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Buchhandlung Weltbühne
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Verlagsneue Bücher

Das Standardsortiment der Buchhandlung Weltbühne

Jutta Ditfurth: Haltung und Widerstand. Eine epische Schlacht um Werte und Weltbilder. Osburg Verlag 2019. 250 S. (NB1434) 22,00 ¤

Haltung und Widerstand - in ihrem neuen Buch fordert Jutta Ditfurth genau diese Tugenden ein im Kampf gegen die fortschreitende Entbürgerlichung unserer Gesellschaft. Eine ebenso klarsichtige wie faktenreiche Streitschrift wider die dumpfe Renaissance gefährlicher politischer Ideen, gegen Rassismus und Antisemitismus. Eine leidenschaftliche Analyse der Wurzeln der neuen Rechten, ihrer Strategien und ihrer Wirkung bis in die bürgerliche Mitte hinein. Historisch fundiert, brisant und hochaktuell.



Claire Rodier: Xenophobie Business. Wer profitiert vom Grenzregime? Aus dem Französischen von Julia Schaefermeyer. Unrast Verlag 2015. 144 S. (NB1350) 13 Euro
Claire Rodier geht der Frage nach, wozu - und wem - Einwanderungskontrollen dienen. Dazu gibt sie einen seltenen Einblick in die Welt der privaten Sicherheitsunternehmen und deren Verstrickungen in politische Entscheidungs- und Gesetzgebungsprozesse. Darüber hinaus zeigt sie die ideologische Funktion der Aufrüstung an den Grenzen auf: wie Angst ausgebeutet und Migration kriminalisiert wird, um daraus politischen wie wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Am Beispiel von Asylverfahrenslagern und der europäischen Grenzschutzagentur Frontex wird deutlich, dass immer schärfere Grenzkontrollen nicht allein dem vorgeblichen Zweck der Überwachung und Abschreckung, sondern verschiedensten ökonomischen Interessen dienen. Das Geschäft mit der Xenophobie deckt erstaunliche Zusammenhänge zwischen migrationspolitischen Erwägungen und privatwirtschaftlichen Interessen auf. "Ungläubig arbeitet man sich von Kapitel zu Kapitel vor und möchte nicht glauben, daß bei Themen wie Menschenleben und -rechten Sicherheitsunternehmen mitmischen und verdienen, die unter dem Druck der globalisierten Weltwirtschaft stehen. Rodiers spannendes Sachbuch ist schwer verdaulich." (Laura-Solmaz Litschel in Konkret).
Claire Rodier ist eine französische Journalistin, Juristin und Mitbegründerin des europäisch-afrikanischen NGO- und Informations-Netzwerks migreurop. Sie ist Autorin und Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu den Themen Migration, Asyl und Menschenrechte.



Tom Strohschneider: What's left? Europas Linke, der Rechtsruck und ein sozialistischer Kompromiss. Eine Flugschrift in Kooperation mit neues deutschland. VSA Verlag 2016. 96 S. (NB1338) 9.80 Euro
Was tun, um den Rechtsruck zu stoppen und linke Alternativen in die Nähe realisierbarer Möglichkeiten zu bringen? Wöchentlich finden Aufmärsche gegen Flüchtlingsunterkünfte statt, es bilden sich Bürgerwehren. Im Internet herrscht eine Verrohtheit, die vor Todesdrohungen unter vollem Namen nicht zurückschreckt. Und das alles wegen einer Million Menschen, die vor Not, Verfolgung, Krieg in Deutschland Zuflucht suchen? Zugleich ist die Zahl der Menschen, die mit den Geflüchteten solidarisch sind, so hoch wie nie zuvor. Und ein Blick über die - von den Herrschenden gern wieder dicht gemachten - Grenzen hinweg signalisiert Hoffnungen. Allerdings: Scheitern die Linksprojekte in Griechenland, Portugal und Spanien, dürften auch hierzulande emanzipatorische Zukunftsvisonen für längere Zeit verstellt werden. What's left? Wie kann die Linke im Kernland der Austeritätspolitik der Rechtswende entgegentreten und linke Prozesse befördern? Zu einer Antwort wird sie nicht kommen, wenn der Widerstand bei antifaschistischen Protesten stehen bleibt und wenn man nur aus der Ferne Bewertungsnoten vergibt. Es müssen die Kräfteverhältnisse angegangen werden - Debatten über Verteilungs- und Demokratiefragen und rot-rot-grüne Politikwechsel eingeschlossen.
Tom Strohschneider ist Chefredakteur der sozialistischen Tageszeitung neues deutschland.



Ismail Küpeli (Hg.): Kampf um Kobanê. Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens. Edition Assemblage. 168 S. (NB1332) 12.80 Euro
Der Kampf um Kobanê und Rojava ist eine zentrale Auseinandersetzung im Nahen und Mittleren Osten, in der alle relevanten Akteure in der einen oder anderen Weise involviert waren. Kobanê wird weiterhin die politischen Ereignisse in der Region prägen - sowohl die Beziehungen zwischen der Türkei und der PKK als auch den Bürgerkrieg in Syrien. Der Konflikt bietet Anlass, zentrale linke Auseinandersetzungen neu aufzugreifen - wie etwa die Frage nach Gewalt als Mittel der Politik und nach dem Entwurf einer neuen Gesellschaftsordnung. Anders gesagt: Lässt sich eine Revolution durch Krieg verteidigen oder ist eine militärische Auseinandersetzung der Tod für jegliches emanzipatorisches Projekt?"
Kurden ohne Staat; Die Rojava-Revolution zwischen kurdischer Selbstbestimmung und sozialer Utopie; Die Frauenrevolution in Rojava; Geschichte und Gegenwart der PKK; PKK: Das neue Objekt der Solidarität; Die AKP als neuer Prinz: die Hegemonie des Finanzkapitals und ihre Widersprüche; Die Opposition in Syrien: Alte und neue Akteure zwischen Revolution und Bürgerkrieg; Religiöse Minderheiten in Kurdistan; Ideologie des IS: Salafistischer Manierismus; Die Organisation "Islamischer Staat" - von der antischiitischen Ordnungsmacht zum quasi-staatlichen Kalifat.



Ismail Küpeli (Hg.): Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei. edition assemblage. 128 Seiten. (NB1442) 7.80 ¤
Der türkische Staat negiert seit seiner Gründung 1923 die Existenz der kurdischen Bevölkerung in der Türkei und im Nahen Osten. Und selbst heute zielt die türkische Innen- und Außenpolitik darauf ab, die Kurdische Bevölkerung weder in der Türkei noch in der Region über politische Macht verfügen zu lassen. Der Krieg in den kurdischen Gebieten der Türkei und die Angriffe der Türkei auf die syrisch-kurdische Autonomieregion Rojava sind Facetten der türkischen Politik, die zum Ziel hat, die Kurden in der gesamten Region zurückzudrängen. Während wir einerseits eine große Überscheidung in der gegenwärtigen Politik der AKP-Regierung und ihren Vorgänger erkennen können, ist gleichzeitig in der öffentlichen Debatte der Eindruck vermittelt worden, dass die Kurdenpolitik der Türkei in den letzten Jahren sich unvermittelt und unerklärlich mehrfach gewendet hätte. Dabei bleibt unbeachtet, dass der Friedensprozess von der AKP so geführt wurde, dass die Rückkehr des Krieges keine Überraschung ist. Ebenso wird vergessen, dass das "Zuckerbrot" Friedensprozess immer begleitet war von der "Peitsche", nämlich die massive Repression gegen die Kurden und die Androhung eines Krieges.
Rosa Burç, Meral Çinar, Axel Gehring, Alp Kayserilioglu, Ismail Küpeli, Kerem Schamberger und Mahir Tokatli richten mit ihren Beiträgen den Blick auf Zusammenhänge, die in der öffentlichen Debatte unterbelichtet bleiben. So werden sowohl die politische und gesellschaftliche Entwicklungen in der Türkei analysiert, wozu selbstverständlich auch eine intensive Debatte um die Frauenbewegung in der Türkei gehört. Ausgehend von der zentralen Bedeutung der "Kurdenfrage" gerät dann die Perspektive auf die anderen Seite der nationalstaatlichen Grenzen, nach Rojava. Hier fragen wir einerseits danach, ob Rojava eine Alternative zum Nationalstaat darstellt. Und andererseits betrachten wir die Folgen des Afrin-Krieges sowohl für Rojava als auch für die Türkei
Der Herausgeber:
Ismail Küpeli ist Politikwissenschaftler und Historiker. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der politischen Situation in der Türkei, in Rojava und den Nahen und Mittleren Osten.



Matthew N. Lyons: Arier, Patriarchen, Übermenschen. Die extreme Rechte in den USA. Unrast-Verlag 2015, Reihe transparent. 88 S. (NB1336) 7,80 Euro
Die gegenwärtige extreme Rechte der USA ist ein relativ junges Phänomen. Vor 50 Jahren konzentrierten sich rechte Bewegungen noch vorwiegend darauf, alte Hierarchien zu verteidigen und gegen Kommunismus zu kämpfen. In den 1970er Jahren begann sich jedoch eine neue extrem rechte Bewegung zu formieren als Reaktion auf die von der Bürgerrechtsbewegung und Frauenbewegung durchgesetzten Gesetzesänderungen, die Ausdehnung des Wohlfahrtsstaates, die Schwächung der USA als globale Supermacht und andere tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen. Indem sie mit ihrer traditionellen Rolle als Verteidiger etablierter Institutionen und sozialer Eliten brachen, begannen Rechte in zunehmendem Maße, die Legitimität des politischen Systems infrage zu stellen.
"Das Buch bietet einen umfassenden Überblick sowie eine fundierte Grundlage, sich intensiver mit diesem oder jenem Spektrum zu befassen. Und Lyons differenzierte Darstellung spornt dazu an." (Birgit Gärtner, unsere zeit, 21.08.2015)
US-amerikanische Neonazis propagieren heute eine Nation frei von Juden und People of Color, christliche Hardliner eine von heterosexuellen Männern geführte totalitäre Theokratie und diverse extrem rechte Gruppen die Herrschaft von Eliten, die auf "Leistung" oder "moralischer Überlegenheit" beruhen.
Das vorliegende Buch faßt die Ursprünge, Überzeugungen und Aktivitäten der extremen Rechten in den USA zusammen und analysiert ihr Verhältnis zu anderen politischen Kräften sowie ihren gesellschaftlichen Einfluss. Es betrachtet dabei rechte Kontinuitäten (etwa antisemitische Verschwörungstheorien) genauso wie jüngere Entwicklungen (etwa weißen Separatismus oder Strategien führerlosen Widerstandes).



Bernd Hendricks: Menschen mit Flagge. Roman. Epubli Verlag 2011. 604 S. (NB1177). 29,50 Euro
Oktober 2001. Der amerikanische Herbst: Noch rauchen die Trümmer des World Trade Center, als in New York und Florida Briefe mit tödlichen Viren auftauchen. Menschen sterben. Das Land steht vor einer Panik. Am Tatort: ein kleiner FBI-Ermittler. Alles deutet auf den Feind Amerikas, auf die Terroristen, die von außen kommen. Alle tragen die Nationalflagge an der Jacke, auch der Ermittler. Doch was er im Herzen trägt, ist gefährlich in patriotischen Zeiten: Zweifel. Er hat den schrecklichen Verdacht, daß der Bioterror von innen kommt, von jenen gar, deren Hilfe für seine Ermittlung unentbehrlich ist. Je tiefer der Ermittler in den Fall eintaucht, desto mehr riskiert er: seine Karriere, seine Freiheit, am Ende sein Leben. "Menschen mit Flagge" ist Thriller und Gesellschaftsroman zugleich, ein aufwühlendes Porträt des verängstigten, jähzornigen Amerika, eine Tour-de-Force durch die amerikanische Psyche am Vorabend des Irak-Kriegs.



Gerhard Feldbauer: Vietnamkrieg. Papyrossa Verlag Reihe Basiswissen 2033. 128 S. (NB1257 bes.) 9.90 Euro
Gerhard Feldbauer schildert Vorgeschichte und Verlauf des Krieges, die internationale Solidarität mit Vietnam, den Widerstand in der US-Army, der vor allem von schwarzen Soldaten ausging, sowie die militärische Hilfe insbesondere der UdSSR, ohne die der Sieg der Befreiungsbewegung nur schwer möglich gewesen wäre. Den Ausschlag gab allerdings der Widerstandswille des vietnamesischen Volkes selbst. Er wurzelte in den Traditionen nationalen und antikolonialen Widerstandes, die der legendäre Ho Chi Minh zu mobilisieren verstand. Seine Bedeutung zeigte sich fast noch mehr nach seinem Tod. Denn als er 1969 verstarb, hinterließ er nicht, worauf vielfach spekuliert wurde, ein Vakuum, sondern eine kollektive politische Führung und eine Bevölkerung, in deren Mehrheit das Streben nach Unabhängigkeit tief verwurzelt war. Nicht unerwähnt bleiben die US-Kriegsverbrechen, für die dasjenige von My Lai im Mai 1968 zum Synonym wurde.



Stefan Bollinger (Hg.): Imperialismustheorien. Historische Grundlagen für eine aktuelle Kritik. Promedia 2004. (Edition Linke Klassiker). 176 S. (NB778 bes.) 12,90 Euro
Seit dem Untergang der Sowjetunion und des kommunistischen Systems im "Ostblock" war nicht mehr viel von Imperialismus zu hören. Der "Krieg gegen den Terror" der USA hat die kritischen Geister wieder hellhörig gemacht. Der Ruf nach einer konsistent antiimperialistischen Kritik wird wieder laut. Es ist höchste Zeit, genauer nach Fakten und Theorien zu fragen, die im 20. Jahrhundert dem Kapitalismus in den Metropolen, seiner Politik und vor allem seiner Wirtschaft das Etikett Imperialismus verpaßten. Der vorliegende Reader soll jene Analysen linker Theoretiker in Erinnerung rufen, die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die imperialistische Expansion vor allem Englands und Deutschlands geißelten. Textstellen klassischer Autoren werden vom Herausgeber kommentiert und in ihren historischen Kontext gestellt. Mit Texten von Bucharin, Hilferding, Hobson, Kautsky, Lenin und Luxemburg.



Peter Nowak: Kurze Geschichte der Antisemitismusdebatte in der deutschen Linken. Mit einem Interview mit Peter Ullrich. edition assemblage. 2013. 96 S. (NB1264) 9,80 Euro
In 25 Jahren Antisemitismusstreit in der deutschen Linken ist viel geschrieben worden. Peter Nowak liefert eine knappe Zusammenfassung und geht auf die zentralen Grundlagentexte der Diskussion ein. Das Buch bietet den Lesern einen Überblick über die Geschichte des Antisemitismusstreits und gibt ihnen so die Möglichkeit, sich eine eigene Position in einer Auseinandersetzung zu bilden, die in den letzten beiden Jahrzehnten die Linke aller Fraktionen und Strömungen beschäftigt hat. Eine kurze und kenntnisreiche Einführung in die Antisemitismusdebatte der deutschsprachigen Linken seit den 1980er Jahren.
Peter Nowak arbeitet als freier Journalist in Berlin und schreibt u.a. für die Jungle World, das Neue Deutschland, das Internetmagazin Telepolis und das Monatsmagazin Konkret.



Gerhard Hanloser: Die andere Querfront. Skizzen des antideutschen Betrugs. Unrast Verlag 2019. ca. 280 S. (NB1443) 18 ¤
Als 1989/90 die DDR unterging, geriet auch die bundesrepublikanische Linke ins Schlingern. Mit dem größer werdenden Deutschland verstärkten sich überwunden geglaubte reaktionäre Ideologien wie Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus. Im Glauben, diese Übel abzuwehren, trommelten einige Intellektuelle aus der Linken für den Golfkrieg 1991, formierten sich als leidenschaftliche Bellizisten anlässlich des »War on Terror«, des Kriegs gegen den Irak 2003 und gegen Libyen durch die NATO 2011. Ein Teil der Antideutschen befleißigt sich einer >Islamkritik<, der auch rassistische Invektiven nicht fremd sind. Vor allem fand ein markanter Wechsel in der Bündnispolitik statt.
In Zeiten der AfD und des neuen Rechtsrucks sind ausgerechnet die vormaligen >Antideutschen< Fürsprecher neuer Grenzziehungen und einer restriktiven Flüchtlingspolitik. Dass der prominenteste Antideutsche der 90er Jahre, Jürgen Elsässer, mittlerweile zu dem Kopf einer neuen rechten nationalistischen Bewegung wurde, erstaunt nur jene, denen die Antideutschen ein Buch mit sieben Siegeln sind.
Aus antideutschen Linken wurden Flüchtlingsfeinde, Souveränisten oder Verteidiger der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung. In einer historischen Skizze soll dieser beispiellose Zerfall kritischen Denkens nachgezeichnet und aufgeklärt werden.



Andreas Wehr: Die Europäische Union. PapyRossa Verlag Basiswissen 2012. 134 S. Pocketformat. (NB1232) 9,90 Euro
"Basiswissen" bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie. Andreas Wehr beschreibt die Europäische Union als ein fragiles Bündnis. In ihm dominiert das Machtstreben der großen Mitgliedstaaten. Unter ihnen gibt ein erstarktes Deutschland den Ton an. Unter seiner Führung entwickelt sich ein wirtschaftlich starkes Kerneuropa, umgeben von einer schwachen Peripherie. Der Band teilt die Geschichte der EU in drei Abschnitte: Die ersten Jahre waren geprägt von einem nur langsamen Voranschreiten der Integration, unterbrochen von langen Phasen der Stagnation. Mit dem Vertrag von Maastricht 1992 nahm die Integration an Fahrt auf. Im Zuge des globalen Neoliberalismus wurde die EU zum wichtigsten europäischen Akteur bei der Durchsetzung von Marktöffnungen, Privatisierungen und Deregulierungen. Dies gipfelte in der Forderung, sie zum "wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum in der Welt" zu entwickeln. Das wurde bisher verfehlt. So ist denn die dritte Phase eine solche der Rückschläge. Zu ihr gehört auch die gegenwärtige Eurokrise, deren Ende ungewiss ist.



Umberto Eco: Der ewige Faschismus. Mit einem Vorwort von Roberto Saviano, aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. Hanser Verlag. 80 S. Fester Einband. (NB1465) 10 Euro
Integration und Intoleranz, Migration und Europa, Identität, das Eigene und das Fremde - die zentralen Begriffe in Umberto Ecos fünf Essays könnten kaum aktueller sein. Gerade in ihrer zeitlichen Distanz zeigt sich die Stärke von Ecos Gedanken: Losgelöst vom tagesaktuellen Geschehen, scheinen in ihnen die überzeitlichen Strukturen auf, die unserem Denken und Handeln zugrunde liegen. Präzise, wortgewandt und gespickt mit persönlichen Erinnerungen rufen seine Texte die komplexe Geschichte der Herausforderungen wach, vor denen wir heute stehen.



Wulf D. Hund: Rassismus und Antirassismus. Basiswissen Politik/Geschichte/Ökonomie. PapyRossa Verlag 2018. 144 S. (NB1406) 9,90 Euro
Wulf D. Hund zeigt, warum Rassismus als soziales Verhältnis begriffen werden muss: er erlaubt Mitgliedern herrschaftlich strukturierter Gesellschaften, sich trotz sozialer Schichtung und ungleicher Verteilung von Ressourcen als zusammengehörig zu betrachten. Dazu bedarf es der Ausgrenzung. Sie hat in der Geschichte der Klassengesellschaften unterschiedliche Formen angenommen. Der Autor verdeutlicht die Modi der damit verbundenen Prozesse von Aufwertung durch Abwertung und zeigt die Verbindungen, die diese historisch eingingen. Anschließend beleuchtet er die diversen Spielarten von Rassismus im Verlauf der deutschen Geschichte und behandelt dessen antisemitische, antimuslimische, antislawische, antiziganistische, koloniale und eugenische Varianten. Außerdem werden Probleme und Perspektiven des Antirassismus angesprochen. Dessen Geschichte ist so alt wie der Rassismus, zeigt unterschiedliche Tendenzen und ist keineswegs widerspruchsfrei.
Wulf D. Hund,
Jg. 1946, Professor (i.R.), lehrte Soziologie an der Universität Hamburg. Forschungsschwerpunkt: Rassismusanalyse.



Wulf D. Hund (Hg.): Fremd, faul und frei. Dimensionen des Zigeunerstereotyps. Unrast Verlag - Edition DISS. 256 S. (NB1351) 19,80 Euro
Am Zigeunerstereotyp ist über Jahrhunderte gearbeitet worden. Seine zentralen Elemente werden bis heute fortgeschrieben. In der Sprache des alltäglichen Rassismus lassen sie sich mit drei Adjektiven bündeln: Zigeuner sind fremd, faul und frei. Diese Vorurteile transportieren einen komplexen ideologischen Zusammenhang. Er unterstellt der Figur des Zigeuners ethnische, soziale und romantische Eigenschaften.



NICHTS GELERNT?! Konstruktion und Kontinuität des Antiziganismus. Herausgegeben von Katharina Peters und Stefan Vennmann. Situationspresse 212 Seiten, (NB1450) 18 Euro
Antiziganismus hat Tradition. Er ist trauriges Zeugnis einer Kontinuität von ausgrenzenden und menschenverachtenden Verhältnissen. Die spezifische Form von Rassismus wirkt seit Jahrhunderten in Deutschland und Europa in zahlreichen Variationen der immergleichen Stereotype sowie den damit verbundenen Gedankenmustern und Diskriminierungspraktiken. Dabei zeichnet sich Antiziganismus durch eine enorme Anpassungsfähigkeit und eine hohe Widerständigkeit gegen seine Bekämpfung aus. Welche Wirkmechanismen und Strukturen lassen sich identifizieren? Welche Strategien und Lösungsansätze können diesem Ressentiment entgegengesetzt werden?
Katharina Peters und Stefan Vennmann: Vorwort. Nichts gelernt?! Konstruktion und Kontinuität des Antiziganismus
Dirk Wolff: ,AIDD - Angekommen in Duisburg und Dortmund'. Ein Projektbericht
Wibke Kleina: Zwischen Passfähigkeit und Besonderung. Eine Betrachtung der schulischen Situation von Sint*ezza und Rom*nja
Katharina Peters: "Sind wir zu intolerant?" Die mediale Inszenierung von ,Sinti und Roma' in Polit-Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens
Joachim Krauß: Der Zukunft abgewandt. Duisburger Wege der Desintegration
Sylvia Brennemann und Joachim Krauß: Ein guter Ort wird schlechtgemacht - ein Gespräch zur Situation in Duisburg-Marxloh
Markus End: Die Dialektik der Aufklärung als Antiziganismuskritik. Thesen zu einer Kritischen Theorie des Antiziganismus
Sebastian Winter: ,Femme fatale' und ,Zwangsprostituierte'. Über den Wandel antiziganistischer Weiblichkeitsbilder
Rafaela Eulberg: Das Bild der wahrsagenden ,Zigeunerin' als ,nicht-okzidentale Andere'. Anmerkungen zum Magie-Diskurs in antiziganistischen Formationen
Merfin Demir: Antiziganismus, Kolonialismus und Neoliberalismus. Eine Analyse aus Sicht einer Selbstorganisation
Astrid Messerschmidt: Antiziganismuskritik in Auseinandersetzung mit Rassismus und Nationalismus. Geschichtsbewusst handeln und Diskriminierung abbauen
Stefan Vennmann: Der Nicht-Ort der Vernichtung. Zum Problem einer Analyse von Antiziganismus bei Giorgio Agamben
Drita Jakupi: Antiziganismus, Romaphobie, Gadje-Rassismus? Kritische Einwände.
Das Buch entstand als Gemeinschaftswerk von VIA (Verband für interkulturelle Arbeit) und DISS (Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung).



Kevin Culina, Jonas Fedders: Im Feindbild vereint. Zur Relevanz des Antisemitismus in der Querfront-Zeitschrift Compact. Reihe Antifaschistische Politik in der edition assemblage. 96 Seiten. (NB1344) 9,80 Euro.

Die Monatszeitschrift Compact kann als das zentrale Diskursorgan gegenwärtiger Querfront-Bewegungen im deutschsprachigen Raum betrachtet werden. Seit ihrer Ersterscheinung erfreut sie sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Konstitutiv für die Inhalte des Magazins ist vor allem der Glaube an eine alles umfassende Weltverschwörung. Bei einer genaueren Analyse zeigt sich, dass in einer Vielzahl der Artikel antisemitische Denk- und Argumentationsmuster aufgerufen und reproduziert werden. Der Antisemitismus fungiert in gewisser Hinsicht als "kleinster gemeinsamer Nenner" gegensätzlicher politischer Strategien.

Das Buch bietet neben einem Einblick in historische Verläufe der Querfront und einer Einführung in kritische Theorien des Antisemitismus eine detaillierte Textanalyse der Zeitschrift, bei der die dort verwendeten Formen und Ausdrucksweisen antisemitischer Ressentiments anhand einzelner Textstellen herausgearbeitet, entschlüsselt und eingeordnet werden. Darüber hinaus wird die Rolle der Compact in verschiedenen rechten Diskursen sowie in praktischen Organisierungs- und Vernetzungsbemühungen diskutiert.

Die Autoren: Kevin Culina und Jonas Fedders leben, studieren und arbeiten in und um Frankfurt am Main und sind dort in verschiedenen antifaschistischen Projekten aktiv. Sie schreiben regelmäßig in der Wochenzeitung Jungle World und haben auch in sozialwissenschaftlichen Kontexten publiziert.



Lucius Teidelbaum: PEGIDA. Die neue deutschnationale Welle auf der Straße. Unrast Verlag 2016 Reihe unrast transparent / rechter rand. 92 S. (NB1375) 7,80 Euro
Unter dem Namen "Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes" (PEGIDA) gehen seit Ende Oktober 2014 in Dresden und anderorts Menschen gegen Flüchtlinge, »den Islam« und die »Lügenpresse« auf die Straße. Aus Hunderten wurden Tausende, und von Dresden aus verbreitete sich die rassistische und rechtspopulistische Bewegung über die ganze Bundesrepublik und expandierte sogar ins Ausland. Im Buch werden die Entwicklung von PEGIDA sowie ihr Verhältnis zu anderen Akteuren der extremen Rechten nachgezeichnet. Denn PEGIDA steht im Spannungsfeld von Neonazismus, rechtspopulistischer AfD und der Neuen Rechten.



Phillip Becher: Rechtspopulismus. Reihe Basiswissen im PapyRossa Verlag. 124 S. (NB1252) 9,90 Euro

In zahlreichen europäischen Staaten haben sich rechts von den konservativen Parteien Gruppierungen etabliert, die sich als Anwälte des "Normalbürgers" ausgeben. Gemeinhin als rechtspopulistisch bezeichnet, polemisieren sie scharf gegen - meist muslimische - Einwanderer und vertreten Parolen von "law and order", fordern jedoch ebenso mehr plebiszitäre Elemente. In Deutschland findet sich ein Spektrum aus Internet-Blogs, Zeitschriften und Think-Tanks mit deutlicher Nähe zum Rechtspopulismus, das sich in der »pro«-Bewegung parteiförmig ausdrückt. In den USA wirkt mit der "Tea Party" eine rechtspopulistische Kraft, die sich unter Bezug auf "amerikanische Werte" scharf gegen sozialen und demokratischen Fortschritt wendet. Der Band berücksichtigt die relevanten wissenschaftlichen Forschungsansätze. Mit Profilen rechtspopulistischer Formationen in Europa und Nordamerika und der Analyse ihrer Programmatik und Politik wird ihren Perspektiven, ihrem Verhältnis zum Faschismus und den Folgen für die Demokratie nachgegangen.



Sebastian Reinfeldt: "Wir für Euch". Die Wirksamkeit des Rechtspopulismus in Zeiten der Krise. Edition DISS im Unrast Verlag Dez. 2013. 144 S. (NB1273) 16 Euro
Wie prägen und begründen diskursive Muster, die rechtspopulistischen Parteien und Strömungen zugerechnet werden können, den politischen Diskurs zur Finanzkrise und die politischen Entscheidungen? Wie verändern sich dadurch die Machtverhältnisse und die Demokratie - samt unserer Vorstellungen davon, was Demokratie eigentlich ist?
Dr. Sebastian Reinfeldt ist Politikwissenschaftler und arbeitet in der Erwachsenenbildung. Seine thematischen Schwerpunkte sind rechter Populismus, Demokratietheorie, Sozialpolitik, undogmatischer Marxismus und Semiotik. Er lebt und arbeitet in Wien.



Kathrin Glösel, Natascha Strobl, Julian Bruns: Die Identitären. Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. Unrast Verlag 2016. 320 Seiten. (NB1356) 18 Euro.
Die Identitären, deren Anfänge um das Jahr 2002 auszumachen sind, verstehen sich als Jugendbewegung der "Neuen Rechten" in Europa. Seit der Initialzündung in Frankreich haben sich u.a. in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Großbritannien, Spanien sowie Dänemark, Schweden und Norwegen Ablegergruppen gegründet, die untereinander vernetzt sind und sich im Aufbau von grenzüberschreitenden Strukturen befinden.
Basierend auf Text-, Bild- und Videomaterial, den Gruppen-Standpunkten, Gesellschaftsanalysen und Schlussfolgerungen werden in diesem Handbuch Aktionismus und Aktivisten benannt und analysiert. Die politische Logik ihrer Thesen wird ebenso eingeordnet, wie die Mittel (rhetorisch, visuell, aktionistisch, medial), derer sie sich bedienen und es wird der Frage nachgegangen, auf welche Theorien und vorhandene Literatur sich die Identitären stützen.
Das Buch beleuchtet die Verbreitung in ganz Europa, ihre Verortung als "Neue Rechte", ihre Ideologien und historisch-theoretischen Unterbau, ihre Kommunikationsstrategien sowie ihre Qualifikation als Jugendbewegung.



Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe. Hg. Von Bente Gießelmann, Robin Heun, Benjamin Kerst, Lenard Suermann, Fabian Virchow. Wochenschau Verlag 2015. 368 S. (NB1319) 24,80 Euro
Was meinen Rechtsextreme, wenn sie von Islamisierung, Geschlechtergleichschaltung, Political Correctness oder Schuldkult sprechen? Die Autorinnen und Autoren dieses Handwörterbuchs geben hierzu Antworten und zeigen auf, wie die extreme Rechte mit Begriffs(um)deutungen und Wortneuschöpfungen Bausteine extrem rechter Weltanschauungen über die Sprache zu vermitteln und zu verankern versucht. Die Autorinnen und Autoren richten den Blick auch auf die gesamtgesellschaftliche Anschlussfähigkeit extrem rechter Diskurse. Die einzelnen Beiträge zeigen, wie die menschenverachtenden Äußerungen und die damit einhergehenden politischen Forderungen dekonstruiert und kritisiert werden können.



Tobias Alm, Cordelia Heß (Hg.): Rechtspopulismus kann tödlich sein! Entwicklung und Folgen des Rechtsrucks in Skandinavien. edition assemblage 2013. 120 S. (NB1265) 9,80 Euro
Den skandinavischen Ländern eilt der Ruf toleranter und gut funktionierender Gesellschaften voraus. Ein immenser Rechtsruck, der sich im Schatten dieser Perspektive vollzogen hat, wird hierbei meist ausgeklammert. Mit Ausnahme von Schweden haben rassistische und ausgrenzende Rhetoriken eine vollständige Normalisierung in den politischen Debatten erfahren. Die Autoren geben einen umfassenden Einblick in die Geschichte, Entwicklung und Ideologie des Rechtspopulismus in Skandinavien. Länderspezifische gesellschaftliche Entwicklungen und Reaktionen werden in Verbindung mit generellen Problemstellungen zum Rechtspopulismus thematisiert und bewertet. Norwegen nach dem rechten Attentat, die Stärke und Verankerung der dänischen "Volkspartei", die Genderfrage bei den "Schwedendemokraten" und das politische Umfeld der "Wahren Finnen" sind nur einige Aspekte, die in diesem Buch behandelt werden. Zu guter Letzt wird angesichts der Entwicklungen in Skandinavien ein Blick nach Deutschland gewagt und Überlegungen angestellt, warum der Rechtspopulismus sich hier noch nicht in ähnlicher Dimension verankern konnte.



Regina Wamper / Ekaterina Jadtschenko / Marc Jacobsen (Hg.): "Das hat doch nichts mit uns zu tun!" Die Anschläge in Norwegen in deutschsprachigen Medien. Edition DISS im Unrast Verlag 2011. 184 S. Pb. (NB1198) 18 Euro
Am 22. Juli 2011 explodierte in Oslo eine Autobombe, die acht Menschen tötete. Wenig später tötete der selbe Täter auf der Insel Utøya 69 junge Sozialdemokratinnen. Nach seiner Festnahme äußerte er antimuslimische und antimarxistische Ansichten. Die Autorinnen analysieren deutsche Medien unter dem Gesichtspunkt, wie dort dieses Ereignis eingeordnet wurde, ob und welche Diskursverschiebungen stattgefunden haben. Verschränkungen mit antimuslimischen Diskursen und deren der Extremismusbekämpfung werden besonders beachtet. Analysen zu der Reaktion extrem rechter Medien beleuchten Distanzierungen und Solidarisierungen.
Beiträge von Jonas Bals, Martin Dietzsch, Sebastian Friedrich, Astrid Hanisch, Margarete Jäger, Helmut Kellershohn, Sebastian Reinfeldt, Bernhard Schmid, Hannah Schultes.



Paul Bey, Benno Nothardt (Hg.): Kämpfe um Meinungsfreiheit und Medien. Im Spannungsfeld von Hate Speech, Fake News und Algorithmen. 160 S. (NB1436) 16 Euro
Die politische Kultur ist aktuell in einen Kampf um Meinungsfreiheit und mediale Wahrheit verwickelt. Während die einen den Medien weiterhin Unabhängigkeit und Objektivität bescheinigen, wird ihnen von der anderen Seite "Lügenpresse", "Political Correctness" und "Fake News" entgegengeschleudert. Die Autoren dieses Bandes untersuchen aus unterschiedlichen Blickwinkeln den umkämpften Begriff im Spannungsfeld von extremer Rechten, Leitmedien und Digitalisierung. Sie zeigen auf, mit welchen Strategien extreme Rechte Diskurse und digitale Algorithmen in sozialen Medien manipulieren, während sie gleichzeitig Meinungsfreiheit als Kampfbegriff nutzen, um Kritik an diskriminierenden Aussagen als vermeintliche Zensur abzuwehren. Gezeigt wird auch, wie sich der umkämpfte Begriff der Politischen Korrektheit verändert hat und Provokationen ein Teil des Erfolgsrezeptes für den Aufstieg der AfD sind.



