und ihrer Wirkung bis in die bürgerliche Mitte hinein. Historisch fundiert, brisant und hochaktuell.
Claire Rodier: Xenophobie
Business. Wer profitiert vom Grenzregime? Aus dem Französischen
von Julia Schaefermeyer. Unrast Verlag 2015. 144 S. (NB1350) 13
Euro
Claire Rodier geht der Frage nach, wozu - und wem -
Einwanderungskontrollen dienen. Dazu gibt sie einen seltenen Einblick
in die Welt der privaten Sicherheitsunternehmen und deren
Verstrickungen in politische Entscheidungs- und
Gesetzgebungsprozesse. Darüber hinaus zeigt sie die ideologische
Funktion der Aufrüstung an den Grenzen auf: wie Angst ausgebeutet
und Migration kriminalisiert wird, um daraus politischen wie
wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Am Beispiel von
Asylverfahrenslagern und der europäischen Grenzschutzagentur Frontex
wird deutlich, dass immer schärfere Grenzkontrollen nicht allein dem
vorgeblichen Zweck der Überwachung und Abschreckung, sondern
verschiedensten ökonomischen Interessen dienen. Das Geschäft mit
der Xenophobie deckt erstaunliche Zusammenhänge zwischen
migrationspolitischen Erwägungen und privatwirtschaftlichen
Interessen auf. "Ungläubig arbeitet man sich von Kapitel zu
Kapitel vor und möchte nicht glauben, daß bei Themen wie
Menschenleben und -rechten Sicherheitsunternehmen mitmischen und
verdienen, die unter dem Druck der globalisierten Weltwirtschaft
stehen. Rodiers spannendes Sachbuch ist schwer verdaulich."
(Laura-Solmaz Litschel in Konkret).
Claire Rodier ist eine
französische Journalistin, Juristin und Mitbegründerin des
europäisch-afrikanischen NGO- und Informations-Netzwerks migreurop.
Sie ist Autorin und Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu den
Themen Migration, Asyl und Menschenrechte.
Tom
Strohschneider: What's left? Europas Linke, der Rechtsruck und
ein sozialistischer Kompromiss. Eine Flugschrift in Kooperation mit
neues deutschland. VSA Verlag 2016. 96 S. (NB1338) 9.80 Euro
Was
tun, um den Rechtsruck zu stoppen und linke Alternativen in die Nähe
realisierbarer Möglichkeiten zu bringen? Wöchentlich finden
Aufmärsche gegen Flüchtlingsunterkünfte statt, es bilden sich
Bürgerwehren. Im Internet herrscht eine Verrohtheit, die vor
Todesdrohungen unter vollem Namen nicht zurückschreckt. Und das
alles wegen einer Million Menschen, die vor Not, Verfolgung, Krieg in
Deutschland Zuflucht suchen? Zugleich ist die Zahl der Menschen, die
mit den Geflüchteten solidarisch sind, so hoch wie nie zuvor. Und
ein Blick über die - von den Herrschenden gern wieder dicht
gemachten - Grenzen hinweg signalisiert Hoffnungen. Allerdings:
Scheitern die Linksprojekte in Griechenland, Portugal und Spanien,
dürften auch hierzulande emanzipatorische Zukunftsvisonen für
längere Zeit verstellt werden. What's left? Wie kann die Linke im
Kernland der Austeritätspolitik der Rechtswende entgegentreten und
linke Prozesse befördern? Zu einer Antwort wird sie nicht kommen,
wenn der Widerstand bei antifaschistischen Protesten stehen bleibt
und wenn man nur aus der Ferne Bewertungsnoten vergibt. Es müssen
die Kräfteverhältnisse angegangen werden - Debatten über
Verteilungs- und Demokratiefragen und rot-rot-grüne Politikwechsel
eingeschlossen.
Tom Strohschneider ist Chefredakteur der
sozialistischen Tageszeitung neues deutschland.
Ismail
Küpeli (Hg.): Kampf um Kobanê. Kampf um die Zukunft des Nahen
Ostens. Edition Assemblage. 168 S. (NB1332) 12.80 Euro
Der
Kampf um Kobanê und Rojava ist eine zentrale Auseinandersetzung im
Nahen und Mittleren Osten, in der alle relevanten Akteure in der
einen oder anderen Weise involviert waren. Kobanê wird weiterhin die
politischen Ereignisse in der Region prägen - sowohl die
Beziehungen zwischen der Türkei und der PKK als auch den Bürgerkrieg
in Syrien. Der Konflikt bietet Anlass, zentrale linke
Auseinandersetzungen neu aufzugreifen - wie etwa die Frage nach
Gewalt als Mittel der Politik und nach dem Entwurf einer neuen
Gesellschaftsordnung. Anders gesagt: Lässt sich eine Revolution
durch Krieg verteidigen oder ist eine militärische
Auseinandersetzung der Tod für jegliches emanzipatorisches
Projekt?"
Kurden ohne Staat; Die Rojava-Revolution zwischen
kurdischer Selbstbestimmung und sozialer Utopie; Die Frauenrevolution
in Rojava; Geschichte und Gegenwart der PKK; PKK: Das neue Objekt der
Solidarität; Die AKP als neuer Prinz: die Hegemonie des
Finanzkapitals und ihre Widersprüche; Die Opposition in Syrien: Alte
und neue Akteure zwischen Revolution und Bürgerkrieg; Religiöse
Minderheiten in Kurdistan; Ideologie des IS: Salafistischer
Manierismus; Die Organisation "Islamischer Staat" - von der
antischiitischen Ordnungsmacht zum quasi-staatlichen Kalifat.
Ismail
Küpeli (Hg.): Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei.
edition assemblage. 128 Seiten. (NB1442) 7.80 ¤
Der
türkische Staat negiert seit seiner Gründung 1923 die Existenz der
kurdischen Bevölkerung in der Türkei und im Nahen Osten. Und selbst
heute zielt die türkische Innen- und Außenpolitik darauf ab, die
Kurdische Bevölkerung weder in der Türkei noch in der Region über
politische Macht verfügen zu lassen. Der Krieg in den kurdischen
Gebieten der Türkei und die Angriffe der Türkei auf die
syrisch-kurdische Autonomieregion Rojava sind Facetten der türkischen
Politik, die zum Ziel hat, die Kurden in der gesamten Region
zurückzudrängen. Während wir einerseits eine große Überscheidung
in der gegenwärtigen Politik der AKP-Regierung und ihren Vorgänger
erkennen können, ist gleichzeitig in der öffentlichen Debatte der
Eindruck vermittelt worden, dass die Kurdenpolitik der Türkei in den
letzten Jahren sich unvermittelt und unerklärlich mehrfach gewendet
hätte. Dabei bleibt unbeachtet, dass der Friedensprozess von der AKP
so geführt wurde, dass die Rückkehr des Krieges keine Überraschung
ist. Ebenso wird vergessen, dass das "Zuckerbrot" Friedensprozess
immer begleitet war von der "Peitsche", nämlich die massive
Repression gegen die Kurden und die Androhung eines Krieges.
Rosa
Burç, Meral Çinar, Axel Gehring, Alp Kayserilioglu, Ismail
Küpeli, Kerem Schamberger und Mahir Tokatli richten mit ihren
Beiträgen den Blick auf Zusammenhänge, die in der öffentlichen
Debatte unterbelichtet bleiben. So werden sowohl die politische und
gesellschaftliche Entwicklungen in der Türkei analysiert, wozu
selbstverständlich auch eine intensive Debatte um die Frauenbewegung
in der Türkei gehört. Ausgehend von der zentralen Bedeutung der
"Kurdenfrage" gerät dann die Perspektive auf die anderen Seite
der nationalstaatlichen Grenzen, nach Rojava. Hier fragen wir
einerseits danach, ob Rojava eine Alternative zum Nationalstaat
darstellt. Und andererseits betrachten wir die Folgen des
Afrin-Krieges sowohl für Rojava als auch für die Türkei
Der
Herausgeber:
Ismail Küpeli ist Politikwissenschaftler
und Historiker. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der politischen
Situation in der Türkei, in Rojava und den Nahen und Mittleren
Osten.
Matthew
N. Lyons: Arier, Patriarchen, Übermenschen. Die extreme Rechte
in den USA. Unrast-Verlag 2015, Reihe transparent. 88 S. (NB1336)
7,80 Euro
Die gegenwärtige extreme Rechte der USA ist ein
relativ junges Phänomen. Vor 50 Jahren konzentrierten sich rechte
Bewegungen noch vorwiegend darauf, alte Hierarchien zu verteidigen
und gegen Kommunismus zu kämpfen. In den 1970er Jahren begann sich
jedoch eine neue extrem rechte Bewegung zu formieren als Reaktion auf
die von der Bürgerrechtsbewegung und Frauenbewegung durchgesetzten
Gesetzesänderungen, die Ausdehnung des Wohlfahrtsstaates, die
Schwächung der USA als globale Supermacht und andere tiefgreifende
gesellschaftliche Veränderungen. Indem sie mit ihrer traditionellen
Rolle als Verteidiger etablierter Institutionen und sozialer Eliten
brachen, begannen Rechte in zunehmendem Maße, die Legitimität des
politischen Systems infrage zu stellen.
"Das Buch bietet einen
umfassenden Überblick sowie eine fundierte Grundlage, sich
intensiver mit diesem oder jenem Spektrum zu befassen. Und Lyons
differenzierte Darstellung spornt dazu an." (Birgit Gärtner,
unsere zeit, 21.08.2015)
US-amerikanische Neonazis propagieren
heute eine Nation frei von Juden und People of Color, christliche
Hardliner eine von heterosexuellen Männern geführte totalitäre
Theokratie und diverse extrem rechte Gruppen die Herrschaft von
Eliten, die auf "Leistung" oder "moralischer Überlegenheit"
beruhen.
Das vorliegende Buch faßt die Ursprünge,
Überzeugungen und Aktivitäten der extremen Rechten in den USA
zusammen und analysiert ihr Verhältnis zu anderen politischen
Kräften sowie ihren gesellschaftlichen Einfluss. Es betrachtet dabei
rechte Kontinuitäten (etwa antisemitische Verschwörungstheorien)
genauso wie jüngere Entwicklungen (etwa weißen Separatismus oder
Strategien führerlosen Widerstandes).
Bernd
Hendricks: Menschen mit Flagge. Roman. Epubli Verlag 2011. 604 S.
(NB1177). 29,50 Euro
Oktober 2001. Der amerikanische Herbst:
Noch rauchen die Trümmer des World Trade Center, als in New York und
Florida Briefe mit tödlichen Viren auftauchen. Menschen sterben. Das
Land steht vor einer Panik. Am Tatort: ein kleiner FBI-Ermittler.
Alles deutet auf den Feind Amerikas, auf die Terroristen, die von
außen kommen. Alle tragen die Nationalflagge an der Jacke, auch der
Ermittler. Doch was er im Herzen trägt, ist gefährlich in
patriotischen Zeiten: Zweifel. Er hat den schrecklichen Verdacht, daß
der Bioterror von innen kommt, von jenen gar, deren Hilfe für seine
Ermittlung unentbehrlich ist. Je tiefer der Ermittler in den Fall
eintaucht, desto mehr riskiert er: seine Karriere, seine Freiheit, am
Ende sein Leben. "Menschen mit Flagge" ist Thriller und
Gesellschaftsroman zugleich, ein aufwühlendes Porträt des
verängstigten, jähzornigen Amerika, eine Tour-de-Force durch die
amerikanische Psyche am Vorabend des Irak-Kriegs.
Gerhard
Feldbauer: Vietnamkrieg. Papyrossa Verlag Reihe Basiswissen 2033.
128 S. (NB1257 bes.) 9.90 Euro
Gerhard Feldbauer schildert
Vorgeschichte und Verlauf des Krieges, die internationale Solidarität
mit Vietnam, den Widerstand in der US-Army, der vor allem von
schwarzen Soldaten ausging, sowie die militärische Hilfe
insbesondere der UdSSR, ohne die der Sieg der Befreiungsbewegung nur
schwer möglich gewesen wäre. Den Ausschlag gab allerdings der
Widerstandswille des vietnamesischen Volkes selbst. Er wurzelte in
den Traditionen nationalen und antikolonialen Widerstandes, die der
legendäre Ho Chi Minh zu mobilisieren verstand. Seine Bedeutung
zeigte sich fast noch mehr nach seinem Tod. Denn als er 1969
verstarb, hinterließ er nicht, worauf vielfach spekuliert wurde, ein
Vakuum, sondern eine kollektive politische Führung und eine
Bevölkerung, in deren Mehrheit das Streben nach Unabhängigkeit tief
verwurzelt war. Nicht unerwähnt bleiben die US-Kriegsverbrechen, für
die dasjenige von My Lai im Mai 1968 zum Synonym wurde.
Stefan
Bollinger (Hg.): Imperialismustheorien. Historische Grundlagen
für eine aktuelle Kritik. Promedia 2004. (Edition
Linke Klassiker). 176 S. (NB778 bes.) 12,90 Euro
Seit
dem Untergang der Sowjetunion und des kommunistischen Systems im
"Ostblock" war nicht mehr viel von Imperialismus zu hören. Der
"Krieg gegen den Terror" der USA hat die kritischen Geister
wieder hellhörig gemacht. Der Ruf nach einer konsistent
antiimperialistischen Kritik wird wieder laut. Es ist höchste Zeit,
genauer nach Fakten und Theorien zu fragen, die im 20. Jahrhundert
dem Kapitalismus in den Metropolen, seiner Politik und vor allem
seiner Wirtschaft das Etikett Imperialismus verpaßten. Der
vorliegende Reader soll jene Analysen linker Theoretiker in
Erinnerung rufen, die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die
imperialistische Expansion vor allem Englands und Deutschlands
geißelten. Textstellen klassischer Autoren werden vom Herausgeber
kommentiert und in ihren historischen Kontext gestellt. Mit Texten
von Bucharin, Hilferding, Hobson, Kautsky, Lenin und Luxemburg.
Peter
Nowak: Kurze Geschichte der Antisemitismusdebatte in der deutschen
Linken. Mit einem Interview mit Peter Ullrich. edition
assemblage. 2013. 96 S. (NB1264) 9,80 Euro
In 25 Jahren
Antisemitismusstreit in der deutschen Linken ist viel geschrieben
worden. Peter Nowak liefert eine knappe Zusammenfassung und geht auf
die zentralen Grundlagentexte der Diskussion ein. Das Buch bietet den
Lesern einen Überblick über die Geschichte des
Antisemitismusstreits und gibt ihnen so die Möglichkeit, sich eine
eigene Position in einer Auseinandersetzung zu bilden, die in den
letzten beiden Jahrzehnten die Linke aller Fraktionen und Strömungen
beschäftigt hat. Eine kurze und kenntnisreiche Einführung in die
Antisemitismusdebatte der deutschsprachigen Linken seit den 1980er
Jahren.
Peter Nowak arbeitet als freier Journalist in Berlin und
schreibt u.a. für die Jungle World, das Neue Deutschland, das
Internetmagazin Telepolis und das Monatsmagazin Konkret.
Gerhard
Hanloser: Die andere Querfront. Skizzen des antideutschen
Betrugs. Unrast Verlag 2019. ca. 280 S. (NB1443) 18 ¤
Als
1989/90 die DDR unterging, geriet auch die bundesrepublikanische
Linke ins Schlingern. Mit dem größer werdenden Deutschland
verstärkten sich überwunden geglaubte reaktionäre Ideologien wie
Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus. Im Glauben, diese Übel
abzuwehren, trommelten einige Intellektuelle aus der Linken für den
Golfkrieg 1991, formierten sich als leidenschaftliche Bellizisten
anlässlich des »War on Terror«, des Kriegs gegen den Irak 2003 und
gegen Libyen durch die NATO 2011. Ein Teil der Antideutschen
befleißigt sich einer >Islamkritik<, der auch rassistische
Invektiven nicht fremd sind. Vor allem fand ein markanter Wechsel in
der Bündnispolitik statt.
In Zeiten der AfD und des neuen
Rechtsrucks sind ausgerechnet die vormaligen >Antideutschen<
Fürsprecher neuer Grenzziehungen und einer restriktiven
Flüchtlingspolitik. Dass der prominenteste Antideutsche der 90er
Jahre, Jürgen Elsässer, mittlerweile zu dem Kopf einer neuen
rechten nationalistischen Bewegung wurde, erstaunt nur jene, denen
die Antideutschen ein Buch mit sieben Siegeln sind.
Aus
antideutschen Linken wurden Flüchtlingsfeinde, Souveränisten oder
Verteidiger der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung. In einer
historischen Skizze soll dieser beispiellose Zerfall kritischen
Denkens nachgezeichnet und aufgeklärt werden.
Andreas
Wehr: Die Europäische Union.
PapyRossa Verlag Basiswissen 2012. 134 S. Pocketformat. (NB1232) 9,90
Euro
"Basiswissen" bringt in handlicher Form
leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus
Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie. Andreas Wehr
beschreibt die Europäische Union als ein fragiles Bündnis. In ihm
dominiert das Machtstreben der großen Mitgliedstaaten. Unter ihnen
gibt ein erstarktes Deutschland den Ton an. Unter seiner Führung
entwickelt sich ein wirtschaftlich starkes Kerneuropa, umgeben von
einer schwachen Peripherie. Der Band teilt die Geschichte der EU in
drei Abschnitte: Die ersten Jahre waren geprägt von einem nur
langsamen Voranschreiten der Integration, unterbrochen von langen
Phasen der Stagnation. Mit dem Vertrag von Maastricht 1992 nahm die
Integration an Fahrt auf. Im Zuge des globalen Neoliberalismus wurde
die EU zum wichtigsten europäischen Akteur bei der Durchsetzung von
Marktöffnungen, Privatisierungen und Deregulierungen. Dies gipfelte
in der Forderung, sie zum "wettbewerbsfähigsten und dynamischsten
Wirtschaftsraum in der Welt" zu entwickeln. Das wurde bisher
verfehlt. So ist denn die dritte Phase eine solche der Rückschläge.
Zu ihr gehört auch die gegenwärtige Eurokrise, deren Ende ungewiss
ist.
Umberto
Eco: Der ewige Faschismus.
Mit einem Vorwort von Roberto Saviano, aus dem Italienischen von
Burkhart Kroeber. Hanser Verlag. 80 S. Fester Einband. (NB1465)
10 Euro
Integration
und Intoleranz, Migration und Europa, Identität, das Eigene und das
Fremde - die zentralen Begriffe in Umberto Ecos fünf Essays
könnten kaum aktueller sein. Gerade in ihrer zeitlichen Distanz
zeigt sich die Stärke von Ecos Gedanken: Losgelöst vom
tagesaktuellen Geschehen, scheinen in ihnen die überzeitlichen
Strukturen auf, die unserem Denken und Handeln zugrunde liegen.
Präzise, wortgewandt und gespickt mit persönlichen Erinnerungen
rufen seine Texte die komplexe Geschichte der Herausforderungen wach,
vor denen wir heute stehen.
Wulf
D. Hund: Rassismus und Antirassismus.
Basiswissen Politik/Geschichte/Ökonomie. PapyRossa Verlag 2018. 144
S. (NB1406) 9,90 Euro
Wulf D. Hund zeigt, warum Rassismus als
soziales Verhältnis begriffen werden muss: er erlaubt Mitgliedern
herrschaftlich strukturierter Gesellschaften, sich trotz sozialer
Schichtung und ungleicher Verteilung von Ressourcen als
zusammengehörig zu betrachten. Dazu bedarf es der Ausgrenzung. Sie
hat in der Geschichte der Klassengesellschaften unterschiedliche
Formen angenommen. Der Autor verdeutlicht die Modi der damit
verbundenen Prozesse von Aufwertung durch Abwertung und zeigt die
Verbindungen, die diese historisch eingingen. Anschließend
beleuchtet er die diversen Spielarten von Rassismus im Verlauf der
deutschen Geschichte und behandelt dessen antisemitische,
antimuslimische, antislawische, antiziganistische,
koloniale und eugenische Varianten. Außerdem werden
Probleme und Perspektiven des Antirassismus angesprochen. Dessen
Geschichte ist so alt wie der Rassismus, zeigt unterschiedliche
Tendenzen und ist keineswegs widerspruchsfrei.
Wulf D. Hund, Jg.
1946, Professor (i.R.), lehrte Soziologie an der Universität
Hamburg. Forschungsschwerpunkt: Rassismusanalyse.
Wulf D. Hund (Hg.): Fremd,
faul und frei. Dimensionen des Zigeunerstereotyps. Unrast Verlag
- Edition DISS. 256 S. (NB1351) 19,80 Euro
Am
Zigeunerstereotyp ist über Jahrhunderte gearbeitet worden. Seine
zentralen Elemente werden bis heute fortgeschrieben. In der Sprache
des alltäglichen Rassismus lassen sie sich mit drei Adjektiven
bündeln: Zigeuner sind fremd, faul und frei. Diese Vorurteile
transportieren einen komplexen ideologischen Zusammenhang. Er
unterstellt der Figur des Zigeuners ethnische, soziale und
romantische Eigenschaften.
NICHTS
GELERNT?! Konstruktion und Kontinuität des Antiziganismus.
Herausgegeben
von Katharina Peters und Stefan Vennmann. Situationspresse 212
Seiten, (NB1450) 18
Euro
Antiziganismus
hat Tradition. Er ist trauriges Zeugnis einer Kontinuität von
ausgrenzenden und menschenverachtenden Verhältnissen. Die
spezifische Form von Rassismus wirkt seit Jahrhunderten in
Deutschland und Europa in zahlreichen Variationen der immergleichen
Stereotype sowie den damit verbundenen Gedankenmustern und
Diskriminierungspraktiken. Dabei zeichnet sich Antiziganismus durch
eine enorme Anpassungsfähigkeit und eine hohe Widerständigkeit
gegen seine Bekämpfung aus. Welche Wirkmechanismen und Strukturen
lassen sich identifizieren? Welche Strategien und Lösungsansätze
können diesem Ressentiment entgegengesetzt werden?
Katharina
Peters und Stefan Vennmann: Vorwort. Nichts gelernt?! Konstruktion
und Kontinuität des Antiziganismus
Dirk Wolff: ,AIDD -
Angekommen in Duisburg und Dortmund'. Ein Projektbericht
Wibke
Kleina: Zwischen Passfähigkeit und Besonderung. Eine Betrachtung der
schulischen Situation von Sint*ezza und Rom*nja
Katharina
Peters: "Sind wir zu intolerant?" Die mediale Inszenierung von
,Sinti und Roma' in Polit-Talkshows des öffentlich-rechtlichen
Fernsehens
Joachim Krauß: Der Zukunft abgewandt. Duisburger
Wege der Desintegration
Sylvia Brennemann und Joachim Krauß:
Ein guter Ort wird schlechtgemacht - ein Gespräch zur Situation in
Duisburg-Marxloh
Markus End: Die Dialektik der Aufklärung als
Antiziganismuskritik. Thesen zu einer Kritischen Theorie des
Antiziganismus
Sebastian Winter: ,Femme fatale' und
,Zwangsprostituierte'. Über den Wandel antiziganistischer
Weiblichkeitsbilder
Rafaela Eulberg: Das Bild der wahrsagenden
,Zigeunerin' als ,nicht-okzidentale Andere'. Anmerkungen zum
Magie-Diskurs in antiziganistischen Formationen
Merfin Demir:
Antiziganismus, Kolonialismus und Neoliberalismus. Eine Analyse aus
Sicht einer Selbstorganisation
Astrid Messerschmidt:
Antiziganismuskritik in Auseinandersetzung mit Rassismus und
Nationalismus. Geschichtsbewusst handeln und Diskriminierung
abbauen
Stefan Vennmann: Der Nicht-Ort der Vernichtung. Zum
Problem einer Analyse von Antiziganismus bei Giorgio Agamben
Drita
Jakupi: Antiziganismus, Romaphobie, Gadje-Rassismus? Kritische
Einwände.
Das Buch entstand als Gemeinschaftswerk von VIA
(Verband für interkulturelle Arbeit) und DISS (Duisburger Institut
für Sprach- und Sozialforschung).
Kevin Culina, Jonas Fedders: Im Feindbild vereint. Zur Relevanz des Antisemitismus in der Querfront-Zeitschrift Compact. Reihe Antifaschistische Politik in der edition assemblage. 96 Seiten. (NB1344) 9,80 Euro.
Die Monatszeitschrift Compact kann als das zentrale Diskursorgan gegenwärtiger Querfront-Bewegungen im deutschsprachigen Raum betrachtet werden. Seit ihrer Ersterscheinung erfreut sie sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Konstitutiv für die Inhalte des Magazins ist vor allem der Glaube an eine alles umfassende Weltverschwörung. Bei einer genaueren Analyse zeigt sich, dass in einer Vielzahl der Artikel antisemitische Denk- und Argumentationsmuster aufgerufen und reproduziert werden. Der Antisemitismus fungiert in gewisser Hinsicht als "kleinster gemeinsamer Nenner" gegensätzlicher politischer Strategien.
Das Buch bietet neben einem Einblick in historische Verläufe der Querfront und einer Einführung in kritische Theorien des Antisemitismus eine detaillierte Textanalyse der Zeitschrift, bei der die dort verwendeten Formen und Ausdrucksweisen antisemitischer Ressentiments anhand einzelner Textstellen herausgearbeitet, entschlüsselt und eingeordnet werden. Darüber hinaus wird die Rolle der Compact in verschiedenen rechten Diskursen sowie in praktischen Organisierungs- und Vernetzungsbemühungen diskutiert.
Die Autoren: Kevin Culina und Jonas Fedders leben, studieren und arbeiten in und um Frankfurt am Main und sind dort in verschiedenen antifaschistischen Projekten aktiv. Sie schreiben regelmäßig in der Wochenzeitung Jungle World und haben auch in sozialwissenschaftlichen Kontexten publiziert.
Lucius
Teidelbaum: PEGIDA. Die neue deutschnationale Welle auf der Straße.
Unrast Verlag 2016 Reihe unrast transparent / rechter rand. 92 S.
(NB1375) 7,80 Euro
Unter dem Namen "Patriotische
Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes" (PEGIDA) gehen
seit Ende Oktober 2014 in Dresden und anderorts Menschen gegen
Flüchtlinge, »den Islam« und die »Lügenpresse« auf die Straße.
Aus Hunderten wurden Tausende, und von Dresden aus verbreitete sich
die rassistische und rechtspopulistische Bewegung über die ganze
Bundesrepublik und expandierte sogar ins Ausland. Im Buch werden die
Entwicklung von PEGIDA sowie ihr Verhältnis zu anderen Akteuren der
extremen Rechten nachgezeichnet. Denn PEGIDA steht im Spannungsfeld
von Neonazismus, rechtspopulistischer AfD und der Neuen Rechten.
Phillip Becher: Rechtspopulismus. Reihe Basiswissen im PapyRossa Verlag. 124 S. (NB1252) 9,90 Euro
In zahlreichen europäischen Staaten haben sich rechts von den konservativen Parteien Gruppierungen etabliert, die sich als Anwälte des "Normalbürgers" ausgeben. Gemeinhin als rechtspopulistisch bezeichnet, polemisieren sie scharf gegen - meist muslimische - Einwanderer und vertreten Parolen von "law and order", fordern jedoch ebenso mehr plebiszitäre Elemente. In Deutschland findet sich ein Spektrum aus Internet-Blogs, Zeitschriften und Think-Tanks mit deutlicher Nähe zum Rechtspopulismus, das sich in der »pro«-Bewegung parteiförmig ausdrückt. In den USA wirkt mit der "Tea Party" eine rechtspopulistische Kraft, die sich unter Bezug auf "amerikanische Werte" scharf gegen sozialen und demokratischen Fortschritt wendet. Der Band berücksichtigt die relevanten wissenschaftlichen Forschungsansätze. Mit Profilen rechtspopulistischer Formationen in Europa und Nordamerika und der Analyse ihrer Programmatik und Politik wird ihren Perspektiven, ihrem Verhältnis zum Faschismus und den Folgen für die Demokratie nachgegangen.
Sebastian
Reinfeldt: "Wir für Euch".
Die Wirksamkeit des Rechtspopulismus in Zeiten der Krise. Edition
DISS im Unrast Verlag Dez. 2013. 144 S. (NB1273) 16 Euro
Wie
prägen und begründen diskursive Muster, die rechtspopulistischen
Parteien und Strömungen zugerechnet werden können, den politischen
Diskurs zur Finanzkrise und die politischen Entscheidungen? Wie
verändern sich dadurch die Machtverhältnisse und die Demokratie -
samt unserer Vorstellungen davon, was Demokratie eigentlich ist?
Dr.
Sebastian Reinfeldt ist Politikwissenschaftler und arbeitet in der
Erwachsenenbildung. Seine thematischen Schwerpunkte sind rechter
Populismus, Demokratietheorie, Sozialpolitik, undogmatischer
Marxismus und Semiotik. Er lebt und arbeitet in Wien.
Kathrin
Glösel, Natascha Strobl, Julian Bruns: Die Identitären.
Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa. 2.
aktualisierte und erweiterte Auflage. Unrast Verlag 2016. 320 Seiten.
(NB1356) 18 Euro.
Die Identitären, deren Anfänge um das
Jahr 2002 auszumachen sind, verstehen sich als Jugendbewegung der
"Neuen Rechten" in Europa. Seit der Initialzündung in Frankreich
haben sich u.a. in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien,
Großbritannien, Spanien sowie Dänemark, Schweden und Norwegen
Ablegergruppen gegründet, die untereinander vernetzt sind und sich
im Aufbau von grenzüberschreitenden Strukturen befinden.
Basierend
auf Text-, Bild- und Videomaterial, den Gruppen-Standpunkten,
Gesellschaftsanalysen und Schlussfolgerungen werden in diesem
Handbuch Aktionismus und Aktivisten benannt und analysiert. Die
politische Logik ihrer Thesen wird ebenso eingeordnet, wie die Mittel
(rhetorisch, visuell, aktionistisch, medial), derer sie sich bedienen
und es wird der Frage nachgegangen, auf welche Theorien und
vorhandene Literatur sich die Identitären stützen.
Das Buch
beleuchtet die Verbreitung in ganz Europa, ihre Verortung als "Neue
Rechte", ihre Ideologien und historisch-theoretischen Unterbau,
ihre Kommunikationsstrategien sowie ihre Qualifikation als
Jugendbewegung.
Handwörterbuch
rechtsextremer Kampfbegriffe. Hg. Von Bente Gießelmann, Robin
Heun, Benjamin Kerst, Lenard Suermann, Fabian Virchow. Wochenschau
Verlag 2015. 368 S. (NB1319) 24,80 Euro
Was meinen
Rechtsextreme, wenn sie von Islamisierung,
Geschlechtergleichschaltung, Political Correctness oder Schuldkult
sprechen? Die Autorinnen und Autoren dieses Handwörterbuchs geben
hierzu Antworten und zeigen auf, wie die extreme Rechte mit
Begriffs(um)deutungen und Wortneuschöpfungen Bausteine extrem
rechter Weltanschauungen über die Sprache zu vermitteln und zu
verankern versucht. Die Autorinnen und Autoren richten den Blick auch
auf die gesamtgesellschaftliche Anschlussfähigkeit extrem rechter
Diskurse. Die einzelnen Beiträge zeigen, wie die
menschenverachtenden Äußerungen und die damit einhergehenden
politischen Forderungen dekonstruiert und kritisiert werden können.
Tobias
Alm, Cordelia Heß (Hg.): Rechtspopulismus kann tödlich sein!
Entwicklung und Folgen des Rechtsrucks in Skandinavien. edition
assemblage 2013. 120 S. (NB1265) 9,80 Euro
Den
skandinavischen Ländern eilt der Ruf toleranter und gut
funktionierender Gesellschaften voraus. Ein immenser Rechtsruck, der
sich im Schatten dieser Perspektive vollzogen hat, wird hierbei meist
ausgeklammert. Mit Ausnahme von Schweden haben rassistische und
ausgrenzende Rhetoriken eine vollständige Normalisierung in den
politischen Debatten erfahren. Die Autoren geben einen umfassenden
Einblick in die Geschichte, Entwicklung und Ideologie des
Rechtspopulismus in Skandinavien. Länderspezifische
gesellschaftliche Entwicklungen und Reaktionen werden in Verbindung
mit generellen Problemstellungen zum Rechtspopulismus thematisiert
und bewertet. Norwegen nach dem rechten Attentat, die Stärke und
Verankerung der dänischen "Volkspartei", die Genderfrage bei den
"Schwedendemokraten" und das politische Umfeld der "Wahren
Finnen" sind nur einige Aspekte, die in diesem Buch behandelt
werden. Zu guter Letzt wird angesichts der Entwicklungen in
Skandinavien ein Blick nach Deutschland gewagt und Überlegungen
angestellt, warum der Rechtspopulismus sich hier noch nicht in
ähnlicher Dimension verankern konnte.
Regina
Wamper / Ekaterina Jadtschenko / Marc Jacobsen (Hg.): "Das hat doch
nichts mit uns zu tun!" Die Anschläge in Norwegen in
deutschsprachigen Medien. Edition DISS im Unrast Verlag 2011. 184 S.
Pb. (NB1198) 18 Euro
Am 22. Juli 2011 explodierte in Oslo
eine Autobombe, die acht Menschen tötete. Wenig später tötete der
selbe Täter auf der Insel Utøya 69 junge Sozialdemokratinnen. Nach
seiner Festnahme äußerte er antimuslimische und antimarxistische
Ansichten. Die Autorinnen analysieren deutsche Medien unter dem
Gesichtspunkt, wie dort dieses Ereignis eingeordnet wurde, ob und
welche Diskursverschiebungen stattgefunden haben. Verschränkungen
mit antimuslimischen Diskursen und deren der Extremismusbekämpfung
werden besonders beachtet. Analysen zu der Reaktion extrem rechter
Medien beleuchten Distanzierungen und Solidarisierungen.
Beiträge
von Jonas Bals, Martin Dietzsch, Sebastian Friedrich, Astrid Hanisch,
Margarete Jäger, Helmut Kellershohn, Sebastian Reinfeldt, Bernhard
Schmid, Hannah Schultes.
Paul
Bey, Benno Nothardt (Hg.): Kämpfe um Meinungsfreiheit und Medien.
Im Spannungsfeld von Hate Speech, Fake News und Algorithmen. 160 S.
(NB1436) 16 Euro
Die politische Kultur ist aktuell in einen
Kampf um Meinungsfreiheit und mediale Wahrheit verwickelt. Während
die einen den Medien weiterhin Unabhängigkeit und Objektivität
bescheinigen, wird ihnen von der anderen Seite "Lügenpresse",
"Political Correctness" und
"Fake News"
entgegengeschleudert. Die Autoren dieses Bandes untersuchen aus
unterschiedlichen Blickwinkeln den umkämpften Begriff im
Spannungsfeld von extremer Rechten, Leitmedien und Digitalisierung.
Sie zeigen auf, mit welchen Strategien extreme Rechte Diskurse und
digitale Algorithmen in sozialen Medien manipulieren, während sie
gleichzeitig Meinungsfreiheit als Kampfbegriff nutzen, um Kritik an
diskriminierenden Aussagen als vermeintliche Zensur abzuwehren.
Gezeigt wird auch, wie sich der umkämpfte Begriff der Politischen
Korrektheit verändert hat und Provokationen ein Teil des
Erfolgsrezeptes für den Aufstieg der AfD sind.
Andrea
Becker, Simon Eberhardt, Helmut Kellershohn (Hg.): Zwischen
Neoliberalismus und völkischem 'Antikapitalismus'.
Sozial- und wirtschaftspolitische Konzepte und Debatten innerhalb der
AfD und der Neuen Rechten. 272 S. (NB1437) 24,00 Euro
Das
Buch ist eine Bestandsaufnahme der sozial- und wirtschaftspolitischen
Konzepte und Debatten innerhalb der AfD und der Neuen Rechten und
unterzieht diese einer kritischen Analyse. Die Beiträge
berücksichtigen dabei drei Dimensionen: erstens die Ebene der
Akteure, also der Kräfte, die die Debatte bestimmen; zweitens geht
es um konkrete Themenfelder, in die mit Konzepten, Thesenpapieren
etc. interveniert wird; und drittens geht es um die jeweiligen
ideologiepolitischen Perspektiven und deren Verortung im
Spannungsfeld zwischen Neoliberalismus und völkischem
'Antikapitalismus', sowohl unter dem
Blickwinkel der innerparteilichen Auseinandersetzungen als auch unter
dem der Relevanz für die von der AfD angesprochene Wählerkoalition.