Andrea Becker, Simon Eberhardt, Helmut Kellershohn (Hg.): Zwischen Neoliberalismus und völkischem 'Antikapitalismus'. Sozial- und wirtschaftspolitische Konzepte und Debatten innerhalb der AfD und der Neuen Rechten. 272 S. (NB1437) 24,00 Euro
Das Buch ist eine Bestandsaufnahme der sozial- und wirtschaftspolitischen Konzepte und Debatten innerhalb der AfD und der Neuen Rechten und unterzieht diese einer kritischen Analyse. Die Beiträge berücksichtigen dabei drei Dimensionen: erstens die Ebene der Akteure, also der Kräfte, die die Debatte bestimmen; zweitens geht es um konkrete Themenfelder, in die mit Konzepten, Thesenpapieren etc. interveniert wird; und drittens geht es um die jeweiligen ideologiepolitischen Perspektiven und deren Verortung im Spannungsfeld zwischen Neoliberalismus und völkischem 'Antikapitalismus', sowohl unter dem Blickwinkel der innerparteilichen Auseinandersetzungen als auch unter dem der Relevanz für die von der AfD angesprochene Wählerkoalition. Darüber hinaus spannt das Buch einen ideengeschichtlichen Bogen zurück zur sogenannten 'Konservativen Revolution', die der Neuen Rechten als eine Art Steinbruch von Ideen und Argumenten dient, die je nach Lage und Intention aktualisiert und angepasst werden.



Alfred Schobert und Siegfried Jäger (Hg.): Mythos Identität. Fiktion mit Folgen. Edition des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS) im Unrast Verlag 2004. 236 S. (NB793) 18 Euro
Allenthalben ist zu hören, Nationen seien reine Mythen, Konstrukte, bloße Fiktionen kollektiver Identität, denen in Wirklichkeit keine reale Existenz zukomme. Es gehe deshalb darum, die "Fiktion Nation" zu kritisieren und ihre Irrealität bloßzustellen. Der Begriff "Nation" reklamiere eine eben nur fiktive, nicht tatsächliche gemeinsame Herkunft oder gar Abstammung, die Homogenität einer Volks- oder Schicksalsgemeinschaft, eine gemeinsame Sprache und Kultur und ähnliche Eigenschaften. Das ist ja auch nicht falsch. Allerdings greift eine solche Kritik zu kurz und übersieht, daß derartige Konstruktionen und Fiktionen reale und ganz konkrete Folgen haben, Folgen, die keineswegs verschwinden, wenn ihre Fiktionalität als solche analysiert und benannt wird: Sicherung von Besitzständen führt zu Kriegen, die Hypostasierung der gemeinsamen Abstammung nährt Rassismus und Antisemitismus. Auf diesem Hintergrund ist zu verstehen, weshalb die Deutungs-Kämpfe um Vorstellungen von "nationaler Identität", einem Terminus, der von ganz rechts in die Mitte der Gesellschaft eingedrungen ist, mit so großer Leidenschaft ausgetragen werden. Heute geschieht dies umso heftiger, als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, im Zuge von EU-Integration und -Erweiterung und angesichts des globalen Terror-Kriegs die alten Fiktionen transformiert werden (müssen). In Verbindung damit sind auch subjektive Identitäten, die sich auf Identifikationen mit den jeweiligen nationalen (stilisierten) Geschichten stützen konnten, erodiert. Daraus resultieren neue Anforderungen an die Subjekte, die zwischen Identitäts-Angeboten, -Anforderungen und -Zumutungen vor den Fragen "Wer bin ich?" und "Wer ist der/die andere" stehen.
Mit Beiträgen von Semra Celik, Ivan Golobolov, Siegfried Jäger, Kurt Lenk, Jobst Paul, Gudrun Quenzel, Alfred Schobert, Frank Wichert und Moshe Zuckermann.



Martin Dietzsch, Siegfried Jäger, Helmut Kellershohn, Alfred Schobert: Nation statt Demokratie. Sein und Design der "Jungen Freiheit". Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) 2003. 248 S. Mit Abb. (NB651) 19,90 Euro
"Konservativ" soll sie sein, oder auch "umstritten", folgt man der Selbstdarstellung der Wochenzeitung "Junge Freiheit". Eine längerfristig angelegte, genaue Untersuchung der Zeitungspraxis zeigt allerdings, daß dies Verharmlosungen sind. Die "Junge Freiheit" ist programmatisch der Tradition des völkischen Nationalismus verpflichtet. Die Nation als mythisch überhöhte Abstammungsgemeinschaft wird gegen das neuzeitliche Verständnis von Demokratie mobil gemacht - "Nation statt Demokratie" ist das unausgesprochene Motto. Dabei entspricht die "Junge Freiheit" nicht der Klischee-Vorstellung, die viele von einer "rechten Zeitung" haben. Sie dosiert geschickt die Kernideologeme des völkischen Nationalismus. So bewegt sich die "Junge Freiheit" mal getarnt, mal mit offenem Visier im rechten Grenzraum des Verfassungsbogens und betreibt Woche für Woche intellektuelle Aufrüstung wider die moderne demokratische Gesellschaft, die als "dekadente Spaßgesellschaft" abqualifiziert wird.



Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn, Jobst Paul (Hg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt - Analysen rechter Ideologie. Edition des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung im Unrast-Verlag 2005. 256 S. (NB875) 18 Euro
Die nunmehr 200-jährige Kontinuität völkisch-faschistischer Ideologien und Ideologeme muß die nachhaltige, widerständige und aktuelle Analyse herausfordern - in theoretischer, aber auch praktisch-politischer Absicht. In der Tat schärft die neue Faschismusforschung den Blick dafür, wie sich völkisch-faschistisches Denken heute transformiert hat, wie es sich auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen etablieren und Politik und Denken vereinnahmen kann. Im vorliegenden Band schlagen die Autorinnen und Autoren den Bogen von der generischen Faschismustheorie über eingehende Einzelanalysen und Fallstudien bis zu Aspekten einer europäischen Lager-Mentalität, die sich "rechten" Visionen öffnet. Mit Beiträgen von Martin Dietzsch, Roger Griffin, Ute Kurzbein, Kurt Lenk, Stefanie Mayer, Marei Pelzer, Ulrich Prehn, Volker Weiß und Moshe Zuckermann.



Jürgen Peters & Christoph Schulze (Hg.): "Autonome Nationalisten". Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur. Unrast Verlag 2009 (unrast transparent - rechter rand). 72 S. (NB1122) 7,80 Euro
Ein "Schwarzer Block", Basecaps, dunkle Kleidung und Parolen wie "Fight the system!" - die Verwirrung ist groß, seitdem vor einigen Jahren erstmals "Autonome Nationalisten" (AN) auf Neonazi-Aufmärschen zu beobachten waren. Es handelt sich um eine Strömung in der militanten Neonaziszene, die sich diverser Symbole, Codes und Sprachformen bedient, die bisher in der Linken verortet waren. Was hat es nun auf sich mit den AN? Haben wir es mit verkleideten Neonazis oder mit einer neuen Form extrem rechter Jugendkultur zu tun? Ist die Herausbildung der AN gewinnbringend für die extreme Rechte oder führt sie zu weiteren Konflikten? Funktioniert der Stilwandel tatsächlich reibungslos? Stellen die "Autonomen Nationalisten" eine neue Gefahr dar? Was läßt sich aus der Enteignung der Form politischer Inszenierung lernen? Das Buch nimmt Entstehungsgeschichte, Ideologie, politische Praxis, Habitus und Selbstverständnis der AN unter die Lupe und beleuchtet ihr Verhältnis zu anderen Organisationen der extremen Rechten.



Rolf van Raden: Patient Massenmörder. Der Fall Ernst Wagner und die biopolitischen Diskurse. Edition DISS in Unrast Verlag 2009. 184 S. (NB1141) 24 Euro
Hirnforschung, die Täter der RAF, Amokläufe in Schulen - in der Auseinandersetzung über solche Themen beziehen sich Wissenschaftler und Journalisten bis heute auf einen Mordfall, der sich vor einem knappen Jahrhundert ereignete. Ernst August Wagner, Hauptlehrer aus Degerloch bei Stuttgart, tötete in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1913 seine Frau und seine vier Kinder. Anschließend erschoss er neun weitere Menschen und verletzte elf schwer. Bis 1938 fristete er sein Leben in einer psychiatrischen Anstalt. Immer wieder stellte er fest: Er bedauere nicht, seine Kinder getötet zu haben, da sein ganzes Geschlecht entartet sei. Hier traf sich die Rede des Mörders mit der seines Arztes. Robert Gaupp, Leiter der Universitätsnervenklinik Tübingen, machte Ernst Wagner zu seinem Fall und entwickelte an ihm die Lehre von der echten Paranoia. Parallel dazu forderte der angesehene Mediziner als Befürworter von Eugenik, Rassenhygiene und Zwangssterilisation schon 1920 die "Vernichtung lebensunwerten Lebens". Die Studie untersucht das Geflecht biopolitischer Diskurse, in dem sich der Mörder und sein Arzt gemeinsam bewegten. Erstmals werden die den Fall bis heute begleitenden Schriftdokumente aus Presse, Politik und Wissenschaft erfaßt und kritisch kommentiert. Ausgehend vom Fall Wagner weist der Autor nach, wie die Psychiatrie systematisch die Reichweite ihrer Diskurse ausdehnte, bis im Nationalsozialismus schließlich eliminatorische ärztliche Praktiken möglich wurden. Der Täter Ernst Wagner und seine Psychiater erscheinen somit als Referenzfiguren eines Jahrhunderts der Biopolitik, das keineswegs 1945 endete.



Reiner Fenske: Vom "Randphänomen" zum "Verdichtungsraum". Geschichte der "Rechtsextremismus"forschungen seit 1945. Unrast Verlag 2013. 190 S. (NB1269) 16 Euro
Das Buch geht von der Beobachtung aus, dass eine völlige Konfusion über Begriffe und Begriffsinhalte in den Forschungen zur "extremen Rechten" vorherrscht. Indem die Wissens- und Begriffsgeschichte des "Rechtsextremismus" in der Bundesrepublik im Kontext des Kalten Krieges (Walter Lippmann) geschrieben wird, zeigt sich, in welchem politisch hochgradig umkämpften Feld sich verschiedene Ansätze herausbilden, behaupten oder marginalisiert werden.
Seit 1945 bis in die frühen 1990er Jahre wird eine Kontinuität bestimmter Deutungsmuster in der Bundesrepublik deutlich. Als öffentlich besonders wirkmächtig hat sich dabei im Gefolge der Totalitarismustheorie die "Extremismustheorie" erwiesen, die seit etwa Mitte der 1970er Jahre zur offiziellen Deutungslinie für den "Rechtsextremismus" wurde. Das hat bis heute erhebliche Ausblendungen und Verkürzungen zur Folge. Diese sind teils schon im Begriff "Extremismus" an sich angelegt, teils werden sie aber auch verstärkt durch eine wissenschaftspolitische Einflussnahme seitens der Politik sowie staatlicher Behörden.
Abschließend werden neuere Ansätze der Forschung vorgestellt und diskutiert, inwiefern sie sich für eine Neukonzipierung der Forschung zur extremen Rechten eignen. Stärkerer Aufmerksamkeit bedürfen demnach Studien zum Bildungssystem sowie zur leistungs- und arbeitsbezogenen Wertesozialisation, um zu einem neuen integrierenden Ansatz gelangen zu können.



Alexander Bahar, Wilfried Kugel: Der Reichstagsbrand. Geschichte einer Provokation. Papyrossa Verlag 2013. 360 S. (NB1279) 17,90 Euro
Wer hat im Februar 1933 den Reichstag angezündet? Die Kontroverse um diese Frage reißt bis heute nicht ab. Bisher vollzog sich die Debatte indes ohne Kenntnis von 50.000 Seiten Original-Akten, die in Moskau und in der DDR lagerten. Sie wurden 2001 erstmals von Alexander Bahar und Wilfried Kugel ausgewertet. Ihr Fazit: Die noch immer verbreitete These einer Alleintäterschaft des Holländers van der Lubbe ist nicht zu halten. Vielmehr weisen alle dokumentierten Fakten auf Teile der SA unter Federführung des damaligen Reichstagspräsidenten Hermann Göring als Urheber hin. Die Autoren fassen in populärer Form ihre wichtigsten Forschungsergebnisse zusammen: Der Brandverlauf, die anschließenden Ermittlungen sowie die von den ermittelnden Behörden unterdrückten Hinweise auf Täter, Hintermänner und Mitwisser werden detailliert rekonstruiert. Die Darstellung wird ergänzt durch eine Dokumentation der noch immer andauernden Bemühungen, die wirklichen Brandstifter zu entlasten.



Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch, aktualisierte Ausgabe 2005, Aufl. 2015. 736 S. (NB1104) 30 Euro
Das Lexikon informiert mit 4.300 Artikeln ausführlich über die wichtigsten Personen aus Justiz, Kirchen, Wohlfahrtseinrichtungen, Kultur, Wirtschaft, Publizistik, Wissenschaft, Medizin, Polizei, Wehrmacht sowie über tragende Personen aus NSDAP, SA und SS. Das Personenlexikon informiert außerdem über deren Karrieren nach 1945, soweit diese ausfindig zu machen waren.



Kurt Pätzold: Deutschland 1933-39 Vorkrieg. PapyRossa Verlag 2016 Reihe Basiswissen. 152 S. (NB1360) 9,90 Euro
"Basiswissen" bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie.
Das war noch vor dem Kriege. Der Satz gehörte zu den Zeitbestimmungen der Deutschen, die 1945 dem Tod an den Fronten und in den Bombennächten entkommen waren. Zunehmend mit den Jahren, verklärte sich ihnen vielfach ihr Leben zwischen 1933 und 1939, verglichen mit jenem danach. Wie also hatten sie in diesem »Dritten Reich« wirklich gelebt, als ihnen der »Führer« seine Friedensliebe wieder und wieder beteuerte? Warum hatten sie diesem Adolf Hitler geglaubt? Und warum so viele und so lange, bis sie an jenem 1. September sich in den Krieg gestürzt sahen, den sie nun aber nicht verlieren wollten? Nicht schuldlos und ohne eigenes Zutun wurde die Mehrheit des deutschen Volkes in diesen Vorkriegsjahren tatsächlich betrogen und für Ziele eingenommen, von denen sie sich zum eigenen Nutzen besser abgewandt hätte. Es sind dies die Jahre, in denen sie konditioniert wurde für das, was kommen sollte: Massenhaft verübte Verbrechen an anderen Völkern. Der Abriss jener sechseinhalb Vorkriegsjahre ist auch ein Buch gegen Legenden und noch immer verweigerte Erkenntnisse.



Kurt Pätzold: Deutschland 1939-45 Krieg. PapyRossa Verlag 2016 Reihe Basiswissen. 132 S. (NB1361) 9,90 Euro
Dieser Band setzt den zeitlich vorausgehenden fort. Wie dieser will auch er dem Bedürfnis nach kompakter, womöglich erster Information über das Geschehen gerecht werden. Anhand der hier dargestellten fünfeinhalb Jahre lässt sich exemplarisch studieren, wie Kriege gemacht und wie Völker in sie hineingetrieben werden. Auch lässt sich ihnen Auskunft darüber abgewinnen, wie Menschen dazu gebracht werden konnten, sich als »Volksgenossen« wider ihre eigenen - unbegriffenen - Grundinteressen zu verhalten, an der Front und in der Heimat, die kein Hinterland mehr, sondern zunehmend Schauplatz eines selbst verschuldeten Bombenkrieges war. Warum haben sie für die Rüstung geschuftet? Warum über Jahre Nächte in Luftschutzkellern erduldet? Warum bis zum bitteren Ende Befehle befolgt, die sie in den Tod jagten? Was haben sie sich bei alledem gedacht, was erwartet, was erhofft? Solche Fragen stehen im Zentrum des Bandes. Die Geschichte von nicht ohne eigene Schuld missbrauchten Millionen.



Kurt Gossweiler: Großbanken, Industriemonopole und Staat. Ökonomie und Politik 1914 bis 1932. Papyrossa Verlag 2013. 380 S. (NB1256) 24 Euro
1971 erstmals veröffentlicht, haben die Forschungsergebnisse von Kurt Gossweiler zur deutschen Wirtschaftsgeschichte in Kaiserreich, Erstem Weltkrieg und Weimarer Republik nichts an Bedeutung verloren. Es geht um die Frage, wie die Industrie- und Finanzkonzerne ihre ökonomische in politische Macht umsetzten, wie sie um Einfluß auf den Staatsapparat konkurrierten, welche unterschiedlichen Strategien sie in der Innen- und Außenpolitik verfolgten und wie ihre grundsätzlichen Interessen trotz aller Gegensätze zu gemeinsamen Zielsetzungen führten. Wie stets auf ein enormes Archivmaterial gestützt, geht Gossweiler Problemstellungen nach, die in der aktuellen Geschichtsschreibung vernachlässigt werden, und deckt die Wurzeln für Entstehung und Entwicklung unterschiedlicher Gruppierungen im deutschen Finanzkapital auf. Besonderen Wert legt er auf die oft vernachlässigte Rolle der Großbanken und den Einfluss des US-Finanzkapitals und einer an ihm orientierten Fraktion in den deutschen Wirtschaftseliten.



Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. Herausgegeben von Thomas Meyer, Mit einem Nachwort von Helmut König. Serie Piper 2021. 560 S. (NB800) 16 Euro
"Das Beunruhigende an der Person Eichmanns war doch gerade, daß er war wie viele und daß diese vielen weder pervers noch sadistisch, sondern schrecklich und erschreckend normal waren und sind. Vom Standpunkt unserer Rechtsinstitutionen und an unsren moralischen Urteilsmaßstäben gemessen, war diese Normalität viel erschreckender als all die Greuel zusammengenommen." Hannah Arendt



Alexander und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens. Serie Piper 400 S. (NB396) 18 Euro
Ihre Weigerung, die Vergangenheit wahrzunehmen und zu verarbeiten, war in der Nachkriegszeit als kollektives Phänomen der Deutschen zu beobachten. Hellsichtig decken die beiden Autoren verborgene, unbewußte Einstellungen und Verhaltensschemata auf, die bis in die Gegenwart wirken.



Kurt Pätzold: Stalingrad und kein Zurück. Wahn und Wirklichkeit. Militzke-Verlag. (NB641) 17,90 Euro
Am 23. November 1942 schloß eine sowjetische Großoffensive den Ring um die von Generaloberst Friedrich Paulus geführte 6. Armee. Die Schlacht um Stalingrad erreichte ihren entscheidenden Wendepunkt. Der Autor konzentriert sich auf Fragen, die bis heute umstritten sind: Wovon ließen sich Hitler und seine Berater leiten, als sie im Frühjahr 1942 eine Million deutscher Soldaten auf einen extrem abenteuerlichen Feldzug schickten? Was ging in dem Armee-Oberbefehlshaber Paulus und den eingeschlossenen Generalen vor, als sie sich in aussichtsloser Lage jedes eigenen Entschlusses enthielten, ihre Untergebenen zu retten? Wie blickten die militärischen Führer, die sich in Gefangenschaft begaben und überlebten, auf ihre Rolle zurück? Pätzolds Buch umfaßt den Zeitraum vom Frühjahr 1942 bis zum Ende des Winters 1943. Es mündet in die Auseinandersetzung um die Frage, wie es den Machthabern gelingen konnte, die politische, militärische, propagandistische und psychologische Krise nach der Niederlage in Stalingrad zu überwinden und das skrupellose Konzept "Wenn nicht Sieg, dann Untergang" bis in die Maitage des Jahres 1945 zu verfolgen.



Florence Hervé (Hg.): Mit Mut und List. Europäische Frauen im Widerstand gegen Faschismus und Krieg. PapyRossa Verlag. 294 S. Mit einigen Abbildungen. (NB1454) 17,90 Euro
Im Mai 2020 jährt sich zum 75. Mal die Befreiung von der Terrorherrschaft des deutschen Faschismus. Zu ihr trug der Widerstand von Menschen in ganz Europa bei, darunter waren zahlreiche Frauen. Oftmals unter Lebensgefahr kämpften sie für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, für internationale Solidarität und ein friedliches Zusammenleben der Völker. Diese Frauen haben zudem die ihnen zugewiesene hergebrachte Geschlechterrolle durchbrochen und ihre Emanzipation gelebt. Erst im Jahr 2019 hat der Bundestag beschlossen, den Beitrag von Frauen zum deutschen Widerstand zu würdigen - der mutige Widerstand in anderen europäischen Ländern blieb unerwähnt. In dem von Florence Hervé herausgegebenen Band werden hingegen 75 Frauen aus mehr als zwanzig Ländern vorgestellt. Ein breites Team von Wissenschaftlerinnen und Journalistinnen aus ganz Europa hat dazu beigetragen. Sie vervollständigen das historische Bild vom antifaschistischen Widerstand um die Frauenperspektive und machen zugleich Mut für den Einsatz gegen Neofaschismus, Rechtspopulismus, Fremdenhass, Sexismus und Krieg.
Mit Beiträgen von Sabine Bade, Tina Berntsen, Gisela Blomberg, Antje Dertinger, Irene Fick, Cristina Fischer, Erni Friholt, Mechthild Gilzmer, Christiane Goldenstedt, Lia Gorter, Frits Grimmelikhuizen & Manja Pach, Mareen Heying, Mari Jonassen, Beate Kosmala, Kathrin Mess, Ulrike Müller, Frédérique Neau-Dufour, Regina Scheer, Helga W. Schwarz, Hanni Skroblies, Ingrid Strobl, Christl Wickert sowie der Herausgeberin Florence Hervé.



Hellmut G. Haasis: "Den Hitler jag ich in die Luft". Der Attentäter Georg Elser. Biografie. Neue, überarbeitete Ausgabe. Edition Nautilus 2009. 400 S. mit 25 s/w-Illustrationen. (NB1137) 22 Euro
München, 8. November 1939: Alles war sorgfältig vorbereitet. In dreißig Nächten hatte Georg Elser im Pfeiler hinter dem Rednerpult eine Bombe installiert. Doch kurz bevor sie explodierte, hatte Hitler, früher als sonst, den Bürgerbräukeller verlassen. Zum gleichen Zeitpunkt war der Attentäter durch aberwitzige Umstände bereits verhaftet. Noch während Hitler seine Zuhörer gegen England aufstachelte, hatte Elser bei Konstanz versucht, unbemerkt in die Schweiz zu gelangen. In seiner Jackentasche fanden die Zöllner eine Postkarte des Bürgerbräukellers, die den "illegalen Grenzgänger" später zum Verdächtigen machte. Er wurde an die Gestapo nach München ausgeliefert und dort nach schweren Folterungen zu einem Geständnis gezwungen. Am 9. April 1945 wurde der schwäbische Widerstandskämpfer im KZ Dachau ermordet. Bis dahin suchte die Gestapo in endlosen Verhören nach den "Hintermännern". Hitler und Himmler wollten nicht glauben, daß Elser allein gehandelt hatte; es mußte Drahtzieher geben. Es gab sie aber nicht - ein Umstand, der später auch die Historiker verwirrte: Ein Handwerker, der keiner politischen Gruppe angehörte, ein Einzelner, der früh erkannte, daß der Kriegstreiber Hitler nur mit Gewalt gestoppt werden kann, passte in keine ideologische Schublade. "Das Buch beschämt auch die bürgerliche Geschichtsschreibung, die sich lange weigerte, einen Mann zu akzeptieren, der das frühzeitig zu tun versuchte, wozu die deutschen Eliten aus Militär, Adel und Großbürgertum nicht fähig waren." Wilhelm von Sternburg in "Die Zeit".



Mike Steinhausen: Ruhrpiraten. Roman. Gmeiner Verlag 2018. 406 S. Klappenbroschur. (NB1400) 16 Euro
Edelweißpiraten Ruhrgebiet 1942. Während Deutschland im Gleichschritt marschiert, träumen der 16-jährige Egon Siepmann und sein Freund Fritz Gärtner von Freiheit und Abenteuer. Hin und her gerissen zwischen dem Kampf ums Überleben, den Schikanen der Hitlerjugend und der Verfolgung durch die Gestapo, suchen sie nach ihrer Identität. Doch wer sich in dieser Zeit auflehnt, wird bestraft. Und die Schergen des NS-Regimes kennen keine Gnade.



Das rote Hamborn. Politischer Widerstand in Duisburg von 1933 bis 1945. Begleitbuch zur Ausstellung im Kultur- und Stadthistorischen Museum vom 3. Mai 2017 bis zum 28.Januar 2018. Mercator-Verlag. 96 S., zahlreiche Abb. (NB1417) 12,90 Euro

Duisburg war ein Zentrum des politischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Geprägt durch Bergbau und Schwerindustrie gab es eine breite und gewerkschaftlich organisierte Arbeiterklasse, aus der heraus sich der Widerstand formierte. Die stärksten Widerstandsaktionen in Duisburg gingen von sozialdemokratischen und kommunistischen Gruppen aus. Das Thema "Widerstand in Duisburg" konzentriert sich auf den industriellen Norden der Stadt, auf den Stadtbezirk Hamborn. Doch auch die Widerstandsarbeit in benachbarten Stadtgebieten wie Meiderich oder Ruhrort und weiter südlich im "roten Hochfeld" mit seinen Industrieanlagen am Rhein wird schlaglichtartig vorgestellt. Mit dem großen Binnenhafen und der Rheinschifffahrt, mit seinem Verkehrsknotenpunkt im Westen des Ruhrgebiets und nahe den Niederlanden bot Duisburg für die Organisation des Widerstands ideale Voraussetzungen.



Detlef Bald: Die "Weiße Rose". Von der Front in den Widerstand. Aufbau Taschenbuch 2004. 256 S. Mit Abb. (NB742) 9,50 Euro
Tief erschüttert von den entsetzlichen Zügen der Barbarei, wollten die Akteure der "Weißen Rose" nicht mehr "nur" über die Diktatur des Bösen aufklären, sondern einen "Umsturz herbeiführen", damit staatliche Macht demokratisch gebändigt werden könnte. Die Erfahrungen während des Einsatzes als Sanitätsfeldwebel an der Ostfront im Sommer 1942 haben Hans Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf, Hubert Furtwängler und andere Mitglieder der Gruppe entscheidend motiviert, vom passiven zum aktiven öffentlichen Widerstand überzugehen. Der Historiker Detlef Bald belegt dies anhand unveröffentlichter Akten, Briefe und Aufzeichnungen.



Peter Gingold: Paris - Boulevard St. Martin No. 11. Ein jüdischer Antifaschist und Kommunist in der Résistance und der Bundesrepublik. Hg. von Ulrich Schneider. PapyRossa Verlag 2009. 188 S. mit Abb. (NB1103) 14,90 Euro
Peter Gingold (1916-2006) war einer der profiliertesten jüdischen Widerstandskämpfer und Kommunisten in der Bundesrepublik. Besonders seit den 70er Jahren trat er als Redner auf politischen Kundgebungen gegen Naziaufmärsche und als Zeitzeuge in Schulen und bei Jugendgruppen auf. Er hatte viel zu berichten: Die Zeit des aufkommenden Faschismus in Deutschland, Exil in Frankreich und Widerstand in den Reihen der Résistance (Illegalität, politische Agitation unter deutschen Besatzungssoldaten, Flucht aus den Fängen der Gestapo und Teilnahme am Aufstand zur Befreiung von Paris 1944). Den 8. Mai 1945, das "Morgenrot der Menschheitsgeschichte", erlebte er in Turin mit der italienischen Resistenza. Zurückgekehrt nach Deutschland, gestaltete er dort den politischen Neuanfang aktiv mit, musste jedoch erleben, wie er und seine Familie danach fast zwei Jahrzehnte der erneuten Verfolgung, der Ausbürgerung und des Berufsverbots erlebten. Trotzdem verstand er sich stets als "Mut-Macher", seine Maxime: "Nie aufgeben!"



Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. Heyne Taschenbuch. 528 S. (NB823) 16 Euro
Kogons Bericht stützt sich auf 150 Einzelprotokolle und eigene Erlebnisse als Inhaftierter. Wiederholt wollte der Autor sein Manuskript vernichten, so furchtbar war sein Inhalt. Aber er verwirklichte seine Absicht, die nackte Wahrheit zu schildern, objektiv, nichts zu verändern, nichts zu beschönigen und nichts zu verschweigen. So entstand ein historisches Werk ersten Ranges, das die Öffentlichkeit zum ersten Mal mit einer bis dahin für unvorstellbar gehaltenen Wirklichkeit konfrontierte.



Hans Beimler: Im Mörderlager Dachau. Herausgegeben, kommentiert und um eine biographische Skizze ergänzt von Friedbert Mühldorfer. PapyRossa Verlag 2011. 194 S. Pb. mit 30 s/w-Abbildungen. (NB1210). 12,90 Euro
Kurz nach seiner abenteuerlichen Flucht aus dem Konzentrationslager Dachau im Mai 1933 schrieb der schwer gefolterte bayerische Kommunist und Reichstagsabgeordnete Hans Beimler nieder, was er dort hatte erleben müssen. Die Veröffentlichung war eine Sensation und wurde in mehrere Sprachen übersetzt, in internationalen Zeitungen zitiert - und in Deutschland illegal verbreitet. Hans Beimler wollte mit seinem Bericht zum Widerstand gegen die Nazidiktatur in Deutschland und im Ausland aufrufen. Er selbst leistete zunächst illegale Arbeit von Frankreich, der Tschechoslowakei und der Schweiz aus, bevor er mit den ersten Freiwilligen nach Spanien ging, um dort mit den Internationalen Brigaden gegen Franco zu kämpfen. Am 1. Dezember 1936 fiel Hans Beimler vor Madrid. Erstmals in der Bundesrepublik erscheint sein Erlebnisbericht in der Originalfassung, ergänzt um Fotos und Dokumente sowie um Anmerkungen zu Entstehungsgeschichte und zeitgeschichtlichen Hintergründen. Außerdem wird von Friedbert Mühldorfer in einer umfangreichen biographischen Skizze der Lebensweg des Antifaschisten Beimler nachgezeichnet.
Friedbert Mühldorfer, *1951. Lehrer an einem Münchner Gymnasium und Historiker, seit 1975 Mitarbeit in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Landesverband Bayern. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus, Geschichte der Arbeiterbewegung, Nachkriegsgeschichte.



Katja Limbächer, Maike Merten, Bettina Pfefferle (Hg.): Das Mädchenkonzentrationslager Uckermark. Unrast Verlag 2. Aufl. 2005. 328 S. (NB845) 18 Euro
Im Frühjahr 1942 wurde das Mädchenkonzentrationslager Uckermark von Häftlingen des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück errichtet, 1945 zählte das Lager ca. 1.000 Mädchen und junge Frauen. Ein Erlaß von 1937 über die "vorbeugende Verbrechensbekämpfung" hatte die Deportation von als "asozial" kriminalisierten Mädchen möglich gemacht. Bis heute kämpfen viele dieser Frauen um ihre Anerkennung als Verfolgte und um einen dem Erinnern angemessenen politischen Umgang mit dem Gelände des ehemaligen Mädchen-KZs. Mitunter erhält man dabei den erschreckenden Eindruck der Kontinuität der Diskriminierung dieser Frauen. Der vorliegende Sammelband faßt Überlebensberichte, historisches Wissen, neue Recherchen und Forschungsergebnisse zusammen. Darüber hinaus werden anregende Diskussionen um eine mögliche Gestaltung der Gedenkstätte geführt.



Ceija Stojka: Träume ich, daß ich lebe? Befreit aus Bergen-Belsen. Hg. von Karin Berger. Picus-Verlag 2005. 120 S. Ln. (NB877) 14,90 Euro
"Mit der präzisen Beobachtungsgabe einer Elfjährigen nahm Ceija in Bergen-Belsen die Welt um sich herum auf. Als Zweiundsiebzigjährige beschreibt sie diese Eindrücke nun in detailreicher und konkreter Sprache und entwirft dabei Bilder von magischer Kraft. Ceija Stojka ist eine großartige Erzählerin. Sie ist mit den Geschichten ihrer Großmutter aufgewachsen und tief in der uralten Erzählkunst der Rom verwurzelt. Das wird in ihrem Erinnern spürbar: Worüber sie erzählt, ist oft schrecklich. Wie sie es erzählt, ist wunderbar." (Klappentext).



Ulrich Schneider: Auschwitz. PapyRossa Verlag, Reihe Basiswissen. 142 S. (NB1452) 9,90 Euro
Auschwitz steht weltweit als Synonym für das - neben der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs und dem Vernichtungskrieg in den besetzten Gebieten der Sowjetunion - schlimmste Verbrechen des deutschen Faschismus: für den industriellen Massenmord an Menschen, die nicht in seine Rassenvorstellung oder seine Weltherrschaftspläne passten - Juden, Sinti und Roma, Slawen, sowjetische Kriegsgefangene, politische Gegner oder wegen ihrer sexuellen Orientierung aus der "Volksgemeinschaft" Ausgegrenzte. Neben der Massenvernichtung in Auschwitz-Birkenau umfasste der Gesamtkomplex des Lagers auch die "Vernichtung durch Arbeit" in Auschwitz-Monowitz, dem Buna-Werk der IG Farben. Damit benennt das Buch auch die "Profi teure des Todes". Es bietet eine kompakte Einführung in die Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und in die juristische Aufarbeitung dieses Menschheitsverbrechens. Dabei kommen die Überlebenden selber vielfältig zu Wort. Mit einem Geleitwort von Henri Goldberg, Präsident der Fondation Auschwitz.
Ulrich Schneider, Dr. phil., *1954, Historiker, Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) sowie Sprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA).



Jules Schelvis: Eine Reise durch die Finsternis. Ein Bericht über zwei Jahre in deutschen Vernichtungs- und Konzentrationslagern. Unrast Verlag 2005. 192 S. (NB811) 16 Euro
Am 1. Juni 1943 wurden von den deutschen Besatzern 3006 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem holländischen Durchgangslager Westerbork in den Osten deportiert. Vier Tage später kamen sie in dem ostpolnischen Dorf Sobibór an. Niemand konnte ahnen, daß am Ende des Tages nur noch 81 junge Männer am Leben sein würden. Der Autor dieses Buches, Jules Schelvis, war einer von ihnen. An diesem Tag brach für Jules Schelvis eine Zeit von zwei Jahren in deutschen Vernichtungs- und Konzentrationslagern an, die ihn über die Stationen Sobibór, Dorohucza, Lublin, Radom, Tamaszów, Auschwitz ins schwäbische Vaihingen führte, wo er am 8. April 1945 befreit wurde. Er schrieb seine "Reise durch die Finsternis" direkt nach seiner Befreiung auf. Dieses jetzt auf Deutsch erschienene Buch soll Zeugnis sein gegen das Vergessen der Verbrechen des Nationalsozialismus.