Darüber hinaus spannt das Buch einen ideengeschichtlichen Bogen
zurück zur sogenannten 'Konservativen Revolution',
die der Neuen Rechten als eine Art Steinbruch von Ideen und
Argumenten dient, die je nach Lage und Intention aktualisiert und
angepasst werden.
Alfred
Schobert und Siegfried Jäger (Hg.): Mythos Identität. Fiktion
mit Folgen. Edition des Duisburger Instituts für Sprach- und
Sozialforschung (DISS) im Unrast Verlag 2004. 236 S. (NB793) 18
Euro
Allenthalben ist zu hören, Nationen seien reine Mythen,
Konstrukte, bloße Fiktionen kollektiver Identität, denen in
Wirklichkeit keine reale Existenz zukomme. Es gehe deshalb darum, die
"Fiktion Nation" zu kritisieren und ihre Irrealität
bloßzustellen. Der Begriff "Nation" reklamiere eine eben nur
fiktive, nicht tatsächliche gemeinsame Herkunft oder gar Abstammung,
die Homogenität einer Volks- oder Schicksalsgemeinschaft, eine
gemeinsame Sprache und Kultur und ähnliche Eigenschaften. Das ist ja
auch nicht falsch. Allerdings greift eine solche Kritik zu kurz und
übersieht, daß derartige Konstruktionen und Fiktionen reale und
ganz konkrete Folgen haben, Folgen, die keineswegs verschwinden, wenn
ihre Fiktionalität als solche analysiert und benannt wird: Sicherung
von Besitzständen führt zu Kriegen, die Hypostasierung der
gemeinsamen Abstammung nährt Rassismus und Antisemitismus. Auf
diesem Hintergrund ist zu verstehen, weshalb die Deutungs-Kämpfe um
Vorstellungen von "nationaler Identität", einem Terminus, der
von ganz rechts in die Mitte der Gesellschaft eingedrungen ist, mit
so großer Leidenschaft ausgetragen werden. Heute geschieht dies umso
heftiger, als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, im Zuge von
EU-Integration und -Erweiterung und angesichts des globalen
Terror-Kriegs die alten Fiktionen transformiert werden (müssen). In
Verbindung damit sind auch subjektive Identitäten, die sich auf
Identifikationen mit den jeweiligen nationalen (stilisierten)
Geschichten stützen konnten, erodiert. Daraus resultieren neue
Anforderungen an die Subjekte, die zwischen Identitäts-Angeboten,
-Anforderungen und -Zumutungen vor den Fragen "Wer bin ich?" und
"Wer ist der/die andere" stehen.
Mit Beiträgen von Semra
Celik, Ivan Golobolov, Siegfried Jäger, Kurt Lenk, Jobst Paul,
Gudrun Quenzel, Alfred Schobert, Frank Wichert und Moshe Zuckermann.
Martin
Dietzsch, Siegfried Jäger, Helmut Kellershohn, Alfred Schobert:
Nation statt Demokratie. Sein und Design der "Jungen Freiheit".
Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) 2003. 248
S. Mit Abb. (NB651) 19,90 Euro
"Konservativ" soll sie
sein, oder auch "umstritten", folgt man der Selbstdarstellung der
Wochenzeitung "Junge Freiheit". Eine längerfristig angelegte,
genaue Untersuchung der Zeitungspraxis zeigt allerdings, daß dies
Verharmlosungen sind. Die "Junge Freiheit" ist programmatisch der
Tradition des völkischen Nationalismus verpflichtet. Die Nation als
mythisch überhöhte Abstammungsgemeinschaft wird gegen das
neuzeitliche Verständnis von Demokratie mobil gemacht - "Nation
statt Demokratie" ist das unausgesprochene Motto. Dabei entspricht
die "Junge Freiheit" nicht der Klischee-Vorstellung, die viele
von einer "rechten Zeitung" haben. Sie dosiert geschickt die
Kernideologeme des völkischen Nationalismus. So bewegt sich die
"Junge Freiheit" mal getarnt, mal mit offenem Visier im rechten
Grenzraum des Verfassungsbogens und betreibt Woche für Woche
intellektuelle Aufrüstung wider die moderne demokratische
Gesellschaft, die als "dekadente Spaßgesellschaft"
abqualifiziert wird.
Heiko
Kauffmann, Helmut Kellershohn, Jobst Paul (Hg.): Völkische Bande.
Dekadenz und Wiedergeburt - Analysen rechter Ideologie. Edition des
Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung im
Unrast-Verlag 2005. 256 S. (NB875) 18 Euro
Die nunmehr
200-jährige Kontinuität völkisch-faschistischer Ideologien und
Ideologeme muß die nachhaltige, widerständige und aktuelle Analyse
herausfordern - in theoretischer, aber auch praktisch-politischer
Absicht. In der Tat schärft die neue Faschismusforschung den Blick
dafür, wie sich völkisch-faschistisches Denken heute transformiert
hat, wie es sich auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen
etablieren und Politik und Denken vereinnahmen kann. Im vorliegenden
Band schlagen die Autorinnen und Autoren den Bogen von der
generischen Faschismustheorie über eingehende Einzelanalysen und
Fallstudien bis zu Aspekten einer europäischen Lager-Mentalität,
die sich "rechten" Visionen öffnet. Mit Beiträgen von Martin
Dietzsch, Roger Griffin, Ute Kurzbein, Kurt Lenk, Stefanie Mayer,
Marei Pelzer, Ulrich Prehn, Volker Weiß und Moshe Zuckermann.
Jürgen
Peters & Christoph Schulze (Hg.): "Autonome Nationalisten".
Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur. Unrast Verlag 2009
(unrast transparent - rechter rand). 72 S. (NB1122) 7,80 Euro
Ein
"Schwarzer Block", Basecaps, dunkle Kleidung und Parolen wie
"Fight the system!" - die Verwirrung ist groß, seitdem vor
einigen Jahren erstmals "Autonome Nationalisten" (AN) auf
Neonazi-Aufmärschen zu beobachten waren. Es handelt sich um eine
Strömung in der militanten Neonaziszene, die sich diverser Symbole,
Codes und Sprachformen bedient, die bisher in der Linken verortet
waren. Was hat es nun auf sich mit den AN? Haben wir es mit
verkleideten Neonazis oder mit einer neuen Form extrem rechter
Jugendkultur zu tun? Ist die Herausbildung der AN gewinnbringend für
die extreme Rechte oder führt sie zu weiteren Konflikten?
Funktioniert der Stilwandel tatsächlich reibungslos? Stellen die
"Autonomen Nationalisten" eine neue Gefahr dar? Was läßt sich
aus der Enteignung der Form politischer Inszenierung lernen? Das Buch
nimmt Entstehungsgeschichte, Ideologie, politische Praxis, Habitus
und Selbstverständnis der AN unter die Lupe und beleuchtet ihr
Verhältnis zu anderen Organisationen der extremen Rechten.
Rolf
van Raden: Patient Massenmörder. Der Fall Ernst Wagner und die
biopolitischen Diskurse. Edition DISS in Unrast Verlag 2009. 184 S.
(NB1141) 24 Euro
Hirnforschung, die Täter der RAF, Amokläufe
in Schulen - in der Auseinandersetzung über solche Themen beziehen
sich Wissenschaftler und Journalisten bis heute auf einen Mordfall,
der sich vor einem knappen Jahrhundert ereignete. Ernst August
Wagner, Hauptlehrer aus Degerloch bei Stuttgart, tötete in der Nacht
vom 3. auf den 4. September 1913 seine Frau und seine vier Kinder.
Anschließend erschoss er neun weitere Menschen und verletzte elf
schwer. Bis 1938 fristete er sein Leben in einer psychiatrischen
Anstalt. Immer wieder stellte er fest: Er bedauere nicht, seine
Kinder getötet zu haben, da sein ganzes Geschlecht entartet sei.
Hier traf sich die Rede des Mörders mit der seines Arztes. Robert
Gaupp, Leiter der Universitätsnervenklinik Tübingen, machte Ernst
Wagner zu seinem Fall und entwickelte an ihm die Lehre von der echten
Paranoia. Parallel dazu forderte der angesehene Mediziner als
Befürworter von Eugenik, Rassenhygiene und Zwangssterilisation schon
1920 die "Vernichtung lebensunwerten Lebens". Die Studie
untersucht das Geflecht biopolitischer Diskurse, in dem sich der
Mörder und sein Arzt gemeinsam bewegten. Erstmals werden die den
Fall bis heute begleitenden Schriftdokumente aus Presse, Politik und
Wissenschaft erfaßt und kritisch kommentiert. Ausgehend vom Fall
Wagner weist der Autor nach, wie die Psychiatrie systematisch die
Reichweite ihrer Diskurse ausdehnte, bis im Nationalsozialismus
schließlich eliminatorische ärztliche Praktiken möglich wurden.
Der Täter Ernst Wagner und seine Psychiater erscheinen somit als
Referenzfiguren eines Jahrhunderts der Biopolitik, das keineswegs
1945 endete.
Reiner
Fenske: Vom "Randphänomen" zum "Verdichtungsraum".
Geschichte der "Rechtsextremismus"forschungen seit 1945. Unrast
Verlag 2013. 190 S. (NB1269) 16 Euro
Das Buch geht von der
Beobachtung aus, dass eine völlige Konfusion über Begriffe und
Begriffsinhalte in den Forschungen zur "extremen Rechten"
vorherrscht. Indem die Wissens- und Begriffsgeschichte des
"Rechtsextremismus" in der Bundesrepublik im Kontext des Kalten
Krieges (Walter Lippmann) geschrieben wird, zeigt sich, in welchem
politisch hochgradig umkämpften Feld sich verschiedene Ansätze
herausbilden, behaupten oder marginalisiert werden.
Seit 1945
bis in die frühen 1990er Jahre wird eine Kontinuität bestimmter
Deutungsmuster in der Bundesrepublik deutlich. Als öffentlich
besonders wirkmächtig hat sich dabei im Gefolge der
Totalitarismustheorie die "Extremismustheorie" erwiesen, die seit
etwa Mitte der 1970er Jahre zur offiziellen Deutungslinie für den
"Rechtsextremismus" wurde. Das hat bis heute erhebliche
Ausblendungen und Verkürzungen zur Folge. Diese sind teils schon im
Begriff "Extremismus" an sich angelegt, teils werden sie aber
auch verstärkt durch eine wissenschaftspolitische Einflussnahme
seitens der Politik sowie staatlicher Behörden.
Abschließend
werden neuere Ansätze der Forschung vorgestellt und diskutiert,
inwiefern sie sich für eine Neukonzipierung der Forschung zur
extremen Rechten eignen. Stärkerer Aufmerksamkeit bedürfen demnach
Studien zum Bildungssystem sowie zur leistungs- und arbeitsbezogenen
Wertesozialisation, um zu einem neuen integrierenden Ansatz gelangen
zu können.
Alexander
Bahar, Wilfried Kugel: Der Reichstagsbrand. Geschichte einer
Provokation. Papyrossa Verlag 2013. 360 S. (NB1279) 17,90 Euro
Wer
hat im Februar 1933 den Reichstag angezündet? Die Kontroverse um
diese Frage reißt bis heute nicht ab. Bisher vollzog sich die
Debatte indes ohne Kenntnis von 50.000 Seiten Original-Akten, die in
Moskau und in der DDR lagerten. Sie wurden 2001 erstmals von
Alexander Bahar und Wilfried Kugel ausgewertet. Ihr Fazit: Die noch
immer verbreitete These einer Alleintäterschaft des Holländers van
der Lubbe ist nicht zu halten. Vielmehr weisen alle dokumentierten
Fakten auf Teile der SA unter Federführung des damaligen
Reichstagspräsidenten Hermann Göring als Urheber hin. Die Autoren
fassen in populärer Form ihre wichtigsten Forschungsergebnisse
zusammen: Der Brandverlauf, die anschließenden Ermittlungen sowie
die von den ermittelnden Behörden unterdrückten Hinweise auf Täter,
Hintermänner und Mitwisser werden detailliert rekonstruiert. Die
Darstellung wird ergänzt durch eine Dokumentation der noch immer
andauernden Bemühungen, die wirklichen Brandstifter zu entlasten.
Ernst
Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und
nach 1945. Fischer Taschenbuch, aktualisierte
Ausgabe 2005, Aufl. 2015.
736 S. (NB1104) 30 Euro
Das Lexikon informiert mit 4.300
Artikeln ausführlich über die wichtigsten Personen aus Justiz,
Kirchen, Wohlfahrtseinrichtungen, Kultur, Wirtschaft, Publizistik,
Wissenschaft, Medizin, Polizei, Wehrmacht sowie über tragende
Personen aus NSDAP, SA und SS. Das Personenlexikon informiert
außerdem über deren Karrieren nach 1945, soweit diese
ausfindig zu machen waren.
Kurt
Pätzold: Deutschland 1933-39 Vorkrieg. PapyRossa Verlag
2016 Reihe Basiswissen. 152 S. (NB1360) 9,90 Euro
"Basiswissen"
bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische
Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft
und Ökonomie.
Das war noch vor dem Kriege. Der Satz gehörte zu
den Zeitbestimmungen der Deutschen, die 1945 dem Tod an den Fronten
und in den Bombennächten entkommen waren. Zunehmend mit den Jahren,
verklärte sich ihnen vielfach ihr Leben zwischen 1933 und 1939,
verglichen mit jenem danach. Wie also hatten sie in diesem »Dritten
Reich« wirklich gelebt, als ihnen der »Führer« seine
Friedensliebe wieder und wieder beteuerte? Warum hatten sie diesem
Adolf Hitler geglaubt? Und warum so viele und so lange, bis sie an
jenem 1. September sich in den Krieg gestürzt sahen, den sie nun
aber nicht verlieren wollten? Nicht schuldlos und ohne eigenes Zutun
wurde die Mehrheit des deutschen Volkes in diesen Vorkriegsjahren
tatsächlich betrogen und für Ziele eingenommen, von denen sie sich
zum eigenen Nutzen besser abgewandt hätte. Es sind dies die Jahre,
in denen sie konditioniert wurde für das, was kommen sollte:
Massenhaft verübte Verbrechen an anderen Völkern. Der Abriss jener
sechseinhalb Vorkriegsjahre ist auch ein Buch gegen Legenden und noch
immer verweigerte Erkenntnisse.
Kurt
Pätzold: Deutschland 1939-45 Krieg. PapyRossa Verlag 2016 Reihe
Basiswissen. 132 S. (NB1361) 9,90 Euro
Dieser Band setzt den
zeitlich vorausgehenden fort. Wie dieser will auch er dem Bedürfnis
nach kompakter, womöglich erster Information über das Geschehen
gerecht werden. Anhand der hier dargestellten fünfeinhalb Jahre
lässt sich exemplarisch studieren, wie Kriege gemacht und wie Völker
in sie hineingetrieben werden. Auch lässt sich ihnen Auskunft
darüber abgewinnen, wie Menschen dazu gebracht werden konnten, sich
als »Volksgenossen« wider ihre eigenen - unbegriffenen -
Grundinteressen zu verhalten, an der Front und in der Heimat, die
kein Hinterland mehr, sondern zunehmend Schauplatz eines selbst
verschuldeten Bombenkrieges war. Warum haben sie für die Rüstung
geschuftet? Warum über Jahre Nächte in Luftschutzkellern erduldet?
Warum bis zum bitteren Ende Befehle befolgt, die sie in den Tod
jagten? Was haben sie sich bei alledem gedacht, was erwartet, was
erhofft? Solche Fragen stehen im Zentrum des Bandes. Die Geschichte
von nicht ohne eigene Schuld missbrauchten Millionen.
Kurt
Gossweiler: Großbanken, Industriemonopole und Staat. Ökonomie
und Politik 1914 bis 1932. Papyrossa Verlag 2013. 380 S. (NB1256) 24
Euro
1971 erstmals veröffentlicht, haben die
Forschungsergebnisse von Kurt Gossweiler zur deutschen
Wirtschaftsgeschichte in Kaiserreich, Erstem Weltkrieg und Weimarer
Republik nichts an Bedeutung verloren. Es geht um die Frage, wie die
Industrie- und Finanzkonzerne ihre ökonomische in politische Macht
umsetzten, wie sie um Einfluß auf den Staatsapparat konkurrierten,
welche unterschiedlichen Strategien sie in der Innen- und
Außenpolitik verfolgten und wie ihre grundsätzlichen Interessen
trotz aller Gegensätze zu gemeinsamen Zielsetzungen führten. Wie
stets auf ein enormes Archivmaterial gestützt, geht Gossweiler
Problemstellungen nach, die in der aktuellen Geschichtsschreibung
vernachlässigt werden, und deckt die Wurzeln für Entstehung und
Entwicklung unterschiedlicher Gruppierungen im deutschen
Finanzkapital auf. Besonderen Wert legt er auf die oft
vernachlässigte Rolle der Großbanken und den Einfluss des
US-Finanzkapitals und einer an ihm orientierten Fraktion in den
deutschen Wirtschaftseliten.
Hannah
Arendt: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des
Bösen. Herausgegeben von Thomas Meyer, Mit einem Nachwort von
Helmut König. Serie Piper 2021. 560 S. (NB800) 16 Euro
"Das
Beunruhigende an der Person Eichmanns war doch gerade, daß er war
wie viele und daß diese vielen weder pervers noch sadistisch,
sondern schrecklich und erschreckend normal waren und sind. Vom
Standpunkt unserer Rechtsinstitutionen und an unsren moralischen
Urteilsmaßstäben gemessen, war diese Normalität viel
erschreckender als all die Greuel zusammengenommen." Hannah Arendt
Alexander
und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern.
Grundlagen kollektiven Verhaltens. Serie Piper 400 S. (NB396) 18
Euro
Ihre Weigerung, die Vergangenheit wahrzunehmen und zu
verarbeiten, war in der Nachkriegszeit als kollektives Phänomen der
Deutschen zu beobachten. Hellsichtig decken die beiden Autoren
verborgene, unbewußte Einstellungen und Verhaltensschemata auf, die
bis in die Gegenwart wirken.
Kurt
Pätzold: Stalingrad und kein Zurück. Wahn und Wirklichkeit.
Militzke-Verlag. (NB641) 17,90 Euro
Am 23. November 1942
schloß eine sowjetische Großoffensive den Ring um die von
Generaloberst Friedrich Paulus geführte 6. Armee. Die Schlacht um
Stalingrad erreichte ihren entscheidenden Wendepunkt. Der Autor
konzentriert sich auf Fragen, die bis heute umstritten sind: Wovon
ließen sich Hitler und seine Berater leiten, als sie im Frühjahr
1942 eine Million deutscher Soldaten auf einen extrem abenteuerlichen
Feldzug schickten? Was ging in dem Armee-Oberbefehlshaber Paulus und
den eingeschlossenen Generalen vor, als sie sich in aussichtsloser
Lage jedes eigenen Entschlusses enthielten, ihre Untergebenen zu
retten? Wie blickten die militärischen Führer, die sich in
Gefangenschaft begaben und überlebten, auf ihre Rolle zurück?
Pätzolds Buch umfaßt den Zeitraum vom Frühjahr 1942 bis zum Ende
des Winters 1943. Es mündet in die Auseinandersetzung um die Frage,
wie es den Machthabern gelingen konnte, die politische, militärische,
propagandistische und psychologische Krise nach der Niederlage in
Stalingrad zu überwinden und das skrupellose Konzept "Wenn nicht
Sieg, dann Untergang" bis in die Maitage des Jahres 1945 zu
verfolgen.
Florence
Hervé (Hg.): Mit Mut und List.
Europäische Frauen im Widerstand gegen Faschismus und Krieg.
PapyRossa Verlag. 294 S. Mit einigen Abbildungen. (NB1454)
17,90 Euro
Im
Mai 2020 jährt sich zum 75. Mal die Befreiung von der
Terrorherrschaft des deutschen Faschismus. Zu ihr trug der Widerstand
von Menschen in ganz Europa bei, darunter waren zahlreiche Frauen.
Oftmals unter Lebensgefahr kämpften sie für Freiheit, Demokratie
und Menschenrechte, für internationale Solidarität und ein
friedliches Zusammenleben der Völker. Diese Frauen haben zudem die
ihnen zugewiesene hergebrachte Geschlechterrolle durchbrochen und
ihre Emanzipation gelebt. Erst im Jahr 2019 hat der Bundestag
beschlossen, den Beitrag von Frauen zum deutschen Widerstand zu
würdigen - der mutige Widerstand in anderen europäischen Ländern
blieb unerwähnt. In dem von Florence Hervé herausgegebenen Band
werden hingegen 75 Frauen aus mehr als zwanzig Ländern vorgestellt.
Ein breites Team von Wissenschaftlerinnen und Journalistinnen aus
ganz Europa hat dazu beigetragen. Sie vervollständigen das
historische Bild vom antifaschistischen Widerstand um die
Frauenperspektive und machen zugleich Mut für den Einsatz gegen
Neofaschismus, Rechtspopulismus, Fremdenhass, Sexismus und Krieg.
Mit
Beiträgen von Sabine Bade, Tina Berntsen, Gisela Blomberg, Antje
Dertinger, Irene Fick, Cristina Fischer, Erni Friholt, Mechthild
Gilzmer, Christiane Goldenstedt, Lia Gorter, Frits Grimmelikhuizen &
Manja Pach, Mareen Heying, Mari Jonassen, Beate Kosmala, Kathrin
Mess, Ulrike Müller, Frédérique Neau-Dufour, Regina Scheer, Helga
W. Schwarz, Hanni Skroblies, Ingrid Strobl, Christl Wickert sowie der
Herausgeberin Florence Hervé.
Hellmut
G. Haasis: "Den Hitler jag ich in die Luft". Der Attentäter
Georg Elser. Biografie. Neue, überarbeitete Ausgabe. Edition
Nautilus 2009. 400 S. mit 25 s/w-Illustrationen. (NB1137) 22
Euro
München, 8. November 1939: Alles war sorgfältig
vorbereitet. In dreißig Nächten hatte Georg Elser im Pfeiler hinter
dem Rednerpult eine Bombe installiert. Doch kurz bevor sie
explodierte, hatte Hitler, früher als sonst, den Bürgerbräukeller
verlassen. Zum gleichen Zeitpunkt war der Attentäter durch
aberwitzige Umstände bereits verhaftet. Noch während Hitler seine
Zuhörer gegen England aufstachelte, hatte Elser bei Konstanz
versucht, unbemerkt in die Schweiz zu gelangen. In seiner
Jackentasche fanden die Zöllner eine Postkarte des
Bürgerbräukellers, die den "illegalen Grenzgänger" später
zum Verdächtigen machte. Er wurde an die Gestapo nach München
ausgeliefert und dort nach schweren Folterungen zu einem Geständnis
gezwungen. Am 9. April 1945 wurde der schwäbische Widerstandskämpfer
im KZ Dachau ermordet. Bis dahin suchte die Gestapo in endlosen
Verhören nach den "Hintermännern". Hitler und Himmler wollten
nicht glauben, daß Elser allein gehandelt hatte; es mußte
Drahtzieher geben. Es gab sie aber nicht - ein Umstand, der später
auch die Historiker verwirrte: Ein Handwerker, der keiner politischen
Gruppe angehörte, ein Einzelner, der früh erkannte, daß der
Kriegstreiber Hitler nur mit Gewalt gestoppt werden kann, passte in
keine ideologische Schublade. "Das Buch beschämt auch die
bürgerliche Geschichtsschreibung, die sich lange weigerte, einen
Mann zu akzeptieren, der das frühzeitig zu tun versuchte, wozu die
deutschen Eliten aus Militär, Adel und Großbürgertum nicht fähig
waren." Wilhelm von Sternburg in "Die Zeit".
Mike
Steinhausen: Ruhrpiraten. Roman. Gmeiner
Verlag 2018. 406 S. Klappenbroschur. (NB1400) 16 Euro
Edelweißpiraten
Ruhrgebiet 1942. Während Deutschland im Gleichschritt marschiert,
träumen der 16-jährige Egon Siepmann und sein Freund Fritz Gärtner
von Freiheit und Abenteuer. Hin und her gerissen zwischen dem Kampf
ums Überleben, den Schikanen der Hitlerjugend und der Verfolgung
durch die Gestapo, suchen sie nach ihrer Identität. Doch wer sich in
dieser Zeit auflehnt, wird bestraft. Und die Schergen des NS-Regimes
kennen keine Gnade.
Das rote Hamborn. Politischer Widerstand in Duisburg von 1933 bis 1945. Begleitbuch zur Ausstellung im Kultur- und Stadthistorischen Museum vom 3. Mai 2017 bis zum 28.Januar 2018. Mercator-Verlag. 96 S., zahlreiche Abb. (NB1417) 12,90 Euro
Duisburg war ein Zentrum des politischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Geprägt durch Bergbau und Schwerindustrie gab es eine breite und gewerkschaftlich organisierte Arbeiterklasse, aus der heraus sich der Widerstand formierte. Die stärksten Widerstandsaktionen in Duisburg gingen von sozialdemokratischen und kommunistischen Gruppen aus. Das Thema "Widerstand in Duisburg" konzentriert sich auf den industriellen Norden der Stadt, auf den Stadtbezirk Hamborn. Doch auch die Widerstandsarbeit in benachbarten Stadtgebieten wie Meiderich oder Ruhrort und weiter südlich im "roten Hochfeld" mit seinen Industrieanlagen am Rhein wird schlaglichtartig vorgestellt. Mit dem großen Binnenhafen und der Rheinschifffahrt, mit seinem Verkehrsknotenpunkt im Westen des Ruhrgebiets und nahe den Niederlanden bot Duisburg für die Organisation des Widerstands ideale Voraussetzungen.
Detlef
Bald: Die "Weiße Rose". Von der Front in den Widerstand.
Aufbau Taschenbuch 2004. 256 S. Mit Abb. (NB742) 9,50 Euro
Tief
erschüttert von den entsetzlichen Zügen der Barbarei, wollten die
Akteure der "Weißen Rose" nicht mehr "nur" über die
Diktatur des Bösen aufklären, sondern einen "Umsturz
herbeiführen", damit staatliche Macht demokratisch gebändigt
werden könnte. Die Erfahrungen während des Einsatzes als
Sanitätsfeldwebel an der Ostfront im Sommer 1942 haben Hans Scholl,
Alexander Schmorell, Willi Graf, Hubert Furtwängler und andere
Mitglieder der Gruppe entscheidend motiviert, vom passiven zum
aktiven öffentlichen Widerstand überzugehen. Der Historiker Detlef
Bald belegt dies anhand unveröffentlichter Akten, Briefe und
Aufzeichnungen.
Peter
Gingold: Paris - Boulevard St. Martin No. 11. Ein jüdischer
Antifaschist und Kommunist in der Résistance und der Bundesrepublik.
Hg. von Ulrich Schneider. PapyRossa Verlag 2009. 188 S. mit Abb.
(NB1103) 14,90 Euro
Peter Gingold (1916-2006) war einer der
profiliertesten jüdischen Widerstandskämpfer und Kommunisten in der
Bundesrepublik. Besonders seit den 70er Jahren trat er als Redner auf
politischen Kundgebungen gegen Naziaufmärsche und als Zeitzeuge in
Schulen und bei Jugendgruppen auf. Er hatte viel zu berichten: Die
Zeit des aufkommenden Faschismus in Deutschland, Exil in Frankreich
und Widerstand in den Reihen der Résistance (Illegalität,
politische Agitation unter deutschen Besatzungssoldaten, Flucht aus
den Fängen der Gestapo und Teilnahme am Aufstand zur Befreiung von
Paris 1944). Den 8. Mai 1945, das "Morgenrot der
Menschheitsgeschichte", erlebte er in Turin mit der italienischen
Resistenza. Zurückgekehrt nach Deutschland, gestaltete er dort den
politischen Neuanfang aktiv mit, musste jedoch erleben, wie er und
seine Familie danach fast zwei Jahrzehnte der erneuten Verfolgung,
der Ausbürgerung und des Berufsverbots erlebten. Trotzdem verstand
er sich stets als "Mut-Macher", seine Maxime: "Nie aufgeben!"
Eugen
Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen
Konzentrationslager. Heyne Taschenbuch. 528 S. (NB823) 16 Euro
Kogons
Bericht stützt sich auf 150 Einzelprotokolle und eigene Erlebnisse
als Inhaftierter. Wiederholt wollte der Autor sein Manuskript
vernichten, so furchtbar war sein Inhalt. Aber er verwirklichte seine
Absicht, die nackte Wahrheit zu schildern, objektiv, nichts zu
verändern, nichts zu beschönigen und nichts zu verschweigen. So
entstand ein historisches Werk ersten Ranges, das die Öffentlichkeit
zum ersten Mal mit einer bis dahin für unvorstellbar gehaltenen
Wirklichkeit konfrontierte.
Hans
Beimler: Im Mörderlager Dachau. Herausgegeben, kommentiert und
um eine biographische Skizze ergänzt von Friedbert Mühldorfer.
PapyRossa Verlag 2011. 194 S. Pb. mit 30 s/w-Abbildungen. (NB1210).
12,90 Euro
Kurz nach seiner abenteuerlichen Flucht aus dem
Konzentrationslager Dachau im Mai 1933 schrieb der schwer gefolterte
bayerische Kommunist und Reichstagsabgeordnete Hans Beimler nieder,
was er dort hatte erleben müssen. Die Veröffentlichung war eine
Sensation und wurde in mehrere Sprachen übersetzt, in
internationalen Zeitungen zitiert - und in Deutschland illegal
verbreitet. Hans Beimler wollte mit seinem Bericht zum Widerstand
gegen die Nazidiktatur in Deutschland und im Ausland aufrufen. Er
selbst leistete zunächst illegale Arbeit von Frankreich, der
Tschechoslowakei und der Schweiz aus, bevor er mit den ersten
Freiwilligen nach Spanien ging, um dort mit den Internationalen
Brigaden gegen Franco zu kämpfen. Am 1. Dezember 1936 fiel Hans
Beimler vor Madrid. Erstmals in der Bundesrepublik erscheint sein
Erlebnisbericht in der Originalfassung, ergänzt um Fotos und
Dokumente sowie um Anmerkungen zu Entstehungsgeschichte und
zeitgeschichtlichen Hintergründen. Außerdem wird von Friedbert
Mühldorfer in einer umfangreichen biographischen Skizze der
Lebensweg des Antifaschisten Beimler nachgezeichnet.
Friedbert
Mühldorfer, *1951. Lehrer an einem Münchner Gymnasium und
Historiker, seit 1975 Mitarbeit in der Vereinigung der Verfolgten des
Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten,
Landesverband Bayern. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Widerstand und
Verfolgung im Nationalsozialismus, Geschichte der Arbeiterbewegung,
Nachkriegsgeschichte.
Katja
Limbächer, Maike Merten, Bettina Pfefferle (Hg.): Das
Mädchenkonzentrationslager Uckermark.
Unrast Verlag 2. Aufl. 2005. 328 S. (NB845) 18 Euro
Im
Frühjahr 1942 wurde das Mädchenkonzentrationslager Uckermark von
Häftlingen des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück errichtet,
1945 zählte das Lager ca. 1.000 Mädchen und junge Frauen. Ein Erlaß
von 1937 über die "vorbeugende Verbrechensbekämpfung" hatte die
Deportation von als "asozial" kriminalisierten Mädchen möglich
gemacht. Bis heute kämpfen viele dieser Frauen um ihre Anerkennung
als Verfolgte und um einen dem Erinnern angemessenen politischen
Umgang mit dem Gelände des ehemaligen Mädchen-KZs. Mitunter erhält
man dabei den erschreckenden Eindruck der Kontinuität der
Diskriminierung dieser Frauen. Der vorliegende Sammelband faßt
Überlebensberichte, historisches Wissen, neue Recherchen und
Forschungsergebnisse zusammen. Darüber hinaus werden anregende
Diskussionen um eine mögliche Gestaltung der Gedenkstätte geführt.
Ceija
Stojka: Träume ich, daß ich lebe? Befreit aus Bergen-Belsen.
Hg. von Karin Berger. Picus-Verlag 2005. 120 S. Ln. (NB877) 14,90
Euro
"Mit der präzisen Beobachtungsgabe einer Elfjährigen
nahm Ceija in Bergen-Belsen die Welt um sich herum auf. Als
Zweiundsiebzigjährige beschreibt sie diese Eindrücke nun in
detailreicher und konkreter Sprache und entwirft dabei Bilder von
magischer Kraft. Ceija Stojka ist eine großartige Erzählerin. Sie
ist mit den Geschichten ihrer Großmutter aufgewachsen und tief in
der uralten Erzählkunst der Rom verwurzelt. Das wird in ihrem
Erinnern spürbar: Worüber sie erzählt, ist oft schrecklich. Wie
sie es erzählt, ist wunderbar." (Klappentext).
Ulrich
Schneider: Auschwitz.
PapyRossa Verlag, Reihe Basiswissen. 142 S. (NB1452)
9,90
Euro
Auschwitz
steht weltweit als Synonym für das - neben der Entfesselung des
Zweiten Weltkriegs und dem Vernichtungskrieg in den besetzten
Gebieten der Sowjetunion - schlimmste Verbrechen des deutschen
Faschismus: für den industriellen Massenmord an Menschen, die nicht
in seine Rassenvorstellung oder seine Weltherrschaftspläne passten -
Juden, Sinti und Roma, Slawen, sowjetische Kriegsgefangene,
politische Gegner oder wegen ihrer sexuellen Orientierung aus der
"Volksgemeinschaft" Ausgegrenzte. Neben der Massenvernichtung in
Auschwitz-Birkenau umfasste der Gesamtkomplex des Lagers auch die
"Vernichtung durch Arbeit" in Auschwitz-Monowitz, dem Buna-Werk
der IG Farben. Damit benennt das Buch auch die "Profi teure des
Todes". Es bietet eine kompakte Einführung in die Geschichte des
Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und in die
juristische Aufarbeitung dieses Menschheitsverbrechens. Dabei kommen
die Überlebenden selber vielfältig zu Wort. Mit einem Geleitwort
von Henri Goldberg, Präsident der Fondation Auschwitz.
Ulrich
Schneider, Dr. phil., *1954, Historiker, Generalsekretär der
Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) sowie
Sprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der
Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA).
Jules
Schelvis: Eine Reise durch die Finsternis. Ein Bericht über zwei
Jahre in deutschen Vernichtungs- und Konzentrationslagern. Unrast
Verlag 2005. 192 S. (NB811) 16 Euro
Am 1. Juni 1943 wurden
von den deutschen Besatzern 3006 jüdische Männer, Frauen und Kinder
aus dem holländischen Durchgangslager Westerbork in den Osten
deportiert. Vier Tage später kamen sie in dem ostpolnischen Dorf
Sobibór an. Niemand konnte ahnen, daß am Ende des Tages nur noch 81
junge Männer am Leben sein würden. Der Autor dieses Buches, Jules
Schelvis, war einer von ihnen. An diesem Tag brach für Jules
Schelvis eine Zeit von zwei Jahren in deutschen Vernichtungs- und
Konzentrationslagern an, die ihn über die Stationen Sobibór,
Dorohucza, Lublin, Radom, Tamaszów, Auschwitz ins schwäbische
Vaihingen führte, wo er am 8. April 1945 befreit wurde. Er schrieb
seine "Reise durch die Finsternis" direkt nach seiner Befreiung
auf. Dieses jetzt auf Deutsch erschienene Buch soll Zeugnis sein
gegen das Vergessen der Verbrechen des Nationalsozialismus.