Anne Frank: Tagebuch. Ergänzte Ausgabe mit einem Anhang. Fischer Taschenbuch 2015. 384 S. Mit Abb. (NB314) 11 Euro



Hans Peter Richter: Damals war es Friedrich. Dtv junior - Pocket-Bücher für Jugendliche. 176 S. (NB386) 8,95 Euro
Zwei Jungen wachsen im selben Haus auf und gehen in dieselbe Schulklasse. Sie werden Freunde, und jeder ist in der Familie des anderen daheim. Doch Friedrich Schneider ist Jude, und allmählich wirft der Schatten des Nationalsozialismus seine Schatten über ihn. Friedrichs Freund kann ihm immer weniger zur Seite stehen. Langsam gleitet die Geschichte aus der heilen Kinderwelt in ein unfaßbares Dunkel.



Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Fischer Taschenbücher 3 Bände im Schuber (NB155) 25,99 Euro



Raul Hilberg: Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933-1945. Fischer Taschenbuch 1996, 5. Aufl. 2011. 368 S. (NB311) 9,95 Euro



Gerd R. Überschär (Hg.): Der 20. Juli. Das "andere Deutschland" in der Vergangenheitspolitik nach 1945. Elefantenpress 1998. 448 S. (NB36z) 17,90 Euro
Mit erheblicher Verspätung hat sich die Forschung nach 1945 mit dem deutschen Widerstand gegen das Hitler-Regime auseinandergesetzt. Eine Reflexion der Rezeptionsgeschichte dieses Themas, das gern auf das Symboldatum "20. Juli" verkürzt wird, stand jedoch noch aus. Dieser Sammelband enthält Beiträge zum Umgang mit diesem Kapitel deutscher Geschichte. Er befaßt sich u.a. Mit der Haltung der Siegermächte, mit der Historiografie in Westdeutschland und der DDR nach 1945, die sich auch in der Darstellung in den Medien und Schulbüchern offenbarte, und mit dem Umgang mit Überlebenden des deutschen Widerstands. Darüber hinaus wird der Widerstand als "Bewältigungsproblem" wichtiger Gesellschaftsbereiche wie z.B. Justiz, Kirche und Militär thematisiert.



Peter Rau: Der Spanienkrieg 1936 - 39. PapyRossa Verlag 2012, Reihe Basiswissen. 132 S. (NB1219) 9,90 Euro
"Basiswissen" bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie. Als im Juli 1936 in Spanien die Reaktion gegen die demokratisch gewählte Volksfrontregierung putschte und bereits nach wenigen Tagen die Schützenhilfe aus Deutschland und Italien zugunsten der Militärs um Francisco Franco unumstößlich bewiesen war, eilten Tausende Antifaschisten aus aller Welt der Republik zu Hilfe und kämpften in den legendären Internationalen Brigaden. Die Vorgeschichte dieser Ereignisse wird hier ebenso beschrieben wie die umfangreiche materielle Unterstützung Francos durch den internationalen Faschismus. Thematisiert wird zudem die verhängnisvolle Nichteinmischungspolitik der "Demokratien" des Westens, die - neben der massiven Intervention seitens Hitlers und Mussolinis - letztlich für die Niederlage der Republik verantwortlich war. Beleuchtet werden aber auch deren Versäumnisse und Fehler sowie die Rolle der Kommunistischen Internationale als Spiritus Rector der Interbrigaden und die nicht immer uneigennützige Hilfe der Sowjetunion.



Ulrich Sander: Mörderisches Finale. NS-Verbrechen bei Kriegsende. PypyRossa 2008. 192 S. (NB1046) 16,90 Euro
Kurz vor der Befreiung wurden im Frühjahr 1945 Tausende Nazigegner »ausgeschaltet«. Gegen deutsche und ausländische Antifaschisten wie gegen Wehrmachtssoldaten, die sich am Wahnsinn nicht mehr beteiligen oder ihm ein Ende bereiten wollten, wurde ein groß angelegter Mordfeldzug in Gang gesetzt, um einen antifaschistischen Neubeginn nach dem Krieg im Keime zu ersticken. SS, Gestapo, aber auch einfache NSDAP-Mitglieder, Volkssturmmänner und Hitlerjungen nahmen teil an Massakern im Ruhrkessel, an Erschießungen in vielen Städten und Dörfern, am Mord an Gefangenen aus KZs und Zuchthäusern auf Todesmärschen, an Standgerichten gegen Deserteure. Die Verbrechen in der allerletzten Phase des Krieges waren sowohl örtliche Amokläufe als auch Teil der Nachkriegsplanungen des deutschen Faschismus. Ulrich Sander bilanziert das Ausmaß der Verbrechen, um die Opfer dem Vergessen zu entreißen und die Täter zu benennen. Er liefert eine erste - wenn auch unvollständige - Gesamtdarstellung dieser Vorgänge. Mit einem Personenregister.



Robert Merle: Der Tod ist mein Beruf. Roman. Aufbau-Verlag Berlin. 304 S. (NB141) 16 Euro
Tatsachenroman über das Leben des KZ-Kommandanten von Auschwitz Rudolf Höß. Von Theodor Kotula verfilmt ("Aus einem deutschen Leben").



Richard Glazar: Die Falle mit dem grünen Zaun. Überleben in Treblinka. Vorwort von Wolfgang Benz. Unrast Verlag 2008 (Reihe antifaschistischer Texte). 200 S. (NB1036) 20 Euro
Richard Glazar, einer der ganz wenigen Überlebenden des Vernichtungslagers Treblinka in Europa, schildert seine Verschleppung aus der Tschechoslowakei über das Ghetto Theresienstadt nach Treblinka, wo 1942/43 900.000 Juden ermordet wurden. Glazar war dort als einer der "Arbeitsjuden" eingesetzt. Er überlebte, weil ihm nach zehn Monaten während des Aufstands im Sommer 1943 als einem der wenigen die Flucht gelang. Bis zum Kriegsende konnte er als "Fremdarbeiter" getarnt in Deutschland untertauchen. Seine Aufzeichnungen, die über vier Jahrzehnte unveröffentlicht blieben, sind ein einzigartiges historisches Dokument und legen ein bewegendes Zeugnis ab für die vielen Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden.



Fania Fénelon: Das Mädchenorchester von Auschwitz. Dtv. 384 S. (NB147) 14 Euro
"Das ist der Musikblock. Wir sind das Frauenorchester vom Lager Birkenau..." Eine tragische, wahnwitzige, groteske Geschichte: ein Orchester, dessen Mitglieder buchstäblich um ihr Leben spielen mußten. Authentisches über den Holocaust.



Victor Klemperer: LTI. Notizbuch eines Philologen. Mit Anmerkungen von Elke Fröhlich. Verlag Philipp Reclam 2015. 416 S. (NB1302) 14 Euro
"LTI", die Analyse der Sprache des Nationalsozialismus und ihrer Wirkungsmacht, ist sowohl ein Meisterwerk der Geschichtsschreibung als auch ein menschliches Dokument von der Selbstrettung eines Sprach- und Literaturwissenschaftlers in hoffnungsloser Zeit. Elke Fröhlich hat den Text auf der Basis der von Victor Klemperer autorisierten Ausgaben von Irrtümern und Fehlern gereinigt, die sich im Lauf der Druck- und Erfolgsgeschichte des Buches eingeschlichen haben, und ihn um einen umfangreichen Kommentar ergänzt, der sowohl den zeitgeschichtlichen Kontext aufschließt als auch den immensen Bildungshintergrund des Romanisten Klemperer.
Elke Fröhlich war fast vier Jahrzehnte lang Mitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte in München
und leitete das Editionsprojekt der Tagebücher von Joseph Goebbels.



Bodo Ramelow (Hrsg.): Schreddern, Spitzeln, Staatsversagen. Wie rechter Terror, Behördenkumpanei und Rassismus aus der Mitte zusammengehen. VSA Verlag 2013. 240 S. (NB1254) 12,80 Euro
Der rechte Terror des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) kostete zehn Menschen das Leben. Er erwuchs aus dem Rassismus in der Gesellschaft, der Verharmlosung der rechten Gefahr, dem systembedingten Versagen der Geheimdienste und Behördenkumpanei. Eine Spur braunen Terrors zieht sich durch Deutschland: neun Morde mit derselben Waffe und die rätselhafte Hinrichtung einer Polizistin. Den aus der Türkei und aus Griechenland stammenden ermordeten Gewerbetreibenden und ihren Angehörigen schob man Mitschuld in die Schuhe. Fazit der zahlreichen Untersuchungsausschüsse: Schreddern, Spitzeln, Staatsversagen.
In diesem Buch geht es zum einen um die (Nicht-)Aufklärung der NSU-Verbrechen. Zum anderen wird gezeigt, wie rechter Terror, das Versagen der Geheimdienste und der Rassismus aus der Mitte zusammengehen.
"Der Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft, angetrieben auch durch die unerträglichen Debatten der Politik um die Abschaffung des Asylrechts und die Abschottung Deutschlands gegen Flüchtlinge, bereitete den Boden. Rassismus - das ist neben all den offenen Fragen um das Agieren des Staates das eigentliche Thema im Fall des NSU. Denn auch der Rassismus, der Antisemitismus, der Antiziganismus und die Islamophobie in der Gesellschaft sowie in Behörden führten dazu, daß zuerst die Opfer des braunen Terrors und ihre Angehörigen in den Fokus der Fahndungen gerieten und nie ernsthaft Rassismus als Tatmotiv und Neonazis als Täter erkannt wurden." (Aus dem Vorwort).
Bodo Ramelow ist Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag und Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung.



Martin Dietzsch, Helmut Kellershohn, Alfred Schobert: Jugend im Visier. Geschichte, Umfeld und Ausstrahlung der "Unabhängigen Nachrichten". Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) 2002. 184 S. (NB591) 12 Euro
Die "Unabhängigen Nachrichten" gehören zum Umfeld der NPD. Vor über 30 Jahren gegründet, popularisieren sie völkisch-nationalistische Ideologie mit deutlich neonazistischer Färbung. Agitation und Propaganda umfassen die gesamte programmatische Breite von Holocaust-Leugnung bis zu aggressivem Rassismus. Durch ihre Reihe "Auf dem Stundenplan" nehmen die "Unabhängigen Nachrichten" insbesondere Jugendliche ins Visier und betreiben dabei Fälschung der Geschichte. Im Umfeld der "Unabhängigen Nachrichten" verknüpft der Verlag VAWS Propaganda und Kommerz. Seit der Gründung nationalsozialistischer Traditionspflege verpflichtet, zielt auch VAWS insbesondere auf Jugendliche, indem er sich auf Vermarktung von Musik spezialisierte. Die Autoren der Studie zeigen, wer hinter den "Unabhängigen Nachrichten" und VAWS steckt, wie ihre Propaganda funktioniert und wie man sich dagegen wehren kann.



Ulrich Schneider: Antifaschismus. PapyRossa Verlag 2014 Reihe Basiswissen. 136 S. (NB1376) 9,90 Euro
Das Buch zeichnet die Geschichte des Antifaschismus- Begriffs und der damit verbundenen organisierten Bewegung vor allem in Deutschland nach. "Antifaschismus" wird sowohl als analytische Kategorie als auch als Handlungsorientierung aufgefasst. In der Weimarer Zeit war er stark geprägt durch die Parteien der Arbeiterbewegung. Der antifaschistische Widerstand bis hin zur Anti-Hitler- Koalition repräsentierte bereits ein breiteres Spektrum. Heute gibt es unterschiedliche Zugänge zum Antifaschismus. Einerseits verbindet sich Antifaschismus auf der Grundlage marxistischer Gesellschaftsanalyse mit Antikapitalismus. Andererseits umfasst die organisierte antifaschistische Bewegung auch Menschen und Strömungen, die diese Auffassung nicht teilen. Gemeinsam ist jedoch allen der praktische Einsatz gegen alle Formen von sozialer Ausgrenzung, von Rassismus und Ungleichbehandlung, gegen zwischenstaatliche Aggression, für demokratische und soziale Rechte.
Dr. phil. Ulrich Schneider, Jg. 1954. Historiker und Lehrer, ist Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Nazi regimes - Bund der Antifaschisten (VVN - BdA).



Thomas Willms: Auschwitz als Steinbruch. Was von den NS-Verbrechen bleibt. PapyRossa Verlag 2016. 136 S. (NB1380) 12,90 Euro
Wie die Verbrechen des NS-Regimes vergegenwärtigt werden, ist zunehmend einem ökonomischen und ideologischen Markt überlassen. Aus dem Zusammenhang gerissene Bilder haben bereits einen maßgeblichen Einfluss auf das Geschichtsbild. Dieser Prozess ist international und überlagert nationenspezifische geschichtspolitische Probleme. Thomas Willms stellt dar, was von den NS-Verbrechen bleibt, welche Aspekte der Erinnerungen von Zeitzeugen von Anfang an ignoriert wurden und welche Missverständnisse die Vorstellungen über Konzentrationslager bestimmen. In Essays, Analysen und Recherchen befragt er literarische und philosophische Werke, Museen, Filme, Fernsehserien, Graphic Novels, ein Puppenspiel und die Reenactment-Bewegung danach, wie apologetisch oder aufklärerisch sie sich mit dem Zweiten Weltkrieg und den deutschen Massenverbrechen auseinandersetzen. Die Streifzüge beginnen in Italien und führen über Deutschland, Frankreich, Polen und Großbritannien in die USA.



Frank Deppe, Georg Fülberth, Rainer Rilling (Hg.): Antifaschismus. Distel Verlag 1996. 624 S. (NB660) 34 Euro
Die in diesem Band versammelten Beiträge haben einen gemeinsamen inhaltlichen Bezug: die Rekonstruktion eines aktuellen Antifaschismus. Das schließt die Abwehr der üblich gewordenen Versuche ein, den Kampf gegen den Nationalsozialismus zu diskreditieren, Kriegspolitik und den Völkermord zu relativieren. Zu den bleibenden Ergebnissen des historischen Antifaschismus gehört der demokratische nd sozialstaatliche Konsens, der sich nach 1933 in den Widerstandsbewegungen herausgebildet hat und nach 1945 trotz des bald einsetzenden Kalten Krieges die gesellschaftliche Realität zumindest mitprägte. Aktueller Antifaschismus bedeutet seine Weiterentwicklung und Verteidigung.



Jens Mecklenburg (Hg.): AntifaReader. Antifaschistisches Handbuch und Ratgeber. Elefantenpress 1996. 384 S. (NB34z) 14 Euro
Der Antifa Reader bietet eine vollständige Darstellung zu den Themen Rechtsextremismus und Neonazismus. Von der organisatorischen Entwicklung zur Ideologie, von den Ursachen zu den Aussichten, von den alten zu den neuen Rechten, von den militanten Neonazis zu den Rechten in der Ökologie- und Esoterik-Szene. Ein Lexikon der wichtigsten Personen, Organisationen, Zeitungen und Zeitschriften, ein Schlagwortverzeichnis und Register geben dem Nachschlagewerk seinen Charakter als Arbeitsbuch. Der Reader informiert nicht nur kompetent über die rechte Szene, sondern gibt auch Anregungen für antifaschistische und antirassistische Aktivitäten.



Klaus Holz, Heiko Kauffmann, Jobst Paul (Hg.): Die Verneinung des Judentums. Antisemitismus als religiöse und säkulare Waffe. Edition DISS in Unrast Verlag 2009. 184 S. (NB1142) 22 Euro
Der Band umfaßt eingehende Analysen antisemitischer Positionierungen auf den Diskursebenen der Medien, der Politik, der Wissenschaft, der Religion und des Alltags. Thematisiert wird die Entstehung des politischen Antisemitismus in Deutschland und dessen gegenwärtige Wiederbelebung im Islamismus. Einen Schwerpunkt bildet die jüdische Perspektive auf das Phänomen des Antisemitismus und auf ihr Gegenprogramm der gerechten Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund wird die Flüchtlingspolitik der Gegenwart betrachtet. Dies geschieht anlässlich des 70. Jahrestages der Konferenz von Evian und deren Umgang mit jüdischen Flüchtlingen (1938).



Gerhard Feldbauer: Die Resistenza - Italien im Zweiten Weltkrieg. Papyrossa Verlag 2014, Reihe Basiswissen. 126 S. (NB1377) 9,9ß Euro
Nach dem Sturz Mussolinis besetzte die deutsche Wehrmacht Nord- und Mittelitalien. Daraufhin rief ein Nationales Befreiungskomitee zur Resistenza, dem bewaffneten Kampf gegen das Besatzungsregime und seine Vasallen, auf. Ihm gehörten neben den italienischen Kommunisten und Sozialisten auch Liberale und Christdemokraten an. Auf dieser Grundlage wurde eine Partisanenarmee gebildet, in der jede Partei mit eigenen Einheiten vertreten war. Weitaus am stärksten und aktivsten waren die kommunistisch geführten Garibaldi-Brigaden. In einem verlustreichen und von der Wehrmacht äußerst brutal geführten Kampf befreiten die von der Bevölkerung unterstützten Partisanen große Teile des Landes. Gerhard Feldbauer schildert Wurzeln und Vorgeschichte der Resistenza, den Verlauf und das Resultat ihres Kampfes, das komplizierte Zusammenwirken der unterschiedlichen sozialen Kräfte sowie das Verhalten der westlichen Alliierten, denen an einer antifaschistischen Umgestaltung Italiens nicht gelegen war.
Dr. phil. Gerhard Feldbauer, Jg. 1933. Habilitierte sich in italienischer Geschichte. War langjähriger Pressekorrespondent in Italien und Vietnam. Ist heute als freiberuflicher Publizist tätig. Zahlreiche Bücher und Zeitschriftenartikel.



Dietrich Heither: Burschenschaften. PapyRossa Verlag Reihe Basiswissen 2013. 132 S. (NB1373) 9,90 Euro
Die Deutsche Burschenschaft umfasst derzeit etwa 120 Verbindungen mit gut 1.300 Aktiven und rund 10.000 Alten Herren. Die Geschichte dieses prominentesten Dachverbandes studentischer Verbindungen zeichnet sich durch eine Kontinuität antidemokratischer, national-völkischer und männerbündischer Haltungen aus. Diese setzten sich bald nach Gründung der Urburschenschaft im Jahr 1815 immer mehr durch. Sie reichen weiter vom alldeutschen Weltmachtstreben im Kaiserreich über die Bekämpfung der Weimarer Republik und die frühzeitige Unterstützung der NSDAP bis in die Gegenwart. Noch immer geht dabei ein elitäres Weltbild mit personellen Schnittstellen zu führenden Kreisen aus Wirtschaft, Politik, Justiz und Publizistik einher. Vielfach belegt sind auch Verflechtungen zahlreicher burschenschaftlicher Mitglieder mit rechtsextremen Gruppierungen. Der Band zeichnet Geschichte und Ideologie der studentischen Korporationen nach und zieht eine Bilanz aus 200 Jahren Burschenschaften.



Dietrich Heither: Ich wusste, was ich tat. Emil Julius Gumbel und der rechte Terror in der Weimarer Republik. PapyRossa Verlag 2016. 132 S. (NB1374) 12,90 Euro
Pazifistisch, sozialistisch, jüdisch und intellektuell - bereits eines dieser Attribute reichte in der Weimarer Republik aus, um von der national-völkischen Rechten zum politischen Feind erklärt zu werden. Emil Julius Gumbel, Professor der Mathematik in Heidelberg, vereinte all dies in seiner Person. Zudem legte er sich in seinen Schriften an mit den Mordbanden und Putschisten, den Wehrsportgruppen und Geheimbünden, der »Schwarzen Reichswehr« und den Fememördern; aber auch mit einer Justiz, die all deren Verbrechen und Schandtaten deckte und eine Bestrafung der Täter in aller Regel verhinderte. Die Folge: Bereits vor der so genannten Machtergreifung wurde Gumbel von einer Phalanx aus Korporations- und Nazi-Studenten sowie rechtsgerichteten Professoren von der Hochschule vertrieben. Dietrich Heither erinnert an einen Demokraten, der den Mut aufbrachte, die Mörder von rechts und ihre Hintermänner beim Namen zu nennen, und dabei mehrfach auch seine persönliche Existenz aufs Spiel setzte.



Peter Bierl: Grüne Braune. Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von Rechts. Unrast Verlag 2014 (Reihe transparent - rechter rand). 80 S. (NB1286 BES) 7,80 Euro
Seit Jahren versuchen militante Neonazis und rechte Ideologen mit ökologischen Themen zu punkten. Die NPD protestiert gegen Gentechnik, Kameradschaften demonstrieren gegen Castor-Transporte und Autonome Nationalisten gegen Schweinemastbetriebe und für Vegetarismus. In Umwelt & Aktiv warnen Autoren vor zerstörerischer Wachstumspolitik und beklagen einen Raubbau an der Natur. Werden rechte Ökobauern enttarnt, löst deren Engagement immer wieder Überraschung aus. Bürgerinitiativen zeigen sich verwundet, wenn extrem Rechte mitmischen. Dabei haben Nazis immer schon gesellschaftliche Widersprüche aufgegriffen und gemäß ihrer Weltanschauung interpretiert, um neue Anhänger zu rekrutieren. Das gilt für die soziale Frage, die Frauenbewegung wie für Ökologie. Zumal Umweltschutz traditionell ein Thema der Rechten ist.
Die Lebensreformer und Heimatschützer des Kaiserreichs und der Weimarer Republik waren überwiegend konservativ bis völkisch-antisemitisch. Ideen und Personen aus diesem Spektrum prägten noch die moderne Ökologiebewegung und die Gründungsphase der Grünen. Die Biozentristen und Tiefenökologen, die sich im Umfeld von Protestbewegungen der 1970er Jahre entwickelten, verbinden Esoterik mit prinzipieller Menschenfeindlichkeit. Sie agitieren gegen Einwanderung und eine angebliche Überbevölkerung. Parolen der Neuen Rechten gegen Homogenisierung, für kulturelle Differenz und ein Recht auf Heimat sind längst in linke und ökologische Diskurse eingegangen.



Peter Bierl: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik. Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe. Konkret 2005. 280 S. (NB883 BES) 17 Euro



Mirja Keller, Lena Kögler, Moritz Krawinkel, Jan Schlemermeyer: Antifa. Geschichte und Organisierung. Schmetterling Verlag 2011 (Reihe theorie.org). 180 S. Pb. (NB1197 BES) 10 Euro
In dem Buch verfolgen die Autoren die Vorläufer, Theorien und Praktiken der linksradikalen Antifaschisten und erläutern konkret die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der gegenwärtigen Ausprägungen, wie Antideutsche, Antinationale oder Bewegungslinke. Den Lesern bietet sich mit diesem Buch die Möglichkeit, Erkenntnisse über bereits erarbeitete und verworfene Theorien sowie Erfolge und Niederlagen der Praxis zu sammeln, was gerade für die moderne, sich im stetigen Wandel befindliche, radikale Antifa von großer Bedeutung ist. Das Buch hilft dabei, Wissen um die eigene Geschichte zu erlangen, damit das Rad nicht immer neu erfunden werden muß. Stattdessen können die Leser die Entwicklung einer gesellschaftlich wirksamen, emanzipatorischen Bewegung vorantreiben.



Conrad Taler: Skandal ohne Ende. Deutscher Umgang mit dem Rechtsextremismus. PapyRossa Verlag 2012. 176 S. Pb. (NB1236 divex) 12,90 Euro
Wenn eine Gruppe von Neonazis lange Zeit ungehindert morden kann, so ist das auch eine Folge der jahrelangen Verharmlosung des Rechtsextremismus. Conrad Taler nennt jene mit Namen, die sich an dieser Verharmlosung beteiligt haben. So etwa den ehemaligen verteidigungspolitischen Sprecher der CDU, Manfred Wörner, der sich dafür einsetzte, eine Galionsfigur der rechtsextremen Szene, den Ex-Nazi-Oberst Hans-Ulrich Rudel, als Gast bei einer Fliegereinheit der Bundeswehr zu empfangen. Oder den Sozialdemokraten Peter Struck, der als Verteidigungsminister nichts dabei fand, den General Reinhard Günzel, der von seinen Soldaten Disziplin nach dem Vorbild der Waffen-SS verlangt hat, an die Spitze des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr zu stellen. Beteiligt war auch der Verfassungsschutz mit seinen Taufpaten aus der Gestapo, die als ausreichend legitimiert galten, weil für sie der Feind immer schon links gestanden hat. Dies entspricht einer Erblast, die Conrad Taler eingehend beschreibt.



Cornelia Kerth / Martin Kutscha (Hg.): Was heißt hier eigentlich Verfassungsschutz? Ein Geheimdienst und seine Praxis. PapyRossa Verlag 2020. 148 Seiten. (NB1455bes) 12,90 Euro
"Verfassungsschutz" - das klingt gut. Aber werden die mit diesem Namen geadelten Behörden ihrem Anspruch gerecht? Zahlreiche Skandale wie etwa das völlige Versagen beim Aufspüren der neonazistischen Terrorzelle "NSU" lassen daran zweifeln. Gleichwohl wurden in den letzten Jahren die Verfassungsschutzämter finanziell und personell aufgestockt und ihre Überwachungsbefugnisse noch erweitert. Dieser Sammelband nimmt Geschichte, Handlungsgrundlagen und aktuelle Praxis des Verfassungsschutzes unter die Lupe. Sind es wirklich nur »Pannen«, wenn dieser so wenig zur Aufklärung der Neonaziszene in Deutschland beiträgt? Welche Aufgaben weisen Grundgesetz und Fachgesetze den Geheimdiensten eigentlich zu? Wie sind die Vertuschung und Blockade bei der Aufdeckung terroristischer Netzwerke z.?B. im NSU-Prozess zu erklären? Werden die parlamentarischen Kontrollgremien ihrer Aufgabe gerecht oder dienen sie lediglich als Feigenblatt für fragwürdige Aktivitäten? Welche Alternativen gibt es, um die demokratische Verfassungsordnung wirksam zu schützen?
Mit Beiträgen von Antonia von der Behrens, Rolf Gössner, Luca Heyer, Udo Kauß, Martin Kutscha, Till Müller-Heidelberg, Martina Renner, Niklas Schrader und Klaus Stein.
Martin Kutscha, Dr. iur., Jg. 1948, Professor a.D. für Staats- und Verwaltungsrecht an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, engagiert in der Humanistischen Union; Cornelia Kerth, Jg. 1954, Sozialwissenschaftlerin, Bundesvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA).



White Noise. Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour - Einblicke in die internationale Nazi-Musik-Szene. Unrast-Verlag 2000. 160 S. (NB11z) 12 Euro
Mit einem Beitrag von Stefan Jacoby über Neonazis im Internet.



Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands. Roman. Suhrkamp-Verlag 1983. 962 S. (NB156) 25 Euro
Ausgabe des gesamten Werks in einem Band.



Dietmar Dath: Karl Marx. 100 Seiten. Reclam 2018 (Reihe 100 Seiten). (NB1418) 10 Euro
Im Januar 2009 wurde Dietmar Dath vom Spiegel gefragt, ob er für die "Beseitigung des kapitalistischen Systems" sei. Seine Antwort: "Absolut." Mit diesem Beitrag zu Marx' 200. Geburtstag hat Dath nicht nur ein äußerst persönliches Buch über Marx geschrieben, sondern eines, das in seiner Klarheit und Dynamik gleichzeitig eine brillante Einführung in die Marxsche Lehre und deren Nachwirkung bietet. So zeigt er unter anderem, dass Marx das zu Bekämpfende immer zuerst einmal verstehen will und sich stets an der Praxis orientiert - zwei der vielen Gründe für seine anhaltende Aktualität.



Detlef Vonde: Auf den Barrikaden. Friedrich Engels und die "gescheiterte Revolution" von 1848/49. Verlag Edition Köndgen 2020. 364 S. mit Abb. (NB1458) 19,95 Euro
Als ein sperriges Thema wurde die Revolution von 1848/49 immer wieder und gern bezeichnet. Gleichwohl schienen sich die Zeitgenossen und späteren Kommentatoren lange Zeit einig, wenn sie von einer gescheiterten bürgerlichen Revolution sprachen. Die Erzählung vom Scheitern war jedenfalls kaum geeignet, nennenswerten Widerspruch auszulösen. Eine Rolle spielte in diesem Zusammenhang auch der Barmer Fabrikantensohn Friedrich Engels, der in den Maitagen des tollen Jahres 1849 in Elberfeld selbst auf den Barrikaden stand und mit den Revolutionären einige Tage für die Demokratie und die Anerkennung der kurz zuvor verabschiedeten Reichsverfassung kämpfte. Die Geschichte dieser aufregenden Tage wird hier noch einmal erzählt und ins Verhältnis gesetzt zu den Prozessen auf den zentralen Handlungsebenen der Revolution von 1848/49.



Georg Fülberth: Friedrich Engels. PapyRossa Verlag 2018 (Reihe Basiswissen) 124 S. (NB1413) 9,90 Euro
Friedrich Engels (1820-1895) hat einer modischen Lesart zufolge die Theorie seines Freundes und Mitstreiters Karl Marx von Grund auf missverstanden. Und er hat sie nach dessen Tod angeblich bis zur Unkenntlichkeit verflacht, wenn nicht gar verfälscht. Dem widerspricht Georg Fülberth. Er arbeitet die tatsächliche Bedeutung von Engels heraus, indem er belegt, dass dieser zur gesellschaftswissenschaftlichen Revolution des 19. Jahrhunderts gleichermaßen beitrug wie Marx: zur Ersetzung der idealistischen Geschichtsauffassung durch die materialistische. Engels hat Marx zur Veröffentlichung des ersten Bandes des "Kapital" (1867), der ohne ihn vielleicht nie erschienen wäre, gedrängt, den zweiten 1885 sowie den dritten 1894 zusammengestellt und herausgegeben. Zugleich war er - mehr noch als Marx - einer der ersten Vertreter des Typs der "Operativen Intellektuellen", die die sozialistischen Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts mitgeprägt haben. Georg Fülberth untersucht sein Wirken auf diesen drei Gebieten.
Georg Fülberth, Dr. phil., Jg. 1939. Von 1972 bis 2004 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Marburg. Zahlreiche Bücher bei PapyRossa, etwa die Basiswissen-Bände >Kapitalismus<, >Sozialismus< und >Marxismus<. Publiziert u. a. in der Freitag, neues deutschland, junge Welt und konkret.



Stefan Kraft/ Karl Reitter (Hg.): Der junge Marx. Philosophische Schriften. Pro Media Verlag 2007, Edition "Linke Klassiker". 172 Seiten. (NB1022) 14,90 Euro
Als Karl Marx im Jahre 1848 im Alter von 29 Jahren gemeinsam mit Friedrich Engels das "Manifest der Kommunistischen Partei" veröffentlichte, konnte er bereits auf eine Fülle von richtungsweisenden Schriften zurückblicken. Zu den bekanntesten Werken aus seinen Jugendjahren zählen unter anderem "Die heilige Familie", "Die deutsche Ideologie", die "Ökonomisch-philosophischen Manuskripte" und die "Thesen über Feuerbach". Diese Abhandlungen zeigen auf faszinierende Weise die raschen und umwälzenden Veränderungen im Marxschen Denken, seinen Geistesweg von der deutschen Philosophie hin zu einem revolutionären Programm, seine radikalen Auseinandersetzungen mit den Linkshegelianern und Frühsozialisten. Wir erleben einen Denker, der früh erkennt, wie die Verwirklichung der Philosophie eine emanzipatorische Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse bewirken kann. Wir treffen auf einen scharfen Kritiker des Staates, der, vor allem in seiner ausführlichen Kritik an Hegel, den Widerspruch zwischen Staat und Gesellschaft herausarbeitet. Revolution, so Marx, muß "die Revolution radikaler Bedürfnisse sein". Kommunismus ist daher auch kein fixer, anzustrebender Zustand, sondern "Kommunismus ist die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt". In seinen frühen Analysen der ökonomisch-sozialen Verhältnisse im Allgemeinen und dem Arbeitsprozeß im Besonderen finden wir eine scharfe Kritik der Lohnarbeit. Marx, der sie grundlegend als entfremdete Arbeit erkennt, konstatiert unmissverständlich: "Ihre Fremdheit tritt darin rein hervor, daß, sobald kein physischer oder sonstiger Zwang existiert, die Arbeit als eine Pest geflohen wird." Wie dringlich eine Revolution vonnöten ist, beweist Marx mit seiner Analyse der psychischen und physischen Reduktion des Menschen im kapitalistischen Arbeitsprozeß, und er setzt ihr die Entwicklung der Allseitigkeit und die Entfaltung der Persönlichkeit entgegen. Die Individuen "müssen den Staat stürzen, um ihre Persönlichkeit durchzusetzen." Mit der Schriftensammlung "Der junge Marx" haben Stefan Kraft und Karl Reitter den Versuch unternommen, die wichtigsten Argumente, Thesen und Textstellen im Marxschen Frühwerk aufzuspüren und ihre Aktualität in der Beantwortung heutiger gesellschaftspolitischer Fragen unter Beweis zu stellen.



Georg Fülberth: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. PapyRossa Verlag Basiswissen 2012. 116 S. Pocketformat. (NB1233) 9,90 Euro
Georg Fülberth, Professor Dr. phil., Jg. 1939. Lehrte Politikwissenschaft an der Universität Marburg. Publiziert regelmäßig in "Freitag", "Konkret", "junge Welt" und anderen Zeitungen und Zeitschriften. Zahlreiche Bücher und Buchbeiträge.
"Basiswissen" bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie. Georg Fülberth beschreibt die Entwicklung des bürgerlichen Deutschland seit 1945 als eine Art Selbstbefreiungskampf des deutschen Kapitalismus aus der Sicherungsverwahrung, die ihm 1945 auferlegt wurde. 1990 wechselte das Vorzeichen: aus einer scheinbar subalternen Position innerhalb der Westintegration heraus bahnte sich eine ökonomische und zum Teil auch politische Dominanz Deutschlands in Europa an. Dies ist die eine Seite. Die andere besteht aus den Kämpfen um mehr gesellschaftliche Gleichheit und um eine friedliche Entwicklung. Hier lassen sich mehrere Perioden unterscheiden: Bis 1973 gab es im Goldenen Zeitalter des Wohlfahrtskapitalismus relativ weite Spielräume, zu denen auch der Systemkonfl ikt beitrug. Der Übergang zum finanzmarktgetriebenen Kapitalismus ab Mitte der siebziger Jahre und der Wegfall des Drucks, der vom staatlich verfassten Sozialismus ausging, haben sie verengt. Die Ungleichheit nimmt zu. Ebenso wächst eine aggressive Tendenz in der Außenpolitik.