Anne Frank: Tagebuch. Ergänzte Ausgabe mit einem Anhang. Fischer Taschenbuch 2015. 384 S. Mit Abb. (NB314) 11 Euro
Hans
Peter Richter: Damals war es Friedrich. Dtv junior -
Pocket-Bücher für Jugendliche. 176 S. (NB386) 8,95 Euro
Zwei
Jungen wachsen im selben Haus auf und gehen in dieselbe Schulklasse.
Sie werden Freunde, und jeder ist in der Familie des anderen daheim.
Doch Friedrich Schneider ist Jude, und allmählich wirft der Schatten
des Nationalsozialismus seine Schatten über ihn. Friedrichs Freund
kann ihm immer weniger zur Seite stehen. Langsam gleitet die
Geschichte aus der heilen Kinderwelt in ein unfaßbares Dunkel.
Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Fischer Taschenbücher 3 Bände im Schuber (NB155) 25,99 Euro
Raul Hilberg: Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933-1945. Fischer Taschenbuch 1996, 5. Aufl. 2011. 368 S. (NB311) 9,95 Euro
Gerd
R. Überschär (Hg.): Der 20. Juli. Das "andere Deutschland"
in der Vergangenheitspolitik nach 1945. Elefantenpress 1998. 448 S.
(NB36z) 17,90 Euro
Mit erheblicher Verspätung hat sich die
Forschung nach 1945 mit dem deutschen Widerstand gegen das
Hitler-Regime auseinandergesetzt. Eine Reflexion der
Rezeptionsgeschichte dieses Themas, das gern auf das Symboldatum "20.
Juli" verkürzt wird, stand jedoch noch aus. Dieser Sammelband
enthält Beiträge zum Umgang mit diesem Kapitel deutscher
Geschichte. Er befaßt sich u.a. Mit der Haltung der Siegermächte,
mit der Historiografie in Westdeutschland und der DDR nach 1945, die
sich auch in der Darstellung in den Medien und Schulbüchern
offenbarte, und mit dem Umgang mit Überlebenden des deutschen
Widerstands. Darüber hinaus wird der Widerstand als
"Bewältigungsproblem" wichtiger Gesellschaftsbereiche wie z.B.
Justiz, Kirche und Militär thematisiert.
Peter
Rau: Der Spanienkrieg 1936 - 39. PapyRossa Verlag 2012, Reihe
Basiswissen. 132 S. (NB1219) 9,90 Euro
"Basiswissen"
bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische
Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft
und Ökonomie. Als im Juli 1936 in Spanien die Reaktion gegen die
demokratisch gewählte Volksfrontregierung putschte und bereits nach
wenigen Tagen die Schützenhilfe aus Deutschland und Italien
zugunsten der Militärs um Francisco Franco unumstößlich bewiesen
war, eilten Tausende Antifaschisten aus aller Welt der Republik zu
Hilfe und kämpften in den legendären Internationalen Brigaden. Die
Vorgeschichte dieser Ereignisse wird hier ebenso beschrieben wie die
umfangreiche materielle Unterstützung Francos durch den
internationalen Faschismus. Thematisiert wird zudem die
verhängnisvolle Nichteinmischungspolitik der "Demokratien" des
Westens, die - neben der massiven Intervention seitens Hitlers und
Mussolinis - letztlich für die Niederlage der Republik
verantwortlich war. Beleuchtet werden aber auch deren Versäumnisse
und Fehler sowie die Rolle der Kommunistischen Internationale als
Spiritus Rector der Interbrigaden und die nicht immer uneigennützige
Hilfe der Sowjetunion.
Ulrich
Sander: Mörderisches Finale. NS-Verbrechen bei Kriegsende.
PypyRossa 2008. 192 S. (NB1046) 16,90 Euro
Kurz vor der
Befreiung wurden im Frühjahr 1945 Tausende Nazigegner
»ausgeschaltet«. Gegen deutsche und ausländische Antifaschisten
wie gegen Wehrmachtssoldaten, die sich am Wahnsinn nicht mehr
beteiligen oder ihm ein Ende bereiten wollten, wurde ein groß
angelegter Mordfeldzug in Gang gesetzt, um einen antifaschistischen
Neubeginn nach dem Krieg im Keime zu ersticken. SS, Gestapo, aber
auch einfache NSDAP-Mitglieder, Volkssturmmänner und Hitlerjungen
nahmen teil an Massakern im Ruhrkessel, an Erschießungen in vielen
Städten und Dörfern, am Mord an Gefangenen aus KZs und Zuchthäusern
auf Todesmärschen, an Standgerichten gegen Deserteure. Die
Verbrechen in der allerletzten Phase des Krieges waren sowohl
örtliche Amokläufe als auch Teil der Nachkriegsplanungen des
deutschen Faschismus. Ulrich Sander bilanziert das Ausmaß der
Verbrechen, um die Opfer dem Vergessen zu entreißen und die Täter
zu benennen. Er liefert eine erste - wenn auch unvollständige -
Gesamtdarstellung dieser Vorgänge. Mit einem Personenregister.
Robert
Merle: Der Tod ist mein Beruf.
Roman. Aufbau-Verlag Berlin. 304 S. (NB141) 16
Euro
Tatsachenroman
über das Leben des KZ-Kommandanten von Auschwitz Rudolf Höß. Von
Theodor Kotula verfilmt ("Aus einem deutschen Leben").
Richard
Glazar: Die Falle mit dem grünen Zaun. Überleben in Treblinka.
Vorwort von Wolfgang Benz. Unrast Verlag 2008 (Reihe
antifaschistischer Texte). 200 S. (NB1036) 20 Euro
Richard
Glazar, einer der ganz wenigen Überlebenden des Vernichtungslagers
Treblinka in Europa, schildert seine Verschleppung aus der
Tschechoslowakei über das Ghetto Theresienstadt nach Treblinka, wo
1942/43 900.000 Juden ermordet wurden. Glazar war dort als einer der
"Arbeitsjuden" eingesetzt. Er überlebte, weil ihm nach zehn
Monaten während des Aufstands im Sommer 1943 als einem der wenigen
die Flucht gelang. Bis zum Kriegsende konnte er als "Fremdarbeiter"
getarnt in Deutschland untertauchen. Seine Aufzeichnungen, die über
vier Jahrzehnte unveröffentlicht blieben, sind ein einzigartiges
historisches Dokument und legen ein bewegendes Zeugnis ab für die
vielen Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft wurden.
Fania
Fénelon: Das Mädchenorchester von Auschwitz. Dtv. 384 S.
(NB147) 14 Euro
"Das ist der Musikblock. Wir sind das
Frauenorchester vom Lager Birkenau..." Eine tragische, wahnwitzige,
groteske Geschichte: ein Orchester, dessen Mitglieder buchstäblich
um ihr Leben spielen mußten. Authentisches über den Holocaust.
Victor
Klemperer: LTI. Notizbuch eines Philologen. Mit Anmerkungen von
Elke Fröhlich. Verlag Philipp Reclam 2015. 416 S. (NB1302) 14
Euro
"LTI", die Analyse der Sprache des
Nationalsozialismus und ihrer Wirkungsmacht, ist sowohl ein
Meisterwerk der Geschichtsschreibung als auch ein menschliches
Dokument von der Selbstrettung eines Sprach- und
Literaturwissenschaftlers in hoffnungsloser Zeit. Elke Fröhlich hat
den Text auf der Basis der von Victor Klemperer autorisierten
Ausgaben von Irrtümern und Fehlern gereinigt, die sich im Lauf der
Druck- und Erfolgsgeschichte des Buches eingeschlichen haben, und ihn
um einen umfangreichen Kommentar ergänzt, der sowohl den
zeitgeschichtlichen Kontext aufschließt als auch den immensen
Bildungshintergrund des Romanisten Klemperer.
Elke Fröhlich war
fast vier Jahrzehnte lang Mitarbeiterin am Institut für
Zeitgeschichte in München und leitete das
Editionsprojekt der Tagebücher von Joseph Goebbels.
Bodo
Ramelow (Hrsg.): Schreddern, Spitzeln, Staatsversagen.
Wie rechter Terror, Behördenkumpanei und Rassismus aus der Mitte
zusammengehen. VSA Verlag 2013. 240 S. (NB1254) 12,80 Euro
Der
rechte Terror des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) kostete
zehn Menschen das Leben. Er erwuchs aus dem Rassismus in der
Gesellschaft, der Verharmlosung der rechten Gefahr, dem
systembedingten Versagen der Geheimdienste und Behördenkumpanei.
Eine Spur braunen Terrors zieht sich durch Deutschland: neun Morde
mit derselben Waffe und die rätselhafte Hinrichtung einer
Polizistin. Den aus der Türkei und aus Griechenland stammenden
ermordeten Gewerbetreibenden und ihren Angehörigen schob man
Mitschuld in die Schuhe. Fazit der zahlreichen
Untersuchungsausschüsse: Schreddern, Spitzeln, Staatsversagen.
In
diesem Buch geht es zum einen um die (Nicht-)Aufklärung der
NSU-Verbrechen. Zum anderen wird gezeigt, wie rechter Terror, das
Versagen der Geheimdienste und der Rassismus aus der Mitte
zusammengehen.
"Der Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft,
angetrieben auch durch die unerträglichen Debatten der Politik um
die Abschaffung des Asylrechts und die Abschottung Deutschlands gegen
Flüchtlinge, bereitete den Boden. Rassismus - das ist neben all
den offenen Fragen um das Agieren des Staates das eigentliche Thema
im Fall des NSU. Denn auch der Rassismus, der Antisemitismus, der
Antiziganismus und die Islamophobie in der Gesellschaft sowie in
Behörden führten dazu, daß zuerst die Opfer des braunen Terrors
und ihre Angehörigen in den Fokus der Fahndungen gerieten und nie
ernsthaft Rassismus als Tatmotiv und Neonazis als Täter erkannt
wurden." (Aus dem Vorwort).
Bodo Ramelow ist Vorsitzender der
Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag und Vorstandsmitglied der
Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Martin
Dietzsch, Helmut Kellershohn, Alfred Schobert: Jugend im Visier.
Geschichte, Umfeld und Ausstrahlung der "Unabhängigen
Nachrichten". Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung
(DISS) 2002. 184 S. (NB591) 12 Euro
Die "Unabhängigen
Nachrichten" gehören zum Umfeld der NPD. Vor über 30 Jahren
gegründet, popularisieren sie völkisch-nationalistische Ideologie
mit deutlich neonazistischer Färbung. Agitation und Propaganda
umfassen die gesamte programmatische Breite von Holocaust-Leugnung
bis zu aggressivem Rassismus. Durch ihre Reihe "Auf dem
Stundenplan" nehmen die "Unabhängigen Nachrichten"
insbesondere Jugendliche ins Visier und betreiben dabei Fälschung
der Geschichte. Im Umfeld der "Unabhängigen Nachrichten"
verknüpft der Verlag VAWS Propaganda und Kommerz. Seit der Gründung
nationalsozialistischer Traditionspflege verpflichtet, zielt auch
VAWS insbesondere auf Jugendliche, indem er sich auf Vermarktung von
Musik spezialisierte. Die Autoren der Studie zeigen, wer hinter den
"Unabhängigen Nachrichten" und VAWS steckt, wie ihre Propaganda
funktioniert und wie man sich dagegen wehren kann.
Ulrich
Schneider: Antifaschismus. PapyRossa Verlag 2014 Reihe
Basiswissen. 136 S. (NB1376) 9,90 Euro
Das Buch zeichnet die
Geschichte des Antifaschismus- Begriffs und der damit verbundenen
organisierten Bewegung vor allem in Deutschland nach.
"Antifaschismus" wird sowohl als analytische Kategorie als
auch als Handlungsorientierung aufgefasst. In der Weimarer Zeit war
er stark geprägt durch die Parteien der Arbeiterbewegung. Der
antifaschistische Widerstand bis hin zur Anti-Hitler- Koalition
repräsentierte bereits ein breiteres Spektrum. Heute gibt es
unterschiedliche Zugänge zum Antifaschismus. Einerseits verbindet
sich Antifaschismus auf der Grundlage marxistischer
Gesellschaftsanalyse mit Antikapitalismus. Andererseits umfasst die
organisierte antifaschistische Bewegung auch Menschen und Strömungen,
die diese Auffassung nicht teilen. Gemeinsam ist jedoch allen der
praktische Einsatz gegen alle Formen von sozialer Ausgrenzung, von
Rassismus und Ungleichbehandlung, gegen zwischenstaatliche
Aggression, für demokratische und soziale Rechte.
Dr. phil.
Ulrich Schneider, Jg. 1954. Historiker und Lehrer, ist Bundessprecher
der Vereinigung der Verfolgten des Nazi regimes - Bund der
Antifaschisten (VVN - BdA).
Thomas
Willms: Auschwitz als Steinbruch. Was von den NS-Verbrechen
bleibt. PapyRossa Verlag 2016. 136 S. (NB1380) 12,90 Euro
Wie
die Verbrechen des NS-Regimes vergegenwärtigt werden, ist zunehmend
einem ökonomischen und ideologischen Markt überlassen. Aus dem
Zusammenhang gerissene Bilder haben bereits einen maßgeblichen
Einfluss auf das Geschichtsbild. Dieser Prozess ist international und
überlagert nationenspezifische geschichtspolitische Probleme. Thomas
Willms stellt dar, was von den NS-Verbrechen bleibt, welche Aspekte
der Erinnerungen von Zeitzeugen von Anfang an ignoriert wurden und
welche Missverständnisse die Vorstellungen über Konzentrationslager
bestimmen. In Essays, Analysen und Recherchen befragt er literarische
und philosophische Werke, Museen, Filme, Fernsehserien, Graphic
Novels, ein Puppenspiel und die Reenactment-Bewegung danach, wie
apologetisch oder aufklärerisch sie sich mit dem Zweiten Weltkrieg
und den deutschen Massenverbrechen auseinandersetzen. Die Streifzüge
beginnen in Italien und führen über Deutschland, Frankreich, Polen
und Großbritannien in die USA.
Frank
Deppe, Georg Fülberth, Rainer Rilling (Hg.): Antifaschismus.
Distel Verlag 1996. 624 S. (NB660) 34 Euro
Die in diesem Band
versammelten Beiträge haben einen gemeinsamen inhaltlichen Bezug:
die Rekonstruktion eines aktuellen Antifaschismus. Das schließt die
Abwehr der üblich gewordenen Versuche ein, den Kampf gegen den
Nationalsozialismus zu diskreditieren, Kriegspolitik und den
Völkermord zu relativieren. Zu den bleibenden Ergebnissen des
historischen Antifaschismus gehört der demokratische nd
sozialstaatliche Konsens, der sich nach 1933 in den
Widerstandsbewegungen herausgebildet hat und nach 1945 trotz des bald
einsetzenden Kalten Krieges die gesellschaftliche Realität zumindest
mitprägte. Aktueller Antifaschismus bedeutet seine Weiterentwicklung
und Verteidigung.
Jens
Mecklenburg (Hg.): AntifaReader. Antifaschistisches Handbuch und
Ratgeber. Elefantenpress 1996. 384 S. (NB34z) 14 Euro
Der
Antifa Reader bietet eine vollständige Darstellung zu den Themen
Rechtsextremismus und Neonazismus. Von der organisatorischen
Entwicklung zur Ideologie, von den Ursachen zu den Aussichten, von
den alten zu den neuen Rechten, von den militanten Neonazis zu den
Rechten in der Ökologie- und Esoterik-Szene. Ein Lexikon der
wichtigsten Personen, Organisationen, Zeitungen und Zeitschriften,
ein Schlagwortverzeichnis und Register geben dem Nachschlagewerk
seinen Charakter als Arbeitsbuch. Der Reader informiert nicht nur
kompetent über die rechte Szene, sondern gibt auch Anregungen für
antifaschistische und antirassistische Aktivitäten.
Klaus
Holz, Heiko Kauffmann, Jobst Paul (Hg.): Die Verneinung des
Judentums. Antisemitismus als religiöse und säkulare Waffe.
Edition DISS in Unrast Verlag 2009. 184 S. (NB1142) 22 Euro
Der
Band umfaßt eingehende Analysen antisemitischer Positionierungen auf
den Diskursebenen der Medien, der Politik, der Wissenschaft, der
Religion und des Alltags. Thematisiert wird die Entstehung des
politischen Antisemitismus in Deutschland und dessen gegenwärtige
Wiederbelebung im Islamismus. Einen Schwerpunkt bildet die jüdische
Perspektive auf das Phänomen des Antisemitismus und auf ihr
Gegenprogramm der gerechten Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund wird
die Flüchtlingspolitik der Gegenwart betrachtet. Dies geschieht
anlässlich des 70. Jahrestages der Konferenz von Evian und deren
Umgang mit jüdischen Flüchtlingen (1938).
Gerhard
Feldbauer: Die Resistenza - Italien im Zweiten Weltkrieg.
Papyrossa Verlag 2014, Reihe Basiswissen. 126 S. (NB1377) 9,9ß
Euro
Nach dem Sturz Mussolinis besetzte die deutsche
Wehrmacht Nord- und Mittelitalien. Daraufhin rief ein Nationales
Befreiungskomitee zur Resistenza, dem bewaffneten Kampf gegen das
Besatzungsregime und seine Vasallen, auf. Ihm gehörten neben den
italienischen Kommunisten und Sozialisten auch Liberale und
Christdemokraten an. Auf dieser Grundlage wurde eine Partisanenarmee
gebildet, in der jede Partei mit eigenen Einheiten vertreten war.
Weitaus am stärksten und aktivsten waren die
kommunistisch geführten Garibaldi-Brigaden. In einem verlustreichen
und von der Wehrmacht äußerst brutal geführten Kampf befreiten die
von der Bevölkerung unterstützten Partisanen große Teile des
Landes. Gerhard Feldbauer schildert Wurzeln und Vorgeschichte der
Resistenza, den Verlauf und das Resultat ihres Kampfes, das
komplizierte Zusammenwirken der unterschiedlichen sozialen Kräfte
sowie das Verhalten der westlichen Alliierten, denen an einer
antifaschistischen Umgestaltung Italiens nicht gelegen war.
Dr.
phil. Gerhard Feldbauer, Jg. 1933. Habilitierte
sich in italienischer Geschichte. War langjähriger
Pressekorrespondent in Italien und Vietnam. Ist heute als
freiberuflicher Publizist tätig. Zahlreiche Bücher und
Zeitschriftenartikel.
Dietrich
Heither: Burschenschaften. PapyRossa Verlag Reihe Basiswissen
2013. 132 S. (NB1373) 9,90 Euro
Die Deutsche Burschenschaft
umfasst derzeit etwa 120 Verbindungen mit gut 1.300 Aktiven und rund
10.000 Alten Herren. Die Geschichte dieses prominentesten
Dachverbandes studentischer Verbindungen zeichnet sich durch eine
Kontinuität antidemokratischer, national-völkischer und
männerbündischer Haltungen aus. Diese setzten sich bald nach
Gründung der Urburschenschaft im Jahr 1815 immer mehr durch. Sie
reichen weiter vom alldeutschen Weltmachtstreben im Kaiserreich über
die Bekämpfung der Weimarer Republik und die frühzeitige
Unterstützung der NSDAP bis in die Gegenwart. Noch immer geht dabei
ein elitäres Weltbild mit personellen Schnittstellen zu führenden
Kreisen aus Wirtschaft, Politik, Justiz und Publizistik einher.
Vielfach belegt sind auch Verflechtungen zahlreicher
burschenschaftlicher Mitglieder mit rechtsextremen Gruppierungen. Der
Band zeichnet Geschichte und Ideologie der studentischen
Korporationen nach und zieht eine Bilanz aus 200 Jahren
Burschenschaften.
Dietrich
Heither: Ich wusste, was ich tat. Emil Julius Gumbel und der
rechte Terror in der Weimarer Republik. PapyRossa Verlag 2016. 132 S.
(NB1374) 12,90 Euro
Pazifistisch, sozialistisch, jüdisch und
intellektuell - bereits eines dieser Attribute reichte in der
Weimarer Republik aus, um von der national-völkischen Rechten zum
politischen Feind erklärt zu werden. Emil Julius Gumbel, Professor
der Mathematik in Heidelberg, vereinte all dies in seiner Person.
Zudem legte er sich in seinen Schriften an mit den Mordbanden und
Putschisten, den Wehrsportgruppen und Geheimbünden, der »Schwarzen
Reichswehr« und den Fememördern; aber auch mit einer Justiz, die
all deren Verbrechen und Schandtaten deckte und eine Bestrafung der
Täter in aller Regel verhinderte. Die Folge: Bereits vor der so
genannten Machtergreifung wurde Gumbel von einer Phalanx aus
Korporations- und Nazi-Studenten sowie rechtsgerichteten Professoren
von der Hochschule vertrieben. Dietrich Heither erinnert an einen
Demokraten, der den Mut aufbrachte, die Mörder von rechts und ihre
Hintermänner beim Namen zu nennen, und dabei mehrfach auch seine
persönliche Existenz aufs Spiel setzte.
Peter
Bierl: Grüne Braune. Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von Rechts.
Unrast Verlag 2014 (Reihe transparent - rechter rand). 80 S.
(NB1286 BES) 7,80 Euro
Seit Jahren versuchen militante
Neonazis und rechte Ideologen mit ökologischen Themen zu punkten.
Die NPD protestiert gegen Gentechnik, Kameradschaften demonstrieren
gegen Castor-Transporte und Autonome Nationalisten gegen
Schweinemastbetriebe und für Vegetarismus. In Umwelt & Aktiv
warnen Autoren vor zerstörerischer Wachstumspolitik und beklagen
einen Raubbau an der Natur. Werden rechte Ökobauern enttarnt, löst
deren Engagement immer wieder Überraschung aus. Bürgerinitiativen
zeigen sich verwundet, wenn extrem Rechte mitmischen. Dabei haben
Nazis immer schon gesellschaftliche Widersprüche aufgegriffen und
gemäß ihrer Weltanschauung interpretiert, um neue Anhänger zu
rekrutieren. Das gilt für die soziale Frage, die Frauenbewegung wie
für Ökologie. Zumal Umweltschutz traditionell ein Thema der Rechten
ist.
Die Lebensreformer und Heimatschützer des Kaiserreichs und
der Weimarer Republik waren überwiegend konservativ bis
völkisch-antisemitisch. Ideen und Personen aus diesem Spektrum
prägten noch die moderne Ökologiebewegung und die Gründungsphase
der Grünen. Die Biozentristen und Tiefenökologen, die sich im
Umfeld von Protestbewegungen der 1970er Jahre entwickelten, verbinden
Esoterik mit prinzipieller Menschenfeindlichkeit. Sie agitieren gegen
Einwanderung und eine angebliche Überbevölkerung. Parolen der Neuen
Rechten gegen Homogenisierung, für kulturelle Differenz und ein
Recht auf Heimat sind längst in linke und ökologische Diskurse
eingegangen.
Peter Bierl: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik. Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe. Konkret 2005. 280 S. (NB883 BES) 17 Euro
Mirja
Keller, Lena Kögler, Moritz Krawinkel, Jan Schlemermeyer: Antifa.
Geschichte und Organisierung. Schmetterling Verlag 2011 (Reihe
theorie.org). 180 S. Pb. (NB1197 BES)
10 Euro
In dem Buch verfolgen die Autoren die
Vorläufer, Theorien und Praktiken der linksradikalen Antifaschisten
und erläutern konkret die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der
gegenwärtigen Ausprägungen, wie Antideutsche, Antinationale oder
Bewegungslinke. Den Lesern bietet sich mit diesem Buch die
Möglichkeit, Erkenntnisse über bereits erarbeitete und verworfene
Theorien sowie Erfolge und Niederlagen der Praxis zu sammeln, was
gerade für die moderne, sich im stetigen Wandel befindliche,
radikale Antifa von großer Bedeutung ist. Das Buch hilft dabei,
Wissen um die eigene Geschichte zu erlangen, damit das Rad nicht
immer neu erfunden werden muß. Stattdessen können die Leser die
Entwicklung einer gesellschaftlich wirksamen, emanzipatorischen
Bewegung vorantreiben.
Conrad
Taler: Skandal ohne Ende. Deutscher Umgang mit dem
Rechtsextremismus. PapyRossa Verlag 2012. 176 S. Pb. (NB1236 divex)
12,90 Euro
Wenn eine Gruppe von Neonazis lange Zeit
ungehindert morden kann, so ist das auch eine Folge der jahrelangen
Verharmlosung des Rechtsextremismus. Conrad Taler nennt jene mit
Namen, die sich an dieser Verharmlosung beteiligt haben. So etwa den
ehemaligen verteidigungspolitischen Sprecher der CDU, Manfred Wörner,
der sich dafür einsetzte, eine Galionsfigur der rechtsextremen
Szene, den Ex-Nazi-Oberst Hans-Ulrich Rudel, als Gast bei einer
Fliegereinheit der Bundeswehr zu empfangen. Oder den Sozialdemokraten
Peter Struck, der als Verteidigungsminister nichts dabei fand, den
General Reinhard Günzel, der von seinen Soldaten Disziplin nach dem
Vorbild der Waffen-SS verlangt hat, an die Spitze des Kommandos
Spezialkräfte der Bundeswehr zu stellen. Beteiligt war auch der
Verfassungsschutz mit seinen Taufpaten aus der Gestapo, die als
ausreichend legitimiert galten, weil für sie der Feind immer schon
links gestanden hat. Dies entspricht einer Erblast, die Conrad Taler
eingehend beschreibt.
Cornelia
Kerth / Martin Kutscha (Hg.): Was heißt hier eigentlich
Verfassungsschutz? Ein Geheimdienst und seine Praxis.
PapyRossa Verlag 2020. 148 Seiten. (NB1455bes) 12,90
Euro
"Verfassungsschutz" - das klingt gut. Aber werden
die mit diesem Namen geadelten Behörden ihrem Anspruch gerecht?
Zahlreiche Skandale wie etwa das völlige Versagen beim Aufspüren
der neonazistischen Terrorzelle "NSU" lassen daran zweifeln.
Gleichwohl wurden in den letzten Jahren die Verfassungsschutzämter
finanziell und personell aufgestockt und ihre Überwachungsbefugnisse
noch erweitert. Dieser Sammelband nimmt Geschichte,
Handlungsgrundlagen und aktuelle Praxis des Verfassungsschutzes unter
die Lupe. Sind es wirklich nur »Pannen«, wenn dieser so wenig zur
Aufklärung der Neonaziszene in Deutschland beiträgt? Welche
Aufgaben weisen Grundgesetz und Fachgesetze den Geheimdiensten
eigentlich zu? Wie sind die Vertuschung und Blockade bei der
Aufdeckung terroristischer Netzwerke z.?B. im NSU-Prozess zu
erklären? Werden die parlamentarischen Kontrollgremien ihrer Aufgabe
gerecht oder dienen sie lediglich als Feigenblatt für fragwürdige
Aktivitäten? Welche Alternativen gibt es, um die demokratische
Verfassungsordnung wirksam zu schützen?
Mit Beiträgen
von Antonia von der Behrens, Rolf Gössner, Luca Heyer, Udo Kauß,
Martin Kutscha, Till Müller-Heidelberg, Martina Renner, Niklas
Schrader und Klaus Stein.
Martin Kutscha, Dr. iur., Jg.
1948, Professor a.D. für Staats- und Verwaltungsrecht an der
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, engagiert in der
Humanistischen Union; Cornelia Kerth, Jg. 1954,
Sozialwissenschaftlerin, Bundesvorsitzende der Vereinigung der
Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und
Antifaschisten (VVN-BdA).
White
Noise. Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour -
Einblicke in die internationale Nazi-Musik-Szene. Unrast-Verlag 2000.
160 S. (NB11z) 12 Euro
Mit einem Beitrag von Stefan Jacoby
über Neonazis im Internet.
Peter
Weiss: Die Ästhetik des Widerstands. Roman. Suhrkamp-Verlag
1983. 962 S. (NB156) 25 Euro
Ausgabe des gesamten Werks in
einem Band.
Dietmar
Dath: Karl Marx. 100 Seiten. Reclam 2018 (Reihe 100
Seiten). (NB1418) 10 Euro
Im Januar 2009 wurde Dietmar Dath
vom Spiegel gefragt, ob er für die "Beseitigung
des kapitalistischen Systems" sei. Seine Antwort:
"Absolut." Mit diesem Beitrag
zu Marx' 200. Geburtstag hat Dath nicht nur ein äußerst
persönliches Buch über Marx geschrieben, sondern eines, das in
seiner Klarheit und Dynamik gleichzeitig eine brillante Einführung
in die Marxsche Lehre und deren Nachwirkung bietet. So zeigt er unter
anderem, dass Marx das zu Bekämpfende immer zuerst einmal verstehen
will und sich stets an der Praxis orientiert - zwei der vielen
Gründe für seine anhaltende Aktualität.
Detlef
Vonde: Auf den Barrikaden. Friedrich Engels und die "gescheiterte
Revolution" von 1848/49. Verlag Edition Köndgen 2020. 364 S. mit
Abb. (NB1458) 19,95 Euro
Als ein sperriges Thema wurde die
Revolution von 1848/49 immer wieder und gern bezeichnet. Gleichwohl
schienen sich die Zeitgenossen und späteren Kommentatoren
lange Zeit einig, wenn sie von einer gescheiterten bürgerlichen
Revolution sprachen. Die Erzählung vom Scheitern war jedenfalls kaum
geeignet, nennenswerten Widerspruch auszulösen. Eine Rolle spielte
in diesem Zusammenhang auch der Barmer Fabrikantensohn Friedrich
Engels, der in den Maitagen des tollen Jahres 1849 in Elberfeld
selbst auf den Barrikaden stand und mit den Revolutionären einige
Tage für die Demokratie und die Anerkennung der kurz zuvor
verabschiedeten Reichsverfassung kämpfte. Die Geschichte dieser
aufregenden Tage wird hier noch einmal erzählt und ins Verhältnis
gesetzt zu den Prozessen auf den zentralen Handlungsebenen der
Revolution von 1848/49.
Georg
Fülberth: Friedrich Engels. PapyRossa Verlag 2018 (Reihe
Basiswissen) 124 S. (NB1413) 9,90 Euro
Friedrich Engels
(1820-1895) hat einer modischen Lesart zufolge die Theorie seines
Freundes und Mitstreiters Karl Marx von Grund auf missverstanden. Und
er hat sie nach dessen Tod angeblich bis zur Unkenntlichkeit
verflacht, wenn nicht gar verfälscht. Dem widerspricht Georg
Fülberth. Er arbeitet die tatsächliche Bedeutung von Engels heraus,
indem er belegt, dass dieser zur gesellschaftswissenschaftlichen
Revolution des 19. Jahrhunderts gleichermaßen beitrug wie Marx: zur
Ersetzung der idealistischen Geschichtsauffassung durch die
materialistische. Engels hat Marx zur Veröffentlichung des ersten
Bandes des "Kapital" (1867), der ohne ihn vielleicht nie
erschienen wäre, gedrängt, den zweiten 1885 sowie den dritten 1894
zusammengestellt und herausgegeben. Zugleich war er - mehr noch als
Marx - einer der ersten Vertreter des Typs der "Operativen
Intellektuellen", die die sozialistischen Bewegungen des 19. und
20. Jahrhunderts mitgeprägt haben. Georg Fülberth untersucht sein
Wirken auf diesen drei Gebieten.
Georg Fülberth, Dr. phil., Jg.
1939. Von 1972 bis 2004 Professor für Politikwissenschaft an der
Universität Marburg. Zahlreiche Bücher bei PapyRossa, etwa die
Basiswissen-Bände >Kapitalismus<, >Sozialismus< und
>Marxismus<. Publiziert u. a. in der Freitag, neues deutschland,
junge Welt und konkret.
Stefan
Kraft/ Karl Reitter (Hg.): Der junge Marx. Philosophische
Schriften. Pro Media Verlag 2007, Edition "Linke Klassiker". 172
Seiten. (NB1022) 14,90 Euro
Als Karl Marx im Jahre 1848 im
Alter von 29 Jahren gemeinsam mit Friedrich Engels das "Manifest
der Kommunistischen Partei" veröffentlichte, konnte er bereits auf
eine Fülle von richtungsweisenden Schriften zurückblicken. Zu den
bekanntesten Werken aus seinen Jugendjahren zählen unter anderem
"Die heilige Familie", "Die deutsche Ideologie", die
"Ökonomisch-philosophischen Manuskripte" und die "Thesen über
Feuerbach". Diese Abhandlungen zeigen auf faszinierende Weise die
raschen und umwälzenden Veränderungen im Marxschen Denken, seinen
Geistesweg von der deutschen Philosophie hin zu einem revolutionären
Programm, seine radikalen Auseinandersetzungen mit den
Linkshegelianern und Frühsozialisten. Wir erleben einen Denker, der
früh erkennt, wie die Verwirklichung der Philosophie eine
emanzipatorische Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse
bewirken kann. Wir treffen auf einen scharfen Kritiker des Staates,
der, vor allem in seiner ausführlichen Kritik an Hegel, den
Widerspruch zwischen Staat und Gesellschaft herausarbeitet.
Revolution, so Marx, muß "die Revolution radikaler Bedürfnisse
sein". Kommunismus ist daher auch kein fixer, anzustrebender
Zustand, sondern "Kommunismus ist die wirkliche Bewegung, welche
den jetzigen Zustand aufhebt". In seinen frühen Analysen der
ökonomisch-sozialen Verhältnisse im Allgemeinen und dem
Arbeitsprozeß im Besonderen finden wir eine scharfe Kritik der
Lohnarbeit. Marx, der sie grundlegend als entfremdete Arbeit erkennt,
konstatiert unmissverständlich: "Ihre Fremdheit tritt darin rein
hervor, daß, sobald kein physischer oder sonstiger Zwang existiert,
die Arbeit als eine Pest geflohen wird." Wie dringlich eine
Revolution vonnöten ist, beweist Marx mit seiner Analyse der
psychischen und physischen Reduktion des Menschen im kapitalistischen
Arbeitsprozeß, und er setzt ihr die Entwicklung der Allseitigkeit
und die Entfaltung der Persönlichkeit entgegen. Die Individuen
"müssen den Staat stürzen, um ihre Persönlichkeit
durchzusetzen." Mit der Schriftensammlung "Der junge Marx"
haben Stefan Kraft und Karl Reitter den Versuch unternommen, die
wichtigsten Argumente, Thesen und Textstellen im Marxschen Frühwerk
aufzuspüren und ihre Aktualität in der Beantwortung heutiger
gesellschaftspolitischer Fragen unter Beweis zu stellen.
Georg
Fülberth: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. PapyRossa
Verlag Basiswissen 2012. 116 S. Pocketformat. (NB1233) 9,90
Euro
Georg Fülberth, Professor Dr. phil., Jg. 1939. Lehrte
Politikwissenschaft an der Universität Marburg. Publiziert
regelmäßig in "Freitag", "Konkret", "junge Welt" und
anderen Zeitungen und Zeitschriften. Zahlreiche Bücher und
Buchbeiträge.
"Basiswissen" bringt in handlicher Form
leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus
Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie. Georg Fülberth
beschreibt die Entwicklung des bürgerlichen Deutschland seit 1945
als eine Art Selbstbefreiungskampf des deutschen Kapitalismus aus der
Sicherungsverwahrung, die ihm 1945 auferlegt wurde. 1990 wechselte
das Vorzeichen: aus einer scheinbar subalternen Position innerhalb
der Westintegration heraus bahnte sich eine ökonomische und zum Teil
auch politische Dominanz Deutschlands in Europa an. Dies ist die eine
Seite. Die andere besteht aus den Kämpfen um mehr gesellschaftliche
Gleichheit und um eine friedliche Entwicklung. Hier lassen sich
mehrere Perioden unterscheiden: Bis 1973 gab es im Goldenen Zeitalter
des Wohlfahrtskapitalismus relativ weite Spielräume, zu denen auch
der Systemkonfl ikt beitrug. Der Übergang zum finanzmarktgetriebenen
Kapitalismus ab Mitte der siebziger Jahre und der Wegfall des Drucks,
der vom staatlich verfassten Sozialismus ausging, haben sie verengt.
Die Ungleichheit nimmt zu. Ebenso wächst eine aggressive Tendenz in
der Außenpolitik.