Georg Fülberth: Kapitalismus. PapyRossa Verlag 2010 (Basiswissen). 128 S. (NB1143) 12 Euro
"Basiswissen" bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie. Den ersten Leitfaden aus dieser neu etablierten Reihe legt Georg Fülberth zum Stichwort "Kapitalismus" vor. Im theoretischen Teil werden dessen Charakteristika herausgearbeitet. Zentral stehen dabei Akkumulation und Überakkumulation. Sie bestimmen auch den Rhythmus der Geschichte dieser Produktions- und Reproduktionsweise. Ihr gilt der zweite Teil des Buchs, der vom Handelskapitalismus des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit bis zum Neoliberalismus von heute reicht. In seiner aktuellen Phase wird der Kapitalismus als "Problematische Überschussgesellschaft" definiert. Dieser Begriff dient zur Erklärung der Krise von 2007 ff., die sich als die Konsequenz der merkwürdigerweise lange verdrängten, womöglich wichtigeren Vorgängerkrise von 1974/75 und des darauf folgenden Spekulations- und erneuten Überakkumulations- Zyklus erweist.



Georg Fülberth: Sozialismus. PapyRossa Verlag 2010 (Basiswissen). 112 S. (NB1144) 9,90 Euro
Was Sozialismus sei, wird angesichts der Krisenhaftigkeit seines Gegenstücks, des Kapitalismus, heftig debattiert. Was gemeint ist, bleibt indes häufig unklar. Dem kann dieser Leitfaden abhelfen. Unter Sozialismus versteht er dreierlei: a.) eine Gesellschaftsordnung, b.) eine politische Bewegung und ihre Theorie, c.) ein untergeordnetes Organisationsprinzip in der kapitalistischen Gesellschaft. Diese Definition macht es nötig, in gebotener Kürze, aber dennoch präzise die Grundzüge der Geschichte der sozialistischen Bewegungen seit Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft, des staatlich verfassten Sozialismus seit 1917 und von Vergesellschaftungstendenzen im Kapitalismus selbst herauszuarbeiten. Der Verfasser fragt auch nach Möglichkeiten für eine Zukunft des Sozialismus. Als eine erste Etappe nennt er eine "Pink, Grey, Red, Blue Revolution": Eine Umwälzung zugunsten der Jungen, der Rentner, der von Lohn- oder Transfereinkommen Abhängigen und der Antikriegskräfte, deren ökologische Dimension vorausgesetzt wird.
Professor Dr. phil. Georg Fülberth, Jg. 1939. Lehrte Politikwissenschaft an der Universität Marburg. Publiziert regelmäßig in "Freitag", "Konkret", "junge Welt" und anderen Zeitungen und Zeitschriften. Zahlreiche Bücher und Buchbeiträge.



Georg Fülberth: "Das Kapital" kompakt. PapyRossa Verlag 2011 (Basiswissen). 123 S. (NB1165) 9,90 Euro
Die vorliegende Einführung in "Das Kapital" unterscheidet sich von anderen auch dadurch, daß sie nicht polemisch zu belegen versucht, dieses Werk besser verstanden zu haben als jene. Sie zeichnet zwar ebenfalls dessen Gesamtargumentation nach, zeichnet sich aber dadurch aus, dass sie 1) besonderes Gewicht auf den dritten Band legt; 2) die Rehabilitation der reinen Arbeitswertlehre, wie sie im ersten Band entwickelt ist, übernimmt; 3) danach fragt, in welchem Verhältnis die Analyse der kapitalistischen Produktionsweise und die Untersuchung der Möglichkeiten ihrer Aufhebung in der Marxschen "Kritik der Politischen Ökonomie" zueinander stehen. Die Erkenntnisse der "Neuen Marx-Lektüre" und der "Monetären Werttheorie" werden dabei aufgenommen, aber vom Kopf auf die Füße gestellt. Das Ziel dieser Einführung ist erreicht, wenn die Leserinnen und Leser neugierig auf das Original werden und dessen Lektüre folgen lassen. Dieser Basistext kann ihnen dabei helfen, einen roten Faden durch die drei Bände zu finden.



Gretchen Binus, Beate Landefeld, Andreas Wehr: Staatsmonopolistischer Kapitalismus. PapyRossa Verlag, 2., durchgesehene Auflage 2015 (Reihe Basiswissen). 128 S. (NB1324 bes.) 12 ¤
Von vielen längst ad acta gelegt, erweist sich die Theorie des Staatsmonopolistischen Kapitalismus als einer der tragfähigsten Erklärungsansätze für die Tiefe und Dauer der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2007, eine der schwersten Krisen des Kapitalismus überhaupt. Sowohl die Konzentration als auch die Zentralisation von Kapital, mit dem Ergebnis der Herausbildung neuer und der Stärkung bestehender Monopole, ist in den letzten Jahrzehnten weiter vorangeschritten. Die staatlichen Interventionen zur Stützung dieser Monopole haben inzwischen völlig neue Dimensionen erreicht. Weltweit wurden in der jüngsten Krise Banken und Industriebetriebe mit Hunderten von Milliarden US-Dollar bzw. Euro vor dem Untergang bewahrt. Der Staatsmonopolistische Kapitalismus, die enge Verflechtung zwischen den Staatsapparaten und Monopolen zum Zweck der Sicherung von deren Verwertungsinteressen, erweist sich als Kernstruktur des Kapitalismus und als dessen entscheidender Funktionsmechanismus.
Gretchen Binus, Prof. Dr., Jg. 1936, Wirtschaftswissenschaftlerin und Wirtschaftshistorikerin. Bis 1990 tätig am Institut für Internationale Politik und Wirtschaft (IPW) Berlin und zwischenzeitlich an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg;
Beate Landefeld, Jg. 1944, Hotelfachfrau, Abendgymnasium für Berufstätige, Studium der Literaturwissenschaft und Soziologie;
Andreas Wehr, Jg. 1954, Jurist, wissenschaftlicher Mitarbeiter der "Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken / Nordische Grüne Linke" im Europäischen Parlament.



Frank Deppe, David Salomon, Ingar Solty: Imperialismus. PapyRossa Verlag 2011 (Basiswissen). 134 S. (NB1164) 9,90 Euro
Imperialismus definieren die Autoren als eine "offene oder latente Gewaltpolitik zur externen Absicherung eines internen Regimes" und als zentralen Bestandteil der territorialen Reproduktion des Kapitalismus. Verabschieden sie damit die Sichtweise, Imperialismus sei ein Stadium der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, so zeigen sie jedoch, daß sich aus der polit-ökonomisch begründeten Analyse schlüssige Einsichten auch in gegenwärtige weltwirtschaftliche und -politische Abläufe ergeben. Klassische Imperialismustheorien (J. A. Hobson, Rudolf Hilferding, Joseph Schumpeter, Karl Kautsky sowie W. I. Lenin und Rosa Luxemburg) werden ebenso berücksichtigt wie Beiträge aus der aktuellen Debatte (Leo Panitch, Sam Gindin oder David Harvey). Nach einer Analyse des US-Imperialismus seit 1945 fragen die Autoren auch, wie es sich mit einem "Euroimperialismus" verhält. Kritik an der ideologischen Figur eines "guten Imperialismus" und Überlegungen zu einem zeitgemäßen Antiimperialismus beschließen den Band.



Lothar Peter: Marx an die Uni. Die "Marburger Schule" - Geschichte, Probleme, Akteure. Papyrossa Verlag 2014. 224 S. (NB1278) 14,90 Euro
Daß es neben der "Frankfurter Schule" mit ihrer "Kritischen Theorie" auch eine marxistisch orientierte "Marburger Schule" mit wissenschaftlich und politisch intensiver Wirkung gegeben hat, wird oft vergessen. Lothar Peter zeichnet deren Geschichte nach und verortet sie im politisch-intellektuellen Diskurs und in den politischen Entwicklungen der Bundesrepublik. Eine zentrale Rolle kommt dem Politikwissenschaftler Wolfgang Abendroth zu, im Unterschied zu anderen Darstellungen berücksichtigt Peter aber ebenso die Soziologen Werner Hofmann und Heinz Maus und geht auch auf die Nachfolger ein. Alle teilten ein Wissenschaftsverständnis, das akademische Lehre und Forschung mit dem Ziel gesellschaftsverändernder Praxis verknüpfte. Dieses Profil stieß auf massiven Widerstand. Es gehört zu den Befunden des Buches, dass sich die Akteure der Marburger Schule diesem Druck weder gebeugt haben noch ideologisch zu Kreuze gekrochen sind. Dabei benennt das Buch durchaus auch ihre Defizite und Grenzen.



Ronald M. Schernikau: Kleinstadtnovelle. Konkret 2002. 86 S. Pb. (NB615) 12 Euro
1980 erstmals veröffentlicht. Ein subtiler Text über die Schwierigkeiten, die eigene Persönlichkeit gegen festgeschriebene Normen und Werte durchzusetzen. Als schwuler Klassiker gefeiert und als eine der ersten Coming-out-Geschichten gerühmt, ist "Kleinstadtnovelle" mehr noch präzise und vielschichtige Analyse der ausweglosen Situation Jugendlicher.



Ronald M. Schernikau: Die Tage in L. Darüber, daß die DDR und die BRD sich niemals verständigen können, geschweige mittels ihrer Literatur. Konkret 2001. 216 S. (NB527) 15 Euro
Ronald M. Schernikau (1960-1991) ging - gegen den Strom - 1989 in den Osten und nahm die DDR-Staatsbürgerschaft an. "Die Tage in L." ist eine Sammlung von Notaten. Die Neuausgabe berücksichtigt Korrekturen des Autors nach der Erstausgabe von 1989 und enhält ein Vorwort von Hermann L. Gremliza.



Ronald M. Schernikau: Königin im Dreck. Texte zur Zeit. Hg. von Thomas Keck. Verbrecher Verlag 2009. 304 S., einige Abb. (NB1138) 15 Euro
"Königin im Dreck" ist ein Band, der erstmals Schernikaus Beiträge für Zeitungen, Journale und Anthologien vereint.



Bernd Langer: Kunst und Kampf. Unrast Verlag 2016. 256 S. (NB1352) 19,80 Euro
In den 1980er Jahren wird Kunst und Kampf (KuK) mit der Gestaltung von Plakaten in der antifaschistischen Bewegung bekannt. Das Projekt verfolgt einen kollektiven Ansatz, der jedoch immer auch individuelle Züge trägt.
Ideengeschichtlich bezieht sich KuK auf die Renaissance, die den Menschen in den Mittelpunkt rückt und Religion und Hierarchien infrage stellt. Ein wichtiger Bezugspunkt ist dabei der deutsche Bauernkrieg. Wesentlichen Raum nimmt außerdem die Auseinandersetzung mit den sich als avantgardistisch verstehenden Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts ein.
Das Buch streift dabei die Geschichte der Jugendzentrumsbewegung, erzählt von den Autonomen und der Antifa, von umgestürzten Denkmälern, spektakulären Demonstrationen, der Herstellung von illegalen Plakaten und Zeitungen und warum die Doppelfahnen der Antifaschistischen Aktion heute von links gegen rechts wehen.
Bernd Langer, seit 1978 antifaschistisch engagiert, gehörte zu den Aktivisten der ersten autonomen Antifa-Strukturen. Außerdem entwickelte er die kulturpolitische Initiative Kunst und Kampf (KuK). In den 1990er Jahren war Langer maßgebliches Mitglied der Autonomen Antifa (M) und am Aufbau der AA/BO (Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation) beteiligt. Als Autor diverser Bücher und Vortragsreisender setzt er sich seit Jahren mit den revolutionären Bewegungen in Deutschland auseinander.



Die untergründigen Jahre. Die kollektive Autobiographie >alternativer< Autoren aus den 1970ern und danach. Herausgegeben von Peter Engel und Günther Emig. Günther Emigs Literatur-Betrieb 2019. 484 Seiten, (NB1446) 20 Euro
Die 68er-Studentenrevolte hat in die 70er Jahre hineingestrahlt, ist da erst richtig wirksam geworden, nicht zuletzt in der Literatur und im Literaturbetrieb. War das damals tatsächlich eine gravierende Umwälzung oder nur der übliche Aufstand der Jungen gegen die Alten beziehungsweise lediglich ein spontaner Aufbruch gegen den eingefahrenen "Betrieb"? Kann man sich, wie Enzensberger meinte, in Bezug auf die siebziger Jahre "kurz fassen" und nicht wirklich verlangen, dass man ihrer "mit Nachsicht gedächte"?
Wir stellten diese Fragen 40 Jahre nach den "Gegenbuchmessen" und dem Kampf der "kleinen Bertelsmänner" gegen das etablierte Verlagswesen noch einmal, wollen von den damaligen Protagonisten der "Gegenkultur" wissen, wie sie jene Zeiten erlebt haben, welches für sie die bestimmenden Momente waren und was von all dem für sie bis heute nachwirkt.
Inhaltlich sollte es in den erbetenen Beiträgen um das Subjektive gehen, die persönliche Perspektive, also keine Beiträge über Dritte, sondern eine Darstellung des eigenen Tuns (natürlich mit Bezug auf diese "Dritten"): Warum, mit wem, zu welchem "Endzweck", was daraus geworden ist usw. Also quasi lauter Einzel-Autobiographien, die die Zeit von Ende der 1960er bis Ende 1970 schwerpunktmäßig umfassen sollten. Und natürlich wie es danach weiterging.
Beiträge von: Wolfgang Bittner, Michael Braun, Daniel Dubbe, Heiner Egge, Peter Engel, Ronald Glomb, Frank Göhre, Friedemann Hahn, Manfred Hausin, Martin Jürgens, Benno Käsmayr, Michael Kellner, Barbara Maria Kloos, Fitzgerald Kusz, Helmut Loeven, Detlef Michelers, Alfred Miersch, Peter Salomon, Christoph Schubert-Weller, Tiny Stricker, Ralf Thenior, Jürgen Theobaldy.



Unter dem Radar. Underground- und Selbstpublikationen 1965 - 1975. Herausgegeben von Bandel, Jan-Frederik /Gilbert, Annette /Prill, Tania. Spectormag Verlag 2017. 368 S. Großformat, Ringheftung, unzählige, meist farbige Abbildungen. (NB1389) 38 Euro
Mitte der 1960er kommt es zu einem Boom von Underground- und Selbstpublikationen. Hektografie, Mimeografie und Offsetdruck erlauben es nicht nur, günstig kleine Auflagen herzustellen, sondern befördern eine spezifische Ästhetik: In wilden Klebelayouts kombinieren 'messianische Amateure' Typoskriptästhetik, Handschriften, Kritzelzeichnungen, zusammengetragenes, collagiertes Bildmaterial, Pornofotos, Schnappschüsse, Comics. Die Typografie entregelt sich bewusst, parallel zu einer Deregulierung der sprachlichen und bildlichen Ausdrucksformen im Namen einer neuen 'Sensibilität'.
Der Band (der parallel zu einer Ausstellung in der Bremer Weserburg erscheint) zeigt erstmals in dieser Breite Underground- und Selbstpublikationen der BRD, aber auch den internationalen Kontext, in dem diese entstanden sind: nicht als Geschichte der Anekdoten, sondern als Versuch, den ästhetischen Kosmos einer Do-it-Yourself-Revolte zu erschließen, der auch einen neuen Blick auf den gegenwärtigen Boom von 'Independent Publishing', Risographie-Ästhetik usw. herausfordert.



Biene Baumeister, Zwi Negator: Situationistische Revolutionstheorie. Eine Aneignung. Vol I: Enchiridion. Schmetterling Verlag, Reihe Theorie.org. 2005. 240 S. (NB853) 10 Euro
"In unseren Tagen erscheint das revolutionäre Projekt als Angeklagter der Geschichte. Ihm wird vorgeworfen, daß es schlechten Erfolg gehabt und eine neue Entfremdung mit sich gebracht habe. Das heißt nichts anderes, als daß die herrschende Gesellschaft sich auf allen Gebieten der Wirklichkeit viel besser wehren konnte als die Revolutionäre es vorhergesehen hatten, und nicht, daß sie annehmbarer geworden ist."
Mitte der 50er Jahre entstand die Situationistische Internationale (SI), die für die Bewegungen im französischen Mai 1968 eine maßgebliche Rolle spielte und auch heute als eine Stichwortgeberin für viele Strömungen aus Kultur und Politik herhält. Mit ihrem Konzept der "Konstruktion von Situationen" arbeitete sie mit spielerisch experimentellen Mitteln auf die Verwirklichung der Poesie als Aufhebung von Kunst, Politik und Alltag im Sinne einer modernen proletarischen Revolution hin. Beeinflußt von Dadaismus und Surrealismus unterzog die SI das Marxsche Werk einer intensiven Relektüre und erarbeitete eine Kritik der "Gesellschaft des Spektakels" (SI). Vor diesem Hintergrund versucht das Buch, die Grundzüge der situationistischen Revolutionstheorie dar- und klarzustellen und sie zugleich mit ihren "blinden Flecken" zu konfrontieren, was für eine kritische, aktualisierte Aneignung unabdingbar ist.



Biene Baumeister, Zwi Negator: Situationistische Revolutionstheorie. Eine Aneignung Vol. II: Kleines Organon. Schmetterling Verlag, Reihe Theorie Org. 240 S. (NB843) 10 Euro
Hintergründe und Anmerkungen zu Band 1. Literaturverzeichnis, Personenregister, Zeittafel.



Simon Ford: Die Situationistische Internationale. Eine Gebrauchsanleitung. Edition Nautilus 2007 (Kleine Bücherei für Hand und Kopf 58). 224 S., zahlr. schw.-w. Ill. (NB1202) 14,90 Euro
Das Gespür der Situationisten für den Skandal wurde von vielen - von den Sex Pistols bis Naomi Klein - übernommen und hat bis heute nicht an Anziehungskraft verloren. Das Buch ist eine kompakte Einführung in die berüchtigste und radikalste Kunstbewegung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Situationistische Internationale - zu deren Mitgliedern und wichtigsten Gestaltern Guy Debord, Raoul Vaneigem, Asger Jorn, Constant und die Gruppe Spur gehörten. Malerei, Architektur, Film - die Situationisten haben weite Teile der Kunst beeinflußt. Der Autor beleuchtet den historischen Hintergrund der europäischen Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg. Er beschreibt, wie eine Gruppe von jugendlichen Herumtreibern in Paris mit faszinierender Unbescheidenheit einen Angriff auf die im Tiefschlaf liegende Kultur provozierte und wie mit wachsender sozialer Unruhe im Rücken ein innovativer Think Tank entstand, der die radikalsten Strömungen des Mai 68 inspirierte. Im Laufe der 10 Jahre ihres Bestehens hat die SI die Kultur im weitesten Sinne verändert, von der Musik über die Straßenkunst, von der politischen Analyse zur Entwicklung einer "Neuen Stadt für ein neues Leben". Die Ideen und Vorschläge der SI sind immer noch wesentliche Grundlagen für eine Befreiung aus einer sinnentleerten Gesellschaft.



Der Beginn einer Epoche. Texte der Situationisten. Edition Nautilus 1995. 320 S. mit zahlr. Abb. (NB531) 20 Euro
Die "Internationale" hat an der Wiedereinführung des Abenteuers in den urbanen Zentren gearbeitet, an der Formulierung neuer Leidenschaften und Lebensformen gegen die Stupidität eines völlig sinnentleerten Lebens.



Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels. Edition Tiamat 1996. 304 S. (NB538) 24 Euro.
Guy Debord (1931-1994) war Mitbegründer, Theoretiker und Protagonist der Situationistischen Internationale. Die vorliegende Arbeit (erschienen 1967) kann als sein Hauptwerk wie auch als einer der theoretischen Auslöser der Pariser Maiunruhen von 1968 gewertet werden. Diese Ausgabe enthält auch die umfangreichen "Kommentare zur Gesellschaft des Spektakels" und das Vorwort zur vierten italienischen Ausgabe.



Raoul Vaneigem: Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen. Edition Nautilus. 320 S. (NB1159) 19,90 Euro
Diese neuartige "Fibel des Klassenkampfes" erschien 1967 mit einem Skandal. Mit leidenschaftlicher Subjektivität und radikaler Kritik der bestehenden Verhältnisse verknüpft diese umfassende Kritik der modernen Formen der Entfremdung die Bereiche Politik, Kunst und Alltagsleben zu einer explosiven Mischung, die 1968 zum Ausbruch kam. Ein Schlüsselwerk der aufständischen Geschichte von 1967-68 ist das Handbuch der Lebenskunst. Neben Guy Debords Gesellschaft des Spektakels prägte es die Parolen auf den Mauern und Plakaten des Mai 68. Der poetische, witzige, zornige und radikale Stil Vaneigems ist aus der modernen Gesellschaftskritik nicht mehr wegzudenken. Seine provozierenden Thesen gegen die Verkümmerung der Emotionen, gegen Warengesellschaft und Patriarchat, gegen die ganze Welt der Ökonomie, setzen auf Spontaneität, individuelles Erleben und die Kostenlosigkeit der Bedürfnisse. Die Perspektive der Macht, mit ihrer Hierarchie, Aufopferung und Arbeit, soll umgekehrt werden in eine Perspektive der Selbstbestimmung, Kreativität, Spontaneität und Poesie. Die radikale Subjektivität findet ihre Verwirklichung in der von allen gemachten Geschichte.



Die wahre Geschichte von Captain Misson und der Republik Libertatia. Nacherzählt von Larry Law. Übersetzt aus dem Englischen von Axel Monte und mit einem Nachwort versehen von Marvin Chlada über die Situationisten. Trikont Verlag. 50 Seiten mit vielen Illustrationen. (NB1318) 6 Euro
Dieses Büchlein über Captain Misson wurde erstmals 1980 vom inzwischen verstorbenen britischen Situationisten Larry Law in seiner Reihe "Spectacular Times" (kleine "booklets" im A6-Format) veröffentlicht. Seitdem sind immer wieder verschiedene Nachdrucke erschienen und hier nun auch erstmals die vorliegende deutsche Übersetzung. Die Geschichte von Captain Misson, seiner Mannschaft und ihrer freien Republik Libertatia soll kein Modell für ein Utopia bieten, und auch nicht aufzeigen, wie eine libertäre Gesellschaft heutzutage funktionieren könnte. Sie ist vielmehr ein Bericht über einen frühen Versuch einer Gruppe von Menschen, eine wirklich libertäre und egalitäre Gemeinschaft aufzubauen. Eine Gemeinschaft, die fast einhundert Jahre vor der Französischen Revolution versucht hat, nach der Maxime Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zu leben.



Unsichtbares Komitee: Der kommende Aufstand. Edition Nautilus 2010 (Nautilus Flugschrift). 128 S. Pb. (NB1157) 9.90 Euro
Nach Sabotage an einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport mit radioaktivem Material geplant war, wurde es von der französischen Regierung als einziges Beweisstück eines mittlerweile international bekannten "Terrorismusfalls" gehandelt, als ein "Handbuch des Terrorismus" und Vorwand für die skandalöse, z.T. monatelange Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Tatsächlich enthält des Buch eine pointierte, situationistisch geprägte Analyse der Reaktionen von Regierungen auf die verschiedenen Unruhen und Volksaufstände in den letzten Jahren. Die brennenden Vorstädte in Frankreich, die Straßengewalt in Griechenland usw. werden von den Regierungen als Gefahr gesehen, die polizeilich und militärisch gebändigt werden müsse, wobei das "Krisenmanagement" die Gesellschaft auch zusammenhalten soll. Für die Autoren dieses Manifests hingegen sind die Revolten revolutionäre Momente, Symptome des Zusammenbruchs der westlichen Demokratien, die sich gegenseitig verstärken und sich ausbreiten. Sie fordern einen Kommunismus, der als "ergebnisoffener" Prozess die Bildung von Kommunen sowie die Restrukturierung der Ökonomie in kleine, lokale Einheiten vorsieht und plädieren für eine anonyme Position der Unsichtbarkeit. "Es geht nicht mehr darum zu warten - auf einen Lichtblick, die Revolution, die atomare Apokalypse oder eine soziale Bewegung. Noch zu warten ist Wahnsinn. Die Katastrophe ist nicht das, was kommt. Sondern das, was da ist. Wir befinden uns schon jetzt in der Untergangsbewegung einer Zivilisation. Das ist der Punkt, an dem man Partei ergreifen muß."



Unsichtbares Komitee: An unsere Freunde. Edition Nautilus 2015. 192 S. (NB1300) 16 Euro
Nach "Der kommende Aufstand" (2010) meldet sich das "Unbekannte Komitee" nach fünf Jahren wieder zu Wort.



Marvin Chlada, Andreas Gwisdalla: Charles Fourier. Eine Einführung in sein Denken. Alibri-Verlag 2014. 136 S. (NB1295) 12 Euro
Fourier hat als Frühsozialist nicht nur in der Geschichte des utopischen Denkens seinen Platz. Er bot auch im 20. Jahrhundert zahlreiche Anknüpfungspunkte für emanzipatorische Entwicklungen. Die beiden Autoren führen in die unterschiedlichen Aspekte von Fouriers Denken ein, erläutern die zentralen Begriffe und die zugrunde liegenden politischen und philosophischen Fragestellungen. Sie arbeiten nicht nur Fouriers Aktualität heraus, sondern auch seine zahlreichen Fehleinschätzungen und fragwürdigen Ansätze.
Aus dem Inhalt: Charles Fourier und der Fourierismus; Systemische Grundlagen; Die einfältige Zivilisation; Die Geschichtsphilosophie; Die leidenschaftliche Anziehung; Die Harmonie; Sozietäre Theorie und Praxis; Zur Aktualität des Charles Fourier.



Marvin Chlada: Der Wille zur Utopie. Alibri Verlag 2004. 256 S., mehrere Abb. (NB925) 20 Euro
In "Der Wille zur Utopie" unternimmt Marvin Chlada eine Odyssee durch das Universum der sozialen und technischen Phantasien von der Antike bis zur Postmoderne, von Atlantis (Plato) bis Zamonien (Walter Moers). Neben der Einführung in das utopische Denken ist der Band vor allem eine Einladung, über den ausgesuchten Utopien selbst die Lust zu entdecken, soziale Einbahnstraßen zu verlassen und bisher unerforschten Pfaden und neuen Fluchtlinien zu folgen.



Marvin Chlada: Die schöne Verwirrung des Lebens - Gedichte & Cut-Ups. Situationspresse 2013. 80 S. einige Abbildungen. Paperback. (NB1244) 12,50 ¤.
Die Legende von Jack Daniel, Sleaze Rock Poetry, Cut-Ups, Collagen, Epitaphe auf Johnny Thunders, Allen Ginsberg und Charles Bukowski sowie eine kurze Antwort auf die rätselhafte Frage, was DIE ÄRZTE mit der süßen Gwendoline tatsächlich getrieben haben.
Verstreutes und Vergessenes aus 25 Jahren Wortarbeit in einem Band, erschienen in einem der dienstältesten Verlage der deutschen Alternativ- und Undergroundpresse. Dazu ein Strauß frischer Notizen zur Läuterung und Orientierung: Was nutzt der beste Film in Worten, wenn man im falschen Kino hockt?
Marvin Chlada, Sozialwissenschaftler, Autor und Musiker, Pendler zwischen Schwaben, Kalabrien und Ruhrgebiet, wo er u. a. im Umfeld des "Fliegenden Koffers" agiert, einem "Kartell Duisburger Schriftsteller und Künstler, die irgendwie mit dem Satiremagazin DER METZGER was zu tun haben." Zahlreiche Publikationen zur Popkritik, Medien- und Gesellschaftstheorie. Aktuell arbeitet er an einer Monographie zu Leben und Werk von Charles Fourier.



Marvin Chlada - Glam Rock, Bier und Schmuddelfilme
40 Gedichte und eine Zugabe. Trikont-Duisburg und Dialog-Edition. 60 Seiten - (NB1456) 8 Euro



Marvin Chlada: Logik der Verführung. Gedichte. Dialog-Edition 2016. 54 S. (NB1329) 8 Euro



Marvin Chlada: Der Poet als Lumpensammler. Interviews und Reportagen. Edition Dialog, Duisburg 2016. 206 S. (NB1349) 15 ¤
Gesammelte Reportagen und Interviews, Glossen und Essays. Denkwürdige Begegnungen. Merkwürdige Begebenheiten. Rockmusik und Schlagerkultur, Situationisten und Beatniks, Wiedertäufer und Ganoven. Streifzüge durch die Welten von Charles Fourier, William S. Burroughs, Russ Meyer, Michel Foucault u. v. m.



Marvin Chlada und Jochen Zimmer: Kritische Theorie in der Provinz. Trikont Verlag Duisburg 2001. 148 S. (NB1347) 14 Euro
Beiträge: Martin Büsser: E versus U Der Siegeszug einer falsch verstandenen Popkultur. Jean Baudrillard: Die Szene und das Obszöne. Stefan Fishan/Wolfgang Haible: Radio und Internet. Bert Brechts "Radiotheorie" heute. Marvin Chlada: Der fromme Max. Kritische Theorie und Theologie. Marvin Chlada/Bernd Kalus: Aleister Crowley Superstar. Neosatanismus und Jugendprotest. Gerd Dembowski: Kicken ist Männersache. Erfahrungen aus der Fußballprovinz. Jochen Zimmer: Kritische Sozialwissenschaft als Folklore - 1. Halbzeit. Anfänge der Duisburger Fanprojekt-Arbeit. Gerd Dembowski: Kritische Sozialwissenschaft als Folklore - 2. Halbzeit. Abgründe der Duisburger Fanprojekt-Arbeit. Benno Nothardt: Martin Walser und die Meinungssoldaten. Heinz Maus: Zur Situation der deutschen Volkskunde. Wolfgang Haible: Erlebnisse eines schwer erziehbaren Langzeitarbeitslosen. Thomas Rommelspacher: Provinz als Ballungsraum. Stadtentwicklung im Zeichen der Zuwanderung. U.a.



Silke Vogten: Getanzt wird immer. Gedichte. Dialog-Editon Duisburg 2016. 76 S. (NB1348) 10 Euro
Poetische Hüftschüsse aus Berlin, Köln und dem Ruhrgebiet. Dazu Berichterstattung aus Absurdistan. Und dazwischen Rückzug in ganz eigene Gefilde. Eben Gedichte von unterwegs.



Katharina Picandet (Hg.): 1968 - Bilder einer Utopie. Ein Album. Edition Nautilus. 112 S. im Großformat. Mit Schutzumschlag, durchgehend illustriert. (NB1403) 24 Euro.
"1968" ist längst zur Chiffre geworden. Mit Parolen wie "Arbeitet nie!", "Verbieten ist verboten" oder "Nehmt eure Wünsche für die Wirklichkeit" ist der Mai '68 verheißungsvoll utopisch gestartet. Heute, ein halbes Jahrhundert später, darf man die Frage stellen, was von dieser Utopie bewahrenswert ist, bewahrt wurde, vielleicht verloren gegangen ist. Anhand ikonischer oder unbekannter Objekte, Bilder und Momente der Utopie "1968" erinnern sich die Autorinnen und Autoren aus dem Umfeld des Verlags an die Ereignisse vor 50 Jahren: Von der Fliegerjacke der Black Panther über heute noch im widerständischen Einsatz befindliche Traktoren, Angela Davis' Frisur und Uwe Nettelbecks Glossen bis hin zu Nachbeben im Punk und der Politik der Re-Education: 1968 wirkt vielfältig weiter.
"1968 - Bilder einer Utopie" ist ein persönliches, mitreißendes utopisches Album, mit Beiträgen von
Michèle Bernstein, Wolfgang Bortlik, Lutz Dammbeck, Hans-Christian Dany, John Jordan, Isabelle Fremeaux, Annett Gröschner, Stewart Home, Jan Kuhlbrodt, Hanna Mittelstädt, Roberto Ohrt, Mithu M. Sanyal, Jochen Schimmang, Peter Wawerzinek.
Katharina Picandet, geboren 1974 in Hannover, frühkindliche Bildung im antiautoritären Kinderladen, viel später Studium der Deutschen Sprache und Literatur, Geschichte und Philosophie in Hamburg und Bordeaux. Seit 1996 Mitarbeit bei Edition Nautilus; seit 2003 im Lektorat. Seit 2016 ist Katharina Picandet Verlegerin der Edition Nautilus.



Susanne Schüssler (Hrsg.): Wetterbericht. 68 und die Krise der Demokratie. Verlag Klaus Wagenbach 2017. 208 S. Klappenbroschur. Mit einer Liste der bei Wagenbach erschienenen Politik-Titel. (NB1441 bes.) 20 Euro
Kein nostalgischer Rückblick auf 68: Wagenbach-Autoren untersuchen, was die momentane Krise der Demokratie mit 68 zu tun hat. Eine aktuelle Streitschrift. Für die intellektuelle Auseinandersetzung von 68 spielte der Wagenbach Verlag eine zentrale Rolle, mit Autoren wie Peter Brückner, Rudi Dutschke, Ulrike Meinhof, Che Guevara, Antonio Negri oder Mao Tse-Tung und mit Büchern wie dem roten Kalender für Schüler und Lehrlinge oder dem RAF-Manifest. Was bei Wagenbach erschien, war ideologisch nicht eng begrenzt, aber oft radikaler als anderswo und führte deshalb zu Prozessen und Verurteilungen. Die Revolution stand jedenfalls unmittelbar bevor.
Heute, angesichts der massiven Verwerfungen, drängt sich die Frage auf, welche Rolle 68 für unsere politische und gesellschaftliche Situation spielt: Warum werden Errungenschaften der damaligen jungen Generation umgewertet? Warum steht die erkämpfte und unerschütterlich geglaubte Demokratie auf unsicherem Boden? Wieso bemächtigt sich die identitäre Rechte der Aktionsformen der APO? Warum ist Religion heute wieder so entscheidend, obwohl die 68er sie doch abgeschafft haben wollten? Wo stehen Frauen heute? Wie kam es zu einem Antifeminismus, der die Frauen wieder zurück an den Herd schicken will?
Damalige und heutige Wagenbach-Autoren stellen sich diese Fragen: Petra Dobner, Gisela Erler, Wolfgang Kaleck, Otto Kallscheuer, Tom Koenigs, Claus Leggewie, Albrecht v. Lucke, Christoph Möllers, Bahman Nirumand, Ulrich K. Preuß, Mithu M. Sanyal, Joscha Schmierer, Barbara Sichtermann und Sibylle Thelen.



Anne Wiazemsky: Paris, Mai '68. Ein Erinnerungsroman. Aus dem Französischen von Jan Rhein. Verlag Klais Wagenbach 2018 (Reihe SALTO). 168 S. Fadengeheftet. Rotes Leinen. Gebunden mit Schildchen und Prägung. (NB1410 BES) 18 Euro
Für die junge Schauspielerin ist alles neu: ihre plötzliche Berühmtheit und die Ehe mit Jean-Luc Godard, die Welt ihres Mannes und die Themen, die Studenten, Arbeiter und Intellektuelle auf die Barrikaden treiben.
Januar 1968. Das frisch verheiratete Paar Godard-Wiazemsky bezieht sein »Liebesnest« im Pariser Quartier Latin. Godard ist siebenunddreißig, Wiazemsky zwanzig Jahre alt. Als im Mai die Revolte losbricht, verfolgt Anne das mit Sympathie und Interesse, ohne selbst politisiert zu werden. Sie steht mit Jacques Brel vor der Kamera und nimmt gelegentlich auf Rollschuhen an den Demonstrationen teil. Anne Wiazemsky erzählt von Dreharbeiten in Italien oder von der Rückreise aus Cannes mit Gilles Deleuze, von ihrem Jugendfreund Daniel Cohn-Bendit und von der Begegnung mit den Beatles in London, wo Paul McCartney sie auffordert, mit ihm unterm Tisch Tee zu trinken. Während sie ihre Jugend und den neuen Ruhm genießt, erwachsener wird und sich befreit, radikalisiert sich Godard zusehends. Er träumt von einem revolutionären Kino und wird zugleich krankhaft eifersüchtig auf seine junge Frau.
Nach dem erfolgreichen Roman »Mein Berliner Kind« erscheint nun dieses spannende, subjektive Erinnerungsbuch voller Anekdoten - ein authentisches Zeugnis der 68er-Aufstände in Frankreich und eine berührende Liebesgeschichte.



Erich Fried: und Vietnam und. Gedichte. Mit einer Chronik und einem Nachwort von Klaus Wagenbach. Verlag Klaus Wagenbach 2018 (Neuausgabe), Reihe "Politik". 96 S. Broschiert mit Umschlag. (NB1409 BES) 10 Euro
Frieds erstes Buch bei Wagenbach, dessen Titel Martin Walser "die Zeile des Jahrhunderts" nannte, machte politische wie literarische Geschichte.
und Vietnam und - das sind Elegien, Sprüche, Maximen, Proteste gegen einen amerikanischen Krieg im Namen der Freiheit, der zum Trauma nicht nur einer Nation, sondern einer ganzen Generation wurde. Es sind "engagierte" Gedichte, die neue lyrische Formen erfanden. Diese damals ungewohnte Hineinnahme des lyrischen Ich ins politische Handgemenge blieb nicht ohne Folgen. Obwohl dem Buch - auch das ungewohnt - eine "Chronik" der Fakten des Krieges beigegeben worden war, wurde es zu einem höchst »umstrittenen«.



Johannes Agnoli: Die Transformation der Demokratie und verwandte Schriften. Hg. von Barbara Görres Agnoli. Konkret Literatur Verlag 2004. 240 S. (NB908 BES) 16,50 Euro
Die "Transformation der Demokratie", Johannes Agnolis bekannteste Schrift, die er 1967 zusammen mit Peter Brückner im Voltaire Verlag vorlegte, war die einflußreichste und nachhaltigste Staats- und Parlamentarismuskritik für die außerparlamentarische Opposition. Agnoli beschreibt darin den Prozeß der Involution demokratischer Staaten, Institutionen und Parteien in antidemokratische Formen, eine Rückbildung der bürgerlichen Demokratie zu mehr Herrschaft, Unterwerfung und Kapitalabhängigkeit des Staates, die Entwicklung zu einem autoritären Staat. Ergänzt wird die "Transformation der Demokratie" durch verwandte Texte sowie ein Namens- und Sachregister. Die Rezension von Sebastian Haffner in Konkret, die zum Erfolg des Buches maßgeblich beitrug, ist im Anhang nachgedruckt.



Angelika Ebbinghaus (Hg.): Die 68er. Schlüsseltexte der globalen Revolte. ProMedia Verlag 2008 ( Edition Linke Klassiker). 224 S. (NB1047) 14,90 Euro
Die politischen und sozialen Protestbewegungen der "68er" entstanden weltweit lange vor dem Jahr 1968 und ebbten erst Ende der 1970er Jahre ab. Sie waren ein internationales Phänomen und reichten von den antikolonialen Befreiungsbewegungen der drei Kontinente über die Sozialbewegungen der Schwellenländer bis in die Metropolen des kapitalistischen Weltsystems. Das Jahr 1968 war zudem auch für die Länder des Staatssozialismus folgenreich. "1968" stellt eine Chiffre dar. Die Sozialbewegungen wurden vor allem von Jugendlichen, Studierenden, Intellektuellen und Künstlern, aber auch von Arbeitern - wie in Frankreich, Brasilien und Italien - getragen und zeichneten sich durch antiautoritäre Mentalität, Kultur und Lebensweise aus. Der Protest gegen den Vietnamkrieg sowie die Auflehnung gegen Rassismus, gesellschaftliche Ungleichheit und autoritäre bzw. bürokratische Strukturen waren gemeinsame Anliegen. Der Wunsch nach einer besseren Welt verband diese Bewegungen über Länder und Kontinente hinweg. Die Parole "Ich nehme meine Wünsche für die Wirklichkeit, denn ich glaube an die Wirklichkeit meiner Wünsche" an den Wänden der Sorbonne und die Forderung italienischer Arbeiter zehn Jahre später, "Wir wollen alles!", markieren die Utopien und Hoffnungen dieser langen Revolte. Die Texte, die hier vorgestellt werden, haben das globale "1968" geistig vorbereitet und beeinflusst. Die Auswahl beschränkt sich auf die Zeit bis 1968. (Die 1970er Jahre sind einem weiteren Band vorbehalten.) Neben politisch-programmatischen Texten finden sich theoretische Beiträge, die weltweit gelesen wurden, aber auch Flugblätter und Songs, die das Lebensgefühl dieser Jahre wiedergeben. 40 Jahre nach der "globalen Revolte" liegt damit eine besondere Art von leicht zugänglichem Reader vor, in dem Originaltexte von der Herausgeberin Angelika Ebbinghaus kommentiert und in ihren politischen und historischen Kontext gestellt werden. Ein Glossar und eine Literaturliste geben all jenen Tipps und Anregungen, die sich mit dem Thema "Das globale 1968" weiter beschäftigen wollen. Mit Texten u.a. von Lin Biao (1965), Simone de Beauvoir (1951), Régis Debray (1967), Rudi Dutschke (1967), Frantz Fanon (1963), Andre Gunder Frank (1966), Hans-Jürgen Krahl (1966), Ho Chi Minh (1965), Ernesto "Che" Guevera (1967), Herbert Marcuse (1967), Karol Modzelewski (1967), Antonio Negri 1967), Helke Sanders (1967), Jean-Paul Sartre (1960) und Ota ¦ik (1968).



Ingrid Gilcher-Holtey: Die 68er Bewegung. Deutschland, Westeuropa, USA. Beck Verlag 2001, 3. Aufl. 2005. 136 S. (NB1025 BES) 9,95 Euro
Berkeley, Berlin, Rom, Paris - dieses Buch bietet einen prägnanten Überblick über den Aufstieg, die Ziele und den Zerfall der "68er Bewegung", deren Aktionen auf dem Weg in eine "andere" Gesellschaft bis heute Debatten über ihre Wirkungen und ihre historische Rolle provozieren.



Bernward Vesper: Die Reise. Hg. Von Jörg Schröder. rororo 1983. (NB340) 16 Euro



Rudi Dutschke: Jeder hat sein Leben ganz zu leben. Die Tagebücher 1963 - 1979. Hg. Von Gretchen Dutschke. Verlag Kiepenheuer & Witsch 2003. 432 S. Hc. Mit SchU. Zahlr. Abb. (NB649 BES) 24,99 Euro
"Lebenszeugnis des Idols einer Generation. Zum ersten Mal werden Rudi Dutschkes Tagebücher veröffentlicht. Sie dokumentieren das geistige Innenleben einer der aufregendsten Persönlichkeiten der Nachkriegszeit. Der Wortführer der Außerparlamentarischen Opposition erweist sich in seinen Tagebüchern als ein kritischer und selbstkritischer Denker von außerordentlicher Originalität." (Klappentext).



Marco Carini: Fritz Teufel. Wenn's der Wahrheitsfindung dient. Konkret Literaturverlag 2003. 248 S. Pb. (NB690z) 17 Euro
"Wenn's der Wahrheitsfindung dient" - als der Angeklagte Fritz Teufel im November 1967 mit diesem Satz der Aufforderung eines Richters nachkommt, sich zu erheben, löst der damals 23jährige in der antiautoritären Bewegung ein befreiendes Lachen aus - befreiend vom autoritären Muff der Justiz. Die Studentenbewegung treibt auf ihren Höhepunkt zu und Teufel ist neben Rudi Dutschke ihre wohl bekannteste Persönlichkeit. Während Dutschke das Bedürfnis nach politisch-emanzipatorischer Theorie anspricht, befördert Teufel die Lust auf subkulturelle Grenzübertretung und nonkonformistische Lebensweisen. Und Fritz Teufel ist einer der meistgesuchten "Terroristen" der 70er Jahre, angeklagt, den Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz entführt zu haben. Der Lebensweg Fritz Teufels ist auch die Geschichte des Aufbegehrens einer ganzen Generation und der Radikalisierung linker Widerstandsformen. Die Geschichte vom friedlichen, phantasievollen Protest hin zum bewaffneten Kampf sowie der Verarbeitung des Scheiterns militanter Stadtguerillakonzepte. Marco Carini folgt den Spuren Fritz Teufels und zeichnet damit das lebendige Bild eines Menschen und einer Zeit, die diese Republik verändert haben.



Ulrike Marie Meinhof: Die Würde des Menschen ist antastbar. Aufsätze und Polemiken. Mit einem Nachwort von Klaus Wagenbach. Verlag Klaus Wagenbach 2004 (Politik bei Wagenbach). 192 S. (NB1156) 10,90 Euro
Diese "Aufsätze und Polemiken" sind ein Beispiel von entschiedenem Journalismus, der nicht vor den Höhen der Macht skandiert, sondern den politischen Widerspruch aufzufinden versteht, und zugleich ein Abriß deutscher Nachkriegsgeschichte: Sie analysieren die Unfähigkeit der Verarbeitung des Nazismus und die eilige Rekonstruktion der Macht, sie beschreiben das Verkümmern der Demokratie am Fall des Einzelnen - seine Würde wird antastbar.



Jutta Ditfurth: Ulrike Meinhof. Die Biografie. Ullstein Taschenbuch 2009. 480 S. (NB1136) 14,99 Euro
Jutta Ditfurth stieß in ihrer sechsjährigen Recherche auf bisher unbekannte Quallen zu Ulrike Meinhof. Sie kann völlig neue Zusammenhänge in der Lebnsgeschichte der RAF-Gründerin aufzeigen. In dieser ersten umfassenden Biografie spiegeln sich auch die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik und das politische Klima der 60er und 70er Jahre wieder. Jetzt als Taschenbuch.



Jutta Ditfurth: Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof. Geschichte einer politischen Freundschaft. konkret texte 2018 (überarbeitete Neuausgabe). 166 S. (NB1405 BES) 18,00 ¤
Dieses Buch ist eine kleine Geschichte der '68er, der außerparlamentarischen Opposition (Apo) am Beispiel der Freundschaft von Ulrike Meinhof und Rudi Dutschke. Wer waren diese Oppositionellen, deren 50 Jahre alte Revolte heute noch einen so unbändigen Hass bei der politischen Rechten auslöst? Nazis hetzen gegen die "linksversiffte '68er-Republik" ohne die es keine "gebrochene Selbstwahrnehmung des deutschen Volkes" gäbe.
Als sich die Journalistin Ulrike Meinhof 1967 mit Rudi Dutschke anfreundet, hat sie eine Kindheit im NS-Faschismus und die politisch harten 1950er Jahre hinter sich. Die außerparlamentarische Opposition (Apo) macht ihr große Hoffnung. Für Rudi Dutschke ist
"unsere kleine Kulturrevolte" der erste Aufbruch: "Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat, eine Welt, die sich auszeichnet, keinen Krieg mehr zu kennen, keinen Hunger mehr zu haben, und zwar in der ganzen Welt. Das ist unsere geschichtliche Möglichkeit".



Peter Brückner: Ulrike Marie Meinhof und die deutschen Verhältnisse. Mit Texten von Ulrike Marie Meinhof und einem Nachwort zur Neuausgabe von Klaus Wagenbach. Wagenbach 1995. 208 S. (NB118) 11,90 Euro



Mario Krebs: Ulrike Meinhof. Ein Leben im Widerspruch. Rororo 1988. 288 S. (NB339z) 7,60 Euro



Anja Röhl: Die Frau meines Vaters. Erinnerungen an Ulrike. Edition Nautilus 2013. 160 S. Gb. (NB1246 BES) 18 Euro
"Kind sein heißt allein sein, schuld sein, essen müssen, schlafen müssen, brav sein müssen. Kind sein heißt, sich nicht wehren zu können." So erlebt Anja Röhl ihre Jugend in den1950er und 60er Jahren. Im Arbeiterviertel Hamburg-Barmbek herrscht die Dumpfheit der Nachkriegszeit. Die Mutter, als geschiedene Alleinerziehende geächtet, ist erst spätabends zu Hause; der Vater, übergriffig und manipulierend, aber von der linken Schickeria hofiert, kommt nur unzuverlässig. Doch als sie fünf Jahre alt ist, stellt ihr ihr Vater, der Konkret-Verleger Klaus Rainer Röhl, seine neue Freundin vor: Ulrike Meinhof. Für das Kind ist sie die einzige Erwachsene, die es wirklich versteht, die für es gegen den Vater Partei ergreift, bei der es keine Angst haben muß vor Strafe und bei der es sich zugehörig fühlt.
Die Dankbarkeit für diese Erfahrung prägt auch die Beziehung zu Ulrike Meinhof nach deren Trennung von Mann und Kindern. Anja Röhl bleibt ihr verbunden, besucht sie im Gefängnis,schreibt ihr Briefe, allen Anfeindungen zum Trotz und obwohl sie Ulrikes politische Positionen nicht teilt. Ein Dokument der Zeit- und Mentalitätsgeschichte der frühen Bundesrepublik, aus der Perspektive eines Mädchens erzählt.
Anja Röhl, geboren 1955 in Hamburg, Tochter aus erster Ehe von Klaus Rainer Röhl. Erster Beruf: examinierte Krankenschwester, später Studium: Germanistik, Psychologie,Sonderpädagogik und Kunst. Arbeit als freie Dozentin und Theaterrezensentin für die junge Welt und Ossietzky, zahlreiche Veröffentlichungen. Drei Kinder.
Der Text enthält Schwärzungen, die von der Stiefschwester der Autorin, Bettina Röhl, aus Bosheit erwirkt wurden.



Karl-Heinz Dellwo: Das Projektil sind wir. Der Aufbruch einer Generation, die RAF und die Kritik der Waffen. Gespräche mit Tina Petersen und Christoph Twickel. Edition Nautilus 2007. 192 S. (NB1026) 12 Euro
Karl-Heinz Dellwo, als Mitglied der RAF an der Besetzung der Deutschen Botschaft in Stockholm 1975 beteiligt, war insgesamt 21 Jahre im Gefängnis. Im Gespräch mit Tina Petersen und Christoph Twickel berichtet er über seinen Weg in den bewaffneten Kampf und seine Zeit im Gefängnis. Eine kritische Analyse des "Konzept Stadtguerilla" und ein politisch reflektierter Lebensbericht.



Thorwald Proll, Daniel Dubbe: Wir kamen vom anderen Stern. Über 1968, Andreas Baader und ein Kaufhaus. Edition Nautilus 2003. 128 S. (NB684 BES) 9,90 Euro
Am 2. April 1968 gibt es nächtliche Brandstiftungen in zwei Frankfurter Kaufhäusern. Auf die Anklagebank kommen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein. Thorwald Proll berichtet von der Stimmung der Zeit, den Aktionen der Kommune I, den Happenings, dem Widerstand gegen den Vietnamkrieg, dem praktizierten "Naturrecht auf Widerstand". Er zeichnet ein sehr persönliches Bild von Andreas Baader, es ist das Porträt eines Freundes, mit dem er eine kurze, aber intensive Zeit zusammen verbracht hat. Die Rebellen fühlten sich "Wie die Marx-Brothers in der Deutschen Oper".



Lutz Taufer: Über Grenzen. Vom Untergrund in die Favela. Assoziation A 2017. 288 S. Paperback (NB1390 BES) 19,80 ¤
Von der RAF in die Favela: Das Leben Lutz Taufers gleicht einer Suchbewegung, in der das Terrain der westdeutschen radikalen Linken vermessen wird. Rebellion gegen die verkrusteten Verhältnisse der Adenauerära in der badischen Provinz, 1968 in Freiburg, Basisgruppe Politische Psychologie in Mannheim, Sozialistisches Patientenkollektiv in Heidelberg, Mitglied des Kommandos Holger Meins der RAF, Besetzung der deutschen Botschaft in Stockholm, mitverantwortlich für die Erschießung von zwei Geiseln, 20 Jahre Haft, ein Dutzend Hungerstreiks bis an den Rand des Todes, nach der Freilassung ein Jahrzehnt Basisarbeit in den Favelas von Rio de Janeiro, heute im Vorstand des Weltfriedensdienstes.
Die Bilanz seines bewegten Lebens lautet: Ohne entschiedenes politisches Handeln lassen sich die versteinerten Verhältnisse, die für die große Masse der Menschen dieses Planeten keine Perspektive bieten, nicht verändern. Genauso gilt aber: Die Mitteln des Widerstands müssen am Ziel einer befreiten Gesellschaft orientiert sein. Und: Befreiung fängt an der Basis an.
"Lutz Taufer hat in den Extremkonstellationen der linksradikalen Geschichte agiert, und da er darüber ohne jede Beschönigung und in uneingeschränkter Konfrontation mit den begangenen Fehlern schreibt und nachdenkt, wird sein Buch tatsächlich zu einem Schlüsselwerk der 1960er bis 1980er Jahre" (Karl Heinz Roth).
Ein herausragendes Dokument der Zeitgeschichte!



Ingrid Strobl: Vermessene Zeit. Der Wecker, der Knast und ich. Edition Nautilus, ca. 192 Seiten, (NB1449 BES) ¤ 18,00
Im Dezember 1987 wird Ingrid Strobl, Journalistin und Autorin, in ihrer Kölner Wohnung festgenommen, nach §129a StGB - Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Sie hatte einen Wecker der Marke Emes Sonochron gekauft, für einen Bekannten, wie sie sagte, der sie darum gebeten hatte. Dieser Wecker wurde als Zeitzünder bei einem Sprengstoffanschlag der »Revolutionären Zellen« auf ein Lufthansagebäude verwendet, bei dem ein Sachschaden entstand. Mit dem Anschlag wurde gegen die Abschiebepraxis von Asylsuchenden protestiert, was Ingrid Strobl befürwortete.
Sie weigert sich, den Namen des Bekannten zu nennen, und bleibt in Untersuchungshaft. Im Gefängnis lernt sie eine ihr völlig fremde Welt kennen, eine Welt von Schmerz und Sucht, von Wut und Unterwerfung. Kraft zieht sie vor allem aus der Arbeit an einem Buch über Widerstand von Frauen im deutsch besetzten Europa, an dem sie schon vor ihrer Verhaftung gearbeitet hatte.
Im Juni 1989 wird sie zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nachdem der Bundesgerichtshof das Urteil zunächst aufgehoben hat, wird Ingrid Strobl in der Revisionsverhandlung 1990 schließlich wegen Beihilfe zu einem Sprengstoffanschlag zu drei Jahren Haft verurteilt.
Dreißig Jahre später reflektiert sie in diesem sehr persönlichen Buch u?ber Hafterfahrungen, Feminismus und individuelle Verantwortung; dabei fragt sie auch nach den Motiven und der Legitimation von Widerstand und Gewalt.



Die große MÄRZ-Kassette. Herausgegeben von Jörg Schröder und Bruno Hof. Area Verlag 2004. 13 Bände im Schuber, zus. ca. 6000 Seiten. (NB745z) 49,95 Euro "Wer die 60er und 70er verstehen will, muß MÄRZ kennen." Michael Rumaker, Irving Rosenthal, Uve Schmidt, Fee Zschocke, Doktor Gormander, Joe Brainard, Upton Sinclair, Jules Valès, Ernst Herhaus, Jörg Schröder, Leonard Cohen, Craig Kee Strete, Günter Amendt, Gunter Schmidt, Peter Kuper, Jan Cremer, Cathérine de Prémonville, Esteban López: März-Reader, Cohen Blumen für Hitler. Jim Morrison, Sexfront/Derdiedas, Kuper Hamlet, Erotik-Reader, Schwulen-Reader, Beziehungen, Als die Kinder die Macht ergriffen, Joe Brainard 1984 Comics, Upton Sinclair, Vallès Jacques Vingtras, Schröder Siegfried.



Jörg Schröder: Siegfried. Jörg Schröder erzählt Ernst Herhaus Siegfried. Mit einem Anhang von Barbara Kalender. Verlag Schöffling & Co. Erweiterte Neuausgabe 2018. 544 S. gebunden mit Schutzumschlag. (NB1426) 28 Euro
Erweiterte Neuausgabe anläßlich des 80. Geburtstags von Jörg Schröder. Eines der aufregendsten Bücher der deutschen Literatur erscheint endlich wieder, dazu noch in stark erweiterter Ausgabe: 'Siegfried', das Skandalbuch, das Jörg Schröder Ernst Herhaus erzählte: 'Ein Selbstbekenntnis, ein Stück Entblößungsliteratur, wie man es so rücksichtslos von deutschen Literaten bislang nicht gewohnt war', stand im Spiegel bei Erscheinen, 'DIE BOMBE IM GELBEN UMSCHLAG' sah Dieter E. Zimmer in der ZEIT, die FAZ wusste: 'ein Buch, das zum Erschütterndsten gehört, das in deutscher Sprache zu lesen ist.' Die Lebensgeschichte des Jörg Schröder, die Geschichte des März Verlags, welcher der kulturrevolutionäre Verlag Deutschlands gewesen ist, liest sich auch heute noch so elektrisierend wie bei Erscheinen 1972, 'Siegfried' ist heute 'so aufregend wie damals, ein Vulkan, einzigartig, skandalträchtig noch immer.' (Peter W. Jansen in der FAZ). Zum 80. Geburtstag von Jörg Schröder am 24. Oktober 2018 erscheint die finale Ausgabe des 'Siegfried', von Barbara Kalender mit einem umfassenden Anhang ausgestattet, der Leben und Werk des Jörg Schröder bis in unsere Tage erzählt.
Jörg Schröder, 1938 in Berlin geboren, gilt als ein 'enfant terrible' der deutschen Verlagsszene der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, gleichzeitig als großer Entdecker von Literatur. Er kam 1965 zum Melzer Verlag, den er mit der 'Geschichte der O' rettete. 1969 verließ Schröder den Verlag im Streit, alle Mitarbeiter sowie die meisten Autoren folgten ihm in seinen neu gegründeten März Verlag. Nachdem Schröder 1987 den Verlag gesundheitsbedingt aufgeben musste, entwickelte er 1990 zusammen mit seiner Frau Barbara Kalender die Desktop-Reihe 'Schröder erzählt'.



Klaus Wagenbach: Die Freiheit des Verlegers. Erinnerungen, Festreden, Seitenhiebe. Herausgegeben von Susanne Schüssler. Verlag Klaus Wagenbach 2010. 352 S. Gebunden mit Schildchen. (NB1204 BES) 20 Euro.
Die wichtigsten Texte aus fünf Jahrzehnten, größtenteils erstmals publiziert: Über Bücher und Autoren, über Politik und die deutschen Verhältnisse, über Italien, die Kunst und die Mutter. Klaus Wagenbach ist einer der letzten aus einer Generation von unabhängigen, eigenwilligen und leidenschaftlichen Verlegern; ein linker, aber undogmatischer Kopf, der nicht vor den Konsequenzen politischen Handelns zurückschreckt; und ein früher und bis heute unerschütterlicher Liebhaber Italiens. Außerdem: ein heiterer Geschichtenerzähler, ein eifriger Vorwortschreiber, ein freudig erwarteter Festredner, aber auch einer, der gern widerspricht, wenn die öffentliche Meinung jemanden moralisch und politisch gar zu korrekt schlachten will. Der Band sammelt Texte Klaus Wagenbachs über Italien (einschließlich Kunstgeschichte), Politik, das Leben und die Zukunft der Bücher und über einzelne Autoren. Ein Großteil der Texte ist bisher nicht veröffentlicht, wichtige Zeitdokumente wie die Grabrede für Ulrike Meinhof wurden jedoch ebenfalls aufgenommen. Und schließlich erst jüngst entstandene biographische Geschichten: Vom gegen die Nazis rebellierenden Großvater, der reformbewegten Mutter, dem Vater, der nur Latein, Griechisch und Hebräisch konnte; darüber, wer und wie nach dem Krieg die Demokratie aufbaute, warum Kollektive träumen und Frauen besser kommunizieren können.



Alexander Kluge: Personen und Reden. Lessing - Böll - Huch - Schiller - Adorno - Habermas - Müller - Augstein - Gaus - Schlingensief - Ad me ipsum. Verlag Klaus Wagenbach 2012 (SALTO).144 S. Fadengeheftet. Rotes Leinen. (NB1208 BES). 22 Euro
Eine stete Unterbrechung unglücksbringender Selbstverständlichkeit in elf Portraits. Zum 80. Geburtstag hat sich Alexander Kluge diesen Band gewünscht, um seine Reden über andere große deutsche Öffentlichkeitsarbeiter zu sammeln: Er spricht über G. E. Lessing, Heinrich Böll, Ricarda Huch, Friedrich Schiller, T. W. Adorno, Jürgen Habermas, Heiner Müller, Rudolf Augstein, Günter Gaus und Christoph Schlingensief. Dabei gelingen ihm nicht nur verblüffend zugespitzte Portraits dieser Personen. Kluges Gedanken "durchstreifen sein Hirn" und schöpfen - blitzgescheit und haarsträubend assoziativ - aus einem tiefen Fundus von Kenntnissen: Er führt literarische Beispiele (Ovid, Shakespeare oder David Hume) ebenbürtig mit historischen Ereignissen als Zeugen an, wobei sein Interesse immer den großen Wendepunkten gilt (1945, Tschernobyl oder dem 11. September). Am Ende steht ein für dieses Buch neu geschriebener Text: Ad me ipsum, in dem er uns von den ihm wichtigen Produktionsmitteln des Gefühls erzählt: den Büchern, den Bildern und der Oper.



Pier Paolo Pasolini: Freibeuterschriften. Die Zerstörung der Kultur des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft. Herausgegeben von Peter Kammerer. Aus dem Italienischen von Thomas Eisenhardt. Verlag Klaus Wagenbach 2011 (WAT 317). 176 S: Pb. (NB1207 BES) 13 Euro
Pasolinis berühmte Polemiken gegen die Konsumgesellschaft - radikal und inkonsequent, rhetorisch brillant und bedrückend aktuell. Pasolinis Streitschriften lösten bei ihrem Erscheinen erregte Debatten aus und markieren einen Wendepunkt in der Diskussion über den "Fortschritt": Warum verschwinden die Glühwürmchen? Ist der Untergang der bäuerlichen Welt Mord? Wie herzlos ist die Aufklärung? Der gefeierte Ungehorsam - ist er so destruktiv wie unsere Welt? Als radikaler Freibeuter, dessen Leben und Werk untrennbar zusammengehörten, stellte sich Pasolini dem common sense einer Massenkultur entgegen, die das Besondere einebnet, das Alte zerstört und die Unterschiede nivelliert.



Angela Davis: Freiheit ist ein ständiger Kampf. Aus dem Englischen von Sven Wunderlich. Unrast Verlag 2016. 160 S. (NB1357 BES) 14 Euro
Anhand einer Auswahl von Schriften, Gesprächen und Vorträgen untersucht die international bekannte Aktivistin und Wissenschaftlerin Angela Y. Davis die Schnittmengen und Verbindungen von Befreiungskämpfen gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt rund um unseren Planeten. Es geht um die Rolle der Schwarzen Frauenbewegung (Black Feminism), die Zusammenhänge von Ungleichheit in >Rasse<, Geschlecht und Klasse (Intersektionalität), den kapitalistischen Individualismus, die Bewegung gegen Gefängnisse (Prison Abolition Movement) und Polizeigewalt. Sie schreibt gegen den weltgrößten, Rekordprofite erzielenden >Sicherheits
"Das ist die gute alte Angela: einsichtsvoll, wissbegierig, aufmerksam, brillant. In diesem Buch stellt und beantwortet sie Fragen über das Geschehen in unserem Jahrhundert, die dem des vorigen Jahrhunderts erstaunlich ähneln." Mumia Abu-Jamal



Wolfgang Kruse (Hg.): Die Französische Revolution. Programmatische Texte von Robespierre bis de Sade. Promedia Verlag 2012 (Edition Linke Klassiker). 176 S. (NB1303) 12,90 Euro
Mit Texten von Babeuf, Boissy d'Anglas, Brissot, Condorcet, Olympe de Gouges, Marquis de Sade, Dubois-Crancé, Hérault de Séchelles, Lanthenas, Marat, Maréchal, Paine, Robespierre, Sieyès u. a..
Die Französische Revolution war ein Experimentierfeld für die Neugestaltung der modernen Gesellschaft. Auf allen gesellschaftspolitisch relevanten Ebenen wurden neue Praktiken ausprobiert und emanzipatorische Neuordnungsmodelle entworfen. Dieses "Musterbuch der Moderne" experimentierte mit der politischen Ordnung, neuen ökonomischen und sozialen Beziehungen und Geschlechterverhältnissen sowie mit der politischen Kultur insgesamt.
Der hier vorgelegte Band versucht, die ganze Spannbreite dieses programmatischen Aufbruchs in eine neue Epoche einzufangen. Dafür werden prägnante Originaltexte erläutert und dokumentiert, die für gesellschaftliche Entwicklungen bis heute relevant sind. Die Vielzahl der Themenbereiche umfasst: Aufstand und Revolution, Verfassung und Demokratie, Emanzipation und Demokratisierung der Gesellschaft, Sozialreform und Sozialismus, Antimilitarismus und Völkerrecht, schließlich auch programmatische Abgründe der Revolution.
Das politische Spektrum der Autoren reicht vom gemäßigten Liberalismus eines Sieyès über demokratische Republikaner wie Brissot, Condorcet, Peine oder Robespierre bis hin zu Vertretern von sozialrevolutionären Projekten wie Babeuf und Maréchal. Es spiegelt damit zugleich die Entwicklung der politischen Linken wider, die sich im dynamischen Prozess der Revolution auf rasante Weise bewegt und in der Regel die radikalsten, am weitesten in die Zukunft reichenden Emanzipationsprojekte entworfen hat. Auch die Problematik der Dialektik von Neugestaltung und gesellschaftspolitischer Herrschaft findet angemessene Berücksichtigung.
Die meisten der Texte wurden eigens für diesen Band ins Deutsche übersetzt.
Der Herausgeber: Wolfgang Kruse, Jahrgang 1957, ist Professor am Historischen Institut der Fern-Universität in Hagen, Lehrgebiet Neuere und Europäische Geschichte. Er arbeitet zur Geschichte der Französischen Revolution, des Ersten Weltkriegs, der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung sowie des modernen politischen Totenkults in Deutschland.



Jörg Roesler: Geschichte der DDR. PapyRossa Verlag 2012 (Reihe Basiswissen). 132 S. (NB1227 BES) 12 Euro
Jenseits der üblichen Horrorszenarien klärt Jörg Roesler auf über die Geschichte des kleineren deutschen Staates. Sie wird erstens erzählt als Geschichte der Herrschaft der SED. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Gruppierungen, vom Autor als Konservative bzw. Reformer charakterisiert. Dies ist gleichzeitig die Geschichte der Sicherung der Stabilität eines in seiner Existenz ökonomisch und politisch wiederholt gefährdeten Staates. Zweitens wird die Geschichte der DDR als Geschichte der sowjetisch-ostdeutschen Beziehungen erzählt. Es ist die Geschichte von Moskaus "ungeliebtem Kind", einer durch das Scheitern der sowjetischen Deutschlandpolitik zustande gekommenen Minimallösung, eines schließlich lästig werdenden Vorpostens. Drittens wird die Geschichte der DDR erzählt als Geschichte der Beziehungen zur Bundesrepublik. Sie endet mit der Vereinnahmung des kleineren durch den größeren, sich als stabiler und potenter erweisenden deutschen Staates.



Karl Heinz Roth: Geschichtsrevisionismus. Die Wiedergeburt der Totalitarismustheorie. Konkret 1999. 152 S. (NB7z) 11,66 Euro
Spätestens mit der Wende von 1989 hat die neue Rechte in der Geschichtswissenschaft Fuß gefaßt. Ihr Spektrum reicht von dr Gruppe um Rainer Zitelmann bis zu ehemaligen Linken im Umfeld der rotgrünen Bundesregierung. Die Geschichtsrevisionisten reaktivieren mit der Totalitarismustheorie die alten Themen des Kalten Krieges. Karl Heinz Roth beschreibt den Siegeszug der Totalitarismustheorie in der deutschen Geschichts- und Sozialwissenschaft seit der Wiedervereinigung und analysiert die Konsequenzen der revisionistischen Offensive: die vollständige Delegitimierung der DDR und die Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen.



Gerhard Scheit: Mülltrennung. Beiträge zu Politik, Literatur und Musik. Konkret 1998. 192 S. (NB14z) 10,15 Euro
Über Brecht, Eisler, Jünger, Günther Anders, Peter Weiss, Heiner Müller. Jean Améry, Haider & Sichrovsky, Adorno und die Differenzen von deutscher Marschmusik und amerikanischem Jazz.



Conrad Taler: Der braune Faden. Zur verdrängten Geschichte der Bundesrepublik. PapyRossa Verlag 2005. 240 S. (NB829) 16,80 Euro
Conrad Taler zeigt, daß die Verharmlosung des Rechtsextremismus wie ein brauner Faden die bundesdeutsche Geschichte durchzieht. Er erinnert daran, daß der Neunazismus als "Waffe Moskaus" hingestellt und antijüdische Taten den Kommunisten zugeschrieben wurden, daß sich Arbeitgeber, CDU/CSU und NPD gegenseitig die Bälle zuwarfen, wenn es gegen Mitbestimmung und "zu hohe Lohnkosten" ging, daß bei einer Demonstration gegen die Remilitarisierung ein 21jähriger von der Polizei erschossen wurde, ohne daß eine westdeutsche Zeitung darüber ein kommentierendes Wort verloren hätte, daß der antisemitischen Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten Hohmann jahrelang jene Aufrechnerei vorausging, die sich mit den Verbrechen "anderer" herausredete.