Georg
Fülberth: Kapitalismus.
PapyRossa Verlag 2010 (Basiswissen). 128
S. (NB1143) 12
Euro
"Basiswissen" bringt in handlicher Form
leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus
Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie. Den ersten Leitfaden
aus dieser neu etablierten Reihe legt Georg Fülberth zum Stichwort
"Kapitalismus" vor. Im theoretischen Teil werden dessen
Charakteristika herausgearbeitet. Zentral stehen dabei Akkumulation
und Überakkumulation. Sie bestimmen auch den Rhythmus der Geschichte
dieser Produktions- und Reproduktionsweise. Ihr gilt der zweite Teil
des Buchs, der vom Handelskapitalismus des ausgehenden Mittelalters
und der frühen Neuzeit bis zum Neoliberalismus von heute reicht. In
seiner aktuellen Phase wird der Kapitalismus als "Problematische
Überschussgesellschaft" definiert. Dieser Begriff dient zur
Erklärung der Krise von 2007 ff., die sich als die Konsequenz der
merkwürdigerweise lange verdrängten, womöglich wichtigeren
Vorgängerkrise von 1974/75 und des darauf folgenden Spekulations-
und erneuten Überakkumulations- Zyklus erweist.
Georg
Fülberth: Sozialismus. PapyRossa Verlag 2010 (Basiswissen). 112
S. (NB1144) 9,90 Euro
Was Sozialismus sei, wird angesichts
der Krisenhaftigkeit seines Gegenstücks, des Kapitalismus, heftig
debattiert. Was gemeint ist, bleibt indes häufig unklar. Dem kann
dieser Leitfaden abhelfen. Unter Sozialismus versteht er dreierlei:
a.) eine Gesellschaftsordnung, b.) eine politische Bewegung und ihre
Theorie, c.) ein untergeordnetes Organisationsprinzip in der
kapitalistischen Gesellschaft. Diese Definition macht es nötig, in
gebotener Kürze, aber dennoch präzise die Grundzüge der Geschichte
der sozialistischen Bewegungen seit Entstehung der bürgerlichen
Gesellschaft, des staatlich verfassten Sozialismus seit 1917 und von
Vergesellschaftungstendenzen im Kapitalismus selbst herauszuarbeiten.
Der Verfasser fragt auch nach Möglichkeiten für eine Zukunft des
Sozialismus. Als eine erste Etappe nennt er eine "Pink, Grey, Red,
Blue Revolution": Eine Umwälzung zugunsten der Jungen, der
Rentner, der von Lohn- oder Transfereinkommen Abhängigen und der
Antikriegskräfte, deren ökologische Dimension vorausgesetzt
wird.
Professor Dr. phil. Georg Fülberth, Jg. 1939. Lehrte
Politikwissenschaft an der Universität Marburg. Publiziert
regelmäßig in "Freitag", "Konkret", "junge Welt" und
anderen Zeitungen und Zeitschriften. Zahlreiche Bücher und
Buchbeiträge.
Georg
Fülberth: "Das Kapital" kompakt. PapyRossa Verlag 2011
(Basiswissen). 123 S. (NB1165) 9,90 Euro
Die vorliegende
Einführung in "Das Kapital" unterscheidet sich von anderen auch
dadurch, daß sie nicht polemisch zu belegen versucht, dieses Werk
besser verstanden zu haben als jene. Sie zeichnet zwar ebenfalls
dessen Gesamtargumentation nach, zeichnet sich aber dadurch aus, dass
sie 1) besonderes Gewicht auf den dritten Band legt; 2) die
Rehabilitation der reinen Arbeitswertlehre, wie sie im ersten Band
entwickelt ist, übernimmt; 3) danach fragt, in welchem Verhältnis
die Analyse der kapitalistischen Produktionsweise und die
Untersuchung der Möglichkeiten ihrer Aufhebung in der Marxschen
"Kritik der Politischen Ökonomie" zueinander stehen. Die
Erkenntnisse der "Neuen Marx-Lektüre" und der "Monetären
Werttheorie" werden dabei aufgenommen, aber vom Kopf auf die Füße
gestellt. Das Ziel dieser Einführung ist erreicht, wenn die
Leserinnen und Leser neugierig auf das Original werden und dessen
Lektüre folgen lassen. Dieser Basistext kann ihnen dabei helfen,
einen roten Faden durch die drei Bände zu finden.
Gretchen
Binus, Beate Landefeld, Andreas Wehr: Staatsmonopolistischer
Kapitalismus. PapyRossa Verlag, 2., durchgesehene Auflage 2015
(Reihe Basiswissen). 128 S. (NB1324 bes.) 12 ¤
Von vielen
längst ad acta gelegt, erweist sich die Theorie des
Staatsmonopolistischen Kapitalismus als einer der tragfähigsten
Erklärungsansätze für die Tiefe und Dauer der weltweiten
Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2007, eine der schwersten Krisen
des Kapitalismus überhaupt. Sowohl die Konzentration als auch die
Zentralisation von Kapital, mit dem Ergebnis der Herausbildung neuer
und der Stärkung bestehender Monopole, ist in den letzten
Jahrzehnten weiter vorangeschritten. Die staatlichen Interventionen
zur Stützung dieser Monopole haben inzwischen völlig neue
Dimensionen erreicht. Weltweit wurden in der jüngsten Krise Banken
und Industriebetriebe mit Hunderten von Milliarden US-Dollar bzw.
Euro vor dem Untergang bewahrt. Der Staatsmonopolistische
Kapitalismus, die enge Verflechtung zwischen den Staatsapparaten und
Monopolen zum Zweck der Sicherung von deren Verwertungsinteressen,
erweist sich als Kernstruktur des Kapitalismus und als dessen
entscheidender Funktionsmechanismus.
Gretchen Binus, Prof. Dr.,
Jg. 1936, Wirtschaftswissenschaftlerin und Wirtschaftshistorikerin.
Bis 1990 tätig am Institut für Internationale Politik und
Wirtschaft (IPW) Berlin und zwischenzeitlich an der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg;
Beate Landefeld,
Jg. 1944, Hotelfachfrau, Abendgymnasium für Berufstätige, Studium
der Literaturwissenschaft und Soziologie;
Andreas Wehr, Jg.
1954, Jurist, wissenschaftlicher Mitarbeiter der "Konföderalen
Fraktion der Vereinten Europäischen Linken / Nordische Grüne Linke"
im Europäischen Parlament.
Frank
Deppe, David Salomon, Ingar Solty: Imperialismus. PapyRossa
Verlag 2011 (Basiswissen). 134 S. (NB1164) 9,90 Euro
Imperialismus
definieren die Autoren als eine "offene oder latente Gewaltpolitik
zur externen Absicherung eines internen Regimes" und als zentralen
Bestandteil der territorialen Reproduktion des Kapitalismus.
Verabschieden sie damit die Sichtweise, Imperialismus sei ein Stadium
der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, so zeigen sie jedoch,
daß sich aus der polit-ökonomisch begründeten Analyse schlüssige
Einsichten auch in gegenwärtige weltwirtschaftliche und -politische
Abläufe ergeben. Klassische Imperialismustheorien (J. A. Hobson,
Rudolf Hilferding, Joseph Schumpeter, Karl Kautsky sowie W. I. Lenin
und Rosa Luxemburg) werden ebenso berücksichtigt wie Beiträge aus
der aktuellen Debatte (Leo Panitch, Sam Gindin oder David Harvey).
Nach einer Analyse des US-Imperialismus seit 1945 fragen die Autoren
auch, wie es sich mit einem "Euroimperialismus" verhält. Kritik
an der ideologischen Figur eines "guten Imperialismus" und
Überlegungen zu einem zeitgemäßen Antiimperialismus beschließen
den Band.
Lothar
Peter: Marx an die Uni. Die "Marburger Schule" -
Geschichte, Probleme, Akteure. Papyrossa Verlag 2014. 224 S. (NB1278)
14,90 Euro
Daß es neben der "Frankfurter Schule" mit
ihrer "Kritischen Theorie" auch eine marxistisch orientierte
"Marburger Schule" mit wissenschaftlich und politisch intensiver
Wirkung gegeben hat, wird oft vergessen. Lothar Peter zeichnet deren
Geschichte nach und verortet sie im politisch-intellektuellen Diskurs
und in den politischen Entwicklungen der Bundesrepublik. Eine
zentrale Rolle kommt dem Politikwissenschaftler Wolfgang Abendroth
zu, im Unterschied zu anderen Darstellungen berücksichtigt Peter
aber ebenso die Soziologen Werner Hofmann und Heinz Maus und geht
auch auf die Nachfolger ein. Alle teilten ein
Wissenschaftsverständnis, das akademische Lehre und Forschung mit
dem Ziel gesellschaftsverändernder Praxis verknüpfte. Dieses Profil
stieß auf massiven Widerstand. Es gehört zu den Befunden des
Buches, dass sich die Akteure der Marburger Schule diesem Druck weder
gebeugt haben noch ideologisch zu Kreuze gekrochen sind. Dabei
benennt das Buch durchaus auch ihre Defizite und Grenzen.
Ronald
M. Schernikau: Kleinstadtnovelle. Konkret 2002. 86 S. Pb. (NB615)
12 Euro
1980 erstmals veröffentlicht. Ein subtiler Text über
die Schwierigkeiten, die eigene Persönlichkeit gegen
festgeschriebene Normen und Werte durchzusetzen. Als schwuler
Klassiker gefeiert und als eine der ersten Coming-out-Geschichten
gerühmt, ist "Kleinstadtnovelle" mehr noch präzise und
vielschichtige Analyse der ausweglosen Situation Jugendlicher.
Ronald
M. Schernikau: Die Tage in L. Darüber, daß die DDR und die BRD
sich niemals verständigen können, geschweige mittels ihrer
Literatur. Konkret 2001. 216 S. (NB527) 15 Euro
Ronald M.
Schernikau (1960-1991) ging - gegen den Strom - 1989 in den Osten
und nahm die DDR-Staatsbürgerschaft an. "Die Tage in L." ist
eine Sammlung von Notaten. Die Neuausgabe berücksichtigt Korrekturen
des Autors nach der Erstausgabe von 1989 und enhält ein Vorwort von
Hermann L. Gremliza.
Ronald
M. Schernikau: Königin im Dreck. Texte zur Zeit. Hg. von Thomas
Keck. Verbrecher Verlag 2009. 304 S., einige Abb. (NB1138) 15
Euro
"Königin im Dreck" ist ein Band, der erstmals
Schernikaus Beiträge für Zeitungen, Journale und Anthologien
vereint.
Bernd Langer: Kunst und Kampf.
Unrast Verlag 2016. 256 S. (NB1352) 19,80 Euro
In den 1980er
Jahren wird Kunst und Kampf (KuK) mit der Gestaltung von Plakaten in
der antifaschistischen Bewegung bekannt. Das Projekt verfolgt einen
kollektiven Ansatz, der jedoch immer auch individuelle Züge
trägt.
Ideengeschichtlich bezieht sich KuK auf die Renaissance,
die den Menschen in den Mittelpunkt rückt und Religion und
Hierarchien infrage stellt. Ein wichtiger Bezugspunkt ist dabei der
deutsche Bauernkrieg. Wesentlichen Raum nimmt außerdem die
Auseinandersetzung mit den sich als avantgardistisch verstehenden
Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts ein.
Das Buch streift
dabei die Geschichte der Jugendzentrumsbewegung, erzählt von den
Autonomen und der Antifa, von umgestürzten Denkmälern,
spektakulären Demonstrationen, der Herstellung von illegalen
Plakaten und Zeitungen und warum die Doppelfahnen der
Antifaschistischen Aktion heute von links gegen rechts wehen.
Bernd
Langer, seit 1978 antifaschistisch engagiert, gehörte zu den
Aktivisten der ersten autonomen Antifa-Strukturen. Außerdem
entwickelte er die kulturpolitische Initiative Kunst und Kampf (KuK).
In den 1990er Jahren war Langer maßgebliches Mitglied der Autonomen
Antifa (M) und am Aufbau der AA/BO (Antifaschistische
Aktion/Bundesweite Organisation) beteiligt. Als Autor diverser Bücher
und Vortragsreisender setzt er sich seit Jahren mit den
revolutionären Bewegungen in Deutschland auseinander.
Die
untergründigen Jahre. Die kollektive Autobiographie
>alternativer< Autoren aus den 1970ern und danach. Herausgegeben
von Peter Engel und Günther Emig. Günther Emigs Literatur-Betrieb
2019. 484 Seiten, (NB1446) 20 Euro
Die 68er-Studentenrevolte
hat in die 70er Jahre hineingestrahlt, ist da erst richtig wirksam
geworden, nicht zuletzt in der Literatur und im Literaturbetrieb. War
das damals tatsächlich eine gravierende Umwälzung oder nur der
übliche Aufstand der Jungen gegen die Alten beziehungsweise
lediglich ein spontaner Aufbruch gegen den eingefahrenen "Betrieb"?
Kann man sich, wie Enzensberger meinte, in Bezug auf die siebziger
Jahre "kurz fassen" und nicht wirklich verlangen, dass man ihrer
"mit Nachsicht gedächte"?
Wir stellten diese
Fragen 40 Jahre nach den "Gegenbuchmessen" und dem Kampf der
"kleinen Bertelsmänner" gegen das etablierte Verlagswesen noch
einmal, wollen von den damaligen Protagonisten der "Gegenkultur"
wissen, wie sie jene Zeiten erlebt haben, welches für sie die
bestimmenden Momente waren und was von all dem für sie bis heute
nachwirkt.
Inhaltlich sollte es in den erbetenen
Beiträgen um das Subjektive gehen, die persönliche Perspektive,
also keine Beiträge über Dritte, sondern eine Darstellung des
eigenen Tuns (natürlich mit Bezug auf diese "Dritten"): Warum,
mit wem, zu welchem "Endzweck", was daraus geworden ist usw. Also
quasi lauter Einzel-Autobiographien, die die Zeit von Ende der 1960er
bis Ende 1970 schwerpunktmäßig umfassen sollten. Und natürlich wie
es danach weiterging.
Beiträge von: Wolfgang Bittner,
Michael Braun, Daniel Dubbe, Heiner Egge, Peter Engel, Ronald Glomb,
Frank Göhre, Friedemann Hahn, Manfred Hausin, Martin Jürgens, Benno
Käsmayr, Michael Kellner, Barbara Maria Kloos, Fitzgerald Kusz,
Helmut Loeven, Detlef Michelers, Alfred Miersch, Peter Salomon,
Christoph Schubert-Weller, Tiny Stricker, Ralf Thenior, Jürgen
Theobaldy.
Unter
dem Radar. Underground- und Selbstpublikationen 1965 - 1975.
Herausgegeben von Bandel, Jan-Frederik /Gilbert, Annette /Prill,
Tania. Spectormag Verlag 2017. 368 S. Großformat, Ringheftung,
unzählige, meist farbige Abbildungen. (NB1389) 38 Euro
Mitte
der 1960er kommt es zu einem Boom von Underground- und
Selbstpublikationen. Hektografie, Mimeografie und Offsetdruck
erlauben es nicht nur, günstig kleine Auflagen herzustellen, sondern
befördern eine spezifische Ästhetik: In wilden Klebelayouts
kombinieren 'messianische Amateure' Typoskriptästhetik,
Handschriften, Kritzelzeichnungen, zusammengetragenes, collagiertes
Bildmaterial, Pornofotos, Schnappschüsse, Comics. Die Typografie
entregelt sich bewusst, parallel zu einer Deregulierung der
sprachlichen und bildlichen Ausdrucksformen im Namen einer neuen
'Sensibilität'.
Der Band (der parallel zu einer Ausstellung in
der Bremer Weserburg erscheint) zeigt erstmals in dieser Breite
Underground- und Selbstpublikationen der BRD, aber auch den
internationalen Kontext, in dem diese entstanden sind: nicht als
Geschichte der Anekdoten, sondern als Versuch, den ästhetischen
Kosmos einer Do-it-Yourself-Revolte zu erschließen, der auch einen
neuen Blick auf den gegenwärtigen Boom von 'Independent Publishing',
Risographie-Ästhetik usw. herausfordert.
Biene
Baumeister, Zwi Negator: Situationistische Revolutionstheorie.
Eine Aneignung. Vol I: Enchiridion. Schmetterling Verlag, Reihe
Theorie.org. 2005. 240 S. (NB853) 10 Euro
"In unseren Tagen
erscheint das revolutionäre Projekt als Angeklagter der Geschichte.
Ihm wird vorgeworfen, daß es schlechten Erfolg gehabt und eine neue
Entfremdung mit sich gebracht habe. Das heißt nichts anderes, als
daß die herrschende Gesellschaft sich auf allen Gebieten der
Wirklichkeit viel besser wehren konnte als die Revolutionäre es
vorhergesehen hatten, und nicht, daß sie annehmbarer geworden
ist."
Mitte der 50er Jahre entstand die Situationistische
Internationale (SI), die für die Bewegungen im französischen Mai
1968 eine maßgebliche Rolle spielte und auch heute als eine
Stichwortgeberin für viele Strömungen aus Kultur und Politik
herhält. Mit ihrem Konzept der "Konstruktion von Situationen"
arbeitete sie mit spielerisch experimentellen Mitteln auf die
Verwirklichung der Poesie als Aufhebung von Kunst, Politik und Alltag
im Sinne einer modernen proletarischen Revolution hin. Beeinflußt
von Dadaismus und Surrealismus unterzog die SI das Marxsche Werk
einer intensiven Relektüre und erarbeitete eine Kritik der
"Gesellschaft des Spektakels" (SI). Vor diesem Hintergrund
versucht das Buch, die Grundzüge der situationistischen
Revolutionstheorie dar- und klarzustellen und sie zugleich mit ihren
"blinden Flecken" zu konfrontieren, was für eine kritische,
aktualisierte Aneignung unabdingbar ist.
Biene
Baumeister, Zwi Negator: Situationistische Revolutionstheorie.
Eine Aneignung Vol. II: Kleines Organon. Schmetterling Verlag, Reihe
Theorie Org. 240 S. (NB843) 10 Euro
Hintergründe und
Anmerkungen zu Band 1. Literaturverzeichnis, Personenregister,
Zeittafel.
Simon
Ford: Die Situationistische Internationale. Eine
Gebrauchsanleitung. Edition Nautilus 2007 (Kleine Bücherei für Hand
und Kopf 58). 224 S., zahlr. schw.-w. Ill. (NB1202) 14,90 Euro
Das
Gespür der Situationisten für den Skandal wurde von vielen - von
den Sex Pistols bis Naomi Klein - übernommen und hat bis heute
nicht an Anziehungskraft verloren. Das Buch ist eine kompakte
Einführung in die berüchtigste und radikalste Kunstbewegung der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Situationistische
Internationale - zu deren Mitgliedern und wichtigsten Gestaltern
Guy Debord, Raoul Vaneigem, Asger Jorn, Constant und die Gruppe Spur
gehörten. Malerei, Architektur, Film - die Situationisten haben
weite Teile der Kunst beeinflußt. Der Autor beleuchtet den
historischen Hintergrund der europäischen Avantgarde nach dem
Zweiten Weltkrieg. Er beschreibt, wie eine Gruppe von jugendlichen
Herumtreibern in Paris mit faszinierender Unbescheidenheit einen
Angriff auf die im Tiefschlaf liegende Kultur provozierte und wie mit
wachsender sozialer Unruhe im Rücken ein innovativer Think Tank
entstand, der die radikalsten Strömungen des Mai 68 inspirierte. Im
Laufe der 10 Jahre ihres Bestehens hat die SI die Kultur im weitesten
Sinne verändert, von der Musik über die Straßenkunst, von der
politischen Analyse zur Entwicklung einer "Neuen Stadt für ein
neues Leben". Die Ideen und Vorschläge der SI sind immer noch
wesentliche Grundlagen für eine Befreiung aus einer sinnentleerten
Gesellschaft.
Der
Beginn einer Epoche. Texte der Situationisten. Edition Nautilus
1995. 320 S. mit zahlr. Abb. (NB531) 20 Euro
Die
"Internationale" hat an der Wiedereinführung des Abenteuers in
den urbanen Zentren gearbeitet, an der Formulierung neuer
Leidenschaften und Lebensformen gegen die Stupidität eines völlig
sinnentleerten Lebens.
Guy
Debord: Die Gesellschaft des Spektakels. Edition Tiamat 1996. 304
S. (NB538) 24 Euro.
Guy Debord (1931-1994) war Mitbegründer,
Theoretiker und Protagonist der Situationistischen Internationale.
Die vorliegende Arbeit (erschienen 1967) kann als sein Hauptwerk wie
auch als einer der theoretischen Auslöser der Pariser Maiunruhen von
1968 gewertet werden. Diese Ausgabe enthält auch die umfangreichen
"Kommentare zur Gesellschaft des Spektakels" und das Vorwort zur
vierten italienischen Ausgabe.
Raoul
Vaneigem: Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen.
Edition Nautilus. 320 S. (NB1159) 19,90 Euro
Diese neuartige
"Fibel des Klassenkampfes" erschien 1967 mit einem Skandal. Mit
leidenschaftlicher Subjektivität und radikaler Kritik der
bestehenden Verhältnisse verknüpft diese umfassende Kritik der
modernen Formen der Entfremdung die Bereiche Politik, Kunst und
Alltagsleben zu einer explosiven Mischung, die 1968 zum Ausbruch kam.
Ein Schlüsselwerk der aufständischen Geschichte von 1967-68 ist das
Handbuch der Lebenskunst. Neben Guy Debords Gesellschaft des
Spektakels prägte es die Parolen auf den Mauern und Plakaten des Mai
68. Der poetische, witzige, zornige und radikale Stil Vaneigems ist
aus der modernen Gesellschaftskritik nicht mehr wegzudenken. Seine
provozierenden Thesen gegen die Verkümmerung der Emotionen, gegen
Warengesellschaft und Patriarchat, gegen die ganze Welt der Ökonomie,
setzen auf Spontaneität, individuelles Erleben und die
Kostenlosigkeit der Bedürfnisse. Die Perspektive der Macht, mit
ihrer Hierarchie, Aufopferung und Arbeit, soll umgekehrt werden in
eine Perspektive der Selbstbestimmung, Kreativität, Spontaneität
und Poesie. Die radikale Subjektivität findet ihre Verwirklichung in
der von allen gemachten Geschichte.
Die
wahre Geschichte von Captain Misson und der Republik Libertatia.
Nacherzählt von Larry Law. Übersetzt aus dem Englischen von Axel
Monte und mit einem Nachwort versehen von Marvin Chlada über die
Situationisten. Trikont Verlag. 50 Seiten mit vielen Illustrationen.
(NB1318) 6 Euro
Dieses Büchlein über Captain Misson wurde
erstmals 1980 vom inzwischen verstorbenen britischen Situationisten
Larry Law in seiner Reihe "Spectacular Times" (kleine "booklets"
im A6-Format) veröffentlicht. Seitdem sind immer wieder verschiedene
Nachdrucke erschienen und hier nun auch erstmals die vorliegende
deutsche Übersetzung. Die Geschichte von Captain Misson, seiner
Mannschaft und ihrer freien Republik Libertatia soll kein Modell für
ein Utopia bieten, und auch nicht aufzeigen, wie eine libertäre
Gesellschaft heutzutage funktionieren könnte. Sie ist vielmehr ein
Bericht über einen frühen Versuch einer Gruppe von Menschen, eine
wirklich libertäre und egalitäre Gemeinschaft aufzubauen. Eine
Gemeinschaft, die fast einhundert Jahre vor der Französischen
Revolution versucht hat, nach der Maxime Freiheit, Gleichheit,
Brüderlichkeit zu leben.
Unsichtbares
Komitee: Der kommende Aufstand. Edition Nautilus 2010 (Nautilus
Flugschrift). 128 S. Pb. (NB1157) 9.90 Euro
Nach Sabotage an
einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport
mit radioaktivem Material geplant war, wurde es von der französischen
Regierung als einziges Beweisstück eines mittlerweile international
bekannten "Terrorismusfalls" gehandelt, als ein "Handbuch des
Terrorismus" und Vorwand für die skandalöse, z.T. monatelange
Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Tatsächlich
enthält des Buch eine pointierte, situationistisch geprägte Analyse
der Reaktionen von Regierungen auf die verschiedenen Unruhen und
Volksaufstände in den letzten Jahren. Die brennenden Vorstädte in
Frankreich, die Straßengewalt in Griechenland usw. werden von den
Regierungen als Gefahr gesehen, die polizeilich und militärisch
gebändigt werden müsse, wobei das "Krisenmanagement" die
Gesellschaft auch zusammenhalten soll. Für die Autoren dieses
Manifests hingegen sind die Revolten revolutionäre Momente, Symptome
des Zusammenbruchs der westlichen Demokratien, die sich gegenseitig
verstärken und sich ausbreiten. Sie fordern einen Kommunismus, der
als "ergebnisoffener" Prozess die Bildung von Kommunen sowie die
Restrukturierung der Ökonomie in kleine, lokale Einheiten vorsieht
und plädieren für eine anonyme Position der Unsichtbarkeit. "Es
geht nicht mehr darum zu warten - auf einen Lichtblick, die
Revolution, die atomare Apokalypse oder eine soziale Bewegung. Noch
zu warten ist Wahnsinn. Die Katastrophe ist nicht das, was kommt.
Sondern das, was da ist. Wir befinden uns schon jetzt in der
Untergangsbewegung einer Zivilisation. Das ist der Punkt, an dem man
Partei ergreifen muß."
Unsichtbares
Komitee: An unsere Freunde. Edition Nautilus 2015. 192 S.
(NB1300) 16 Euro
Nach "Der kommende Aufstand" (2010)
meldet sich das "Unbekannte Komitee" nach fünf Jahren wieder zu
Wort.
Marvin
Chlada, Andreas Gwisdalla: Charles Fourier. Eine Einführung in
sein Denken. Alibri-Verlag 2014. 136 S. (NB1295) 12 Euro
Fourier
hat als Frühsozialist nicht nur in der Geschichte des utopischen
Denkens seinen Platz. Er bot auch im 20. Jahrhundert zahlreiche
Anknüpfungspunkte für emanzipatorische Entwicklungen. Die beiden
Autoren führen in die unterschiedlichen Aspekte von Fouriers Denken
ein, erläutern die zentralen Begriffe und die zugrunde liegenden
politischen und philosophischen Fragestellungen. Sie arbeiten nicht
nur Fouriers Aktualität heraus, sondern auch seine zahlreichen
Fehleinschätzungen und fragwürdigen Ansätze.
Aus dem Inhalt:
Charles Fourier und der Fourierismus; Systemische Grundlagen; Die
einfältige Zivilisation; Die Geschichtsphilosophie; Die
leidenschaftliche Anziehung; Die Harmonie; Sozietäre Theorie und
Praxis; Zur Aktualität des Charles Fourier.
Marvin
Chlada: Der Wille zur Utopie. Alibri Verlag 2004. 256 S., mehrere
Abb. (NB925) 20 Euro
In "Der Wille zur Utopie" unternimmt
Marvin Chlada eine Odyssee durch das Universum der sozialen und
technischen Phantasien von der Antike bis zur Postmoderne, von
Atlantis (Plato) bis Zamonien (Walter Moers). Neben der Einführung
in das utopische Denken ist der Band vor allem eine Einladung, über
den ausgesuchten Utopien selbst die Lust zu entdecken, soziale
Einbahnstraßen zu verlassen und bisher unerforschten Pfaden und
neuen Fluchtlinien zu folgen.
Marvin
Chlada: Die schöne Verwirrung des Lebens - Gedichte & Cut-Ups.
Situationspresse 2013. 80 S. einige Abbildungen. Paperback. (NB1244)
12,50 ¤.
Die Legende von Jack Daniel, Sleaze Rock Poetry,
Cut-Ups, Collagen, Epitaphe auf Johnny Thunders, Allen Ginsberg und
Charles Bukowski sowie eine kurze Antwort auf die rätselhafte Frage,
was DIE ÄRZTE mit der süßen Gwendoline tatsächlich getrieben
haben.
Verstreutes und Vergessenes aus 25 Jahren Wortarbeit in
einem Band, erschienen in einem der dienstältesten Verlage der
deutschen Alternativ- und Undergroundpresse. Dazu ein Strauß
frischer Notizen zur Läuterung und Orientierung: Was nutzt der beste
Film in Worten, wenn man im falschen Kino hockt?
Marvin Chlada,
Sozialwissenschaftler, Autor und Musiker, Pendler zwischen Schwaben,
Kalabrien und Ruhrgebiet, wo er u. a. im Umfeld des "Fliegenden
Koffers" agiert, einem "Kartell Duisburger Schriftsteller und
Künstler, die irgendwie mit dem Satiremagazin DER METZGER was zu tun
haben." Zahlreiche Publikationen zur Popkritik, Medien- und
Gesellschaftstheorie. Aktuell arbeitet er an einer Monographie zu
Leben und Werk von Charles Fourier.
Marvin
Chlada - Glam Rock, Bier und Schmuddelfilme
40
Gedichte und eine Zugabe. Trikont-Duisburg und Dialog-Edition. 60
Seiten - (NB1456) 8 Euro
Marvin Chlada: Logik der Verführung. Gedichte. Dialog-Edition 2016. 54 S. (NB1329) 8 Euro
Marvin
Chlada: Der Poet als Lumpensammler. Interviews und Reportagen.
Edition Dialog, Duisburg 2016. 206 S. (NB1349) 15 ¤
Gesammelte
Reportagen und Interviews, Glossen und Essays. Denkwürdige
Begegnungen. Merkwürdige Begebenheiten. Rockmusik und
Schlagerkultur, Situationisten und Beatniks, Wiedertäufer und
Ganoven. Streifzüge durch die Welten von Charles Fourier, William S.
Burroughs, Russ Meyer, Michel Foucault u. v. m.
Marvin
Chlada und Jochen Zimmer: Kritische Theorie in der Provinz.
Trikont Verlag Duisburg 2001. 148 S. (NB1347) 14 Euro
Beiträge:
Martin Büsser: E versus U Der Siegeszug einer falsch verstandenen
Popkultur. Jean Baudrillard: Die Szene und das Obszöne. Stefan
Fishan/Wolfgang Haible: Radio und Internet. Bert Brechts
"Radiotheorie" heute. Marvin Chlada: Der fromme Max. Kritische
Theorie und Theologie. Marvin Chlada/Bernd Kalus: Aleister Crowley
Superstar. Neosatanismus und Jugendprotest. Gerd Dembowski: Kicken
ist Männersache. Erfahrungen aus der Fußballprovinz. Jochen Zimmer:
Kritische Sozialwissenschaft als Folklore - 1. Halbzeit. Anfänge
der Duisburger Fanprojekt-Arbeit. Gerd Dembowski: Kritische
Sozialwissenschaft als Folklore - 2. Halbzeit. Abgründe der
Duisburger Fanprojekt-Arbeit. Benno Nothardt: Martin Walser und die
Meinungssoldaten. Heinz Maus: Zur Situation der deutschen Volkskunde.
Wolfgang Haible: Erlebnisse eines schwer erziehbaren
Langzeitarbeitslosen. Thomas Rommelspacher: Provinz als Ballungsraum.
Stadtentwicklung im Zeichen der Zuwanderung. U.a.
Silke
Vogten: Getanzt wird immer. Gedichte. Dialog-Editon Duisburg
2016. 76 S. (NB1348) 10 Euro
Poetische Hüftschüsse aus
Berlin, Köln und dem Ruhrgebiet. Dazu Berichterstattung aus
Absurdistan. Und dazwischen Rückzug in ganz eigene Gefilde. Eben
Gedichte von unterwegs.
Katharina
Picandet (Hg.): 1968 - Bilder einer Utopie. Ein Album. Edition
Nautilus. 112 S. im Großformat. Mit Schutzumschlag, durchgehend
illustriert. (NB1403) 24 Euro.
"1968" ist längst
zur Chiffre geworden. Mit Parolen wie "Arbeitet nie!",
"Verbieten ist verboten" oder "Nehmt eure Wünsche für
die Wirklichkeit" ist der Mai '68 verheißungsvoll utopisch
gestartet. Heute, ein halbes Jahrhundert später, darf man die Frage
stellen, was von dieser Utopie bewahrenswert ist, bewahrt wurde,
vielleicht verloren gegangen ist. Anhand ikonischer oder unbekannter
Objekte, Bilder und Momente der Utopie "1968" erinnern sich
die Autorinnen und Autoren aus dem Umfeld des Verlags an die
Ereignisse vor 50 Jahren: Von der Fliegerjacke der Black Panther über
heute noch im widerständischen Einsatz befindliche Traktoren, Angela
Davis' Frisur und Uwe Nettelbecks Glossen bis hin zu Nachbeben im
Punk und der Politik der Re-Education: 1968 wirkt vielfältig
weiter.
"1968 - Bilder einer Utopie" ist ein
persönliches, mitreißendes utopisches Album, mit Beiträgen von
Michèle Bernstein, Wolfgang Bortlik, Lutz Dammbeck,
Hans-Christian Dany, John Jordan, Isabelle Fremeaux, Annett
Gröschner, Stewart Home, Jan Kuhlbrodt, Hanna Mittelstädt, Roberto
Ohrt, Mithu M. Sanyal, Jochen Schimmang, Peter Wawerzinek.
Katharina
Picandet, geboren 1974 in Hannover, frühkindliche Bildung im
antiautoritären Kinderladen, viel später Studium der Deutschen
Sprache und Literatur, Geschichte und Philosophie in Hamburg und
Bordeaux. Seit 1996 Mitarbeit bei Edition Nautilus; seit 2003 im
Lektorat. Seit 2016 ist Katharina Picandet Verlegerin der Edition
Nautilus.
Susanne
Schüssler (Hrsg.): Wetterbericht. 68 und die Krise der
Demokratie. Verlag Klaus Wagenbach 2017. 208 S. Klappenbroschur. Mit
einer Liste der bei Wagenbach erschienenen Politik-Titel. (NB1441
bes.) 20 Euro
Kein nostalgischer Rückblick auf 68:
Wagenbach-Autoren untersuchen, was die momentane Krise der Demokratie
mit 68 zu tun hat. Eine aktuelle Streitschrift. Für die
intellektuelle Auseinandersetzung von 68 spielte der Wagenbach Verlag
eine zentrale Rolle, mit Autoren wie Peter Brückner, Rudi Dutschke,
Ulrike Meinhof, Che Guevara, Antonio Negri oder Mao Tse-Tung und mit
Büchern wie dem roten Kalender für Schüler und Lehrlinge oder dem
RAF-Manifest. Was bei Wagenbach erschien, war ideologisch nicht eng
begrenzt, aber oft radikaler als anderswo und führte deshalb zu
Prozessen und Verurteilungen. Die Revolution stand jedenfalls
unmittelbar bevor.
Heute, angesichts der massiven Verwerfungen,
drängt sich die Frage auf, welche Rolle 68 für unsere politische
und gesellschaftliche Situation spielt: Warum werden Errungenschaften
der damaligen jungen Generation umgewertet? Warum steht die erkämpfte
und unerschütterlich geglaubte Demokratie auf unsicherem Boden?
Wieso bemächtigt sich die identitäre Rechte der Aktionsformen der
APO? Warum ist Religion heute wieder so entscheidend, obwohl die 68er
sie doch abgeschafft haben wollten? Wo stehen Frauen heute? Wie kam
es zu einem Antifeminismus, der die Frauen wieder zurück an den Herd
schicken will?
Damalige und heutige Wagenbach-Autoren stellen
sich diese Fragen: Petra Dobner, Gisela Erler, Wolfgang Kaleck, Otto
Kallscheuer, Tom Koenigs, Claus Leggewie, Albrecht v. Lucke,
Christoph Möllers, Bahman Nirumand, Ulrich K. Preuß, Mithu M.
Sanyal, Joscha Schmierer, Barbara Sichtermann und Sibylle Thelen.
Anne
Wiazemsky: Paris, Mai '68. Ein
Erinnerungsroman. Aus dem Französischen von Jan Rhein. Verlag Klais
Wagenbach 2018 (Reihe SALTO). 168 S. Fadengeheftet. Rotes Leinen.