Heinrich Fink / Cornelia Kerth (Hg.): Einspruch! Antifaschistische Positionen zur Geschichtspolitik. PapyRossa Verlag 2011. 126 S. (NB1168) 12 Euro
Aus dem Kalten Krieg stammende Thesen wie "rot gleich braun", "Sozialismus gleich Faschismus gleich Diktatur" oder die Rede von den "zwei deutschen Diktaturen" werden mehr und mehr salonfähig. Mit politischem Kalkül propagiert, zielt diese Deutung der Geschichte auf die Gegenwart. Einspruch gegen solchen Geschichtsrevisionismus erhob eine geschichtspolitische Konferenz der VVN-BdA, auf der sich namhafte Wissenschaftler und Antifaschisten gegen diesen Diskurs wandten, der sich selbst als "antitotalitär" bezeichnet. Dabei ging es um das Verhältnis von Ursachen und Wirkungen des Zweiten Weltkriegs, Wehrmachtsverbrechen und ihre Opfer, die Rolle der Gebirgstruppen und die Entwicklung der Gedenkpolitik. Beiträge u.a. von: Hannes Heer, Kurt Pätzold, Wolfgang Wippermann, Moshe Zuckermann.



Jens Mecklenburg, Wolfgang Wippermann (Hg.): "Roter Holocaust"? Kritik des Schwarzbuchs des Kommunismus. Konkret 1998. 296 S. (NB62zz) 20 Euro



Sebastian Friedrich: Lexikon der Leistungsgesellschaft. Wie der Neoliberalismus unseren Alltag prägt. Vorwort von Oliver Nachtwey / Fotos von Johann Bröse. edition assemblage 2016. 96 S. (NB1368) 7,80 Euro
Der Streifzug durch alltägliche Begriffe der "Leistungsgesellschaft" erkundet die vorherrschende Ideologie des flexiblen Kapitalismus. Er ist weit mehr als ein wirtschafts- und sozialpolitischer Ansatz. Die neoliberale Ideologie prägt unsere Persönlichkeit, unser Denken, unser Handeln: während wir Sport treiben, wir über unsere Bosse sprechen, als wären wir befreundet, wir in Dating-Portalen nach der Liebe fürs Leben oder dem schnellen Sex suchen, wir unser 70er Jahre-Rennrad das Altbau-Treppenhaus hochtragen, wir herzhaft über die Prolls in der Eckkneipe lachen, wir uns über unsere aktuellen Prokrastinationserfahrungen austauschen, wir mit einem Coffee-to-go bewaffnet im Stechschritt durch die Stadt marschieren, wir lustige ironisch-geistreiche Anmerkungen machen, wir uns wieder nicht entscheiden können und wir am Ende des Tages einmal mehr versuchen, das zu verdrängen, was längst Gewissheit geworden ist: daß es so nicht weitergehen kann.
Sebastian Friedrich ist Redakteur von kritisch-lesen.de und Verfasser der Kolumne "Lexikon der Leistungsgesellschaft", die seit April 2013 bei der linken Monatszeitung ak- analyse und kritik erscheint.



Lucas Zeise: Finanzkapital. PapyRossa Verlag 2019. Reihe Basiswissen. Zweite, durchgesehene Auflage. 136 S. (NB1430 BES) 9,90 ¤
Dass in Gelddingen demokratische Regeln nichts gelten, wurde uns am Beispiel Griechenland drastisch vor Augen geführt: Auf das überwältigende Nein der Bevölkerung zum Diktat der Troika folgte das Ja der von ihr gewählten Regierung. Auch wenn es im Alltag parlamentarischer Republiken nicht immer offensichtlich ist, wird in Krisen deutlich, wie die Herrschaft des Finanzkapitals funktioniert. Wer ist dieses Finanzkapital, das Rudolf Hilferding 1909 und Lenin 1917 untersucht haben. Und wie herrscht es heute? Besonders interessiert Lucas Zeise dabei die Rolle des Geldkapitals, der Banken, Versicherungen, Hedgefonds und Schattenbanken. Wie kommt es, dass die Gläubiger-Schuldner-Beziehung die politischen Verhältnisse dominiert? Wie kommt es, dass sich die politisch Mächtigen unter dem Druck der Finanzmärkte befinden? Wer reguliert diese oder unterlässt es, sie zu regulieren? Wie funktioniert international die Hackordnung unter den Finanzkapitalisten? Warum dominiert immer noch der Dollar und wird er als dominante Währung abgelöst?
"Lucas Zeise war jahrzehntelang dicht dran am großen Geld. Sein Buch belohnt uns daher mit prallen Geschichten und einer herausragenden Tiefenschärfe." (Hermannus Pfeiffer, neues deutschland).
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Wer in knapper Form wissen will, was im Maschinenraum und auf der Kommandobrücke des heutigen Kapitalismus vor sich geht (auf ökonomischer Ebene, nicht im politischen Mechanismus), greife zu diesem Bändchen." (Arnold Schölzel, junge Welt).



Gisela Notz: Theorien alternativen Wirtschaftens. Fenster in eine andere Welt. Schmetterling Verlag Reihe theorie.org 2011. 192 S. Pb. (NB1182) 15 Euro
Die Einführung liefert eine überschaubare und zugleich fundierte Darstellung exemplarischer Theorien alternativen Wirtschaftens und ihrer Umsetzung in die Praxis. Vorgestellt werden zunächst theoretische Modelle und ihre Protagonisten, von den Frühsozialisten, über die Zeit der beginnenden und fortschreitende Industrialisierung bis heute. Um eine Verständigungsbasis herzustellen, nimmt die Autorin Begriffsserklärungen vor und erklärt Betriebe und Betriebsformen, die Ansätze eines solchen Wirtschaftens verfolgen. Es folgen aktuelle Beispiele aus der Genossenschaftsbewegung, aus der Alternativbewegung der 1970er Jahre, der Kommunebewegung, der Ökonomie des Gemeinwesens, der Tauschökonomie und Umsonstökonomie und der Kommunalen Gemeinschaftsgärten. Am Ende steht die Frage, wie es angesichts des Siegeszugs der Globalisierung der warentauschenden Gesellschaft und der weltweiten Krise gelingen kann, Theorien für eine andere herrschaftsfreie Welt in weitere Kreise zu tragen. Auch wenn utopisches Denken heute nicht gerade hoch im Kurs steht.



Christof Mackinger: Radikale Ökologie. Unrast Verlag 2015, Reihe Transparent. 88 S. (NB1337) 7,80 Euro
Biopiraterie, Fracking, Gentechnologie - nie zuvor war der Umfang des verwertenden Zugriffs auf die Natur und ihre Ressourcen so umfassend wie heute. Radikaler Widerstand dagegen ist in Westeuropa, gelinde gesagt, überschaubar. Mackinger umreißt die Geschichte der radikalen Ökobewegung, stellt dar, welche Konzepte wirkliche Alternativen zu einer Gesellschaft sein könnten, die auf der unbegrenzten Ausbeutung von Naturressourcen basiert, und gibt einen Überblick über die Möglichkeiten progressiver Bewegungen, der voranschreitenden Ökonomisierung der Natur gegenzusteuern.



Peter Nowak (Hg.): Zahltag. Zwang und Widerstand: Erwerbslose in Hartz IV. Unrast Verlag 2009 (unrast transparent - soziale krise). 80 S. (NB1125) 7,80 Euro
Die Proteste gegen Hartz IV haben die Verhinderung der Gesetze nicht erreicht, waren aber keineswegs erfolglos. Seitdem steht das Thema Repression und Erniedrigung von Erwerblosen vermehrt auf der Tagesordnung. Der Schwerpunkt des Buches liegt auf dem fortdauernden Widerstand der Betroffenen. Die Palette reicht von den vermehrten Klagen vor den Sozialgerichten bis zu Widerstandsformen - wie den Aktion Zahltag - und die solidarische Begleitung von Erwerbslosen. Der Band wendet sich an Leser, die angesichts der Bedrohung durch Hartz IV nach einer Orientierung suchen. Vermittelt wird ein erster guter Überblick über das Thema.



Christoph Butterwegge: Armut. PapyRossa Verlag Reihe Basiswissen 2016. 132 S. (NB1372) 9,90 Euro
"Armut" ist ein brisanter, weil politisch-normativer, emotional besetzter und moralisch aufgeladener Begriff. Christoph Butterwegge diskutiert den Armutsbegriff, wirft einen Blick auf die Geschichte der Armut und vermittelt die theoretischen Grundlagen. Er stellt die Hauptrichtungen der Armutsforschung vor, erläutert die gängigen Methoden der Armutsmessung und hinterfragt die statistische Datenlage, wie sie die Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung dokumentieren. Neben den unterschiedlichen Erscheinungsformen und den Folgen der Armut für die Betroffenen wie die Gesellschaft beschäftigen ihn die Entstehungsursachen und die wenig überzeugenden Erklärungsansätze der (Medien-)Öffentlichkeit. Abschließend geht es um den Kampf gegen die Armut sowie die Frage, welche Maßnahmen hierbei Erfolg versprechen und ob das bedingungslose Grundeinkommen ein Patentrezept darstellt.
Christoph Butterwegge, Prof. Dr. rer. pol.,
Jg. 1951, lehrte bis 2016 Politikwissenschaft an der Universität zu Köln. Arbeitsschwerpunkte: Sozialstaatsentwicklung und Armut; Rechtsextremismus, Rassismus und (Jugend-)Gewalt; Migration, Integration und Minderheitenpolitik. Von der Partei Die Linke als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen.
"
Christoph Butterwegge öffnet die Augen für die wirklichen Zustände in unserem Land." (Rudolf Walther, neues deutschland).



Fredrik Roggan: Auf legalem Weg in einen Polizeistaat. Entwicklung des Rechts der inneren Sicherheit. Pahl-Rugenstein-Verlag 2000. 248 S. Hardcover. (NB213z) 19,43 Euro



Domenico Losurdo: Stalin. Geschichte und Kritik einer schwarzen Legende. Mit einem Essay von Luciano Canfora. PapyRossa Verlag 2012. 454 S. (NB1235 BES) 22,90 Euro
Domenico Losurdo, Professor Dr. phil., Jg. 1941. Lehrt Philosophie an der Universität Urbino. Zahlreiche Bücher, die sein internationales Renommee begründen.
Es gab Zeiten, da blickten berühmte Staatsmänner wie Churchill oder Intellektuelle wie Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger oder Heinrich Mann voller Achtung und Bewunderung auf Stalin und auf das von ihm geführte Land. Doch mit dem Kalten Krieg und nicht zuletzt mit der Geheimrede Chruschtschows wurde Stalin zu einem "Monster", das vielleicht nur mit Hitler zu vergleichen sei. Domenico Losurdo setzt sich mit den Konflikten und Interessen auseinander, die diesem Umsturz der Sichtweise zugrunde liegen. Er nimmt diesen radikalen Gegensatz der Stalinbilder zum Anlaß, sie allesamt zu problematisieren, statt eines davon zu verabsolutieren. Hierfür betrachtet er die sowjetische Geschichte auf der Grundlage einer umfassenden Komparatistik der Tragödien des 20. Jahrhunderts, entdämonisiert Stalin und kontextualisiert eine Reihe der gegen ihn erhobenen Anklagen, ohne sie einfach zu negieren. Ein weiteres Buch des Autors, das gewiß für Aufsehen und kontroverse Diskussionen sorgen wird.



Ulrich Sander: Die Macht im Hintergrund. Militär und Politik in Deutschland von Seeckt bis Struck. PapyRossa Verlag 2004, 208 S. (NB728) 14 Euro
Ohne daß es einer breiten Öffentlichkeit bisher bewußt wäre, geben heute in der Bundesrepublik - wie einst in der Weimarer Republik die Reichswehrführung unter General von Seeckt - Militärs in der Rüstungs- und Sicherheitspolitik den Ton an. So wurden die "Verteidigungspolitischen Richtlinien" des ehemaligen Verteidigungsministers Rühe ebenso von politisierenden Generälen ersonnen wie die "Verteidigung am Hindukusch" des späteren Amtsinhabers Struck. Anhand offizieller und inoffizieller Quellen weist Ulrich Sander nach, daß eine militärische Elite, die von äußerst rechten Militärs angeführt wird, wieder maßgeblichen Einfluß auf die deutsche Politik gewonnen hat.



Kurt Pätzold: Zweiter Weltkrieg. Papyrossa Verlag (Reihe Basiswissen). 144 S. (NB1289) 9,90 Euro
Die Darstellung Kurt Pätzolds setzt mit der Frage ein, ob die Geschichte Europas zu jenem 1. September 1939 führen mußte, an dem ein beispielloser Krieg begann, der sich erdballweit ausdehnte. Gedrängt bietet sie ein Bild der wesentlichen politischen und militärischen Ereignisse, die bis zur Potsdamer Konferenz, den Gerichtsprozessen in Nürnberg und Tokio und den Friedensschlüssen von Paris und San Francisco verfolgt werden. Behandelt werden zudem der Völkermord an den Juden sowie an den Sinti und Roma vor dem Hintergrund der nazistischen Kriegsziele wie auch die Kriegsverbrechen in Europa und Asien. Der Band schließt mit dem Blick auf die veränderte Welt des Jahres 1945, den Übergang zum Kalten Krieg und die Versuche, dem Frieden Dauer zu verschaffen.
Kurt Pätzold, Prof. Dr. phil., *1930. Lehrte bis 1992 als Professor für Deutsche Geschichte an der Humboldt- Universität zu Berlin. International renommierter Historiker und Faschismusforscher.



Lothar Röse: Prisoner of War Post. Helmuts Briefe aus der Kriegsgefangenschaft 1947/48. Situationspresse 2016. 100 S. (NB1330) 10 Euro.
Der Briefeschreiber war nach der Lehre als einfacher Wehrmachtssoldat in den Zweiten Weltkrieg und von 1944 bis 1948 in englische Kriegsgefangenschaft. Dort hatte er dann Zeit zum Nachdenken und machte sich auch durchaus seine Gedanken - über seine Zukunft, denn er war immerhin schon 26 Jahre alt. Und so bemühte er sich brieflich um Kontakt zu einer jungen Frau, die er vor dem Krieg zu Hause einmal kurz gesehen hatte.
Die vorliegende Arbeit sichtet seine Brautwerbebriefe und leistet damit einen Beitrag zur Mentalitätsgeschichte der Deutschen sowohl der Zwischenkriegszeit als auch des Wirtschaftswunder-Nachkriegsdeutschlands, wie sie sich so nur selten als schriftliche Überlieferung erhält. Der Aussagewert dieser Briefe mag gerade darin liegen, daß sie weitab von einer distanzierten Reflexion des Geschehenen einem bestimmten und privaten Zweck dienten. Umso bemerkenswerter gerät, was manchmal zwischen den Zeilen en passant über die Vorstellungen von der Ordnung der Dinge und vom Leben darin zum Ausdruck kommt.
Der Herausgeber kommentiert die Briefe sie informativ, aber zurückhaltend.
Das kleine Werk, das nebenbei auch einen Einblick in die Popkultur bzw. "Kulturindustrie" der Zeit bietet, kann auch als deutscher Beitrag zur Comédie Humaine zwischen Great Expectations und Illusions perdues gelesen werden.
Die Deutschen empfanden den Zweiten Weltkrieg als ein Schicksal, das über sie kam - und danach "gelang" ihnen - fast so, als wäre gar nichts geschehen (jedenfalls nichts Erwähnenswertes) die Rückkehr in eine (dann doch etwas seltsame) "Normalität".



Diethard Behrens, Kornelia Hafner: Westlicher Marxismus. Schmetterling Verlag 2017. 902 Seiten, kartoniert. (NB1385) 44,80 Euro.
Von dem Philosophen Merleau-Ponty bereits in den 1950ern aufgebracht, wurde der Begriff vor allem durch Perry Andersons vielbeachtete Studie "Über den Westlichen Marxismus" (1978) populär und avancierte so in dessen Perspektive zum Synonym für einen 'philosophischen' Marxismus, der die Marx-Rezeption im 20. Jahrhundert entscheidend beeinflußte. In der hier vorliegenden problemorientierten Einführung zeichnen die Autoren diese Rezeption sowie ihre politischen und theoretischen Ursprünge nach. Dabei wird auf die Vorgeschichte der Neuen Linken sowie auf einzelne Autoren wie Althusser und Gramsci eingegangen. Da für ein Verständnis der Auseinandersetzungen, die in der Neuen Linken über Ökonomie und Philosophie, Staat und Politik, Kultur und Ästhetik herrschen, eine genaue Kenntnis der 'Westlichen Marxisten' unerlässlich ist, wird mit diesem Buch ein wertvolles Standardwerk zur Verfügung gestellt."



Ernest Mandel: Einführung in den Marxismus. Neuer ISP-Verlag. 240 S. (NB132) 12 Euro



Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung. Schmetterling Verlag, Reihe Theorie.org. 3. Aufl. 2005. 240 S. (NB854 bes) 15 Euro
"Umfassende Analysen des Kapitalismus haben bei der Linken wieder Konjunktur. Doch bleibt die Auseinandersetzung mit Marx dabei oft oberflächlich, findet Michael Heinrich und plädiert für eine Neuaneignung der Marxschen Theorie jenseits des traditionellen, weltanschaulichen Marxismus." (Klappentext).



Stefan Bollinger: Lenin. Theoretiker, Stratege, marxistischer Realpolitiker. PapyRossa Verlag, Reihe Basiswissen. 147 S. (NB1393) 9,90 Euro.
Angefeindet, bekämpft, verteufelt und schließlich angeschossen wurde der Revolutionär, Theoretiker und Realpolitiker Lenin, der es 1917 unternahm, einen völkermörderischen Krieg zu beenden und eine sozialistische Gesellschaft zu errichten. Er hasste den Krieg, Kriegstreiber und "linke" Helfershelfer des Krieges. Er wollte den Bruch mit Zarismus, Kapitalismus und der Herrschaft von Adel wie Bourgeoisie. Das erreichte er in Russland, von der Linken im Westen im Stich gelassen. Unter seiner Führung waren ein unverschuldeter Bürgerkrieg und die Intervention ausländischer Mächte, der Wiederaufbau eines zutiefst rückständigen, armen, zerstörten Landes zu meistern. Unter schier aussichtslosen Umständen suchte und fand er Lösungen und öffnete den Weg in eine neue Zivilisation. Unter seinen Nachfolgern ging diese Chance verloren. Umso mehr sind seine Denkweise und sein politisches Handeln zu rekonstruieren, um zu überprüfen, was davon auch heute noch für eine grundlegende gesellschaftliche Umgestaltung, für den Kampf gegen Krieg und die Sicherung des Friedens nützlich sein könnte.



Stefan Bollinger (Hg.): Lenin. Träumer und Realist. Promedia 2006 (Edition Linke Klassiker). 176 S. (NB987) 12,90 Euro
"Genius" oder "Dämon" der Revolution - die Meinungen über Lenin gehen nicht erst seit dem Untergang der Sowjetunion auseinander. Solange ein Sechstel der Erde unter dem Roten Stern stand und Lenin die Geschicke des "kurzen" 20. Jahrhunderts mitbestimmte, kamen Freund und Feind nicht an ihm vorbei. Mit dem Untergang des Ostblocks begann die Suche nach den Schuldigen. Kann sich Marx noch gelegentlich als Theoretiker des 19. Jahrhunderts und Prophet der Globalisierung behaupten, so findet Lenin keine Gnade vor den Wächern des Antikommunismus. Es geht bereits ein Aufraunen durch die Feuilletons, wenn zu Beginn des neuen Jahrtausends der Sozialismus als Alternative zum Empire wieder angedacht wird, wenn neue, junge Kommunisten sich outen, gar ein Philosoph wie Slavoj Zizek die Widerkehr Lenins und der Revolution beschwört.



Beate Landefeld: Revolution. PapyRossa Verlag 2017 Reihe Basiswissen. Pocketformat. 148 S. (NB1397) 9,90 Euro
"Basiswissen" bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie.
Der 500. Jahrestag der Reformation und der 100. der Oktoberrevolution bieten Anlässe für die Frage, was Revolutionen ausmacht. Ob "friedliche Revolution von 1989" oder diverse "Farbenrevolutionen" - in der Mediensprache hat sich "Revolution" als Euphemismus für Intervention und Regime Change etabliert. Sind Revolutionen richtungslose Umwälzungen? Oder sind sie, wie Marx sagt, "Lokomotiven der Geschichte"? Beate Landefeld versteht darunter die Errichtung einer neuen Gesellschaftsordnung mit dem Ziel, die Arbeit und Mühsal zu verringern, die nötig sind für ein gutes Leben aller Menschen, und es diesen möglich zu machen, ihre Geschichte bewusst zu gestalten. Revolutionen brachten den fragilen und keineswegs geradlinigen Fortschritt zum Abbau von Ungleichheit in Schüben voran. Anhand der Vorgeschichte und des Verlaufs der großen Revolutionen der Neuzeit beschreibt Beate Landefeld, wer die sozialen Triebkräfte und was die Resultate waren. Gegen einen sozial entkernten Revolutionsbegriff stellt sie den sozialen Inhalt von Revolutionsverläufen in den Vordergrund.



100 Jahre Oktoberrevolution. Irrweg oder Ausweg? Herausgegeben von Daniel Bratanovic. edition berolina 2017. 160 S. (NB1402) 9,99 Euro.
Wie steht es um das programmatische Erbe der Oktoberrevolution? Kann der Blick auf das Werk der Bolschewiki etwas anderes sein als nostalgische Verklärung einerseits oder Verdammung andererseits? Ein Chor von renommierten Historikern, die Daniel Bratanovic hier versammelt, beantwortet jenseits aller emotionalen Aufgeregtheiten auf vielschichtige Weise die Frage, ob und, falls ja, wie die Oktoberrevolution und ihre Errungenschaften auch 100 Jahre danach immer noch als Maßstab zum Verständnis gegenwärtiger Krisen dienen können. Die Umstände, mit denen die Bolschewiki konfrontiert waren und für die sie eine Lösung suchten (und nicht immer fanden), herrschen heute - in deutlich anderer Form, im Kern unverändert - erneut. Nicht in erster Linie historische Ereignisgeschichte wird hier aufbereitet, sondern die Autoren präsentieren einen vielstimmigen Debattenbeitrag zur Frage: Wie aktuell ist die Oktoberrevolution heute noch?



Henning Böke: Maoismus. China und die Linke - Bilanz und Perspektive. Schmettlerling Verlag, Reihe Theorie.org 2007. 216 S. (NB1004) 10 Euro
Mit seinem eigenständigen Sozialismus, der sich von dem der Sowjetunion scharf abgrenzte, bildete das China Mao Tse-tungs um 1970 einen bedeutenden Bezugspunkt für Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt wie für die progressive Intelligenz im Westen: Der Maoismus war damals eine maßgebliche linke Strömung, mit der große Hoffnungen auf ein alternatives Gesellschaftsmodell jenseits von Kapitalismus und bürokratischem Staatssozialismus verbunden waren. Nur 30 Jahre nach Maos Tod berufen sich nur noch wenige Guerillaorganisationen in Lateinamerika und Asien auf seine Ideen. Auch unter westlichen Linken gilt Mao mehr oder weniger als chinesischer Stalin und sein Weg zum Sozialismus als gescheitert. Hat sich Maos Idee einer Gesellschaftsalternative in einem Entwicklungsland als unrealisierbarer utopischer Traum herausgestellt oder enthält sein Denken Konzepte, die aktuell bleiben? Welche Rolle spielte der Maoismus für die westliche Linke? Wie ist die Situation im heutigen China? Gibt es noch eine Linke? Wenn ja, wie steht sie zu Mao? Zu diesen und anderen Fragen zur Rolle der chinesischen Revolution in Geschichte und Gegenwart und ihre Bedeutung für eine antikapitalistische Perspektive vermittelt dieses Buch Hintergrundwissen.



Jochen Schimmang: Adorno wohnt hier nicht mehr. Erzählungen. Edition Nautilus 208 S. Gebunden mit Schutzumschlag. (NB1438 bes.) 20 ¤
Vor 50 Jahren, im August 1969, starb Adorno - und Jochen Schimmang übt sich in Abwesenheitsp?ege. In melancholischen bis heiteren, zum Teil autobiogra?sch gefärbten Geschichten erzählt er von Formen und Figuren des Verschwindens. Von Menschen, Gebäuden, ganzen Vierteln; von Techniken, Gesten, Sprechweisen.
Ein Jubilar versteckt sich mit seiner Frau auf dem Dachboden vor seinen Freunden, die zum 70. Geburtstag aus allen Himmelsrichtungen auf ihn einstürmen, obwohl er viel lieber nur mit zweien von ihnen essen gegangen wäre. Rothermund macht sich auf die Suche nach dem verschwundenen Maler Gutermuth. Ein Spaziergang durch Frankfurt zeigt, wer, außer Adorno, noch alles nicht mehr dort wohnt. Aber Spaziergänge sind ohnehin sterbende Institutionen, ein Sich-Verirren in der Welt kann zum Verwirren der Welt werden. Milieus, die sich nicht mehr erreichen, Nomaden in Monaden. Nur Gott ist nicht verschwunden, er taucht pünktlich um halb sieben in der Kirche auf - im Fischgrätmantel.
Jochen Schimmangs feinsinnige Erzählungen gehen auf Spurensuche nach Lücken und Verlusten und zeigen zugleich, dass "Identität" eine höchst fragile Konstruktion ist.
"Davon abgesehen, dass die Geschichten hochkomisch sind, sind sie auch tieftraurig - aber leider lässt sich das schon lange nicht mehr trennen." Jochen Schimmang
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Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Fischer-Taschenbuch. 278 S. (NB133) 15 Euro



Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. 304 S. (NB1464) 17 Euro



Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit. Vorträge und Gespräche mit Hellmut Becker 1959 - 1969. Hg. von Gerd Kadelbach. Suhrkamp Taschenbuch 1971. 160 S. (NB907) 10 Euro
Menschen, die blind in Kollektive sich einordnen, machen sich selber schon zu etwas wie Material, löschen sich als selbstbestimmte Wesen aus. Dazu paßt die Bereitschaft, andre als amorphe Masse zu behandeln... Eine Demokratie, die nicht nur funktionieren, sondern ihrem Begriff gemäß arbeiten soll, verlangt mündige Menschen. Man kann sich verwirklichte Demokratie nur als Gesellschaft von Mündigen vorstellen... Die Konkretisierung der Mündigkeit besteht darin, daß die paar Menschen, die dazu gesonnen sind, mit aller Energie darauf hinwirken, daß die Erziehung eine Erziehung zum Widerspruch und zum Widerstand ist.



Theodor W. Adorno: Negetive Dialektik / Jargon der Eigentlichkeit. Gesammelte Schriften Band 6. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. 544 S. (NB1313 bes) 26 Euro



Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus. Ein Vortrag. Nachwort von Volker Weiß. Suhrkamp Verlag. 86 S. (NB1435) 10 Euro
Am 6. April 1967 hielt Theodor W. Adorno auf Einladung des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs an der Wiener Universität einen Vortrag, der aus heutiger Sicht nicht nur von historischem Interesse ist. Vor dem Hintergrund des Aufstiegs der NPD, die bereits in den ersten beiden Jahren nach ihrer Gründung im November 1964 erstaunliche Wahlerfolge einfahren konnte, analysiert Adorno Ziele, Mittel und Taktiken des neuen Rechtsradikalismus dieser Zeit, kontrastiert ihn mit dem "alten" Nazi-Faschismus und fragt insbesondere nach den Gründen für den Zuspruch, den rechtsextreme Bewegungen damals - 20 Jahre nach Kriegsende - bei Teilen der bundesdeutschen Bevölkerung fanden. Vieles hat sich seitdem geändert, manches aber ist gleich geblieben oder heute, 50 Jahre später, wieder da. Und so liest sich Aspekte des neuen Rechtsradikalismus wie eine Flaschenpost an die Zukunft, deren Wert für unsere Gegenwart Volker Weiß in seinem Nachwort herausarbeitet.
"Tatsächlich liest sich der Vortrag in vielen Passagen wie ein direkter Kommentar zu Methode und Ideologie der Rechten seit 2015 ... [Er] ist dabei so offen und eben gerade nicht autoritär-bestimmend gehalten, dass man ihn heute als Einladung zum Weiterdenken lesen kann."
Benjamin Moldenhauer, Der Spiegel.
"Es klingt wie eine akademische Koketterie, wenn Adorno seine Thesen >simpel< nennt und vor voreiligen Schlüssen warnt. Doch was heißt schon simpel? Tatsächlich sind Adornos Beschreibungen äußerst dicht, und der Historiker Volker Weiß hat Recht, wenn er in seinem klug abwägenden Nachwort darauf hinweist, dass einige der Thesen noch heute von schlagender Evidenz sind." Thomas Assheuer, DIE ZEIT.
"Verblüffend oft hat man den Eindruck, dass das, was dort steht, nicht vor einem halben Jahrhundert gedacht worden ist, sondern gerade eben erst. ... [Der] Dialektik Adornos kann man an Stellen wie [hier] ganz einfach bei der Arbeit zusehen." Jens-Christian Rabe, Süddeutsche Zeitung.
"Was Adorno an Aspekte des neuen Rechtsradikalismus aufzeigt, ist nicht nur von einer verblüffenden Aktualität, sondern auch von einer Subtilität in den Beobachtungen, die man in vielen aktuellen Publikationen zur Rechten dann doch vermisst." Michael Angele, der Freitag.
"Man nimmt den mehr als 50 Jahre alten Text in die Hand und ist nach wenigen Sätzen erschrocken über die Aktualität der von Adorno herausgegriffenen Aspekte." Arno Widmann, Frankfurter Rundschau.



Michael Schwandt: Kritische Theorie. Eine Einführung. Schmetterling Verlag 2009 (Reihe theorie.org). 240 S. (NB1120 bes) 15 Euro
Dieser Band gibt eine verständliche, weitgehend voraussetzungslose und eingängig geschriebene Einführung in die Kritische Theorie. Es wird erstmals der Versuch einer Bilanz der Kritischen Theorie zu Beginn des 21. Jahrhunderts unternommen - das Dilemma politischen Engagements in der Gegenwart immer im Blick. Der Vergleich von Adorno und Marcuse, an dem sich die Darstellung orientiert, ist neu und verspricht auch erfahrenen Lesern einen Erkenntnisgewinn. Michael Schwandt zeichnet zunächst die Geburt der Kritischen Theorie aus der Krise des Marxismus nach und skizziert die Geschichte des Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Vor diesem Hintergrund wird die Spannweite möglicher Antworten der Kritischen Theorie auf das Praxisproblem herausgearbeitet: Wie soll, wie kann sich politisch verhalten, wer diese Welt aus tiefstem Herzen ändern will, aber mit klarem Verstand erkennen muß, daß die Chancen dazu verschwindend gering sind? Dieser Frage wird anhand einer Gegenüberstellung der Positionen von Adorno und Marcuse nachgegangen, die wegen ihres ganz unterschiedlichen Bezuges auf die politischen Bewegungen ihrer Zeit immer als Antipoden wahrgenommen wurden. Die unabgeschlossene Debatte zwischen diesen beiden Spielarten Kritischer Theorie ist auch für gesellschaftliches Engagement in der Gegenwart von großer Bedeutung - egal, welcher der hier vorgestellten Positionen man letztlich eher den Vorzug geben mag. Denn bei der Auseinandersetzung mit der "Frankfurter Schule" läßt sich immer wieder neu erfahren: Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie.



Kurt Lenk: Von Marx zur Kritischen Theorie. Dreißig Interventionen. Edition DISS im Unrast Verlag 2009. 332 S. (NB1114) 29,80 Euro
Der Band bietet den zugang zu einer Theorietradition, die in vielen Zweigen der Sozial- und Geisteswissenschaften ihren Ausdruck gefunden hat. Es bsteht begründete Hoffnung, daß im Zeichen von Finanz- und Wirtschaftskrisen Impulse dieser kritischen Analyse erneur wirksam werden.



Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Herausgegeben von Peter E. Jansen. Verlag Dietrich zu Klampen 2014. 296 S. (NB1309) 24 Euro
Das 1964 erschienene Hauptwerk war einer der einflußreichen Quellentexte der Studentenbewegung von 1966ff.
"Die gegenwärtige industrielle Zivilisation beweist, daß sie die Stufe erreicht hat, auf der 'die freie Gesellschaft' in den traditionellen Begriffen ökonomischer, politischer, und geistiger Freiheit nicht mehr angemessen bestimmt werden kann; nicht weil diese Freiheiten bedeutungslos geworden sind, sondern weil sie zu bedeutsam sind, um auf die traditionellen Formen begrenzt zu bleiben. Entsprechend den neuen Fähigkeiten der Gesellschaft bedarf es neue Weisen der Verwirklichung." (Herbert Marcuse).



Michel Foucault: Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft. suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1973. 576 S. (NB1297) 24 ¤
Michel Foucault erzählt die Geschichte des Wahnsinns vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Er erzählt zugleich die Geschichte seines Gegenspielers, der Vernunft, denn er sieht die beiden als Paar, das sich nicht trennen läßt. Der Wahn ist für ihn weniger eine Krankheit als eine andere Art von Erkenntnis, eine Gegenvernunft, die ihre eigene Sprache hat oder besser: ihr eigenes Schweigen.



Walter Benjamin: Illuminationen. Ausgewählte Schriften I. Suhrkamp Taschenbuch 432 S. (NB221 bes) 18 Euro



Ernst Bloch: Spuren. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft - Ernst Bloch Werkausgabe Band 1. 220 S. (NB1328) 12 Euro



Ernst Bloch: Erbschaft dieser Zeit. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. 416 S. (NB1395) 20 Euro



Gerhard Senft (Hg.): Essenz der Anarchie. Die Parlamentarismuskritik des libertären Sozialismus. Promedia 2006 (Edition Linke Klassiker). 176 S. (NB1012) 12,90 Euro
Der Anarchismus ist als ein facettenreiches Phänomen zu begreifen, das aufklärerisch und romantisch zugleich auftritt. Er vereint Elemente des Individualismus und des Sozialismus. Die unterschiedlichen Richtungen des Anarchismus kennen einen gemeinsamen Angriffspunkt: den Parlamenrarismus. Gerhard Senft bringt die Klassiker der anarchistischen Literatur einem interessierten Publikum näher, indem er ihre Schriften kommentiert und in den entsprechenden historischen Kontext stellt.



Hans Jürgen Degen, Jochen Knoblauch: Anarchismus. Eine Einführung. Schmetterling Verlag - Reihe theorie.org. 216 S. (NB924) 15 ¤
Das Buch stellt verschiedene Richtungen innerhalb der anarchistischen Bewegung vor sowie die Rolle von Anarchisten während der Revolutionen von der Pariser Commune von 1871 bis zur Studentenbewegung der 60er Jahre.