Gebunden mit Schildchen und Prägung. (NB1410 BES) 18 Euro
Für
die junge Schauspielerin ist alles neu: ihre plötzliche Berühmtheit
und die Ehe mit Jean-Luc Godard, die Welt ihres Mannes und die
Themen, die Studenten, Arbeiter und Intellektuelle auf die Barrikaden
treiben.
Januar 1968. Das frisch verheiratete Paar
Godard-Wiazemsky bezieht sein »Liebesnest« im Pariser Quartier
Latin. Godard ist siebenunddreißig, Wiazemsky zwanzig Jahre alt. Als
im Mai die Revolte losbricht, verfolgt Anne das mit Sympathie und
Interesse, ohne selbst politisiert zu werden. Sie steht mit Jacques
Brel vor der Kamera und nimmt gelegentlich auf Rollschuhen an den
Demonstrationen teil. Anne Wiazemsky erzählt von Dreharbeiten in
Italien oder von der Rückreise aus Cannes mit Gilles Deleuze, von
ihrem Jugendfreund Daniel Cohn-Bendit und von der Begegnung mit den
Beatles in London, wo Paul McCartney sie auffordert, mit ihm unterm
Tisch Tee zu trinken. Während sie ihre Jugend und den neuen Ruhm
genießt, erwachsener wird und sich befreit, radikalisiert sich
Godard zusehends. Er träumt von einem revolutionären Kino und wird
zugleich krankhaft eifersüchtig auf seine junge Frau.
Nach dem
erfolgreichen Roman »Mein Berliner Kind« erscheint nun dieses
spannende, subjektive Erinnerungsbuch voller Anekdoten - ein
authentisches Zeugnis der 68er-Aufstände in Frankreich und eine
berührende Liebesgeschichte.
Erich
Fried: und Vietnam und. Gedichte. Mit einer
Chronik und einem Nachwort von Klaus Wagenbach. Verlag Klaus
Wagenbach 2018 (Neuausgabe), Reihe "Politik". 96 S.
Broschiert mit Umschlag. (NB1409 BES) 10 Euro
Frieds erstes
Buch bei Wagenbach, dessen Titel Martin Walser "die
Zeile des Jahrhunderts" nannte, machte politische
wie literarische Geschichte.
und Vietnam und - das sind
Elegien, Sprüche, Maximen, Proteste gegen einen amerikanischen Krieg
im Namen der Freiheit, der zum Trauma nicht nur einer Nation, sondern
einer ganzen Generation wurde. Es sind "engagierte"
Gedichte, die neue lyrische Formen erfanden. Diese damals ungewohnte
Hineinnahme des lyrischen Ich ins politische Handgemenge blieb nicht
ohne Folgen. Obwohl dem Buch - auch das ungewohnt - eine
"Chronik" der Fakten des
Krieges beigegeben worden war, wurde es zu einem höchst
»umstrittenen«.
Johannes
Agnoli: Die Transformation der Demokratie und verwandte
Schriften. Hg. von Barbara Görres Agnoli. Konkret Literatur Verlag
2004. 240 S. (NB908 BES) 16,50 Euro
Die "Transformation der
Demokratie", Johannes Agnolis bekannteste Schrift, die er 1967
zusammen mit Peter Brückner im Voltaire Verlag vorlegte, war die
einflußreichste und nachhaltigste Staats- und Parlamentarismuskritik
für die außerparlamentarische Opposition. Agnoli beschreibt darin
den Prozeß der Involution demokratischer Staaten, Institutionen und
Parteien in antidemokratische Formen, eine Rückbildung der
bürgerlichen Demokratie zu mehr Herrschaft, Unterwerfung und
Kapitalabhängigkeit des Staates, die Entwicklung zu einem
autoritären Staat. Ergänzt wird die "Transformation der
Demokratie" durch verwandte Texte sowie ein Namens- und
Sachregister. Die Rezension von Sebastian Haffner in Konkret, die zum
Erfolg des Buches maßgeblich beitrug, ist im Anhang nachgedruckt.
Angelika
Ebbinghaus (Hg.): Die 68er. Schlüsseltexte der globalen Revolte.
ProMedia Verlag 2008 ( Edition Linke Klassiker). 224 S. (NB1047)
14,90 Euro
Die politischen und sozialen Protestbewegungen der
"68er" entstanden weltweit lange vor dem Jahr 1968 und ebbten
erst Ende der 1970er Jahre ab. Sie waren ein internationales Phänomen
und reichten von den antikolonialen Befreiungsbewegungen der drei
Kontinente über die Sozialbewegungen der Schwellenländer bis in die
Metropolen des kapitalistischen Weltsystems. Das Jahr 1968 war zudem
auch für die Länder des Staatssozialismus folgenreich. "1968"
stellt eine Chiffre dar. Die Sozialbewegungen wurden vor allem von
Jugendlichen, Studierenden, Intellektuellen und Künstlern, aber auch
von Arbeitern - wie in Frankreich, Brasilien und Italien -
getragen und zeichneten sich durch antiautoritäre Mentalität,
Kultur und Lebensweise aus. Der Protest gegen den Vietnamkrieg sowie
die Auflehnung gegen Rassismus, gesellschaftliche Ungleichheit und
autoritäre bzw. bürokratische Strukturen waren gemeinsame Anliegen.
Der Wunsch nach einer besseren Welt verband diese Bewegungen über
Länder und Kontinente hinweg. Die Parole "Ich nehme meine Wünsche
für die Wirklichkeit, denn ich glaube an die Wirklichkeit meiner
Wünsche" an den Wänden der Sorbonne und die Forderung
italienischer Arbeiter zehn Jahre später, "Wir wollen alles!",
markieren die Utopien und Hoffnungen dieser langen Revolte. Die
Texte, die hier vorgestellt werden, haben das globale "1968"
geistig vorbereitet und beeinflusst. Die Auswahl beschränkt sich auf
die Zeit bis 1968. (Die 1970er Jahre sind einem weiteren Band
vorbehalten.) Neben politisch-programmatischen Texten finden sich
theoretische Beiträge, die weltweit gelesen wurden, aber auch
Flugblätter und Songs, die das Lebensgefühl dieser Jahre
wiedergeben. 40 Jahre nach der "globalen Revolte" liegt damit
eine besondere Art von leicht zugänglichem Reader vor, in dem
Originaltexte von der Herausgeberin Angelika Ebbinghaus kommentiert
und in ihren politischen und historischen Kontext gestellt werden.
Ein Glossar und eine Literaturliste geben all jenen Tipps und
Anregungen, die sich mit dem Thema "Das globale 1968" weiter
beschäftigen wollen. Mit Texten u.a. von Lin Biao (1965), Simone de
Beauvoir (1951), Régis Debray (1967), Rudi Dutschke (1967), Frantz
Fanon (1963), Andre Gunder Frank (1966), Hans-Jürgen Krahl (1966),
Ho Chi Minh (1965), Ernesto "Che" Guevera (1967), Herbert Marcuse
(1967), Karol Modzelewski (1967), Antonio Negri 1967), Helke Sanders
(1967), Jean-Paul Sartre (1960) und Ota ¦ik (1968).
Ingrid
Gilcher-Holtey: Die 68er Bewegung. Deutschland, Westeuropa, USA.
Beck Verlag 2001, 3. Aufl. 2005. 136 S. (NB1025 BES) 9,95
Euro
Berkeley, Berlin, Rom, Paris - dieses Buch bietet
einen prägnanten Überblick über den Aufstieg, die Ziele und den
Zerfall der "68er Bewegung", deren Aktionen auf dem Weg in eine
"andere" Gesellschaft bis heute Debatten über ihre Wirkungen und
ihre historische Rolle provozieren.
Bernward Vesper: Die Reise. Hg. Von Jörg Schröder. rororo 1983. (NB340) 16 Euro
Rudi
Dutschke: Jeder hat sein Leben ganz zu leben. Die Tagebücher
1963 - 1979. Hg. Von Gretchen Dutschke. Verlag Kiepenheuer &
Witsch 2003. 432 S. Hc. Mit SchU. Zahlr. Abb. (NB649 BES) 24,99
Euro
"Lebenszeugnis des Idols einer Generation. Zum ersten
Mal werden Rudi Dutschkes Tagebücher veröffentlicht. Sie
dokumentieren das geistige Innenleben einer der aufregendsten
Persönlichkeiten der Nachkriegszeit. Der Wortführer der
Außerparlamentarischen Opposition erweist sich in seinen Tagebüchern
als ein kritischer und selbstkritischer Denker von außerordentlicher
Originalität." (Klappentext).
Marco
Carini: Fritz Teufel. Wenn's der Wahrheitsfindung dient.
Konkret Literaturverlag 2003. 248 S. Pb. (NB690z) 17 Euro
"Wenn's
der Wahrheitsfindung dient" - als der Angeklagte Fritz Teufel im
November 1967 mit diesem Satz der Aufforderung eines Richters
nachkommt, sich zu erheben, löst der damals 23jährige in der
antiautoritären Bewegung ein befreiendes Lachen aus - befreiend
vom autoritären Muff der Justiz. Die Studentenbewegung treibt auf
ihren Höhepunkt zu und Teufel ist neben Rudi Dutschke ihre wohl
bekannteste Persönlichkeit. Während Dutschke das Bedürfnis nach
politisch-emanzipatorischer Theorie anspricht, befördert Teufel die
Lust auf subkulturelle Grenzübertretung und nonkonformistische
Lebensweisen. Und Fritz Teufel ist einer der meistgesuchten
"Terroristen" der 70er Jahre, angeklagt, den Berliner
CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz entführt zu haben. Der Lebensweg Fritz
Teufels ist auch die Geschichte des Aufbegehrens einer ganzen
Generation und der Radikalisierung linker Widerstandsformen. Die
Geschichte vom friedlichen, phantasievollen Protest hin zum
bewaffneten Kampf sowie der Verarbeitung des Scheiterns militanter
Stadtguerillakonzepte. Marco Carini folgt den Spuren Fritz Teufels
und zeichnet damit das lebendige Bild eines Menschen und einer Zeit,
die diese Republik verändert haben.
Ulrike
Marie Meinhof: Die Würde des Menschen ist antastbar. Aufsätze
und Polemiken. Mit einem Nachwort von Klaus Wagenbach. Verlag Klaus
Wagenbach 2004 (Politik bei Wagenbach). 192 S. (NB1156) 10,90
Euro
Diese "Aufsätze und Polemiken" sind ein Beispiel
von entschiedenem Journalismus, der nicht vor den Höhen der Macht
skandiert, sondern den politischen Widerspruch aufzufinden versteht,
und zugleich ein Abriß deutscher Nachkriegsgeschichte: Sie
analysieren die Unfähigkeit der Verarbeitung des Nazismus und die
eilige Rekonstruktion der Macht, sie beschreiben das Verkümmern der
Demokratie am Fall des Einzelnen - seine Würde wird antastbar.
Jutta
Ditfurth: Ulrike Meinhof. Die Biografie. Ullstein Taschenbuch
2009. 480 S. (NB1136) 14,99 Euro
Jutta Ditfurth stieß in
ihrer sechsjährigen Recherche auf bisher unbekannte Quallen zu
Ulrike Meinhof. Sie kann völlig neue Zusammenhänge in der
Lebnsgeschichte der RAF-Gründerin aufzeigen. In dieser ersten
umfassenden Biografie spiegeln sich auch die Nachkriegsgeschichte der
Bundesrepublik und das politische Klima der 60er und 70er Jahre
wieder. Jetzt als Taschenbuch.
Jutta
Ditfurth: Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof.
Geschichte einer politischen Freundschaft. konkret texte 2018
(überarbeitete Neuausgabe). 166 S. (NB1405 BES) 18,00 ¤
Dieses
Buch ist eine kleine Geschichte der '68er, der
außerparlamentarischen Opposition (Apo) am Beispiel der Freundschaft
von Ulrike Meinhof und Rudi Dutschke. Wer waren diese
Oppositionellen, deren 50 Jahre alte Revolte heute noch einen so
unbändigen Hass bei der politischen Rechten auslöst? Nazis hetzen
gegen die "linksversiffte '68er-Republik"
ohne die es keine "gebrochene Selbstwahrnehmung
des deutschen Volkes" gäbe.
Als sich die
Journalistin Ulrike Meinhof 1967 mit Rudi Dutschke anfreundet, hat
sie eine Kindheit im NS-Faschismus und die politisch harten 1950er
Jahre hinter sich. Die außerparlamentarische Opposition (Apo) macht
ihr große Hoffnung. Für Rudi Dutschke ist "unsere
kleine Kulturrevolte" der erste Aufbruch: "Wir
können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat,
eine Welt, die sich auszeichnet, keinen Krieg mehr zu kennen, keinen
Hunger mehr zu haben, und zwar in der ganzen Welt. Das ist unsere
geschichtliche Möglichkeit".
Peter Brückner: Ulrike Marie Meinhof und die deutschen Verhältnisse. Mit Texten von Ulrike Marie Meinhof und einem Nachwort zur Neuausgabe von Klaus Wagenbach. Wagenbach 1995. 208 S. (NB118) 11,90 Euro
Mario Krebs: Ulrike Meinhof. Ein Leben im Widerspruch. Rororo 1988. 288 S. (NB339z) 7,60 Euro
Anja
Röhl: Die Frau meines Vaters. Erinnerungen an Ulrike. Edition
Nautilus 2013. 160 S. Gb. (NB1246 BES) 18 Euro
"Kind sein
heißt allein sein, schuld sein, essen müssen, schlafen müssen,
brav sein müssen. Kind sein heißt, sich nicht wehren zu können."
So erlebt Anja Röhl ihre Jugend in den1950er und 60er Jahren. Im
Arbeiterviertel Hamburg-Barmbek herrscht die Dumpfheit der
Nachkriegszeit. Die Mutter, als geschiedene Alleinerziehende
geächtet, ist erst spätabends zu Hause; der Vater, übergriffig und
manipulierend, aber von der linken Schickeria hofiert, kommt nur
unzuverlässig. Doch als sie fünf Jahre alt ist, stellt ihr ihr
Vater, der Konkret-Verleger Klaus Rainer Röhl, seine neue Freundin
vor: Ulrike Meinhof. Für das Kind ist sie die einzige Erwachsene,
die es wirklich versteht, die für es gegen den Vater Partei
ergreift, bei der es keine Angst haben muß vor Strafe und bei der es
sich zugehörig fühlt.
Die Dankbarkeit für diese Erfahrung
prägt auch die Beziehung zu Ulrike Meinhof nach deren Trennung von
Mann und Kindern. Anja Röhl bleibt ihr verbunden, besucht sie im
Gefängnis,schreibt ihr Briefe, allen Anfeindungen zum Trotz und
obwohl sie Ulrikes politische Positionen nicht teilt. Ein Dokument
der Zeit- und Mentalitätsgeschichte der frühen Bundesrepublik, aus
der Perspektive eines Mädchens erzählt.
Anja Röhl, geboren
1955 in Hamburg, Tochter aus erster Ehe von Klaus Rainer Röhl.
Erster Beruf: examinierte Krankenschwester, später Studium:
Germanistik, Psychologie,Sonderpädagogik und Kunst. Arbeit als freie
Dozentin und Theaterrezensentin für die junge Welt und Ossietzky,
zahlreiche Veröffentlichungen. Drei Kinder.
Der Text enthält
Schwärzungen, die von der Stiefschwester der Autorin, Bettina Röhl,
aus Bosheit erwirkt wurden.
Karl-Heinz
Dellwo: Das Projektil sind wir. Der Aufbruch einer Generation,
die RAF und die Kritik der Waffen. Gespräche mit Tina Petersen und
Christoph Twickel. Edition Nautilus 2007. 192 S. (NB1026) 12
Euro
Karl-Heinz Dellwo, als Mitglied der RAF an der Besetzung
der Deutschen Botschaft in Stockholm 1975 beteiligt, war insgesamt 21
Jahre im Gefängnis. Im Gespräch mit Tina Petersen und Christoph
Twickel berichtet er über seinen Weg in den bewaffneten Kampf und
seine Zeit im Gefängnis. Eine kritische Analyse des "Konzept
Stadtguerilla" und ein politisch reflektierter Lebensbericht.
Thorwald
Proll, Daniel Dubbe: Wir kamen vom anderen Stern. Über 1968,
Andreas Baader und ein Kaufhaus. Edition Nautilus 2003. 128 S. (NB684
BES) 9,90 Euro
Am 2. April 1968 gibt es nächtliche
Brandstiftungen in zwei Frankfurter Kaufhäusern. Auf die Anklagebank
kommen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst
Söhnlein. Thorwald Proll berichtet von der Stimmung der Zeit, den
Aktionen der Kommune I, den Happenings, dem Widerstand gegen den
Vietnamkrieg, dem praktizierten "Naturrecht auf Widerstand". Er
zeichnet ein sehr persönliches Bild von Andreas Baader, es ist das
Porträt eines Freundes, mit dem er eine kurze, aber intensive Zeit
zusammen verbracht hat. Die Rebellen fühlten sich "Wie die
Marx-Brothers in der Deutschen Oper".
Lutz
Taufer: Über Grenzen. Vom Untergrund in die Favela. Assoziation
A 2017. 288 S. Paperback (NB1390 BES) 19,80 ¤
Von der RAF
in die Favela: Das Leben Lutz Taufers gleicht einer Suchbewegung, in
der das Terrain der westdeutschen radikalen Linken vermessen wird.
Rebellion gegen die verkrusteten Verhältnisse der Adenauerära in
der badischen Provinz, 1968 in Freiburg, Basisgruppe Politische
Psychologie in Mannheim, Sozialistisches Patientenkollektiv in
Heidelberg, Mitglied des Kommandos Holger Meins der RAF, Besetzung
der deutschen Botschaft in Stockholm, mitverantwortlich für die
Erschießung von zwei Geiseln, 20 Jahre Haft, ein Dutzend
Hungerstreiks bis an den Rand des Todes, nach der Freilassung ein
Jahrzehnt Basisarbeit in den Favelas von Rio de Janeiro, heute im
Vorstand des Weltfriedensdienstes.
Die Bilanz seines bewegten
Lebens lautet: Ohne entschiedenes politisches Handeln lassen sich die
versteinerten Verhältnisse, die für die große Masse der Menschen
dieses Planeten keine Perspektive bieten, nicht verändern. Genauso
gilt aber: Die Mitteln des Widerstands müssen am Ziel einer
befreiten Gesellschaft orientiert sein. Und: Befreiung fängt an der
Basis an.
"Lutz Taufer hat in den Extremkonstellationen der
linksradikalen Geschichte agiert, und da er darüber ohne jede
Beschönigung und in uneingeschränkter Konfrontation mit den
begangenen Fehlern schreibt und nachdenkt, wird sein Buch tatsächlich
zu einem Schlüsselwerk der 1960er bis 1980er Jahre" (Karl Heinz
Roth).
Ein herausragendes Dokument der Zeitgeschichte!
Ingrid
Strobl: Vermessene Zeit. Der Wecker, der Knast und ich.
Edition Nautilus, ca. 192 Seiten, (NB1449 BES) ¤ 18,00
Im
Dezember 1987 wird Ingrid Strobl, Journalistin und Autorin, in ihrer
Kölner Wohnung festgenommen, nach §129a StGB - Mitgliedschaft in
einer terroristischen Vereinigung. Sie hatte einen Wecker der Marke
Emes Sonochron gekauft, für einen Bekannten, wie sie sagte, der sie
darum gebeten hatte. Dieser Wecker wurde als Zeitzünder bei einem
Sprengstoffanschlag der »Revolutionären Zellen« auf ein
Lufthansagebäude verwendet, bei dem ein Sachschaden entstand. Mit
dem Anschlag wurde gegen die Abschiebepraxis von Asylsuchenden
protestiert, was Ingrid Strobl befürwortete.
Sie
weigert sich, den Namen des Bekannten zu nennen, und bleibt in
Untersuchungshaft. Im Gefängnis lernt sie eine ihr völlig fremde
Welt kennen, eine Welt von Schmerz und Sucht, von Wut und
Unterwerfung. Kraft zieht sie vor allem aus der Arbeit an einem Buch
über Widerstand von Frauen im deutsch besetzten Europa, an dem sie
schon vor ihrer Verhaftung gearbeitet hatte.
Im Juni
1989 wird sie zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nachdem der
Bundesgerichtshof das Urteil zunächst aufgehoben hat, wird Ingrid
Strobl in der Revisionsverhandlung 1990 schließlich wegen Beihilfe
zu einem Sprengstoffanschlag zu drei Jahren Haft verurteilt.
Dreißig
Jahre später reflektiert sie in diesem sehr persönlichen Buch u?ber
Hafterfahrungen,
Feminismus und individuelle Verantwortung; dabei fragt sie auch nach
den Motiven und der Legitimation von Widerstand und Gewalt.
Die große MÄRZ-Kassette. Herausgegeben von Jörg Schröder und Bruno Hof. Area Verlag 2004. 13 Bände im Schuber, zus. ca. 6000 Seiten. (NB745z) 49,95 Euro "Wer die 60er und 70er verstehen will, muß MÄRZ kennen." Michael Rumaker, Irving Rosenthal, Uve Schmidt, Fee Zschocke, Doktor Gormander, Joe Brainard, Upton Sinclair, Jules Valès, Ernst Herhaus, Jörg Schröder, Leonard Cohen, Craig Kee Strete, Günter Amendt, Gunter Schmidt, Peter Kuper, Jan Cremer, Cathérine de Prémonville, Esteban López: März-Reader, Cohen Blumen für Hitler. Jim Morrison, Sexfront/Derdiedas, Kuper Hamlet, Erotik-Reader, Schwulen-Reader, Beziehungen, Als die Kinder die Macht ergriffen, Joe Brainard 1984 Comics, Upton Sinclair, Vallès Jacques Vingtras, Schröder Siegfried.
Jörg
Schröder: Siegfried. Jörg Schröder erzählt Ernst Herhaus
Siegfried. Mit einem Anhang von Barbara Kalender. Verlag Schöffling
& Co. Erweiterte Neuausgabe 2018. 544 S. gebunden mit
Schutzumschlag. (NB1426) 28 Euro
Erweiterte Neuausgabe
anläßlich des 80. Geburtstags von Jörg Schröder. Eines der
aufregendsten Bücher der deutschen Literatur erscheint endlich
wieder, dazu noch in stark erweiterter Ausgabe: 'Siegfried', das
Skandalbuch, das Jörg Schröder Ernst Herhaus erzählte: 'Ein
Selbstbekenntnis, ein Stück Entblößungsliteratur, wie man es so
rücksichtslos von deutschen Literaten bislang nicht gewohnt war',
stand im Spiegel bei Erscheinen, 'DIE BOMBE IM GELBEN UMSCHLAG' sah
Dieter E. Zimmer in der ZEIT, die FAZ wusste: 'ein Buch, das zum
Erschütterndsten gehört, das in deutscher Sprache zu lesen ist.'
Die Lebensgeschichte des Jörg Schröder, die Geschichte des März
Verlags, welcher der kulturrevolutionäre Verlag Deutschlands gewesen
ist, liest sich auch heute noch so elektrisierend wie bei Erscheinen
1972, 'Siegfried' ist heute 'so aufregend wie damals, ein Vulkan,
einzigartig, skandalträchtig noch immer.' (Peter W. Jansen in der
FAZ). Zum 80. Geburtstag von Jörg Schröder am 24. Oktober 2018
erscheint die finale Ausgabe des 'Siegfried', von Barbara Kalender
mit einem umfassenden Anhang ausgestattet, der Leben und Werk des
Jörg Schröder bis in unsere Tage erzählt.
Jörg Schröder,
1938 in Berlin geboren, gilt als ein 'enfant terrible' der deutschen
Verlagsszene der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, gleichzeitig
als großer Entdecker von Literatur. Er kam 1965 zum Melzer Verlag,
den er mit der 'Geschichte der O' rettete. 1969 verließ Schröder
den Verlag im Streit, alle Mitarbeiter sowie die meisten Autoren
folgten ihm in seinen neu gegründeten März Verlag. Nachdem Schröder
1987 den Verlag gesundheitsbedingt aufgeben musste, entwickelte er
1990 zusammen mit seiner Frau Barbara Kalender die Desktop-Reihe
'Schröder erzählt'.
Klaus
Wagenbach: Die Freiheit des Verlegers. Erinnerungen, Festreden,
Seitenhiebe. Herausgegeben von Susanne Schüssler. Verlag Klaus
Wagenbach 2010. 352 S. Gebunden mit Schildchen. (NB1204 BES) 20
Euro.
Die wichtigsten Texte aus fünf Jahrzehnten,
größtenteils erstmals publiziert: Über Bücher und Autoren, über
Politik und die deutschen Verhältnisse, über Italien, die Kunst und
die Mutter. Klaus Wagenbach ist einer der letzten aus einer
Generation von unabhängigen, eigenwilligen und leidenschaftlichen
Verlegern; ein linker, aber undogmatischer Kopf, der nicht vor den
Konsequenzen politischen Handelns zurückschreckt; und ein früher
und bis heute unerschütterlicher Liebhaber Italiens. Außerdem: ein
heiterer Geschichtenerzähler, ein eifriger Vorwortschreiber, ein
freudig erwarteter Festredner, aber auch einer, der gern
widerspricht, wenn die öffentliche Meinung jemanden moralisch und
politisch gar zu korrekt schlachten will. Der Band sammelt Texte
Klaus Wagenbachs über Italien (einschließlich Kunstgeschichte),
Politik, das Leben und die Zukunft der Bücher und über einzelne
Autoren. Ein Großteil der Texte ist bisher nicht veröffentlicht,
wichtige Zeitdokumente wie die Grabrede für Ulrike Meinhof wurden
jedoch ebenfalls aufgenommen. Und schließlich erst jüngst
entstandene biographische Geschichten: Vom gegen die Nazis
rebellierenden Großvater, der reformbewegten Mutter, dem Vater, der
nur Latein, Griechisch und Hebräisch konnte; darüber, wer und wie
nach dem Krieg die Demokratie aufbaute, warum Kollektive träumen und
Frauen besser kommunizieren können.
Alexander
Kluge: Personen und Reden. Lessing - Böll - Huch -
Schiller - Adorno - Habermas - Müller - Augstein - Gaus -
Schlingensief - Ad me ipsum. Verlag Klaus Wagenbach 2012
(SALTO).144 S. Fadengeheftet. Rotes Leinen. (NB1208 BES). 22
Euro
Eine stete Unterbrechung unglücksbringender
Selbstverständlichkeit in elf Portraits. Zum 80. Geburtstag hat sich
Alexander Kluge diesen Band gewünscht, um seine Reden über andere
große deutsche Öffentlichkeitsarbeiter zu sammeln: Er spricht über
G. E. Lessing, Heinrich Böll, Ricarda Huch, Friedrich Schiller, T.
W. Adorno, Jürgen Habermas, Heiner Müller, Rudolf Augstein, Günter
Gaus und Christoph Schlingensief. Dabei gelingen ihm nicht nur
verblüffend zugespitzte Portraits dieser Personen. Kluges Gedanken
"durchstreifen sein Hirn" und schöpfen - blitzgescheit und
haarsträubend assoziativ - aus einem tiefen Fundus von
Kenntnissen: Er führt literarische Beispiele (Ovid, Shakespeare oder
David Hume) ebenbürtig mit historischen Ereignissen als Zeugen an,
wobei sein Interesse immer den großen Wendepunkten gilt (1945,
Tschernobyl oder dem 11. September). Am Ende steht ein für dieses
Buch neu geschriebener Text: Ad me ipsum, in dem er uns von den ihm
wichtigen Produktionsmitteln des Gefühls erzählt: den Büchern, den
Bildern und der Oper.
Pier
Paolo Pasolini: Freibeuterschriften. Die Zerstörung der Kultur
des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft. Herausgegeben von Peter
Kammerer. Aus dem Italienischen von Thomas Eisenhardt. Verlag Klaus
Wagenbach 2011 (WAT 317). 176 S: Pb. (NB1207 BES) 13 Euro
Pasolinis
berühmte Polemiken gegen die Konsumgesellschaft - radikal und
inkonsequent, rhetorisch brillant und bedrückend aktuell. Pasolinis
Streitschriften lösten bei ihrem Erscheinen erregte Debatten aus und
markieren einen Wendepunkt in der Diskussion über den "Fortschritt":
Warum verschwinden die Glühwürmchen? Ist der Untergang der
bäuerlichen Welt Mord? Wie herzlos ist die Aufklärung? Der
gefeierte Ungehorsam - ist er so destruktiv wie unsere Welt? Als
radikaler Freibeuter, dessen Leben und Werk untrennbar
zusammengehörten, stellte sich Pasolini dem common sense einer
Massenkultur entgegen, die das Besondere einebnet, das Alte zerstört
und die Unterschiede nivelliert.
Angela
Davis: Freiheit ist ein ständiger Kampf.
Aus dem Englischen von Sven Wunderlich. Unrast Verlag 2016. 160 S.
(NB1357 BES) 14 Euro
Anhand einer Auswahl von Schriften,
Gesprächen und Vorträgen untersucht die international bekannte
Aktivistin und Wissenschaftlerin Angela Y. Davis die Schnittmengen
und Verbindungen von Befreiungskämpfen gegen Unterdrückung,
Ausbeutung und Gewalt rund um unseren Planeten. Es geht um die Rolle
der Schwarzen Frauenbewegung (Black Feminism), die Zusammenhänge von
Ungleichheit in >Rasse<, Geschlecht und Klasse
(Intersektionalität), den kapitalistischen Individualismus, die
Bewegung gegen Gefängnisse (Prison Abolition Movement) und
Polizeigewalt. Sie schreibt gegen den weltgrößten, Rekordprofite
erzielenden >Sicherheits
"Das ist die gute
alte Angela: einsichtsvoll, wissbegierig, aufmerksam, brillant. In
diesem Buch stellt und beantwortet sie Fragen über das Geschehen in
unserem Jahrhundert, die dem des vorigen Jahrhunderts erstaunlich
ähneln." Mumia Abu-Jamal
Wolfgang
Kruse (Hg.): Die Französische Revolution.
Programmatische Texte von Robespierre bis de Sade. Promedia Verlag
2012 (Edition Linke Klassiker). 176 S. (NB1303) 12,90 Euro
Mit
Texten von Babeuf, Boissy d'Anglas, Brissot, Condorcet, Olympe de
Gouges, Marquis de Sade, Dubois-Crancé, Hérault de Séchelles,
Lanthenas, Marat, Maréchal, Paine, Robespierre, Sieyès u. a..
Die
Französische Revolution war ein Experimentierfeld für die
Neugestaltung der modernen Gesellschaft. Auf allen
gesellschaftspolitisch relevanten Ebenen wurden neue Praktiken
ausprobiert und emanzipatorische Neuordnungsmodelle entworfen. Dieses
"Musterbuch der Moderne" experimentierte mit der politischen
Ordnung, neuen ökonomischen und sozialen Beziehungen und
Geschlechterverhältnissen sowie mit der politischen Kultur
insgesamt.
Der hier vorgelegte Band versucht, die ganze
Spannbreite dieses programmatischen Aufbruchs in eine neue Epoche
einzufangen. Dafür werden prägnante Originaltexte erläutert und
dokumentiert, die für gesellschaftliche Entwicklungen bis heute
relevant sind. Die Vielzahl der Themenbereiche umfasst: Aufstand und
Revolution, Verfassung und Demokratie, Emanzipation und
Demokratisierung der Gesellschaft, Sozialreform und Sozialismus,
Antimilitarismus und Völkerrecht, schließlich auch programmatische
Abgründe der Revolution.
Das politische Spektrum der Autoren
reicht vom gemäßigten Liberalismus eines Sieyès über
demokratische Republikaner wie Brissot, Condorcet, Peine oder
Robespierre bis hin zu Vertretern von sozialrevolutionären Projekten
wie Babeuf und Maréchal. Es spiegelt damit zugleich die Entwicklung
der politischen Linken wider, die sich im dynamischen Prozess der
Revolution auf rasante Weise bewegt und in der Regel die radikalsten,
am weitesten in die Zukunft reichenden Emanzipationsprojekte
entworfen hat. Auch die Problematik der Dialektik von Neugestaltung
und gesellschaftspolitischer Herrschaft findet angemessene
Berücksichtigung.
Die meisten der Texte wurden eigens für
diesen Band ins Deutsche übersetzt.
Der Herausgeber: Wolfgang
Kruse, Jahrgang 1957, ist Professor am Historischen Institut der
Fern-Universität in Hagen, Lehrgebiet Neuere und Europäische
Geschichte. Er arbeitet zur Geschichte der Französischen Revolution,
des Ersten Weltkriegs, der deutschen und internationalen
Arbeiterbewegung sowie des modernen politischen Totenkults in
Deutschland.
Jörg
Roesler: Geschichte der DDR. PapyRossa Verlag 2012 (Reihe
Basiswissen). 132 S. (NB1227 BES) 12 Euro
Jenseits der
üblichen Horrorszenarien klärt Jörg Roesler auf über die
Geschichte des kleineren deutschen Staates. Sie wird erstens erzählt
als Geschichte der Herrschaft der SED. Im Mittelpunkt stehen dabei
zwei Gruppierungen, vom Autor als Konservative bzw. Reformer
charakterisiert. Dies ist gleichzeitig die Geschichte der Sicherung
der Stabilität eines in seiner Existenz ökonomisch und politisch
wiederholt gefährdeten Staates. Zweitens wird die Geschichte der DDR
als Geschichte der sowjetisch-ostdeutschen Beziehungen erzählt. Es
ist die Geschichte von Moskaus "ungeliebtem Kind", einer durch
das Scheitern der sowjetischen Deutschlandpolitik zustande gekommenen
Minimallösung, eines schließlich lästig werdenden Vorpostens.
Drittens wird die Geschichte der DDR erzählt als Geschichte der
Beziehungen zur Bundesrepublik. Sie endet mit der Vereinnahmung des
kleineren durch den größeren, sich als stabiler und potenter
erweisenden deutschen Staates.
Karl
Heinz Roth: Geschichtsrevisionismus. Die Wiedergeburt der
Totalitarismustheorie. Konkret 1999. 152 S. (NB7z) 11,66
Euro
Spätestens mit der Wende von 1989 hat die neue Rechte
in der Geschichtswissenschaft Fuß gefaßt. Ihr Spektrum reicht von
dr Gruppe um Rainer Zitelmann bis zu ehemaligen Linken im Umfeld der
rotgrünen Bundesregierung. Die Geschichtsrevisionisten reaktivieren
mit der Totalitarismustheorie die alten Themen des Kalten Krieges.
Karl Heinz Roth beschreibt den Siegeszug der Totalitarismustheorie in
der deutschen Geschichts- und Sozialwissenschaft seit der
Wiedervereinigung und analysiert die Konsequenzen der
revisionistischen Offensive: die vollständige Delegitimierung der
DDR und die Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen.
Gerhard
Scheit: Mülltrennung. Beiträge zu Politik, Literatur und Musik.
Konkret 1998. 192 S. (NB14z) 10,15 Euro
Über Brecht, Eisler,
Jünger, Günther Anders, Peter Weiss, Heiner Müller. Jean Améry,
Haider & Sichrovsky, Adorno und die Differenzen von deutscher
Marschmusik und amerikanischem Jazz.
Conrad
Taler: Der braune Faden. Zur verdrängten Geschichte der
Bundesrepublik. PapyRossa Verlag 2005. 240 S. (NB829) 16,80
Euro
Conrad Taler zeigt, daß die Verharmlosung des
Rechtsextremismus wie ein brauner Faden die bundesdeutsche Geschichte
durchzieht. Er erinnert daran, daß der Neunazismus als "Waffe
Moskaus" hingestellt und antijüdische Taten den Kommunisten
zugeschrieben wurden, daß sich Arbeitgeber, CDU/CSU und NPD
gegenseitig die Bälle zuwarfen, wenn es gegen Mitbestimmung und "zu
hohe Lohnkosten" ging, daß bei einer Demonstration gegen die
Remilitarisierung ein 21jähriger von der Polizei erschossen wurde,
ohne daß eine westdeutsche Zeitung darüber ein kommentierendes Wort
verloren hätte, daß der antisemitischen Rede des
CDU-Bundestagsabgeordneten Hohmann jahrelang jene Aufrechnerei
vorausging, die sich mit den Verbrechen "anderer" herausredete.