Hans Jürgen Degen, Jochen Knoblauch (Hg.): Anarchismus 2.0. Bestandsaufnahmen, Perspektiven. Schmetterling Verlag 2009. 312 S. (NB1095 bes) 16,80 Euro
Der Band "Anarchismus. Eine Einführung" von Hans Jürgen Degen und Jochen Knoblauch in der Reihe "theorie.org" arbeitete die Grundlagen libertärer Weltsicht (Stirner, Bakunin, Landauer etc.) auf. Von Rudolf Rocker einmal abgesehen, hat allerdings keiner dieser Klassiker in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg gewirkt. Dies und die Tatsache, daß spätestens nach 1945 die anarchistische Bewegung gezwungen war, sich von Grunde auf organisatorisch und inhaltlich neu zu positionieren, unterstreicht die Notwendigkeit dieser Anthologie zu aktuellen Tendenzen des Anarchismus. Da nun neben ausgewiesenen Experten auch Aktivisten selbst zu Wort kommen sollen, wurde die Form einer Anthologie gewählt, um den berücksichtigten Themen ein Höchstmaß an Authenzität zu verleihen. Aus dem Inhalt: Anarchismus in Deutschland (1945-1968); Neo-Anarchismus: 1968 und die Folgen; Anarchosyndikalismus; Gewaltfreier Anarchismus; Anarchismus und Ökonomie; Anarchafeminismus; Zapatismus und Anarchismus; Postanarchismus; Neue Soziale Bewegungen: Von der Alternativszene bis Attac; Anarchismus und Pädagogik; Arbeit und Leben: Wohnprojekte, Kommunen, Genossenschaften.



Augustin Souchy: Nacht über Spanien. Bürgerkrieg und Revolutin 1936-39. Trotzdem-Verlagsgenossenschaft 2007. 236 S. Pb. (NB1039 bes) 18 Euro (3671)



Michael Bakunin: Die revolutionäre Frage. Föderalismus - Sozialismus - Antitheologismus. Unrast Verlag 2000 (Klassiker der Sozialrevolte 6). 184 S. Pb. (NB686) 13 Euro



Peter A. Kropotkin: Memoiren eines Revolutionärs. Unrast Verlag 2002 (Klassiker der Sozialrevolte 4, 5). 2 Bände zus. 552 S. (NB687) 28 Euro



Peter Kropotkin: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt. Übersetzung von Gustav Landauer. Mit einem Vorwort von Franz M. Wuketits. Trotzdem Verlag bei Alibri 2011. 254 S. Pb. (NB1181) 18 Euro
Die Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt ist nicht nur ein Klassiker der anarchistischen Literatur, sondern kann auch als früher Vorläufer soziobiologischen Denkens gelten. Geschrieben als Antwort auf zahlreiche Publikationen, die Darwins Evolutionstheorie zu einem menschenverachtenden Sozialdarwinismus verkürzen wollten, argumentiert Kropotkin, daß in Natur und Gesellschaft keineswegs nur ein Kampf aller gegen alle stattfindet, sondern daß ebenso ein Prinzip obwaltet, das er "gegenseitige Hilfe" nennt. Er kommt zu dem Schluß, daß jene Lebewesen erfolgreicher überleben, die dieses Prinzip umsetzen. Peter Kropotkin (1842-1921), gilt als einer der einflußreichsten Vertreter des kommunistischen Anarchismus. Dem russischen Hochadel entstammend, engagierte er sich doch bald für die Befreiung der Menschheit von Unterdrückung, Ausbeutung und Ungleichheit.



Friedrich Engels: Der deutsche Bauernkrieg. Unrast Verlag 2004 (Klassiker der Sozialrevolte, Bd. 10). 160 S. (NB802) 13 Euro
"Der deutsche Bauernkrieg" von Friedrich Engels 1850 veröffentlicht, ist in seiner prägnanten Kürze und präzisen Darstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse zum ausgehenden Mittelalter ebenso eine packende Schilderung der revolutionären Ereignisse wie eine politisch-sozioökonomische Studie vor dem Hintergrund der gerade stattgefundenen Revolution 1848/49, an der Engels aktiv beim "Pfälzer Aufstand" teilgenommen hatte.



Pjotr L Lawrow: Die Pariser Kommune. Geschehnisse, Einfluß, Lehren. Unrast Verlag 2003 (Klassiker der Sozialrevolte Bd. 8). 232 S. (NB804) 14 Euro
Am 18. März 1871 verhinderte in Paris eine Menge aus revolutionären Arbeitern und republikanischen Nationalgardisten, daß der monarchistische General Vinoy sich gewaltsam der Kanonen von Paris bemächtigen konnte. Dieser Widerstand - unter der Losung "Es lebe die Republik" - war der Beginn der 72tägigen revolutionären Kommune von Paris. P.L. Lawrow, russischer Sozialrevolutionär im Exil und Mitglied der Pariser Sektion der Internationalen Arbeiter-Assoziation, hat an den Ereignissen der Kommune-Tage aktiv teilgenommen, sie aufgeschrieben und einer kritischen Würdigung unterzogen, um daraus Lehren insbesondere für die sozialrevolutionäre Bewegung Rußlands zu ziehen.



Florian Grams: Die Pariser Kommune. PapyRossa Verlag 2014 (Reihe Basiswissen). 128 S. (NB1322) 9,90 ¤
"Basiswissen" bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie.
1871 herrschte Krieg zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich. Der französische Kaiser Napoleon III. befand sich in deutscher Gefangenschaft, deutsche Truppen standen vor Paris, und die neue französische Regierung musste Arbeiter und Arbeitslose in die Nationalgarde einreihen. Dies veränderte das Antlitz des Militärs in der Stadt, denn die Bataillone wählten ihre Offiziere. Die Regierung floh nun nach Versailles und verhandelte um Frieden. Die Bürger von Paris nahmen die Verwaltung ihrer Stadt selbst in die Hand. So begann, was als Pariser Kommune in die Geschichte einging. Unter den Augen der deutschen Belagerer und des Versailler Regimes entwickelten sich Grundzüge eines sozialistischen Gemeinwesens. Es verzichtete fast vollständig auf Repression, um sich auch in der Wahl der Mittel vom Gegner zu unterscheiden. Wohl auch aus diesem Grund konnten französische und deutsche Truppen die Kommune nach nur 72 Tagen im Blut ersticken. Vor dem historischen Hintergrund diskutiert Florian Grams auch ihre Bedeutung für heute.



Elizabeth Gurley Flynn: SABOTAGE. Die bewusste Verringerung der industriellen Effizienz. Übersetzt und mit einer Biografie versehen von Ruth Schäfer. Verlag Trikont - Dialog-Edition 2016. 58 S. (NB1354) 8 Euro
Wenn der Streik im Kampf um soziale Gerechtigkeit nicht mehr reicht: "Dann wendet die Sabotage an". In ihrem Pamphlet Sabotage erläutert Elizabeth Gurley Flynn, Gründerin einer Bürgerrechts-Union aus den USA, wie der Arbeiter seinem Boss - neben dem Streik - noch so an den Kragen gehen kann. Wie er mit einfachen Mitteln die Lächerlichkeiten engstirniger Vorschriften offensichtlich machen kann. Wie man dem Richter an den Magen geht und nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen, bessere Verhältnisse schafft.
Mit ihrem Aufruf zur Unterstützung des Angeklagten F. Sumner Boyd, und ihrer moralischen Rechtfertigung der Sabotage ermöglicht Elizabeth Gurley Flynn dem Leser Einblick in die nicht vorstellbaren Bedingungen der Minen- und Eisenbahnarbeiter, Weber und Kellner des frühen 20. Jahrhunderts und deren Kampf um mehr soziale Gerechtigkeit.



Jack Black: Im Knast und auf der Flucht. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Axel Monte und Jerk Götterwind, Illustrationen von Horst Kirstein. Verlag Trikont / Dialog-Edition. 156 S. (NB1355) 15 Euro
Jack Black (1871-1933) war ein amerikanischer Eisenbahntramp und berüchtigter Einbrecher, der durch seine autobiographischen Schriften zu Berühmtheit gelangte. Der belesene und eloquente Black war ein literarischer Glücksfall, weil er dem Leben im kriminellen Milieu authentisch Ausdruck zu geben vermochte. So wurde er zu einem Pionier und Vorläufer des True-Crime- und Hard-Boiled-Genres.
Nachdem die anfängliche Hobo- und Ganovenromantik des Jugendlichen verflogen ist, versucht Black dem immer brutaler werdenden Teufelskreis aus Knast, Ausbrüchen und Flucht zu entkommen. Mit Hilfe des Philanthropen Fremont Older kommt er schließlich frei. Diese Zeit zwischen Verzweiflung und Hoffnung schildert er eindringlich in "Im Knast und auf der Flucht".
Da er selbst die unmenschlichen Haftbedingungen in Folsom und anderen Gefängnissen erlebt hat, engagiert er sich in Vorträgen und Essays für Reformen im Strafvollzug. Im Jahr 1933 verschwindet Jack Black, der unter gesundheitlichen und finanziellen Problemen litt, spurlos aus seiner Wohnung in New York. Es wird vermutet, daß er Selbstmord begangen hat.



Sebastian Haffner: Die deutsche Revolution 1918/19. Rowohlt 2018. 268 S. (NB839) 15 Euro.
"Nüchtern und doch mitreißend setzt Sebastian Haffner sich mit markanten Personen und Ereignissen auseinander, greift politische Probleme, Phänomene und Theorien auf. Seine Ausführungen, die teils Zustimmung, teils Widerspruch provozieren, geraten dank seines Formulierungsvermögens zu Literatur." (Klappentext). Standardwerk über eines der wichtigsten Ereignisse der Zeitgeschichte, zudem von hohem literarischem Rang. Haffner unterzieht die Sozialdemokratie einer geradezu vernichtenden Kritik. Haffners Buch erschien zuerst 1969, in einer Zeit, in der die Konfliktlinien der Revolution und Konterrevolution von 1918/19 sich in der aktuellen politischen Auseinandersetzung unmittelbar widerspiegelten. Das Buch erschien ursprünglich unter dem Titel "Die verratene Revolution", zehn Jahre später noch einmal unter dem Titel "Der Verrat".



Gerd Fesser: Deutschland und der Erste Weltkrieg. PapyRossa Verlag 2014 (Reihe Basiswissen). 124 S. Pb. (NB1281) 9,90 Euro
Gerd Fesser analysiert die internationale Konstellation und die Faktoren, deren Zusammenwirken im August 1914 in den Großen Krieg einmündete: die Rivalität der imperialistischen Großmächte, den Wettlauf um Kolonien und Einflußgebiete, die Konkurrenz um Weltmarktpositionen und Anlagesphären. Den Schwerpunkt legt er auf das Deutsche Reich und seine Weltpolitik. Er kennzeichnet die kriegstreiberische Politik der Reichsregierung in der Julikrise 1914, behandelt die militärischen und innenpolitischen Entwicklungen der Jahre 1914 bis 1918, untersucht die Kriegszieldebatte, die Entfaltung der Antikriegsopposition, die Kriegswirtschaft sowie Alltag und Kultur im Krieg. Nach einem Überblick über die Revolutionen vom Februar und Oktober 1917 in Russland und ihren Auswirkungen schließt er seine Darstellung ab mit dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und der Novemberrevolution 1918. Eine kurze Auseinandersetzung mit der neueren Geschichtsschreibung rundet den Band ab.
Gerd Fesser, Dr. phil, Jg. 1941. Nach dem Studium der Geschichte in Leipzig wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR und bis 1996 am Historischen Institut der Universität Jena. Veröffentlichungen über das Wilhelminische Kaiserreich und über die anti-napoleonischen Kriege, schreibt für "Die Zeit".



Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Droste Verlag Neuausgabe 2013. 576 S. (NB1287) 24,95 Euro
Mit dieser berühmten Analyse der umstrittenen Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland griff der Hamburger Historiker zum ersten Mal einen Fragenkreis auf, der, wie Fischer nachweist, eine zentrale Stellung in der deutschen Politik während des Ersten Weltkrieges einnahm. Fischers Ergebnisse, von maßgebendem Einfluß auf Forschung, Lehre und Öffentlichkeit, fußen auf bis dahin nicht erschlossenen Akten.



Richard Müller: Eine Geschichte der Novemberrevolution. Vom Kaiserreich zur Republik - Die Novembverrevolution - Der Bürgerkrieg in Deutschland. Mit einer Einleitung von Ralf Hoffrogge. Die Buchmacherei 2011. 756 S. (NB1260) 22,95 Euro
Neuausgabe der Bände "Vom Kaiserreich zur Republik", "Die Novemberrevolution", "Der Bürgerkrieg in Deutschland".
In einer historischen Trilogie unter dem Obertitel "Vom Kaiserreich zur Republik" verfaßte Richard Müller, Metallarbeiter und Vorsitzender des Vollzugsrats der Arbeiter- und Soldatenräte zur deutschen Novemberrevolution, einen ungewöhnlichen Zeitzeugenbericht. Seine packend erzählten Bände inspirierten Historiker wie Sebastian Haffner und sind Standardwerk und Geheimtipp zugleich. Seit Oktober 2011sind die drei Bände in einem Band gebündelt wieder verfügbar, mit Chronologie und Personenregister.



Stefan Bollinger: November '18. Als die Revolution nach Deutschland kam. edition ost 2018. 256 S. (NB1422) 14,99 Euro
Im November vor 100?Jahren zerbrach die Monarchie, weil die Deutschen es leid waren, weiter Krieg zu führen und zu hungern. Nach russischem Beispiel entstanden Arbeiter- und Soldatenräte. Und während die einen die sozialistische Republik Deutschland gründen wollten, kanalisierten die anderen den revolutionären Furor und gründeten zu Weimar einen bürgerlich-demokratischen Staat. So blieb die Weltrevolution aus, auf die die Russen gesetzt hatten. Stefan Bollinger untersucht Umstände und Konsequenzen dieser halben oder doch ganzen Revolution und analysiert die Auswirkungen in der Gegenwart.



Klaus Gietinger: November 1918 - Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts. Mit einem Vorwort von Karl Heinz Roth. Edition Nautilus, März 2018. Broschur, 272 Seiten. (NB1404 bes) 20 ¤.
Ein flammendes Plädoyer dafür, die verpasste soziale Revolution zwischen Kieler Matrosenaufständen und Weimarer Republik dem Vergessen zu entreißen!
100 Jahre nach dem November 1918 spricht man nur noch vom "Kriegsende", vom "Zusammenbruch des Kaiserreichs".
Dabei war die Novemberrevolution tatsächlich ein Aufbruch, ein Aufbäumen gegen die herrschenden Klassen. Matrosen, Soldaten und Arbeiter waren noch bewaffnet - und sie hatten genug von den alten Eliten, sie wollten das allgemeine Wahlrecht, die Sozialisierung, die Zerschlagung des Militarismus und die Revolution - ein für alle Mal, jetzt oder nie!
Klaus Gietinger ruft in Erinnerung, wie die Führung der SPD und der Gewerkschaften den Krieg hingegen bis zum Schluss unterstützten und die Ordnung durch ein Bündnis mit den Militärs aufrechterhalten wollten. Diese unversöhnliche Spaltung der Arbeiterbewegung aber hat der Novemberrevolution den Todesstoß versetzt. Das Ergebnis waren auf Rache sinnende Herrschende in Wirtschaft, Verwaltung und Militär, die den verlorenen Krieg ihren zeitweiligen Verbündeten in den Arbeiterbürokratien geschickt anlasteten und auf eine Diktatur mit neuerlichem Weltmachtsstreben und Krieg hinsteuerten.
Dabei war der Kapitalismus auch international nie so gefährdet wie im November 1918. In zahlreichen europäischen Staaten begehrten die Massen auf. Wäre es in Deutschland gelungen, Basisdemokratie und echte Rätemacht zu verwirklichen, hätte die russische Oktoberrevolution eine Chance auf Humanisierung gehabt, und das 20. Jahrhundert hätte ganz anders verlaufen können.
"Klaus Gietinger gibt einen konzentrierten Überblick über die wesentlichen Etappen der revolutionären Nachkriegskrise, die zu Unrecht auf ihren Auftakt von Anfang November 1918 verkürzt wird." Karl Heinz Roth



Klaus Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal. Die Ermordung Rosa Luxemburgs. Neu durchgesehene, überarbeitete Ausgabe. Edition Nautilus 2009. 192 S. mit 70 Abbildungen. (NB1108) 18 Euro.
Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ist eine der großen Tragödien des letzten Jahrhunderts. Kaum ein politischer Mord hat so sehr die Gemüter bewegt und das politische Klima in Deutschland verändert wie jener in der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 vor dem Hotel mit dem paradiesischen Namen "Eden". Der Mord war Auftakt für weitere politische Morde und nicht nur das. Der Fall Luxemburg/Liebknecht war sozusagen der Sündenfall, nach dem die Grundlagen für den deutschen Faschismus gelegt wurden. Über Jahre hinweg folgten Verdrehungen, Verdunklungen, Vorschubleistungen, falsche Verdächtigungen und Selbstbezichtigungen. Eine "Justizposse", die als einer der großen Justizskandale des vergangenen Jahrhunderts bezeichnet werden muß, machte aus der Tragödie eine Groteske. Gietinger hat seine akribischen Recherchen zu einem spannenden Text zusammengefügt und entlarvt in aller Klarheit Mörder und Drahtzieher.



Paul Frölich: Die Bayrische Räte-Republik. Edition 100 bei ISP - Bibliothek des Anderen Buchladen Karlsruhe. 128 S. (NB674) 15 Euro
Reprint der Ausgabe aus dem Frankes Verlag Leipzig 1920.



Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis. Dietz-Verlag Berlin. 104 S. Ln. (NB71) 8 Euro



Fritz Keller, Stefan Kraft: Rosa Luxemburg. Denken und Leben einer internationalen Revolutionärin. Pro Media Verlag - Edition Linke Klassiker 2005. 176 S. (NB808) 14,90 Euro
"Wir müssen den ganzen 'Patriotismus' unserer höheren politischen Schichten für einen gemeinen Volksbetrug halten! Nicht hinter ihnen, nicht mit diesen Grundbesitzern und Bürgerlichen dürfen wir gehen, sondern gegen sie!" Wortgewaltig und energiegeladen setzt sich Rosa Luxemburg gegen den Militarismus genauso ein wie für die internationale Solidarität der arbeitenden Klasse. Ihr Werk, hier ausführlich und fachkundig kommentiert, beschäftigt sich mit dem sozialen Elend zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit der Frauenemanzipation und den Rechten des Individuums, der politischen und gewerkschaftlichen Organisation, der russischen Revolution, dem Imperialismus und den Perspektiven der sozialistischen Bewegung. Rosa Luxemburg gab bereits mit 22 Jahren eine revolutionäre Zeitschrift heraus. 1898 nahm sie die deutsche Staatsbürgerschaft an und engagierte sich im linken Flügel der SPD. Die Zustimmung der deutschen Sozialdemokratie zum Ersten Weltkrieg fand in ihr eine vehemente Gegnerin. Sie vierließ die Partei und gründete gemeinsam mit Karl Liebknecht den Spartakusbund als Vorläufer der KPD. Ihre Ermordung im Januar 1919 versetzte der gerade entstandenen kommunistischen Bewegung Deutschlands einen schweren Schlag.



Otto Rühle: 1848. Revolution in Deutschland. Unrast Verlag, Klassiker der Sozialrevolte. 120 S. Mit einigen Abb. (NB707 bes) 10 Euro
Nachdruck aus dem dreibändigen Werk "Die Revolutionen Europas".



Erich Mühsam: Die Einigung des revolutionären Proletariats im Bolschewismus. Unrast Verlag 2015 (Klassiker der Sozialrevolte Band: 24). 240 S. (NB1325 bes) 14 Euro
Erich Mühsam plädiert hier - unter dem Eindruck des nationalistischen Rechtsrucks in Deutschland - für eine Verständigung der verschiedenen revolutionären Strömungen. Er versucht damit, "eine äußerst scharfe, unübersteigbare Linie gegen rechts" zu ziehen. Spannend zu lesen und schon seinerzeit nicht unumstritten.
In einem zusätzlich angefügten Dokumententeil werden darüber hinaus historische Stellungnahmen beigefügt, die sich mit dem von Mühsam angesprochen Thema beschäftigen, wie auch mit Mühsams KPD-freundlicher Einstellung zu jener Zeit.



Franz Jung: Die Technik des Glücks. Mehr Tempo! Mehr Glück! Mehr Macht! Edition Nautilus 1987. Band 6 der Werkausgabe. Klappenbroschur 184 S. (NB1432) 20 ¤
Dieser Band umfasst Jungs theoretisches Hauptwerk, das erstmals 1921 und 1923 in zwei Teilen veröffentlicht wurde. Geschrieben in einer analysierenden und erzählenden Prosa, verdichtet Jung Gesellschaftskritik, Psychoanalyse, Utopie und Politik zu einer Handlungsperspektive kritischer Praxis. Für Jung bewirkt die innere Vereinsamung des Einzelnen die Herausbildung einer parasitären Lebensfeindlichkeit. Diese gilt es aufzusprengen, um der Katastrophenempfänglichkeit des Vereinzelten entgegenzuwirken.
Ausgehend von Otto Groß greift Jung in vielen seiner Ansichten Wilhelm Reich voraus.
Dies Buch ist durch seine intellektuelle Wucht ein originäres Dokument der europäischen Bewusstseinskrise, die fortdauert, zugleich Antwort wie auch Teil derselben. Im Nachwort zu diesem Band schlüsselt Rembert Baumann erstmals Begrifflichkeit und Bedeutung dieses Werkes auf.



Franz Jung: Der Weg nach unten. Aufzeichnungen aus einer großen Zeit. Edition Nautilus 2019. 442 S. (NB417) 22 Euro
Franz Jung (1888-1963) gilt als eine der verwegensten Persönlichkeiten der deutschen Literatur. Wo immer neue Horizonte gesucht wurden, war Jung dabei, um am Ende unversöhnlich gegen die Illusionen anzugehen. Rigoroser hat selten jemand sein Leben beschrieben (Klappentext).



Volker Hermsdorf: Die Kubanische Revolution. PapyRossa Verlag 2015 (Reihe Basiswissen). 132 S. (NB1323 bes) 9,90 ¤
Wie kein anderes Land der Region beeinflusst Kuba die Entwicklung ganz Lateinamerikas. Sein alternatives Gesellschaftsmodell ist auch darüber hinaus Vorbild für viele Länder des Südens und allgemein Beleg dafür, daß eine andere Welt möglich ist. Voraussetzung dafür war der Sieg der Revolution über die Diktatur Fulgencio Batistas am 1. Januar 1959. Dessen nach Miami geflüchtete Anhänger versuchen seitdem mit Unterstützung Washingtons vergeblich, einen Systemwechsel auf der sozialistischen Karibikinsel zu erzwingen. Da auch terroristische und andere subversive Methoden nicht zum Ziel geführt haben, sah sich US-Präsident Obama zu einer Kurskorrektur genötigt. Beginnend mit der Revolution und ihren Wurzeln, vermittelt Volker Hermsdorf einen Überblick über die Geschichte des Landes, bis hin zu seinen aktuellen Problemen und seiner Bedeutung für das Modell einer multipolaren Welt ein. Abschließend behandelt er das "Tauwetter" in den Beziehungen zu den USA und zur EU.
Volker Hermsdorf, Jg. 1951, war Redakteur bei der "Hamburger Morgenpost" und Korrespondent der Zeitschrift "Metall", schreibt heute u.a. für "junge Welt", "Ossietzky" und das alternative Medienportal "Cubainformacion" in Bilbao. Pendelt zwischen Kuba und Hamburg.



Wolfgang Schneider (Hg.): Kuba libre. Eine Insel spielt nicht mit. Konkret 2002. 168 S. (NB618) 12,80 Euro
Das Buch beschreibt die Geschichte der kubanischen Revolution, ihre Leistungen und ihre momentanen Schwierigkeiten sowie ihre mögliche Zukunft. Es präsentiert aktuelle politische Analysen und Kommentare von Fidel Castro. Beiträge von Ernst Fidel Fürntratt-Kloep, Herman L. Gremliza, Miriam Lang, Conrad Schuhler u.a.



Gerd Schumann: Kolonialismus, Neokolonialismus, Rekolonisierung. PapyRossa Verlag 2016 Reihe Basiswissen. 126 S. (NB1371) 9,90 Euro
"Basiswissen" bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie.
Die lange Geschichte des Kolonialismus durchlief verschiedenartige, jeweils entsprechend der Produktivkraftentwicklung ineinander übergehende Phasen: Von den Sklavenhaltergesellschaften der Antike über die Hochzeiten der europäischen Entdecker und Plünderer und deren Erben im Kapitalismus. Sie reicht bis zu den imperialen und neokolonialen Konquistadoren der Moderne, die sich im Zeichen der >Globalisierung< überkommener kolonialistischer Methoden bedienen. Und der neuzeitliche Kolonialismus ist, so der bolivianische Präsident Evo Morales, der >politische und ideologische Zwilling< des Imperialismus. Beide erleben mit der aktuellen Rekolonisierung eine neue Blüte und zeigen zugleich offen ihr gewalttätiges Wesen. Andererseits war die koloniale Repression allzeit begleitet von Widerstand, der im 20. Jahrhundert streckenweise eine Entkolonisierung erreicht hat. Allerdings haben die Befreiungsbewegungen, die diese Phase prägten, ihre aktuellen Pendants noch nicht gefunden. Gesucht werden: Neue Formen des Internationalismus und der Solidarität.



Josef (Moe) Hierlmeier: Internationalismus. Eine Eiführung in seine Ideengeschichte - von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schmetterling Verlag, Reihe theorie.org. 2., erweiterte Auflage 2006. 216 S. (NB940) 10 Euro
Ein kompakter Überblick zur Geschichte einer zentralen Bewegung der Linken und zugleich eine reflektierende Einführung in ihre wesentlichen Debatten sowie philosophischen und soziologischen Grundlagen. Ausgangspunkt der Betrachtungen ist dabei nicht die Situation in den Ländern des Trikonts, sondern die Wahrnehmung der sogenannten Dritten Welt und ihre Projektion auf die gesellschaftlichen Verhältnisse hierzulande. Vom ausgeprägten ideengeschichtlichen Optimismus der 60er und 70er, über die lebensphilosophischen Theoreme der 80er bis hin zu den dialog- und konsensorientierten Ansätzen des vergangenen Jahrzehnts zeichnet der Autor die theoretischen Raster einer ebenso wichtigen wie widersprüchlichen politischen Bewegung nach und fragt nach Perspektiven und neuen Denkansätzen. Die 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage wurde durch ein Kapitel zu den theoretischen Grundlagen der Bewegung (Negri, Hardt, Deleuze/Guattari etc.) gegen die neoliberale Globalisierung erweitert.



Thomas Schroedter: Antiautoritäre Pädagogik. Zur Geschichte und Wiederaneignung eines verfemten Begriffs. Schmetterling Verlag, Reihe Theorie.org 2007. 204 S. (NB1005) 10 Euro
Der Begriff "Antiautoritäre Erziehung" leidet heute in der Wissenschaft an einer kenntnisarmen "Verteufelung". Daher besteht nachhaltiges Interesse an einer überschaubaren und zugleich fundierten Darstellung antiautoritärer Theorie und Praxis. Vorgestellt werden die wesentlichen Merkmale antiautoritärer Pädagogik, ihre Theoretiker und die Institutionen, in denen Ansätze einer solchen Pädagogik verfolgt wurden und werden. Vor dem Hintergrund der Geschichte autoritärer Erziehung und der Kritik an dieser, wird die Aktualität antiautoritärer Pädagogik hergeleitet. Insbesondere die Antworten konservativer Pädagogik als Reaktion auf Gewalt von Schülern werden Problematisiert und mit einer herrschaftskritischen Analyse konfrontiert. Neben Theorie und Praxis der Kinderladenbewehung der späten 60er Jahre werden Vorläufer und pädagogische Ansätze beachtet wie die politischen Strömungen.



Irmgard Keun: Gilgi - eine von uns. Roman. Ullstein Taschenbuch 2025. 240 S. (NB809) 12,99 Euro.
Die Geschichte des Mädchens Gilgi im Köln der 20er Jahre, mit der die 26jährige Irmgard Keun 1931 über Nacht berühmt wurde.



Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen. Roman. Ullstein Taschenbuch 2024. 208 S. (NB1391) 11,99 Euro
Doris ist Sekretärin bei einem zudringlichen Rechtsanwalt. Sie will nicht mehr tagaus tagein lange Briefe tippen, sondern ein Star werden. Sie will in die große Welt, ins Berlin der Roaring Twenties. Irmgard Keun hat Doris' kunstseidene Abenteuer " naiv und brillant, witzig und verzweifelt, volkstümlich und feurig" beschrieben (Hermann Kesten). Bunte Unterhaltung in Verbindung mit satirischer Zeitkritik - eine seltene Einheit.



Irmgard Keun: Nach Mitternacht. Roman. Ullstein Taschenbuch 2023. 192 S. (NB752) 12.99 Euro
Als 16jährige erlebt Susanne Moder die "Machtergreifung" und in den folgenden vier Jahren, wie der Terror in das kleinbürgerliche Leben eindringt. Sie muß sich entscheiden.



Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen. Mit einem Nachwort von Thomas Rosenlöcher. Insel Taschenbuch (insel klassik) 144 S. (NB1416) 6,50 Euro



Charles Chaplin: Die Geschichte meines Lebens. Fischer Taschenbuch. 510 S. (NB328) 16 Euro



Dominique Manotti: Hartes Pflaster. Roman. Mit einem Interview mit Dominique Manotti. Assoziation A 2004 (Serie Noir) 336 S. (NB770) 16 Euro
"Noir ist das Signet einer neuen Reihe im Verlag Assoziation A, die sich ausschließlich dem roman noir widmet. Eine in Frankreich sehr erfolgreiche zeitgenössische Form, Geschichte zu erzählen. In dieser Reihe erscheinen nur solche Krimis, die noch nicht auf deutsch veröffentlicht wurden, aber in Frankreich so links wie erfolgreich sind." (Verlagsmitteilung).



Howard Fast: Spartacus. Mit einer Einführung von Howard Fast und einem Nachwort von Raphael Zehnder. Unionsverlag 2005. 384 S. (NB1011) 11,90 Euro
Rom im Jahr 73 vor unserer Zeitrechnung. Besonderer Beliebtheit beim Publikum erfreuen sich die Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod. Auch der Sklave Spartacus ist von der Bergwerken der Nubischen Wüste in die Gladiatorenschule von Capua verschleppt worden. Als er und seine Mitgefangenen rebellieren, wird aus der lokalen Revolte ein Flächenbrand: Spartacus führt den größten Sklavenaufstand der Geschichte an, der das Römische Reich in seinen Grundfesten erschüttert. Howard Fasts historischer Roman entwirft ein Panorama der römischen Gesellschaft. Der 1951 erschienene Roman wurde 1960 von Stanley Kubrick verfilmt. Hauptdarsteller und Produzent Kirk Douglas setzte sich dafür ein, daß neben dem Autor Howard Fast auch andere Filmschaffende, die auf der "Schwarzen Liste" des "Kommunistenjägers" Joseph McCarthy standen, an der Produktion beteiligt wurden.



Martin Andersen Nexö: Die Küste der Kindheit. Die schönsten Erzählungen. Aufbau Taschenbuch 2001. 320 S. (NB344) 7,95 Euro



Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür und ausgewählte Erzählungen. Mit einem Nachwort von Heinrich Böll. Rororo 1956. 128 S. (NB121) 5,95 Euro



Anna Seghers: Überfahrt. Eine Liebesgeschichte. Aufbau Taschenbuch 1997. 144 S. (NB185z) 7,15 Euro
"Mit einer Abfahrt ist nichts zu vergleichen. Keine Ankunft, kein Wiedersehen. Man läßt den Erdteil endgültig hinter sich zurück. Und was man dort auch alles erlebt hat an Leiden und Freuden, wenn die Schiffsbrücke hochgezogen wird, dann liegen vor einem drei reine Wochen Meer."



Anna Seghers: Karibische Geschichten. Aufbau Taschenbuch 2000. 256 S. (NB245) 6 Euro
Die Hochzeit von Haiti; Wiedereinführung der Sklaverei in Guadeloupe; Das Licht auf dem Galgen.



Anna Seghers: Das siebte Kreuz. Ein Roman aus Hitlerdeutschland. Aufbau Taschenbuch 2000. 448 S. (NB247) 9,99 Euro



Anna Seghers: Die Rettung. Roman. Aufbau Taschenbuch 1995. 528 S. (NB266z) 9,15 Euro



Anna Seghers: Transit. Roman. Aufbau Taschenbuch 2018. 318 S. (NB267) 12 Euro
Über die Flucht der Emigranten aus dem besetzten Frankreich.



Anna Seghers: Sonderbare Begegnungen. Drei Erzählungen. Aufbau Taschenbuch 1994. 144 S. (NB439z) 6,55 Euro



Anna Seghers: Sämtliche Erzählungen 1924-1980. Aufbau Taschenbuch 6 Bände im Schuber. (NB184) 39 Euro
Erzählungen schrieb Anna Seghers ein Leben lang. Geschichten waren die ersten Arbeiten, die sie veröffentlichte, und die letzten. Mit dieser Sammlung sind, chronologisch geordnet, erstmals alle zugänglichen Erzählungen von Anna Seghers zusammengefaßt. In sechs Bänden ist ein unglaublich facettenhaftes Werk gebündelt, das Erzählungen bietet, die zu den schönsten der deutschen Literatur gehören.