Heinrich
Fink / Cornelia Kerth (Hg.): Einspruch! Antifaschistische
Positionen zur Geschichtspolitik. PapyRossa Verlag 2011. 126 S.
(NB1168) 12 Euro
Aus dem Kalten Krieg stammende Thesen wie
"rot gleich braun", "Sozialismus gleich Faschismus gleich
Diktatur" oder die Rede von den "zwei deutschen Diktaturen"
werden mehr und mehr salonfähig. Mit politischem Kalkül propagiert,
zielt diese Deutung der Geschichte auf die Gegenwart. Einspruch gegen
solchen Geschichtsrevisionismus erhob eine geschichtspolitische
Konferenz der VVN-BdA, auf der sich namhafte Wissenschaftler und
Antifaschisten gegen diesen Diskurs wandten, der sich selbst als
"antitotalitär" bezeichnet. Dabei ging es um das Verhältnis von
Ursachen und Wirkungen des Zweiten Weltkriegs, Wehrmachtsverbrechen
und ihre Opfer, die Rolle der Gebirgstruppen und die Entwicklung der
Gedenkpolitik. Beiträge u.a. von: Hannes Heer, Kurt Pätzold,
Wolfgang Wippermann, Moshe Zuckermann.
Jens Mecklenburg, Wolfgang Wippermann (Hg.): "Roter Holocaust"? Kritik des Schwarzbuchs des Kommunismus. Konkret 1998. 296 S. (NB62zz) 20 Euro
Sebastian
Friedrich: Lexikon der Leistungsgesellschaft. Wie der
Neoliberalismus unseren Alltag prägt. Vorwort von Oliver Nachtwey /
Fotos von Johann Bröse. edition assemblage 2016. 96 S. (NB1368) 7,80
Euro
Der Streifzug durch alltägliche Begriffe der
"Leistungsgesellschaft" erkundet die vorherrschende Ideologie des
flexiblen Kapitalismus. Er ist weit mehr als ein wirtschafts- und
sozialpolitischer Ansatz. Die neoliberale Ideologie prägt unsere
Persönlichkeit, unser Denken, unser Handeln: während wir Sport
treiben, wir über unsere Bosse sprechen, als wären wir befreundet,
wir in Dating-Portalen nach der Liebe fürs Leben oder dem schnellen
Sex suchen, wir unser 70er Jahre-Rennrad das Altbau-Treppenhaus
hochtragen, wir herzhaft über die Prolls in der Eckkneipe lachen,
wir uns über unsere aktuellen Prokrastinationserfahrungen
austauschen, wir mit einem Coffee-to-go bewaffnet im Stechschritt
durch die Stadt marschieren, wir lustige ironisch-geistreiche
Anmerkungen machen, wir uns wieder nicht entscheiden können und wir
am Ende des Tages einmal mehr versuchen, das zu verdrängen, was
längst Gewissheit geworden ist: daß es so nicht weitergehen
kann.
Sebastian Friedrich ist Redakteur von kritisch-lesen.de
und Verfasser der Kolumne "Lexikon der Leistungsgesellschaft",
die seit April 2013 bei der linken Monatszeitung ak- analyse und
kritik erscheint.
Lucas
Zeise: Finanzkapital. PapyRossa Verlag 2019. Reihe Basiswissen.
Zweite, durchgesehene Auflage. 136 S. (NB1430 BES) 9,90 ¤
Dass
in Gelddingen demokratische Regeln nichts gelten, wurde uns am
Beispiel Griechenland drastisch vor Augen geführt: Auf das
überwältigende Nein der Bevölkerung zum Diktat der Troika folgte
das Ja der von ihr gewählten Regierung. Auch wenn es im Alltag
parlamentarischer Republiken nicht immer offensichtlich ist, wird in
Krisen deutlich, wie die Herrschaft des Finanzkapitals funktioniert.
Wer ist dieses Finanzkapital, das Rudolf Hilferding 1909 und Lenin
1917 untersucht haben. Und wie herrscht es heute? Besonders
interessiert Lucas Zeise dabei die Rolle des Geldkapitals, der
Banken, Versicherungen, Hedgefonds und Schattenbanken. Wie kommt es,
dass die Gläubiger-Schuldner-Beziehung die politischen Verhältnisse
dominiert? Wie kommt es, dass sich die politisch Mächtigen unter dem
Druck der Finanzmärkte befinden? Wer reguliert diese oder unterlässt
es, sie zu regulieren? Wie funktioniert international die Hackordnung
unter den Finanzkapitalisten? Warum dominiert immer noch der Dollar
und wird er als dominante Währung abgelöst?
"Lucas
Zeise war jahrzehntelang dicht dran am großen Geld. Sein Buch
belohnt uns daher mit prallen Geschichten und einer herausragenden
Tiefenschärfe." (Hermannus Pfeiffer, neues
deutschland).
"Wer in knapper Form wissen
will, was im Maschinenraum und auf der Kommandobrücke des heutigen
Kapitalismus vor sich geht (auf ökonomischer Ebene, nicht im
politischen Mechanismus), greife zu diesem Bändchen."
(Arnold Schölzel, junge Welt).
Gisela
Notz: Theorien alternativen Wirtschaftens. Fenster in eine andere
Welt. Schmetterling Verlag Reihe theorie.org 2011. 192 S. Pb.
(NB1182) 15 Euro
Die Einführung liefert eine überschaubare
und zugleich fundierte Darstellung exemplarischer Theorien
alternativen Wirtschaftens und ihrer Umsetzung in die Praxis.
Vorgestellt werden zunächst theoretische Modelle und ihre
Protagonisten, von den Frühsozialisten, über die Zeit der
beginnenden und fortschreitende Industrialisierung bis heute. Um eine
Verständigungsbasis herzustellen, nimmt die Autorin
Begriffsserklärungen vor und erklärt Betriebe und Betriebsformen,
die Ansätze eines solchen Wirtschaftens verfolgen. Es folgen
aktuelle Beispiele aus der Genossenschaftsbewegung, aus der
Alternativbewegung der 1970er Jahre, der Kommunebewegung, der
Ökonomie des Gemeinwesens, der Tauschökonomie und Umsonstökonomie
und der Kommunalen Gemeinschaftsgärten. Am Ende steht die Frage, wie
es angesichts des Siegeszugs der Globalisierung der warentauschenden
Gesellschaft und der weltweiten Krise gelingen kann, Theorien für
eine andere herrschaftsfreie Welt in weitere Kreise zu tragen. Auch
wenn utopisches Denken heute nicht gerade hoch im Kurs steht.
Christof
Mackinger: Radikale Ökologie. Unrast Verlag 2015, Reihe
Transparent. 88 S. (NB1337) 7,80 Euro
Biopiraterie, Fracking,
Gentechnologie - nie zuvor war der Umfang des verwertenden Zugriffs
auf die Natur und ihre Ressourcen so umfassend wie heute. Radikaler
Widerstand dagegen ist in Westeuropa, gelinde gesagt, überschaubar.
Mackinger umreißt die Geschichte der radikalen Ökobewegung, stellt
dar, welche Konzepte wirkliche Alternativen zu einer Gesellschaft
sein könnten, die auf der unbegrenzten Ausbeutung von
Naturressourcen basiert, und gibt einen Überblick über die
Möglichkeiten progressiver Bewegungen, der voranschreitenden
Ökonomisierung der Natur gegenzusteuern.
Peter
Nowak (Hg.): Zahltag. Zwang und Widerstand: Erwerbslose in Hartz
IV. Unrast Verlag 2009 (unrast transparent - soziale krise). 80 S.
(NB1125) 7,80 Euro
Die Proteste gegen Hartz IV haben die
Verhinderung der Gesetze nicht erreicht, waren aber keineswegs
erfolglos. Seitdem steht das Thema Repression und Erniedrigung von
Erwerblosen vermehrt auf der Tagesordnung. Der Schwerpunkt des Buches
liegt auf dem fortdauernden Widerstand der Betroffenen. Die Palette
reicht von den vermehrten Klagen vor den Sozialgerichten bis zu
Widerstandsformen - wie den Aktion Zahltag - und die solidarische
Begleitung von Erwerbslosen. Der Band wendet sich an Leser, die
angesichts der Bedrohung durch Hartz IV nach einer Orientierung
suchen. Vermittelt wird ein erster guter Überblick über das Thema.
Christoph
Butterwegge: Armut. PapyRossa Verlag Reihe
Basiswissen 2016. 132 S. (NB1372) 9,90 Euro
"Armut"
ist ein brisanter, weil politisch-normativer, emotional besetzter und
moralisch aufgeladener Begriff. Christoph Butterwegge diskutiert den
Armutsbegriff, wirft einen Blick auf die Geschichte der Armut und
vermittelt die theoretischen Grundlagen. Er stellt die
Hauptrichtungen der Armutsforschung vor, erläutert die gängigen
Methoden der Armutsmessung und hinterfragt die statistische
Datenlage, wie sie die Armuts- und Reichtumsberichte der
Bundesregierung dokumentieren. Neben den unterschiedlichen
Erscheinungsformen und den Folgen der Armut für die Betroffenen wie
die Gesellschaft beschäftigen ihn die Entstehungsursachen und die
wenig überzeugenden Erklärungsansätze der (Medien-)Öffentlichkeit.
Abschließend geht es um den Kampf gegen die Armut sowie die Frage,
welche Maßnahmen hierbei Erfolg versprechen und ob das
bedingungslose Grundeinkommen ein Patentrezept darstellt.
Christoph
Butterwegge, Prof. Dr. rer. pol., Jg. 1951, lehrte bis
2016 Politikwissenschaft an der Universität zu Köln.
Arbeitsschwerpunkte: Sozialstaatsentwicklung und Armut;
Rechtsextremismus, Rassismus und (Jugend-)Gewalt; Migration,
Integration und Minderheitenpolitik. Von der Partei Die Linke
als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten
vorgeschlagen.
"Christoph Butterwegge öffnet die
Augen für die wirklichen Zustände in unserem Land."
(Rudolf Walther, neues deutschland).
Fredrik Roggan: Auf legalem Weg in einen Polizeistaat. Entwicklung des Rechts der inneren Sicherheit. Pahl-Rugenstein-Verlag 2000. 248 S. Hardcover. (NB213z) 19,43 Euro
Domenico
Losurdo: Stalin. Geschichte und Kritik einer schwarzen Legende.
Mit einem Essay von Luciano Canfora. PapyRossa Verlag 2012. 454 S.
(NB1235 BES) 22,90 Euro
Domenico Losurdo, Professor Dr.
phil., Jg. 1941. Lehrt Philosophie an der Universität Urbino.
Zahlreiche Bücher, die sein internationales Renommee begründen.
Es
gab Zeiten, da blickten berühmte Staatsmänner wie Churchill oder
Intellektuelle wie Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger oder Heinrich
Mann voller Achtung und Bewunderung auf Stalin und auf das von ihm
geführte Land. Doch mit dem Kalten Krieg und nicht zuletzt mit der
Geheimrede Chruschtschows wurde Stalin zu einem "Monster", das
vielleicht nur mit Hitler zu vergleichen sei. Domenico Losurdo setzt
sich mit den Konflikten und Interessen auseinander, die diesem
Umsturz der Sichtweise zugrunde liegen. Er nimmt diesen radikalen
Gegensatz der Stalinbilder zum Anlaß, sie allesamt zu
problematisieren, statt eines davon zu verabsolutieren. Hierfür
betrachtet er die sowjetische Geschichte auf der Grundlage einer
umfassenden Komparatistik der Tragödien des 20. Jahrhunderts,
entdämonisiert Stalin und kontextualisiert eine Reihe der gegen ihn
erhobenen Anklagen, ohne sie einfach zu negieren. Ein weiteres Buch
des Autors, das gewiß für Aufsehen und kontroverse Diskussionen
sorgen wird.
Ulrich
Sander: Die Macht im Hintergrund. Militär und Politik in
Deutschland von Seeckt bis Struck. PapyRossa Verlag 2004, 208 S.
(NB728) 14 Euro
Ohne daß es einer breiten Öffentlichkeit
bisher bewußt wäre, geben heute in der Bundesrepublik - wie einst
in der Weimarer Republik die Reichswehrführung unter General von
Seeckt - Militärs in der Rüstungs- und Sicherheitspolitik den Ton
an. So wurden die "Verteidigungspolitischen Richtlinien" des
ehemaligen Verteidigungsministers Rühe ebenso von politisierenden
Generälen ersonnen wie die "Verteidigung am Hindukusch" des
späteren Amtsinhabers Struck. Anhand offizieller und inoffizieller
Quellen weist Ulrich Sander nach, daß eine militärische Elite, die
von äußerst rechten Militärs angeführt wird, wieder maßgeblichen
Einfluß auf die deutsche Politik gewonnen hat.
Kurt
Pätzold: Zweiter Weltkrieg. Papyrossa Verlag (Reihe
Basiswissen). 144 S. (NB1289) 9,90 Euro
Die Darstellung Kurt
Pätzolds setzt mit der Frage ein, ob die Geschichte Europas zu jenem
1. September 1939 führen mußte, an dem ein beispielloser Krieg
begann, der sich erdballweit ausdehnte. Gedrängt bietet sie ein Bild
der wesentlichen politischen und militärischen Ereignisse, die bis
zur Potsdamer Konferenz, den Gerichtsprozessen in Nürnberg und Tokio
und den Friedensschlüssen von Paris und San Francisco verfolgt
werden. Behandelt werden zudem der Völkermord an den Juden sowie an
den Sinti und Roma vor dem Hintergrund der nazistischen Kriegsziele
wie auch die Kriegsverbrechen in Europa und Asien. Der Band schließt
mit dem Blick auf die veränderte Welt des Jahres 1945, den Übergang
zum Kalten Krieg und die Versuche, dem Frieden Dauer zu
verschaffen.
Kurt Pätzold, Prof. Dr. phil., *1930. Lehrte bis
1992 als Professor für Deutsche Geschichte an der Humboldt-
Universität zu Berlin. International renommierter Historiker und
Faschismusforscher.
Lothar
Röse: Prisoner of War Post. Helmuts Briefe aus der
Kriegsgefangenschaft 1947/48. Situationspresse 2016. 100 S. (NB1330)
10 Euro.
Der Briefeschreiber war nach der Lehre als einfacher
Wehrmachtssoldat in den Zweiten Weltkrieg und von 1944 bis 1948 in
englische Kriegsgefangenschaft. Dort hatte er dann Zeit zum
Nachdenken und machte sich auch durchaus seine Gedanken - über
seine Zukunft, denn er war immerhin schon 26 Jahre alt. Und so
bemühte er sich brieflich um Kontakt zu einer jungen Frau, die er
vor dem Krieg zu Hause einmal kurz gesehen hatte.
Die
vorliegende Arbeit sichtet seine Brautwerbebriefe und leistet damit
einen Beitrag zur Mentalitätsgeschichte der Deutschen sowohl der
Zwischenkriegszeit als auch des
Wirtschaftswunder-Nachkriegsdeutschlands, wie sie sich so nur selten
als schriftliche Überlieferung erhält. Der Aussagewert dieser
Briefe mag gerade darin liegen, daß sie weitab von einer
distanzierten Reflexion des Geschehenen einem bestimmten und privaten
Zweck dienten. Umso bemerkenswerter gerät, was manchmal zwischen den
Zeilen en passant über die Vorstellungen von der Ordnung der Dinge
und vom Leben darin zum Ausdruck kommt.
Der Herausgeber
kommentiert die Briefe sie informativ, aber zurückhaltend.
Das
kleine Werk, das nebenbei auch einen Einblick in die Popkultur bzw.
"Kulturindustrie" der Zeit bietet, kann auch als deutscher
Beitrag zur Comédie Humaine zwischen Great Expectations und
Illusions perdues gelesen werden.
Die Deutschen empfanden den
Zweiten Weltkrieg als ein Schicksal, das über sie kam - und danach
"gelang" ihnen - fast so, als wäre gar nichts geschehen
(jedenfalls nichts Erwähnenswertes) die Rückkehr in eine (dann doch
etwas seltsame) "Normalität".
Diethard
Behrens, Kornelia Hafner: Westlicher Marxismus. Schmetterling
Verlag 2017. 902 Seiten, kartoniert. (NB1385) 44,80 Euro.
Von
dem Philosophen Merleau-Ponty bereits in den 1950ern aufgebracht,
wurde der Begriff vor allem durch Perry Andersons vielbeachtete
Studie "Über den Westlichen Marxismus" (1978) populär und
avancierte so in dessen Perspektive zum Synonym für einen
'philosophischen' Marxismus, der die Marx-Rezeption im 20.
Jahrhundert entscheidend beeinflußte. In der hier vorliegenden
problemorientierten Einführung zeichnen die Autoren diese Rezeption
sowie ihre politischen und theoretischen Ursprünge nach. Dabei wird
auf die Vorgeschichte der Neuen Linken sowie auf einzelne Autoren wie
Althusser und Gramsci eingegangen. Da für ein Verständnis der
Auseinandersetzungen, die in der Neuen Linken über Ökonomie und
Philosophie, Staat und Politik, Kultur und Ästhetik herrschen, eine
genaue Kenntnis der 'Westlichen Marxisten' unerlässlich ist, wird
mit diesem Buch ein wertvolles Standardwerk zur Verfügung gestellt."
Ernest Mandel: Einführung in den Marxismus. Neuer ISP-Verlag. 240 S. (NB132) 12 Euro
Michael
Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung.
Schmetterling Verlag, Reihe Theorie.org. 3. Aufl. 2005. 240 S. (NB854
bes) 15 Euro
"Umfassende Analysen des Kapitalismus haben
bei der Linken wieder Konjunktur. Doch bleibt die Auseinandersetzung
mit Marx dabei oft oberflächlich, findet Michael Heinrich und
plädiert für eine Neuaneignung der Marxschen Theorie jenseits des
traditionellen, weltanschaulichen Marxismus." (Klappentext).
Stefan
Bollinger: Lenin. Theoretiker, Stratege, marxistischer
Realpolitiker. PapyRossa Verlag, Reihe Basiswissen. 147 S. (NB1393)
9,90 Euro.
Angefeindet, bekämpft, verteufelt und schließlich
angeschossen wurde der Revolutionär, Theoretiker und Realpolitiker
Lenin, der es 1917 unternahm, einen völkermörderischen Krieg zu
beenden und eine sozialistische Gesellschaft zu errichten. Er hasste
den Krieg, Kriegstreiber und "linke" Helfershelfer des
Krieges. Er wollte den Bruch mit Zarismus, Kapitalismus und der
Herrschaft von Adel wie Bourgeoisie. Das erreichte er in Russland,
von der Linken im Westen im Stich gelassen. Unter seiner Führung
waren ein unverschuldeter Bürgerkrieg und die Intervention
ausländischer Mächte, der Wiederaufbau eines zutiefst
rückständigen, armen, zerstörten Landes zu meistern. Unter schier
aussichtslosen Umständen suchte und fand er Lösungen und öffnete
den Weg in eine neue Zivilisation. Unter seinen Nachfolgern ging
diese Chance verloren. Umso mehr sind seine Denkweise und sein
politisches Handeln zu rekonstruieren, um zu überprüfen, was davon
auch heute noch für eine grundlegende gesellschaftliche
Umgestaltung, für den Kampf gegen Krieg und die Sicherung des
Friedens nützlich sein könnte.
Stefan
Bollinger (Hg.): Lenin. Träumer und Realist. Promedia 2006
(Edition Linke Klassiker). 176 S. (NB987) 12,90 Euro
"Genius"
oder "Dämon" der Revolution - die Meinungen über Lenin gehen
nicht erst seit dem Untergang der Sowjetunion auseinander. Solange
ein Sechstel der Erde unter dem Roten Stern stand und Lenin die
Geschicke des "kurzen" 20. Jahrhunderts mitbestimmte, kamen
Freund und Feind nicht an ihm vorbei. Mit dem Untergang des Ostblocks
begann die Suche nach den Schuldigen. Kann sich Marx noch
gelegentlich als Theoretiker des 19. Jahrhunderts und Prophet der
Globalisierung behaupten, so findet Lenin keine Gnade vor den Wächern
des Antikommunismus. Es geht bereits ein Aufraunen durch die
Feuilletons, wenn zu Beginn des neuen Jahrtausends der Sozialismus
als Alternative zum Empire wieder angedacht wird, wenn neue, junge
Kommunisten sich outen, gar ein Philosoph wie Slavoj Zizek die
Widerkehr Lenins und der Revolution beschwört.
Beate
Landefeld: Revolution. PapyRossa Verlag 2017 Reihe Basiswissen.
Pocketformat. 148 S. (NB1397) 9,90 Euro
"Basiswissen"
bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische
Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft
und Ökonomie.
Der 500. Jahrestag der Reformation und der 100.
der Oktoberrevolution bieten Anlässe für die Frage, was
Revolutionen ausmacht. Ob "friedliche Revolution von 1989"
oder diverse "Farbenrevolutionen" - in der Mediensprache
hat sich "Revolution" als Euphemismus für Intervention und
Regime Change etabliert. Sind Revolutionen richtungslose Umwälzungen?
Oder sind sie, wie Marx sagt, "Lokomotiven der Geschichte"?
Beate Landefeld versteht darunter die Errichtung einer neuen
Gesellschaftsordnung mit dem Ziel, die Arbeit und Mühsal zu
verringern, die nötig sind für ein gutes Leben aller Menschen, und
es diesen möglich zu machen, ihre Geschichte bewusst zu gestalten.
Revolutionen brachten den fragilen und keineswegs geradlinigen
Fortschritt zum Abbau von Ungleichheit in Schüben voran. Anhand der
Vorgeschichte und des Verlaufs der großen Revolutionen der Neuzeit
beschreibt Beate Landefeld, wer die sozialen Triebkräfte und was die
Resultate waren. Gegen einen sozial entkernten Revolutionsbegriff
stellt sie den sozialen Inhalt von Revolutionsverläufen in den
Vordergrund.
100
Jahre Oktoberrevolution. Irrweg oder Ausweg?
Herausgegeben von Daniel Bratanovic. edition berolina 2017. 160 S.
(NB1402) 9,99 Euro.
Wie steht es um das programmatische Erbe
der Oktoberrevolution? Kann der Blick auf das Werk der Bolschewiki
etwas anderes sein als nostalgische Verklärung einerseits oder
Verdammung andererseits? Ein Chor von renommierten Historikern, die
Daniel Bratanovic hier versammelt, beantwortet jenseits aller
emotionalen Aufgeregtheiten auf vielschichtige Weise die Frage, ob
und, falls ja, wie die Oktoberrevolution und ihre Errungenschaften
auch 100 Jahre danach immer noch als Maßstab zum Verständnis
gegenwärtiger Krisen dienen können. Die Umstände, mit denen
die Bolschewiki konfrontiert waren und für die sie eine
Lösung suchten (und nicht immer fanden), herrschen heute - in
deutlich anderer Form, im Kern unverändert - erneut. Nicht in
erster Linie historische Ereignisgeschichte wird hier aufbereitet,
sondern die Autoren präsentieren einen vielstimmigen Debattenbeitrag
zur Frage: Wie aktuell ist die Oktoberrevolution heute noch?
Henning
Böke: Maoismus. China und die Linke - Bilanz und Perspektive.
Schmettlerling Verlag, Reihe Theorie.org 2007. 216 S. (NB1004) 10
Euro
Mit seinem eigenständigen Sozialismus, der sich von dem
der Sowjetunion scharf abgrenzte, bildete das China Mao Tse-tungs um
1970 einen bedeutenden Bezugspunkt für Befreiungsbewegungen in der
Dritten Welt wie für die progressive Intelligenz im Westen: Der
Maoismus war damals eine maßgebliche linke Strömung, mit der große
Hoffnungen auf ein alternatives Gesellschaftsmodell jenseits von
Kapitalismus und bürokratischem Staatssozialismus verbunden waren.
Nur 30 Jahre nach Maos Tod berufen sich nur noch wenige
Guerillaorganisationen in Lateinamerika und Asien auf seine Ideen.
Auch unter westlichen Linken gilt Mao mehr oder weniger als
chinesischer Stalin und sein Weg zum Sozialismus als gescheitert. Hat
sich Maos Idee einer Gesellschaftsalternative in einem
Entwicklungsland als unrealisierbarer utopischer Traum herausgestellt
oder enthält sein Denken Konzepte, die aktuell bleiben? Welche Rolle
spielte der Maoismus für die westliche Linke? Wie ist die Situation
im heutigen China? Gibt es noch eine Linke? Wenn ja, wie steht sie zu
Mao? Zu diesen und anderen Fragen zur Rolle der chinesischen
Revolution in Geschichte und Gegenwart und ihre Bedeutung für eine
antikapitalistische Perspektive vermittelt dieses Buch
Hintergrundwissen.
Jochen
Schimmang: Adorno wohnt hier nicht mehr. Erzählungen. Edition
Nautilus 208 S. Gebunden mit Schutzumschlag. (NB1438 bes.) 20 ¤
Vor
50 Jahren, im August 1969, starb Adorno - und Jochen Schimmang übt
sich in Abwesenheitsp?ege. In melancholischen bis heiteren, zum
Teil autobiogra?sch gefärbten Geschichten erzählt er von Formen
und Figuren des Verschwindens. Von Menschen, Gebäuden, ganzen
Vierteln; von Techniken, Gesten, Sprechweisen.
Ein Jubilar
versteckt sich mit seiner Frau auf dem Dachboden vor seinen Freunden,
die zum 70. Geburtstag aus allen Himmelsrichtungen auf ihn
einstürmen, obwohl er viel lieber nur mit zweien von ihnen essen
gegangen wäre. Rothermund macht sich auf die Suche nach dem
verschwundenen Maler Gutermuth. Ein Spaziergang durch Frankfurt
zeigt, wer, außer Adorno, noch alles nicht mehr dort wohnt. Aber
Spaziergänge sind ohnehin sterbende Institutionen, ein Sich-Verirren
in der Welt kann zum Verwirren der Welt werden. Milieus, die sich
nicht mehr erreichen, Nomaden in Monaden. Nur Gott ist nicht
verschwunden, er taucht pünktlich um halb sieben in der Kirche auf -
im Fischgrätmantel.
Jochen Schimmangs feinsinnige Erzählungen
gehen auf Spurensuche nach Lücken und Verlusten und zeigen zugleich,
dass "Identität" eine höchst fragile Konstruktion ist.
"Davon abgesehen, dass die Geschichten hochkomisch sind,
sind sie auch tieftraurig - aber leider lässt sich das schon lange
nicht mehr trennen." Jochen Schimmang.
Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Fischer-Taschenbuch. 278 S. (NB133) 15 Euro
Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. 304 S. (NB1464) 17 Euro
Theodor
W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit. Vorträge und Gespräche
mit Hellmut Becker 1959 - 1969. Hg. von Gerd Kadelbach. Suhrkamp
Taschenbuch 1971. 160 S. (NB907) 10 Euro
Menschen, die blind
in Kollektive sich einordnen, machen sich selber schon zu etwas wie
Material, löschen sich als selbstbestimmte Wesen aus. Dazu paßt die
Bereitschaft, andre als amorphe Masse zu behandeln... Eine
Demokratie, die nicht nur funktionieren, sondern ihrem Begriff gemäß
arbeiten soll, verlangt mündige Menschen. Man kann sich
verwirklichte Demokratie nur als Gesellschaft von Mündigen
vorstellen... Die Konkretisierung der Mündigkeit besteht darin, daß
die paar Menschen, die dazu gesonnen sind, mit aller Energie darauf
hinwirken, daß die Erziehung eine Erziehung zum Widerspruch und zum
Widerstand ist.
Theodor W. Adorno: Negetive Dialektik / Jargon der Eigentlichkeit. Gesammelte Schriften Band 6. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. 544 S. (NB1313 bes) 26 Euro
Theodor
W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus. Ein Vortrag.
Nachwort von Volker Weiß. Suhrkamp Verlag. 86 S. (NB1435) 10 Euro
Am
6. April 1967 hielt Theodor W. Adorno auf Einladung des Verbands
Sozialistischer Studenten Österreichs an der Wiener Universität
einen Vortrag, der aus heutiger Sicht nicht nur von historischem
Interesse ist. Vor dem Hintergrund des Aufstiegs der NPD, die bereits
in den ersten beiden Jahren nach ihrer Gründung im November 1964
erstaunliche Wahlerfolge einfahren konnte, analysiert Adorno Ziele,
Mittel und Taktiken des neuen Rechtsradikalismus dieser Zeit,
kontrastiert ihn mit dem "alten" Nazi-Faschismus und fragt
insbesondere nach den Gründen für den Zuspruch, den rechtsextreme
Bewegungen damals - 20 Jahre nach Kriegsende - bei Teilen der
bundesdeutschen Bevölkerung fanden. Vieles hat sich
seitdem geändert, manches aber ist gleich geblieben oder heute, 50
Jahre später, wieder da. Und so liest sich Aspekte des neuen
Rechtsradikalismus wie eine Flaschenpost an die Zukunft, deren Wert
für unsere Gegenwart Volker Weiß in seinem Nachwort
herausarbeitet.
"Tatsächlich liest sich der Vortrag in
vielen Passagen wie ein direkter Kommentar zu Methode und Ideologie
der Rechten seit 2015 ... [Er] ist dabei so offen und eben gerade
nicht autoritär-bestimmend gehalten, dass man ihn heute als
Einladung zum Weiterdenken lesen kann." Benjamin
Moldenhauer, Der Spiegel.
"Es klingt wie eine
akademische Koketterie, wenn Adorno seine Thesen >simpel< nennt
und vor voreiligen Schlüssen warnt. Doch was heißt schon simpel?
Tatsächlich sind Adornos Beschreibungen äußerst dicht, und der
Historiker Volker Weiß hat Recht, wenn er in seinem klug abwägenden
Nachwort darauf hinweist, dass einige der Thesen noch heute von
schlagender Evidenz sind." Thomas Assheuer, DIE
ZEIT.
"Verblüffend oft hat man den Eindruck,
dass das, was dort steht, nicht vor einem halben Jahrhundert gedacht
worden ist, sondern gerade eben erst. ... [Der] Dialektik Adornos
kann man an Stellen wie [hier] ganz einfach bei der Arbeit zusehen."
Jens-Christian Rabe, Süddeutsche Zeitung.
"Was
Adorno an Aspekte des neuen Rechtsradikalismus aufzeigt, ist nicht
nur von einer verblüffenden Aktualität, sondern auch von einer
Subtilität in den Beobachtungen, die man in vielen aktuellen
Publikationen zur Rechten dann doch vermisst." Michael
Angele, der Freitag.
"Man nimmt den mehr als
50 Jahre alten Text in die Hand und ist nach wenigen Sätzen
erschrocken über die Aktualität der von Adorno herausgegriffenen
Aspekte." Arno Widmann, Frankfurter Rundschau.
Michael
Schwandt: Kritische Theorie. Eine Einführung. Schmetterling
Verlag 2009 (Reihe theorie.org). 240 S. (NB1120 bes) 15 Euro
Dieser
Band gibt eine verständliche, weitgehend voraussetzungslose und
eingängig geschriebene Einführung in die Kritische Theorie. Es wird
erstmals der Versuch einer Bilanz der Kritischen Theorie zu Beginn
des 21. Jahrhunderts unternommen - das Dilemma politischen
Engagements in der Gegenwart immer im Blick. Der Vergleich von Adorno
und Marcuse, an dem sich die Darstellung orientiert, ist neu und
verspricht auch erfahrenen Lesern einen Erkenntnisgewinn. Michael
Schwandt zeichnet zunächst die Geburt der Kritischen Theorie aus der
Krise des Marxismus nach und skizziert die Geschichte des Frankfurter
Instituts für Sozialforschung. Vor diesem Hintergrund wird die
Spannweite möglicher Antworten der Kritischen Theorie auf das
Praxisproblem herausgearbeitet: Wie soll, wie kann sich politisch
verhalten, wer diese Welt aus tiefstem Herzen ändern will, aber mit
klarem Verstand erkennen muß, daß die Chancen dazu verschwindend
gering sind? Dieser Frage wird anhand einer Gegenüberstellung der
Positionen von Adorno und Marcuse nachgegangen, die wegen ihres ganz
unterschiedlichen Bezuges auf die politischen Bewegungen ihrer Zeit
immer als Antipoden wahrgenommen wurden. Die unabgeschlossene Debatte
zwischen diesen beiden Spielarten Kritischer Theorie ist auch für
gesellschaftliches Engagement in der Gegenwart von großer Bedeutung
- egal, welcher der hier vorgestellten Positionen man letztlich
eher den Vorzug geben mag. Denn bei der Auseinandersetzung mit der
"Frankfurter Schule" läßt sich immer wieder neu erfahren: Es
gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie.
Kurt
Lenk: Von Marx zur Kritischen Theorie. Dreißig Interventionen.
Edition DISS im Unrast Verlag 2009. 332 S. (NB1114) 29,80 Euro
Der
Band bietet den zugang zu einer Theorietradition, die in vielen
Zweigen der Sozial- und Geisteswissenschaften ihren Ausdruck gefunden
hat. Es bsteht begründete Hoffnung, daß im Zeichen von Finanz- und
Wirtschaftskrisen Impulse dieser kritischen Analyse erneur wirksam
werden.
Herbert
Marcuse: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der
fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Herausgegeben von Peter E.
Jansen. Verlag Dietrich zu Klampen 2014. 296 S. (NB1309) 24 Euro
Das
1964 erschienene Hauptwerk war einer der einflußreichen Quellentexte
der Studentenbewegung von 1966ff.
"Die gegenwärtige
industrielle Zivilisation beweist, daß sie die Stufe erreicht hat,
auf der 'die freie Gesellschaft' in den traditionellen Begriffen
ökonomischer, politischer, und geistiger Freiheit nicht mehr
angemessen bestimmt werden kann; nicht weil diese Freiheiten
bedeutungslos geworden sind, sondern weil sie zu bedeutsam sind, um
auf die traditionellen Formen begrenzt zu bleiben. Entsprechend den
neuen Fähigkeiten der Gesellschaft bedarf es neue Weisen der
Verwirklichung." (Herbert Marcuse).
Michel
Foucault: Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im
Zeitalter der Vernunft. suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1973. 576
S. (NB1297) 24 ¤
Michel Foucault erzählt die Geschichte
des Wahnsinns vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Er erzählt zugleich
die Geschichte seines Gegenspielers, der Vernunft, denn er sieht die
beiden als Paar, das sich nicht trennen läßt. Der Wahn ist für ihn
weniger eine Krankheit als eine andere Art von Erkenntnis, eine
Gegenvernunft, die ihre eigene Sprache hat oder besser: ihr eigenes
Schweigen.
Walter Benjamin: Illuminationen. Ausgewählte Schriften I. Suhrkamp Taschenbuch 432 S. (NB221 bes) 18 Euro
Ernst Bloch: Spuren. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft - Ernst Bloch Werkausgabe Band 1. 220 S. (NB1328) 12 Euro
Ernst Bloch: Erbschaft dieser Zeit. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. 416 S. (NB1395) 20 Euro
Gerhard
Senft (Hg.): Essenz der Anarchie. Die Parlamentarismuskritik des
libertären Sozialismus. Promedia 2006 (Edition Linke Klassiker). 176
S. (NB1012) 12,90 Euro
Der Anarchismus ist als ein
facettenreiches Phänomen zu begreifen, das aufklärerisch und
romantisch zugleich auftritt. Er vereint Elemente des Individualismus
und des Sozialismus. Die unterschiedlichen Richtungen des Anarchismus
kennen einen gemeinsamen Angriffspunkt: den Parlamenrarismus. Gerhard
Senft bringt die Klassiker der anarchistischen Literatur einem
interessierten Publikum näher, indem er ihre Schriften kommentiert
und in den entsprechenden historischen Kontext stellt.
Hans
Jürgen Degen, Jochen Knoblauch: Anarchismus. Eine Einführung.
Schmetterling Verlag - Reihe theorie.org. 216 S. (NB924) 15 ¤
Das
Buch stellt verschiedene Richtungen innerhalb der anarchistischen
Bewegung vor sowie die Rolle von Anarchisten während der
Revolutionen von der Pariser Commune von 1871 bis zur
Studentenbewegung der 60er Jahre.
Hans
Jürgen Degen, Jochen Knoblauch (Hg.): Anarchismus 2.0.
Bestandsaufnahmen, Perspektiven. Schmetterling Verlag 2009. 312 S.
(NB1095 bes) 16,80 Euro
Der Band "Anarchismus. Eine
Einführung" von Hans Jürgen Degen und Jochen Knoblauch in der
Reihe "theorie.org" arbeitete die Grundlagen libertärer
Weltsicht (Stirner, Bakunin, Landauer etc.) auf. Von Rudolf Rocker
einmal abgesehen, hat allerdings keiner dieser Klassiker in die Zeit
nach dem 2. Weltkrieg gewirkt. Dies und die Tatsache, daß spätestens
nach 1945 die anarchistische Bewegung gezwungen war, sich von Grunde
auf organisatorisch und inhaltlich neu zu positionieren,
unterstreicht die Notwendigkeit dieser Anthologie zu aktuellen
Tendenzen des Anarchismus. Da nun neben ausgewiesenen Experten auch
Aktivisten selbst zu Wort kommen sollen, wurde die Form einer
Anthologie gewählt, um den berücksichtigten Themen ein Höchstmaß
an Authenzität zu verleihen. Aus dem Inhalt: Anarchismus in
Deutschland (1945-1968); Neo-Anarchismus: 1968 und die Folgen;
Anarchosyndikalismus; Gewaltfreier Anarchismus; Anarchismus und
Ökonomie; Anarchafeminismus; Zapatismus und Anarchismus;
Postanarchismus; Neue Soziale Bewegungen: Von der Alternativszene bis
Attac; Anarchismus und Pädagogik; Arbeit und Leben: Wohnprojekte,
Kommunen, Genossenschaften.
Augustin Souchy: Nacht über Spanien. Bürgerkrieg und Revolutin 1936-39. Trotzdem-Verlagsgenossenschaft 2007. 236 S. Pb. (NB1039 bes) 18 Euro (3671)
Michael Bakunin: Die revolutionäre Frage. Föderalismus - Sozialismus - Antitheologismus. Unrast Verlag 2000 (Klassiker der Sozialrevolte 6). 184 S. Pb. (NB686) 13 Euro
Peter A. Kropotkin: Memoiren eines Revolutionärs. Unrast Verlag 2002 (Klassiker der Sozialrevolte 4, 5). 2 Bände zus. 552 S. (NB687) 28 Euro
Peter
Kropotkin: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt.
Übersetzung von Gustav Landauer. Mit einem Vorwort von Franz M.
Wuketits. Trotzdem Verlag bei Alibri 2011. 254 S. Pb. (NB1181) 18
Euro
Die Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt ist
nicht nur ein Klassiker der anarchistischen Literatur, sondern kann
auch als früher Vorläufer soziobiologischen Denkens gelten.
Geschrieben als Antwort auf zahlreiche Publikationen, die Darwins
Evolutionstheorie zu einem menschenverachtenden Sozialdarwinismus
verkürzen wollten, argumentiert Kropotkin, daß in Natur und
Gesellschaft keineswegs nur ein Kampf aller gegen alle stattfindet,
sondern daß ebenso ein Prinzip obwaltet, das er "gegenseitige
Hilfe" nennt. Er kommt zu dem Schluß, daß jene Lebewesen
erfolgreicher überleben, die dieses Prinzip umsetzen. Peter
Kropotkin (1842-1921), gilt als einer der einflußreichsten Vertreter
des kommunistischen Anarchismus. Dem russischen Hochadel entstammend,
engagierte er sich doch bald für die Befreiung der Menschheit von
Unterdrückung, Ausbeutung und Ungleichheit.
Friedrich
Engels: Der deutsche Bauernkrieg. Unrast Verlag 2004 (Klassiker
der Sozialrevolte, Bd. 10). 160 S. (NB802) 13 Euro
"Der
deutsche Bauernkrieg" von Friedrich Engels 1850 veröffentlicht,
ist in seiner prägnanten Kürze und präzisen Darstellung der
gesellschaftlichen Verhältnisse zum ausgehenden Mittelalter ebenso
eine packende Schilderung der revolutionären Ereignisse wie eine
politisch-sozioökonomische Studie vor dem Hintergrund der gerade
stattgefundenen Revolution 1848/49, an der Engels aktiv beim "Pfälzer
Aufstand" teilgenommen hatte.
Pjotr
L Lawrow: Die Pariser Kommune. Geschehnisse, Einfluß, Lehren.
Unrast Verlag 2003 (Klassiker der Sozialrevolte Bd. 8). 232 S.
(NB804) 14 Euro
Am 18. März 1871 verhinderte in Paris eine
Menge aus revolutionären Arbeitern und republikanischen
Nationalgardisten, daß der monarchistische General Vinoy sich
gewaltsam der Kanonen von Paris bemächtigen konnte. Dieser
Widerstand - unter der Losung "Es lebe die Republik" - war
der Beginn der 72tägigen revolutionären Kommune von Paris. P.L.
Lawrow, russischer Sozialrevolutionär im Exil und Mitglied der
Pariser Sektion der Internationalen Arbeiter-Assoziation, hat an den
Ereignissen der Kommune-Tage aktiv teilgenommen, sie aufgeschrieben
und einer kritischen Würdigung unterzogen, um daraus Lehren
insbesondere für die sozialrevolutionäre Bewegung Rußlands zu
ziehen.
Florian
Grams: Die Pariser Kommune. PapyRossa Verlag 2014 (Reihe
Basiswissen). 128 S. (NB1322) 9,90 ¤
"Basiswissen"
bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische
Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft
und Ökonomie.
1871 herrschte Krieg zwischen Frankreich und dem
Deutschen Reich. Der französische Kaiser Napoleon III. befand sich
in deutscher Gefangenschaft, deutsche Truppen standen vor Paris, und
die neue französische Regierung musste Arbeiter und Arbeitslose in
die Nationalgarde einreihen. Dies veränderte das Antlitz des
Militärs in der Stadt, denn die Bataillone wählten ihre Offiziere.
Die Regierung floh nun nach Versailles und verhandelte um Frieden.
Die Bürger von Paris nahmen die Verwaltung ihrer Stadt selbst in die
Hand. So begann, was als Pariser Kommune in die Geschichte einging.
Unter den Augen der deutschen Belagerer und des Versailler Regimes
entwickelten sich Grundzüge eines sozialistischen Gemeinwesens. Es
verzichtete fast vollständig auf Repression, um sich auch in der
Wahl der Mittel vom Gegner zu unterscheiden. Wohl auch aus diesem
Grund konnten französische und deutsche Truppen die Kommune nach nur
72 Tagen im Blut ersticken. Vor dem historischen Hintergrund
diskutiert Florian Grams auch ihre Bedeutung für heute.
Elizabeth
Gurley Flynn: SABOTAGE. Die bewusste Verringerung der
industriellen Effizienz. Übersetzt und mit einer Biografie versehen
von Ruth Schäfer. Verlag Trikont - Dialog-Edition 2016. 58 S.
(NB1354) 8 Euro
Wenn der Streik im Kampf um soziale
Gerechtigkeit nicht mehr reicht: "Dann wendet die Sabotage an".
In ihrem Pamphlet Sabotage erläutert Elizabeth Gurley Flynn,
Gründerin einer Bürgerrechts-Union aus den USA, wie der Arbeiter
seinem Boss - neben dem Streik - noch so an den Kragen gehen kann.
Wie er mit einfachen Mitteln die Lächerlichkeiten engstirniger
Vorschriften offensichtlich machen kann. Wie man dem Richter an den
Magen geht und nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle
anderen, bessere Verhältnisse schafft.
Mit ihrem Aufruf zur
Unterstützung des Angeklagten F. Sumner Boyd, und ihrer moralischen
Rechtfertigung der Sabotage ermöglicht Elizabeth Gurley Flynn dem
Leser Einblick in die nicht vorstellbaren Bedingungen der Minen- und
Eisenbahnarbeiter, Weber und Kellner des frühen 20. Jahrhunderts und
deren Kampf um mehr soziale Gerechtigkeit.
Jack
Black: Im Knast und auf der Flucht. Aus dem amerikanischen
Englisch übersetzt von Axel Monte und Jerk Götterwind,
Illustrationen von Horst Kirstein. Verlag Trikont / Dialog-Edition.
156 S. (NB1355) 15 Euro
Jack Black (1871-1933) war ein
amerikanischer Eisenbahntramp und berüchtigter Einbrecher, der durch
seine autobiographischen Schriften zu Berühmtheit gelangte. Der
belesene und eloquente Black war ein literarischer Glücksfall, weil
er dem Leben im kriminellen Milieu authentisch Ausdruck zu geben
vermochte. So wurde er zu einem Pionier und Vorläufer des
True-Crime- und Hard-Boiled-Genres.
Nachdem die anfängliche
Hobo- und Ganovenromantik des Jugendlichen verflogen ist, versucht
Black dem immer brutaler werdenden Teufelskreis aus Knast, Ausbrüchen
und Flucht zu entkommen. Mit Hilfe des Philanthropen Fremont Older
kommt er schließlich frei. Diese Zeit zwischen Verzweiflung und
Hoffnung schildert er eindringlich in "Im Knast und auf der
Flucht".
Da er selbst die unmenschlichen Haftbedingungen in
Folsom und anderen Gefängnissen erlebt hat, engagiert er sich in
Vorträgen und Essays für Reformen im Strafvollzug. Im Jahr 1933
verschwindet Jack Black, der unter gesundheitlichen und finanziellen
Problemen litt, spurlos aus seiner Wohnung in New York. Es wird
vermutet, daß er Selbstmord begangen hat.
Sebastian
Haffner: Die deutsche Revolution 1918/19. Rowohlt 2018. 268 S.
(NB839) 15 Euro.
"Nüchtern und doch mitreißend setzt
Sebastian Haffner sich mit markanten Personen und Ereignissen
auseinander, greift politische Probleme, Phänomene und Theorien auf.
Seine Ausführungen, die teils Zustimmung, teils Widerspruch
provozieren, geraten dank seines Formulierungsvermögens zu
Literatur." (Klappentext). Standardwerk über eines der wichtigsten
Ereignisse der Zeitgeschichte, zudem von hohem literarischem Rang.
Haffner unterzieht die Sozialdemokratie einer geradezu vernichtenden
Kritik. Haffners Buch erschien zuerst 1969, in einer Zeit, in der die
Konfliktlinien der Revolution und Konterrevolution von 1918/19 sich
in der aktuellen politischen Auseinandersetzung unmittelbar
widerspiegelten. Das Buch erschien ursprünglich unter dem Titel "Die
verratene Revolution", zehn Jahre später noch einmal unter dem
Titel "Der Verrat".
Gerd
Fesser: Deutschland und der Erste Weltkrieg.
PapyRossa Verlag 2014 (Reihe Basiswissen). 124 S. Pb. (NB1281) 9,90
Euro
Gerd Fesser analysiert die internationale
Konstellation und die Faktoren, deren Zusammenwirken im August 1914
in den Großen Krieg einmündete: die Rivalität der
imperialistischen Großmächte, den Wettlauf um Kolonien und
Einflußgebiete, die Konkurrenz um Weltmarktpositionen und
Anlagesphären. Den Schwerpunkt legt er auf das Deutsche Reich und
seine Weltpolitik. Er kennzeichnet die kriegstreiberische Politik der
Reichsregierung in der Julikrise 1914, behandelt die militärischen
und innenpolitischen Entwicklungen der Jahre 1914 bis 1918,
untersucht die Kriegszieldebatte, die Entfaltung der
Antikriegsopposition, die Kriegswirtschaft sowie Alltag und Kultur im
Krieg. Nach einem Überblick über die Revolutionen vom Februar und
Oktober 1917 in Russland und ihren Auswirkungen schließt er seine
Darstellung ab mit dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und der
Novemberrevolution 1918. Eine kurze Auseinandersetzung mit der
neueren Geschichtsschreibung rundet den Band ab.
Gerd Fesser,
Dr. phil, Jg. 1941. Nach dem Studium der Geschichte in Leipzig
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Geschichte der
Akademie der Wissenschaften der DDR und bis 1996 am Historischen
Institut der Universität Jena. Veröffentlichungen über das
Wilhelminische Kaiserreich und über die anti-napoleonischen Kriege,
schreibt für "Die Zeit".
Fritz
Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des
kaiserlichen Deutschland 1914/18. Droste Verlag Neuausgabe 2013. 576
S. (NB1287) 24,95 Euro
Mit dieser berühmten Analyse der
umstrittenen Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland griff der
Hamburger Historiker zum ersten Mal einen Fragenkreis auf, der, wie
Fischer nachweist, eine zentrale Stellung in der deutschen Politik
während des Ersten Weltkrieges einnahm. Fischers Ergebnisse, von
maßgebendem Einfluß auf Forschung, Lehre und Öffentlichkeit, fußen
auf bis dahin nicht erschlossenen Akten.
Richard
Müller: Eine Geschichte der Novemberrevolution.
Vom Kaiserreich zur Republik - Die Novembverrevolution - Der
Bürgerkrieg in Deutschland. Mit einer Einleitung von Ralf Hoffrogge.
Die Buchmacherei 2011. 756 S. (NB1260) 22,95 Euro
Neuausgabe
der Bände "Vom Kaiserreich zur Republik", "Die
Novemberrevolution", "Der Bürgerkrieg in Deutschland".
In
einer historischen Trilogie unter dem Obertitel "Vom Kaiserreich
zur Republik" verfaßte Richard Müller, Metallarbeiter und
Vorsitzender des Vollzugsrats der Arbeiter- und Soldatenräte zur
deutschen Novemberrevolution, einen ungewöhnlichen
Zeitzeugenbericht. Seine packend erzählten Bände inspirierten
Historiker wie Sebastian Haffner und sind Standardwerk und Geheimtipp
zugleich. Seit Oktober 2011sind die drei Bände in einem Band
gebündelt wieder verfügbar, mit Chronologie und Personenregister.
Stefan
Bollinger: November '18. Als die
Revolution nach Deutschland kam. edition ost 2018. 256 S. (NB1422)
14,99 Euro
Im November vor 100?Jahren zerbrach die
Monarchie, weil die Deutschen es leid waren, weiter Krieg zu führen
und zu hungern. Nach russischem Beispiel entstanden Arbeiter- und
Soldatenräte. Und während die einen die sozialistische Republik
Deutschland gründen wollten, kanalisierten die anderen den
revolutionären Furor und gründeten zu Weimar einen
bürgerlich-demokratischen Staat. So blieb die Weltrevolution aus,
auf die die Russen gesetzt hatten. Stefan Bollinger untersucht
Umstände und Konsequenzen dieser halben oder doch ganzen Revolution
und analysiert die Auswirkungen in der Gegenwart.
Klaus
Gietinger: November 1918 - Der verpasste Frühling des 20.
Jahrhunderts. Mit einem Vorwort von Karl Heinz Roth.
Edition Nautilus, März 2018. Broschur, 272 Seiten. (NB1404 bes) 20
¤.
Ein flammendes Plädoyer dafür, die verpasste soziale
Revolution zwischen Kieler Matrosenaufständen und Weimarer Republik
dem Vergessen zu entreißen!
100 Jahre nach dem November 1918
spricht man nur noch vom "Kriegsende", vom "Zusammenbruch
des Kaiserreichs".
Dabei war die Novemberrevolution
tatsächlich ein Aufbruch, ein Aufbäumen gegen die herrschenden
Klassen. Matrosen, Soldaten und Arbeiter waren noch bewaffnet - und
sie hatten genug von den alten Eliten, sie wollten das allgemeine
Wahlrecht, die Sozialisierung, die Zerschlagung des Militarismus und
die Revolution - ein für alle Mal, jetzt oder nie!
Klaus
Gietinger ruft in Erinnerung, wie die Führung der SPD und der
Gewerkschaften den Krieg hingegen bis zum Schluss unterstützten und
die Ordnung durch ein Bündnis mit den Militärs aufrechterhalten
wollten. Diese unversöhnliche Spaltung der Arbeiterbewegung aber hat
der Novemberrevolution den Todesstoß versetzt. Das Ergebnis waren
auf Rache sinnende Herrschende in Wirtschaft, Verwaltung und Militär,
die den verlorenen Krieg ihren zeitweiligen Verbündeten in den
Arbeiterbürokratien geschickt anlasteten und auf eine Diktatur mit
neuerlichem Weltmachtsstreben und Krieg hinsteuerten.
Dabei war
der Kapitalismus auch international nie so gefährdet wie im November
1918. In zahlreichen europäischen Staaten begehrten die Massen auf.
Wäre es in Deutschland gelungen, Basisdemokratie und echte Rätemacht
zu verwirklichen, hätte die russische Oktoberrevolution eine Chance
auf Humanisierung gehabt, und das 20. Jahrhundert hätte ganz anders
verlaufen können.
"Klaus Gietinger gibt einen
konzentrierten Überblick über die wesentlichen Etappen der
revolutionären Nachkriegskrise, die zu Unrecht auf ihren Auftakt von
Anfang November 1918 verkürzt wird." Karl Heinz Roth
Klaus
Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal. Die Ermordung Rosa
Luxemburgs. Neu durchgesehene, überarbeitete Ausgabe. Edition
Nautilus 2009. 192 S. mit 70 Abbildungen. (NB1108) 18 Euro.
Die
Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ist eine der großen
Tragödien des letzten Jahrhunderts. Kaum ein politischer Mord hat so
sehr die Gemüter bewegt und das politische Klima in Deutschland
verändert wie jener in der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 vor
dem Hotel mit dem paradiesischen Namen "Eden". Der Mord war
Auftakt für weitere politische Morde und nicht nur das. Der Fall
Luxemburg/Liebknecht war sozusagen der Sündenfall, nach dem die
Grundlagen für den deutschen Faschismus gelegt wurden. Über Jahre
hinweg folgten Verdrehungen, Verdunklungen, Vorschubleistungen,
falsche Verdächtigungen und Selbstbezichtigungen. Eine
"Justizposse", die als einer der großen Justizskandale des
vergangenen Jahrhunderts bezeichnet werden muß, machte aus der
Tragödie eine Groteske. Gietinger hat seine akribischen Recherchen
zu einem spannenden Text zusammengefügt und entlarvt in aller
Klarheit Mörder und Drahtzieher.
Paul
Frölich: Die Bayrische Räte-Republik. Edition 100 bei ISP -
Bibliothek des Anderen Buchladen Karlsruhe. 128 S. (NB674) 15
Euro
Reprint der Ausgabe aus dem Frankes Verlag Leipzig 1920.
Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis. Dietz-Verlag Berlin. 104 S. Ln. (NB71) 8 Euro
Fritz
Keller, Stefan Kraft: Rosa Luxemburg. Denken und Leben einer
internationalen Revolutionärin. Pro Media Verlag - Edition Linke
Klassiker 2005. 176 S. (NB808) 14,90 Euro
"Wir müssen den
ganzen 'Patriotismus' unserer höheren politischen Schichten für
einen gemeinen Volksbetrug halten! Nicht hinter ihnen, nicht mit
diesen Grundbesitzern und Bürgerlichen dürfen wir gehen, sondern
gegen sie!" Wortgewaltig und energiegeladen setzt sich Rosa
Luxemburg gegen den Militarismus genauso ein wie für die
internationale Solidarität der arbeitenden Klasse. Ihr Werk, hier
ausführlich und fachkundig kommentiert, beschäftigt sich mit dem
sozialen Elend zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit der
Frauenemanzipation und den Rechten des Individuums, der politischen
und gewerkschaftlichen Organisation, der russischen Revolution, dem
Imperialismus und den Perspektiven der sozialistischen Bewegung. Rosa
Luxemburg gab bereits mit 22 Jahren eine revolutionäre Zeitschrift
heraus. 1898 nahm sie die deutsche Staatsbürgerschaft an und
engagierte sich im linken Flügel der SPD. Die Zustimmung der
deutschen Sozialdemokratie zum Ersten Weltkrieg fand in ihr eine
vehemente Gegnerin. Sie vierließ die Partei und gründete gemeinsam
mit Karl Liebknecht den Spartakusbund als Vorläufer der KPD. Ihre
Ermordung im Januar 1919 versetzte der gerade entstandenen
kommunistischen Bewegung Deutschlands einen schweren Schlag.
Otto
Rühle: 1848. Revolution in Deutschland. Unrast Verlag, Klassiker
der Sozialrevolte. 120 S. Mit einigen Abb. (NB707 bes) 10
Euro
Nachdruck aus dem dreibändigen Werk "Die Revolutionen
Europas".
Erich
Mühsam: Die Einigung des revolutionären Proletariats im
Bolschewismus. Unrast Verlag 2015 (Klassiker der Sozialrevolte
Band: 24). 240 S. (NB1325 bes) 14 Euro
Erich Mühsam plädiert
hier - unter dem Eindruck des nationalistischen Rechtsrucks in
Deutschland - für eine Verständigung der verschiedenen
revolutionären Strömungen. Er versucht damit, "eine äußerst
scharfe, unübersteigbare Linie gegen rechts" zu ziehen. Spannend
zu lesen und schon seinerzeit nicht unumstritten.
In einem
zusätzlich angefügten Dokumententeil werden darüber hinaus
historische Stellungnahmen beigefügt, die sich mit dem von Mühsam
angesprochen Thema beschäftigen, wie auch mit Mühsams
KPD-freundlicher Einstellung zu jener Zeit.
Franz
Jung: Die Technik des Glücks. Mehr Tempo! Mehr Glück! Mehr
Macht! Edition Nautilus 1987. Band 6 der Werkausgabe. Klappenbroschur
184 S. (NB1432) 20 ¤
Dieser Band umfasst Jungs
theoretisches Hauptwerk, das erstmals 1921 und 1923 in zwei Teilen
veröffentlicht wurde. Geschrieben in einer analysierenden und
erzählenden Prosa, verdichtet Jung Gesellschaftskritik,
Psychoanalyse, Utopie und Politik zu einer Handlungsperspektive
kritischer Praxis. Für Jung bewirkt die innere Vereinsamung des
Einzelnen die Herausbildung einer parasitären Lebensfeindlichkeit.
Diese gilt es aufzusprengen, um der Katastrophenempfänglichkeit des
Vereinzelten entgegenzuwirken.
Ausgehend von Otto Groß greift
Jung in vielen seiner Ansichten Wilhelm Reich voraus.
Dies Buch
ist durch seine intellektuelle Wucht ein originäres Dokument der
europäischen Bewusstseinskrise, die fortdauert, zugleich Antwort wie
auch Teil derselben. Im Nachwort zu diesem Band schlüsselt Rembert
Baumann erstmals Begrifflichkeit und Bedeutung dieses Werkes auf.
Franz
Jung: Der Weg nach unten. Aufzeichnungen aus einer großen Zeit.
Edition Nautilus 2019. 442 S. (NB417) 22 Euro
Franz Jung
(1888-1963) gilt als eine der verwegensten Persönlichkeiten der
deutschen Literatur. Wo immer neue Horizonte gesucht wurden, war Jung
dabei, um am Ende unversöhnlich gegen die Illusionen anzugehen.
Rigoroser hat selten jemand sein Leben beschrieben (Klappentext).
Volker
Hermsdorf: Die Kubanische Revolution. PapyRossa Verlag 2015
(Reihe Basiswissen). 132 S. (NB1323 bes) 9,90 ¤
Wie kein
anderes Land der Region beeinflusst Kuba die Entwicklung ganz
Lateinamerikas. Sein alternatives Gesellschaftsmodell ist auch
darüber hinaus Vorbild für viele Länder des Südens und allgemein
Beleg dafür, daß eine andere Welt möglich ist. Voraussetzung dafür
war der Sieg der Revolution über die Diktatur Fulgencio Batistas am
1. Januar 1959. Dessen nach Miami geflüchtete Anhänger versuchen
seitdem mit Unterstützung Washingtons vergeblich, einen
Systemwechsel auf der sozialistischen Karibikinsel zu erzwingen. Da
auch terroristische und andere subversive Methoden nicht zum Ziel
geführt haben, sah sich US-Präsident Obama zu einer Kurskorrektur
genötigt. Beginnend mit der Revolution und ihren Wurzeln, vermittelt
Volker Hermsdorf einen Überblick über die Geschichte des Landes,
bis hin zu seinen aktuellen Problemen und seiner Bedeutung für das
Modell einer multipolaren Welt ein. Abschließend behandelt er das
"Tauwetter" in den Beziehungen zu den USA und zur EU.
Volker
Hermsdorf, Jg. 1951, war Redakteur bei der "Hamburger Morgenpost"
und Korrespondent der Zeitschrift "Metall", schreibt heute u.a.
für "junge Welt", "Ossietzky" und das alternative
Medienportal "Cubainformacion" in Bilbao. Pendelt zwischen Kuba
und Hamburg.
Wolfgang
Schneider (Hg.): Kuba libre. Eine Insel spielt nicht mit. Konkret
2002. 168 S. (NB618) 12,80 Euro
Das Buch beschreibt die
Geschichte der kubanischen Revolution, ihre Leistungen und ihre
momentanen Schwierigkeiten sowie ihre mögliche Zukunft. Es
präsentiert aktuelle politische Analysen und Kommentare von Fidel
Castro. Beiträge von Ernst Fidel Fürntratt-Kloep, Herman L.
Gremliza, Miriam Lang, Conrad Schuhler u.a.
Gerd
Schumann: Kolonialismus, Neokolonialismus, Rekolonisierung.
PapyRossa Verlag 2016 Reihe Basiswissen. 126 S. (NB1371) 9,90
Euro
"Basiswissen" bringt in handlicher Form leicht
verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik,
Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie.
Die lange Geschichte des
Kolonialismus durchlief verschiedenartige, jeweils entsprechend der
Produktivkraftentwicklung ineinander übergehende Phasen: Von den
Sklavenhaltergesellschaften der Antike über die Hochzeiten der
europäischen Entdecker und Plünderer und deren Erben im
Kapitalismus. Sie reicht bis zu den imperialen und neokolonialen
Konquistadoren der Moderne, die sich im Zeichen der >Globalisierung<
überkommener kolonialistischer Methoden bedienen. Und der
neuzeitliche Kolonialismus ist, so der bolivianische Präsident Evo
Morales, der >politische und ideologische Zwilling< des
Imperialismus. Beide erleben mit der aktuellen Rekolonisierung eine
neue Blüte und zeigen zugleich offen ihr gewalttätiges Wesen.
Andererseits war die koloniale Repression allzeit begleitet von
Widerstand, der im 20. Jahrhundert streckenweise eine
Entkolonisierung erreicht hat. Allerdings haben die
Befreiungsbewegungen, die diese Phase prägten, ihre aktuellen
Pendants noch nicht gefunden. Gesucht werden: Neue Formen des
Internationalismus und der Solidarität.
Josef
(Moe) Hierlmeier: Internationalismus. Eine Eiführung in seine
Ideengeschichte - von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Schmetterling Verlag, Reihe theorie.org. 2., erweiterte Auflage 2006.
216 S. (NB940) 10 Euro
Ein kompakter Überblick zur
Geschichte einer zentralen Bewegung der Linken und zugleich eine
reflektierende Einführung in ihre wesentlichen Debatten sowie
philosophischen und soziologischen Grundlagen. Ausgangspunkt der
Betrachtungen ist dabei nicht die Situation in den Ländern des
Trikonts, sondern die Wahrnehmung der sogenannten Dritten Welt und
ihre Projektion auf die gesellschaftlichen Verhältnisse hierzulande.
Vom ausgeprägten ideengeschichtlichen Optimismus der 60er und 70er,
über die lebensphilosophischen Theoreme der 80er bis hin zu den
dialog- und konsensorientierten Ansätzen des vergangenen Jahrzehnts
zeichnet der Autor die theoretischen Raster einer ebenso wichtigen
wie widersprüchlichen politischen Bewegung nach und fragt nach
Perspektiven und neuen Denkansätzen. Die 2., überarbeitete und
aktualisierte Auflage wurde durch ein Kapitel zu den theoretischen
Grundlagen der Bewegung (Negri, Hardt, Deleuze/Guattari etc.) gegen
die neoliberale Globalisierung erweitert.
Thomas
Schroedter: Antiautoritäre Pädagogik. Zur Geschichte und
Wiederaneignung eines verfemten Begriffs. Schmetterling Verlag, Reihe
Theorie.org 2007. 204 S. (NB1005) 10 Euro
Der Begriff
"Antiautoritäre Erziehung" leidet heute in der Wissenschaft an
einer kenntnisarmen "Verteufelung". Daher besteht nachhaltiges
Interesse an einer überschaubaren und zugleich fundierten
Darstellung antiautoritärer Theorie und Praxis. Vorgestellt werden
die wesentlichen Merkmale antiautoritärer Pädagogik, ihre
Theoretiker und die Institutionen, in denen Ansätze einer solchen
Pädagogik verfolgt wurden und werden. Vor dem Hintergrund der
Geschichte autoritärer Erziehung und der Kritik an dieser, wird die
Aktualität antiautoritärer Pädagogik hergeleitet. Insbesondere die
Antworten konservativer Pädagogik als Reaktion auf Gewalt von
Schülern werden Problematisiert und mit einer herrschaftskritischen
Analyse konfrontiert. Neben Theorie und Praxis der
Kinderladenbewehung der späten 60er Jahre werden Vorläufer und
pädagogische Ansätze beachtet wie die politischen Strömungen.
Irmgard
Keun: Gilgi - eine von uns. Roman. Ullstein Taschenbuch 2025.
240 S. (NB809) 12,99 Euro.
Die Geschichte des Mädchens Gilgi
im Köln der 20er Jahre, mit der die 26jährige Irmgard Keun 1931
über Nacht berühmt wurde.
Irmgard
Keun: Das kunstseidene Mädchen. Roman. Ullstein Taschenbuch
2024. 208 S. (NB1391) 11,99 Euro
Doris ist Sekretärin bei
einem zudringlichen Rechtsanwalt. Sie will nicht mehr tagaus tagein
lange Briefe tippen, sondern ein Star werden. Sie will in die große
Welt, ins Berlin der Roaring Twenties. Irmgard Keun hat Doris'
kunstseidene Abenteuer " naiv und brillant, witzig und
verzweifelt, volkstümlich und feurig" beschrieben (Hermann
Kesten). Bunte Unterhaltung in Verbindung mit satirischer Zeitkritik
- eine seltene Einheit.
Irmgard
Keun: Nach Mitternacht. Roman. Ullstein Taschenbuch 2023. 192 S.
(NB752) 12.99 Euro
Als 16jährige erlebt Susanne Moder die
"Machtergreifung" und in den folgenden vier Jahren, wie der
Terror in das kleinbürgerliche Leben eindringt. Sie muß sich
entscheiden.
Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen. Mit einem Nachwort von Thomas Rosenlöcher. Insel Taschenbuch (insel klassik) 144 S. (NB1416) 6,50 Euro
Charles Chaplin: Die Geschichte meines Lebens. Fischer Taschenbuch. 510 S. (NB328) 16 Euro
Dominique
Manotti: Hartes Pflaster. Roman. Mit einem Interview mit
Dominique Manotti. Assoziation A 2004 (Serie Noir) 336 S. (NB770) 16
Euro
"Noir ist das Signet einer neuen Reihe im Verlag
Assoziation A, die sich ausschließlich dem roman noir widmet. Eine
in Frankreich sehr erfolgreiche zeitgenössische Form, Geschichte zu
erzählen. In dieser Reihe erscheinen nur solche Krimis, die noch
nicht auf deutsch veröffentlicht wurden, aber in Frankreich so links
wie erfolgreich sind." (Verlagsmitteilung).
Howard
Fast: Spartacus. Mit einer Einführung von Howard Fast und einem
Nachwort von Raphael Zehnder. Unionsverlag 2005. 384 S. (NB1011)
11,90 Euro
Rom im Jahr 73 vor unserer Zeitrechnung.
Besonderer Beliebtheit beim Publikum erfreuen sich die
Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod. Auch der Sklave Spartacus ist
von der Bergwerken der Nubischen Wüste in die Gladiatorenschule von
Capua verschleppt worden. Als er und seine Mitgefangenen rebellieren,
wird aus der lokalen Revolte ein Flächenbrand: Spartacus führt den
größten Sklavenaufstand der Geschichte an, der das Römische Reich
in seinen Grundfesten erschüttert. Howard Fasts historischer Roman
entwirft ein Panorama der römischen Gesellschaft. Der 1951
erschienene Roman wurde 1960 von Stanley Kubrick verfilmt.
Hauptdarsteller und Produzent Kirk Douglas setzte sich dafür ein,
daß neben dem Autor Howard Fast auch andere Filmschaffende, die auf
der "Schwarzen Liste" des "Kommunistenjägers" Joseph
McCarthy standen, an der Produktion beteiligt wurden.
Martin Andersen Nexö: Die Küste der Kindheit. Die schönsten Erzählungen. Aufbau Taschenbuch 2001. 320 S. (NB344) 7,95 Euro
Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür und ausgewählte Erzählungen. Mit einem Nachwort von Heinrich Böll. Rororo 1956. 128 S. (NB121) 5,95 Euro
Anna
Seghers: Überfahrt. Eine Liebesgeschichte. Aufbau Taschenbuch
1997. 144 S. (NB185z) 7,15 Euro
"Mit einer Abfahrt ist
nichts zu vergleichen. Keine Ankunft, kein Wiedersehen. Man läßt
den Erdteil endgültig hinter sich zurück. Und was man dort auch
alles erlebt hat an Leiden und Freuden, wenn die Schiffsbrücke
hochgezogen wird, dann liegen vor einem drei reine Wochen Meer."
Anna
Seghers: Karibische Geschichten. Aufbau Taschenbuch 2000. 256 S.
(NB245) 6 Euro
Die Hochzeit von Haiti; Wiedereinführung der
Sklaverei in Guadeloupe; Das Licht auf dem Galgen.
Anna Seghers: Das siebte Kreuz. Ein Roman aus Hitlerdeutschland. Aufbau Taschenbuch 2000. 448 S. (NB247) 9,99 Euro
Anna Seghers: Die Rettung. Roman. Aufbau Taschenbuch 1995. 528 S. (NB266z) 9,15 Euro
Anna
Seghers: Transit. Roman. Aufbau Taschenbuch 2018. 318 S. (NB267)
12 Euro
Über die Flucht der Emigranten aus dem besetzten
Frankreich.
Anna Seghers: Sonderbare Begegnungen. Drei Erzählungen. Aufbau Taschenbuch 1994. 144 S. (NB439z) 6,55 Euro
Anna
Seghers: Sämtliche Erzählungen 1924-1980. Aufbau Taschenbuch 6
Bände im Schuber. (NB184) 39 Euro
Erzählungen schrieb Anna
Seghers ein Leben lang. Geschichten waren die ersten Arbeiten, die
sie veröffentlichte, und die letzten. Mit dieser Sammlung sind,
chronologisch geordnet, erstmals alle zugänglichen Erzählungen von
Anna Seghers zusammengefaßt. In sechs Bänden ist ein unglaublich
facettenhaftes Werk gebündelt, das Erzählungen bietet, die zu den
schönsten der deutschen Literatur gehören.