Lion Feuchtwanger: Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis. Roman. Aufbau Taschenbuch 2000. 608 S. (NB182) 14,99 Euro



Lion Feuchtwanger: Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz. Roman. Aufbau Taschenbuch 1995. 880 S. (NB274) 12,99 Euro



Lion Feuchtwanger: Exil. Roman. Aufbau Taschenbuch 1998. 864 S. (NB276) 18 Euro



Lion Feuchtwanger: Die Jüdin von Toledo. Roman. Aufbau Taschenbuch. 512 S. (NB1424) 14 Euro



Heinrich Mann: Ein ernstes Leben. Roman. Mit einem Nachwort von Elke Segelcke und einem Materialienanhang. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden 1991. 336 S. (NB228) 9,90 Euro



Heinrich Mann: Der Untertan. Roman. Fischer Taschenbuch. 496 S. (NB288) 11 Euro



Heinrich Mann: Professor Unrat. Roman. Rororo 190 S. (NB289) 9,99 Euro



Heinrich Mann: Die Armen. Roman. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 320 S. (NB293) 9,95 Euro



Heinrich Mann: Empfang bei der Welt. Roman. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 464 S. (NB294) 9,90 Euro



Heinrich Mann: Flöten und Dolche. Novellen. Fischer Taschenbuch Studienausgabe in Einzelbänden. 160 S. (NB296) 6,40 Euro



Klaus Mann: Mephisto. Roman einer Karriere. Rororo. 402 S. (NB332) 8,90 Euro



Klaus Mann: Der Wendepunkt. Ein Lebensbericht. Mit einem Nachwort von Frido Mann. Rororo. 542 S. (NB333) 9,90 Euro



Klaus Mann: Der Vulkan. Roman unter Emigranten. Mit einem Nachwort von Michael Töteberg und 30 Szenenfotos aus der Verfilmung von Ottokar Runze. Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. Rororo. 576 S. (NB529) 9,90 Euro



Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg. Edition suhrkamp. 128 S. (NB470) 5,50 Euro



Bertolt Brecht: Der kaukasische Kreidekreis. Edition suhrkamp. 132 S. (NB463) 5 Euro



Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan. Parabelstück. Edition Suhrkamp. 158 S. (NB465) 5,50 Euro



Bertolt Brecht: Die heilige Johanna der Schlachthöfe. Edition suhrkamp. 160 S. (NB467) 6 Euro



Bertolt Brecht: Herr Puntila und sein Knecht Matti. Volksstück. Edition suhrkamp. 144 S. (NB469) 5,50 Euro



Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper. Edition suhrkamp. 128 S. (NB461) 5,50 Euro



Bertolt Brecht: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Oper. Edition suhrkamp. 112 S. (NB466) 6 Euro



Bertolt Brecht: Baal. Drei Fassungen. Kritisch ediert und kommentiert von Dieter Schmidt. Edition suhrkamp. 232 S. (NB464) 9,00 Euro



Bertolt Brecht: Die Maßnahme. Zwei Fassungen. Anmerkungen. edition suhrkamp. 112 S. (NB1199) 7,50 Euro



Bertolt Brecht: Leben des Galilei. Schauspiel. Edition suhrkamp. 144 S. (NB460) 5,50 Euro



Bertolt Brecht: Schwejk im zweiten Weltkrieg. Edition suhrkamp. 128 S. (NB462) 7,50 Euro



Bertolt Brecht: Furcht und Elend des Dritten Reiches. Edition suhrkamp. 144 S. (NB468) 7 Euro



Bertolt Brecht: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui. Edition Suhrkamp. 144 S. (NB900) 5,50 Euro



Bertolt Brechts Hauspostille. Suhrkamp Taschenbuch. 168 S. (NB1305) 8 Euro



Bertolt Brecht: Hundert Gedichte 1918-1950. Aufbau Verlag 1998. 268 S. (NB476z) 12.50 Euro
Die von Wiland Herzfelde besorgte Auswahl wurde von Brecht autorisiert und erschien erstmals 1951.



Bertolt Brecht: Buckower Elegien / Gedichte aus dem Exil. Insel-Bücherei. 56 S. Hc. (NB478) 9,80 Euro



Bertolt Brecht: Dreigroschenroman. Suhrkamp Taschenbuch. 400 S. (NB879) 13 Euro



Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner. Suhrkamp taschenbuch. 128 S. (NB471) 6 Euro



Bertolt Brecht: Kalendergeschichten. Rororo. 128 S. (NB474) 8,99 Euro



Bertolt Brecht: Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar. Romanfragment. Rororo. 158 S. (NB473) 4,50 Euro



Bertolt Brecht: Flüchtlingsgespräche. Suhrkamp taschenbuch. 176 S. (NB472) 7 Euro



Bertolt Brecht: Me-ti. Buch der Wendungen. Bibliothek Suhrkamp. 196 S. Hc. Mit SchU. (NB475) 12,80 Euro



Bertolt Brecht: Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Hg. von Werner Hecht, Jan Knopf, Werner Mittenzwei, Klaus D. Müller. Suhrkamp Verlag. 30 Bände (33 Teilbände). Band 1-10: Stücke, Bd. 11-15: Gedichte, Bd. 16-20: Prosa, Bd. 21-25: Schriften, Bd. 26-27: Jornale, Bd. 28-30: Briefe, Registerband. Jeder Band enthält einen ausführlichen Apparat über Entstehung, Wirkung, Textfassungen und einen Zeilenkommentar. ca. 22.000 Seiten, jeder Band Leinen mit Schutzumschlag und zwei Lesebändchen. (NB 980) 1280 Euro
Die meisten Bände sind noch einzeln lieferbar.



Brecht Liederbuch. Herausgegeben und kommentiert von Fritz Hennenberg. Suhrkamp Verlag 7. Aufl. 2017. 550 S. Paperback (NB1399) 18 ¤
Mit Noten und Anmerkungen.



Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. Tragödie in fünf Akten mit Vorspiel und Epilog. Mit einem Vorwort von Franz Schuh, herausgegeben von Bernhard Fetz. Verlag Jung und Jung 2014 (Reihe Österreichs Eigensinn). 800 S. Ln. (NB1285) 38 Euro
Einem "Marstheater" hat Karl Kraus seine Weltkriegstragödie zugedacht - weil sie mit ihren über 200 Szenen nicht nur im Umfang über jede menschliche Vorstellung hinausgeht. Die Tragödie findet hier nicht nur auf dem Theater statt, sie ist eine Katastrophe von apokalyptischen Dimensionen, der Untergang der Welt in einer "Extraausgabee". Und so endet der Krieg, gegen den Karl Kraus mit satirischem Furor und moralischer Beschämung Krieg geführt hat, hier nicht mit einem Frieden: "Dieser nicht." Denn: "Er hat sich nicht an der Oberfläche des Lebens abgespielt, sondern im Leben selbst gewütet. Die Front ist ins Hinterland hineingewachsen. Sie wird dort bleiben." Und Karl Kraus spürt ihrem Verlauf nach: in der Presse wie im Militärkommando, im Café wie am Schlachtfeld, im Wurstelprater wie vorm Kriegsgericht und vor allem in dem von Chauvinismus und Gewissenlosigkeit verseuchten Denken und Sprechen seiner Zeitgenossen. Aus Erfundenem wie Gefundenem gestaltet Karl Kraus ein großes Panorama des Schreckens, den tragischen Karneval einer Menschheit im Vernichtungsrausch: ein literarisches Fanal, Mahnmal und Monument.



Karl Kraus: Sittlichkeit und Kriminalität. Karl Kraus Schriften Bd. 1. Suhrkamp Taschenbuch. 384 S. (NB864) 10 Euro



Karl Kraus: Aphorismen. Suhrkamp Taschenbuch. 544 S. (NB1301) 13 Euro
Die Aphorismensammlungen "Sprüche und Widersprüche", "Pro domo et mundo" und "Nachts" in einem Band.



Kurt Tucholsky: Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte. rororo. 158 S. (NB447) 7,90 Euro
Dieses berühmte "Bilderbuch für Verliebte", die sommerliche Wochenendfahrt zweier junger Großstadtmenschen ins märkische Schloßstädchen, ist voll liebenswürdiger Ironie und erotischem Charme. Neben den biedermeierlich-poetischen Zeichnungen Kurt Szafranskis enthält diese Neuausgabe auch noch eine Auswahl verwandter Prosa.



Kurt Tucholsky: Deutschland Deutschland über alles. Ein Bilderbuch. Montiert von John Heartfield. Rororo. 258 S. (NB449) 7,50 Euro
Dieses Buch von deutscher Ungerechtigkeit, Verblendung und deutschem Hochmut ist ein Schreckbild der "goldenen zwanziger Jahre". Zugleich aber sind Tucholskys Kommentare zu Heartfields Fotomontagen eine Warnung für die Gegenwart.



Kurt Tucholsky: Deutsches Tempo. Texte 1911 bis 1932. rororo. 958 S. (NB456) 10 Euro
Ergänzungsband zur zehnbändigen Werkausgabe.



Kurt Tucholsky: Die Q-Tagebücher 1934-1935. rororo. 446 S. (NB452) 7,50 Euro



Kurt Tucholsky: Unser ungelebtes Leben. Briefe an Mary. rororo. 636 S. (NB454) 9,90 Euro



Kurt Tucholsky: Briefe aus dem Schweigen 1932-1935. Briefe an Nuuna. Rororo. 318 S. (NB453) 6,50 Euro



Kurt Tucholsky dargestellt von Michael Hepp. Rororo 1998 (rowohlts monographie). 192 S. Mit zahlr. Abb. (NB457) 8,95 Euro



Das Erich Kästner Lesebuch. Diogenes (detebe). (NB298) 12,00 Euro



Erich Kästner: Bei Durchsicht meiner Bücher. Dtv. (NB307) 6,60 Euro



Hans Fallada: Wolf unter Wölfen. Roman. rororo. 1332 S. (NB1415) 12,99 Euro
In epischer Breite angelegte Schilderung des Inflationsjahres 1923. Mit einem Nachwort zur Entstehungsgeschichte des Romans.



Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein. Roman. Aufbau Taschenbuch 2011. 704 S. (NB1421) 12,99 Euro
Auf Bitten von Johannes R. Becher schrieb Fallada diesen Roman über das Leben der "kleinen Leute" während der Nazi-Diktatur. Erstmals in der ungekürzten Fassung, mit einem umfangreichen Anhang.



Hans Fallada: Bauern, Bonzen und Bomben. Roman. rororo 2018. 720 S. (NB1411) 9,99 Euro
Was Fallada als Berichterstatter im "Landvolkprozeß" von 1928 erlebte, verarbeitete er zu einem handlungsreichen Provinzroman. Tucholsky nannte Falladas Satire ein "politisches Lehrbuch der Fauna Germanica, wie man es sich nicht besser wünschen kann".
Der Kampf des Landvolks gegen die verhaßte Bürokratie, gegen die verhaßte Republik, der sich zum Kampf aller gegen alle ausweitet. Die Revolte von rechts besiegelt das Scheitern der ersten Demokratie in Deutschland.



Hans Fallada: Kleiner Mann - was nun? Roman. Aufbau Taschenbuch. 556 S. (NB440) 14 Euro
Erstmals in der Originalfassung. In diesem bewegenden Roman, der zum Welterfolg wurde, schildert Fallada das hoffungslose Leben der kleinen Angestellten in den letzten Jahren der Weimarer Republik.



Hans Fallada: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt. Roman. Aufbau-Taschenbuch. 592 S. (NB548 bes) 12,99 Euro



B. Traven: Die Baumwollpflücker. Roman. Eine Edition der Büchergilde Gutenberg im Diogenes Verlag. B. Traven Werkausgabe Bd. 2. Taschenbuch 224 S. (NB1428) 12 ¤



B. Traven: Die Brücke im Dschungel. Roman. Eine Edition der Büchergilde Gutenberg im Diogenes Verlag. B. Traven Werkausgabe Bd. 3. Taschenbuch 208 S. (NB1429) 12 ¤



Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. Roman. KiWi. 224 S. (NB325) 11 Euro
Eines der meistbeachteten Bücher gegen den Krieg.



Erich Maria Remarque: Arc de Triomphe. Roman. KiWi. 460 S. (NB327) 12,99 Euro
Die Geschichte des Arztes Ravic, der nach Paris emigriert und hier den Vorabend des Zweiten Weltkriegs erlebt.



Hermann Kant: Der Aufenthalt. Roman. Aufbau Taschenbuch 1994. 578 S. (NB176) 10 Euro
"'Der Aufenthalt' ist eine Passionsgeschichte mit Humor und ein Schelmenroman mit tragischen Zügen. ... Wir haben Hermann Kant ein aufschlußreiches, ein witziges Buch zu verdanken. Dieser Schriftsteller war und ist ein harter und intelligenter Gegner unserer westlichen Welt. Zur Herzlichkeit haben wir wahrlich wenig Grund. Aber doch zu einer knappen respektvollen Verneigung." (Marcel Reich-Ranicki).



Hermann Kant: Kormoran. Roman. Aufbau Taschenbuch. 272 S. (NB550) 7,95 Euro Ein Nach-Wende-Roman: Streitbar, bissig, amüsant.



Hermann Kant: Ein bißchen Südsee. Erzählungen. Aufbau-Taschenbuch. 192 S. (NB552) 6,50 Euro



Franz Josef Degenhardt: Zündschnüre. Roman. Aufbau Taschenbuch 1996. 224 S. (NB178z) 8 Euro
Sie sitzen auf Meurichs Mauer, und ihnen entgeht nichts, was in der Siedlung, im Werk oder im Russenlager passiert. Während die Väter im Krieg sind oder im KZ, beginnen Fänä und seine Kumpane unbekümmert um jede Gefahr und lustvoll fortzusetzen, was ihnen ihre Leute vorgelebt haben: die Dreizehn-, Vierzehnjährigen greifen in den scheinbar so unaufhaltsamen Gang der Dinge ein; sie sabotieren, plündern, versuchen eine Partisanenarmee zu gründen und verstecken Leute.



Franz Josef Degenhardt: Brandstellen. Roman. Aufbau Taschenbuch 1997. 320 S. (NB179z) 9 Euro Die Fotzsetzung von "Zündschnüre" in den 70er Jahren.



Franz Josef Degenhardt: Der Mann aus Fallersleben. Die Lieben des August Heinrich Hoffmann. Roman. Aufbau Taschenbuch 1996. 446 S. (NB323z) 9,15 Euro
August Heinrich Hoffmann, der sich von Fallersleben nannte, Verfasser der Deutschland-Hymne und volkstümlicher Kinderlieder, war einer der meistverehrten und meistverfolgten Männer seiner Zeit: Ein Professor und Poet, streitbar, schwärmerisch und vielfach gedemütigt, wie andere Vor- und Nachmärz-Liberale wegen aufrührerischer Gesinnung aus vielen Orten ausgewiesen, ständig in unsicheren Verhältnissen und ständig - meist unglücklich - verliebt.



Franz Josef Degenhardt: Die Abholzung. Roman. Aufbau Taschenbuch 1999. 320 S. (NB324z) 9,15 Euro
Rettungsaktion für ein bedrohtes Waldstück. Ein Bürgerkomitee kämpft gegen Bauunternehmer und Bürgermeister. Doch wie soll sich der Erfolg einstellen, wenn selbst die Umweltschützer nicht frei sind von Korruption und Egoismus?



George Martin, Jeremy Hornsby: Es begann in der Abbey Road. Der geniale Produzent der Beatles erzählt. Hannibal Verlag 2013. 336 S., zahlr. Fotos (NB1261) 24,99 Euro
Er sah das große musikalische Potential der Beatles voraus und nahm sie für EMI unter Vertrag. Von ihrem ersten Hit "Love Me Do" an produzierte er die Beatles und ließ ihre Ideen in den legendären Abbey Road-Studios zu Musikaufnahmen werden. Sir George Martin gilt heute zurecht als der "fünfte Beatle", denn er wurde zum Arrangeur und Ideengeber der Band. Und es war seine Entscheidung, Schlagzeuger Ringe Starr in die Band aufzunehmen... Andere Plattenfirmen wie Decca und Philips hatten die Band aus Liverpool bereits abgelehnt. George Martin hörte sich dennoch die Decca-Aufnahmen an: "Ziemlich lausig, schlecht balanciert, Songs von einer sehr ungeschliffenen Gruppe. Aber irgendetwas klang interessant", erinnert sich Martin in seinem Buch. Von den ersten Aufnahmen 1962 über die Experimente bei "Sergeant Pepper's" bis zu den Solo-Projekten von Ringo Starr und Paul McCartney nach dem Ende der Beatles schuf er Klassiker. Details aus Plattenverträgen, die Entwicklung der Studiotechnik seit den 1950er Jahren, die Marotten mancher Stars: Diese Autobiografie schildert unterhaltsam und garniert mit vielen Anekdoten das Frühwerk eines der erfolgreichsten Produzenten, der in 50 Jahren seines Schaffens neben den Beatles auch für The Police, Elton John, Jeff Beck, Michael Jackson und viele andere Stars Welthits produzierte. Ein neuer, einzigartiger Blick hinter die Kulissen der Beatles!



Bob Dylan - Ein Kongreß. Ergebnisse des Interbationalen Bob Dylan Kongresses 2006 in Frankfurt am Main. Hg. von Axel Honneth, Peter Kemper und Richard Klein. Edition Suhrkamp. 352 S, (NB1366) 14 Euro



Anais Nin: Die verborgenen Früchte. Fischer Taschenbuch 2005. 208 S. (NB842) 8,95 Euro
Ein Maler, der seine Frau nur in seinen Werken begehren kann, zwei Fremde am Strand, die im Meer zueinander finden - sensibel und unverhüllt beschreiben die Geschichten der Anais Nin die ganze Welt der Liebe. Bei aller Offenheit haben sie dabei vor allem ein Ziel: zu zeigen, daß Sex erst durch Gefühle zu wirklicher Erotik wird.



Helmut Loeven: Streiten Sie nicht mit einem Deutschen, wenn Sie müde sind. 21 Polemiken. Situationspresse 2001. 128 S. Paperback. (NB1077) 10 Euro
21 polemische Aufsätze, die in den Jahren 1994 bis 2001 in dem satirischen Magazin DER METZGER erschienen sind, werden in diesem Buch zu einer Collage der Gesellschaftskritik kompiliert. Themen: 8. Mai; Stefan Heym als Alterspräsident und die Schlammschlacht der Opportunisten (Biermann & Broder); Deutsche "Leitkultur" als "Kultur" der Dummheit und Gehässigkeit; die Taz; Afghanistan; Dunkelziffer; die Grünen; Viagra und der Feminismus; Henryk M. Broders Geltungsbedürfnis; Jugoslawien; Dienstleistungsgesellschaft; Kohl; Gesundheitspolitik; PDS; Gisela Elsner; Mescalero-Affäre; "68".



Helmut Loeven: Die Vegetarier von heute sind die Kannibalen von morgen. Das philosophische Kabarett. 177 Glossen (Sie können Gedanken lesen). Situationspresse 2003. 192 S. (NB1078) 10 Euro.
Eine Auswahl von Glossen, die von 1992 bis 2003 in dem satirischen Magazin DER METZGER erschienen sind, für diese Edition bearbeitet und zu einer polemischen Collage komponiert. Die Kapitel: Call any Vegetable; Kritik der reinen Unvernunft; Über das Reale; Die Vegetarier von heute sind die Kannibalen von morgen; Aus der Geschichte der Musik; Chauvinisten im Stimmbruch (gegen den Etikettenschwindel der "Antideutschen"); Antworten; Heimatkunde.



Helmut Loeven: Der Gartenoffizier. 124 komische Geschichten. Situationspresse 2008. 268 S. (NB1079) 20 Euro.
Komische Geschichten, schöne Geschichten, Geschichten an Kaminen. "Dieses Buch ist ein Beitrag zur Heimatkunde und zur Zeitgeschichtsforschung und ein Einspruch gegen Verhältnisse, die nicht so sein sollten wie sie sind", sagte der Autor. Und darum handeln die Geschichten auch von der Großen Verweigerung. Schul-Geschichten, Rock-and-Roll- Geschichten, DER METZGER, APO- und Ostermarsch-Geschichten, K-Gruppen-Geschichten, Kommune-Geschichten, Bröselmaschine, Obelix-Geschichten, Liebesgeschichten, Hut-Film-, Eschhaus- und Mister-Jöes-Geschichten, Schöne-Frauen-Geschichten, Friedensdemo-Geschichten, Uni-Geschichten, DISS, Dada, Weltbühne, UZ-Fest-Geschichten u.v.a. "Mit Spaß-Guerilla hielten wir uns gar nicht erst auf; wir gingen gleich zur Quatsch-Guerilla über."



Wiglaf Droste: Bombardiert Belgien & Brot und Gürtelrosen. Edition Tiamat. Gebunden. (NB427) 14 Euro



Wiglaf Droste / Gerhard Henschel: Der Mullah von Bullerbü. Roman. Edition Nautilus 2000. Hardcover mit Schutzumschlag. (NB225) 14,80 Euro



Siegmar Wyrwich: Der achte Rodin. 196 S. (NB1440) 11,80 Euro.
Zwei alte Freunde auf der Jagd nach einem verschollenen Kunstwerk, durch dessen Fund sich für jeden von ihnen ein Traum erfüllen könnte. Wenn nur nicht immer alles mögliche schiefgehen würde. Ein Abenteuer zwischen Ruhrpott und Paris.
Stahlbaron August Thyssen war begeisterter Sammler der Skulpturen des französischen Bildhauers Auguste Rodin. Sieben Skulpturen hatte er nachweislich in Auftrag gegeben. Doch, gab es vielleicht noch eine achte Skulptur, wie eine bislang unentdeckte Tagebucheintragung vermuten lässt? Gästeführer Paul Werner und sein Freund, der Bildhauer Manni Baumann, wollen der Sache auf den Grund gehen. Die Geschichte einer Freundschaft.
Peter Klucken in der Rheinischen Post:
Seine Geschichte entwickelt Wyrwich mit leichter Feder: Der Duisburger Gästeführer Paul Werner, ein studierter Halbverweigerer von möglichen "besseren" Berufskarrieren, erfährt davon, dass der Stahlbaron August Thyssen nicht nur, wie überall zu lesen ist, sieben Skulpturen des Bildhauers August Rodin besaß, sondern sogar acht. Wer diese achte Skulptur findet, hat finanziell für sein Leben natürlich ausgesorgt, meint Paul Werners alter Freund Manni Baumann, ein Bildhauer. Und die beiden machen sich auf die Suche nach dieser geheimnisvollen Skulptur eines Künstlers, dessen Werke heutzutage millionenschwer gehandelt werden. [...] Nach der Lektüre möchte man sich einige Fortsetzungen mit diesem Romanpersonal wünschen. Ein Gästeführer mit juristischem Hintergrundwissen und eine lebenspraktische Juristin als Lebenspartnerin sowie ein Künstler, der einen Sprinter fährt und der gelegentlich sein Brot als Entrümpler verdienen muss, und die vielen möglichen Gäste und Kunden: all das sollte Siegmar Wyrwich nach einem solch gelungenen Erstling zum weiteren Schreiben ermutigen.
Thomas Becker in der WAZ:
Der 1926 auf Schloss Landsberg verstorbene Stahl-Baron August Thyssen bewies als steinreiches und zutiefst geiziges Unternehmer-Genie durchaus Ähnlichkeiten mit der Comic-Figur Dagobert Duck. Doch dass der König der Hochöfen noch einmal in einem Roman auftauchen sollte, damit war nun nicht zu rechnen. Der in Hamborn aufgewachsene Autor Siegmar Wyrwich hat jetzt mit "Der achte Rodin" eine spannende kleine Geschichte veröffentlicht, die ideenreich und mit einem kumpelhaften Tonfall mit den historischen Fakten spielt. Dazu gibt es Begegnungen und Orte wie etwa der Landschaftspark Nord, die dem Duisburger Leser sehr bekannt sind. [...] Wie die Suche nach dem achten Rodin dann zuletzt ausgeht, soll hier selbstverständlich nicht verraten werden. Die Leser können sich auf jeden Fall über eine originelle und gut erzählte Geschichte freuen.



Günter Amendt, Gunter Schmidt, Volkmar Sigusch: Sex tells. Sexualforschung als Gesellschaftskritik. konkret texte 54. 144 S. (NB1178) 18 Euro
"Heute scheint es so, als könnten alle sexuell beinahe alles tun. Doch 95 Prozent der Koitus ereignen sich in festen Beziehungen, und die Singles, die immerhin 25 Prozent der Stichprobe stellen, bringen nur 5 Prozent der sexuellen Ereignisse auf die empirische Waage. Unser Alltag ist von sexuellen Reizen ebenso übersättigt wie entleert, als könne die übertriebene kulturelle Inszenierung des Sexuellen und dessen ausufernde Kommerzialisierung die Lust effektiver austreiben als alle Verbote, die einst das Sexuelle großgemacht haben und die heute bei uns institutionell im Ernst nur noch der Vatikan propagiert. Die Emanzipationsbewegungen haben um sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung gekämpft. Doch herausgekommen sind Selbstbezüglichkeiten, selbstmächtig selbst produziert und selbst reguliert wie Selfsex und Selfgender."



Melissa Gira Grant: Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit. Aus dem Englischen von Georg Felix Harsch. Mit einem Vorwort von Mithu M.Sanyal. Edition Nautilus 2014. 192 S. (NB1294) 14,90 Euro
In der Debatte um ein Verbot der Prostitution kommen Sexarbeiterinnen (und erst recht Sexarbeiter) kaum selbst zu Wort. Bei bestürzend vielen Feministinnen herrscht eine zutiefst sexistische Auffassung von Prostituierten, wie sie eigentlich eher konservativen alten Männern unterstellt werden könnte: als unterdrückte Opfer, die es zu befreien gilt. Die aus dieser Bevormundung folgende Forderung, Prostitution gehöre verboten, wird aber kaum jemals von den Sexarbeiterinnen selbst vertreten. In Hure spielen stellt Melissa Gira Grant, Journalistin und ehemalige Sexarbeiterin, die Dinge vom Kopf auf die Füße und lässt die Akteure selbst zu Wort kommen. Dabei entlarvt sie die Position von Alice Schwarzer & Co. als paternalistischen Willen zur Kontrolle und plädiert für einen grundsätzlich neuen Blick auf die Sexindustrie. Sie berücksichtigt auch männliche und transsexuelle Sexarbeit.
Mithu M. Sanyal, die bekannte feministische Kulturwissenschaftlerin, hat für die deutsche Ausgabe ein Vorwort geschrieben, in dem sie Grants Positionen in die deutsche und europäische Debatte einordnet.



Thomas Schroedter, Christina Vetter: Polyamory. Eine Erinnerung. Schmetterling Verlag 2. Aufl. 2010 (Reihe theorie.org). 168 S. (NB1282) 15 Euro
Der Begriff der Polyamory tauchte in den 1960er Jahren erstmals in den USA auf und wird seit etwa zehn Jahren auch hierzulande breiter diskutiert. Er steht für ein Beziehungsgeflecht, in dem mehrere Liebesbeziehungen verantwortungsvoll, ehrlich, offen und verbindlich gleichzeitig entwickelt und gelebt werden. Als Vorläufer sind die "Free-love-Bewegung" in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die vor allem eine sexuelle Emanzipation der Frauen im Zentrum ihrer Forderung hatte, sowie flüchtige Denk- und Diskussionsansätze nach der Russischen Revolution zu sehen.
Die vorliegende Veröffentlichung entfernt nun einen "blinden Fleck" in der publizistischen Landschaft. Sie geht der Frage nach, auf welchem Konzept der Liebe die Polyamory aufbaut und stellt den gegenwärtigen Forschungsstand zum Thema ausführlich dar. Die Auseinandersetzungen um "vielfältige Lebensweisen" werden aufgenommen, Polyamory wird als Aspekt in der Dynamisierung der Triade Geschlecht-Sexualität-Lebensform betrachtet und aus der Sicht des aktuellen Forschungsstandes dargestellt.
Besonderes Augenmerk wird auf die Stellung der Polyamory innerhalb der Sexualpädagogik gelegt und dies in Hinblick auf eine Erziehung und Beratung, die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung in den Bereichen Sexualität und Lebensweisen aller Menschen anerkennt und entsprechende Handlungsansätze entwickelt.



Barbara Eder, Felix Wemheuer (Hg.): Die Linke und der Sex. Klassische Texte zum wichtigsten Thema. Pro Media Verlag, Edition Linke Klassiker 2011. 176 S. (NB1230). 14,90 Euro
Mit Texten von Alexandra Kollontai, Elfriede Friedländer, Herbert Marcuse, Shulamith Firestone, Reimut Reiche, Michel Foucault, Beatriz Preciado, Linda Singer u.a.
"Die ursprünglich polygame Veranlagung ist zu stark im Menschen, als daß sie durch äußere und innere Gewalt gänzlich unterdrückt werden könnte (.). In der kommenden Zeit stürmischer, revolutionärer Entwicklung wird dieser Prozess sicher noch eine Beschleunigung und Intensivierung erfahren. Und in der von wirtschaftlichen Kämpfen befreiten glücklicheren Zukunft des Sozialismus wird die wilde Vermischung und Polygamie in allen Formen das Sexualleben des Menschen beherrschen." (Elfriede Friedländer, Sexualethik des Kommunismus, 1920). Die Überwindung von autoritären Formen der Kindererziehung und monogamen, eheähnlichen Zweierbeziehungen war immer wieder integraler Bestandteil utopischer Gesellschaftsentwürfe auf Seiten der politischen Linken. Ebenso waren viele Aktivisten der "1968er"-Bewegung der Überzeugung, soziale Revolution sei nicht ohne "befreite" Sexualität denkbar. Michel Foucault wandte in den späten 1970er Jahren gegenüber dem "Befreiungsparadigma" der "1968er" ein, daß die damit einhergehende verstärkte Diskursivierung des Sexes nicht zu einer Entfesselung der Körper und der Lüste, sondern vielmehr zur Hervorbringung neuer Machtrelationen geführt habe. In der Kommodifizierung von Sexualität werden diese auch sozialökonomisch sichtbar.
Mit der vorliegenden Dokumentation von linkskommunistischen, freudo-marxistischen und (queer)-feministischen Texten wird die Frage aufgeworfen, inwiefern Projekte einer gesamtgesellschaftlichen politischen Emanzipation mit einer Kritik der Sexualität einhergehen kann. Dabei geht es auch um neue Beziehungsformen wie die "erotische Freundschaft", Praktiken zur Überwindung einer genitalfixierten Sexualität oder um die Frage, wie (Un-)Lust mit Lohnarbeit zusammenhängt. Über den Umweg einer historischen Spurensuche versucht dieses Buch, emanzipatorische Elemente freizulegen.



Marvin Chlada: Dialektik des Dekolletés. Zur kritischen Theorie der Oberweite. Alibri Verlag 2006. 128 S. (NB946) 12 Euro
"Kunstwerke sind asketisch und schamlos, Kulturindustrie ist pornographisch und prüde." Max Horkheimer und Theodor W. Adorno.
Bereits zu biblischen Zeiten hat ein voller weiblicher Busen für reichlich Aufsehen und erregte Gemüter gesorgt. Doch nie haben Brüste mehr Stoff für pralle Debatten geliefert als im Zeitalter ihrer technischen
Reproduzierbarkeit. In seiner "Dialektik des Dekolletés" wirft Marvin Chlada einen Blick auf die Geschichte der Brust und ihre Instrumentalisierung zwischen Glaube, Kommerz und Utopie. Ausgehend von der "Busen-Attacke" auf Adorno im April 1969, sichtet er die Fülle an Material, die der Kult um die Oberweite bis heute hervorgebracht hat. Dabei folgt er dem Diktum Adornos: "Das einzige Heilmittel gegen die Fetischisierung des Sexuellen ist der sexuelle Fetischismus."



Ludwig Marcuse: Obszön. Geschichte einer Entrüstung. Diogenes Taschenbuch. 384 S. (NB1032 bes) 13 Euro
Die Frage: was empfindet man in der Literatur als obszön? demonstriert und erläutert Marcuse an großen literarischen Skandalen (Flaubert, Baudelaire, Schnitzler, D.H. Lawrence, Henry Miller). Ludwig Marcuse zieht als kritischer Freigeist und Entlarver mit Temperament gegen Muckertum und Heuchelei zu Feld.



Lina Ganowski: Meine angenehmen Erinnerungen. Tyrallis-Edition 2007. 144 S. (NB1016) 15 Euro
Erotische Memoiren. "Die Autorin führt uns durch ihr Studentenleben in Süddeutschland und von da aus nach Holland, von wechselnden Abenteuern mit Männern über eine lesbische Dreiecksbeziehung, bis sie schließlich ihre große Liebe (wieder-)entdeckt. Zwischen diesen Polen schildert sie ihren Werdegang, niemals bierernst, immer mit einem Augenzwinkern, denn so lebt sie auch ihre sexuelle Vorliebe aus. Ich empfehle das Buch, nicht als Wichsvorlage, denn dazu taugt es definitiv nicht, sondern als interessante Beschreibung des Lebens einer außergewöhnlichen jungen Frau." (Schlagzeilen)



Florian Flüring: In der Umlaufbahn des Mondes. Bekenntnisse eines Pygomanen. Tyrallis-Edition 1999. 234 S. (Er)18 Euro



Ronald D. Laing: Phänomenologie der Erfahrung. Übersetzt von Klaus Figge und Waltraud Stein. edition suhrkamp 1969. 154 S. (NB1353) 16 Euro
Ronald D. Laings Studie über Formen menschlicher Erfahrung zeigt, wie mit Hilfe sozialpsychologischer und psychoanalytischer Ansätze gesellschaftliche Strukturen begriffen werden können. Psychische Defekte sind für ihn nicht Probleme des einzelnen, sondern Reaktionen der Subjekte auf krankmachende Gesellschaftsstrukturen, die Psychiatrie individualisiert das Problem nur. Erst wenn die Vereinzelten, und das sind letztlich alle Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft, sich ihrer selbst und ihres Gegenübers durch Erfahrung im emphatischen Sinn wirklich bewußt werden, kann der Zustand des schlechten Ganzen aufgehoben werden.



Gerhard Abl: Kritische Psychologie. Eine Einführung. Schmetterling Verlag, Reihe Theorie.org 2007. 228 S. (NB1003) 10 Euro
Gerhard Abls kompakte Einführung zeichnet kritische Ansätze in der Psychologie nach, verdeutlicht Problemstellungen und Kontroversen und entwickelt daraus wesentliche Elemente einer kritischen Methodik. Das Buch veranschaulicht die historische Herausbildung jener Bezugspunkte, die vor allem aus den Bemühungen verschiedener psychologischer Schulen um eine marxistische Orientierung erarbeitet wurden und deren Kenntnis das Verständnis aktueller Strömungen und Ansätze erleichtert. Was kritische Psychologie sein kann, wird in diesem Buch vor allem aus psychoanalytischen Ansätzen heraus erklärt. Nicht zuletzt, weil kritische Konzeptionen von offiziellen Institutionen oftmals übergangen werden, bietet dieses Buch eine ideale Einführung für Schüler und Studenten, die sich für Psychologie interessieren und hierin eine gesellschaftskritische Anschauung vertiefen wollen, sowie für politisch Aktive in sozialen Berufen, denen an einer politischen Reflexion ihrer praktischen Tätigkeit liegt. Ferner richtet es sicvh an Leserinnen und Leser, die generell an einer verständlichen, fundierten Darstellung zum Thema interessiert sind.
Gerhard Abl: Studium der Psychologie und Politikwissenschaft in Salzburg, Dissertation zum Thema "Die Dialektik bei Freud".

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