Lion Feuchtwanger: Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis. Roman. Aufbau Taschenbuch 2000. 608 S. (NB182) 14,99 Euro
Lion Feuchtwanger: Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz. Roman. Aufbau Taschenbuch 1995. 880 S. (NB274) 12,99 Euro
Lion Feuchtwanger: Exil. Roman. Aufbau Taschenbuch 1998. 864 S. (NB276) 18 Euro
Lion Feuchtwanger: Die Jüdin von Toledo. Roman. Aufbau Taschenbuch. 512 S. (NB1424) 14 Euro
Heinrich Mann: Ein ernstes Leben. Roman. Mit einem Nachwort von Elke Segelcke und einem Materialienanhang. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden 1991. 336 S. (NB228) 9,90 Euro
Heinrich Mann: Der Untertan. Roman. Fischer Taschenbuch. 496 S. (NB288) 11 Euro
Heinrich Mann: Professor Unrat. Roman. Rororo 190 S. (NB289) 9,99 Euro
Heinrich Mann: Die Armen. Roman. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 320 S. (NB293) 9,95 Euro
Heinrich Mann: Empfang bei der Welt. Roman. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 464 S. (NB294) 9,90 Euro
Heinrich Mann: Flöten und Dolche. Novellen. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 160 S. (NB296) 6,40 Euro
Klaus Mann: Mephisto. Roman einer Karriere. Rororo. 402 S. (NB332) 8,90 Euro
Klaus Mann: Der Wendepunkt. Ein Lebensbericht. Mit einem Nachwort von Frido Mann. Rororo. 542 S. (NB333) 9,90 Euro
Klaus Mann: Der Vulkan. Roman unter Emigranten. Mit einem Nachwort von Michael Töteberg und 30 Szenenfotos aus der Verfilmung von Ottokar Runze. Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. Rororo. 576 S. (NB529) 9,90 Euro
Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg. Edition suhrkamp. 128 S. (NB470) 5,50 Euro
Bertolt Brecht: Der kaukasische Kreidekreis. Edition suhrkamp. 132 S. (NB463) 5 Euro
Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan. Parabelstück. Edition Suhrkamp. 158 S. (NB465) 5,50 Euro
Bertolt Brecht: Die heilige Johanna der Schlachthöfe. Edition suhrkamp. 160 S. (NB467) 6 Euro
Bertolt Brecht: Herr Puntila und sein Knecht Matti. Volksstück. Edition suhrkamp. 144 S. (NB469) 5,50 Euro
Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper. Edition suhrkamp. 128 S. (NB461) 5,50 Euro
Bertolt Brecht: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Oper. Edition suhrkamp. 112 S. (NB466) 6 Euro
Bertolt Brecht: Baal. Drei Fassungen. Kritisch ediert und kommentiert von Dieter Schmidt. Edition suhrkamp. 232 S. (NB464) 9,00 Euro
Bertolt Brecht: Die Maßnahme. Zwei Fassungen. Anmerkungen. edition suhrkamp. 112 S. (NB1199) 7,50 Euro
Bertolt Brecht: Leben des Galilei. Schauspiel. Edition suhrkamp. 144 S. (NB460) 5,50 Euro
Bertolt Brecht: Schwejk im zweiten Weltkrieg. Edition suhrkamp. 128 S. (NB462) 7,50 Euro
Bertolt Brecht: Furcht und Elend des Dritten Reiches. Edition suhrkamp. 144 S. (NB468) 7 Euro
Bertolt Brecht: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui. Edition Suhrkamp. 144 S. (NB900) 5,50 Euro
Bertolt Brechts Hauspostille. Suhrkamp Taschenbuch. 168 S. (NB1305) 8 Euro
Bertolt
Brecht: Hundert Gedichte 1918-1950. Aufbau Verlag 1998. 268 S.
(NB476z) 12.50 Euro
Die von Wiland Herzfelde besorgte Auswahl
wurde von Brecht autorisiert und erschien erstmals 1951.
Bertolt Brecht: Buckower Elegien / Gedichte aus dem Exil. Insel-Bücherei. 56 S. Hc. (NB478) 9,80 Euro
Bertolt Brecht: Dreigroschenroman. Suhrkamp Taschenbuch. 400 S. (NB879) 13 Euro
Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner. Suhrkamp taschenbuch. 128 S. (NB471) 6 Euro
Bertolt Brecht: Kalendergeschichten. Rororo. 128 S. (NB474) 8,99 Euro
Bertolt Brecht: Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar. Romanfragment. Rororo. 158 S. (NB473) 4,50 Euro
Bertolt Brecht: Flüchtlingsgespräche. Suhrkamp taschenbuch. 176 S. (NB472) 7 Euro
Bertolt Brecht: Me-ti. Buch der Wendungen. Bibliothek Suhrkamp. 196 S. Hc. Mit SchU. (NB475) 12,80 Euro
Bertolt
Brecht: Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe.
Hg. von Werner Hecht, Jan Knopf, Werner Mittenzwei, Klaus D. Müller.
Suhrkamp Verlag. 30 Bände (33 Teilbände). Band 1-10: Stücke, Bd.
11-15: Gedichte, Bd. 16-20: Prosa, Bd. 21-25: Schriften, Bd. 26-27:
Jornale, Bd. 28-30: Briefe, Registerband. Jeder Band enthält einen
ausführlichen Apparat über Entstehung, Wirkung, Textfassungen und
einen Zeilenkommentar. ca. 22.000 Seiten, jeder Band Leinen mit
Schutzumschlag und zwei Lesebändchen. (NB 980) 1280 Euro
Die
meisten Bände sind noch einzeln lieferbar.
Brecht
Liederbuch. Herausgegeben und kommentiert von Fritz Hennenberg.
Suhrkamp Verlag 7. Aufl. 2017. 550 S. Paperback (NB1399) 18 ¤
Mit
Noten und Anmerkungen.
Karl
Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. Tragödie in fünf Akten
mit Vorspiel und Epilog. Mit einem Vorwort von Franz Schuh,
herausgegeben von Bernhard Fetz. Verlag Jung und Jung 2014 (Reihe
Österreichs Eigensinn). 800 S. Ln. (NB1285) 38 Euro
Einem
"Marstheater" hat Karl Kraus seine Weltkriegstragödie zugedacht
- weil sie mit ihren über 200 Szenen nicht nur im Umfang über
jede menschliche Vorstellung hinausgeht. Die Tragödie findet hier
nicht nur auf dem Theater statt, sie ist eine Katastrophe von
apokalyptischen Dimensionen, der Untergang der Welt in einer
"Extraausgabee". Und so endet der Krieg, gegen den Karl Kraus mit
satirischem Furor und moralischer Beschämung Krieg geführt hat,
hier nicht mit einem Frieden: "Dieser nicht." Denn: "Er hat
sich nicht an der Oberfläche des Lebens abgespielt, sondern im Leben
selbst gewütet. Die Front ist ins Hinterland hineingewachsen. Sie
wird dort bleiben." Und Karl Kraus spürt ihrem Verlauf nach: in
der Presse wie im Militärkommando, im Café wie am Schlachtfeld, im
Wurstelprater wie vorm Kriegsgericht und vor allem in dem von
Chauvinismus und Gewissenlosigkeit verseuchten Denken und Sprechen
seiner Zeitgenossen. Aus Erfundenem wie Gefundenem gestaltet Karl
Kraus ein großes Panorama des Schreckens, den tragischen Karneval
einer Menschheit im Vernichtungsrausch: ein literarisches Fanal,
Mahnmal und Monument.
Karl Kraus: Sittlichkeit und Kriminalität. Karl Kraus Schriften Bd. 1. Suhrkamp Taschenbuch. 384 S. (NB864) 10 Euro
Karl
Kraus: Aphorismen. Suhrkamp Taschenbuch. 544 S. (NB1301) 13
Euro
Die Aphorismensammlungen "Sprüche und
Widersprüche", "Pro domo et mundo" und "Nachts"
in einem Band.
Kurt
Tucholsky: Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte. rororo. 158
S. (NB447) 7,90 Euro
Dieses berühmte "Bilderbuch für
Verliebte", die sommerliche Wochenendfahrt zweier junger
Großstadtmenschen ins märkische Schloßstädchen, ist voll
liebenswürdiger Ironie und erotischem Charme. Neben den
biedermeierlich-poetischen Zeichnungen Kurt Szafranskis enthält
diese Neuausgabe auch noch eine Auswahl verwandter Prosa.
Kurt
Tucholsky: Deutschland Deutschland über alles. Ein Bilderbuch.
Montiert von John Heartfield. Rororo. 258 S. (NB449) 7,50 Euro
Dieses
Buch von deutscher Ungerechtigkeit, Verblendung und deutschem Hochmut
ist ein Schreckbild der "goldenen zwanziger Jahre". Zugleich aber
sind Tucholskys Kommentare zu Heartfields Fotomontagen eine Warnung
für die Gegenwart.
Kurt
Tucholsky: Deutsches Tempo. Texte 1911 bis 1932. rororo. 958 S.
(NB456) 10 Euro
Ergänzungsband zur zehnbändigen
Werkausgabe.
Kurt Tucholsky: Die Q-Tagebücher 1934-1935. rororo. 446 S. (NB452) 7,50 Euro
Kurt Tucholsky: Unser ungelebtes Leben. Briefe an Mary. rororo. 636 S. (NB454) 9,90 Euro
Kurt Tucholsky: Briefe aus dem Schweigen 1932-1935. Briefe an Nuuna. Rororo. 318 S. (NB453) 6,50 Euro
Kurt Tucholsky dargestellt von Michael Hepp. Rororo 1998 (rowohlts monographie). 192 S. Mit zahlr. Abb. (NB457) 8,95 Euro
Das Erich Kästner Lesebuch. Diogenes (detebe). (NB298) 12,00 Euro
Erich Kästner: Bei Durchsicht meiner Bücher. Dtv. (NB307) 6,60 Euro
Hans
Fallada: Wolf unter Wölfen. Roman. rororo. 1332 S. (NB1415)
12,99 Euro
In epischer Breite angelegte Schilderung des
Inflationsjahres 1923. Mit einem Nachwort zur Entstehungsgeschichte
des Romans.
Hans
Fallada: Jeder stirbt für sich allein. Roman. Aufbau Taschenbuch
2011. 704 S. (NB1421) 12,99 Euro
Auf Bitten von Johannes R.
Becher schrieb Fallada diesen Roman über das Leben der "kleinen
Leute" während der Nazi-Diktatur. Erstmals in der
ungekürzten Fassung, mit einem umfangreichen Anhang.
Hans
Fallada: Bauern, Bonzen und Bomben. Roman. rororo 2018. 720 S.
(NB1411) 9,99 Euro
Was Fallada als Berichterstatter im
"Landvolkprozeß" von 1928 erlebte, verarbeitete er zu einem
handlungsreichen Provinzroman. Tucholsky nannte Falladas Satire ein
"politisches Lehrbuch der Fauna Germanica, wie man es sich nicht
besser wünschen kann".
Der Kampf des Landvolks gegen
die verhaßte Bürokratie, gegen die verhaßte Republik,
der sich zum Kampf aller gegen alle ausweitet. Die Revolte von
rechts besiegelt das Scheitern der ersten Demokratie in Deutschland.
Hans
Fallada: Kleiner Mann - was nun?
Roman. Aufbau Taschenbuch. 556
S. (NB440) 14
Euro
Erstmals in der
Originalfassung. In
diesem bewegenden Roman, der zum Welterfolg wurde, schildert Fallada
das hoffungslose Leben der kleinen Angestellten in den letzten Jahren
der Weimarer Republik.
Hans Fallada: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt. Roman. Aufbau-Taschenbuch. 592 S. (NB548 bes) 12,99 Euro
B. Traven: Die Baumwollpflücker. Roman. Eine Edition der Büchergilde Gutenberg im Diogenes Verlag. B. Traven Werkausgabe Bd. 2. Taschenbuch 224 S. (NB1428) 12 ¤
B. Traven: Die Brücke im Dschungel. Roman. Eine Edition der Büchergilde Gutenberg im Diogenes Verlag. B. Traven Werkausgabe Bd. 3. Taschenbuch 208 S. (NB1429) 12 ¤
Erich
Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. Roman. KiWi. 224 S.
(NB325) 11 Euro
Eines der meistbeachteten Bücher gegen den
Krieg.
Erich
Maria Remarque: Arc de Triomphe. Roman. KiWi. 460 S. (NB327)
12,99 Euro
Die Geschichte des Arztes Ravic, der nach Paris
emigriert und hier den Vorabend des Zweiten Weltkriegs erlebt.
Hermann
Kant: Der Aufenthalt. Roman. Aufbau Taschenbuch 1994. 578 S.
(NB176) 10 Euro
"'Der Aufenthalt' ist eine
Passionsgeschichte mit Humor und ein Schelmenroman mit tragischen
Zügen. ... Wir haben Hermann Kant ein aufschlußreiches, ein
witziges Buch zu verdanken. Dieser Schriftsteller war und ist ein
harter und intelligenter Gegner unserer westlichen Welt. Zur
Herzlichkeit haben wir wahrlich wenig Grund. Aber doch zu einer
knappen respektvollen Verneigung." (Marcel Reich-Ranicki).
Hermann Kant: Kormoran. Roman. Aufbau Taschenbuch. 272 S. (NB550) 7,95 Euro Ein Nach-Wende-Roman: Streitbar, bissig, amüsant.
Hermann Kant: Ein bißchen Südsee. Erzählungen. Aufbau-Taschenbuch. 192 S. (NB552) 6,50 Euro
Franz
Josef Degenhardt: Zündschnüre. Roman. Aufbau Taschenbuch 1996.
224 S. (NB178z) 8 Euro
Sie sitzen auf Meurichs Mauer, und
ihnen entgeht nichts, was in der Siedlung, im Werk oder im
Russenlager passiert. Während die Väter im Krieg sind oder im KZ,
beginnen Fänä und seine Kumpane unbekümmert um jede Gefahr und
lustvoll fortzusetzen, was ihnen ihre Leute vorgelebt haben: die
Dreizehn-, Vierzehnjährigen greifen in den scheinbar so
unaufhaltsamen Gang der Dinge ein; sie sabotieren, plündern,
versuchen eine Partisanenarmee zu gründen und verstecken Leute.
Franz Josef Degenhardt: Brandstellen. Roman. Aufbau Taschenbuch 1997. 320 S. (NB179z) 9 Euro Die Fotzsetzung von "Zündschnüre" in den 70er Jahren.
Franz
Josef Degenhardt: Der Mann aus Fallersleben. Die Lieben des
August Heinrich Hoffmann. Roman. Aufbau Taschenbuch 1996. 446 S.
(NB323z) 9,15 Euro
August Heinrich Hoffmann, der sich von
Fallersleben nannte, Verfasser der Deutschland-Hymne und
volkstümlicher Kinderlieder, war einer der meistverehrten und
meistverfolgten Männer seiner Zeit: Ein Professor und Poet,
streitbar, schwärmerisch und vielfach gedemütigt, wie andere Vor-
und Nachmärz-Liberale wegen aufrührerischer Gesinnung aus vielen
Orten ausgewiesen, ständig in unsicheren Verhältnissen und ständig
- meist unglücklich - verliebt.
Franz
Josef Degenhardt: Die Abholzung. Roman. Aufbau Taschenbuch 1999.
320 S. (NB324z) 9,15 Euro
Rettungsaktion für ein bedrohtes
Waldstück. Ein Bürgerkomitee kämpft gegen Bauunternehmer und
Bürgermeister. Doch wie soll sich der Erfolg einstellen, wenn selbst
die Umweltschützer nicht frei sind von Korruption und Egoismus?
George
Martin, Jeremy Hornsby: Es begann in der Abbey Road. Der geniale
Produzent der Beatles erzählt. Hannibal Verlag 2013. 336 S., zahlr.
Fotos (NB1261) 24,99 Euro
Er sah das große musikalische
Potential der Beatles voraus und nahm sie für EMI unter Vertrag. Von
ihrem ersten Hit "Love Me Do" an produzierte er die Beatles und
ließ ihre Ideen in den legendären Abbey Road-Studios zu
Musikaufnahmen werden. Sir George Martin gilt heute zurecht als der
"fünfte Beatle", denn er wurde zum Arrangeur und Ideengeber der
Band. Und es war seine Entscheidung, Schlagzeuger Ringe Starr in die
Band aufzunehmen... Andere Plattenfirmen wie Decca und Philips hatten
die Band aus Liverpool bereits abgelehnt. George Martin hörte sich
dennoch die Decca-Aufnahmen an: "Ziemlich lausig, schlecht
balanciert, Songs von einer sehr ungeschliffenen Gruppe. Aber
irgendetwas klang interessant", erinnert sich Martin in seinem
Buch. Von den ersten Aufnahmen 1962 über die Experimente bei
"Sergeant Pepper's" bis zu den Solo-Projekten von Ringo Starr und
Paul McCartney nach dem Ende der Beatles schuf er Klassiker. Details
aus Plattenverträgen, die Entwicklung der Studiotechnik seit den
1950er Jahren, die Marotten mancher Stars: Diese Autobiografie
schildert unterhaltsam und garniert mit vielen Anekdoten das Frühwerk
eines der erfolgreichsten Produzenten, der in 50 Jahren seines
Schaffens neben den Beatles auch für The Police, Elton John, Jeff
Beck, Michael Jackson und viele andere Stars Welthits produzierte.
Ein neuer, einzigartiger Blick hinter die Kulissen der Beatles!
Bob Dylan - Ein Kongreß. Ergebnisse des Interbationalen Bob Dylan Kongresses 2006 in Frankfurt am Main. Hg. von Axel Honneth, Peter Kemper und Richard Klein. Edition Suhrkamp. 352 S, (NB1366) 14 Euro
Anais
Nin: Die verborgenen Früchte. Fischer Taschenbuch 2005. 208 S.
(NB842) 8,95 Euro
Ein Maler, der seine Frau nur in seinen
Werken begehren kann, zwei Fremde am Strand, die im Meer zueinander
finden - sensibel und unverhüllt beschreiben die Geschichten der
Anais Nin die ganze Welt der Liebe. Bei aller Offenheit haben sie
dabei vor allem ein Ziel: zu zeigen, daß Sex erst durch Gefühle zu
wirklicher Erotik wird.
Helmut
Loeven: Streiten Sie nicht mit einem Deutschen, wenn Sie müde sind.
21 Polemiken. Situationspresse 2001. 128 S. Paperback. (NB1077) 10
Euro
21 polemische Aufsätze, die in den Jahren 1994 bis 2001
in dem satirischen Magazin DER METZGER erschienen sind, werden in
diesem Buch zu einer Collage der Gesellschaftskritik kompiliert.
Themen: 8. Mai; Stefan Heym als Alterspräsident und die
Schlammschlacht der Opportunisten (Biermann & Broder); Deutsche
"Leitkultur" als "Kultur" der Dummheit und Gehässigkeit;
die Taz; Afghanistan; Dunkelziffer; die Grünen; Viagra und der
Feminismus; Henryk M. Broders Geltungsbedürfnis; Jugoslawien;
Dienstleistungsgesellschaft; Kohl; Gesundheitspolitik; PDS; Gisela
Elsner; Mescalero-Affäre; "68".
Helmut
Loeven: Die Vegetarier von heute sind die Kannibalen von morgen.
Das philosophische Kabarett. 177 Glossen (Sie können Gedanken
lesen). Situationspresse 2003. 192 S. (NB1078) 10 Euro.
Eine
Auswahl von Glossen, die von 1992 bis 2003 in dem satirischen Magazin
DER METZGER erschienen sind, für diese Edition bearbeitet und zu
einer polemischen Collage komponiert. Die Kapitel: Call any
Vegetable; Kritik der reinen Unvernunft; Über das Reale; Die
Vegetarier von heute sind die Kannibalen von morgen; Aus der
Geschichte der Musik; Chauvinisten im Stimmbruch (gegen den
Etikettenschwindel der "Antideutschen"); Antworten; Heimatkunde.
Helmut
Loeven: Der Gartenoffizier. 124
komische Geschichten. Situationspresse 2008. 268 S. (NB1079) 20
Euro.
Komische Geschichten, schöne Geschichten,
Geschichten an Kaminen. "Dieses Buch ist ein Beitrag zur
Heimatkunde und zur Zeitgeschichtsforschung und ein Einspruch gegen
Verhältnisse, die nicht so sein sollten wie sie sind", sagte der
Autor. Und darum handeln die Geschichten auch von der Großen
Verweigerung. Schul-Geschichten, Rock-and-Roll- Geschichten, DER
METZGER, APO- und Ostermarsch-Geschichten, K-Gruppen-Geschichten,
Kommune-Geschichten, Bröselmaschine, Obelix-Geschichten,
Liebesgeschichten, Hut-Film-, Eschhaus- und Mister-Jöes-Geschichten,
Schöne-Frauen-Geschichten, Friedensdemo-Geschichten,
Uni-Geschichten, DISS, Dada, Weltbühne, UZ-Fest-Geschichten u.v.a.
"Mit Spaß-Guerilla hielten wir uns gar nicht erst auf; wir gingen
gleich zur Quatsch-Guerilla über."
Wiglaf Droste: Bombardiert Belgien & Brot und Gürtelrosen. Edition Tiamat. Gebunden. (NB427) 14 Euro
Wiglaf Droste / Gerhard Henschel: Der Mullah von Bullerbü. Roman. Edition Nautilus 2000. Hardcover mit Schutzumschlag. (NB225) 14,80 Euro
Siegmar
Wyrwich: Der achte Rodin. 196 S. (NB1440) 11,80 Euro.
Zwei
alte Freunde auf der Jagd nach einem verschollenen Kunstwerk, durch
dessen Fund sich für jeden von ihnen ein Traum erfüllen könnte.
Wenn nur nicht immer alles mögliche schiefgehen würde. Ein
Abenteuer zwischen Ruhrpott und Paris.
Stahlbaron August Thyssen
war begeisterter Sammler der Skulpturen des französischen Bildhauers
Auguste Rodin. Sieben Skulpturen hatte er nachweislich in Auftrag
gegeben. Doch, gab es vielleicht noch eine achte Skulptur, wie eine
bislang unentdeckte Tagebucheintragung vermuten lässt? Gästeführer
Paul Werner und sein Freund, der Bildhauer Manni Baumann, wollen der
Sache auf den Grund gehen. Die Geschichte einer Freundschaft.
Peter
Klucken in der Rheinischen Post:
Seine Geschichte entwickelt
Wyrwich mit leichter Feder: Der Duisburger Gästeführer Paul Werner,
ein studierter Halbverweigerer von möglichen "besseren"
Berufskarrieren, erfährt davon, dass der Stahlbaron August Thyssen
nicht nur, wie überall zu lesen ist, sieben Skulpturen des
Bildhauers August Rodin besaß, sondern sogar acht. Wer diese achte
Skulptur findet, hat finanziell für sein Leben natürlich
ausgesorgt, meint Paul Werners alter Freund Manni Baumann, ein
Bildhauer. Und die beiden machen sich auf die Suche nach dieser
geheimnisvollen Skulptur eines Künstlers, dessen Werke heutzutage
millionenschwer gehandelt werden. [...] Nach der Lektüre möchte man
sich einige Fortsetzungen mit diesem Romanpersonal wünschen. Ein
Gästeführer mit juristischem Hintergrundwissen und eine
lebenspraktische Juristin als Lebenspartnerin sowie ein Künstler,
der einen Sprinter fährt und der gelegentlich sein Brot als
Entrümpler verdienen muss, und die vielen möglichen Gäste und
Kunden: all das sollte Siegmar Wyrwich nach einem solch gelungenen
Erstling zum weiteren Schreiben ermutigen.
Thomas Becker in der
WAZ:
Der 1926 auf Schloss Landsberg verstorbene Stahl-Baron
August Thyssen bewies als steinreiches und zutiefst geiziges
Unternehmer-Genie durchaus Ähnlichkeiten mit der Comic-Figur
Dagobert Duck. Doch dass der König der Hochöfen noch einmal in
einem Roman auftauchen sollte, damit war nun nicht zu rechnen. Der in
Hamborn aufgewachsene Autor Siegmar Wyrwich hat jetzt mit "Der
achte Rodin" eine spannende kleine Geschichte veröffentlicht,
die ideenreich und mit einem kumpelhaften Tonfall mit den
historischen Fakten spielt. Dazu gibt es Begegnungen und Orte wie
etwa der Landschaftspark Nord, die dem Duisburger Leser sehr bekannt
sind. [...] Wie die Suche nach dem achten Rodin dann zuletzt ausgeht,
soll hier selbstverständlich nicht verraten werden. Die Leser können
sich auf jeden Fall über eine originelle und gut erzählte
Geschichte freuen.
Günter
Amendt, Gunter Schmidt, Volkmar Sigusch: Sex tells.
Sexualforschung als Gesellschaftskritik. konkret texte 54. 144 S.
(NB1178) 18 Euro
"Heute scheint es so, als könnten alle
sexuell beinahe alles tun. Doch 95 Prozent der Koitus ereignen sich
in festen Beziehungen, und die Singles, die immerhin 25 Prozent der
Stichprobe stellen, bringen nur 5 Prozent der sexuellen Ereignisse
auf die empirische Waage. Unser Alltag ist von sexuellen Reizen
ebenso übersättigt wie entleert, als könne die übertriebene
kulturelle Inszenierung des Sexuellen und dessen ausufernde
Kommerzialisierung die Lust effektiver austreiben als alle Verbote,
die einst das Sexuelle großgemacht haben und die heute bei uns
institutionell im Ernst nur noch der Vatikan propagiert. Die
Emanzipationsbewegungen haben um sexuelle und geschlechtliche
Selbstbestimmung gekämpft. Doch herausgekommen sind
Selbstbezüglichkeiten, selbstmächtig selbst produziert und selbst
reguliert wie Selfsex und Selfgender."
Melissa
Gira Grant: Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit. Aus dem
Englischen von Georg Felix Harsch. Mit einem Vorwort von Mithu
M.Sanyal. Edition Nautilus 2014. 192 S. (NB1294) 14,90 Euro
In
der Debatte um ein Verbot der Prostitution kommen Sexarbeiterinnen
(und erst recht Sexarbeiter) kaum selbst zu Wort. Bei bestürzend
vielen Feministinnen herrscht eine zutiefst sexistische Auffassung
von Prostituierten, wie sie eigentlich eher konservativen alten
Männern unterstellt werden könnte: als unterdrückte Opfer, die es
zu befreien gilt. Die aus dieser Bevormundung folgende Forderung,
Prostitution gehöre verboten, wird aber kaum jemals von den
Sexarbeiterinnen selbst vertreten. In Hure spielen
stellt Melissa Gira Grant, Journalistin und ehemalige Sexarbeiterin,
die Dinge vom Kopf auf die Füße und lässt die Akteure selbst zu
Wort kommen. Dabei entlarvt sie die Position von Alice Schwarzer &
Co. als paternalistischen Willen zur Kontrolle und plädiert für
einen grundsätzlich neuen Blick auf die Sexindustrie. Sie
berücksichtigt auch männliche und transsexuelle Sexarbeit.
Mithu
M. Sanyal, die bekannte feministische Kulturwissenschaftlerin, hat
für die deutsche Ausgabe ein Vorwort geschrieben, in dem sie Grants
Positionen in die deutsche und europäische Debatte einordnet.
Thomas
Schroedter, Christina Vetter: Polyamory. Eine Erinnerung.
Schmetterling Verlag 2. Aufl. 2010 (Reihe theorie.org). 168 S.
(NB1282) 15 Euro
Der Begriff der Polyamory tauchte in den
1960er Jahren erstmals in den USA auf und wird seit etwa zehn Jahren
auch hierzulande breiter diskutiert. Er steht für ein
Beziehungsgeflecht, in dem mehrere Liebesbeziehungen
verantwortungsvoll, ehrlich, offen und verbindlich gleichzeitig
entwickelt und gelebt werden. Als Vorläufer sind die
"Free-love-Bewegung" in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die vor
allem eine sexuelle Emanzipation der Frauen im Zentrum ihrer
Forderung hatte, sowie flüchtige Denk- und Diskussionsansätze nach
der Russischen Revolution zu sehen.
Die vorliegende
Veröffentlichung entfernt nun einen "blinden Fleck" in der
publizistischen Landschaft. Sie geht der Frage nach, auf welchem
Konzept der Liebe die Polyamory aufbaut und stellt den gegenwärtigen
Forschungsstand zum Thema ausführlich dar. Die Auseinandersetzungen
um "vielfältige Lebensweisen" werden aufgenommen, Polyamory wird
als Aspekt in der Dynamisierung der Triade
Geschlecht-Sexualität-Lebensform betrachtet und aus der Sicht des
aktuellen Forschungsstandes dargestellt.
Besonderes Augenmerk
wird auf die Stellung der Polyamory innerhalb der Sexualpädagogik
gelegt und dies in Hinblick auf eine Erziehung und Beratung, die
Selbstbestimmung und Selbstverantwortung in den Bereichen Sexualität
und Lebensweisen aller Menschen anerkennt und entsprechende
Handlungsansätze entwickelt.
Barbara
Eder, Felix Wemheuer (Hg.): Die Linke und der Sex. Klassische Texte
zum wichtigsten Thema. Pro Media Verlag, Edition Linke Klassiker
2011. 176 S. (NB1230). 14,90 Euro
Mit Texten von Alexandra
Kollontai, Elfriede Friedländer, Herbert Marcuse, Shulamith
Firestone, Reimut Reiche, Michel Foucault, Beatriz Preciado, Linda
Singer u.a.
"Die ursprünglich polygame Veranlagung ist zu
stark im Menschen, als daß sie durch äußere und innere Gewalt
gänzlich unterdrückt werden könnte (.). In der kommenden Zeit
stürmischer, revolutionärer Entwicklung wird dieser Prozess sicher
noch eine Beschleunigung und Intensivierung erfahren. Und in der von
wirtschaftlichen Kämpfen befreiten glücklicheren Zukunft des
Sozialismus wird die wilde Vermischung und Polygamie in allen Formen
das Sexualleben des Menschen beherrschen." (Elfriede Friedländer,
Sexualethik des Kommunismus, 1920). Die Überwindung von autoritären
Formen der Kindererziehung und monogamen, eheähnlichen
Zweierbeziehungen war immer wieder integraler Bestandteil utopischer
Gesellschaftsentwürfe auf Seiten der politischen Linken. Ebenso
waren viele Aktivisten der "1968er"-Bewegung der Überzeugung,
soziale Revolution sei nicht ohne "befreite" Sexualität denkbar.
Michel Foucault wandte in den späten 1970er Jahren gegenüber dem
"Befreiungsparadigma" der "1968er" ein, daß die damit
einhergehende verstärkte Diskursivierung des Sexes nicht zu einer
Entfesselung der Körper und der Lüste, sondern vielmehr zur
Hervorbringung neuer Machtrelationen geführt habe. In der
Kommodifizierung von Sexualität werden diese auch sozialökonomisch
sichtbar.
Mit der vorliegenden Dokumentation von
linkskommunistischen, freudo-marxistischen und (queer)-feministischen
Texten wird die Frage aufgeworfen, inwiefern Projekte einer
gesamtgesellschaftlichen politischen Emanzipation mit einer Kritik
der Sexualität einhergehen kann. Dabei geht es auch um neue
Beziehungsformen wie die "erotische Freundschaft", Praktiken zur
Überwindung einer genitalfixierten Sexualität oder um die Frage,
wie (Un-)Lust mit Lohnarbeit zusammenhängt. Über den Umweg einer
historischen Spurensuche versucht dieses Buch, emanzipatorische
Elemente freizulegen.
Marvin
Chlada: Dialektik des Dekolletés. Zur kritischen Theorie der
Oberweite. Alibri Verlag 2006. 128 S. (NB946) 12 Euro
"Kunstwerke
sind asketisch und schamlos, Kulturindustrie ist pornographisch und
prüde." Max Horkheimer und Theodor W. Adorno.
Bereits zu
biblischen Zeiten hat ein voller weiblicher Busen für reichlich
Aufsehen und erregte Gemüter gesorgt. Doch nie haben Brüste mehr
Stoff für pralle Debatten geliefert als im Zeitalter ihrer
technischen Reproduzierbarkeit. In seiner "Dialektik
des Dekolletés" wirft Marvin Chlada einen Blick auf die Geschichte
der Brust und ihre Instrumentalisierung zwischen Glaube, Kommerz und
Utopie. Ausgehend von der "Busen-Attacke" auf Adorno im April
1969, sichtet er die Fülle an Material, die der Kult um die
Oberweite bis heute hervorgebracht hat. Dabei folgt er dem Diktum
Adornos: "Das einzige Heilmittel gegen die Fetischisierung des
Sexuellen ist der sexuelle Fetischismus."
Ludwig
Marcuse: Obszön. Geschichte einer Entrüstung. Diogenes
Taschenbuch. 384 S. (NB1032 bes) 13 Euro
Die Frage: was
empfindet man in der Literatur als obszön? demonstriert und
erläutert Marcuse an großen literarischen Skandalen (Flaubert,
Baudelaire, Schnitzler, D.H. Lawrence, Henry Miller). Ludwig Marcuse
zieht als kritischer Freigeist und Entlarver mit Temperament gegen
Muckertum und Heuchelei zu Feld.
Lina
Ganowski: Meine angenehmen Erinnerungen. Tyrallis-Edition 2007.
144 S. (NB1016) 15 Euro
Erotische Memoiren. "Die Autorin
führt uns durch ihr Studentenleben in Süddeutschland und von da aus
nach Holland, von wechselnden Abenteuern mit Männern über eine
lesbische Dreiecksbeziehung, bis sie schließlich ihre große Liebe
(wieder-)entdeckt. Zwischen diesen Polen schildert sie ihren
Werdegang, niemals bierernst, immer mit einem Augenzwinkern, denn so
lebt sie auch ihre sexuelle Vorliebe aus. Ich empfehle das Buch,
nicht als Wichsvorlage, denn dazu taugt es definitiv nicht, sondern
als interessante Beschreibung des Lebens einer außergewöhnlichen
jungen Frau." (Schlagzeilen)
Florian Flüring: In der Umlaufbahn des Mondes. Bekenntnisse eines Pygomanen. Tyrallis-Edition 1999. 234 S. (Er)18 Euro
Ronald
D. Laing: Phänomenologie der Erfahrung. Übersetzt von Klaus
Figge und Waltraud Stein. edition suhrkamp 1969. 154 S. (NB1353) 16
Euro
Ronald D. Laings Studie über Formen menschlicher
Erfahrung zeigt, wie mit Hilfe sozialpsychologischer und
psychoanalytischer Ansätze gesellschaftliche Strukturen begriffen
werden können. Psychische Defekte sind für ihn nicht Probleme des
einzelnen, sondern Reaktionen der Subjekte auf krankmachende
Gesellschaftsstrukturen, die Psychiatrie individualisiert das Problem
nur. Erst wenn die Vereinzelten, und das sind letztlich alle
Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft, sich ihrer selbst und
ihres Gegenübers durch Erfahrung im emphatischen Sinn wirklich
bewußt werden, kann der Zustand des schlechten Ganzen aufgehoben
werden.
Gerhard
Abl: Kritische Psychologie. Eine Einführung. Schmetterling
Verlag, Reihe Theorie.org 2007. 228 S. (NB1003) 10 Euro
Gerhard
Abls kompakte Einführung zeichnet kritische Ansätze in der
Psychologie nach, verdeutlicht Problemstellungen und Kontroversen und
entwickelt daraus wesentliche Elemente einer kritischen Methodik. Das
Buch veranschaulicht die historische Herausbildung jener
Bezugspunkte, die vor allem aus den Bemühungen verschiedener
psychologischer Schulen um eine marxistische Orientierung erarbeitet
wurden und deren Kenntnis das Verständnis aktueller Strömungen und
Ansätze erleichtert. Was kritische Psychologie sein kann, wird in
diesem Buch vor allem aus psychoanalytischen Ansätzen heraus
erklärt. Nicht zuletzt, weil kritische Konzeptionen von offiziellen
Institutionen oftmals übergangen werden, bietet dieses Buch eine
ideale Einführung für Schüler und Studenten, die sich für
Psychologie interessieren und hierin eine gesellschaftskritische
Anschauung vertiefen wollen, sowie für politisch Aktive in sozialen
Berufen, denen an einer politischen Reflexion ihrer praktischen
Tätigkeit liegt. Ferner richtet es sicvh an Leserinnen und Leser,
die generell an einer verständlichen, fundierten Darstellung zum
Thema interessiert sind.
Gerhard Abl: Studium der Psychologie
und Politikwissenschaft in Salzburg, Dissertation zum Thema "Die
Dialektik bei Freud".
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